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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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2750 réponses à ce sujet

#2501
SickOfItAll

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"Dann kommt, der ist gerade hier drüben! " flüsterte Lydia den beiden zu und begab sich aus dem Turm auf das Gerüst. Die Bretter waren schmal und links von ihr ging es gute vierzig Fuß in die Tiefe.

" Vorsichtig hier, wenn da wer runterfällt, wars das. "

Der Flaschenzug war an einem dicken Balken außen befestigt, das Seil war noch auf der Rolle und hing in die Tiefe. Sie zog am Seil, um es nach oben zu holen, aber die Rolle quietschte plötzlich.

" Das ist jetzt nicht das Optimum. Vernita, das geht nicht. Das quietscht so laut, das uns in ein paar Minuten die Wache am Hals hängt. Es hilft nichts, wir müssen alle über die Leitern nach unten.

Sie sah sich um und lauschte in die Nacht. " Entscheidet euch schnell, ich will nicht die Nacht hier draußen verbringen. "

#2502
Aliens Crew

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„Ja, das ist ein Problem, da gebe ich dir recht“, murmelte Vernita nachdenklich und tippte sich dabei mit dem Finger an ihr Kinn. „Trotzdem möchte ich doch an dieser Idee festhalten…“
 
Die Elfe schaute in die Runde, wobei ihr Blick an Lydia hängen blieb. Sie musterte das Mädchen eingehend von oben bis unten, während sich ihr Gesicht aufhellte. „Wie ich sehe, trägst du immer noch dein Lederzeug. Und jemand, der so etwas trägt, der hat doch auch sicher irgendein Salbenfett dabei, nicht wahr? Gib‘ mir das Zeug, und ich kümmere mich um dieses quietschende Teil hier. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinkriegen. Und dann sollten Leanora und du euch auf den Weg machen. Ich möchte euch unten haben, wenn ich gemeinsam mit Sha’ira Miandra in die Tiefe hinablasse. Nur zur Sicherheit, versteht sich…“
 
 

#2503
Bellandyrs

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Leanora entging nicht, wie schmerzverzerrt Miandras Gesichtsausdruck war. Wenn das nicht schnell besser wurde, würde sie auf Andrastes Angebot zurück kommen und versuchen, die Wunde zu heilen, auch wenn es sie ein Stück ihres Lebens kosten sollte. Das Problem an sich war, dass sie nicht wusste, wie sich das äußern würde. War sie nach der Heilung noch genauso gesund wie jetzt, oder würde sie müde und ausgelaugt sein, vielleicht sogar selber mit dem Schmerz belegt? Das Risiko konnte sie hier oben auf der Mauer unmöglich eingehen.
Zudem hatte die Wunde im Haus ja auch zu bluten aufgehört, lediglich die Anstrengungen hier waren daran Schuld.

Während sie in Gedanken versunken war, hörte sie den Flaschenzug quietschen. Erschrocken hielt sie die Luft an. Hatte sie jemand gehört? Ängstlich starrte sie ins Dunkel des Wehrgangs, ob sie jemanden reden hörte oder einen Lichtschein sehen würde, aber nichts tat sich.

Als sie Vernitas Anordnung hörte, bereitete sie sich auf den Abstieg vor. Der Boden war nicht zu erkennen, einerseits dank der Dunkelheit und andererseits war dieser entsetzlich weit unten. Ihre Knie zitterten leicht, als sie den Fuss auf die erste Sprosse der Leiter stellte. Die Zeit, die sie benötigte, bis sie unten war, würde Vernita nutzen können den Flaschenzug zu ölen. Und danach war wirklich keine Sekunde mehr zu verlieren. Wenn die Elfe fertig war, hatten Lydia und sie am Boden zu sein.

#2504
SickOfItAll

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Lea schien die Leiter nach unten zu kriechen. Anscheinend schreckte sie vor der Dunkelheit oder der Tiefe unter ihr zurück. Als sie endlich die erste Leiter nach unten geklettert war, lies sich Lydia an den Holmen nach unten rutschen.

" Nicht nach unten sehen, das hilft. Vielleicht sollte ich vorgehen. Ich sag dir wenn ich unten bin, aber beeil dich. Wir haben nicht all zu viel Zeit."

Gesagt, getan, sie schwang sich die Leiter hinunter und flüsterte Lea oben zu, das sie nach unten kommen könnte. Derweil sah sie sich um. Die Landschaft lag still unter ihnen, der Wald erstreckte sich bis zum Horizont. In der Ferne war schwach das Licht des Gesthauses zu sehen, wie ein tanzender Geist zwischen den Bäumen. Dort mussten sie heute noch hin.

" Sieh mal. Dort drüben ist das Gasthaus." flüsterte sie Lea zu, auch wenn sie nicht wusste, ob sie das schwache Licht auch sehen konnte. Manchmal wusste sie nicht so recht, was ihre Elfenaugen alles mehr sahen als die eines Menschen. So viele schöne Dinge hatte sie schon entdeckt, die anderen auf ewig verborgen blieben. Das warme, schwache Licht des Gasthauses, eingesunken in das riesige Kissen des Waldes war eines dieser Dinge.

#2505
Aliens Crew

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Mit dem letzten Rest des Salbenfetts, welches Vernita von Lydia bekommen hatte, rieb die Elfe die Rolle sowie alle beweglichen Teile ein, die zu dem Flaschenzug gehörten. Sie verteilte die weiße, milchig aussehende Substanz recht großzügig auf die Metallteile, um jede Geräuschentwicklung im Keim ersticken zu können. Nachdem sie damit fertig war, steckte sie das leere Tiegelchen in ihre Tasche, um es dem Mädchen später wiedergeben zu können. Anschließend testete sie noch einmal den Flaschenzug und stellte zu ihrer Zufriedenheit fest, dass er nun tadellos und vor allem leise zu benutzen war. So nickte sie noch einmal, ehe sie sich an Miandra wandte.
 
„Komm schon. Lass es uns hinter uns bringen, ja? Es ist zu deinem Besten“, meinte Vernita aufmunternd, als sie in das unzufrieden blickende Gesicht der schwarzhaarigen Frau sah. Sie konnte gut nachempfinden, wie es nun in Miandra ausschaute. Auch sie selbst konnte es nicht leiden, auf andere angewiesen sein zu müssen. Aber manchmal ging es eben nicht anders.
 
Die schwarzhaarige Frau erwiderte nichts darauf, sondern nickte nur leicht, während die Elfe mit dem Seil in der Hand auf sie zukam. Dieses band sie Miandra um den Körper, knotete es richtig fest, damit auch wirklich nichts passieren konnte.
 
„Ich hoffe, es ist nicht zu stramm, doch besser so, als wenn sich der Knoten plötzlich lösen würde, nicht wahr?“ lächelte Vernita ihr Gegenüber an. Die Angesprochene sagte abermals nichts dazu, doch ihr Blick sprach mehr als tausend Worte. „Gut, dann wollen wir mal. Halt dich gut an dem Seil fest und versuche dich mit den Füßen an der Außenmauer abzustützen, während Sha’ira und ich dich abseilen, in Ordnung?“
 
Vernita ging zusammen mit der Kriegerin zur Kante der Mauer und griffen gemeinsam nach dem anderen Ende des Seiles. Anschließend warteten sie gemeinsam auf Miandra. „Wir sind bereit. Wenn du auch soweit bist, dann komm her und wir lassen dich sicher nach unten hinab.“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 15 juin 2012 - 05:30 .


#2506
Kaysallie

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Miandra stieß nur ein mehr als missmutiges Seufzen aus, während sie zu der Mauer trat und einen ziemlich genervten Blick in die Tiefe warf. Den Boden konnte man aus dieser Höhe nicht mehr erkennen, selbst Leanora und Lydia schienen von der Dunkelheit vollends verschluckt.

