Vernita und Sareth gingen weiter durch den Innenhof der Festung, während sie Lydia vor sich hertrieben. Dabei gab die Elfe dem Mädchen von Zeit zu Zeit einen leichten Stoß in den Rücken, um die Sache echter wirken zu lassen. Aber insgeheim genoss sie es auch, das Mädchen ein wenig schikanieren zu können. Sie hatte nicht vergessen, dass die Kleine sie ständig provozieren wollte und so etwas konnte sie sich ja schließlich nicht von so einer jungen Göre bieten lassen.
Die drei trafen auf viele Wachen, die im Hof patrouillierten oder vor Türen oder den Wehrgängen auf Posten standen. Diese schienen ihnen aber keine besondere Beachtung zu schenken, nur ab und an grüßte sie einer der Soldaten, was die Elfe mit einem schlichten Nicken quittierte.
„Wenn ich mich recht entsinne, dann müssen wir jetzt nach links“, meinte Vernita, als die drei über die breite Treppe auf die obere Ebene stiegen. „Ist schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal hier war.“
Vernita führte die beiden anderen weiter durch den Hof der Festung, bis sie schließlich zu der Tür kamen, die Leanora schon vor einiger Zeit durchquert hatte.
„Wir sind angekommen“, verkündete die Elfe, während sie die Tür öffnete und die drei den Vorraum zu den Gemächern des Kommandanten betraten.
„Frage mich, ob Leanora den Kerl schon erledigt hat, ansonsten wird es gleich ziemlich blutig“, grinste die Elfe, wobei sie langsam den schwach beleuchteten Raum durchschritt.
Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)
Débuté par
Guest_Juleiila_*
, juil. 21 2010 12:04
#951
Posté 23 septembre 2010 - 06:19
#952
Posté 23 septembre 2010 - 06:25
Tjark hatte indes Tee geordert, ein paar Kekse und belegte Brötchen. Er hatte noch nicht gefrühstückt, also konnte er das genauso gut mit Sophia tun. Ein Lächeln umspielte seinen Mund. Welch anschmiegsame Frau, beinahe noch mädchenhaft, die Leidenschaft schlummerte in ihr. Er hatte ihre Ausführungen über ihren Koch und ihrer Zofe wohl missverstanden, eine erfahrene Frau hätte ihn anders geküsst. Beim Gedanken an ihren Kuss wurde ihm klar, dass er ihr das ohnehin nicht abgekauft hatte.
Er würde um sie werben, soviel stand fest. Schließlich war auch er von Adel, und er hatte nicht den Eindruck, dass sie sich dagegen wehren würde. Und bisher hatte ihn noch keine Frau so fasziniert wie diese Baronin. Normalerweise bediente er sich vorwiegend dem weiblichen Geschlecht, bis es ihm langweilig wurde, und suchte sich ein neues Vergnügen. Die Liebe war ihm noch nie über den Weg gelaufen – aber Sophia … es war als hätte ihn Amors Pfeil direkt getroffen. Er würde jedenfalls seinem Butler den Laufpass geben, sobald er Sophia sein Eheweib nennen konnte. Sie war die Mutter seiner zukünftigen Kinder, und am liebsten hätte er sie hier sofort auf seinem Schreibtisch genommen.
Das Frühstück wurde gebracht, und gerade als Tjark Tee in die Tassen schenkte, kam Leanora aus dem Bad. Sie setzte sich ihm gegenüber, holte ihren Fächer aus der Tasche, klappte diesen auseinander und wedelte sich etwas Luft zu. Noch immer war ihr Gesicht gerötet, und ihre Lippen vom Kuss leicht geschwollen. Unbewusst leckte sie sich über die Oberlippe, als ob sie diesen Kuss noch einmal schmecken wollte. Tjark sah es und lächelte.
„Ich muss mich entschuldigen, ich war wohl etwas... stürmisch. Es fällt mir jedoch schwer, an mich zu halten, wenn ich Euch sehe, Sophia. Ich gestehe, Ihr habt mir den Kopf verdreht. Sagt, seid Ihr noch Jungfrau?“
Lea verschluckte sich bei diesen Worten, und ein Hustenanfall war die Folge. Zart klopfte er ihr auf den Rücken, bis sie sich ein wenig erholt hatte. Dann setzte er sich wieder. „Pardon, eine mir nicht zustehende Frage, ich weiß. Ich werde sie dennoch nicht zurücknehmen.“
„Ich... ja. Auch wenn es Euch tatsächlich nichts angeht“, fügte sie leise hinzu.
Er griff nach ihrer Hand, streichelte mit dem Daumen über den Handrücken und murmelte: „Wer weiß, meine Liebe, wer weiß...“
In seinem inneren Auge verwarf er die vorher durchgespielten Szenen, ersetzte diese durch neue. Wie er Sophia in die Künste der körperlichen Liebe einführte. Er würde ihr erster Liebhaber sein, und ihr Letzter.
Tjark stand auf, stopfte sich einen Keks in den Mund und brachte Lea ihre Haarspange wieder, die sie sogleich an ihrem Kopf befestigte, froh darum, dass ihre Hände für kurze Zeit beschäftigt waren. Dann wandte er sich wieder um, und begann, die Haarnadeln vom Boden aufzusammeln und auch die Unterlagen.
Das war die Gelegenheit! Lea zitterte wie Espenlaub, als sie die Phiole aus ihrer Tasche holte, diese schnell öffnete und den Inhalt in seine Teetasse schüttete. Es waren nur Sekunden, die verstrichen waren, genauso schnell verschwand das nun leere Fläschchen wieder in ihrer Handtasche. Stattdessen nahm sie eines der Brote. Das Zittern der Hände konnte sie nun nicht mehr kontrollieren. Und dieses Mal lag es nicht daran, dass sie sich in diesen Mann verliebt hatte.
Der Oberst legte die Haarnadeln vor Lea auf den Tisch, setzte sich wieder und ordnete seine Unterlagen. Dabei fiel sein Blick auf eine Mitteilung des Arls, die er bis dato übersehen hatte. Beim Lesen runzelte sich seine Stirn. Er konnte kaum glauben, was er las, und seine Gedanken überschlugen sich.
Lea, die ihn die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen hatte, fragte:
„Schlechte Neuigkeiten, Oberst?“
Tjark nahm einen Schluck aus seiner Tasse, runzelte noch einmal die Stirn. Hatte der Tee zuvor anders geschmeckt? Aber das bildete er sich wohl nur ein, es war kein Wunder wenn ihm der Appetit vergangen wäre.
Sein Blick war ungläubig, als er Lea anblickte.
„Wie man es nimmt... Baronin Sophia Magdalena. Oder sollte ich besser Countess Leanora Bardigiano sagen?“ Seine Stimme war scharf wie ein frisch geschliffenes Schwert.
Lea wurde bleich. Woher wusste er ihren Namen? Was stand auf diesem Blatt?
„Ihr.. versteht nicht, Tjark, lasst mich erklären…“
Er trank seine Tasse aus, stand auf und ging zu Lea.
„Dann erklärt mir einmal, was das zu bedeuten hat?“ Er drückte ihr das Schreiben in die Hand, sich beherrschend, ihr nicht eine Ohrfeige zu verpassen und ihr die Wahrheit heraus zu prügeln, so enttäuscht war er.
Lea überflog es nur kurz, darin stand im Prinzip das, was sie von Vernita wusste. Ihre Familie wurde hier als Verräter betitelt, und auf die Ergreifung ihres Kopfes war eine Belohnung von zehn Soverings ausgesetzt.
Lea schossen nun wirklich Tränen in die Augen. „Es ist nicht so, wie hier steht, Tjark, bitte glaubt mir! Ich weiß, dass meine Familie als Verräter hingestellt wird. Deswegen bin ich ja nach Denerim gereist, ich wollte den Arl zur Rede stellen. Aber ich konnte doch schlecht mit meinem richtigen Namen hier herein spazieren? Wir sind keine Verräter! Im Gegenteil, unser Gut wurde niedergebrannt, und ich war die Einzige, die überlebt hatte. Bitte, glaubt mir doch!“
Ein Flehen lag in ihren Augen. Wieder zog Tjark sie aus dem Stuhl, nahm sie in die Arme, aber hielt sie ein Stück von sich entfernt. Er schloss die Augen, und ließ das gesagte wirken. Sie konnte nicht so lügen, er hatte ihr das mit dieser ruchlosen Person auch nicht wirklich abgenommen. Langsam hatte er das Gefühl, in Atemnot zu sein. Sein Entschluß stand fest.
„Leanora also... der Name passt auch viel besser zu Euch. Ihr wisst, dass ich Euch nun eigentlich ausliefern sollte?“
Beklommen nickte Lea. Das war ihr Ende, sie hatte die Mission gründlich versaut.
Tjark lächelte sie an. „Aber ich glaube Euch, weil ich mich in Euch verliebt habe, Leanora. Und ich werde alles dafür tun, um Euch zu schützen. Und wenn ich Euch eigenhändig verstecken muss. Oder mit Euch bis ans Ende der Welt fliehen muss.“ Er zog sie in die Arme, wollte sie küssen, als er sie ausließ und nach Luft schnappte.
„Entschuldigt, mir ist gerade nicht... eventuell eine Kreislaufschwäche...“
Lea blickte ihn mit erschrockenen Augen an, wirkte das Gift bereits? Das durfte nicht wahr sein, gab es denn nichts, was sie tun konnte? Dieser Mann hatte sich auch in sie verliebt, er würde für sie da sein. Sie musste ihm helfen!
Tjark torkelte, ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Leanora kniete vor ihm nieder, streichelte sein Gesicht, und sah, wie dieses blau anlief. „Und ich habe mich in Euch verliebt, Tjark. Es tut mir alles so leid.“ Sie ließ ihren Tränen nun freien Lauf, sie merkte, dass sie ihm nicht mehr helfen konnte, sein Todeskampf hatte begonnen. Aus seiner Nase lief ein dünner Blutfaden, dennoch lächelte er bei ihren Worten. Sie vergrub ihr Gesicht an seiner Brust, nahm seine Hand und musste die letzten qualvollen Minuten miterleben, wie ihre große Liebe langsam starb. Und das durch ihre Schuld.
„Geh nicht von mir, Tjark, geh nicht!“ flüsterte sie.
„Ich werde im Nichts auf Dich warten, meine Liebste...“ Dann fiel seine Hand schlaff hinab.
Oberst Tjark von Talisker war tot.
Leanora blieb bei ihm sitzen, die Tränen liefen lautlos über ihre Wangen. Was hatte sie nur getan?
Er würde um sie werben, soviel stand fest. Schließlich war auch er von Adel, und er hatte nicht den Eindruck, dass sie sich dagegen wehren würde. Und bisher hatte ihn noch keine Frau so fasziniert wie diese Baronin. Normalerweise bediente er sich vorwiegend dem weiblichen Geschlecht, bis es ihm langweilig wurde, und suchte sich ein neues Vergnügen. Die Liebe war ihm noch nie über den Weg gelaufen – aber Sophia … es war als hätte ihn Amors Pfeil direkt getroffen. Er würde jedenfalls seinem Butler den Laufpass geben, sobald er Sophia sein Eheweib nennen konnte. Sie war die Mutter seiner zukünftigen Kinder, und am liebsten hätte er sie hier sofort auf seinem Schreibtisch genommen.
Das Frühstück wurde gebracht, und gerade als Tjark Tee in die Tassen schenkte, kam Leanora aus dem Bad. Sie setzte sich ihm gegenüber, holte ihren Fächer aus der Tasche, klappte diesen auseinander und wedelte sich etwas Luft zu. Noch immer war ihr Gesicht gerötet, und ihre Lippen vom Kuss leicht geschwollen. Unbewusst leckte sie sich über die Oberlippe, als ob sie diesen Kuss noch einmal schmecken wollte. Tjark sah es und lächelte.
„Ich muss mich entschuldigen, ich war wohl etwas... stürmisch. Es fällt mir jedoch schwer, an mich zu halten, wenn ich Euch sehe, Sophia. Ich gestehe, Ihr habt mir den Kopf verdreht. Sagt, seid Ihr noch Jungfrau?“
Lea verschluckte sich bei diesen Worten, und ein Hustenanfall war die Folge. Zart klopfte er ihr auf den Rücken, bis sie sich ein wenig erholt hatte. Dann setzte er sich wieder. „Pardon, eine mir nicht zustehende Frage, ich weiß. Ich werde sie dennoch nicht zurücknehmen.“
„Ich... ja. Auch wenn es Euch tatsächlich nichts angeht“, fügte sie leise hinzu.
Er griff nach ihrer Hand, streichelte mit dem Daumen über den Handrücken und murmelte: „Wer weiß, meine Liebe, wer weiß...“
In seinem inneren Auge verwarf er die vorher durchgespielten Szenen, ersetzte diese durch neue. Wie er Sophia in die Künste der körperlichen Liebe einführte. Er würde ihr erster Liebhaber sein, und ihr Letzter.
Tjark stand auf, stopfte sich einen Keks in den Mund und brachte Lea ihre Haarspange wieder, die sie sogleich an ihrem Kopf befestigte, froh darum, dass ihre Hände für kurze Zeit beschäftigt waren. Dann wandte er sich wieder um, und begann, die Haarnadeln vom Boden aufzusammeln und auch die Unterlagen.
Das war die Gelegenheit! Lea zitterte wie Espenlaub, als sie die Phiole aus ihrer Tasche holte, diese schnell öffnete und den Inhalt in seine Teetasse schüttete. Es waren nur Sekunden, die verstrichen waren, genauso schnell verschwand das nun leere Fläschchen wieder in ihrer Handtasche. Stattdessen nahm sie eines der Brote. Das Zittern der Hände konnte sie nun nicht mehr kontrollieren. Und dieses Mal lag es nicht daran, dass sie sich in diesen Mann verliebt hatte.
Der Oberst legte die Haarnadeln vor Lea auf den Tisch, setzte sich wieder und ordnete seine Unterlagen. Dabei fiel sein Blick auf eine Mitteilung des Arls, die er bis dato übersehen hatte. Beim Lesen runzelte sich seine Stirn. Er konnte kaum glauben, was er las, und seine Gedanken überschlugen sich.
Lea, die ihn die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen hatte, fragte:
„Schlechte Neuigkeiten, Oberst?“
Tjark nahm einen Schluck aus seiner Tasse, runzelte noch einmal die Stirn. Hatte der Tee zuvor anders geschmeckt? Aber das bildete er sich wohl nur ein, es war kein Wunder wenn ihm der Appetit vergangen wäre.
Sein Blick war ungläubig, als er Lea anblickte.
„Wie man es nimmt... Baronin Sophia Magdalena. Oder sollte ich besser Countess Leanora Bardigiano sagen?“ Seine Stimme war scharf wie ein frisch geschliffenes Schwert.
Lea wurde bleich. Woher wusste er ihren Namen? Was stand auf diesem Blatt?
„Ihr.. versteht nicht, Tjark, lasst mich erklären…“
Er trank seine Tasse aus, stand auf und ging zu Lea.
„Dann erklärt mir einmal, was das zu bedeuten hat?“ Er drückte ihr das Schreiben in die Hand, sich beherrschend, ihr nicht eine Ohrfeige zu verpassen und ihr die Wahrheit heraus zu prügeln, so enttäuscht war er.
Lea überflog es nur kurz, darin stand im Prinzip das, was sie von Vernita wusste. Ihre Familie wurde hier als Verräter betitelt, und auf die Ergreifung ihres Kopfes war eine Belohnung von zehn Soverings ausgesetzt.
