Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)
#2726
Inviato il 12 maggio 2013 - 07:24
Im Gesicht der Adligen spiegelten sich die verschiedenen Skalen der Gefühle, als sie die Worte des Dämons vernahm. Zuerst schöpfte sie Hoffnung, und ein freundliches Lächeln umspielte ihre Lippen, welches jedoch mit dem letzten Satz erstarb, nicht ohne dazwischen eine gesunde Gesichtsfarbe erhalten zu haben. Gefesselt zu sein? Welche perversen Spiele kannte dieses Wesen eigentlich? Der Rotton verdunkelte sich bei diesem Gedanken noch einmal, peinlich berührt, wie Leanora war. Aber in einem hatte sich der Dämon geirrt: auch wenn sie noch ihre Jungfräulichkeit hatte, so kannte sie das Gefühl der Leidenschaft, dieser Sehnsucht nach Erfüllung, durchaus. Tjark hatte es schon vermocht, sie in Flammen stehen zu lassen, aber Sengaal hatte dieses Brennen in ihr um ein etliches vervielfacht. Ein kleiner schmerzhafter Stich fuhr durch ihr Herz, als sie an ihren Geliebten dachte. Dennoch würde sie sich nur wegen körperlicher Begierden nicht einem beliebigen Wesen hingeben, sei es nun ein anderer Mann, erst recht nicht bei einer Frau und schon gar nicht, wenn diese von einem Dämonen besessen war.
Wie sollte sie nun reagieren? Beleidigt von dannen ziehen, was ihr erster Gedanke war? Oder sich auf das Spiel einlassen und stark genug sein, den Verlockungen des Dämons zu widerstehen?
„Ich wollte nur freundlich sein“, entgegnete sie letztlich. „Auch wenn Ihr ein Dämon seid, ein wenig Ansprache und Freundlichkeit hat noch nie geschadet. In einem irrt Ihr Euch übrigens: ich weiß sehr wohl, wie sehr die Leidenschaft in einem brennen kann, auch wenn ich mich für diesen Einen aufspare, wie Ihr es nennt. Aber anscheinend langweilt Ihr Euch lieber und seid mit Euch allein zufriedener, als wenn jemand freundlich sein möchte. Insofern … wünsche ich eine angenehme Nachtruhe“, fügte sie leicht bissig hinzu, wandte sich um und trat einen Schritt wieder Richtung Feuerstelle zu. Sie konnte nur hoffen, dass dieser Brocken, den sie Miandra hingeworfen hatte, den Dämon stutzig werden ließ und sie damit die Neugierde dessen erwecken konnte. Aber eines war sicher: sie würde nicht aufgeben.
#2727
Inviato il 20 maggio 2013 - 08:43
Diese Menschen… ihre Handlungen waren ihr selbst nach so vielen ermüdenden Jahren manchmal noch ein Rätsel. Aber vielleicht ließe sich in den Worten Torheit und Naivität eine Antwort darauf finden. Eigenschaften, mit denen diese kurzlebigen Geschöpfe nur zu gut ausgestattet waren. Dennoch belustigte sie dieser Gedanke nicht, wie er es sonst tat. Denn dass sich ausgerechnet diese Jungfrau plötzlich freundlich ihr gegenüber verhielt, war sonderbar. Andererseits sagten ihr die Erinnerungen ihres Wirtskörpers, dass diese Frau schon des Öfteren solch plumpe Handlungen vollzogen hatte. Eine Adlige… ein Wort, das fest verankert in ihrem Gedankengut war. Sie kannte die Gruppierungen, in die sich diese Völker gerne einteilten, auch wenn sie deren Zweck nie wirklich verstanden hatte. Glaubten manche von ihnen tatsächlich, etwas Besseres zu sein? Sie waren doch alle derselbe Abschaum…
Doch viel interessanter war, was dieses Weib sonst so von sich behauptete. Sie wollte also etwas kennen, das sie noch nie hatte spüren können? Vielleicht hatte sie kurz davor gestanden… vielleicht hatte sie sanfte Berührungen genossen, die ihr inneres Feuer aufflammen ließen, ohne es weiter anzufachen… ohne es befriedigt zu haben. Aber dies war kein Vergleich, nein. Diese Frau hatte nicht die leiseste Ahnung davon, was noch auf sie zugekommen wäre. Sie hatte gerade mal an der Lust geschnuppert, nicht einmal wirklich gekostet, und glaubte zu wissen, wovon sie sprach. Und dass dies so war, das wusste sie mit dämonischer Sicherheit. Sie konnte es riechen, konnte es fühlen, nur wenn sie diese Frau ansah.
Aber warum war sie so dämlich und gab dies von sich preis? Sie musste doch wissen, dass ein Dämon wie sie nur auf solche Gelegenheiten wartete. Ihre Jungfräulichkeit diente ihr als Schutz, der all den anderen hier verwehrt blieb, und jegliches Gefühl von Begierde war eine Schwäche. Eine Schwäche, die sie ihr nun genannt hatte, auch wenn es keine große war. Aber jede Pfeilspitze konnte mit etwas Glück und Können den Schwachpunkt einer massiven Rüstung durchbrechen, das wusste sie nur zu gut. Es kam immer auf den richtigen Moment an… aber wahrscheinlich wusste auch die blonde Jungfrau davon, wägte sich deswegen in Sicherheit, da ein gefesselter Dämon ohnehin nichts anrichten konnte…
Erneut ein Beweis für die Einfältigkeit dieser Menschen.
Die schwarzhaarige Frau wandte den Blick von Leanora ab und richtete ihn wieder gen Himmel, wobei sie einen Stern fixierte, der noch heller leuchtete als all die anderen. Vielleicht sollte sie ihre Pläne noch einmal überdenken.
Modificata da Kaysallie, 30 maggio 2013 - 11:23 .
#2728
Inviato il 30 maggio 2013 - 08:30
„Keine Sorge, ich habe alles unter Kontrolle“, sagte sie leise zu dem Reisegefährten. „Ihr solltet Euch auch langsam schlafen legen, die Nacht ist kurz genug.“
Sie selber war rechtschaffen müde, aber ihre Gehirn arbeitete auf Hochtouren, an Schlaf war so ohnehin nicht zu denken, und sie war froh, dass sie für die erste Wache eingeteilt war. Es dauerte nicht lange, da war außer ihr nur noch Donas wach.
Lea lächelte. Anscheinend hatte er sich gegenüber Aris durchgesetzt, was die Rangordnung innerhalb der Pferde betraf. Aber sie war auch froh darüber, denn sie wusste, dass Donas jegliche Störungen sofort bemerken würde. Trotzdem vernachlässigte auch sie ihre Wache nicht, sondern lauschte angestrengt in die Nacht und blickte sich immer wieder gewissenhaft um. Aber bis auf ein paar Nachteulen, deren Ruf in der Dunkelheit zu hören war, blieb es ruhig.
Lea war sich nicht sicher, wie sie nun weiter vorgehen sollte, was den Dämon betraf. In dieser Nacht noch einen Versuch zu unternehmen, mit diesem Wesen ins Gespräch zu kommen, wäre zu aufdringlich gewesen. Nachdenklich musterte sie das Geschöpf, welches gefesselt gegen den Baum gelehnt am Boden saß. Miandras Blick war gen Himmel gerichtet, beinahe verträumt, wie es Lea schien. Aufgeben würde sie nicht, aber es würde sicher seine Zeit brauchen, bis sie dieses Wesen soweit hatte, dass es ein wenig Vertrauen gefasst hatte.
Leise seufzte sie auf. Ihr kam es vor, als würde die Zeit um ein vielfaches schneller vergehen. Zumindest hatte sie das Gefühl, als wäre der Abschied von Sengaal schon Monate her. Wieder fragte sie sich, was inzwischen im Kloster alles passiert war, und ob Gromschlag nun auch noch hinter ihnen her war. Sie sehnte sich danach, endlich Frieden zu finden, die Entführungen aufgeklärt zu haben, und natürlich auch danach, ihren Namen wieder rein gewaschen zu haben. Aber bis dahin würde noch viel Wasser die Flüsse entlang laufen.
Ihr Gefühl sagte ihr, dass es langsam Zeit wurde, Vernita für die zweite Wache zu wecken. Entweder hatte diese einen sehr leichten Schlaf, oder war ohnehin wach, denn als die Frau merkte, dass sich Schritte näherten, schlug sie die Augen auf.
„Alles ruhig“, meldete Lea leise, wartete, bis ihre Wachablösung aufgestanden war, und legte sich dann selber nieder. Mit einem wohligen Seufzen kugelte sie sich unter ihrer Decke zusammen und war kurz danach eingeschlafen.
#2729
Inviato il 14 giugno 2013 - 10:11
Mit dem Werkzeug in der Hand, kehrte sie zu den anderen zurück und setzte sich im Schneidersitz ans Lagerfeuer und zwar so, dass sie Miandra die ganze Zeit über im Blick haben konnte. Die Elfe wartete noch eine Weile, bis Leanora eingeschlafen war, wobei sie versonnen in die lodernden Flammen blickte, welche lange Schatten auf ihre verfinsterte Miene warfen und lauschte dabei dem Knistern des verbrennenden Holzes sowie den Atemgeräuschen ihrer Gefährten.
Nachdem sie sich sicher war, niemanden mit ihrer Arbeit zu stören, setzte sie den Schleifstein an die Schneide eines ihrer Schwerter und zog diesen mit einem kräftigen Ruck darüber, was ein schabendes Geräusch verursachte, welches in einem metallisch klingenden endete. Chhrrzing hallte es durch die Nacht und vermischte sich mit dem Knacken der brennenden Äste.
Wieder setzte sie den Stein an, während ihr Blick starr auf die schwarzhaarige Frau gerichtet war, welche die Sterne am Himmel zu beobachten schien. Chhrrzing. Ihre Augen fixierten Miandra, so als ob sie das Einzige wäre, was ihrer Aufmerksamkeit bedurfte. Und in ihrem Kopf brodelten die Gedanken. Chhrrzing.
Sie machte sich Sorgen darüber, ob ihr Plan mit Leanora funktionieren würde, und es ihnen möglich sein würde, den Dämon in einem entscheidenden Moment zu übertölpeln und Miandra von ihm zu befreien. Vernita wollte sich gar nicht ausmalen, was passieren könnte, würden sie scheitern. Denn dann würde ihr nichts anderes übrig bleiben, als die schwarzhaarige Frau zu töten, um zu verhindern, dass diese Abscheulichkeit dieses Spiel gewinnt. Chhrrzing.