„Na los, macht schon“, sagte sie nur beängstigend ruhig zu den anderen beiden, während ihre sonst so eisig blauen Iriden vor Ärger fast zu glühen schienen, nachdem sie über die Zinnen gestiegen war und dabei den Druck des Seils an ihrer Hüfte spürte. Nur kurz darauf merkte Miandra jedoch, dass dieser lockerer wurde, und so blickte sie über ihre eigene Schulter in die Tiefe und versuchte dabei einen ersten Halt mit ihren Füßen an der Mauer zu finden. Kurz darauf spürte sie ruckartig, dass der Druck um ihren Körper enorm zunahm, als sie die ersten Schritte in die Tiefe setzte, doch sie ließ sich nichts davon anmerken. Anfangs etwas langsamer, dann zunehmend schneller, glitt sie so an der Mauer hinab und relativ rasch konnte sie den Boden unter ihren Füßen spüren. Eine Freude darüber konnte man ihr jedoch nicht ansehen, dafür war sie zu verärgert über diese ‚Notwendigkeit‘.

Kaum, dass sie den Boden erreicht hatte, zückte sie auch gleich einen Dolch und befreite sich mit unzufriedenen klingenden Lauten umständlich von den Seilen um ihren Körper, als würde es sich dabei um gefährliche Würgeschlangen handeln, die sie gerade einwickeln wollten. Einige abgeschnittene Enden warf sie achtlos auf den Boden, ehe sie an dem noch von oben herabhängenden Tau des Flaschenzugs zweimal kurz kräftig anzog, um zu signalisieren, dass sie unten angekommen war.

Ohne Lydia oder Leanora auch nur eines Blickes zu würdigen, entfernte sie sich einige Schritte von der Mauer und musterte mit zusammengekniffenen Augen die in nächtliche Schwärze gefasste Umgebung. Die Blätter der Bäume raschelten leicht im Wind, leise zirpten einige Grillen aus verschiedenen Ecken und Miandra fragte sich, wann sie so etwas das letzte Mal gehört hatte, da ihr diese Geräusche bereits so fremd vorkamen.

Modifié par Kaysallie, 14 juin 2012 - 10:06 .


#2507
Aliens Crew

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„Sie ist unten. Also, lass uns von hier verschwinden“, bemerkte Vernita als Miandra zweimal an dem Seil zog. Sogleich ließ sie das Tau los und begab sich auf das Gerüst. Die Holzbohlen knarrten verdächtig unter den Sohlen ihrer schweren Stiefel und auch so wackelte das ganze Konstrukt ein wenig bedenklich.
 
Doch die Elfe machte sich nichts daraus, sondern eilte nur schnellen Schrittes zu der Leiter hinüber, welche sie so schnell es ihr möglich war nach unten stieg. Sha’ira folgte ihr umgehend, was der Stabilität des Gerüstes nicht gerade förderlich war. Noch mehr als zuvor wackelte und schaukelte das schlecht zusammengezimmerte Gebilde und einmal glaubte Vernita schon, dass das Ganze nun doch noch in sich zusammenbrechen würde. Und da fragte sie sich, wie man auf so einem Klappergestell vernünftig arbeiten sollte, als sie schließlich doch unbeschadet unten ankam.
 
Ein Blick in Miandras Gesicht zeigte ihr deutlich, wie wütend diese im Moment war. So beschloss die Elfe, die Frau vorerst in Ruhe zu lassen und wandte sich stattdessen an Lydia: „Na schön, Kleine. Du bist dran. Führe uns zum Heim deiner Freundin.“
 
 
 

#2508
SickOfItAll

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Nach einer kleinen schwankenden Odysse hatten nun auch Sha´ira und Vernita den Weg zu festem Grund wiedergefunden. Nun konnte es weitergehen.

" Das Gasthaus ist etwa zwanzig Minuten Fußweg von hier durch den Wald. Kommt Mädels, dort wartet schon Essen im Überfluss und die weichesten Betten."

Sie nahm Sha´ira bei der Hand und zusammen gingen sie vorran, etwa hundert Schritt den Weg am underen Ende der Mauer entlang, bevor sie auf einen Wildwechsel aprupt in das lichte Gehölz einbog. Der Wildwechsel verlor sich alsbald unter Hollundersträucher, die langsam zu blühen begannen und so folgte sie allein dem winzigen, schwachen Lichtschimmer, den die Taverne vor ihr in den Wald warf. Sha´ira konnte ihn auch sehen, bei Vernita war sie sich nicht so sicher.

Sie durchquerten eine verfilzte Hecke aus Brombeersträuchern, durch die ein kleiner Trampelpfad hindurch über eine kleine Steinbrücke zur Taverne. Es waren schon von weitem Stimmen zu vernehmen, auf dem Hof brannte wieder das große Feuer und es waren auch wieder einige Gäste draußen versammelt. Die breite Tür zum Schankraum stand offen und lud die warme Nachtluft ein, auf der Schwelle saß ein älterer Mann und spielte Harfe, von drinnen trug Mika zusammen mit einer ihr unbekannten Gastwirting mittleren Alters eine riesige Platte voller Fleisch, Nudeln und Klößen nach draußen zu einem großen Tisch, an dem diese sogleich lautstark begrüßt wurde.

" Na, zu viel versprochen ? Da wären wir. Lass uns gleich hier ein nettes Plätzchen organisieren und tafeln. Die Nacht ist jung, es gibt viel zu essen und mein Durst lässt sich nur in Literkrügen messen. "

Sie winkte Mika zu, welche auch gleich darauf zu ihr herüberkam. " Grüß euch Leute, was kann ich denn für euch tun ? " Fragte sie mit natürlicher, offener Freundlichkeit.

" Lass uns einen Tisch und Stühle holen, dann sehen wir mal weiter. Erstmal setzen, was ? "
Gemeinsam organisierten sie einen Tisch und Stühle, welche neben dem Eingang zur Schankstube im Schatten einer großen Tanne platz fanden. Zur Wand hin platzierten sie eine Bank auf die sich sogleich Lydia und Sha´ira fallen ließen.

" Da wären wir. Und jetzt heißts essen fassen! "

#2509
Kaysallie

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Schweigend durchquerten sie den Wald, worüber Miandra froh war. Stille war ihr schon immer lieber gewesen, als unnötiges Gequatsche. Zudem beruhigten sie der moosige Geruch und das leise Rascheln der Blätter, wodurch die Wut, die ihren Körper gerade so sehr vergiftete, ein wenig abklang, wenn auch nicht vollends. Die Schmerzen in ihrer Schulter erschwerten es, sich von solchen Kleinigkeiten besänftigen zu lassen und sorgten dafür, dass sich dieser Weg durch Nacht und Gestrüpp verdammt zäh anfühlte.

Trotz alledem fühlte sich Miandra nicht sonderlich erleichtert, als sie das Gasthaus erreichten. Denn die Flammen eines knisternden Feuers erhellten viele ihr unbekannte Gesichter, aus deren Mündern betrunkene Worte kamen. Eine freudige Stimmung lag über diesem Haus und Hof, die bei ihr das Gegenteil bewirkte. Sie mochte solche Menschenansammlungen einfach noch nie.

Miandra blieb einige Schritte entfernt in den Schatten der Bäume stehen und beobachtete skeptisch wie sich diese angebliche Mika zusammen mit Lydia und Sha´ira abplagte, sie gemeinsam einen Tisch und Stühle herbeizerrten und diesen auch gleich aufdeckten. Hatten diese Elfenkinder denn schon wieder hunger? Sie selbst hatte zumindest andere Sorgen.

„Welche Zimmer können wir haben, Mika?“ fragte sie das Mädchen, nachdem sie sich dem Tisch doch ein wenig genähert hatte. „Ich muss mich um meine Wunde kümmern. Und gegessen hab‘ ich schon“, murrte sie noch ein wenig genervt in sich hinein. Als ob sie sich hier rechtfertigen müsste?