Lea schossen nun wirklich Tränen in die Augen. „Es ist nicht so, wie hier steht, Tjark, bitte glaubt mir! Ich weiß, dass meine Familie als Verräter hingestellt wird. Deswegen bin ich ja nach Denerim gereist, ich wollte den Arl zur Rede stellen. Aber ich konnte doch schlecht mit meinem richtigen Namen hier herein spazieren? Wir sind keine Verräter! Im Gegenteil, unser Gut wurde niedergebrannt, und ich war die Einzige, die überlebt hatte. Bitte, glaubt mir doch!“
Ein Flehen lag in ihren Augen. Wieder zog Tjark sie aus dem Stuhl, nahm sie in die Arme, aber hielt sie ein Stück von sich entfernt. Er schloss die Augen, und ließ das gesagte wirken. Sie konnte nicht so lügen, er hatte ihr das mit dieser ruchlosen Person auch nicht wirklich abgenommen. Langsam hatte er das Gefühl, in Atemnot zu sein. Sein Entschluß stand fest.
„Leanora also... der Name passt auch viel besser zu Euch. Ihr wisst, dass ich Euch nun eigentlich ausliefern sollte?“
Beklommen nickte Lea. Das war ihr Ende, sie hatte die Mission gründlich versaut.
Tjark lächelte sie an. „Aber ich glaube Euch, weil ich mich in Euch verliebt habe, Leanora. Und ich werde alles dafür tun, um Euch zu schützen. Und wenn ich Euch eigenhändig verstecken muss. Oder mit Euch bis ans Ende der Welt fliehen muss.“ Er zog sie in die Arme, wollte sie küssen, als er sie ausließ und nach Luft schnappte.
„Entschuldigt, mir ist gerade nicht... eventuell eine Kreislaufschwäche...“
Lea blickte ihn mit erschrockenen Augen an, wirkte das Gift bereits? Das durfte nicht wahr sein, gab es denn nichts, was sie tun konnte? Dieser Mann hatte sich auch in sie verliebt, er würde für sie da sein. Sie musste ihm helfen!
Tjark torkelte, ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Leanora kniete vor ihm nieder, streichelte sein Gesicht, und sah, wie dieses blau anlief. „Und ich habe mich in Euch verliebt, Tjark. Es tut mir alles so leid.“ Sie ließ ihren Tränen nun freien Lauf, sie merkte, dass sie ihm nicht mehr helfen konnte, sein Todeskampf hatte begonnen. Aus seiner Nase lief ein dünner Blutfaden, dennoch lächelte er bei ihren Worten. Sie vergrub ihr Gesicht an seiner Brust, nahm seine Hand und musste die letzten qualvollen Minuten miterleben, wie ihre große Liebe langsam starb. Und das durch ihre Schuld.
„Geh nicht von mir, Tjark, geh nicht!“ flüsterte sie.
„Ich werde im Nichts auf Dich warten, meine Liebste...“ Dann fiel seine Hand schlaff hinab.
Oberst Tjark von Talisker war tot.
Leanora blieb bei ihm sitzen, die Tränen liefen lautlos über ihre Wangen. Was hatte sie nur getan?
Modifié par Bellandyrs, 23 septembre 2010 - 10:16 .
#953
Posté 23 septembre 2010 - 06:50
Vernita öffnete die Tür auf der rechten Seite des Vorraums. Dahinter lag das Büro des Kommandanten. Sie sah den schweren Schreibtisch neben dem der Kommandant auf dem Boden lag. Anhand seiner blau gefärbten Gesichtszüge, sah sie sofort, dass ihr Gift seinen Zweck erfüllt hatte. Die Elfe hoffte nur, dass Leanora zuvor noch die Information bekommen hatte, die sie benötigten. Als sich Vernita weiter im Raum umschaute, erblickte sie auch gleich die blonde Frau. Sie kniete neben der Leiche das Mannes und...weinte.
„Wie ich sehe, seid Ihr den Kerl bereits losgeworden“, bemerkte die Elfe, wobei sie auf Leanora zuging. „Aber warum weint Ihr? Hat dieser Bastard Euch was angetan?“
„Wie ich sehe, seid Ihr den Kerl bereits losgeworden“, bemerkte die Elfe, wobei sie auf Leanora zuging. „Aber warum weint Ihr? Hat dieser Bastard Euch was angetan?“
#954
Posté 23 septembre 2010 - 06:59
Zwei Gefängniswärter öffneten die Zellengittertür. Es handelte sich um Thomas und Roy, welche für die Frühschicht eingetragen waren. Ohne besondere Ankündigung gingen sie auf die Beiden zu. Roy packe Miandra, Thomas Azoth. Erst wollten sie die Beiden dazu zwingen aufzustehen, um sich Arbeit zu ersparen, doch keiner von ihnen hatte Kraft um zu stehen geschweige denn zu gehen. Daher zogen sie die Beiden einfach an den Armen haltend mit sich, bis sie hinter der Holztür verschwanden.
„Ah da sind unsere beiden Hübschen ja, wie schade, dass wir gestern keine Zeit mehr für euch hatten.“, ertönte eine bekannte Stimme, welche Azoth und Miandra zusammenzucken ließ.
„Schnallt diesen Abschaum auf die Streckbank, heute kommt er uns nicht so ungeschoren davon, ich kümmere mich einstweilen um das Püppchen.“
Ingo begann wohl über einen eigenen Witz zu lachen, wodurch er eher wie ein Genlock als ein Mensch klang. Da er scheinbar ein wirklich hohes Tier unter den Gefängniswärtern war, begannen auch Thomas und Roy zu lachen, aber eher so, als würden sie ihn andernfalls beleidigen.
„Was steht ihr hier so rum! Ihr habt doch gehört was zu tun ist!“, schrie er plötzlich erzürnt.
Thomas und Roy erstarrten einen Augenblick, und packen anschließend mit einem, „Sehr wohl...“, Azoth erneut an den Armen, und begannen ihn an die Folterbank zu schnallen.
Ingo drehte sich hastig um und griff nach einer Kette, die von der Decke hinab hing. Er zog diese bis zum Boden herab und kettete sie gekonnt an Miandras Füße. Anschließend nahm er eine weitere Kette. Das eine Ende schloss er an ihre Armgelenke, das andere an ihre Fußgelenke, so dass sie ihre Arme nicht mehr nach oben heben konnte.
Mit einem bösen Grinsen im Gesicht ging er zu einer speziellen Vorrichtung und begann daran zu kurbeln. Die Kette an Miandras Füßen begann sich zu spannen, bis sie nach einigen wenigen Sekunden nach oben gezogen wurde, und schließlich verkehrt in der Luft hing. Sie spürte wie sich die Ketten in ihre Arm- und Beingelenke schnürten, an ihren Knochen rieben, und ihr Blut zu Kopf stieg.
Ingo ließ die Vorrichtung einrasten und ging auf sie zu. Ihr Gesicht hing etwas tiefer, sodass er sich bücken musste, um ihr in die Augen sehen zu können. Schon fast übertrieben liebevoll strich er ihr mit einem Finger über die Wange und flüsterte ihr ins Ohr, "Den wirst Du nicht mehr brauchen."
Ohne weitere Worte richtete er sich wieder auf und fuhr mit dem scharfen Messer, ohne Rücksicht auf ihren Körper, über den bandagierten Rücken. Ein Schnitt von oben nach unten. Miandra spürte wie sich die Messerspitze durch all die beschädigten Stellen ihrer Haut am Rücken ritzte, und sich der Verband lockerte. Sie biss die Zähne zusammen und zitterte, wollte ihm nicht die Freude bereiten zu schreien. Als die Bandagen komplett durchtrennt waren, packte er sich die beiden Enden, und zog den Verband ruckartig von ihrem Körper, wie ein Pflaster. All die Hautfetzen und all das Blut, das an dem billigen Stoff klebte und sich festsog, rissen die Wunden erneut auf.
Nun konnte sie den Schrei nicht unterdrücken. Sie hätte auf das Leben ihrer Tochter schwören können, dass das Abziehen des Verbandes, und das damit verbundene Aufreißen der Wunden, noch drei Mal so schmerzhaft waren, als die eigentlichen Schläge mit der Peitsche.
Rubinrotes Blut quoll erneut aus ihr heraus, lief ihren Körper hinab, und tropfte zu Boden, wo sich wohl schon bald eine Blutlacke bilden würde. Im Hintergrund das Lachen des scheinbaren Genlocks. Verschwommen sah sie ihn lachend vor sich stehen. Sein Gesicht, mit diesem schwabbeligen Doppelkinn, die fettigen und vom Schweiß durchnässten dunkelbraunen Haarlocken, die ihm immerzu über die Stirn hingen und einen so extremen Kontrast zu seiner hellen unreinen Haut boten. Sein Grinsen und Lachen, welches seine gelben Zähne und Zahnlücken offenbarte. Seine Stimme, dieser dumpfe Ton, der voller tyrannischer Macht war. Seine Augen, dunkelbraun, teilweise kalt und leblos und dennoch erinnerten sie an ein unmenschliches immerzu wütendes Wesen. All das brannte sich in jenem Moment in Miandras Gedächtnis, nie würde sie vergessen wie der Mann aussah, der ihr und vielen anderen solches Leid zufügte und trotz der Schmerzen und der fiebrigen Erschöpfung spürte sie diesen unermesslichen Hass auf diese Person. Er war derjenige, der an dieser Kette hängen sollte, wie ein wertloser Gegenstand.
Nachdem er den Verband abfällig und weiterhin grinsend zu Boden warf, krallte er sich mit dem Panzerhandschuh an ihrem blutüberströmten Rücken fest, schien daran zu drehen und sie weiter zu sich zu ziehen. Erneut musste sie aufschreien vor Schmerzen. Er fuhr ihr mehrmals mit den spitzen Metallfingern über ihre blutenden Wunden, als würde es ihn erregen und als würde er es mehr als nur genießen sie bei jeder Berührung leidend schreien und stöhnen zu hören. Nach einigen kurzen Minuten, welche Miandra wie Stunden vorkamen, ließ ihren Rücken los und fasste stattdessen mit dem blutüberlaufenen Handschuh auf ihre Brüste.
Miandra sog scharf Luft ein, presste die Augen weiter zusammen, und versuche es zu ignorieren, doch das Gefühl war für sie in diesem Moment fast schlimmer als die Schmerzen an ihrem Rücken. Sie redete sich ein an etwas anderen zu denken, und begann fast mit sich selbst zu sprechen, doch bei geschlossenen Augen schienen immer wieder die Bilder ihres Traumes in ihres Kopf zu drängen, und schon bald wusste sie nicht mehr, was real war und was nicht. Zu viele grausame Gefühle und Bilder vermischten sich mit dem Fieber und der Erkältung, und sie begann voller Angst, Schmerz und dem Gefühl von Demütigung zu zittern.
„Da haben wir also Deine Schwachstelle.“, stellte Ingo fest und begann abermals zu lachen, sodass Miandra sein ekelerregender Atem in die Nase stieg und sie am Rande einer Ohnmacht stand. Anschließend näherte er sich ihr weiter und leckte lüstern mit seiner stinkenden rauen und dennoch schlabbrigen Zunge über ihren Bauch und ihre Brüste, verschmierte das Blut mit seiner Rechten auf ihrer noch unverletzten Haut, wie Farbe auf einem Gemälde.
Miandra verkrampfte sich immer mehr und spürte, dass er ihr währenddessen das Messer an die Kehle drückte. Für einen kurzen Moment überlegte sie, ob es nicht besser gewesen wäre, sich einfach ruckartig zu bewegen, um sich die Klinge selbst in den Hals zu rammen. Sie würde wahrscheinlich an ihrem eigenen Blut ertrinken, doch dieser Gedanke war für sie um Längen angenehmer als das Gefühl von diesem widerlichen Kerl angerührt zu werden. Doch irgendetwas schien sie davon abzuhalten es zu tun, und die Chance wurde ihr nur wenige Sekunden gewährt.
Er entfernte das Messer, und mit ihm ihren sicheren Tod und ihren letzten Hoffnungsblick. Ingo setzte die Klinge an ihrem Bauch an, und ritzte unsichtbare wellenartige Linien nach. Er fuhr mehrmals von ihrem Bauch zu ihren Brüsten, bis sich lauter dünne rote Muster zeigten.
Miandra regte sich nicht. Sie spürte keine weiteren Schmerzen und versank in fiebrige Gedanken, die um Leben, Tod, Traum und Wirklichkeit handelten.
Ingo wurde wütend darüber, dass seine Folter nicht zu wirken schien und verpasste ihr eine kräftige Ohrfeige, von welcher sie an der Kette zu baumeln begann. Blut lief inzwischen von ihrem gesamten Körper nach unten, schon fast über ihr Gesicht, und nun auch von ihrer Lippe, über ihre Nase bis hin zu ihrer Stirn.
„Verdammt hör auf! Ich sagte doch sie hat mit all dem nichts zu tun!“, schrie Azoth plötzlich mit schwacher aber zugleich wütender Stimme. Sein Blick war flehend, seine Augen voller Tränen, seine an der Streckbank befestigten Hände zu Fäusten geballt vor Wut.
Ingo wandte sich mit einem Grinsen an Azoth und ging auf ihn zu. Als er am Tisch vorbei kam schnappte er sich kurzerhand einen Hammer und einige Nieten. Ohne etwas zu sagen rammte er Azoth eine der Nieten direkt in den Oberarm, und schlug mit dem Hammer mehrere Male darauf, bis diese komplett, wie ein Nagel im Holz, in seinem Fleisch verschwand. Azoth schrie auf und zuckte zusammen. Die Niete war relativ lang, und sah auf der anderen Seite seines Armes wieder heraus, wie ein Pfeil, und bohrte sich in das Holz der Streckbank. Wortlos und völlig kalt fuhr Ingo fort, schlug ihm insgesamt zwanzig Nieten in die Arme und Beine und Azoth betete bei jeder neuen Niete, dass diese die letzte sein würde. Anschließend trat Ingo einen Schritt zurück und musterte sein Opfer mit einem zufriedenen und selbstgefälligen Grinsen.
Miandras verschwommener Blick glitt zu der Streckbank und Tränen füllten ihre Augen. Sie sah immer wieder das Bild des Säuglings, welcher an die Wand genagelt wurde, hörte Stimmen die schreiend in ihren Ohren hallten und spürte, wie es sie vor Kälte zu schütteln begann.
„Hör zu, selbst wenn sie nichts damit zu tun hat, so ist es mir ziemlich gleichgültig.“, begann Ingo plötzlich und verschränkte die Arme. Sein Grinsen war verschwunden, sein Blick war ernst.
Azoth blickte Ingo mit schmerzverzerrtem Gesicht an. Schweiß stand auf seiner Stirn, er zitterte und Blut floss aus den durchbohrten Stellen an seinem Körper. Er war angenagelt an der Streckbank, und konnte sich keinen Millimeter bewegen, und wagte es kaum zu atmen.
‚Es geht hier nicht um Euch oder mich.‘
Er hörte immer wieder Miandras Worte und qualvollen Schreie, sah diese unmenschliche Person vor sich, und verspürte noch nie einen solchen Hass, wie in jenem Augenblick. Am liebsten hätte er sich von der Streckbank gerissen, und wäre ihm wie ein wilder Mabari an die Kehle gesprungen, um ihn eigenhändig zu erschlagen. Er musste das tun, er wollte es tun, aber er konnte es nicht.
„Ich erledige nur meine Arbeit. Das Volk ist glücklicher zu hören, wir haben zwei Mörder getötet, als zu hören, dass eine Unschuldige die Folter ertragen musste. Also hör auf mit dieser Lügerei, wir wissen doch beide, dass es besser ist, Du gestehst, dass sie mitgeholfen hat und sagst mir die Namen der anderen. Denn die Version, dass diese ebenfalls tot sind… glaube ich Dir nicht.“
Azoth regte sich nicht. Er würde nicht gestehen, niemals, egal wie viel Hass er in diesem Moment gegen Ingo hegte.