‚Dann kann ich diese Scharade auch gleich beenden!‘ ging es der Elfe durch den Kopf und schloss dabei die Augen. ‚Ich weiß ja nicht einmal, ob ich von diesem Geschöpf die Frau zurückbekomme, welche ich so sehr liebe.‘
Sie ließ den Schleifstein plötzlich fallen, welcher mit einem dumpfen Laut auf dem Waldboden aufschlug. Anschließend stand sie auf, ihre Waffe so fest umklammert, dass ihre Knöchel weiß unter ihrer Haut hervortraten. Mit langsamen Schritten umkreiste sie das Lagerfeuer und steuerte direkt auf Miandra zu.
Ihr Blick verfinsterte sich dabei mit jedem Schritt etwas mehr und auch ihre Miene wurde immer härter. Neben der Frau kam sie schließlich zum Stehen und musterte diese eingehend von oben herab. Der Dämon wandte den Kopf, als er die Elfe bemerkte und grinste diese nur breit an. In den Augen dieses Wesens leuchtete erneut dieses rote Feuer, welches der Frau ihre ganze Menschlichkeit nahm und einen siegessicheren Eindruck ausstrahlte.
„Du denkst vermutlich jetzt, dass du gewonnen hast, was?“ zischte Vernita wütend. „Du glaubst wahrscheinlich, du hättest alle Trümpfe in der Hand und dir könnte nichts geschehen, richtig?“
Ihr Gegenüber antwortete nicht, sondern grinste sie nur noch breiter an.
„Nur unterschätzt du dabei die Entschlossenheit, welche in uns Sterblichen schlummern kann!“ fauchte die Elfe böse, während sie im selben Moment mit ihrem Schwert zustieß. Tief rammte sie die Klinge ihrer Waffe in die Brust der schwarzhaarigen Frau. Diese gab nur einen überraschten Laut von sich, als das kalte Metall sich in ihr warmes, weiches Fleisch bohrte und sich ihre Kleidung rasend schnell rot von ihrem Blut färbte.
Vernita ließ den Griff ihres Schwertes los, ohne die Waffe aus Miandras Körper zu ziehen, bevor sie ihr zweites Schwert aus der Scheide zog. Mit hassverzerrten Gesichtszügen packte sie ihr Gegenüber in die vollen Haare und riss deren Kopf nach hinten. Diese japste schon nach Luft – der Tod stand unmittelbar bevor.
„Ruhe sanft, meine Liebe“, presste die Elfe durch ihre zusammengebissenen Zähnen hervor. „Es tut mir leid, dass ich nicht mehr für dich tun kann, als dich von dieser jämmerlichen Existenz zu befreien!“
Mit einem wuchtigen Schlag trieb Vernita die Klinge ihrer Waffe in den Hals der schwarzhaarigen Frau und durschnitt damit deren Kehle. Blut sprudelte stoßweise aus der Wunde hervor und bespritzte die Elfe sowie Miandra selbst. Schlagartig verschwand auch das rote Leuchten aus den Augen der Schwarzhaarigen, und das Japsen wurde zu einem Gurgeln. Vernita zog das Schwert wieder heraus – ein weiterer Hieb folgte, welcher Miandras Wirbelsäule durchtrennte und ihr damit vollends den Kopf abschlug.
Kaum hatte die Elfe den Schädel der Frau in der Hand, ließ sie diesen so reflexartig fallen, als würde dieser in Flammen stehen und sackte neben der Leiche auf die Knie. Der Kopf landete beinahe lautlos im Gras und rollte noch ein Stück zur Seite, wo er Vernita aus toten, vorwurfsvollen Augen anzustarren schien.
„Verzeih mir, dass ich dir den Frieden nicht geben konnte, den du verdient hast, mein Schatz“, stammelte Vernita los und fing dabei bitterlich an zu weinen. „Doch vielleicht schaffe ich es wenigstens bei deiner Tochter, wenn ich diese gefunden und den Klauen Esthá Gianauros entrissen habe…“
Chhrrzing. Vernita öffnete die Augen wieder. Vor ihr prasselte nach wie vor das Lagerfeuer und warf lange Schatten auf das Gesicht der Elfe und auf deren glasig gewordenen Blick. Trotz der Wärme der Flammen schien ihr plötzlich eisig kalt geworden zu sein, so dass sich jedes noch so feine Härchen auf ihrer Haut aufstellte. Ihr starrer Blick war dabei unentwegt auf die schwarzhaarige Frau gerichtet, die auf der anderen Seite des Feuers an einem Baum gelehnt saß und zum Himmel aufsah. Chhrrzing.
‚Manchmal fürchte ich mich vor meinen eigenen Gedankengängen‘, ging es Vernita durch den Kopf, während sie die Klinge auf ihre Schärfe prüfte. Mit einem zufriedenen Nicken, stellte sie fest, dass sie nun ohne große Probleme jemandem mit dieser Waffe die Haut abziehen konnte. So steckte sie das Schwert weg und zog stattdessen ihr zweites, mit dem sie dann weiterarbeitete, ohne dabei die regungslos am Baum sitzende Miandra aus den Augen zu lassen.
So beschäftigte sich Vernita den Rest der Nacht mit ihren Schwertern und der Ausarbeitung ihres Plans. Zwischendurch warf sie noch etwas Holz aufs Feuer, damit dieses nicht vorzeitig ausging. Erst zum Morgengrauen hin, ließ sie es langsam herunterbrennen, um es dann, beim Auftauchen der ersten Sonnenstrahlen vollständig auszutreten. Anschließend ging sie zu Leanora hinüber und schüttelte deren Schulter.
„Hey! Wach auf! Es wird Zeit! Wir müssen aufbrechen!“ sagte die Elfe fordernd, bis schließlich ein verschlafenes „Ja, ist schon gut.“ als Antwort kam. Danach weckte sie auch noch Erik und den Rest ihrer Gefährten. Neben Miandra blieb Vernita noch kurz stehen und musterte diese eingehend von oben herab.
„Denke daran, dich zurückzuhalten, wenn wir den Handelsposten erreichen, Dämon“, bemerkte die Elfe mit einem lauernden Unterton in der Stimme. „Vergiss nicht…sollten wir deinetwegen irgendwie auffallen, bist du die erste, die dafür sterben wird, also halte deine Emotionen im Zaum! Schließlich will ich dich ganz für mich allein haben! Keinem anderen sollst du gehören, hast du das verstanden?!?“
Modificata da Aliens Crew, 10 agosto 2013 - 08:25 .
#2730
Inviato il 09 agosto 2013 - 11:19
Erneut musste sie sich in Zurückhaltung üben, um nicht lauthals loszulachen. Doch es war nicht der rechte Zeitpunkt, um dieses naive Weib zu provozieren. Sie hatte schon zu vieles preisgegeben, das der Elfe offenbar ihren widerlichen Kopf verdrehte. Unruhig war ihr Schlaf gewesen, beobachtet hatte sie ihre zappelnden Bewegungen aus den Augenwinkeln. Der Geruch von Dämonen lag in der Luft, hatte sie umkreist, wie Geier ein sterbendes Vieh. Es war, als hätte sie das Gelächter dieser Kreaturen hören können, wie sie sich darüber amüsierten, in die Gedanken dieser Elfe blicken und daraus eine grausame Traumwelt erschaffen zu können. Sie wusste, welchen Spaß es ihnen bereitete, und wie gerne es manche dabei zu weit trieben und oftmals den Verlust des Schlafenden durch einen kreischenden Schrei beim Aufwachen in Kauf nahmen.
Aber die Elfe versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, kannte solch Träumerei wohl zu gut, wusste sie zu verdrängen. Ruhig hatte sie gewirkt bei ihrer nächtlichen Arbeit, doch leer war der Blick gewesen, und der Gestank der Dämonen war nicht gewichen. Selbst im wachen Zustand zog es sie ins Nichts. Alles roch danach.
Und nichts hätte sie diese Nacht besser bei Laune halten können.
„Ihr wisst, was ich will. Wenn Ihr es mir gebt, habt Ihr nichts zu befürchten von meinen...“, sie kicherte erneut und schüttelte dabei leicht den Kopf. „Emotionen... süß, dass Ihr mir so etwas menschliches zugesteht. Ihr beginnt wohl zu vergessen, was ich bin.“
Modificata da Kaysallie, 30 novembre 2013 - 10:11 .
#2731
Inviato il 22 agosto 2013 - 05:41
Ein zynisches Lächeln überzog für einen Moment das Gesicht der Elfe, ehe sie sich von Miandra abwandte und zu dem erloschenen Lagerfeuer zurückging. Und während Erik und die beiden Mädchen dort saßen und schweigend ihr Frühstück ins sich hineinstopften, fehlte von Leanora jede Spur. Sicher war sie ins Gebüsch gegangen und suchte nach einer Wasserstelle, an der sie sich waschen konnte. Und da Vernita mit ihr reden wollte, zog sie los, um die blondhaarige Frau zu suchen.
Nach kurzer Zeit hörte sie auch schon das leise Plätschern eines Baches, welcher eine Schneise durch den Wald zog und friedlich in der Morgensonne glitzerte. An dessen Ufer fand die Elfe dann schließlich auch Leanora, welche sich ausgiebig den Schlaf aus den Augen wusch. Neben der Frau ging Vernita in die Hocke und legte dieser die Hand auf die Schulter.
„Und?“ fragte sie ungeduldig vor Neugierde. „Wie lief es zwischen dem Dämon und dir? Hast du schon irgendwelche Fortschritte gemacht?“
Modificata da Aliens Crew, 23 agosto 2013 - 01:50 .
#2732
Inviato il 24 agosto 2013 - 08:53
Sie schüttelte den Kopf.
"Leider nicht so richtig", entgegnete die Adlige. "Ich war gestern noch bei ihr, bot ihr essen, trinken und eine Decke an, aber dieser Dämon hat mich mehr oder weniger ausgelacht und lediglich spöttische Antworten gegeben, ich solle verschwinden, schließlich hätte ich nichts, was sie interessiert."
Abermals schüttelte sie den Kopf, als sie an die ironischen Worte des Dämons dachte.
"Nachdem ich aber nicht so leicht aufgeben wollte, hab ich diesem Wesen jedoch gesagt, dass ich sehr wohl dieses Verlangen nach Erfüllung kenne."