#2510
Kisu

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" Wir haben noch ein paar Dachzimmer frei, oder ihr übernachtet in den Zimmern überm Stall. Das könnt ihr euch aussuchen. " Antwortete die Angesprochene und verwies auf die Fenster über den Pfedeunterständen.

" Wunde ? Lass mal sehen, ich flicke regelmäßig die Leute wieder zusammen, vielleicht kann ich was machen. Aber erst lass mich schnell den Tisch decken, dann kümmer ich mich um dich."

Nachdem der Tisch eingedeckt war und eine Ochsenhornkerze die Szenerie erhellte, zog Mika einen Schemel herbei und bat die schwarzhaarige Frau sich darauf niederzulassen.

" Einen Moment, ich hole noch Verbandszeug, mach in der Zeit die Wunde frei. "

Sha´ira beobachtete die Szenerie unterdessen mit viel Interesse. Sie selbst hatte als Kind in den Feldlarzaretten ausgeholfen, aber die Methoden aus dem Süden waren ihr fremd. Vielleicht konnte sie etwas lernen, wärend sie aufs Essen wartete. Sie hatte unglaublichen Hunger. Das bisschen Fleisch, das sie in der Stadt verschlungen hatten, war nichteinmal groß genug um einen hohlen Zahn auszufüllen, ihren Hunger befriedigte es bei weitem nicht.

#2511
Kaysallie

Kaysallie
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Eigentlich wollte Miandra gerade widersprechen, als das Mädchen verschwand, um Verbandszeug zu holen. Sie hatte mehr als nur wenig Interesse daran, sich schon wieder von jemand anders helfen zu lassen, noch dazu von einer Fremden. Das einzige, was sie zögern ließ, während Mika noch den Tisch gedeckt hatte, war die Tatsache, dass sie selbst kein Verbandszeug besaß. Doch trotz dieser Tatsache, setzte sich schließlich ihre Sturheit gegen die Vernunft durch.

„Schon gut, ich brauche keine Hilfe“, war daher alles, was sie zu dem schwarzhaarigen Mädchen sagte, als es mit dem Verbandszeug angekommen kam. Ehe dieses oder sonst wer widersprechen konnte, hatte sich Miandra auch schon in Bewegung gesetzt und steuerte auf die große Eingangstür der Taverne zu. Aus den Augenwinkeln konnte sie das Feuer und die feiernden Gäste wahrnehmen, was ein unwohles Gefühl in ihr auslöste. Was für Personen hier wohl Unterschlupf suchten? Ob sie einer von ihnen auf den Steckbriefen gesehen hatte und wiedererkannte? Dennoch schienen dies nebensächliche Fragen zu sein, die ihr durch den Kopf zogen.

Schließlich trat sie über die Schwelle des Hauses, ohne dem alten Mann, der noch immer seine Harfe spielte, wirkliche Beachtung zu schenken. Auch der Schankraum war gut besucht und die vielen entzündenden Kerzen und Fackeln verbreiteten eine wohlige Wärme. Miandra schenkte all dem nur wenige Blicke, sondern steuerte stattdessen zielstrebig auf die Treppe zu, die in die oberen Stockwerke führte. In der obersten Etage angekommen, betrat sie das erste der Zimmer, dessen Türe offen stand und damit signalisierte, dass es noch frei war. Zudem steckte der Schlüssel mit einem hölzernen Anhänger, in dem irgendeine Nummer eingeschnitzt war, in dem Schlüsselloch. Doch das interessierte Miandra ebenso wenig, wie die Einrichtung des Zimmers. Alles, was ihr dabei durch den Kopf ging, war, wie leichtsinnig diese Gastwirtinnen hier doch waren und das einzige, das ihr in dem kleinen Raum ins Auge stach, war das Bett, welches in dessen Mitte stand und nur durch das Licht einer Öllampe aus einer Ecke erhellt wurde.

Vor dem Bett blieb sie schließlich stehen und ließ ihre Tasche sowie Rüstung, mit einem befreienden Seufzen, scheppernd auf den Boden fallen. Erst danach setzte sie sich auf die weiche und bequeme Bettkante, worüber sie – wenn auch nur ganz kurz – doch ein wenig verwundert war, und betrachtete ihre Schulter. Der Verband, den ihr Vernita vorhin umgewickelt hatte, war an der Stelle der Verletzung wieder mit Blut getränkt worden und sogar an ihrem Arm hinuntergelaufen, was inzwischen jedoch eingetrocknet war. Bei dem Anblick kam auch sofort der Ärger von vorhin wieder zurück. Ärger darüber Hilfe gebraucht zu haben, aber noch viel mehr der Ärger über sich selbst.

Wütend schnaubend wandte sie ihren Blick daher wieder ab und ließ sich seitlich nach hinten aufs Bett fallen. Sie hatte sowieso kein Verbandszeug, also konnte sie den alten auch einfach oben lassen. Zumindest sagte ihr das eine plötzliche innere Stimme. Denn als sie so auf der weichen Decke lag, breitete sich Erschöpfung in ihren Knochen aus und endlose Müdigkeit trieb sich immer weiter in ihre schon brennenden Augen, weswegen ihr diese auch kurz darauf zufielen.

Modifié par Kaysallie, 19 juin 2012 - 11:51 .


#2512
Kisu

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" Die versteh mal einer..." meinte Mika schulterzuckend auf die Reaktion der schwarzhaarigen Frau. " Meint mans gut, laufen se weg. Aber jetzt erstmal zum essen! "

Mit diesen Worten eilte sie schnell zurück in die Schankstube und sprach kurz mit einer der Wirtshelferinnen.

" Bring uns zu erst einmal einen großen Krug Met. Und vielleicht noch einen Bierstein. Und wenn du schon auf dem Weg bist, bring uns noch irgendwas süßes. Schwarzbeerensaft oder soetwas. Wenn du noch Platz hast, bring uns einfach, was ihr grade kocht, aber nicht zu wenig, ich könnte ein ganzes Schwein fressen. " meinte Sha´ira zu Mika, als diese wieder aus dem Gasthaus trat.

Es dauerte nicht lange, da trat eine ihr unbekannte Wirtin aus der Stube und stellte einen riesigen irdenen Krug voller Met, einige Tonbecher, einen ebensogroßen Krug voll Bier sowie eine Kanne voller Hollundersaft for ihnen auf den Tisch.

" Vernita, willst du dir die Beine in den Bauch stehen ? Setz dich und sei nicht so ungesellig. "

#2513
Aliens Crew

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Als die fünf aus dem Wald heraustraten, konnten sie schon auf den Hof dieser Herberge blicken, auf dem ausgelassen gefeiert wurde. Auf den vielen Holzbänken und –stühlen saßen viele Männer und Frauen, die sich lautstark unterhielten, lachten und grölten. Sie vernahmen das Geräusch aneinanderstoßender Bierkrüge und das Schmatzen der Leute, die ausgiebig die zahlreichen Speisen verdrückten, die hier feilgeboten wurden. Die Küche schien einfach aber deftig zu sein. Genau nach Vernitas Geschmack.
 
Die Menschenmenge, welche die Elfe an einem solch abgelegenen Ort nicht erwartet hatte, beruhigte diese ein wenig, doch gleichzeitig machte sie sich auch Sorgen. Denn zum einen konnten sie in dieser Menge zwar leicht untertauchen, trotzdem gab es viele Münder, die jedem, der es nicht wissen sollte, erzählen konnten, dass sie hier waren. Und eine Bande schwer bewaffneter Weiber, die alleine durch die Lande streiften, war leider alles andere als unauffällig.
 
Vernita sah, wie Lydia ein Mädchen heranwinkte, welches sich als Mika herausstellte, die Kleine von der Lydia ja schon des Öfteren geschwärmt hatte. Diese Mika war auch noch ein ziemlich junges Ding, wie die Elfe feststellen musste. Und Vernita passte es ganz und gar nicht, dass sie wieder einmal auf die Hilfe eines Kindes angewiesen waren, doch ihr war ebenso bewusst, dass sie im Augenblick kaum eine andere Wahl hatte. So blieb die Elfe ruhig und beobachtete das weitere Geschehen.
 