Ingo wartete einige Momente auf eine Antwort, und blickte Azoth durchdringend an, doch als er sah, dass sich dessen Miene keine Spur veränderte, seufzte er, „Also schön, wenn ihr es unbedingt auf die harte Tour wollt...“
Er packte eine Zange, mit welcher er die Nieten brutal und rücksichtlos wieder herauszog. Teilweise riss er etwas Haut mit, doch das schien ihn nicht sonderlich zu kümmern. Azoth schrie bei jeder einzelnen der Nieten auf, glaubte bei jeder sie wäre die letzte, hoffte und betete innerlich, die Schmerzen mögen bald enden. Dennoch verspürte er noch immer Hoffnung, wo doch keine war. Er konnte nicht einfach aufgeben, doch letzten Endes musste er wohl akzeptieren, dass es keinen Ausweg gab.
Nachdem Ingo alle Nieten wieder herausgezogen hatte, entfernte er sich Azoth erneut, und betrachtete sein ‚Werk‘. Wie bei einer Quelle in den Bergen, floss das Blut über Azoths Körper, auf das Holzbrett, wo es in jede einzelne Holzfaser lief, bis hin zum Steinboden, zwischen wessen Fugen es zu verschwinden schien.
Ein breites Grinsen legte sich über Ingos Gesicht. Wahrscheinlich sah er sich selbst als eine Art Künstler an, der seine Arbeit liebte, und sich an jedem Gefangenen, wie ein Maler an seinem Bild, austobte.
Achtlos warf er das ‚Werkzeug‘ auf den Tisch, „Thomas, stell das Fass unter unsere stumme Göre… Roy, Du darfst nun auch die restlichen Teile dieses Spitzohrs langziehen.“
Scheinbar hatte Ingo genug vom ersten Folterteil, bei dem es hieß, hauptsächlich die Haut und Psyche zu schädigen. Er könnte ihnen theoretisch noch jeden einzelnen Fingerknochen brechen, doch er schien keine Lust mehr auf die Beiden zu haben, er brauchte wieder Frischfleisch, welches er mit Blut besudeln konnte. Er setzte sich auf einen kleinen dreifüßigen Hocker und lehnte sich mit einem zufriedenen Seufzer an die Wand.
„Lass sie runter.“, sagte er schließlich kühl und deutete ohne hinzusehen zu Miandra, als sei sie nur irgendein unbedeutender Abfall, den er nun entsorgen müsse.
Roy verstand sofort, betätigte die kurbelartige Vorrichtung, und ließ Miandras Kopf dadurch in dem Fass, welches er unter sie gestellt hatte, verschwinden.
Sie holte keine Luft, selbst nicht als sie spürte wie ihre Haare die Wasseroberfläche berührten. Sie ließ es einfach nur noch geschehen. Ihr Kopf versank komplett in einem eiskalten dunklen Gebräu. Dies war definitiv kein reines Wasser mehr, sondern eher eine Mischung aus Wasser, viel Blut und vielen anderen Ausscheidungen worüber sie nicht länger nachdenken wollte. Sie ließ die Augen offen, spürte die Kälte in ihrem Gesicht, sah nichts als Schwärze und unterschiedlichste Bilder vor sich. Die kalte Flüssigkeit drang sofort in ihre Nase, da sie verkehrt eingetaucht wurde. Sie begann ungewollt unter Wasser zu husten, und verspürte den Drang danach Luft zu holen, wo keine war. Es war nur eine Frage der Zeit bis der Drang zu hoch sein würde, um ihm widerstehen zu können. Sie begriff, dass dies das Ende war, versuchte ihre Muskeln zu entspannen um es einfach nur noch geschehen zu lassen, und wartete darauf, dass ihr Körper reagieren würde.
Azoth starrte auf Miandras blutigen Körper, dessen Kopf verschwunden war. Sie blieb so ruhig, zappelte nicht, und er dachte sie würde die Luft anhalten. Einige Regungen und er würde wissen, dass ihr Leben vorbei sein würde. Und im selben Moment, spürte er neue höllische Schmerzen. Thomas betätigte die Streckbank, und zog seine Gliedmaßen mit einer dicken Schnur auseinander. Azoth wirkte mit letzter Kraft dagegen, eine Anstrengung, welcher er in seinem Zustand nicht lange stand halten konnte. Seine Arm- und Beinmuskeln waren zutiefst beschädigt, bluteten noch immer wie aus Strömen, sodass er die Zähne so fest zusammenbeißen musste, dass ihm sein Kiefer ebenfalls zu schmerzen begann. Auch dies war nur ein reines Zeitspiel. Seine Kräfte würden nachgeben, seine Knochen würden sich trennen, und er würde verbluten.
Ingo blieb währenddessen schäbig grinsend auf dem kleinen Hocker sitzen und wartete auf ein Geständnis des Elfs. Würde er etwas sagen, so würde er sie am Marktplatz hängen lassen, das Volk würde jubeln, und ihm würde man für seine gute Arbeit loben und bezahlen. Würde kein Wort in seine Ohren drängen, so würde er sie einfach sterben lassen, und seinem Vorgesetzten sagen, dass sie im letzten Moment alles zugegeben haben, dann jedoch ihren Folterwunden erlagen. Was auch geschehen würde, er hatte gewonnen, wie immer, und dieser Gedanke stellte ihn mehr als nur zufrieden.
„Ah da sind unsere beiden Hübschen ja, wie schade, dass wir gestern keine Zeit mehr für euch hatten.“, ertönte eine bekannte Stimme, welche Azoth und Miandra zusammenzucken ließ.
„Schnallt diesen Abschaum auf die Streckbank, heute kommt er uns nicht so ungeschoren davon, ich kümmere mich einstweilen um das Püppchen.“
Ingo begann wohl über einen eigenen Witz zu lachen, wodurch er eher wie ein Genlock als ein Mensch klang. Da er scheinbar ein wirklich hohes Tier unter den Gefängniswärtern war, begannen auch Thomas und Roy zu lachen, aber eher so, als würden sie ihn andernfalls beleidigen.
„Was steht ihr hier so rum! Ihr habt doch gehört was zu tun ist!“, schrie er plötzlich erzürnt.
Thomas und Roy erstarrten einen Augenblick, und packen anschließend mit einem, „Sehr wohl...“, Azoth erneut an den Armen, und begannen ihn an die Folterbank zu schnallen.
Ingo drehte sich hastig um und griff nach einer Kette, die von der Decke hinab hing. Er zog diese bis zum Boden herab und kettete sie gekonnt an Miandras Füße. Anschließend nahm er eine weitere Kette. Das eine Ende schloss er an ihre Armgelenke, das andere an ihre Fußgelenke, so dass sie ihre Arme nicht mehr nach oben heben konnte.
Mit einem bösen Grinsen im Gesicht ging er zu einer speziellen Vorrichtung und begann daran zu kurbeln. Die Kette an Miandras Füßen begann sich zu spannen, bis sie nach einigen wenigen Sekunden nach oben gezogen wurde, und schließlich verkehrt in der Luft hing. Sie spürte wie sich die Ketten in ihre Arm- und Beingelenke schnürten, an ihren Knochen rieben, und ihr Blut zu Kopf stieg.
Ingo ließ die Vorrichtung einrasten und ging auf sie zu. Ihr Gesicht hing etwas tiefer, sodass er sich bücken musste, um ihr in die Augen sehen zu können. Schon fast übertrieben liebevoll strich er ihr mit einem Finger über die Wange und flüsterte ihr ins Ohr, "Den wirst Du nicht mehr brauchen."
Ohne weitere Worte richtete er sich wieder auf und fuhr mit dem scharfen Messer, ohne Rücksicht auf ihren Körper, über den bandagierten Rücken. Ein Schnitt von oben nach unten. Miandra spürte wie sich die Messerspitze durch all die beschädigten Stellen ihrer Haut am Rücken ritzte, und sich der Verband lockerte. Sie biss die Zähne zusammen und zitterte, wollte ihm nicht die Freude bereiten zu schreien. Als die Bandagen komplett durchtrennt waren, packte er sich die beiden Enden, und zog den Verband ruckartig von ihrem Körper, wie ein Pflaster. All die Hautfetzen und all das Blut, das an dem billigen Stoff klebte und sich festsog, rissen die Wunden erneut auf.
Nun konnte sie den Schrei nicht unterdrücken. Sie hätte auf das Leben ihrer Tochter schwören können, dass das Abziehen des Verbandes, und das damit verbundene Aufreißen der Wunden, noch drei Mal so schmerzhaft waren, als die eigentlichen Schläge mit der Peitsche.
Rubinrotes Blut quoll erneut aus ihr heraus, lief ihren Körper hinab, und tropfte zu Boden, wo sich wohl schon bald eine Blutlacke bilden würde. Im Hintergrund das Lachen des scheinbaren Genlocks. Verschwommen sah sie ihn lachend vor sich stehen. Sein Gesicht, mit diesem schwabbeligen Doppelkinn, die fettigen und vom Schweiß durchnässten dunkelbraunen Haarlocken, die ihm immerzu über die Stirn hingen und einen so extremen Kontrast zu seiner hellen unreinen Haut boten. Sein Grinsen und Lachen, welches seine gelben Zähne und Zahnlücken offenbarte. Seine Stimme, dieser dumpfe Ton, der voller tyrannischer Macht war. Seine Augen, dunkelbraun, teilweise kalt und leblos und dennoch erinnerten sie an ein unmenschliches immerzu wütendes Wesen. All das brannte sich in jenem Moment in Miandras Gedächtnis, nie würde sie vergessen wie der Mann aussah, der ihr und vielen anderen solches Leid zufügte und trotz der Schmerzen und der fiebrigen Erschöpfung spürte sie diesen unermesslichen Hass auf diese Person. Er war derjenige, der an dieser Kette hängen sollte, wie ein wertloser Gegenstand.
Nachdem er den Verband abfällig und weiterhin grinsend zu Boden warf, krallte er sich mit dem Panzerhandschuh an ihrem blutüberströmten Rücken fest, schien daran zu drehen und sie weiter zu sich zu ziehen. Erneut musste sie aufschreien vor Schmerzen. Er fuhr ihr mehrmals mit den spitzen Metallfingern über ihre blutenden Wunden, als würde es ihn erregen und als würde er es mehr als nur genießen sie bei jeder Berührung leidend schreien und stöhnen zu hören. Nach einigen kurzen Minuten, welche Miandra wie Stunden vorkamen, ließ ihren Rücken los und fasste stattdessen mit dem blutüberlaufenen Handschuh auf ihre Brüste.
Miandra sog scharf Luft ein, presste die Augen weiter zusammen, und versuche es zu ignorieren, doch das Gefühl war für sie in diesem Moment fast schlimmer als die Schmerzen an ihrem Rücken. Sie redete sich ein an etwas anderen zu denken, und begann fast mit sich selbst zu sprechen, doch bei geschlossenen Augen schienen immer wieder die Bilder ihres Traumes in ihres Kopf zu drängen, und schon bald wusste sie nicht mehr, was real war und was nicht. Zu viele grausame Gefühle und Bilder vermischten sich mit dem Fieber und der Erkältung, und sie begann voller Angst, Schmerz und dem Gefühl von Demütigung zu zittern.
„Da haben wir also Deine Schwachstelle.“, stellte Ingo fest und begann abermals zu lachen, sodass Miandra sein ekelerregender Atem in die Nase stieg und sie am Rande einer Ohnmacht stand. Anschließend näherte er sich ihr weiter und leckte lüstern mit seiner stinkenden rauen und dennoch schlabbrigen Zunge über ihren Bauch und ihre Brüste, verschmierte das Blut mit seiner Rechten auf ihrer noch unverletzten Haut, wie Farbe auf einem Gemälde.
Miandra verkrampfte sich immer mehr und spürte, dass er ihr währenddessen das Messer an die Kehle drückte. Für einen kurzen Moment überlegte sie, ob es nicht besser gewesen wäre, sich einfach ruckartig zu bewegen, um sich die Klinge selbst in den Hals zu rammen. Sie würde wahrscheinlich an ihrem eigenen Blut ertrinken, doch dieser Gedanke war für sie um Längen angenehmer als das Gefühl von diesem widerlichen Kerl angerührt zu werden. Doch irgendetwas schien sie davon abzuhalten es zu tun, und die Chance wurde ihr nur wenige Sekunden gewährt.
Er entfernte das Messer, und mit ihm ihren sicheren Tod und ihren letzten Hoffnungsblick. Ingo setzte die Klinge an ihrem Bauch an, und ritzte unsichtbare wellenartige Linien nach. Er fuhr mehrmals von ihrem Bauch zu ihren Brüsten, bis sich lauter dünne rote Muster zeigten.
Miandra regte sich nicht. Sie spürte keine weiteren Schmerzen und versank in fiebrige Gedanken, die um Leben, Tod, Traum und Wirklichkeit handelten.
Ingo wurde wütend darüber, dass seine Folter nicht zu wirken schien und verpasste ihr eine kräftige Ohrfeige, von welcher sie an der Kette zu baumeln begann. Blut lief inzwischen von ihrem gesamten Körper nach unten, schon fast über ihr Gesicht, und nun auch von ihrer Lippe, über ihre Nase bis hin zu ihrer Stirn.
„Verdammt hör auf! Ich sagte doch sie hat mit all dem nichts zu tun!“, schrie Azoth plötzlich mit schwacher aber zugleich wütender Stimme. Sein Blick war flehend, seine Augen voller Tränen, seine an der Streckbank befestigten Hände zu Fäusten geballt vor Wut.
Ingo wandte sich mit einem Grinsen an Azoth und ging auf ihn zu. Als er am Tisch vorbei kam schnappte er sich kurzerhand einen Hammer und einige Nieten. Ohne etwas zu sagen rammte er Azoth eine der Nieten direkt in den Oberarm, und schlug mit dem Hammer mehrere Male darauf, bis diese komplett, wie ein Nagel im Holz, in seinem Fleisch verschwand. Azoth schrie auf und zuckte zusammen. Die Niete war relativ lang, und sah auf der anderen Seite seines Armes wieder heraus, wie ein Pfeil, und bohrte sich in das Holz der Streckbank. Wortlos und völlig kalt fuhr Ingo fort, schlug ihm insgesamt zwanzig Nieten in die Arme und Beine und Azoth betete bei jeder neuen Niete, dass diese die letzte sein würde. Anschließend trat Ingo einen Schritt zurück und musterte sein Opfer mit einem zufriedenen und selbstgefälligen Grinsen.
Miandras verschwommener Blick glitt zu der Streckbank und Tränen füllten ihre Augen. Sie sah immer wieder das Bild des Säuglings, welcher an die Wand genagelt wurde, hörte Stimmen die schreiend in ihren Ohren hallten und spürte, wie es sie vor Kälte zu schütteln begann.
„Hör zu, selbst wenn sie nichts damit zu tun hat, so ist es mir ziemlich gleichgültig.“, begann Ingo plötzlich und verschränkte die Arme. Sein Grinsen war verschwunden, sein Blick war ernst.
Azoth blickte Ingo mit schmerzverzerrtem Gesicht an. Schweiß stand auf seiner Stirn, er zitterte und Blut floss aus den durchbohrten Stellen an seinem Körper. Er war angenagelt an der Streckbank, und konnte sich keinen Millimeter bewegen, und wagte es kaum zu atmen.
‚Es geht hier nicht um Euch oder mich.‘
Er hörte immer wieder Miandras Worte und qualvollen Schreie, sah diese unmenschliche Person vor sich, und verspürte noch nie einen solchen Hass, wie in jenem Augenblick. Am liebsten hätte er sich von der Streckbank gerissen, und wäre ihm wie ein wilder Mabari an die Kehle gesprungen, um ihn eigenhändig zu erschlagen. Er musste das tun, er wollte es tun, aber er konnte es nicht.