Verlegene Röte überzog ihr Gesicht. "Auch wenn ich noch Jungfrau bin, aber Sengaal Neranos vermochte es, mich allein durch seine liebevollen Blicke zu erregen, und ein Kuss von ihm war, als würden kleine Blitze durch meinen Körper schießen", versuchte sie, dieses doch relativ neue Gefühl zu erklären, wobei sich ihre Gesichtsfarbe noch eine Spur verstärkte.
Leanora räusperte sich leicht, bevor sie fortfuhr. "Antwort habe ich darauf jedenfalls keine erhalten, aber ich werde nicht locker lassen und auch heute versuchen, ihr Vertrauen zu gewinnen. Ich werde neben ihrer Trage herreiten, so dass ich sie im Blickfeld habe. Vielleicht ergibt sich hier ja wieder eine Möglichkeit, ein Gespräch zu beginnen."
Die Adlige zog sich ihr Oberteil über und schmunzelte dabei. Ihr war gerade eingefallen, dass sie Vernita und Miandra damals sogar vor die Tür geschickt hat vor lauter Scham. Aber die Zeiten änderten sich, und schließlich war es nochmal etwas anderes, ob eine Person gleichen Geschlechts ihren Körper sah, oder eben ein Mann. Und dass Vernita nichts von Lea wollte, das wusste sie mit absoluter Sicherheit.
"Kommt, lasst uns zurück gehen. Ich möchte noch einen Bissen Brot zu mir nehmen, bevor wir aufbrechen."
#2733
Inviato il 06 settembre 2013 - 04:41
Decken und Ausrüstungen wurden wieder auf den Pferden verteilt, und Erik und die Elfe schafften Miandra erneut auf die Trage, wo Vernita die schwarzhaarige Frau wie schon am Tage zuvor ordentlich verknotete und diese dabei leicht hämisch angrinste.
Kurz darauf wurde die Trage auch schon an Miandras Pferd befestigt, bevor die Gefährten sich auf ihre Reittiere schwangen und zurück auf den Weg ritten, um ihre Reise zum Handelsposten fortzusetzen, welche nicht mehr allzu lange dauern sollte.
Die Elfe ließ dabei Leanora das Pferd der schwarzhaarigen Frau führen, damit diese eine Gelegenheit bekam, noch einmal mit dem Dämon zu reden. Sie selbst übernahm die Spitze des Trupps, wobei sie einigen Abstand zwischen sich und Miandras Trage brachte, um den beiden Frauen die Möglichkeit zu lassen, sich ungestört zu unterhalten.
Dabei grübelte sie darüber nach, was sie als erstes tun würde, sobald sie ihr Ziel erreicht hatten.
#2734
Inviato il 26 settembre 2013 - 04:54
„Wirst Du wohl aufhören?“ schimpfte Leanora und hob kurz drohend die Hand. „Wir haben keine Zeit für solche Machtspielchen. Benimm Dich gefälligst!“ fügte sie mit fester Stimme hinzu und schwang sich auf den Rücken des tänzelnden Pferdes. Dennoch merkte sie die Anspannung des Hengstes, als sie im Sattel saß. Ob es an dem anderen Pferd lag, oder das Tier auf die dämonische Ausstrahlung Miandras reagierte, konnte sie nicht sagen. Erst nach einigen Minuten hatte Donas die gegebene Situation akzeptiert, und bis dahin hatte Lea alle Hände voll zu tun, ihr Tier von irgendwelchen Dummheiten abzuhalten. Vernita hatte bis dahin einigen Abstand zu ihnen gewonnen. Zwischen der Elfe und ihr ritten die beiden Mädchen nebeneinander, aber auch die hatten schon ziemlichen Vorsprung. Erik bildete das Schlusslicht und hielt einen relativ großen Sicherheitsabstand zur Trage.
Endlich hatte sie ein wenig Zeit, um ihren eigenen Gedanken nachhängen zu können, ohne dass sie sich auf ihr Pferd konzentrieren musste. Die blondhaarige Frau blickte kurz in den Himmel. Das Wetter meinte es gut mit ihnen, nur ein paar kleine Wolkenfetzen waren zu sehen, ansonsten war es strahlend blau. Leichte Wehmut an unbeschwerte Tage daheim überkam sie. Wie schön wäre solch ein Tag gewesen, ohne Sorgen, ohne Verantwortung und ohne Probleme. Sie wäre nach dem Frühstück in den Stall gegangen und erst abends bei Sonnenuntergang wieder im Haus gewesen. Den Rest des Tages hätte sie bei ihren Lieblingen im Stall oder auf der Weide verbracht. Sie seufzte leise. Wie schnell sich das Leben doch ändern konnte! Ihr Blick wanderte zu Miandras Körper. Leanora nahm sich die Zeit, die Frau eingehend zu betrachten. Sie spürte förmlich die ablehnende und kalte Aura der anderen. War diese schon immer so? Konnte man so werden, wenn einem das Leben nur übel genug mit spielte? Negativ eingestellt bis in die letzte Faser des Herzens? Die Adlige berichtigte ihren Gedankengang. Es gab etwas Positives in Miandra. Und das war die grenzenlose und bedingungslose Liebe zu ihrer Tochter. Dass diese Frau so verschlossen, kalt und arrogant war, lag also rein nur an den schlimmen Umständen, die der schwarzhaarigen in ihrem Leben widerfahren waren. An sich konnte Leanora das erste Mal in der Zeit ihrer Bekanntschaft richtig verstehen, wieso sie auf Ablehnung traf, wenn sie mit Miandra ein Gespräch suchte. Es war nichts weiter als ein Schutzmechanismus der Frau, um nicht noch weiter verletzt zu werden. Das Problem an der Sache war nur, dass der Dämon diese Kaltschnäuzigkeit vom Wirtskörper übernommen hatte.
Die Adlige schenkte der Besessenen ein Lächeln, von dem sie hoffte, dass es auch ihre Augen erreichte, und zermarterte sich den Kopf, wie sie ein weiteres Gespräch beginnen sollte. Miandras Gast machte jedenfalls keinerlei Anstalten, etwas zu sagen, und in ihrem Gesicht war, seit sie die Trage festgeschnallt hatten, nicht die kleinste Gefühlsregung zu erkennen.
„Wie geht es Euch?“ fragte Leanora schließlich, ehrlich interessiert. Die Frau musste theoretisch einige blaue Flecken haben, die Reise auf der Trage war doch recht holprig. Schlief ein Dämon überhaupt, wenn er einen menschlichen Körper bewohnte? Ein Mensch brauchte seine Erholungsphasen, aber wie verhielt es sich, wenn es nur der Körper des Menschen war? Diese Fragen beschäftigten die Adlige letztlich so sehr, dass sie auch diese an den Dämon stellte. Vielleicht bekam sie wenigstens irgendeine Antwort.
#2735
Inviato il 01 dicembre 2013 - 01:06
„Ihr lasst Euch wohl gerne von meiner süßen, doch so zerbrechlichen Hülle täuschen… Ich brauche keinen Schlaf. Mein… Geist, wenn Ihr so möchtet, kennt diese Dinge nicht. Es gibt nämlich keinen Ort, an den er gehen kann. Die Körper von uns Dämonen sind anders beschaffen, wie jene von euch Menschen und anderem Getier. Sie müssen sich nicht erholen“, erwiderte sie freundlich – fast zu freundlich.
Ein paar Augenblicke lächelte sie Leanora regelrecht herzlich an, wodurch es schon wieder unheimlich wurde. Kurz darauf fuhr sie fort, so dass sich die wahre Gestalt des Dämons wieder offenbarte. „Ich kann aber nicht garantieren, dass es Eurer Freundin nachher genauso blendend gehen wird wie mir, wenn sie in diesen Körper zurückkehrt.“ Sie kicherte voller Hohn und sah weitere Verwirrung in dem Gesicht der Jungfrau.
„Oh, habe ich das vergessen zu erwähnen?“ prustete sie theatralisch. „Ach, ich kleines Dummerchen. Diese menschlichen Körper sind so schwach… ich vergesse das immer wieder! Nun, meine liebe kleine … Leanora, richtig? Was denkt Ihr, wie lange es ein menschlicher Körper ohne diese Erholungsphasen aushält? Und was denkt Ihr, wie viel Kraft es einem solch schwachen Geist kostet, eine solche Reise ins Nichts zu unternehmen? Ich weiß von euren kleinen Ausflügen… von diesen Blutmagierritualen, ich weiß alles, was diese Frau wusste. Doch dies ist kein Vergleich. Diese Rituale sind mit den Schlaf-Zuständen zu vergleichen, in denen euer Geist den Körper verlässt, damit dieser rasten kann. Doch wie Ihr seht… dieser Körper rastet nicht. Eine Rückkehr in diesen Körper, je länger er von mir…“ sie unterbrach ihren Monolog um ironisch zu kichern. „… benutzt wird, desto … sagen wir… ‚spannender‘, könnte das Erlebnis für diesen schwachen menschlichen Geist werden.“
Nach einer kurzen Pause fügte sie übertrieben berührt hinzu: „Ach ja, dies war ja einer der Gründe, weswegen ich einen sofortigen Tausch vorgezogen habe. Tja… da kann man jetzt wohl nichts mehr machen.“
Modificata da Kaysallie, 01 dicembre 2013 - 07:32 .
#2736
Inviato il 11 dicembre 2013 - 06:22
#2737
Inviato il 20 agosto 2014 - 06:55
Schockiert hörte Leannora den Ausführungen des Dämons zu, dabei nicht wissend, was sie nun von den Gefühlsschwankungen dieses Wesens halten sollte. Die Besessene war richtiggehend freundlich zu ihr, und das wiederum war ihr unheimlich. Zumindest schlich ein komisches Gefühl über ihren Rücken empor und ließ ihre Nackenhärchen zu Berge stehen. Dennoch konnte dies ein Schritt in die richtige Richtung werden, und deswegen ließ sie sich auch nichts anmerken. Viel mehr überlegte sie tatsächlich, wie es der richtigen Miandra dann gehen würde, wenn der Körper die ganze Zeit ohne Ruhepausen auskam. Was ihr weiterhin unheimlich war, war die Tatsache, dass der Dämon wohl auf alle Gefühlsregungen und Gedanken Miandras zurückgreifen konnte.