Lydia, Sha’ira und diese Mika schleppten einen Tisch und einige Sitzgelegenheiten heran, welche sie neben dem Eingang zu Herberge platzierten. Dort saß auch ein alter Mann, der ein lustiges Lied auf seiner Harfe spielte und dessen Melodie fröhlich vor sich hin summte. Dieser Mann sah mit seinem langen Zauselbart, seiner Stirnglatze und seiner großen, roten Knollnase wie ein witziger, alter Kauz aus. Und irgendwie erinnerte dieser Kerl sie an den alten Geschichtenerzähler des Gesindeviertels, bei dem Vernita in ihrer Kindheit zusammen mit Fineon viel Zeit verbracht hatte…auch wenn dieser Mann hier kein Elf war.
 
Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie mitbekam, wie sich Miandra mit Mika unterhielt und deren Hilfe ausschlug. Die Elfe hörte deutlich aus der Stimme der schwarzhaarigen Frau heraus, wie schlecht gelaunt diese noch war. Als diese sich schließlich abwandte und die Taverne betrat, war es Vernitas erster Impuls der Frau umgehend zu folgen und nach ihr zu sehen. Doch widerstand sie diesem Verlangen, da sie zu der Erkenntnis kam, dass es besser wäre, diese für den Moment in Ruhe zu lassen. Stattdessen stand sie einfach nur da und blickte Miandra versonnen hinterher, als Sha’ira sie ansprach.
 
Die Elfe blinzelte kurz mit den Augen, und es dauerte einen Moment, bis diese Frage erst einmal ihr Gehirn erreicht hatte. Ihr erster Gedanke war daraufhin, einfach abzuwinken und grummelnd in das Gebäude zu gehen, doch dann antwortete sie stattdessen nach einem kurzen Moment des Grübelns: „Warum eigentlich nicht? Einen kleinen Schnaps könnte ich auch vertragen. Außerdem muss ja einer darauf achten, dass ihr nicht zu viel sauft und morgen dann nicht aus den Federn kommt. Schließlich wollen wir früh los, und es sind zwei volle Tagesritte, bis zu der Handelsstation, wo wir all das bekommen können, was wir für unsere Reise brauchen werden.“
 
Vernita setzte sich neben der Kriegerin auf die Bank und wartete darauf, dass Mika wieder aus der Schankstube heraus zu ihnen an den Tisch trat. Sofort winkte sie das Mädchen zu sich heran. „Habt ihr nicht was Stärkeres als dieses laue Bier. Ich brauche etwas Hochprozentiges. Außerdem möchte ich wissen, an wen ich mich hier wenden muss, wenn ich für mich und meine Gefährtinnen ein paar gute Pferde und Proviant für eine längere Reise erstehen möchte.“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 27 juin 2012 - 05:34 .


#2514
SickOfItAll

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" Stärker ? Lässt sich machen, aber auf lehren Magen ? Mutig mutig", lachte Mika zu der riesennäsigen Frau. " Steht vor euch. Seit ein paar Wochen verkaufe ich auch die Pferde. Über Proviant können wir reden, wenn die Zeit dazu ist, aber wir haben bestimmt genug für euch. Aber wenns nichts dagegen habt, bring ich gleich das Essen. "

Mit diesen Worten verschwand Mika wieder im Gewühl der Schankstube.


Endlich hatten sie so etwas wie Ruhe. Nicht Ruhe im Sinne von Stille oder Abgeschiedenheit, nein, sie hatten nun einen sicheren Ratplatz gefunden. Nun war es zeit, etwas zu tun, was sie schon lange nicht mehr getan hatte. Entspannen.

Sie griff sich einen Becher und den Krug mit Bier und schenkte ein. Es tat gut, etwas richtiges zu trinken.

" Zwei Tagesritte sind nicht allzuviel. Ich hoffe bloß, das es dort wirklich all das gibt, was wir brauchen. Das nötigste können wir vielleicht von hier mitnehmen, aber wenn wir länger unterwegs sein sollten, werden wir zwangsläufig Ausrüstung brauchen. Aber jetzt lasst uns ersteinmal essen und ein wenig zur Ruhe kommen. "

Sie legte ihren Arm um Sha´iras Schultern und zog sie zu sich. " Ich hoff doch bloß, das sie hier genauso weiche Betten haben wie in Dennerim ", flüsterte sie ihr ins Ohr und zwinkerte.

Sie hatte nicht fertiggeredet, da kam schon Mika mit einer Küchenehilfin und brachte Essen. Unmengen an Essen. Eine Platte mit gebratenen Rinderlenden, Filetstücken und feinen Fleischstreifen , übergossen mit einer dicken Pilzrahmsoße, eine Schüsseln mit Backkartoffeln, breite Nudeln in einer Gulaschsoße, gebratene Leber garniert mit Äpfeln und Zwiebeln, Kleine Teigtaschen, gefüllt mit Hack und Gwürzen in Fett ausgebacken, Kartoffelpfannkuchen, eine kleine Schüssel mit Preiselbeermarmelade zum Fleisch und einen Teller mit kleinen gefüllten Teigbällchen, mit Zwiebeln, Knoblauch und Wild und zu all dem ein kleines Körbchen mit frischem Brot.

" Ich würde sagen, das hat sich gelohnt ! " Meinte Lydia mit einem glücklichen Gesichtsausdruck und machte sich sogleich über das dargebotene her. So gut hatte sie schon entsetzlich lange nichtmehr gegessen. Es tat gut, sich wieder einmal so richtig satt zu essen und der Anblick vor ihr verstärkte nur ihren Appetit.

" Schlag zu solang es noch heiß ist Vernita, dir entgeht grade was", neckte sie die Elfe und vertiefte sich wieder in genauere Studien der ihr dargebotenen Nahrungsmittel.

#2515
Bellandyrs

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Lea trugen ihre Füsse kaum noch als sie die Taverne erreichten. Im Prinzip wünschte sie sich nur noch einige wenige Dinge: etwas zu trinken, Seife und Wasser und ein Bett, wo sie schlafen konnte. Müde blickte sie Miandra hinterher, als diese übelgelaunt und unwirsch die Hilfe Mikas ausschlagend das Haus betrat und darin wohl ein Zimmer suchte.

Das Essen, welches vor ihr aufgetischt wurde, roch sehr lecker, und auch wenn sie zuvor bereits ein für ihre Verhältnisse großes Stück Fleisch gegessen hatte, knurrte ihr Magen verheißungsvoll. Vom Holundersaft schenkte sie sich sogleich einen großen Krug ein und trank diesen durstig in einem Zug aus. Auch ihr Hunger gewann Überhand, sie lud sich auf ein Holzbrett allerlei verschiedene Köstlichkeiten und begann zu essen, ohne auf die anderen zu warten. Dabei erwachten auch ihre Lebensgeister wieder etwas, und sie hörte Vernita und Mika interessiert zu.

Vernita erwähnte Pferde, die sie brauchen würden. Mika erwiderte, dass sie welche zum Verkauf feil boten. Sie biss gerade in ihr Brot, als sie mittendrin innehielt. War das hier die Herberge, in die Donas und Nerias Pferd gebracht wurden? Sie hätte es nicht sicher sagen können, zuvieles war passiert, dass sie sich diese Information damals hätte merken können. Hastig kaute und schluckte sie und wandte sich dann an das Mädchen.

„Ihr erwähntet Pferde, sagt, habt Ihr etwa auch für Donas und das andere Pferd gesorgt? Ich glaube, dessen Name war Aris? Wenn ja, bitte sagt mir, wie viel ich für Futter und Pflege schuldig bin. Ist Donas wohlauf? Wo ist er?“

Alles war vergessen, sie ließ ihr Brot auf den Holzteller fallen und blickte Mika bittend an. Wenn ihr Fuchshengst hier war, dann wollte sie so schnell wie möglich zu ihm.