„Ich erledige nur meine Arbeit. Das Volk ist glücklicher zu hören, wir haben zwei Mörder getötet, als zu hören, dass eine Unschuldige die Folter ertragen musste. Also hör auf mit dieser Lügerei, wir wissen doch beide, dass es besser ist, Du gestehst, dass sie mitgeholfen hat und sagst mir die Namen der anderen. Denn die Version, dass diese ebenfalls tot sind… glaube ich Dir nicht.“
Azoth regte sich nicht. Er würde nicht gestehen, niemals, egal wie viel Hass er in diesem Moment gegen Ingo hegte.
Ingo wartete einige Momente auf eine Antwort, und blickte Azoth durchdringend an, doch als er sah, dass sich dessen Miene keine Spur veränderte, seufzte er, „Also schön, wenn ihr es unbedingt auf die harte Tour wollt...“
Er packte eine Zange, mit welcher er die Nieten brutal und rücksichtlos wieder herauszog. Teilweise riss er etwas Haut mit, doch das schien ihn nicht sonderlich zu kümmern. Azoth schrie bei jeder einzelnen der Nieten auf, glaubte bei jeder sie wäre die letzte, hoffte und betete innerlich, die Schmerzen mögen bald enden. Dennoch verspürte er noch immer Hoffnung, wo doch keine war. Er konnte nicht einfach aufgeben, doch letzten Endes musste er wohl akzeptieren, dass es keinen Ausweg gab.
Nachdem Ingo alle Nieten wieder herausgezogen hatte, entfernte er sich Azoth erneut, und betrachtete sein ‚Werk‘. Wie bei einer Quelle in den Bergen, floss das Blut über Azoths Körper, auf das Holzbrett, wo es in jede einzelne Holzfaser lief, bis hin zum Steinboden, zwischen wessen Fugen es zu verschwinden schien.
Ein breites Grinsen legte sich über Ingos Gesicht. Wahrscheinlich sah er sich selbst als eine Art Künstler an, der seine Arbeit liebte, und sich an jedem Gefangenen, wie ein Maler an seinem Bild, austobte.
Achtlos warf er das ‚Werkzeug‘ auf den Tisch, „Thomas, stell das Fass unter unsere stumme Göre… Roy, Du darfst nun auch die restlichen Teile dieses Spitzohrs langziehen.“
Scheinbar hatte Ingo genug vom ersten Folterteil, bei dem es hieß, hauptsächlich die Haut und Psyche zu schädigen. Er könnte ihnen theoretisch noch jeden einzelnen Fingerknochen brechen, doch er schien keine Lust mehr auf die Beiden zu haben, er brauchte wieder Frischfleisch, welches er mit Blut besudeln konnte. Er setzte sich auf einen kleinen dreifüßigen Hocker und lehnte sich mit einem zufriedenen Seufzer an die Wand.
„Lass sie runter.“, sagte er schließlich kühl und deutete ohne hinzusehen zu Miandra, als sei sie nur irgendein unbedeutender Abfall, den er nun entsorgen müsse.
Roy verstand sofort, betätigte die kurbelartige Vorrichtung, und ließ Miandras Kopf dadurch in dem Fass, welches er unter sie gestellt hatte, verschwinden.
Sie holte keine Luft, selbst nicht als sie spürte wie ihre Haare die Wasseroberfläche berührten. Sie ließ es einfach nur noch geschehen. Ihr Kopf versank komplett in einem eiskalten dunklen Gebräu. Dies war definitiv kein reines Wasser mehr, sondern eher eine Mischung aus Wasser, viel Blut und vielen anderen Ausscheidungen worüber sie nicht länger nachdenken wollte. Sie ließ die Augen offen, spürte die Kälte in ihrem Gesicht, sah nichts als Schwärze und unterschiedlichste Bilder vor sich. Die kalte Flüssigkeit drang sofort in ihre Nase, da sie verkehrt eingetaucht wurde. Sie begann ungewollt unter Wasser zu husten, und verspürte den Drang danach Luft zu holen, wo keine war. Es war nur eine Frage der Zeit bis der Drang zu hoch sein würde, um ihm widerstehen zu können. Sie begriff, dass dies das Ende war, versuchte ihre Muskeln zu entspannen um es einfach nur noch geschehen zu lassen, und wartete darauf, dass ihr Körper reagieren würde.
Azoth starrte auf Miandras blutigen Körper, dessen Kopf verschwunden war. Sie blieb so ruhig, zappelte nicht, und er dachte sie würde die Luft anhalten. Einige Regungen und er würde wissen, dass ihr Leben vorbei sein würde. Und im selben Moment, spürte er neue höllische Schmerzen. Thomas betätigte die Streckbank, und zog seine Gliedmaßen mit einer dicken Schnur auseinander. Azoth wirkte mit letzter Kraft dagegen, eine Anstrengung, welcher er in seinem Zustand nicht lange stand halten konnte. Seine Arm- und Beinmuskeln waren zutiefst beschädigt, bluteten noch immer wie aus Strömen, sodass er die Zähne so fest zusammenbeißen musste, dass ihm sein Kiefer ebenfalls zu schmerzen begann. Auch dies war nur ein reines Zeitspiel. Seine Kräfte würden nachgeben, seine Knochen würden sich trennen, und er würde verbluten.
Ingo blieb währenddessen schäbig grinsend auf dem kleinen Hocker sitzen und wartete auf ein Geständnis des Elfs. Würde er etwas sagen, so würde er sie am Marktplatz hängen lassen, das Volk würde jubeln, und ihm würde man für seine gute Arbeit loben und bezahlen. Würde kein Wort in seine Ohren drängen, so würde er sie einfach sterben lassen, und seinem Vorgesetzten sagen, dass sie im letzten Moment alles zugegeben haben, dann jedoch ihren Folterwunden erlagen. Was auch geschehen würde, er hatte gewonnen, wie immer, und dieser Gedanke stellte ihn mehr als nur zufrieden.
#955
Posté 23 septembre 2010 - 07:13
Leanora schrak aus ihrer Trauer auf, als Vernita sie ansprach. Sie runzelte die Stirn. Welchen Schwachsinn verzapfte Vernita hier? Der Oberst sollte ihr etwas getan haben?
Sie löste sich von dem Leichnam, drückte seine Augenlider zu und streichelte ihm ein letztes Mal übers Gesicht. "Ruhe in Frieden, Tjark. Ich werde Dich nie vergessen." In Gedanken fügte sie hinzu: und ich werde Dich immer lieben; aber das äußerte sie nicht.
Leanora stand auf, sie fühlte sich seelenlos, wie eine Marionette. Mit verweinten Augen blickte sie Vernita an.
"Nein, er hat mir nichts getan, er war ein äußerst charmanter und höflicher Mann. Er hat mir lediglich aufgezeigt, wie grausam das Schicksal sein kann. Wir haben uns ineinander verliebt." Ihre Stimme gehorchte ihr nicht mehr, deswegen drehte sie sich um, zog die linke obere Schublade auf und holte den Schlüssel hervor. Dann drückte sie Vernita das Schreiben des Arls in die Hand.
"Hier. Das hat er zuletzt gelesen, meine Tarnung flog auf. Er hätte.. " sie schluckte, und wieder versagte ihr die Stimme, als sie weitersprach. "Er wollte mich schützen und hätte mich versteckt oder wäre mit mir geflohen."
Schnell huschte sie ins Badezimmer zurück, beanspruchte noch einmal die Wasch-Schüssel, um ihr Gesicht zu waschen - vor allem die Tränenspuren waren zu beseitigen. Sie durfte nur nicht daran denken, sonst würde sie den Rest des Tages schluchzen.
Letztlich schaffte sie es, ihr erhitztes Gesicht etwas zu kühlen und ging wieder zurück in das Büro. Sie trat ans Fenster und zeigte, wie kurz zuvor Tjark, hinaus auf den Hof, nach links unten.
"Da unten in diesem Trakt sind Azoth und Miandra untergebracht. Wir müssen durch die Folterkammern, ehe wir die Zellen erreichen. Wahrscheinlich sind sie in der mittleren Zelle eingesperrt. Oder wir treffen sie im Folterraum, der Kommandant meinte, sie würden noch vorm Frühstück.. 'verhört'.. werden."
Sie seufzte auf, stockend. Die Schluchzer waren am verebben, aber sie fühlte sich tot. So tot, wie Tjark war.
Sie löste sich von dem Leichnam, drückte seine Augenlider zu und streichelte ihm ein letztes Mal übers Gesicht. "Ruhe in Frieden, Tjark. Ich werde Dich nie vergessen." In Gedanken fügte sie hinzu: und ich werde Dich immer lieben; aber das äußerte sie nicht.
Leanora stand auf, sie fühlte sich seelenlos, wie eine Marionette. Mit verweinten Augen blickte sie Vernita an.
"Nein, er hat mir nichts getan, er war ein äußerst charmanter und höflicher Mann. Er hat mir lediglich aufgezeigt, wie grausam das Schicksal sein kann. Wir haben uns ineinander verliebt." Ihre Stimme gehorchte ihr nicht mehr, deswegen drehte sie sich um, zog die linke obere Schublade auf und holte den Schlüssel hervor. Dann drückte sie Vernita das Schreiben des Arls in die Hand.
"Hier. Das hat er zuletzt gelesen, meine Tarnung flog auf. Er hätte.. " sie schluckte, und wieder versagte ihr die Stimme, als sie weitersprach. "Er wollte mich schützen und hätte mich versteckt oder wäre mit mir geflohen."
Schnell huschte sie ins Badezimmer zurück, beanspruchte noch einmal die Wasch-Schüssel, um ihr Gesicht zu waschen - vor allem die Tränenspuren waren zu beseitigen. Sie durfte nur nicht daran denken, sonst würde sie den Rest des Tages schluchzen.
Letztlich schaffte sie es, ihr erhitztes Gesicht etwas zu kühlen und ging wieder zurück in das Büro. Sie trat ans Fenster und zeigte, wie kurz zuvor Tjark, hinaus auf den Hof, nach links unten.
"Da unten in diesem Trakt sind Azoth und Miandra untergebracht. Wir müssen durch die Folterkammern, ehe wir die Zellen erreichen. Wahrscheinlich sind sie in der mittleren Zelle eingesperrt. Oder wir treffen sie im Folterraum, der Kommandant meinte, sie würden noch vorm Frühstück.. 'verhört'.. werden."
Sie seufzte auf, stockend. Die Schluchzer waren am verebben, aber sie fühlte sich tot. So tot, wie Tjark war.
#956
Posté 23 septembre 2010 - 07:35
„Wollt Ihr mich zum Narren halten, Leanora? Ihr habt Euch in diesen Kerl verliebt? Wie kommt Ihr nur auf so eine Schnapsidee?“ meinte Vernita ungläubig. Sie konnte einfach nicht fassen, was sie gerade gehört hatte. Doch bevor die blonde Frau etwas hätte erwidern können, winkte die Elfe schon ab. „Aber ich verstehe schon. Ihr seid einfach zu jung und unerfahren für so einen Auftrag. Hätte Euch nie damit betrauen sollen. Hätte wissen müssen, dass Ihr für so etwas zu weich seid. Aber vielleicht ändert Ihr Eure Meinung noch, wenn Ihr seht, welche Gräuel Euer ach so toller Kommandant seinen Gefangenen zukommen lässt. Dann wisst Ihr, wie dieser Kerl wirklich war.“
Vernita trat vor Leanora, und ergriff ihre Schultern, wobei sie der Frau fest in die Augen sah. „Und noch etwas. Der Kerl hat vielleicht behauptet, dass er Euch verstecken wollte und Euch liebt und was weiß ich, was er noch für einen Stuss von sich gegeben hat. Aber in Wahrheit wollte er Euch nur flachlegen. Er hat gesehen, dass Ihr jung und unerfahren seid und wollte das ausnutzen. Oder glaubt Ihr etwa wirklich, dass er sich für Euch hätte hängen lassen? Denn dieses Schicksal hätte ihn erwartet, wenn er Euch geholfen hätte. Also trauert nicht um diesen Abschaum. Er ist es nicht Wert, in Ordnung?“
Vernita trat vor Leanora, und ergriff ihre Schultern, wobei sie der Frau fest in die Augen sah. „Und noch etwas. Der Kerl hat vielleicht behauptet, dass er Euch verstecken wollte und Euch liebt und was weiß ich, was er noch für einen Stuss von sich gegeben hat. Aber in Wahrheit wollte er Euch nur flachlegen. Er hat gesehen, dass Ihr jung und unerfahren seid und wollte das ausnutzen. Oder glaubt Ihr etwa wirklich, dass er sich für Euch hätte hängen lassen? Denn dieses Schicksal hätte ihn erwartet, wenn er Euch geholfen hätte. Also trauert nicht um diesen Abschaum. Er ist es nicht Wert, in Ordnung?“
#957
Posté 23 septembre 2010 - 07:54
Lea sah ungläubig auf Vernita. Was erzählte diese Elfe da? Sie mochte ja jung und unerfahren sein, aber dass Tjark ihr alles vorgespielt hatte, glaubte sie nicht. Aber sie würde kein weiteres Wort darüber verlieren, lebendig wurde er dadurch auch nicht mehr. Sie hatte ihren Auftrag erfüllt, wenngleich für sie mit einem anderen Ausgang, als sie je gedacht hätte.
"Jung und unerfahren mag sein, aber unfähig? Immerhin ist er tot, oder etwa nicht? Und ich hab die Informationen. Die beiden leben noch, wie lange, steht in den Sternen. Also sollten wir uns sputen, die da unten rauszuholen. Außerdem kann ich nun wirklich keine Sekunde länger mehr hier sein, sonst überlege ich es mir noch anders und folge Tjark!"
Vor Frust nahm sie einen Keks, würgte ihn hinunter und schüttete den Rest ihres Tees hinterher. Sicherheitshalber durchsuchte sie noch einmal die Schubfächer des Schreibtisches, aber fand nichts mehr, was von Bedeutung hätte sein können. Sie tastete nach Geheimfächern, zuhause hatte sie in ihrem Sekretär eines eingebaut. Kurz darauf war sie fündig, ein kleiner Mechanismus löste ein Stück vom Unterboden des Schreibtisches, wo ein weiteres kleines Schubfach verstaut war. Ohne zu sehen, was darin versteckt war, raffte sie den gesamten Inhalt an sich und warf es in ihre Tasche.
Ihre Starre war abgefallen, genau wie damals beim Tod ihrer Familie kam ihre Energie nun zum Vorschein. Damals war sie völlig verunsichert und von daher in sich gekehrt. Jetzt fegte sie ähnlich einer Furie durchs Zimmer. Lea fühlte sich, als hätte sie gerade Hummeln im Hintern, und das Adrenalin floß durch ihre Adern.
Sie wandte sich wieder an die Elfe. "Und wie geht es jetzt weiter? Als ich hier ankam, waren kaum Wachen unterwegs, aber das kann sich mittlerweile geändert haben. Wie komme ich in diesen Trakt?"
"Jung und unerfahren mag sein, aber unfähig? Immerhin ist er tot, oder etwa nicht? Und ich hab die Informationen. Die beiden leben noch, wie lange, steht in den Sternen. Also sollten wir uns sputen, die da unten rauszuholen. Außerdem kann ich nun wirklich keine Sekunde länger mehr hier sein, sonst überlege ich es mir noch anders und folge Tjark!"