„Ich danke Euch für diese detaillierten Antworten“, erwiderte Lea mit einem ebenso freundlichen Ton. Dann ritt sie ein wenig näher an die Frau heran und sah ihr fest in die Augen. „Sagt, wie hattet Ihr Euch eigentlich den Tausch vorgestellt? Welchen Körper braucht Ihr, um diesen hier wieder zu verlassen?“
Die Adlige überlegte angestrengt. Wie konnte man diesen Dämon nur überlisten? Könnte vielleicht der Körper eines Tieres auch dazu dienen? Ein Tier zu töten war für Leanora letztlich kein Problem. Sie hoffte nur, dass sie den Handelsposten bald erreichen würden. Vernita meinte ja, dass dies im Laufe des Vormittags geschehen sollte. Einerseits empfand sie doch Mitleid mit dem Dämon – andererseits konnte man diesem Wesen wirklich nicht vertrauen, wie sie schon feststellen musste. Tatsache war, dass sie wohl nicht mehr allzu viel Zeit hatten, die richtige Miandra gesund und munter zurück zu bekommen. Ein Körper ohne Erholungspausen konnte nicht lange funktionieren, und Lea konnte sich vorstellen, dass Miandra eher müde war, wenn sie aus dem Nichts zurück in ihre weltliche Hülle kam. Dennoch – über solche Probleme konnte man sich auch noch Gedanken machen, wenn der Tausch vollzogen war. Vorrangig war, diesen Irrsinn schnellstmöglich hinter sich zu lassen.
#2738
Inviato il 20 agosto 2014 - 11:32
„Brauchen…“, wiederholte sie langsam und blickte anschließend zum Himmel empor und beobachtete die Wolken, wie sie sich vom Wind in eine andere Richtung tragen ließen. Wie gerne wäre sie nun dort oben und würde sich von ihnen mitnehmen lassen … anstatt von dieser dämlichen Trage.
„Nun, wenn Ihr es so nennen wollt, mein liebes kleines unschuldiges Mädchen. Ich habe es Eurer Elfenfreundin schon gesagt, ich brauche einen Körper, welcher dem hier ebenbürtig ist. Doch wahrscheinlich wird euch diese Antwort ohnehin nicht genügen, nicht wahr? Also… ich brauche jemanden, dessen Seele ebenso verirrt und verwundet ist, wie …“
Der Dämon brach den Satz völlig unerwartet ab und begann zu grinsen. „Nun, da es Euch nun mal nicht möglich sein wird einen solchen Körper in kürzester Zeit aufzutreiben, brauche ich eine weitere Seele, die als Opfer dienen muss. Ein Wechsel in einen anderen Körper erfordert nun mal viel Kraft und er benötigt noch viel mehr davon, wenn es sich um einen Körper handelt, dessen Seele fest daran gebunden ist. Denn je verwundeter eine Seele ist, umso einfacher lässt sie sich davon lösen.“
Sie begann zu kichern wie ein kleines Kind. „Ich könnte Euch erklären, warum das so ist, doch das würde den ganzen Spaß verderben, findet Ihr nicht auch? Aber wenn Ihr interessiert daran seid mehr darüber zu erfahren… ich könnte es Euch zeigen. Und warum sollte ich das tun? Das fragt Ihr Euch bestimmt. Ihr denkt immerzu daran, welchen Vorteil ich mir verspreche aus dem, was ich sage und tue, nicht wahr? Nun sagen wir, dass ich es Euch anbiete, weil es mir Spaß bereitet, da ich mich hier allmählich zu langweilen beginne. Euch wiederum bringt es neue Erkenntnisse, wenn Ihr es tut…“
Die schwarzhaarige Frau blickte nun zu Leanora, sah deren Verwirrung und begann lauthals zu lachen. „Ach, ich habe doch fast vergessen Euch zu sagen, was Ihr tun müsst!! Ich kleiner, dummer Dämon! Also… es ist ganz einfach… Ihr müsst nur Eure Augen schließen und mir einen Kuss geben… und solange Ihr Euch nicht von meinen Lippen löst, werdet Ihr sehen, was ich sehe und weiß. Ja! So einfach ist es!“
Sie machte eine kurze Pause und lächelte dabei euphorisch über das ganze Gesicht, ehe sich ihre Züge wieder glätteten und ein tiefes Seufzen ihrer Kehle entrann. „Doch wahrscheinlich hat Euch Eure Elfenfreundin davor gewarnt mir zu nahe zu kommen, nicht wahr? Wie schade… und das, obwohl Ihr am allerwenigsten Angst vor mir zu haben braucht. Die Eifersucht plagt dieses Weib… immer will sie alles im Griff haben und lenken; doch immer wieder fällt ihr alles aus der Hand…“
#2739
Inviato il 22 agosto 2014 - 03:53
Leanora wollte kaum glauben, was sie hörte, und dementsprechend war wohl ihre Verwirrung auf ihr Gesicht geschrieben. Was von dem Gesagten entsprach der Wahrheit, was diente als Lockmittel, oder was war davon einfach nur Humbug, damit sich der Dämon einen Spaß auf ihre Kosten erlauben konnte? Was dem Wesen ja auch durchaus zustand, wie Lea fand. Immerhin musste es furchtbar langweilig sein, auf einer nicht gerade bequemen Trage festgebunden quer durch die Landschaft geschleppt zu werden. Da gab es sicherlich Schöneres, erst recht für einen Dämon der Wolllust. Einen ebenbürtigen Körper brauchte dieses Wesen also – tja, damit hatte Miandras Wirt wohl Recht: so einen konnte sie auf die Schnelle nicht beschaffen. Und ein Tierkörper schied somit aus, egal welch hübsche Beine ein Reh auch haben würde.
Eine verirrte Seele? Heimlich schielte sie auf die beiden Mädchen, die ein gutes Stück vor ihr ritten. Gerade Lydia war sicherlich haltlos, der Eltern beraubt, nach Antworten suchend… Leanora schüttelte innerlich den Kopf. Nein, das kam gar nicht in Frage, dass sie die Mädchen dafür verwenden würden. Auch wenn die beiden ihnen teilweise mehr zur Last gefallen waren durch ihre eigensinnigen Unternehmungen als es Lea selber jemals geschafft hätte, die Gruppe in Gefahr zu bringen.
Sie fühlte sich, als würde sie auf einem Pulverfass sitzen. Einerseits klang alles sehr plausibel, andererseits hatte sie die Warnung Vernitas durchaus noch im Kopf. Miandra hatte mit ihrer Aussage also völlig Recht. Trotzdem glaubte sie dem Dämon durchaus, dass dieser rein aus Langeweile bereit war, Wissen gegen einen Kuss zu tauschen. Aber eine Frau zu küssen ging gegen jegliche moralische Vorstellung, die Leanora hatte. Ein Kuss war schließlich etwas sehr intimes, etwas, was man jemandem schenkte, dem man aus vollstem Herzen liebte. Aber nicht einfach aus Jux und Tollerei - oder aus Berechnung.
Ihr Blick wanderte automatisch auf Miandras Mund und deren Lippen, die – zugegeben – durchaus ihre Anziehungskraft hatten. Noch immer leicht geschwollen, der Mund etwas geöffnet, zog dies ihren Blick schon fast magisch an, und Leanora hatte das Gefühl, sogar den süßen Geschmack dieses Kusses auf ihren Lippen zu spüren.
Genau in diesem Moment schnaubte Donas und riss ihr beinahe die Zügel aus der Hand, weil er nach einer Fliege schnappte, die vor seiner Nase herum schwirrte und ihn schier verrückt machte. Dies brachte Leanora wieder zurück in die Realität und sie schüttelte leichte benebelt den Kopf, um wieder etwas klarere Gedanken zu fassen. Wohin verirrten sich hier nur ihre Überlegungen?
Unbewusst fuhr sie sich mit ihrer Zunge über die Oberlippe, um den trockenen Mund etwas zu befeuchten. Hatte der Dämon Recht und Vernita war ein eifersüchtiges Weib? Hätte der Dämon dann auch Recht, dass sie, Leanora, im Prinzip wirklich keine Angst vor dem Wesen haben musste? Irgendetwas in ihrem Unterbewusstsein versuchte, an die Oberfläche zu gelangen. Schnell wurden Bilder heraufbeschworen, wo Vernita immerzu tatsächlich die Zügel an sich gerissen hatte. Lea hatte dies als selbstverständlich hingenommen, schließlich war die Elfe diejenige mit der meisten Erfahrung im Kampf und hatte genug im Leben mit gemacht. Aber würde diese soweit gehen, tatsächlich nur für ihre eigenen Interessen zu kämpfen ohne Rücksicht auf Verluste? Das konnte eigentlich nicht sein, sonst wäre Lea nicht aus Andrastes Armen zurückgekehrt. Aber vielleicht war es ja nur, weil eine kämpfende und zuverlässige Person doch viel wert war? Leise seufzte sie auf. Würde Vernita ihr denn im Anschluss dieser Mission denn helfen, Sengaal Neranos wieder zu finden und zur Not auch seinen Namen rein zu waschen? Das konnte sie sich nicht vorstellen. Bis auf Erik hasste Vernita jeden Mann auf diesem Erdboden. Sie würde den Kommandanten eher töten als ihm helfen.
Die Verlockung war groß, diesen Kuss zu gestatten und das Wissen des Dämons zu erhalten. Sehr groß sogar. ‚Oder mit ihm einen Pakt zu schließen, so dass dieses Wesen ihr half, ihren Liebsten aus den Klauen Gromschlags zu befreien, seine Unschuld zu beweisen, und mit ihm bis in die Ewigkeit hinein ein glückliches Leben zu führen’ wisperte ein kleines fieses Stimmchen in ihrem Kopf. Grübelnd knabberte Leanora auf ihrer Unterlippe, nicht wissend, was sie nun machen sollte.
