„Dann los“, meinte Vernita noch, bevor sie sich ihre Tasche umhängte und Miandra folgte. Sie schloss die Tür hinter sich, verriegelte sie anschließend und nahm auch den Schlüssel mit.
„Ich hab’s irgendwann aufgegeben mit meinen Haaren, aber das Problem hatte ich schon immer“, grinste die Elfe noch, während die beiden die Treppe nach unten hinabstiegen. „Und ich hatte auch mal eine so lange Mähne auf dem Kopf wie du.“
Als die beiden dann im Schankraum ankamen und von der Wirtin keine Spur entdecken konnten, wandte sich Vernita noch einmal an Miandra, ehe diese das Haus verließ. „Ich suche dann mal unsere Gastgeberin. Schließlich gibt es noch einige Vorräte zu besorgen.“
Dann wandte sie sich ab und ging schnellen Schrittes in Richtung Küche, wo sie dann auch auf die Wirtin traf, welche dort einige Töpfe reinigte und die Überreste des Gelages von gestern Nacht entsorgte.
„Da seid Ihr ja“, begrüßte Vernita die Frau. „Wir wollen nun aufbrechen, doch dazu benötigen wir noch Vorräte für unsere Reise. Vor allem haltbare Lebensmittel wie getrocknete Früchte, Brot und Räucherfleisch, wenn Ihr so etwas habt. Habt Ihr was zu schreiben? Dann mache ich Euch eine Liste.“
„Ja, sicher“, antwortete die Frau mit einem freundlichen Lächeln. „Schaut unter der Theke im Schankraum nach. Da findet Ihr Papier und einen Kohlestift. Bedient Euch.“
Die Elfe nickte nur, bevor sie zurück in den Schankraum trat und nach kurzem Suchen auch das fand, was sie brauchte. Sie lehnte sich mit dem Stift in der Hand über die Theke und überlegte kurz. Dann fing sie an zu kritzeln. Sie bestellte recht großzügig, da sie davon ausging, dass sie alles in allen etwa zwei Monate unterwegs sein würden. Und dabei hoffte sie ebenfalls, dass Leanora noch ein paar Sovereigns übrig hatte, denn ihre letzten Geldreserven würden dafür wohl nicht ausreichen. Es wurde langsam Zeit, dass sie mal wieder eine Arbeit übernahm, für die sie auch bezahlt werden würde. Während sie so über die Theke gebeugt dastand und überlegte, was sie noch brauchen könnten, trat ein Mann mittleren Alters vor sie und blickte sie aus glasigen Augen an.
„Schenkst du mir ein Bier ein, Täubchen?“ lallte er recht unverständlich vor sich hin, wobei er sich an der Theke abstützen musste, um nicht umzufallen, da er sehr wackelig auf den Beinen zu sein schien. „Ich hab‘ sooo einen Durst.“
Vernita hob ganz langsam den Blick und anschließend den Kopf und fixierte den Mann vor sich mit zusammengekniffenen Augen. Dabei knirschte sie leicht mit den Zähnen.
„Was is denn nun, Schätzchen? Ich warte…“, brachte der Mann mit Mühe hervor.
„Ich kann dir auch ein paar vor’s Maul geben, du Schluckspecht! Wäre dir damit auch gedient? Ich arbeite nicht hier, also quatsch mich gefälligst nicht von der Seite an, du Genlockvisage“, zischte die Elfe böse.
„Was ist das denn für ne unfreundliche Bedienung hier?“ protestierte der Mann lallend. „Wo ist deine Herrin…das wird Folgen haben…“
Vernita wollte gerade schon ausholen und ihr Gegenüber mit einem Schlag zum Schweigen bringen, als die Wirtin bereits aus der Küche herausgeschossen kam und sich einmischte. „Aber, aber, was ist denn hier los? Jonas, du sollst doch nicht immer meine Gäste belästigen! So langsam solltest du doch wissen, wer hier arbeitet und wer nicht!“
„Entschuldige, Frieda“, meinte der Mann beschämt. „Aber ich hab‘ so’n Durst, da vergesse ich das schon mal.“
„Du hast noch genug intus, mein Freund“, lächelte die Frau freundlich. „Hier hast du eine Milch. Die wird dir gut tun.“
Die Wirtin schenkte sogleich einen Becher voll ein, welchen sie vor sich auf die Theke stellte.
„Aber ich wollte doch…“, begann Jonas, doch als er den freundlichen, doch auch ermahnenden Blick der Wirtin sah, lenkte er sofort ein. „Schon gut, Frieda. Danke für die Milch.“
Der Mann griff sich den Becher und leerte ihn mit einem Zug. Dann stellte er ihn wieder ab und wankte von dannen. „Ich geh‘ dann mal wieder ins Bett“, murmelte er dabei vor sich hin.
„Entschuldigt, dass der alte Jonas Euch belästigt hat. Aber seit seine Frau letztes Jahr ums Leben gekommen ist, war er keinen Tag mehr nüchtern. Er kommt einfach nicht über diesen Verlust hinweg.“
„Schon gut“, erwiderte die Elfe sichtlich ruhiger, bevor sie der Frau das beschriebene Blatt Papier und den Zimmerschlüssel überreichte. „Hier habt Ihr die Liste, sowie den Schlüssel für unser Zimmer. Lasst alles nach draußen schaffen, damit wir bald aufbrechen können, und dann reden wir auch über das, was wir Euch schulden.“
„Ja, ich lasse das gleich erledigen.“
Vernita nickte der Wirtin noch einmal zu und verließ dann anschließend ebenfalls das Gasthaus. Draußen sah sie bereits Leanora und Miandra bei den Pferden stehen und auf sie warten. Nur von Sha’ira und Lydia fehlte noch jede Spur.
„Da seid ihr ja. Bereit für die Abreise? Verpflegung habe ich bereits geordert, nur mit der Bezahlung könnte es ein Problem geben“, bemerkte die Elfe zur Begrüßung, als sie die beiden Frauen erreichte. „Ich hoffe, du hast noch etwas Geld übrig, Leanora, sonst müssen wir wohl doch noch den Abwasch machen. Und wo sind die beiden Bälger schon wieder? Suhlen die sich immer noch im Badezuber?“
Modifié par Aliens Crew, 02 août 2012 - 06:32 .