Modifié par Bellandyrs, 24 juin 2012 - 07:01 .


#2516
SickOfItAll

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" Eure Pferde ? " fragte die Angesprochene ein wenig verdutzt .
" Ach ... jaja, gleich links im Stall, es sind nicht so viele da, ihr werdet sie erkennen. Darüber lass wann anders feilschen." Mit diesen Worten verschwand sie wieder in der Wirtsstube.

Zufrieden futternd blickte Lydia auf . " Kannst auch nicht von deinen Pferden lassen, was ? Wenn wir schon zwei haben, sparen wir eine menge Geld." Auch sie wandte sich wieder ihrem Essen zu. Und ihr Nahrungsmittelkonsum war gewaltig. Sie verschlang Teller auf Teller, immer von allem etwas, aber ihr Hunger war enorm. Sie hatte die letzten Tage nicht viel gegessen und sie fühlte sich etwas abgemagert an. Aber hier gab es zu essen genug, nicht zu schweigen von den Getränken. Sie hatten schon den zweiten Krug Bier bestellt und auch am Met hatten sie nicht gespart.

Der Abend versprach noch lustig zu werden

#2517
Bellandyrs

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Die Reaktion des Mädchens kam Leanora etwas komisch vor, aber wahrscheinlich konnte Mika nicht nachempfinden, wie viel Donas für die Adlige bedeutete. Auch Lydia machte den Anschein, dass sie es nicht wirklich verstand, dass es für Lea etwas wichtigeres als Essen gab. Sie antwortete daher auch relativ einsilbig.

"Nein, kann ich nicht, wir waren zu lange getrennt, und ich muss einfach wissen, ob er wohlauf ist. Ihr entschuldigt mich", fügte sie in die Runde nickend zu und sprang auf, um zum Stall zu laufen. Vergessen waren die schweren Füße, die Müdigkeit, der Hunger. Wichtig war nur noch, Donas zu sehen.

Gleich darauf betrat sie den Stall. Sie blinzelte kurz um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Von draußen hörte sie nur noch leise die Harfe und das Stimmengewirr der Leute. Hier drin war es friedlich und still, nur vereinzelt hörte man das Schnauben eines Tieres. Was gab es Schöneres als in einem Pferdestall zu sein? Der feine Geruch von Heu und von den Tieren, die Ruhe, all das ließ einen doch die Probleme des Tages vergessen. Leise ging sie die linke Stallgasse entlang. Mika hatte nicht gelogen: viele Pferde waren tatsächlich nicht hier. Auf dieser Seite waren zwar alle Boxen belegt, aber auf der anderen konnte sie höchstens noch fünf Rösser erkennen.

Die Tiere standen teilweise mit eingeknicktem Hinterbein halbschlafend in ihrer Box, manche lagen im Tiefschlaf auf der Seite. Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Ganz so wie es schon zu Hause war, wachte Donas über die anderen, denn als er ihre Witterung aufnahm, wieherte er ihr entgegen, als wollte er sagen: da bist du ja endlich, wo warst du so lange?

"Ich bin ja schon da, mein Süßer", sagte Leanora leise und lief zu seiner Box, welche sie gleich darauf öffnete und ihrem Hengst um den Hals fiel. Dieser pustete ihr in den Hals und ließ seinen Kopf auf ihre Schultern fallen. Lea kraulte seine Ohren und tätschelte seinen Hals, hielt dabei stumme Zwiesprache und konnte sich vor Freude kaum die Tränen verkneifen. "Andraste sei Dank, es geht dir gut", murmelte sie in seine Mähne.

Am liebsten hätte sie sich in seine Box gelegt und bei ihm geschlafen, ganz so, wie sie es daheim des öfteren getan hatte. Aber bald schon würde sie ohnehin wieder auf hartem Boden schlafen müssen, so wollte sie sich den heutigen Luxus eines Bettes nicht entgehen lassen.
Ein letztes Mal streichelte sie den Fuchshengst. "Bis morgen mein Lieber. Ruh Dich aus, es kommen noch harte Zeiten auf uns zu."

Sie verriegelte die Boxentür wieder gewissenhaft, blickte kurz auf den Braunen daneben, welcher friedlich schlief und gesellte sich dann wieder zu ihrer Gruppe. Ihre Augen strahlten vor Freude als sie sich setzte und einen weiteren Becher Saft trank. Nun konnte sie auch beruhigt die restlichen Speisen auf ihrem Teller essen.
"Die beiden Tiere sind wohlauf", verkündete sie. Mehr musste sie auch nicht sagen, die anderen hätten ihre Euphorie sicher nicht verstanden.

Als sie schließlich fertig mit ihrer Mahlzeit war, lehnte sie sich zufrieden zurück. Jetzt kam auch die Müdigkeit wieder zurück. Lange würde sie sicher nicht mehr wach bleiben.

Modifié par Bellandyrs, 29 juin 2012 - 10:07 .


#2518
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Vernita trank ihren Schnaps, den sie sich von Mika hatte bringen lassen, mit einem Zug aus. Ein zweiter folgte kurz darauf. Zwischendurch aß sie noch eine Kleinigkeit, auch wenn sie keinen allzu großen Hunger verspürte. Zu sehr war sie mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Diese kreisten um den heutigen Tag, der es wirklich in sich gehabt hatte.
 
Sie hatte ihren alten Freund aus Kindestagen wiedergesehen. Genauso wie ihren alten Peiniger…welcher zudem noch ihr Vater war. Sie konnte bei dieser Vorstellung immer noch einfach nur innerlich den Kopf schütteln. Wenn es tatsächlich so etwas wie ein göttliche Macht gab, so wie es ihr Leanora zumindest weißmachen wollte, als sie davon sprach, dass sie im Nichts auf Andraste gestoßen war, an welche Vernita bisher nie geglaubt hatte, wie konnte diese dann so grausam sein und ihr ein solches Schicksal zuweisen? Hatte sie es wirklich verdient gehabt, von ihren Eltern belogen und betrogen und von ihrem eigenen Vater geschändet und gefoltert zu werden? Wie konnte ein Gott nur so pervers sein, einem lebenden, fühlenden Wesen, so etwas zuzumuten? Oder war es ihm einfach nur egal, was mit seinen Geschöpfen geschah? Vernita drängte diesen Gedanken schnell zur Seite, da sie fürchtete, ansonsten den Verstand zu verlieren, wenn sie weiter darüber nachgrübelte.
 
Stattdessen sinnierte sie weiter darüber, was heute noch alles vonstattengegangen war. Sie hatten ihre Feinde besiegt, diese Söldner zumindest, die man ihnen auf den Hals gehetzt hatte. Das war zumindest schon einmal ein Segen, da sie nun wieder etwas Luft zum Atmen hatten. Nur leider ist ihnen Eshtá Gianauro entkommen, eine der Schlüsselfiguren zu diesem ganzen Debakel, wenn nicht sogar die Wurzel allen Übels.
 
Für einen Moment dachte die Elfe an ihren Traum (oder war es doch eine Vision gewesen) zurück, welchen sie im Nichts hatte, als dieser Kirchenvorsteher sie dorthin katapultiert hatte. Sie sah noch einmal vor ihrem geistigen Auge, wie Eshtá und ihre Männer Miandra, Elana und sie selbst überfielen und wie sich die Soldaten an den beiden vergingen und sie selbst dabei zusehen musste. Zorn und blanker Hass stieg bei diesen Gedanken in Vernita empor. Dabei biss sie unbewusst so fest die Zähne aufeinander, dass diese zu Knirschen begannen. Und sie beschloss in diesem Augenblick, erst dann zu ruhen, wenn sie Eshtás Kopf von deren Schultern geschlagen hatte. Ganz egal wie lange es dauern sollte. Und sei es auch für den Rest ihres Lebens. Sie würde nicht zulassen, dass diese mögliche Zukunft sich eines Tages bewahrheiten könnte. Eher würde sie sich selbst opfern, um das zu verhindern.
 