Schließlich seufzte sie leise, holte tief Luft und meinte dann: „Wahrscheinlich konntet Ihr gerade ohnehin in meinem Gesicht lesen wie in einem offenen Buch. Eines kann ich Euch sagen, die Verlockung ist schon sehr groß, Euren Worten Glauben zu schenken. Oder anders gesagt: ich glaube Euch sogar. Aber es wird sich kaum noch eine Möglichkeit bieten, diesen Kuss zu wechseln, da wir sicherlich durchreiten werden, bis wir den Handelsposten erreicht haben. Dort sehen wir weiter. Und sollte Vernita ihr Versprechen Euch gegenüber nicht einhalten …“
Leanora ließ den Rest des Satzes offen und wandte ihren Blick ab. Zu zerrissen war sie im Moment innerlich, konnte nicht zuordnen, wie viel von ihren Gedanken sie nun dem Einfluss des Dämons zuzuschreiben war und was davon wirklich in ihrem eigenen Kopf entsprungen war. Leichte Röte überzog ihr Gesicht. Vernita wollte, dass der Dämon Vertrauen zu ihr fasste. Aber war es im Moment gerade nicht eher anders herum? Hatte die Elfe sie nicht sogar noch gewarnt, dass dieses Wesen versuchen würde, sie mit Versprechungen zu locken? Über Reichtum und dergleichen? Sie wusste es nicht mehr. Beinahe hilflos zuckte sie die Schultern und blickte dann wieder in Miandras Augen. Leise sagte sie: „Eines kann ich Euch jedenfalls versichern: ich bin ein ehrlicher Mensch und halte meine Versprechen normalerweise.“
Dann biss sie sich wieder auf die Lippe und schwieg aus Angst, mit diesem Satz viel zu viel über ihre Gedanken verraten zu haben.
Leanora atmete bewusst tief aus und merkte, wie die innere Spannung, die sie während der Grüblereien aufgebaut hatte, nachließ. Dies übertrug sich sofort auf den Hengst, der nun lebhaft mit den Ohren spielte, welche zuvor noch eines starr nach vorne, das andere nach hinten gerichtet war, und seine Bewegungen länger und elastischer wurden und nicht mehr so tänzelnd und ungeduldig, wie noch zuvor.
#2740
Inviato il 26 aprile 2016 - 09:27
Stillschweigend beobachtete der Dämon die blondhaarige Frau bei ihren Grübeleien. Vielleicht hatte sie sich doch in der völligen Immunität dieser Jungfrau getäuscht? War es möglich, dass diese sich so sehr nach bestimmten Begierden verzehrte, dass sie sich tatsächlich von ihren dämonischen Kräften angezogen fühlte? Nun, gepaart mit der Naivität dieser jungen Frau könnte dies durchaus möglich sein.
„Nun, wenn das so ist…“, meinte der Dämon langgezogen, legte sein euphorisches Grinsen jedoch nicht ab, während er fortfuhr. „…dann habe ich einen anderen Vorschlag für Euch: Ihr versprecht mir etwas, im Gegenzug werde ich Euch ein Versprechen anbieten.“
Augenblicklich legte sich der belustigte Blick der Schwarzhaarigen und wurde ernst. Sie seufzte einmal und blickte Leanora anschließend fest an. „Ich weiß genau, dass dieses Elfenpack mit aller Kraft versucht, sich gegen unseren vereinbarten Handel zu stellen. Zwei Seelen… als ob die etwas wert wären! Wie viele hat sie schon für weniger geopfert? Was denkt Ihr? Nein, nein, darum geht es hierbei nicht. Diesem Weib geht es einzig und alleine ums Prinzip. Sie befürchtet, dass ich mir diese beiden Seelen einfach nehmen werde, ohne diesen Körper zu verlassen und ich anschließend euch alle einfach auslöschen werde. Und selbst wenn sie damit Unrecht hat, ich ihr die Seele dieser Frau zurückhole, so wird sie mich dennoch nicht ziehen lassen. Ich habe immerhin ihre ‚Ehre‘ beschmutzt.“
Sie begann erneut zu kichern und schüttelte abwertend den Kopf. Ehre… Wie viele dumme Taten hatten diese fleischlichen Geschöpfe schon ins Nichts befördert, da sie dachten, von Ehrgefühl geleitet zu sein? Andererseits hatten einige der niederen Dämonen jede Menge Spaß mit den Opfern dieses irrsinnigen Glaubens. Warum sich also beschweren?
„Schließlich ist sie auf meine Täuschung, meinen Trick hereingefallen – außerdem habe ich ihr die Hände gebunden und sie dazu gezwungen, nachzugeben, da sie es nicht übers Herz bringt, diesen hübschen Körper hier zu verletzen. Alleine das ist Grund genug dafür, dass sie mich, sobald der Handel abgeschlossen ist, mit ihrem Zahnstocher aufspießen wird.“
Eine sanfte Brise fuhr der schwarzhaarigen Frau durchs Gesicht und wehte ihr einige Haarsträhnen über die Wangen. Sie schüttelte daher zweimal ihren Kopf, bis die Strähnen wieder zur Seite gefallen waren, ehe sie Leanora erneut fokussierte.
„Wie Ihr seht, befinde ich mich in einer verzwickten Lage. Und nun kommt Ihr ins Spiel.“ Der Dämon grinste breit und die Augen der schwarzhaarigen Frau begannen kurz wie glühende Kohlen aufzuleuchten. „Versprecht mir, dass Ihr dieses Weib davon abhalten werdet, mich zu hintergehen, dann werde ich Euch im Gegenzug ein Versprechen erfüllen… was auch immer Ihr wollt und in meiner Macht steht... sei es Wissen oder eine Tat. Und wenn Ihr selbst keine Wünsche haben solltet – was ich bezweifle – wie wäre es, wenn ich Euch stattdessen ein paar Informationen für Euer Vorhaben anbiete…wie zum Beispiel bezüglich eines gewissen … ‚Er‘.“
Die Frau machte eine kurze Pause, ließ Leanora jedoch nicht aus den Augen. Dabei konnte sie sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen. Sie konnte Erstaunen über die Kenntnisse, welche sie aus ihrem Wirtsköper gewonnen hatte, in den funkelnden Augen ihres Gegenübers erkennen, aber auch deren Zweifel förmlich riechen, sowie die Neugierde und das Verlangen danach, ihren Worten Glauben zu schenken. Daher ergriff sie noch ein letztes Mal das Wort, um die Fragen der blondhaarigen Frau im Keim zu ersticken: „Und eines noch: Ihr solltet niemals einen Pakt mit einem Dämonen unterschätzen. Nur wenige von Euch elenden Geschöpfen erhalten die Gelegenheit, einen solchen Handel einzugehen… auch wenn es genug Gerüchte darüber in dieser Welt gibt. Die niederen, dummen Dämonen, wie die des Zorns, der Trägheit oder des Hungers, wären nicht zu solch intelligenter Handlung fähig. Und auch meine wollüstigen Artgenossen meiden es in der Regel, einen Handel mit Sterblichen einzugehen. Oft ist dies auch gar nicht nötig“. Sie unterbrach ihre Rede kurz, um spöttisch zu kichern. „Wir machen außerdem nur selten von diesem ‚Werkzeug‘ Gebrauch, da wir uns ebenso daran binden müssen. Nur in ausweglosen Situationen greifen wird darauf zurück. Und wie Ihr seht, befinde ich mich einer solchen.“
Sie räusperte sich und fuhr in einer arroganten Stimmlage fort. „Außerdem… sehen viele von euch menschlichen Abschaum uns lieber zurück-verbannt ins Nichts oder töten unseren Wirt, ehe es zu solch ausführlichen Gesprächen kommen kann“, sie zwinkerte der blondhaarigen Frau vielversprechend zu. „Also, kommen wir ins Geschäft? Oder habt Ihr noch weitere Fragen, dann stellt sie rasch, bevor ich es mir vielleicht noch einmal anders überlege…“
#2741
Inviato il 27 aprile 2016 - 07:17
Gebannt lauschte Lea den Sätzen des Dämons mit zunehmender Spannung und Verwirrung. Ihr Unterbewusstsein warnte sie davor, den Worten Glauben zu schenken – konnte es schließlich eine List sein, sie doch in den Bann zu ziehen. Noch zu gut war ihr Vernitas Warnung im Gedächtnis. Andererseits hatte das Wesen in allen Punkten Recht. Die Elfe würde den Dämon auf keinen Fall in dieser Welt am Leben lassen. Dennoch – Antworten auf so viele Fragen zu erhalten wäre doch ein riesiger Vorteil für ihr Vorhaben? Zu wissen, wer dieser mysteriöse ‚er’ war, mit welchen Kräften sie sich noch auseinandersetzen mussten? Aber wollte sie das wirklich wissen?
Andererseits hatte sie Mitleid mit diesem Wesen aus dem Nichts. Hatte es nicht auch ein Anrecht darauf, zu leben? Aber zu welchem Preis? Wie viele Menschen würden dadurch gefährdet? Das konnte unmöglich im Sinne Andrastes oder des Erbauers sein! Sie konnte zwar vielleicht Vernita hintergehen, wenn sie sich auf diesen Handel einließ, aber was würde Andraste dazu sagen? Wäre die göttliche Strafe dafür nicht um so vieles schlimmer? Aber wäre der Verlust der Freundschaft nicht genauso schlimm?
Leanora bekam langsam Kopfschmerzen von den Grübeleien. Was hier auf sie einstürzte, war definitiv zu viel für sie. Da sie Lügen verabscheute, war sie ein absolut ehrlicher Mensch, aber hier würde sie wohl am Schummeln nicht vorbei kommen. Innerlich schmunzelte sie. Schummeln war eine extreme Verharmlosung von dem, was sie machen musste: nämlich faustdick lügen, ohne dass man es ihr anmerkte. Sie musste die Freundschaft oder zumindest die Achtung des Dämons erlangen, egal zu welchem Preis. Und war das hier nicht gerade die beste Gelegenheit dazu? Wenn sie nun dieses Angebot ausschlug, würde sie sofort das momentan aufkeimende Vertrauen des Dämons verlieren – sofern man das hier überhaupt als Vertrauen bezeichnen konnte. Egal was es war, es war nützlich. Schließlich hatte sie zu Hause auch Stunden in höfischem Benehmen und Etikette gehabt – wo genau dieses Spiel der Höflichkeit und Hinterhältigkeit gelehrt wurde, alles unter vorgehaltener Maske, um ja keinen Verdacht zu schöpfen, wenn man mit einem Lächeln im Gesicht die gemeinsten Intrigen ersann. Wie sehr hatte sie diesen Unterricht gehasst, denn ihrer Meinung nach konnte man mit Wahrheit und Ehrlichkeit wohl doch am meisten erreichen? Dass dem in der Realität allerdings nicht so war, hatten ihr die letzten Wochen des öfteren bewiesen. Und es lief ihnen die Zeit davon, noch heute würden sie den Handelsposten erreichen.