Vor Frust nahm sie einen Keks, würgte ihn hinunter und schüttete den Rest ihres Tees hinterher. Sicherheitshalber durchsuchte sie noch einmal die Schubfächer des Schreibtisches, aber fand nichts mehr, was von Bedeutung hätte sein können. Sie tastete nach Geheimfächern, zuhause hatte sie in ihrem Sekretär eines eingebaut. Kurz darauf war sie fündig, ein kleiner Mechanismus löste ein Stück vom Unterboden des Schreibtisches, wo ein weiteres kleines Schubfach verstaut war. Ohne zu sehen, was darin versteckt war, raffte sie den gesamten Inhalt an sich und warf es in ihre Tasche.
Ihre Starre war abgefallen, genau wie damals beim Tod ihrer Familie kam ihre Energie nun zum Vorschein. Damals war sie völlig verunsichert und von daher in sich gekehrt. Jetzt fegte sie ähnlich einer Furie durchs Zimmer. Lea fühlte sich, als hätte sie gerade Hummeln im Hintern, und das Adrenalin floß durch ihre Adern.
Sie wandte sich wieder an die Elfe. "Und wie geht es jetzt weiter? Als ich hier ankam, waren kaum Wachen unterwegs, aber das kann sich mittlerweile geändert haben. Wie komme ich in diesen Trakt?"
#958
Posté 23 septembre 2010 - 08:28
Im nächsten Moment sah sie, wie Hennrik von mehreren Bolzen durchbohrt wurde, die aus den Wänden geschossen kamen. Einer davon traf ihn direkt durch den Hals und beendete sein Leben innerhalb weniger Herzschläge. Lautlos sackte er zu Boden und blieb dort regungslos liegen. Rowan selber wurde von zwei Bolzen getroffen. Einer war in ihren rechten Oberschenkel geschlagen, der andere steckte in ihrem unteren Rücken. Sie robbte zu Hennrik herüber und beugte sich verzweifelt über ihn. Doch was war zu spät. Ihm konnte nicht mehr geholfen werden.
Rowan keuchte auf vor Schmerz und Überraschung. Tränen traten in ihre Augen und für einen Moment blieb sie erschöpft sitzen. Immer mehr Tränen rannen ihr die Wangen hinunter. Sie hatte versagt. Sie hatte nicht aufgepasst und den zweiten Mechanismus nicht entdeckt. Und Hennrik hatte dafür büßen müssen. Der Mann, der in der ganzen Gruppe immer am fröhlichsten gewesen war. Nun war er von ihnen gegangen und sein Blut klebte an ihren Händen.....
Sie riss sich zusammen und wischte sich die Tränen weg. Mit großer Mühe, zog sie sich den Bolzen aus dem Oberschenkel und verband sich das Bein provisorisch. An das Geschoss im Rücken kam sie nicht dran und so ließ sie es stecken. Sie zog Hennrik an die Seite. Vielleicht gab es eine Möglichkeit, seinen Leichnam auf dem Rückweg zu bergen.
Sie biss die Zähne zusammen und ignorierte die Schmerzen als sie weiter zog. Nach wenigen Metern kam sie an ein Eisengitter, dass ihr den Weg versperrte. Es war eine Tür eingelassen, die als Durchgang diente und die natürlich verschlossen war. Doch anscheinend rechnete nun wirklich niemand mehr damit, dass Eindringlinge bis hierher vordrangen, denn es war ein leichtes für Rowan, das Schloss zu knacken. Die Tür klemmte etwas und sie musste daran rütteln, um sie auf zubekommen. Dabei hallte das Scheppern laut durch die Tunnel. Sie trat hindurch und nur wenige Augenblicke später hörte sie von vorne Geräusche. Es war ein lautes Schnaufen und Knurren, was sich in großer Geschwindigkeit ihrem Standpunkt näherte. Rowan zog ihre Messer und ging leicht in die Hocke. Im nächsten Moment stürmten drei Mabari um die Ecke und direkt auf sie zu. Ihre Lefzen waren hochgezogen und die Zähne gefährlich gefletscht. Zwei liefen vorneweg, der dritte lief aus Platzgründen dahinter. Eines der Tiere setzte zu einem Sprung an. Rowan ließ sich auf die Seite fallen und rutschte unter ihn. Dabei schlitzte sie dem Hund den Bauch auf. Blut und Eingeweide fielen warm auf sie herab und bedeckten ihre Lederrüstung. Der zweite Kriegshund war schon bei ihr und schlug ihr die Zähne in die linke Armschiene. Doch bevor sich seine mächtigen Kiefer schließen konnten, hatte Rowan ihm das andere Messer zwischen die Augen gerammt. Schnell war sie wieder auf den Beinen.
Der dritte hatte angehalten und blieb starr vor ihr stehen. Er knurrte gefährlich und sein Gesicht war verzerrt. Rowan musterte ihn. Der Hund war sehr abgemagert und hatte struppiges Fell. Seine Rippen traten deutlich unter der Haut hervor und ein Geschwür wand sich um seinen linken, hinteren Oberschenkel. Er schien zu überlegen, ob sich ein Angriff lohnen würde, doch der Hunger musste zu groß sein. Mit einem kräftigen Satz sprang er auf Rowan zu. Sie wich zur Seite aus und zog ihm ein Messer über die Kehle. Röchelnd sackte das Tier zu Boden und Rowan beendete sein Leben mit einem Stich in sein Herz.
Sie wischte sich das Blut aus dem Gesicht und steckte ihr Messer wieder zurück. Bei genauerer Betrachtung waren die anderen beiden ebenfalls in einem schlechten Zustand gewesen. Anscheinend hatte sich in letzter Zeit kaum einer um sie gekümmert. Das war ein gutes Zeichen. Dann rechnete niemand mit Eindringlingen aus diesen Tunneln.
Rowan keuchte auf vor Schmerz und Überraschung. Tränen traten in ihre Augen und für einen Moment blieb sie erschöpft sitzen. Immer mehr Tränen rannen ihr die Wangen hinunter. Sie hatte versagt. Sie hatte nicht aufgepasst und den zweiten Mechanismus nicht entdeckt. Und Hennrik hatte dafür büßen müssen. Der Mann, der in der ganzen Gruppe immer am fröhlichsten gewesen war. Nun war er von ihnen gegangen und sein Blut klebte an ihren Händen.....
Sie riss sich zusammen und wischte sich die Tränen weg. Mit großer Mühe, zog sie sich den Bolzen aus dem Oberschenkel und verband sich das Bein provisorisch. An das Geschoss im Rücken kam sie nicht dran und so ließ sie es stecken. Sie zog Hennrik an die Seite. Vielleicht gab es eine Möglichkeit, seinen Leichnam auf dem Rückweg zu bergen.
Sie biss die Zähne zusammen und ignorierte die Schmerzen als sie weiter zog. Nach wenigen Metern kam sie an ein Eisengitter, dass ihr den Weg versperrte. Es war eine Tür eingelassen, die als Durchgang diente und die natürlich verschlossen war. Doch anscheinend rechnete nun wirklich niemand mehr damit, dass Eindringlinge bis hierher vordrangen, denn es war ein leichtes für Rowan, das Schloss zu knacken. Die Tür klemmte etwas und sie musste daran rütteln, um sie auf zubekommen. Dabei hallte das Scheppern laut durch die Tunnel. Sie trat hindurch und nur wenige Augenblicke später hörte sie von vorne Geräusche. Es war ein lautes Schnaufen und Knurren, was sich in großer Geschwindigkeit ihrem Standpunkt näherte. Rowan zog ihre Messer und ging leicht in die Hocke. Im nächsten Moment stürmten drei Mabari um die Ecke und direkt auf sie zu. Ihre Lefzen waren hochgezogen und die Zähne gefährlich gefletscht. Zwei liefen vorneweg, der dritte lief aus Platzgründen dahinter. Eines der Tiere setzte zu einem Sprung an. Rowan ließ sich auf die Seite fallen und rutschte unter ihn. Dabei schlitzte sie dem Hund den Bauch auf. Blut und Eingeweide fielen warm auf sie herab und bedeckten ihre Lederrüstung. Der zweite Kriegshund war schon bei ihr und schlug ihr die Zähne in die linke Armschiene. Doch bevor sich seine mächtigen Kiefer schließen konnten, hatte Rowan ihm das andere Messer zwischen die Augen gerammt. Schnell war sie wieder auf den Beinen.
Der dritte hatte angehalten und blieb starr vor ihr stehen. Er knurrte gefährlich und sein Gesicht war verzerrt. Rowan musterte ihn. Der Hund war sehr abgemagert und hatte struppiges Fell. Seine Rippen traten deutlich unter der Haut hervor und ein Geschwür wand sich um seinen linken, hinteren Oberschenkel. Er schien zu überlegen, ob sich ein Angriff lohnen würde, doch der Hunger musste zu groß sein. Mit einem kräftigen Satz sprang er auf Rowan zu. Sie wich zur Seite aus und zog ihm ein Messer über die Kehle. Röchelnd sackte das Tier zu Boden und Rowan beendete sein Leben mit einem Stich in sein Herz.
Sie wischte sich das Blut aus dem Gesicht und steckte ihr Messer wieder zurück. Bei genauerer Betrachtung waren die anderen beiden ebenfalls in einem schlechten Zustand gewesen. Anscheinend hatte sich in letzter Zeit kaum einer um sie gekümmert. Das war ein gutes Zeichen. Dann rechnete niemand mit Eindringlingen aus diesen Tunneln.
#959
Posté 24 septembre 2010 - 03:26
„Ich habe nicht behauptet, dass Ihr unfähig seid, Leanora“, erwiderte Vernita beschwichtigend. „Ihr lasst diese Dinge nur zu nah an Euch heran. Euch fehlt die nötige Distanz. Aber das ist ganz normal .Immerhin wird niemand zum Mörder geboren. Egal, wir müssen weiter. Uns läuft die Zeit davon.“
Die Elfe ging auf Leanora zu und ging vor dieser in die Hocke. „Nun, wir werden genauso vorgehen, wie bisher. Ich hoffe nur, dass Euch nicht allzu viel an diesem Kleid liegt, denn nun...“
Vernita zog ihr Messer und stach etwas oberhalb der Kniehöhe zwischen den Beinen der junge Frau durch den Stoff des Kleides. Dann schnitt sie mit einer schnellen Bewegung nach unten, bis das gute Stück einen langen Schlitz hatte. Anschließend packte sie die unter Hälfe des Kleides und riss diese rundherum ab.
„Nun seid Ihr beweglicher, wenn es zum Kampf kommt, und es sieht so aus, als hätte sich der Kommandant noch an Euch vergangen, bevor wir Euch zum Verhör in den Kerker gebracht haben. Somit kommen wir ungestört in den Zellentrakt. Allerdings fehlt da noch was...“
Die Elfe erhob sich wieder, bevor sie einige der Haarnadeln aus Leanoras Frisur zog und diese ein wenig in Unordnung brachte. Anschließend riss sie das Kleid oberhalb der linken Brust der Frau etwas ein.
„So wirkt es realistischer. Fehlt nur noch eins, dann können wir gehen. Und das macht mir wirklich keinen Spaß“, meinte Vernita, während sie einen der Kettenhandschuhe auszog. Kurz darauf gab sie Leanora eine schallende Ohrfeige. Die Wucht des Schlages ließ die Wange der Frau etwas anschwellen und in einem dunklen rot pochen.
„Tut mir leid, Leanora“, entschuldigte sich die Elfe, während sie ihren Handschuh wieder überzog. „Aber so seht Ihr wirklich aus, als hätte Euch der Kerl vergewaltigt. Sobald wir hier rauskommen, dürft Ihr mir auch eine Klatschen. Als Ausgleich sozusagen.“
Vernita grinste breit. „Und nun gebt mir Eure Tasche. Ich hebe sie auf, bis wir hier rauskommen. Dann bekommt Ihr sie wieder. Nur jetzt sollte ich sie tragen, als meine „Beute“ sozusagen. Schließlich wird den Gefangenen alles weggenommen, was sie besitzen.“
Die Elfe ging auf Leanora zu und ging vor dieser in die Hocke. „Nun, wir werden genauso vorgehen, wie bisher. Ich hoffe nur, dass Euch nicht allzu viel an diesem Kleid liegt, denn nun...“
Vernita zog ihr Messer und stach etwas oberhalb der Kniehöhe zwischen den Beinen der junge Frau durch den Stoff des Kleides. Dann schnitt sie mit einer schnellen Bewegung nach unten, bis das gute Stück einen langen Schlitz hatte. Anschließend packte sie die unter Hälfe des Kleides und riss diese rundherum ab.
„Nun seid Ihr beweglicher, wenn es zum Kampf kommt, und es sieht so aus, als hätte sich der Kommandant noch an Euch vergangen, bevor wir Euch zum Verhör in den Kerker gebracht haben. Somit kommen wir ungestört in den Zellentrakt. Allerdings fehlt da noch was...“
Die Elfe erhob sich wieder, bevor sie einige der Haarnadeln aus Leanoras Frisur zog und diese ein wenig in Unordnung brachte. Anschließend riss sie das Kleid oberhalb der linken Brust der Frau etwas ein.
„So wirkt es realistischer. Fehlt nur noch eins, dann können wir gehen. Und das macht mir wirklich keinen Spaß“, meinte Vernita, während sie einen der Kettenhandschuhe auszog. Kurz darauf gab sie Leanora eine schallende Ohrfeige. Die Wucht des Schlages ließ die Wange der Frau etwas anschwellen und in einem dunklen rot pochen.
„Tut mir leid, Leanora“, entschuldigte sich die Elfe, während sie ihren Handschuh wieder überzog. „Aber so seht Ihr wirklich aus, als hätte Euch der Kerl vergewaltigt. Sobald wir hier rauskommen, dürft Ihr mir auch eine Klatschen. Als Ausgleich sozusagen.“
Vernita grinste breit. „Und nun gebt mir Eure Tasche. Ich hebe sie auf, bis wir hier rauskommen. Dann bekommt Ihr sie wieder. Nur jetzt sollte ich sie tragen, als meine „Beute“ sozusagen. Schließlich wird den Gefangenen alles weggenommen, was sie besitzen.“
#960
Posté 24 septembre 2010 - 07:46
Lea war kurz vor einem hysterischen Lachanfall, aber sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie weinen oder lachen sollte. Rowan würde sie umbringen, wenn sie das zerfetzte Kleid sah. Und der Kommandant sie vergewaltigt? Meilenweit davon entfernt... aber diese Gedanken verscheuchte sie sofort, sonst würde sie wirklich wieder anfangen zu weinen.
Die Tränen schossen ihr allerdings wieder in die Augen, als Vernita ihr die Ohrfeige verpaßte. Bei Andraste, der Schlag war nicht von schlechten Eltern, Leas Kopf flog durch die Wucht beiseite. Die Elfe traf ihre Backe absolut zielsicher, und sie hätte schwören können, dass sie sich dadurch die Innenseite der Wange aufgebissen hatte. Jedenfalls brannte diese nun wie Feuer, und sie hatte das Gefühl, als würde sie auch aufschwellen.
"Aua!" Reflexartig hielt sie ihre Hände an die Wange, aber das brachte rein gar nichts. Wenn, dann hätte kaltes Wasser. geholfen. Wütend blitzte sie Vernita an.
"Wäre das nicht eine Spur zarter möglich gewesen? Ich hoffe, der Backenknochen ist nicht gebrochen" meckerte sie, fügte sich aber dennoch ihrem Schicksal. Sie händigte der Elfe die Tasche aus, welche diese sogleich umhängte.
Sie blickte an sich hinab. Das Kleid war wirklich völlig kaputt, der Riss an ihrer Brust ließ mehr erkennen als es verhüllte. Wäre Tjark zu so etwas fähig gewesen? Ihre Gefährten waren mittlerweile wieder an der Tür, bereit zum Aufbruch. Lea ging ein letztes Mal zurück zu Tjark und blickte ihn an, so als ob sie sich sein Gesicht für immer einprägen wollte. Dann ging sie zu Vernita. Sie mußte die Geschockte nicht spielen, sie war es.