Ihre Gedanken schweiften ein weiteres Mal ab und gingen zurück zu Miandra. Und sofort stahl sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen. Sie war der Frau heute ein gutes Stück näher gekommen…zumindest hatte sie selbst diesen Eindruck gehabt. Gleichzeitig betrübte sie aber auch die Erinnerung, wie mürrisch und ungehalten die schwarzhaarige Frau vorhin noch gewesen war. Hatte sie selbst es mit ihrer Fürsorge für Miandra vielleicht übertrieben? Die Elfe wusste ja, wie ungern die Schwarzhaarige die Hilfe einer anderen Person annahm. In diesem Punkt waren die beiden Frauen sich eben sehr ähnlich. Aber vielleicht lag es auch nur daran, dass Miandra lediglich erschöpft und sehr müde war. Dasselbe traf auch auf Vernita zu. Es war ein langer Tag gewesen, und es wurde Zeit, diesen zu beenden.
 
Die Elfe war so sehr in ihrer eigenen Welt versunken gewesen, dass sie nur am Rande mitbekam, dass Leanora zwischenzeitlich aufgestanden war und sie verließ. Als diese dann schließlich zurückkehrte und ihnen vom Wohlbefinden der Pferde berichtete, war es für Vernita so etwas wie ein Startsignal. Sie trank noch einen letzten Schnaps, bevor sie noch einmal Mika zu sich herüberwinkte, von der sie sich das Verbandszeug geben ließ, mit welchem diese zuvor noch Miandra verbinden wollte. „Die Zeche für das Essen, den Schnaps und die Unterkunft rechnen wir dann morgen gemeinsam ab“, meinte sie noch zu dem Mädchen, während sie zugleich aufstand und sich noch an die anderen wandte: „Ihr solltet auch nicht mehr allzu lange aufbleiben. Morgen wird es wieder ein langer Tag werden und wir werden auch schon früh aufbrechen.“
 
Ohne auf eine Antwort zu warten, setzte sie sich in Bewegung, ging an dem Harfe spielenden Mann vorbei in die Wirtsstube. Diese war gerammelt voll. Einige Fackeln und Kerzen spendeten genug Licht, um den Schankraum gut überblicken zu können. An der Decke hingen dichte Rauchschwanden, und es war ziemlich warm und stickig hier drinnen. Die Luft hätte man ohne Probleme schneiden können, zumindest machte sie auf Vernita diesen Eindruck, als der Geruch von Bier, Essen und Schweiß in ihre Nase drang.
 
Doch das machte der Elfe nichts aus. Sie hatte schon viel Zeit in Spelunken verbracht, die weitaus heruntergekommener waren als dieses Haus hier. So ließ sie unbeirrbar ihren Blick schweifen, doch konnte sie Miandra nirgendwo ausmachen. Also ging sie zu dem Wirt hinüber und erkundigte sich bei diesem über den Verbleib der Frau. Dieser deutete ihr, die Treppe nach oben zu nehmen. So bedankte sie sich bei dem Mann mit einem Nicken und machte sich gleich darauf auf den Weg in das obere Stockwerk.
 
Oben angekommen warf sie einen Blick in das erste Zimmer, an dessen Tür noch von außen der Schlüssel steckte. Und sie hatte auch gleich Glück. Sie sah Miandra auf dem Bett liegen, offensichtlich war sie bereits eingeschlafen. Ein Lächeln legte sich bei diesem Anblick auf das Gesicht der Elfe. So zog sie den Schlüssel ab, betrat möglichst leise den Raum und verriegelte anschließend die Tür.
 
Dann setzte sie sich auf einen kleinen Hocker, stellte ihre Tasche auf den Boden und legte so geräuschlos wie möglich ihre Rüstung ab. Die einzelnen Teile der Plattenpanzerung platzierte sie fein säuberlich auf der Erde. Ihre Strümpfe und ihr Unterhemd zog sie ebenfalls aus und warf diese einfach auf den kleinen Tisch. Dann stand sie auf und schlich, nur mit ihrer Unterhose bekleidet, um das Bett herum und legte sich zu Miandra. Vorsichtig schmiegte sie sich an den Rücken der Frau und legte zudem ihren Arm um deren Hüfte, wohl drauf bedacht, nicht an deren verletzte Schulter zu kommen.
 
So lag sie noch einen Moment da und lauschte den gleichmäßigen Atemzügen Miandras. Und diese friedliche Stimmung legte sich beruhigend auf ihr Herz und befreite sie für diesen einen Moment von all ihren Sorgen. Und so fielen auch ihr schon bald die Augen zu, bevor sie in einen ruhigen Schlummer entglitt.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 27 juin 2012 - 05:37 .


#2519
SickOfItAll

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Miandra und Vernita waren offenbar schon ins Bett verschwunden, da wurde für Lydia und Sha´ira der Abend erst interessant. Sie hatten fertig gegessen und beschlossen, sich zu den anderen Gästen zu gesellen.

Am Feuer saßen noch eine Hand voll Leute, wie sich später herausstellte ein älterer Händler aus Highever, ein Seemann, dessen Schiff wegen Reperaturen im Hafen von Denerim festsaß, Zwei Förster aus dem Umland, die hier regelmäßig einkehrten und einem Schmied auf Reisen, der öfter in die Stadt kam um Werkzeug zu besorgen.

Der Abend wurde lang und länger, die Geschichten fröhlicher und mehr und mehr Alkohol wurde ausgeschenkt. Der Schmied gab Runde für Runde und auch der Kaufmann aus Highever war nicht müßig und ein nicht minder schlechter Trinker.

Irgendwann konnte sich Lydia nichtmehr auf den Beinen halten .

" Mädels, s wird jetz aber Zeit fürs Bett. Fallt nich hin, und frohes Saufen ! " Lallte sie in die Runde, klammerte sich an Sha´ira , die nicht minder betrunken war und gemeinsam wankten sie irgendwie in eines der noch freien Zimmer. Als sie sich nackt auszog, störte sie sich nicht an der offenen Zimmertür und kaum hatte sie sich ins Bett gelegt, war sie tief und fest eingeschlafen.

#2520
Bellandyrs

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Kaum, dass Vernita den Tisch verlassen hatte, stand auch Leanora auf und suchte sich ein Zimmer, allerdings steuerte sie hierbei nicht das Haupthaus an, sondern die Stallungen. Dort waren noch einige Kammern nicht belegt, und sie nahm die erste, welche frei war.

Dort fand sie zu ihrer Überraschung sogar eine Waschschüssel vor, einen Krug mit Wasser daneben und sogar eine kleine Kornseife sowie ein Handtuch. Sie entledigte sich ihrer Kleidung, schäumte die Seife auf und wusch sich so gut es in einer Schüssel eben möglich war. Auch ihre Haare spülte sie, auch wenn sie dann mit nassen Haaren schlafen musste, aber das war ihr herzlich egal. Es tat einfach gut, sich den Schmutz, den Schweiß und ein paar Blutspuren abzuwaschen. Danach fühlte sie sich um einiges besser, schlüpfte unter die schwere Daunendecke und schlief im Handumdrehen ein. Am nächsten Morgen mussten sie alle wieder wohlauf und halbwegs ausgeruht sein – und Leanora wollte sich auf jeden Fall um Donas Fellpflege kümmern, bevor sie ihre Reise antraten.