All das ging ihr währenddessen durch den Kopf, nach außen hin konnte man nur ihre Neugier erkennen. Der Unterricht hatte sich also doch bezahlt gemacht. Das Spiel konnte beginnen.
„Ihr habt Recht“, antwortete sie dem Dämon. „Vernita wird Euch nicht am Leben lassen, Ihr habt mir die Erklärung dafür gegeben. Ich finde das nicht rechtens, immerhin habt ihr eine Vereinbarung getroffen, in der jeder das erhalten sollte, was er versprochen hat. Wir also unsere alte Miandra wieder, und Ihr Eure Freiheit.“ Lea blickte dem Dämon fest in die Augen, als sie weiter sprach. „Natürlich habe ich noch Fragen. Langt es, wenn wir uns dieses Versprechen so geben? Denn verzeiht, eine Frau zu küssen, das kann ich beim besten Willen nicht. Vielleicht versteht Ihr das nicht, aber ich werde nur den Mann küssen, den ich aus vollstem Herzen liebe, und keinen anderen.“ Ein sehnsuchtsvolles Seufzen verließ ihre Kehle, als sie an Sengaal dachte. „Ich hoffe nur, es geht ihm gut“, murmelte sie, aber dennoch laut genug, dass der Dämon es hören musste.
Wie konnte sie es nur anstellen, dass sie dem Dämon ein weiteres Versprechen abluchsen konnte? Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als dass Sengaal Gromschlag von der Richtigkeit seiner Äußerungen überzeugen konnte und frei von jeglichem Verdacht war, so dass er wie versprochen ihnen nachreisen konnte, um dann endgültig ihren Namen rein zu waschen und endlich ein glückliches friedvolles Leben mit ihm führen konnte. Andererseits musste sie sich eingestehen, dass das vielleicht doch ein wenig zuviel der Wünsche waren. Und außerdem – was zählte denn ein Handel mit einem Dämon wirklich? Rein gar nichts, wenn man Vernitas Ausführungen Glauben schenkte. Denn ein Dämon war stets nur auf seinen Vorteil bedacht, ohne sich auch nur im mindesten an Abmachungen zu halten. Was stimmte nun wirklich? Sie würde es herausfinden – dessen war sich Leanora sehr sicher.
#2742
Inviato il 28 aprile 2016 - 07:29
Erik blickte gedankenverloren geradeaus, die Hände an die Mähne seines Rappen geklammert. Er hatte den gestrigen Tag geschwiegen, doch die Ereignisse ließen seine Gedanken nicht ruhen, sondern zerfaserten in seiner Erinnerung. Angestrengt hatte er versucht zu verstehen, wie der Dämon ihn so leicht austricksen konnte. Im Zuge seiner bisherigen Aufträge wurde er bereits mit Dämonen konfrontiert, doch keinem war es bislang gelungen, seine Gedanken so einfach zu manipulieren. Aber dies war nicht das einzige, was ihn beschäftigte. Er machte sich zusätzlich Gedanken darüber, ob es tatsächlich sinnvoll war, eine solche Gefahrenquelle bei sich zu haben, vor allem wenn sie einen gut besuchten Handelsposten aufsuchen wollten. Nein, nicht nur das: es war generell nicht sinnvoll einen Dämon mit sich herumzuschleppen, auch nicht, wenn sie alleine durch einen menschenleeren Wald spazierten.
Eriks Blick streifte zu der besessenen Frau. Sofort bereute er diese Entscheidung, da seine Finger sofort erregt zu zittern begannen. Sein Pferd schnaubte aufgrund dessen unruhig und er versuchte sich wieder zu konzentrieren und die Lust zu verdrängen. Erik gab dem Pferd daher die Fersen und spornte es an, um sich noch ein Stück von der schwarzhaarigen Frau zu entfernen. Hierbei reihte er sich direkt neben Vernita ein, die zu seiner Verwunderung ebenfalls weiter entfernt die Spitze ihres Zugs eingenommen hatte. Erik seufzte neben der Elfe auf. Es war ohnehin Zeit für ein Gespräch.
„Hör‘ zu“, räusperte er sich. „Ich möchte nicht, dass diese Sache, die da im Wald passierte, zwischen uns steht. Ich kann mich nicht mehr an Einzelheiten erinnern… dennoch, ich möchte mich bei dir entschuldigen, für das, was da vor sich ging…“
Er schluckte. Warum war dieses Thema nur so unangenehm? Er hatte dies immerhin nicht bewusst gemacht – ja, vielleicht war gerade das der wunde Punkt. Er hasste sich dafür, die Herrschaft über seinen eigenen Körper so einfach verloren zu haben. Außerdem war er gerade erst zu dieser Gruppe gestoßen und wusste nicht, welche Unruhen er damit geweckt hatte.
„…oder eher auch dafür, dass ich mich so einfach habe täuschen lassen“, fuhr er fort. „Ich denke, dass wir uns vor diesem Dämon in Acht nehmen sollten. Eine ungeheure Energie geht von diesem Ding aus.“
Erneut verspürte er das Bedürfnis nach hinten zu blicken, in die Richtung der schwarzhaarigen Frau, doch er unterdrückte diese Regung und sah stattdessen die Elfe von der Seite an. Er dachte daran zurück, als die beiden einander das erste Mal begegnet waren: vor allem war ihm hier in Erinnerung geblieben, was für ein stures und zickiges Weib Vernita gewesen war. Dennoch strahlte sie immer eine ungeheure Stärke und Selbstsicherheit aus, arbeitete stets professionell, hinterlistig und ließ sich von nichts einschüchtern. Auf den ersten Blick sah die Elfe noch immer genau gleich aus, wie vor einigen Jahren und so, wie er sie in Erinnerung behalten hatte. Doch ein kennendes Auge bemerkte, dass diese gerade eben keine dieser Eigenschaften verkörperte. Sie wirkte abgekämpft und unendlich müde, ihre sonst so stolze Haltung schien verkümmert und ihr wacher Blick hatte sich von einem trüben verdrängen lassen.
Erik konnte nur mutmaßen, was diese kleine Gruppe bereits alles erlebt hatte. Doch die Vergangenheit war gerade eben nicht wichtig. Sie hatten gegenwärtige Probleme, die es zu lösen galt.
„Ich denke nicht, dass es gut ist, wenn wir diesen Dämon an einen Ort bringen, der möglicherweise nur so von Menschen wimmelt, die sich leicht beeinflussen lassen. Es wäre vielleicht klüger, dies vorher auszukundschaften und etwas abseits ein Lager aufzuschlagen. Nur zur Sicherheit, versteht sich.“ Er seufzte, ehe sich ein schelmisches Lächeln auf seine Lippen legte. „Oder schwebt dir – mal wieder – bereits ein anderer Plan vor?“
#2743
Inviato il 28 aprile 2016 - 07:29
„Nein, mein kleines Jungfräulein. Ein Kuss wird nicht von Nöten sein, um unsere Vereinbarung zu besiegeln. Es wäre nur ein hübscher Beigeschmack gewesen“, lüstern leckte sie sich langsam über die Lippen und warf Leanora dabei einen betörenden Blick zu. Keine zwei Sekunden später wurde ihre Miene jedoch todernst. „Ich bestehe jedoch auf einen Handschlag.“
Doch auch die letzte Äußerung, die Leanora gedankenverloren von sich gegeben hatte, war ihr nicht entgangen. Dieses junge, naive Mädchen sehnte sich offensichtlich nach einen für sie unerreichbaren Mann. Die Unwissenheit quälte sie und wurde angetrieben von tiefer Sehnsucht. Von einem Verlangen, das womöglich stark genug war, um über die Vernunft zu gebieten. Ein leidendes Herz, so zerbrechlich, aber ebenso hungrig – eine exzellente Voraussetzung für ein Wesen, das die Wollust selbst genannt wurde.
„Wie ich sehe, schwebt Euch bereits ein Wunsch vor, den ihr erfüllt haben möchtet. Ihr seid begierig nach Wissen, nach etwas bestimmten. Ihr sorgt Euch um jemanden“, die Augen der schwarzhaarigen Frau leuchteten verheißungsvoll auf. „Ihr wisst, dass ich Euch dieses Wissen verschaffen könnte. Dennoch spüre ich den Zweifel, der Euch zurückhält und um euch schwirrt, wie ein Haufen widerlicher Insekten. Dabei braucht Ihr für dieses Wissen nichts weiter zu tun, als darauf zu achten, dass diese Elfe das tut, was sie selbst versprochen hat. Und wer weiß? Vielleicht irre ich mich und es wird nichts weiter geschehen und sie mich meiner Wege ziehen lassen. Seht unseren Handel also eher als… eine Erweiterung des Versprechens an, welches mir die Elfe bereits gegeben hat. Und Ihr scheint dieser Frau doch in ihren Urteilen zu vertrauen, oder nicht? Ansonsten hättet Ihr Euch doch bereits gegen ihre Idee gestellt, mich in dieser unbequemen Trage durch das halbe Land zu schleppen, um mir zwei Seelen zu beschaffen, nicht wahr?“
Sie atmete einmal tief die Waldluft ein und schloss dabei kurz die Augen. Die Mittagssonne prallte heiß auf ihr Antlitz und ihre Wangen glühten wie Feuer, loderten, ähnlich wie ihre Glieder, die sie kaum bewegen konnte. Wie sehr sie doch das Ende dieses Tages herbeisehnte, an dem sie endlich frei sein würde.
„Aber um den grässlichen Geruch des Zweifels von Euch waschen zu können, werde ich Euch… sagen wir, einen kleinen Vorgeschmack anbieten. Nur um Euch zu beweisen, wie ernst es mir ist und dass Ihr meinen Worten Glauben schenken könnt. Was haltet Ihr davon?“
#2744
Inviato il 30 aprile 2016 - 08:20
Einen Vorgeschmack? Was, bei allen Erzdämonen, meinte dieses Weib damit? Sollte sie dieser Versuchung nachgeben? „Tu es“, wisperte eine Stimme in ihr. Was konnte sie denn schon verlieren? Nachdenklich knabberte Leanora auf ihrer Unterlippe, bevor sie ihren Entschluss in Worte fasste.