"Dann mal los..." seufzte sie auf, und gemeinsam verließen sie die Amtsstube des toten Oberst.
Die Tränen schossen ihr allerdings wieder in die Augen, als Vernita ihr die Ohrfeige verpaßte. Bei Andraste, der Schlag war nicht von schlechten Eltern, Leas Kopf flog durch die Wucht beiseite. Die Elfe traf ihre Backe absolut zielsicher, und sie hätte schwören können, dass sie sich dadurch die Innenseite der Wange aufgebissen hatte. Jedenfalls brannte diese nun wie Feuer, und sie hatte das Gefühl, als würde sie auch aufschwellen.
"Aua!" Reflexartig hielt sie ihre Hände an die Wange, aber das brachte rein gar nichts. Wenn, dann hätte kaltes Wasser. geholfen. Wütend blitzte sie Vernita an.
"Wäre das nicht eine Spur zarter möglich gewesen? Ich hoffe, der Backenknochen ist nicht gebrochen" meckerte sie, fügte sich aber dennoch ihrem Schicksal. Sie händigte der Elfe die Tasche aus, welche diese sogleich umhängte.
Sie blickte an sich hinab. Das Kleid war wirklich völlig kaputt, der Riss an ihrer Brust ließ mehr erkennen als es verhüllte. Wäre Tjark zu so etwas fähig gewesen? Ihre Gefährten waren mittlerweile wieder an der Tür, bereit zum Aufbruch. Lea ging ein letztes Mal zurück zu Tjark und blickte ihn an, so als ob sie sich sein Gesicht für immer einprägen wollte. Dann ging sie zu Vernita. Sie mußte die Geschockte nicht spielen, sie war es.
"Dann mal los..." seufzte sie auf, und gemeinsam verließen sie die Amtsstube des toten Oberst.
Modifié par Bellandyrs, 24 septembre 2010 - 07:53 .
#961
Posté 24 septembre 2010 - 11:45
„Wenn ich Euch nur getätschelt hätte, hätte es nicht echt gewirkt, Leanora“, grinste Vernita. „Aber keine Angst, ich habe meine Kräfte gut im Griff. Um Euch den Kiefer zu brechen, hätte ich schon etwas fester zuschlagen müssen. Das ist nur eine leichte Schwellung. Morgen wird das Ganze schon wieder vergessen sein. Aber Ihr habt Recht. Machen wir uns lieber auf den Weg.“
Die vier verließen die Amtstube des Kommandanten und gingen durch den Vorraum, als plötzlich vor ihnen die Tür zum Hof geöffnet wurde. Ein junger, blondhaariger Soldat trat ein, bevor sich auf die vier zu bewegte. Dicht vor ihnen blieb er stehen.
„Oh, sind das neue Gefangene?“ fragte der Soldat grinsender Weise.
„Ja“, entgegnete Vernita. „Wir bringen sie gerade in den Verhörraum zur weiteren Vernehmung. Und wo willst du hin?“
„Ich bin auf dem Weg zum Oberst, um ihm mitzuteilen, dass wir heute wohl für unsere neusten Gefangenen die Endlösung einleiten werden, ganz gleich, ob sie gestehen werden oder nicht.“
„Ah, verstehe“, murmelte die Elfe nachdenklich, wobei sie ihren Schrecken, den sie gerade bekommen hatte, gekonnt überspielte. „Nun, er ist in seiner Amtsstube.“
„Danke!“ meinte der junge Soldat noch, bevor er sich wieder in Bewegung setzte. Die Elfe ließ ihn an sich vorbeigehen, bevor sie zur Tat schritt. Sie kreiselte auf der Stelle herum und umschlang den Hals des Soldaten mit ihrem rechten Arm, wobei sie ihm die Kehle zudrückte. Überrascht griff der Jüngling nach diesem und wollte sich von ihr befreien, als sie schon den Fuß gehoben hatte und dem Mann mit voller Wucht ihn die Kniekehlen trat.
Der Soldat sackte weg, doch die Elfe ließ seinen Hals nicht los, was zur Folge hatte, dass sie dem Jüngling ganz einfach das Genick brach. Dies wurde von einem hässlichen, lauten Knacken begleitet. Als sie das hörte ließ sie den toten Körper des Mannes zu Boden fallen. Dann packte sie ihn an beiden Füßen und schleifte ihn in die Stube des Kommandanten. Nachdem sie die Leiche dort abgelegt hatte, trat sie wieder schnellen Schrittes zu den anderen.
„Ihr habt gehört, was der Jüngling von sich gegeben hat“, sagte sie gehetzt. „Sie wollen heute unsere Gefährten töten. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Außerdem bricht hier die nächste Verderbnis aus, wenn jemand die beiden Leichen findet. Los, verschwinden wir! Sofort!“
Die vier verließen die Amtstube des Kommandanten und gingen durch den Vorraum, als plötzlich vor ihnen die Tür zum Hof geöffnet wurde. Ein junger, blondhaariger Soldat trat ein, bevor sich auf die vier zu bewegte. Dicht vor ihnen blieb er stehen.
„Oh, sind das neue Gefangene?“ fragte der Soldat grinsender Weise.
„Ja“, entgegnete Vernita. „Wir bringen sie gerade in den Verhörraum zur weiteren Vernehmung. Und wo willst du hin?“
„Ich bin auf dem Weg zum Oberst, um ihm mitzuteilen, dass wir heute wohl für unsere neusten Gefangenen die Endlösung einleiten werden, ganz gleich, ob sie gestehen werden oder nicht.“
„Ah, verstehe“, murmelte die Elfe nachdenklich, wobei sie ihren Schrecken, den sie gerade bekommen hatte, gekonnt überspielte. „Nun, er ist in seiner Amtsstube.“
„Danke!“ meinte der junge Soldat noch, bevor er sich wieder in Bewegung setzte. Die Elfe ließ ihn an sich vorbeigehen, bevor sie zur Tat schritt. Sie kreiselte auf der Stelle herum und umschlang den Hals des Soldaten mit ihrem rechten Arm, wobei sie ihm die Kehle zudrückte. Überrascht griff der Jüngling nach diesem und wollte sich von ihr befreien, als sie schon den Fuß gehoben hatte und dem Mann mit voller Wucht ihn die Kniekehlen trat.
Der Soldat sackte weg, doch die Elfe ließ seinen Hals nicht los, was zur Folge hatte, dass sie dem Jüngling ganz einfach das Genick brach. Dies wurde von einem hässlichen, lauten Knacken begleitet. Als sie das hörte ließ sie den toten Körper des Mannes zu Boden fallen. Dann packte sie ihn an beiden Füßen und schleifte ihn in die Stube des Kommandanten. Nachdem sie die Leiche dort abgelegt hatte, trat sie wieder schnellen Schrittes zu den anderen.
„Ihr habt gehört, was der Jüngling von sich gegeben hat“, sagte sie gehetzt. „Sie wollen heute unsere Gefährten töten. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Außerdem bricht hier die nächste Verderbnis aus, wenn jemand die beiden Leichen findet. Los, verschwinden wir! Sofort!“
#962
Posté 26 septembre 2010 - 11:01
Lea stellten sie die Haare zu Berge, als sie hörte, wie das Genick des jungen Mannes brach. Sie wurde eine Spur bleicher. Wieviel Tod und Verderben mußten sie verbreiten, um ihre beiden Gefährten hier rauszuholen? Sie unterdrückte das Gefühl der Übelkeit, als sie vor Vernita und Sareth dahinschritt.
Ihre Augen waren verheult, was dem ganzen eine realistische Note gab. Ausnahmsweise mußte Lea keine Rolle spielen. Sie war tatsächlich verzweifelt und fühlte sich hilflos ausgeliefert. An das, was noch auf sie zukommen würde, wollte sie noch gar nicht denken, sie würde es früh genug sehen.
Im Erdgeschoss war langsam Leben erwacht. Nur wenige Soldaten standen vorm Eingang, aber man merkte, dass gearbeitet wurde. Türen wurden geöffnet, Wächter mit Papieren nickten ihnen nur zu und verschwanden in anderen Räumen. Ihr Plan schien bisher aufzugehen.
Vernita stieß Lydia und Leanor in den Rücken. "Jetzt links!" Die Elfe hätte dies auch einfach so sagen können, aber genau in dem Moment kreuzte eine andere Wache ihren Weg.
Kurz darauf erreichten sie den Eingang zum Zellentrakt. Wenige Worte von der Elfe reichten aus, um diesen zu passieren.
Langsam kam die Nervosität in Leanora zurück. Verstohlen schaute sie in die Gesichter der Gefangenen, manche von Leid gezeichnet, manche spuckten aus ihrer Zelle in den Gang, als die beiden vermeintlichen Wachen an ihnen vorbei schritten.
Lea hörte, wie sich die Tür erneut öffnete. Das Frühstück wurde von zwei Soldaten gebracht. Eine Schale abgestandenes Wasser, und eine Scheibe trockenes Brot. Wortlos wurde die Kost einfach zwischen die Gitterstäbe geschoben. Als einer der Gefangenen zu schimpfen begann, hörte sie nur zynisches Lachen, und ein Platschen.
"Du hast keinen Durst? Auch gut, dann gibt es für heute nichts mehr!" Die Wasserschale wurde dem Inhaftierten einfach ins Gesicht geschüttet und gleich darauf wurde die Zelle aufgesperrt. Lea hörte, wie ein paar saftige Maulschellen verteilt wurden.
"Mensch Gilbert, du mußt ihm doch nicht gleich die Nase brechen!" hörte Leanora noch, bevor sie noch einmal ums Eck gingen und in einen weiteren Gang einbogen.
Ihre Augen waren verheult, was dem ganzen eine realistische Note gab. Ausnahmsweise mußte Lea keine Rolle spielen. Sie war tatsächlich verzweifelt und fühlte sich hilflos ausgeliefert. An das, was noch auf sie zukommen würde, wollte sie noch gar nicht denken, sie würde es früh genug sehen.
Im Erdgeschoss war langsam Leben erwacht. Nur wenige Soldaten standen vorm Eingang, aber man merkte, dass gearbeitet wurde. Türen wurden geöffnet, Wächter mit Papieren nickten ihnen nur zu und verschwanden in anderen Räumen. Ihr Plan schien bisher aufzugehen.
Vernita stieß Lydia und Leanor in den Rücken. "Jetzt links!" Die Elfe hätte dies auch einfach so sagen können, aber genau in dem Moment kreuzte eine andere Wache ihren Weg.
Kurz darauf erreichten sie den Eingang zum Zellentrakt. Wenige Worte von der Elfe reichten aus, um diesen zu passieren.
Langsam kam die Nervosität in Leanora zurück. Verstohlen schaute sie in die Gesichter der Gefangenen, manche von Leid gezeichnet, manche spuckten aus ihrer Zelle in den Gang, als die beiden vermeintlichen Wachen an ihnen vorbei schritten.
Lea hörte, wie sich die Tür erneut öffnete. Das Frühstück wurde von zwei Soldaten gebracht. Eine Schale abgestandenes Wasser, und eine Scheibe trockenes Brot. Wortlos wurde die Kost einfach zwischen die Gitterstäbe geschoben. Als einer der Gefangenen zu schimpfen begann, hörte sie nur zynisches Lachen, und ein Platschen.
"Du hast keinen Durst? Auch gut, dann gibt es für heute nichts mehr!" Die Wasserschale wurde dem Inhaftierten einfach ins Gesicht geschüttet und gleich darauf wurde die Zelle aufgesperrt. Lea hörte, wie ein paar saftige Maulschellen verteilt wurden.
"Mensch Gilbert, du mußt ihm doch nicht gleich die Nase brechen!" hörte Leanora noch, bevor sie noch einmal ums Eck gingen und in einen weiteren Gang einbogen.
#963
Posté 26 septembre 2010 - 04:47
Vernita öffnete die alte, schwere Eichentür und betrat den dahinterliegenden Raum. Er wurde nur von zwei Pechfackeln erhellt, die an der feuchten, kalten Steinmauer hingen. Doch trotz der schwachen Beleuchtung, konnte die Elfe erkennen, welchem Zweck dieser Raum diente. Es war die Bühne der endgültigen Lösungen. Das Ende aller Qualen, aber bitte nicht zu schnell. Schließlich soll jedes Opfer dieses Kerkers wissen, dass der Tod eine Erlösung ist, die hart erkämpft sein will. Hier wurde einem nichts geschenkt. Nicht einmal ein friedvolles Ende.
Ein kurzer Blick der Elfe genügte, um dies zu erkennen. Denn hier gab es einen Galgen, einen Richtblock, in dem eine große, zweischneidige Axt steckte, eine Eiserne Jungfrau, mehrere lange, am Boden befestigte Pfähle, deren obere Enden angespitzt waren, sowie eine schlammige Grube, in der sich irgendetwas schlängelte. Hierhin brachten sie also die Personen, die für immer verschwinden sollten.
Ansonsten war der Raum leer. Niemand war hier. Trotzdem hörte Vernita ein Geräusch. Es war ein lautes Lachen, welches aus dem Nebenraum erschallte. Unter dem Türspalt auf der anderen Seite drang ein schwacher Lichtschein hindurch. Dort mussten sich Miandra und Azoth befinden. Da war sich die Elfe ganz sicher. Schnell durchquerte sie den Raum, wobei sie das Langschwert der Wache zog. Die anderen drei folgten ihr.
Sie riss die Tür auf der anderen Seite des Raumes auf und...verharrte mitten in der Bewegung. Was sie sah war einfach zuviel für sie. Sie hatte mit einigem gerechnet und sich auf das Schlimmste vorbereitet, doch es jetzt mit eigenen Augen tatsächlich sehen zu müssen, ließ sie vor Entsetzen erstarren. Wie gebannt starrte sie auf die dargebotene Zurschaustellung physischer Gewalt. Ihr Gesicht war wie versteinert.
Vernita erblickte Azoth, der auf einer Streckbank lag. Sein Körper war blutüberströmt und mit zahlreichen Wunden versehen. Er presste die Zähne fest aufeinander, während ein Mann neben der Bank stand und langsam an der großen Kurbel drehte, um den Elf in Stücke zu zerreißen. Doch dieser Anblick war es nicht, der die Elfe so schockierte. Nein, so etwas hatte sie schon einmal gesehen. Und auch wenn sie Azoth den Tod nicht gönnte, so war ihr sein Schicksal im Grunde egal. Er war nur ein Mann. Davon gab es genug.
Aber auf der anderen Seite des Raumes erblickte die Elfe einen zweiten Mann, der an einer Kurbel stand, an der eine Kette befestigt war. Und am anderen Ende dieser Kette hing eine Frau kopfüber von der Decke, wobei ihr kompletter Schädel in ein mit Wasser gefülltes Fass getaucht war. Obwohl Vernita das Gesicht der Frau nicht sehen konnte, so wusste sie doch, dass es sich dabei um Miandra handelte. Und das Schlimmste an der ganzen Sache war, dass sich ihr geschundener Körper nicht bewegte. Nicht mal ein bisschen. War Vernita zu spät gekommen? Hatte sie versagt? Hatte sie Miandra im Stich gelassen und für immer verloren? Und war dieser ganze Zirkus hier umsonst gewesen?
Vernitas Furcht und Entsetzen wich langsam aus ihrem Körper. Stattdessen machte sich die Wut in ihr breit. Wut und unbändiger Hass. Sie stand immer noch stocksteif in der Tür, doch nun begannen ihre Hände zu zittern. Krampfhaft hielt sie den Griff des Schwertes umklammert, während das Zittern immer stärker wurde und bald schon ihren ganze Körper erfasst hatte. Gleich würde der Hass in ihr explodieren. Das Ganze dauerte nur wenige Augenblicke, doch für die Elfe war es die längste Zeitspanne in ihrem bisherigen Leben gewesen. Diesen Moment würde sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis brennen.