#2521
Kaysallie

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Etwas Warmes lag auf ihrer Hüfte, ein eigenartiger Druck schlang sich um ihren Körper. Miandra blinzelte, doch sie konnte in dem dunklen Raum nur Umrisse erkennen. Sie lag auf etwas Weichem, das einen angenehmen Duft ausstrahle – doch da lag noch etwas anderes in der Luft. Ein Geruch, den sie kannte, dennoch ließ er sich nicht definieren. Sie spürte nur, dass er ein Gefühl von starkem Unbehagen in ihr auslöste. Ihr Herz begann plötzlich regelrecht zu rasen, als würde es sich auf etwas Schlimmes vorbereiten. Eine tiefsitzende Angst ließ kalten Schweiß aus ihren Poren treten, und jeder ihrer Körperteile fühlte sich auf einmal steif und verkrampft an.

Da spürte sie es wieder. Das warme Etwas an ihrer Hüfte begann zu wandern, so langsam, dass es sich fast schon zaghaft anfühlte, und dennoch so drückend, dass es ihr die Luft abschnürte und sie den Atem automatisch anhielt. Es schlich an ihrer Haut entlang, durch ein Meer aus feinen Härchen, die sich ihm aus Panik vergebens in den Weg stellten.

Miandra realisierte raue Finger, die schleifend über ihren Bauch streiften. Etwas blies ihr auf einmal überraschend in den Nacken und der unangenehme Geruch wurde zunehmend stärker. Nägel trieben sich in ihre Haut an der Hüfte und ruckartig wurde sie von einer Kraft, gegen die sie sich nicht einmal zu wehren wagte, auf den Rücken gedreht. Das erste Mal, dass sie wieder nach Luft schnappte, um diese anschließend erneut entsetzt in der Lunge zu lassen, als sie in ein schattenverhangenes Gesicht blickte, bei dem jedoch Umrisse reichten, um es sofort wiederzuerkennen. Mit angsterfülltem Blick in das Antlitz starrend, spürte sie zwei starke Hände ihren Körper hinabgleiten, bis diese zwischen ihre Schenkel fuhren, ihre Beine mit Leichtigkeit auseinanderdrückten und sich der fremde Körper unsanft an sie presste.

Miandra schreckte hoch, riss die Augen auf und kniff sie, geblendet von der Morgensonne, sofort wieder zusammen. Ziemlich verwirrt sah sie sich um und bemerkte gleich darauf, dass sie nicht alleine in dem Bett lag. Sofort setzte sie sich auf und blickte zur Seite – dies tat sie so schnell, dass es ihr gleich einen Stich in ihrer verletzten Schulter versetzte, weswegen sie kurz zusammenzuckte. Ihren Oberarm mit der anderen Hand haltend starrte sie einige Sekunden ohne Regungen vollkommen entsetzt die Elfe an, die neben ihr im Bett lag – und welche sie wohl gerade aufgeweckt hatte.

Erst nach und nach setzten sich die Erinnerungen des letzten Tages wieder in ihrem Kopf zusammen. Sie waren endlich aus dieser verfluchten Stadt geflüchtet und in dieser Taverne für eine Nacht untergestiegen. Sie war alleine auf das Zimmer gegangen und hier musste sie schließlich eingeschlafen sein, doch sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, dass Vernita bei ihr gewesen war, als dies geschehen war. Aber Miandra würde nichts dazu sagen, ihr Gesichtsausdruck zeigte zudem genug Verwirrung über Traum und Wirklichkeit, um sich ein ‚Ich wusste nicht, dass du hier bist‘ zu ersparen.

Sie wandte den Blick nach einigen langen Sekunden einfach von Vernita ab und drehte sich zur Bettkante, um aufzustehen – was sie allerdings nicht tat, sondern stattdessen einfach mit gesenktem Blick sitzen blieb.
„Ich werde mal sehen, ob man hier wo ein Bad nehmen kann“, sagte sie schließlich recht monoton und wie immer das unangenehme Thema schnellstmöglich aus dem Weg schaffend. Doch anstatt aufzustehen und ihren Worten nachzugehen, blieb sie einfach sitzen, um ihre Gedanken zu ordnen.

#2522
Aliens Crew

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Friedlich schlummerte Vernita neben Miandra, deren Anwesenheit der Elfe, wie schon in den Nächten zuvor, eine fast paradiesische Ruhe schenkte. Nie zuvor hatte sie so gut geschlafen wie in letzter Zeit neben der schwarzhaarigen Frau. Auch in dieser Nacht war sie in einen geruhsamen Schlaf gefallen. Bis Miandra plötzlich unruhig wurde und mit einem Ruck aufschreckte. Vernitas Hand glitt dabei von deren Hüfte ab, wodurch auch die Elfe wach wurde. Etwas verschlafen öffnete sie die Augen und blickte sogleich auf Miandras Rücken, welche vor ihr auf der Bettkante kauerte und etwas von einem Bad murmelte, was sie nehmen wollte.
 
Doch als sich die schwarzhaarige Frau trotz ihrer Ankündigung nicht weiter rührte, wurde Vernita stutzig und zog sogleich leicht besorgt die Stirn in Falten. So robbte sie quer über das Bett und hockte sich anschließend dicht hinter Miandra, wobei sie ihr ganz vorsichtig die Hand auf deren gesunde Schulter legte.
 
„Was ist mit dir?“ fragte sie mit kratziger Stimme. Die Elfe hielt sich die Hand vor den Mund und räusperte sich, bevor sie weitersprach. „Hast du schlecht geschlafen? Ich hoffe, es macht dir nichts aus, dass ich mich zu dir gelegt habe.“
 
Vernita hatte bei ihren Worten den Kopf vorgebeugt und lächelte Miandra fürsorglich an.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 09 juillet 2012 - 07:44 .


#2523
Bellandyrs

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Ein Vogel begann zaghaft das erste Lied des Tages zu trällern. Es dauerte nicht lange, und es gesellten sich weitere Vogelstimmen dazu und bald darauf fielen Leanora die Sonnenstrahlen ins Gesicht.
Sie gähnte herzhaft und streckte sich ausgiebig, bevor sie dann leichtfüßig aus dem Bett hopste. So tief und fest hatte sie schon ein paar Nächte nicht mehr geschlafen, aber sie spürte jeden Muskel in ihrem Körper. Die Strapazen der letzten Zeit machten sich bemerkbar. Schnell wusch sie sich mit kaltem Wasser, was ihre Lebensgeister endgültig belebte. Die blonde Frau zog sich in Windeseile an, packte ihre wenigen Sachen in die Umhängetasche und eilte in den Stall.

Donas wandte sofort den Kopf in ihre Richtung und scharrte mit dem Vorderhuf. Die anderen Tiere beäugten sie neugierig, ließen sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Lea holte Striegel, Kardätsche und Bürste sowie einen weichen sauberen Lappen, betrat die Box und bearbeitete kurz darauf Donas' Fell. Der Staub flog nur so um ihren Kopf, und sie fragte sich, wieso sie sich überhaupt gewaschen hatte, lächelte bei dem Gedanken aber. Es gab für sie einfach nichts Schöneres als die Pflege dieser edlen Tiere.

Ihre Gedanken wanderten zurück ins Kloster, zu den Pferden der Templer, und somit unweigerlich zu Sengaal Neranos. Wie es ihrem Liebsten wohl im Moment erging? Sie seufzte. Hoffentlich war alles in Ordnung, er war wieder wohlauf und der Zwerg schenkte ihm Glauben. Wenn das nicht der Fall war, dann würde es um Sengaal geschehen sein, und sie würde ihm nicht einmal helfen können. Und wie grausam der Inquisitor sein konnte, das hatte sie schließlich am eigenen Leib erfahren.

Sie wurde erst aus ihren Überlegungen gerissen, als Donas ungeduldig mit der Nase gegen ihre Hüfte stieß.
„Oh entschuldige, ich habe gar nicht bemerkt, dass ich schon eine halbe Ewigkeit auf dem selben Fleck bin“, murmelte sie und striegelte an einer anderen Stelle weiter.
Bald war es geschafft, alle kleinen verknoteten Haare waren gelöst und sein Fell glänzte wieder.