„Nun gut. Ich helfe Euch, aber nur unter einer Bedingung.“ Ernst blickte sie den Dämon in seine unheimlichen Augen. „Wenn Ihr Eure Freiheit erlangt habt, dann werdet Ihr unsere Wege, und damit meine ich die unserer Gruppe und meiner beziehungsweise meiner zukünftigen Angehörigen, nie wieder kreuzen. Ihr lasst mich und die meinen in Ruhe, für alle Ewigkeit. Dann sind wir im Geschäft.“
Für den benötigten Handschlag würde sie jedoch kurz stehen bleiben müssen, denn mit den Zügeln der beiden Pferde hatte sie im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll. Außerdem würde sie sich nicht soweit vom Pferd nach unten bücken können, um die Hand des Dämons zu erreichen. Das war jedoch ein Problem, welches kurzfristig gelöst werden konnte, wenn es soweit war.
„Den Handschlag könnt Ihr haben“, fügte sie letztlich noch hinzu, um die Aufrichtigkeit des Handels noch mal zu unterstreichen.
#2745
Inviato il 01 maggio 2016 - 01:31
Der Dämon zog eine Augenbraue nach oben, doch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Kurz darauf zitterten erneut die Lippen der schwarzhaarigen Frau vor Euphorie und formten sich zu einem Grinsen. Scheinbar benötigte die Frau keine Demonstration, um ihrem Angebot zuzustimmen. Umso besser…
„Die Bedingung, dass ich nach diesem … Körpertausch meiner Wege gehe, war bereits bei dem Handel mit dieser Elfe inkludiert. Aber wenn Ihr es unbedingt noch einmal hören wollt, dann bitte: Ihr bekommt den Geist dieser Frau zurück, im Tausch gegen zwei weitere Seelen. Danach werde ich meiner Wege ziehen und Ihr mich nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ich habe kein Interesse an Euch Gewürm, ich verfolge… andere Ziele. Und, wenn Ihr mir versprecht, dass Ihr dafür sorgt, dass ich auch tatsächlich meiner Wege ziehen kann und nicht sofort nach dem Abschluss dieses Handels von Eurer Elfen-Freundin aufgespießt werde, dann werde ich Euch im Gegenzug einen Wunsch erfüllen. Wann ich Euch diesen Wunsch erfüllen werde, nun, das hängt davon ab, wonach Ihr Euch sehnt.“
Das Grinsen des Dämons erweiterte sich noch ein Stück, wodurch sich die Augen der Frau zu schmalen Schlitzen formten. Sie sprach jedoch ernst weiter, was aufgrund ihrer konträren Mimik unheimlich wirkte. „Und da Ihr noch immer nicht geäußert habt, welches konkrete Versprechen dies nun tatsächlich sein soll, werde ich Euch noch Zeit geben, Euren Wunsch zu überdenken, so lange, bis Ihr mir den versprochenen Handschlag gebt. Andernfalls sind all diese Überlegungen wertlos. Ihr solltet damit jedoch nicht zu lange warten, denn so, wie ich das mitbekommen habe, werden wir nicht mehr lange dazu Gelegenheit haben.“
#2746
Inviato il 02 maggio 2016 - 05:21
Der Wind strich leise durch die Baumwipfel, über den Köpfen der kleinen Gruppe. Vögel zwitscherten auf den Ästen, und aus so manchem Gebüsch hörte man es leise rascheln, als die Pferde diese schnaubend passierten.
Doch von all dem bekam Vernita nichts mit. Die Elfe saß gedankenverloren auf ihrem Pferd und grübelte angestrengt nach. Über das, was geschehen war, wie auch über das, was noch zu geschehen hatte. Und auch über das, was sie tun sollte…oder auch tun musste, wenn die Situation es erforderte.
Sie bemerkte, wie sich Erik zu ihr gesellte, doch würdigte sie den Mann keines Blickes. Erst als dieser sie ansprach, wandte sie leicht den Kopf in seine Richtung und funkelte ihn böse aus den Augenwinkeln an.
Vernita lauschte seinen Worten, verfolgte aufmerksam seinen Ausführungen und auch seiner Entschuldigung und fühlte dabei deutlich, wie die Wut in ihr hochkochte. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, ihre Gesichtszüge verzerrten sich. In ihrem Körper stieg der Zorn empor und ließ diesen leicht vibrieren.
Sie öffnete den Mund, um etwas zu erwidern…wollte ihren alten Freund und Waffenbruder anbrüllen. Ihn als Narren beschimpfen, der nur von seinem Schwanz gesteuert wird. Ihn einen Einfallspinsel nennen, der so leicht einer Abscheulichkeit zum Opfer fällt, dass es schon nicht mehr feierlich ist. Ihm vorwerfen, leichtfertig ihre Mission, ja gar ihr Leben aufs Spiel gesetzt zu haben, nur um seinen primitiven Trieben nachgeben zu können. Und er sollte ihr aus den Augen gehen, bevor sie ihr Schwert ziehen würde, um ihn damit zu entmannen und anschließend den Kopf abzuschlagen.
Doch ehe auch nur eines dieser Worte über ihre Lippen drang, streifte sie eine leichte Brise. Und es schien, als würde dieser kühle Luftzug direkt bis in ihr Innerstes Ich vordringen, ihr Herz umklammern und eisern festhalten, bis es zu Eis gefroren war. Schlagartig kam die Erinnerung an ihr Gespräch vom Vortag zurück und ihr wurde zudem ein weiteres mal bewusst, dass das, was sie Erik vorzuhalten gedachte, sich im Grunde nur selbst vorwarf. Und sie schämte sich dafür. Sie schloss den Mund wieder und schwieg einen Moment, bevor sie schließlich doch das Wort an den Mann richtete.
„Ich mache dir keinen Vorwurf, für das, was geschehen ist, Erik, sagte die Elfe mit gedämpfter Stimme, bevor sie sich einmal über die trockenen Lippen leckte. „Es war nicht deine Schuld…nein, ich allein trage die Verantwortung, weil ich mich habe gehen lassen. Du weißt, dass ich sonst nicht so bin…du kennst mich schließlich lange genug.“
Ein müdes Lächeln legte sich für einen Moment auf ihr Gesicht. „Ich bin hart und kalt und ohne Gnade. Wenn sich mir ein Problem in den Weg stellt, dann löse ich es kurz…und schmerzhaft, mit den Klingen meiner Schwerter. Doch die Dinge sind merklich komplizierter geworden in letzter Zeit…“
Sie hielt erneut einen Augenblick inne, während sie darüber nachdachte, ob sie ihren alten Weggefährten darüber aufklären sollte, wie sehr sie sich in den letzten Tagen und Wochen verändert hatte…wie viel ihr an Miandra lag und warum sie die schwarzhaarige Frau um keinen Preis opfern wollte…
„Ich sagte dir ja gestern schon, dass ich Miandra retten will, wenn dafür auch nur der kleinste Hauch einer Möglichkeit besteht“, fuhr sie schließlich fort. „Ich habe dir aber nicht verraten, warum ich das alles tue…“
Sie wandte ihren Kopf nun ganz in Eriks Richtung und blickte ihrem Freund tief in die Augen. „Ich liebe Miandra…von ganzem Herzen und mit aller Leidenschaft, die eine Person für eine andere aufbringen kann. Und ich würde alles tun, alles opfern, selbst mein eigenes Leben, um sicherzustellen, dass es ihr gut geht und sie glücklich wird.“
Die Elfe wandte ihren Blick wieder ab, als sie merkte, dass sich Tränen in ihren Augen bildeten. Mit einer raschen Bewegung wischte sie diese weg, auch weil sie sich ihrer ein wenig schämte.
‚Wo ist nur meine Stärke hin‘, dachte Vernita wütend über sich selbst. ‚Warum bin ich nur so schwach geworden?‘
„Ich weiß nicht einmal, wie es dazu eigentlich gekommen ist…es fing doch alles ganz harmlos an…mit einem simplen Zweckbündnis…“ Sie legte erneut eine kurze Pause ein. „Doch ich kann mich dem, was ich fühle, nicht länger verschließen…es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich solche Gefühle für jemanden entwickelt habe und diese kann und will ich einfach nicht aufgeben. Und daher muss ich deinen Vorschlag, den Dämon außerhalb des Handelspostens zu lassen, während wir diesen erkunden, auch ablehnen, weil ich glaube, dass dieser dann Miandra einfach verlassen und sie sterben lassen würde…und sei es nur, um mir Leid zuzufügen.“
Vernita richtete ihren Blick wieder auf Erik. „Also nehmen wir sie mit. Wir mieten uns eine Hütte am Rande des Postens an und suchen nach einer Möglichkeit, den Dämon aus Miandra herauszubekommen, ohne diese zu gefährden und wenn möglich, ohne auf die Forderungen dieser Abscheulichkeit einzugehen. Das wird sicher gefährlich werden, daher wäre ich froh, wenn ich auf deine Hilfe zählen kann. Du bist neben Lea der einzige, dem ich hier wirklich vertraue…die beiden Mädels“, sie nickte leicht und Lydias und Sha’iras Richtung, „sind leider recht unzuverlässig.“
Ihr Gesicht nahm einen fast schon flehenden Ausdruck an, etwas, was Erik bisher noch nie bei der Elfe gesehen hatte. „Ich würde es allerdings verstehen, wenn dir die Sache zu heikel wird und du uns lieber verlassen möchtest. Ich würde dir das nicht einmal übel nehmen“, sprach sie mit leiser Stimme weiter. „Trotzdem bitte ich dich darum, zu bleiben und mir zu helfen Miandras Leben zu retten. Was sagst du dazu? Hilfst du mir, diese Sache durchzustehen?“
#2747
Inviato il 02 maggio 2016 - 06:15
Da hatte sie nun den Salat. Ein Pakt mit einem Dämon der Wollust, wenn das mal gut ging. Innerlich schalt sich Leanora einen ausgewachsenen Narren und Volltrottel, sie würde dieses Wesen niemals übertölpeln können – oder etwa doch? Immerhin hatte sie auch keinerlei Skrupel, den Blutmagie wirkenden Kirchenvorsteher zu köpfen. Aber lag da der Sachverhalt nicht gänzlich anders? Wie auch immer, in 24 Stunden würde sie schlauer sein.
Stellte sich nur die Frage, welchen Wunsch sie erfüllt haben wollte. Ihr Herz schrie nach Hilfe, um mit dem Kommandanten der Templer zusammen sein zu können. Ihr Verstand riet ihr jedoch, das lieber bleiben zu lassen. Denn wenn die Beziehung wegen eines Versprechens eines Dämons zustande kam, würde das von vornherein auf einer Lüge basieren. Wäre es denn nicht viel wichtiger, herauszufinden, wer dieser „er“ war und ob Miandras Tochter überhaupt noch lebte?