Inzwischen waren auch Leanora und Lydia hinter Vernita aufgetaucht und beobachteten mit schreckgeweiteten Augen dieses makabere Schauspiel. Ein leiser Schrei entwich der Kehle der Frau, wodurch sie Ingos Aufmerksamkeit erregte. Dieser stand auf und ging lachend auf die drei zu.
„Na, bringst du uns Frischfleisch, Kleine“, lachte er dreckig. „Wird auch Zeit. Die beiden sind schon etwas ausgelutscht.“
Die Worte des Mannes brachten das Fass zum Überlaufen. Die Starre fiel augenblicklich vom Körper der Elfe ab. Ruckartig wandte sie den Kopf in Ingos Richtung. Sie sah seine dreckig grinsende Visage, und ihr Gesicht verwandelte sich in eine Maske des Hasses. Ihre dunklen Augen blitzen wie zwei Diamanten im Sonnenlicht auf. Ein lauter, wütender Schrei drang über ihre Lippen, als sie sich auf den Mann stürzte.
Mit dem Griff ihres Schwertes schlug sie Ingo mitten ins Gesicht. Sie traf seine Nase, welche durch den Treffer aufplatzte. Blut schoss aus der Wunde, während der Mann zurücktorkelte. Die Elfe setzte gleich nach und schlug mit der linken Faust aus der Drehung heraus zu. Dieses mal erwischte sie den Unterkiefer des Folterknechtes. Der Kopf wurde zur Seite geschleudert, wobei der Mann ein paar Zähne ausspuckte, die ihm Vernita ausgeschlagen hatte. Er selbst stolperte sogleich, bevor er benommen zu Boden ging. Krachend landete er auf dem harten Stein.
Durch den Lärm schreckten auch die anderen beiden Folterknechte auf und wandte sich um. Der Mann an der Streckbank ließ die Kurbel los und drehte sich um, als er die Elfe schon heranstürmen sah. Aus der Drehung heraus schwang diese ihr Schwert mit welchem sie Roys Kehle aufschlitzte. Das Blut spritzte wie eine Fontäne aus der Wunde, während der Mann zu Röcheln begann. Er sackte auf die Knie und versuchte die Wunde mit seinen Händen zu verschließen. Aber vergeblich. Das Blut lief zwischen seinen Fingern hindurch. Es tropfte auf den Boden, wo es innerhalb kurzer Zeit eine große Blutlache hinterließ. Das Röcheln des Mannes wurde zu einem Gurgeln, bevor er schließlich tot zusammenbrach.
Doch davon bekam Vernita nichts mehr mit. Sie stürmte schon weiter auf den anderen Mann zu, der an der Kettenkurbel stand. Dieser hatte schon sein Messer gezogen und fuchtelte damit wie wild in der Luft herum. Doch er war kein Kämpfer. Er konnte nur gegen wehrlose Opfer bestehen. Trotzdem versuchte er sein Glück.
Er stach mit dem Messer nach Vernita, welche diesen Angriff kommen sah und sofort zur Seite auswich. Dabei ließ sie ihr Schwert von oben durch die Luft sausen. Die Waffe traf das Gelenk des Folterknechtes und trennte dessen Hand mit einem sauberen Hieb von seinem Arm ab. Blut schoss aus der Wunde, während der Mann schreiend und kreischend nach dem Armstumpf griff.
Die Elfe hingegen nutze ihren Schwung für eine komplette Drehung, nach der sie mit der linken Handinnenfläche unter die Nase ihres Opfers schlug. Die Wucht ihres Angriffes brach die getroffene Nase und trieb den Nasenknochen tief in das Gehirn des Mannes. Sein Schreien verstummte fast augenblicklich, bevor er rücklings umfiel und zu Boden krachte, wo er mit schreckgeweiteten Augen tot liegen blieb.
Vernita verharrte für einen Moment mit erhobener Hand in dieser Pose, wobei sie den Toten mit einem wütenden Schnauben in die leblosen Augen sah. Und ein zufriedenes Grinsen legte sich auf ihr Gesicht, während das Blut des Mannes an ihrem Handgelenk herunterlief.
‚Das ging viel zu schnell, du Schwein’, dachte sie noch, bevor sie herumkreiselte und das Schwert fallen ließ. Sofort griff sie nach der Kurbel und drehte sie so schnell sie konnte. Langsam aber sicher zog sie Miandras Kopf aus dem Wasserfass. Das Gesicht der Frau war kalkweiß. Ihre blauen Augen waren weit aufgerissen und starrten nur geradeaus ins Leere. Wasser lief über ihr Gesicht. Ihre langen Haare hingen völlig durchnässt nach unten.
Die Elfe hakte die Kette ein, bevor sie zu Miandra trat und das Fass unter ihr zur Seite schob. Da es komplett mit Wasser gefüllt war, war es recht schwer, doch für Vernita trotzdem kein Problem. Ihre Wut hatte ihre ohnehin beachtlichen Kräfte noch weiter gesteigert. Nachdem das Fass nicht mehr im Weg stand, ging sie zurück zur Kette und ließ Miandra ganz langsam und vorsichtig herunter, bis ihr Körper auf dem Boden lag.
„Schnell! Kümmert euch um Azoth!“ rief Vernita den anderen zu, während sie zu Miandra trat. „Und ich brauche hier Verbandszeug!“
Die Elfe griff nach einer großen, schweren Zange, die in einem Metallkorb an einem Pfeiler neben Miandra stand. Sie nahm all ihre Kraft zusammen, um mit dieser Zange die schweren Ketten zu durchtrennen, mit denen die Hände und Füße der schwarzhaarigen Frau aneinandergefesselt waren. Laut knackend sprangen die Glieder auseinander und fielen klirrend zu Boden. Nachdem sie die Frau soweit befreit hatte, dass diese sich zumindest wieder normal bewegen konnte, warf Vernita die Zange beiseite.
Nun zog die Elfe schnell ihre Handschuhe aus und setzte den Helm ab. Anschließend legte sie ihren Kopf auf Miandras Brust, um nach deren Herzschlag zu suchen. Doch sie hörte nichts. War sie wirklich zu spät gekommen?
So leid es Vernita auch tat, doch ihr blieb keine andere Wahl als Miandra auf den Rücken zu drehen, wenn sie der Frau das Leben retten wollte. Ungeachtet der schweren Verletzungen, die diese erlitten hatte. Doch wenn die Elfe die Atmung der Frau nicht wiederherstellen konnte, war alles andere sowieso egal.
Vernita legte den Kopf der Frau in deren Nacken und nahm deren Nase in den Mund. Dann blies sie zweimal Luft durch Miandras Nasenlöcher. Nun ließ sie von ihrem Kopf ab und suchte die richtige Stelle unterhalb ihrer Brust. Als sie diese gefunden hatte, drückte sie mehrmals hintereinander den Brustkorb nach unten, wobei die Elfe ihren ganzen Körper einsetzte. Einmal knackte es leise. Vermutlich hatte sie eine von Miandras Rippen angebrochen. Doch das spielte im Moment keine Rolle. Anschließend führte Vernita der Frau wieder Luft zu, bevor sie mit der Herzmassage weitermachte. Diesen Vorgang wiederholte sie immer und immer wieder.
„Komm schon!“ keuchte die Elfe. Schweiß stand ihr auf der Stirn. Diese Arbeit war wirklich anstrengend, selbst für sie. Hinzu kam noch ihre Angst, Miandra für immer verloren zu haben. „Atme endlich, verdammt noch mal! Du sollst leben! Hast du verstanden? Du darfst nicht tot sein.“
Verzweiflung machte sich in Vernita breit. Tränen bildeten sich in ihren Augen und liefen langsam ihre Wangen herunter oder tropften direkt auf Miandras Körper. Doch die Elfe würde nicht aufgeben. Eher würde sie solange weitermachen, bis ihre Kraft aufgebraucht war, und sie zusammenbrechen würde. Auch wenn das ihren eigenen Tod bedeuten würde. Das war ihr in diesem Moment egal. Sollte Miandra tatsächlich hier gestorben sein, so gab es nichts mehr, was Vernita etwas bedeutete. Dann würde sie diese Festung in ein Schlachthaus verwandeln. Bis sie schließlich selbst fallen würde.
Und schließlich zahlten sich all ihre Mühen aus. Miandra schnappte plötzlich nach Luft, bevor sie einen heftige Hustenanfall bekam, bei dem sie einiges an Wasser und Schleim erbrach. Vernita drehte den Kopf der Frau zur Seite, damit diese sich komplett entleeren konnte. Nach einer Weile hatte sie alles Wasser ausgespuckt, welches sich in ihren Lungen befunden hatte. Ihre Atmung normalisierte sich langsam, auch wenn sie noch etwas schwer klang.
Nun konnte die Elfe nicht mehr an sich halten. Überglücklich nahm sie Miandra in die Arme und drückte sie fest an sich, wobei sie ihr Gesicht an das ihre schmiegte. Tränen liefen über Vernitas Gesicht, doch zur selben Zeit lachte sie laut und überglücklich. Vor Freude gab sie der Frau einen Kuss auf die Wange und schmiegte sich weiter an sie. Erst nach einer kleinen Weile wurde der Elfe klar, dass es noch nicht vorbei war. Sie mussten noch Miandras Wunden zumindest notdürftig verbinden, wenn diese nicht am Ende noch an Blutverlust sterben sollte.
„Leanora!“ rief Vernita. “Kommt bitte her, und helft mir Miandra zu verbinden. Sie blutet ziemlich stark.“
Die Angesprochene gesellte sich gleich mit dem Verbandszeug zu den beiden. Gemeinsam befreiten sie die schwarzhaarige Frau von ihrer zerfetzten Kleidung, die eh nicht mehr zu gebrauchen war. Erst jetzt konnten die beiden Frauen das wahre Ausmaß von Miandras Verwundungen begutachten. Der Rücken der Frau war von unzähligen Wunden überzogen, die von einer Peitsche stammen mussten. Viele dieser Verletzungen waren bereits verkrustet, also waren sie wenigstens einen Tag alt. Doch einige waren frisch aufgeplatzt und bluteten ziemlich stark. Unterhalb ihrer Brüste und über den gesamten Bauch verteilt verunzierten zudem noch viele Schnittwunden ihren Körper. Diese Wunden waren allerdings frisch, erst wenige Augenblicke alt.
„Wir müssten eigentlich erst ihre Wunden reinigen“, meinte die Elfe zu Leanora gewandt. „Doch dafür haben wir jetzt keine Zeit. Wir verbinden sie erst einmal und kümmern uns intensiv um sie, sobald wir hier raus sind. Verdammt, das dieser elende Magier nie da ist, wenn man ihn mal braucht!“
Während die beiden Frauen Miandra verbanden, machte sich Vernita große Sorgen um die Frau. Obwohl sie bei Bewusstsein war, schien die schwarzhaarige Frau meilenweit von ihnen entfernt zu sein. Ihr Atmung ging zwar langsam und regelmäßig, doch ihre blauen Augen waren glasig und schienen ins Nichts zu blicken. Zudem hatte sie starkes Fieber, ihre Stirn brannte förmlich unter Vernitas Hand.
„Wir müssen sie so schnell wie möglich hier rausschaffen“, bemerkte die Elfe, während sie die Kettenhandschuhe wieder überstreifte. Sie wollte Miandra gerade auf den Armen hochheben, als ihr Blick auf Ingo fiel, der noch benommen neben der Tür lag, durch welche die vier hier hereingekommen waren.
Und nun wurde ihr alles klar. Er war es. Er hatte Miandra das angetan. Die beiden anderen waren nur Handlanger gewesen. Unbedeutende Wichte, die nur ihre Befehle ausgeführt hatten. Ohne eigenen Antrieb oder Willen. Aber dieser Kerl war anders. Er schien es genossen zu haben, den beiden unsägliche Schmerzen zuzufügen oder ihnen bei ihren Leiden zuzusehen. Er war der Initiator dieses Alptraumes. Und dafür sollte er büßen. Vernitas Gesicht verlor jede Regung, als sie aufstand.
„Bleibt einen Moment bei Miandra. Ich habe noch etwas zu erledigen, Leanora“, sagte Vernita und aus ihrer Stimme hörte man deutlich die Wut und den Hass heraus, welcher in ihr hochkam. Niemand sollte nun versuchen, sie von dem abzubringen, was sie jetzt vorhatte. Diese Person würde ihr Handeln bitter bereuen.
Schnaubend schritt sie durch die Folterkammer auf Ingo zu, der nach wie vor auf dem Boden lag und allmählich wieder zu Besinnung kam. Er griff nach seiner Nase, die stark blutete. Fluchend wollte er sich aufsetzen, als die Elfe ihn erreicht hatte, sich über ihn beugte und ihre rechte Hand nach unten schnellen ließ. Sie umklammerte den Hals des Mannes und drückte gnadenlos zu. Ingo fing an zu röcheln, während er Vernitas Handgelenk ergriff und versuchte sich zu befreien. Doch die Kräfte der Elfe schienen sich verzehnfacht zu haben. Er konnte ihren Griff nicht lösen.
Vernita richtete sich wieder auf, ohne ihre Umklammerung zu lösen und zog Ingo mit sich. Dieser stand mühsam auf, um einer Strangulierung zu entgehen, doch er rechnete nicht mit der Entschlossenheit und der zusätzlich gewonnene Kraft der Elfe. Sie stemmte Ingo nach oben, bis seine Füße in der Luft hingen und zu Zappeln begannen. Ihr eisenharter Griff grub sich immer tiefer in den Hals des Mannes, der verzweifelt nach Luft schnappte. Er schlug mit den Fäusten gegen ihren Arm, doch es half nichts. Die Elfe ließ nicht locker.
Vernitas Gesichtszüge waren vor Hass und Anstrengung verzerrt. Der Schweiß lief über ihr Gesicht. Lange würde sie den Kerl nicht mehr hochhalten können. Aber das war auch nicht nötig. Denn dies war nur ein Vorgeschmack. Sie fing gerade erst an. Sie schleuderte Ingo zurück, der nach hinten flog und nach Luft japsend zu Boden ging.
„Du miese Elfenschlampe“, keuchte er, als er sich halbwegs berappelt hatte. Er stützte sich mit der linken Hand an der Mauer ab, während er langsam auf die Füße kam. Vernita zögerte nicht lange, sondern schritt auf Ingo zu, wobei sie nach ihrem Messer griff. Als sie ihn erreicht hatte, zog sie die scharfe Klinge durch die dreckige Visage des Mannes und schlitzte ihm die Backe auf. Blut spritzte der Elfe ins Gesicht, während Ingo wie am Spieß zu Schreien begann.
„Verträgst wohl Deine eigene Medizin nicht, was du Arschloch?!?“ fauchte Vernita, bevor sie Ingos linke Hand, welche sich noch an der Wand abstützte, fester gegen diese drückte und dem Mann den Zeigefinger abschnitt. Und gleich darauf noch den Mittelfinger. „Und ich dachte immer, Typen wie du wären froh, wenn sie noch was neues lernen könnten.“
Dann packte sie den kreischende Ingo am Kragen und schleuderte ihn in die nächste Ecke. Er torkelte blutend und vor Schmerzen schreiend durch den Raum, stolperte über einen Eimer und krachte erneut auf den Steinboden. Er lag nun direkt neben einer großen in der Wand eingelassenen Feuerstelle. Über einigen rotglühenden Kohlen befand sich ein stählernes Gitter, auf dem einige Brandeisen lagen.