Leanora verließ die Box und suchte in der angrenzenden Kammer sein Zaumzeug und seinen Sattel hervor, welches sie letztlich dann vor Donas momentanen Domizil ablegte.
Draußen formte sie die Hände zu Schalen und wusch damit ihr Gesicht. Das Wasser kam aus einem Holzrohr und floss in einen Steintrog, welcher wiederum als Pferdetränke diente.
Dann machte sie sich auf den Weg zum Haus, um dort ein kleines Frühstück zu sich zu nehmen und einen Becher Milch zu ergattern. Sie war gespannt, wann die anderen auftauchen würden. Aber so, wie sie Vernita kannte, würde sie nicht allzulange auf die Elfe warten müssen.

Modifié par Bellandyrs, 12 juillet 2012 - 05:58 .


#2524
Kaysallie

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„Nichts…“, erwiderte Miandra nur knapp. Ohne auf die weiteren Fragen zu antworten, stand sie einfach auf, als hätte sie Vernita gar nicht so wirklich registriert, und umrundete das Bett. Dabei spähte sie ein wenig aus dem Fenster, jedoch ohne wirklichem Interesse, ehe sie, bei ihrer Tasche angekommen, wieder stehen blieb. Kurz stand sie etwas planlos davor, da ihr wieder einfiel, dass sie ja gar keine saubere Kleidung mehr hatte, die sie in der Tasche suchen könnte. Daher hob sie den Blick langsam und sah die Elfe leicht melancholisch an, aber auch so, als würde jeden Moment etwas aus ihr herausplatzen. So, als stünde sie tatsächlich kurz davor, Vernita alles zu erzählen, was gerade so in ihr vorging. Aber als Miandra diese so ansah, musste sie auch unweigerlich zurückdenken an den gestrigen Tag, wodurch ihr Gehirn sofort wieder umschaltete.

„Ich fühle mich nur irgendwie schmutzig“, vervollständigte Miandra ihren vorherigen Satz, nach dieser eigenartig langen Schweigepause, drehte sich daraufhin einfach um und verließ das Zimmer. Mit leicht gesenktem Blick durquerte sie den Flur und stieg die Treppe hinab, bis sie in dem Schankraum ankam. Nur anhand der murmelnden Geräusche aus dem Hintergrund erkannte sie, dass sich wohl einige Leute in dem Raum befanden, doch sie warf keinen genaueren Blick darauf, da es sie ohnehin nicht interessierte.

„Ist es möglich hier irgendwo ein Bad nehmen zu können?“ fragte sie die Wirtin unvermittelt, die gerade den Tresen mit einem feuchten Tuch abwischte.

„Oh, einen guten Morgen wünsche ich Euch. Ich hoffe Ihr hattet eine erholsame Nacht“, begrüßte die Frau sie vorerst, als ihr Blick auf Miandras Schulter fiel, die ja noch immer mit der blutigen Bandage verbunden war. „Ah ich seh‘ schon. Dort hinten gibt es einen Waschzuber, ich lasse Euch Wasser bringen und aufheizen. Möchtet Ihr derweil etwas frühstücken?“

Miandra überlegte kurz, aber eigentlich hatte sie keinen Hunger – oder wohl eher keinen Appetit. Aber noch bevor sie darauf etwas erwidern konnte, war die Wirtin schon verschwunden und schien mit irgendjemanden in der Küche zu reden. Als sie nach ein paar Augenblicken wiederkam, trug sie auch schon einen Korb mit frischem Brot, Wurst und Käse herbei und stellte diesen auf den nächstgelegenen Tisch, der direkt neben dem Tresen platziert war.

„Was zu trinken bringe ich Euch gleich. Und um Euer Badewasser kümmert man sich bereits“, sagte die Frau dabei gut gelaunt mit einem freundlichen Lächeln, ehe sie wieder hinter dem Tresen und anschließend in die Küche verschwand.

Miandra seufzte leise und setzte sich schließlich doch an den Tisch. Fleisch und Käse gaben einen würzigen Geruch ab und selbst das Brot duftete herrlich, dennoch stützte sie sich nur ihren Kopf mit beiden Händen ab und starrte lustlos in den kleinen geflochtenen Korb vor sich hinein.

#2525
Aliens Crew

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Vernita schloss für einen Moment die Augen, als sie von Miandra nur diese einsilbige Antwort bekam, und ein leiser Seufzer entrang ihrer Kehle. Schweigend und mit einem verloren wirkenden Blick beobachtete sie die schwarzhaarige Frau, welche anscheinend ziellos durch den Raum irrte. Auch ihre weitere Aussage hinterließ über dem Kopf der Elfe nur ein großes Fragezeichen. Vernita sah Miandra noch hinterher, als diese kurz darauf den Raum verließ. Und kaum war diese verschwunden, stöhnte die Elfe leise und rieb sich dabei über die Augen. Jedoch nicht aufgrund von Müdigkeit…zumindest keiner Müdigkeit, die man mit etwas Schlaf aus der Welt schaffen könnte.
 
Es war wieder einer dieser Momente, in denen sie die Welt und vor allem Miandra nicht verstand. Was war mit dieser Frau nur los? Vernita spürte doch, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Tat sie nicht alles, um es Miandra recht zu machen? War das etwa alles immer noch nicht genug? Wann würde sie sich Vernita endlich vollständig anvertrauen? Oder hoffte die Elfe da vielleicht auf etwas, dass niemals passieren wird? Zum ersten Mal fragte sich Vernita ernsthaft, ob das, was sie hier tat, überhaupt einen Sinn hatte. Würde Miandra jemals solche Gefühle für sie aufbringen, wie es umgekehrt der Fall war? Würde sie die Elfe jemals lieben?
 
Noch einmal seufzte Vernita, bevor sie ihre Beine über die Bettkante schwang und die Füße auf den Boden fallen ließ. Für einen Moment saß sie noch so da, den Kopf mit den Händen abstützend und dachte nach. Vor einem halben Jahr wäre sie noch einfach aufgestanden, hätte ihr Zeug zusammengesucht und hätte sich ohne ein weiteres Wort zu verlieren aus dem Staub gemacht. Schließlich hatte sie ja bekommen, was sie wollte. Der Mann, der ihren Tod wollte, hatte nun selbst das Zeitliche gesegnet. Warum blieb sie also noch hier und nahm das alles auf sich? Die Antwort war ganz einfach, auch wenn die Elfe nicht sofort darauf kam. Sie war eben nicht mehr dieselbe Person wie zu Beginn dieser ganzen Misere.
 
Vernita schüttelte den Kopf, bevor sie schließlich aufstand. Anschließend zog sie sich ihr Unterhemd über, kramte aus ihrer Tasche ihre einfache Kleidung heraus, in welche sie nun ebenfalls schlüpfte. Danach machte sie sich auf den Weg in den Schankraum, wobei sie aber nicht vergaß die Zimmertür hinter sich abzuschließen. Als sie dann die Treppe hinunter kam und somit die Wirtsstube betrat, sah sie auch schon Miandra an einem der Tische sitzen und gedankenverloren auf einen Korb mit Lebensmitteln starren. So atmete die Elfe einmal tief durch, bevor sie durch den Raum schlenderte, ohne dabei auf die anderen Gäste zu achten, welche sich ebenfalls schon hier aufhielten und teilweise rege miteinander sprachen. Vernita hingegen kümmerte das nicht weiter. Sie setzte sich stattdessen zu Miandra an den Tisch und griff gleich darauf nach dem Brot, um dieses anschließend mit Wurst zu belegen.
 
„Möchtest du nicht wenigstens etwas essen, anstatt nur hier zu sitzen und Trübsal zu blasen?“ fragte Vernita die schwarzhaarige Frau vor sich, nach einem Moment des Schweigens. „Wir haben eine lange Reise vor uns, und du wirst dazu all deine Kraft brauchen.“
 
 
 

Modifié par Aliens Crew, 13 juillet 2012 - 05:30 .