Während sie vor sich hingrübelte, fiel ihr aber auch ein, dass der Dämon von einem Vorgeschmack gesprochen hatte. Konnte sie vielleicht daran anknüpfen?
„Nun gut“, begann sie zögernd. „Ihr hattet was von einem Vorgeschmack erzählt, um Euch tatsächlich zu glauben. Irgendwie glaube ich Euch ja, aber andererseits werdet Ihr sicher verstehen, dass ich nach dem, was ich alles über Dämonen gehört habe, doch noch meine Zweifel habe. Ihr würdet mir damit sicher helfen, meine Unsicherheit zu überwinden. Danach könnt Ihr den Handschlag haben. Und dann denke ich, weiß ich auch, wobei Ihr mir helfen könnt.“
Unsicher blickte sie Miandra an. Würde sich der Dämon darauf einlassen?
#2748
Inviato il 05 maggio 2016 - 05:20
Dennoch erinnerte er sich umso besser an den Tag, als er zu dieser Gruppe gestoßen war. Er hatte nur sehr wenig Gelegenheit gehabt, sich mit der „echten” Miandra zu unterhalten. Die schwarzhaarige Frau war sehr abweisend zu ihm gewesen, zumindest bis zu dem Gespräch, das von ihrer Tochter gehandelt hatte. Doch in Bezug auf das, was ihm Vernita gerade gestanden hatte, war ihm das Verhältnis, das die beiden Frauen einander gegenüberbrachten, alles andere als herzlich oder liebevoll erschienen.
War vielleicht das der Grund, warum ihm Vernita so verändert vorkam? Weil sie nun einen anderen Kampf focht als die bisherigen? Einen emotionalen, dem keine ihrer sonstigen Eigenschaften gewachsen war und bei dem sie nicht wusste, wie sie diesen gewinnen sollte?
Erik atmete einmal tief ein stieß anschließend ein lautes Seufzen aus. Was sollte er der Elfe nur raten? Und vor allem: was konnte er sagen, um es nicht noch schlimmer zu machen? Zumindest in einem war er sich sicher: auch wenn er Vernita zum ersten Mal mit tränenden Augen sah, so wollte diese bestimmt keinen Trost, sondern klare und sachliche Antworten.
„Nun”, begann er daher lang gezogen. „Ich denke, dass das einiges erklärt. Ich hätte es bereits wissen müssen, doch der Dämon hat meine Erinnerungen getrübt. Umso mehr tut mir leid, was geschehen ist... du solltest jedoch die Schuld auch nicht bei dir suchen. Der einzige, der hieran Schuld trägt, ist dieser Dämon, der diese Situation zu seinem Vorteil nutzt. Und ja, ich werde bleiben und dir helfen. Ich möchte ebenso wissen, was mit den Kindern geschieht – oder geschehen ist. Und mit diesem Dämon habe auch ich eine offene Rechnung, denn auch ich lasse mich nicht gerne als Marionette missbrauchen. Dennoch tappe ich zur Zeit im Dunkeln, wenn ich darüber nachdenke, wie wir den Dämon austricksen sollen. Bislang sind....”
Hier unterbrach Erik kurz seine Ausführungen und blickte Vernita fest in deren noch glasige Augen. „Bislang sind die Besessenen immer zusammen mit dem Dämon getötet worden... meist sogar auch dann, wenn sich der Dämon in seiner tatsächlichen Form gezeigt hat. Zumindest habe ich bisher nichts Gegensätzliches vernommen. Ich weiß, dass du das nicht hören möchtest, doch auch wenn du dazu bereit bist, alles zu opfern, so könnte es vielleicht dennoch in diesem Fall zu wenig sein. Ich möchte nur, dass du das im Hinterkopf behältst. Aber wir sollten ein Problem nach dem anderen angehen... erstmal ist es wichtig, dass wir den Dämon unbemerkt in eine der Hütten schaffen können.”
Erik wandte seinen Blick wieder von Vernita ab und fuhr seinem Rappen beruhigend durch die Mähne. Auch wenn die Tiere ihre Worte nicht verstehen konnten, so waren sie feinfühliger als manch vernunftbegabter Mensch. Erik wusste, dass sich sein Pferd zusammen mit ihm angespannt hatte, aufgrund dieses unangenehmen Themas. Nach und nach fühlte er nun, wie das Tier ruhiger wurde und auch, wie sich seine eigene starre Haltung lockerte. Ein beherztes Lächeln legte sich schließlich auf Eriks Lippen. Denn eines konnte er sich dennoch nicht verkneifen: „Ich muss jedoch zugeben, dass du die letzte Person in ganz Thedas gewesen wärst, der ich so etwas zugetraut hätte! Wie gut, dass ich mit niemanden darum gewettet habe! Das hätte mich wahrscheinlich in den Ruin getrieben.”
#2749
Inviato il 06 maggio 2016 - 09:10
„Nun, ich dachte, ich werde Euch ein kleines Geschenk anbieten. Ich bin zur Zeit zwar an diesen hübschen Körper gefesselt, doch ich bin durchaus dazu in der Lage, Wissen aus dem Nichts zu generieren”, grinste der Dämon hämisch. „Ihr denkt nun vielleicht, dass das keine besondere Leistung ist und fragt Euch bestimmt, was Euch das bringen mag. Nun, das Nichts ist eine Herberge von Wissen aller Art. Die Geister der sterblichen Wesen betreten das Nichts, wenn sie träumen und bringen so all ihre Gedanken, Wünsche, Ängste und Sehnsüchte an diesen Ort, aber auch ihre Geheimnisse. Manche von uns bedienen sich an diesen Informationen, um die Träume von euch besonders... schön auszuschmücken.”
Der Dämon begann urplötzlich ironisch zu lachen. Erst als sich bereits Tränen in den Augen der Frau gesammelt hatten, beherrschte sie sich wieder. Dämonenhumor...
„Und nun kommt Ihr ins Spiel, mein Täubchen”, fuhr die schwarzhaarige Frau nach einigen Lidschlägen fort. „Nennt mir einen Namen ... oder gebt mir eine Frage, die Ihr gerne beantwortet haben möchtet, dann werde ich Euch preisgeben, was diesbezüglich im Nichts vorzufinden ist. Und dies mache ich für Euch ohne jegliche Gegenleistung... seht es, wie ich bereits sagte, als Vorgeschmack an. Oder eher, damit Ihr Euch davon überzeugen könnt, dass ich auch die Wahrheit sage... und dass ich Euch hierbei nicht belügen werde, nun.... ich bin überzeugt davon, dass Ihr nicht an dem Wahrheitsgehalt zweifeln werdet.”
Erneut begann der Dämon zu kichern, ehe die schwarzhaarige Frau ihre Augen schloss und ihr Kopf langsam und taktvoll hin und her zu schwingen begann. Dabei summte sie amüsiert, mit einem irren Grinsen und kaum verständlich vor sich hin:
„Name oder Wort,
Welch Gedanke es auch sei,
Ob Schall oder Rauch,
Das Nichts erkennt ihn sofort.
Wahrheit oder Lüge,
Welch Färbung es auch sei,
Ob schwarz oder weiß,
Im Nichts dünkt sie sich trübe.
Liebe oder Hass,
Welch Lüstung es auch sei,
Ob zärtlich oder abgeneigt,
Im Nichts erscheinen beide blass...”
#2750
Inviato il 07 maggio 2016 - 01:45
Ein schiefes Lächeln legte sich auf Vernitas Gesicht, als Erik meinte, dass sie die letzte Person wäre, von dem er etwas Derartiges erwartet hätte. Ihr erging es da nicht anders. Hätte ihr jemand vor wenigen Wochen erzählt, dass ihr das widerfahren würde, hätte sie diese Person sicherlich ausgelacht…oder windelweich geprügelt, je nach Tagesstimmung.
Doch diese Zeit, diese einfachen Tage ohne große Sorgen und Nöte, schienen eine Ewigkeit her zu sein. In manchen Augenblicken bedauerte die Elfe, dass diese vorüber waren und wohl nie wiederkehren werden, doch ein Blick in Miandras blaue Augen oder auch nur ein kleines Lächeln von ihr reichten aus, um sie diese Gedanken schnell vergessen zu lassen…doch im Moment bekam Vernita nicht einmal das von der schwarzhaarigen Frau. Es wurde Zeit, dass sie diese Abscheulichkeit aus Miandra herausholten!
„Ja, diese Wette hätte ich mit ziemlicher Sicherheit auch verloren, wenn ich diese vor wenigen Wochen mit jemandem per Handschlag besiegelt hätte“, lachte die Elfe ein wenig zynisch auf, während sie einen ihrer Handschuhe auszog, um sich anschließend die letzten Tränen aus den Augen zu wischen. „Aber in letzter ist so viel geschehen…“
Sie dachte an die Dinge, die sich ereignet hatten. Ihre nach und nach aufkeimenden Gefühle für Miandra, deren Gefangennahme durch die Stadtwache, ihren waghalsigen Plan, sie wieder zu befreien, die Söldner, die Ereignisse in der Kirche und…und an den Arl…ihren Vater, der für all das Leid verantwortlich war…und nicht nur das Leid, welches ihr selbst widerfahren war.
Schnell verdrängte Vernita diese dunklen Gedankengänge aus ihrem Kopf, um nicht am Ende wieder in Tränen ausbrechen zu müssen oder gar in eine Depression zu fallen. Sie musste jetzt einen klaren Kopf bekommen und konnte sich keine Gefühlsduselei erlauben. Um Miandras willen…und somit auch um ihrer selbst willen.
„Ich danke dir auf jeden Fall für deine Hilfe“, fuhr sie in einem ruhigen Tonfall fort, von dem Erik ausgehen konnte, dass er ehrlich gemeint war. „Und auch für deine Freundschaft. Ich bin mir sicher, dass wir einen Weg finden werden, um Miandra von diesem Ding zu befreien, ohne sie selbst dafür opfern zu müssen.“
‚Wir müssen einfach‘, fuhr sie in ihren Gedanken fort, während sie sich erneut ihren Handschuh überzog und ihren Blick wieder nach vorne auf die Straße richtete.





Torna su