Die Elfe zögerte nicht. Sie trat neben den Folterknecht, packte ihn im Genick und zog ihn hoch. Dann zerrte sie ihn zu der Feuerstelle, ergriff eines der Brandeisen und stach es ihm ins Ohr. Das Kreischen Ingos wurde immer schriller, während das glühende Eisen sein Ohr verkohlte. Nach einem kurzen Augenblick warf Vernita das Eisen weg, bevor sie den Mann noch weiter mitzerrte und sein Gesicht auf das heiße Stahlgitter presste. Es zischte laut, als die Gesichtshaut auf das glühende Metall traf. Weiße Schwanden zogen von seinem Kopf auf, während seine Visage verbrannte. In der Luft machte sich ein Gestank nach verkohltem Fleisch breit. Ingo ruderte wie wild mit den Armen, während er wie am Spieß brüllte. Doch außer die Elfe mit seinem eigenen Blut zu besudeln, erreichte er nichts.
„Ist dir das zu warm, du Schwein?“ fragte Vernita spöttisch. „Warte, ich sorge für Abkühlung.“
Sie ließ von der Feuerstelle ab und schleuderte den Kerl ein weiteres Mal durch den Raum. Dicht neben Miandra landete er auf dem Boden, wo er wimmernd liegen blieb. Das innere seines rechten Ohres war schwarz und total verkohlt. Und seine linke Gesichtshälfte zeigten einen deutlichen Abdruck des Gitters, welches die Elfe ihm in die Haut gebrannt hatte. Sein linkes Auge war erblindet und er blutete nach wie vor aus seinen abgeschnittenen Fingern.
„Was liegst du hier so faul auf dem Boden herum, du Wurm. Ich dachte, du wolltest eine Erfrischung“, zischte die Elfe, während sie Ingo wieder hochzog und seinen Kopf in das Wasserfass stopfte. Sie tauchte sein Gesicht vollständig ins Wasser und hielt ihn dort fest. Er strampelte und schlug um sich, während er Wasser schluckte. Ein Teil der Flüssigkeit schwappte über den Rand des Fasses und klatschte auf den Steinboden. Die Elfe grinste böse, während sie den Mann weiter unter Wasser drückte. Doch dann zog sie seinen Kopf wieder heraus. Ingo keuchte, spukte hustend Wasser und schnappte gierig nach Luft.
„So leicht werde ich es dir nicht machen, Bastard!“ fauchte Vernita und stieß den Mann wieder mal durch den Raum. Ingo torkelte in die Richtung zurück, aus der er zuvor gekommen war. Die Elfe hingegen stürmte direkt hinter ihm her und trat noch aus dem Lauf heraus zu. Ihr schwerer Kettenstiefel traf den Mann ins Kreuz. Die Wucht dieses Angriffes beförderte Ingo durch die Tür in den Nachbarraum. Krachend landete er wieder einmal auf den Boden.
Vernita betrat den Raum und sah sich um. Genau hier war der Ort, an dem Ingo sein Leben lassen wollte. Nur auf welche Art und Weise, darüber war sich die Elfe noch nicht klar. Ihr Blick fiel auf die Pfähle und sie grinste breit. Dieses Schwein zu pfählen wäre eigentlich genau das Richtige. Doch leider konnte sie nicht die ganze Zeit hier bleiben und warten, so dass man den Kerl viel zu leicht hätte retten können. So schaute sie sich weiter um.
Der Galgen und der Richtblock schieden ebenfalls aus. Das ging der Elfe zu schnell. Schließlich sollte dieser Bastard vor seinem Ende noch etwas leiden. Dann fiel ihr die Eiserne Jungfrau ins Auge. Es war offenbar eine Spezialanfertigung. Sie besaß nur lange Metallspitzen an ihrer inneren Rückwand, nicht aber an deren Tür, wie es normalerweise üblich war. Ein ausgewachsener Mann konnte also gefahrlos darin stehen, ohne sich schwer zu verletzten. Die Metallspizen würden ihm nur leicht in den Rücken pieksen. Doch sollte dieser Mann versuchen sich hinzusetzen, so würde er sich selbst dabei aufspießen. Zudem besaß die Tür der Jungfrau noch ein schweres Metallschloss, das nicht so leicht zu knacken sein sollte. Dieser Ort schien perfekt für Vernitas Vorhaben, doch fürchtete sie trotzdem, dass ihn auch daraus jemand befreien konnte. Also, was sollte sie tun?
Vernita hatte plötzlich das Gefühl, dass die schlammige Grube die Lösung ihres kleinen Problems war. Doch bevor sie sich dieser näherte, schritt sie noch einmal auf Ingo zu. Wie von Sinnen trat sie dem Mann einige Male in den Bauch und vor die Brust, damit er nicht auf die Idee kam, wieder aufzustehen. Stöhnend und keuchend krümmte er sich unter den Tritten der Frau. Doch in seinem derzeitigen Zustand kam ihm nicht die Ironie in den Sinn, dass er vor nur einem Tag genau dasselbe mit Miandra gemacht hatte.
Nachdem sie sichergestellt hatte, dass Ingo sich vorerst nicht rühren würde, bewegte sich Vernita auf das mit Schlamm gefüllte Becken zu. Dicht davor ging sie in die Hocke und beobachtete für einen Moment die dunkelbraune, blubbernde Masse darin. Irgendwie erinnerte sie das Ganze an einen Sumpf. Und sie bemerkte die schlängelnden Bewegungen dicht unterhalb der Oberfläche des schlammigen Wassers. Und sie glaubte zu wissen, was sich dort bewegte.
„Schauen wir doch mal, was wir hier haben“, murmelte sie leise, bevor sie blitzschnell nach einem der sich bewegenden Objekte griff. Sie tauchte kurz ins Wasser ein, schnappte sich eines der wurmähnliche Geschöpfe und zog ihre Hand sofort wieder heraus. Sie wollte nicht unbedingt mehr Zeit in dieser Brühe verbringen, als unbedingt nötig war. Und als sie sah, was sie nun erbeutet hatte, merkte sie, dass dies das Klügste war, was sie tun konnte.
Fasziniert betrachtete sie den schwarzbraunen, etwa zehn Zentimeter langen Wurm, den sie in der Hand hielt. Er verfügte über unzählige kleine, schwarze Füße und an einem Ende so etwas wie ein Maul, in dem sich viele kleine Zähne zu befinden schienen. Das Geschöpf wand sich im Griff der Elfe, und versuchte sie zu beißen. Doch ihr Kettenhandschuh schützte sie davor, genau wie vor seinen kleinen Füßen, die sich sonst wie Widerhaken in ihre Haut gegraben hätten. Mit einem teuflischen Grinsen auf den Lippen stand Vernita wieder auf und ging zurück zu Ingo.
„Woher habt ihr denn die Blutwurmzecken her? Die gibt es doch eigentlich nur in den Freien Marschen“, meinte die Elfe, als sie den Mann wieder erreicht hatte. Sie ging neben ihn in die Hocke und packte ihm am Kragen. Mit einem diabolischen Grinsen auf den Lippen starrte sie in Ingos verkohltes Gesicht. Und ihre Augen strahlten puren Sadismus aus. „Muss deinen Vorgesetzten einiges gekostet haben, die zu bekommen. Aber ich danke ihm für dieses großzügige Geschenk.“
Sie hielt den Mann den zappelnden Wurm vor die Nase, wobei ihr böses Grinsen offenbar noch breiter wurde. Ingos Augen weiteten sich vor Entsetzen, denn der er wusste, was nun folgen würde. Er hatte es selbst oft genug gesehen, als er seine Opfer mit diesem Geschöpfen ein qualvolles Ende bereitet hatte. Er wollte etwas sagen, brachte aber nur ein unverständliches Krächzen hervor.
„Ich weiß, du Wurm“, lachte Vernita hämisch. „Dein Verwandter und du werden viel Freude miteinander haben. Das ist für Miandra, du mieses Stück Dreck! Und jetzt friss!“
Die Gesichtszüge der Elfe nahmen einen harten und unbarmherzigen Ausdruck an, während sie dem Mann höchst unsanft die Blutwurmzecke in den Mund stopfte. Ingo wehrte sich, wollte dies um jeden Preis verhindern. Doch Vernita war zu stark für ihn. Er würgte, keuchte und röchelte, aber es hatte keinen Sinn. Die Zecke tat ihr übriges dazu, als sie merkte, dass es etwas zu fressen gab. Sie klammerte sich mit ihren Widerhakenfüßen am Gaumen und Rachen ihres Opfers fest und riss diese auf. Blut floss aus den winzigen Wunden und füllte Ingos Mundhöhle, so dass er zu Gurgeln begann.
Das wurmartige Geschöpf kroch die Speiseröhre des Mannes herunter, während Vernita diesem den Mund zuhielt, damit er nicht versuchen konnte, die Zecke wieder aus seinem Rachen zu holen. Doch die Zecke war sehr flink. Innerhalb weniger Augenblicke war sie verschwunden. Sie kletterte eine Weile durch Ingos Körper, wobei ihre Füße kleine, blutende Wunden hinterließ. Schließlich verharrte die Zecke in ihrer Bewegung und begann damit, die Speiseröhre des Mannes mit ihren scharfen Zähnen aufzufressen. Ingo schrie dabei die ganze Zeit wie am Spieß.
„Wie ich sehe, habt ihr beiden euch gleich angefreundet“, sagte Vernita spöttisch. „Aber wir zwei sind trotzdem noch nicht fertig miteinander.“
Die Elfe stand auf und schleifte den Mann mit sich zu der Eisernern Jungfrau. Ingo wehrte sich nicht mehr. Er kreischte, schrie und weinte nur noch vor Schmerzen. Vernita stellte ihn auf die Füße und bugsierte ins Innere der Jungfrau. Ingo blieb stocksteif stehen, als er die Spitzen in seinem Rücken spürte. Doch die Schmerzen veranlassten ihn zu starken Schüttelkrämpfen, was zu Folge hatten, dass sich einige dieser Metallspieße leicht in das Fleisch seines Körpers bohrten, und warmes Blut aus seinen Wunden floss.
Vernita schloss die schwere Stahltür der Eisernen Jungfrau, wobei es ein krachendes und endgültig klingendes Geräusch gab. Mit versteinerte Miene sah sie Ingo durch den Sehschlitz in die angstgeweiteten Augen. Und ihr Blick strahlte dabei eine eisige Kälte aus.
„Ich lasse dir jetzt die Wahl, du dreckiges Ding!“ zischte sie gefährlich leise. „Entweder lässt du dich von der Blutwurmzecke langsam auffressen oder du lässt dich in die Spitzen der Eisernen Jungfrau fallen. Es liegt ganz bei dir. Ich wünsche dir noch einen angenehmen Tag! Möge dein Schöpfer dich für immer verfluchen, für das, was du getan hast!“
Vernita wandte sich ab und verriegelte die Jungfrau mit dem schweren Stahlschloss. Zweimal drehte sie den Schlüssel herum, bevor sie sich eine Zange nahm, die neben dem Hinrichtungsgerät lag. Sie setzte die Zange an den Stift des Schlüssels an, bevor sie diesen lautknackend im Schloss abbrach. Nun würde niemand Ingo so schnell aus der Jungfrau befreien können. Und selbst wenn es jemanden gelingen sollte, so würde die Blutwurmzecke ihm den Rest geben. Das Schicksal dieses Menschenschinders war besiegelt. Ein für allemal!
Mit einer abfälligen Handbewegung warf Vernita die Zange zur Seite, während sie zurück zu ihren Gefährten ging. Ohne Ingo auch noch eines Blickes zu würdigen verließ sie den Hinrichtungsraum, schloss die Tür hinter sich und ließ den Mann zum Sterben zurück.
Ein kurzer Blick der Elfe genügte, um dies zu erkennen. Denn hier gab es einen Galgen, einen Richtblock, in dem eine große, zweischneidige Axt steckte, eine Eiserne Jungfrau, mehrere lange, am Boden befestigte Pfähle, deren obere Enden angespitzt waren, sowie eine schlammige Grube, in der sich irgendetwas schlängelte. Hierhin brachten sie also die Personen, die für immer verschwinden sollten.
Ansonsten war der Raum leer. Niemand war hier. Trotzdem hörte Vernita ein Geräusch. Es war ein lautes Lachen, welches aus dem Nebenraum erschallte. Unter dem Türspalt auf der anderen Seite drang ein schwacher Lichtschein hindurch. Dort mussten sich Miandra und Azoth befinden. Da war sich die Elfe ganz sicher. Schnell durchquerte sie den Raum, wobei sie das Langschwert der Wache zog. Die anderen drei folgten ihr.
Sie riss die Tür auf der anderen Seite des Raumes auf und...verharrte mitten in der Bewegung. Was sie sah war einfach zuviel für sie. Sie hatte mit einigem gerechnet und sich auf das Schlimmste vorbereitet, doch es jetzt mit eigenen Augen tatsächlich sehen zu müssen, ließ sie vor Entsetzen erstarren. Wie gebannt starrte sie auf die dargebotene Zurschaustellung physischer Gewalt. Ihr Gesicht war wie versteinert.
Vernita erblickte Azoth, der auf einer Streckbank lag. Sein Körper war blutüberströmt und mit zahlreichen Wunden versehen. Er presste die Zähne fest aufeinander, während ein Mann neben der Bank stand und langsam an der großen Kurbel drehte, um den Elf in Stücke zu zerreißen. Doch dieser Anblick war es nicht, der die Elfe so schockierte. Nein, so etwas hatte sie schon einmal gesehen. Und auch wenn sie Azoth den Tod nicht gönnte, so war ihr sein Schicksal im Grunde egal. Er war nur ein Mann. Davon gab es genug.
Aber auf der anderen Seite des Raumes erblickte die Elfe einen zweiten Mann, der an einer Kurbel stand, an der eine Kette befestigt war. Und am anderen Ende dieser Kette hing eine Frau kopfüber von der Decke, wobei ihr kompletter Schädel in ein mit Wasser gefülltes Fass getaucht war. Obwohl Vernita das Gesicht der Frau nicht sehen konnte, so wusste sie doch, dass es sich dabei um Miandra handelte. Und das Schlimmste an der ganzen Sache war, dass sich ihr geschundener Körper nicht bewegte. Nicht mal ein bisschen. War Vernita zu spät gekommen? Hatte sie versagt? Hatte sie Miandra im Stich gelassen und für immer verloren? Und war dieser ganze Zirkus hier umsonst gewesen?
Vernitas Furcht und Entsetzen wich langsam aus ihrem Körper. Stattdessen machte sich die Wut in ihr breit. Wut und unbändiger Hass. Sie stand immer noch stocksteif in der Tür, doch nun begannen ihre Hände zu zittern. Krampfhaft hielt sie den Griff des Schwertes umklammert, während das Zittern immer stärker wurde und bald schon ihren ganze Körper erfasst hatte. Gleich würde der Hass in ihr explodieren. Das Ganze dauerte nur wenige Augenblicke, doch für die Elfe war es die längste Zeitspanne in ihrem bisherigen Leben gewesen. Diesen Moment würde sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis brennen.
Inzwischen waren auch Leanora und Lydia hinter Vernita aufgetaucht und beobachteten mit schreckgeweiteten Augen dieses makabere Schauspiel. Ein leiser Schrei entwich der Kehle der Frau, wodurch sie Ingos Aufmerksamkeit erregte. Dieser stand auf und ging lachend auf die drei zu.
„Na, bringst du uns Frischfleisch, Kleine“, lachte er dreckig. „Wird auch Zeit. Die beiden sind schon etwas ausgelutscht.“
Die Worte des Mannes brachten das Fass zum Überlaufen. Die Starre fiel augenblicklich vom Körper der Elfe ab. Ruckartig wandte sie den Kopf in Ingos Richtung. Sie sah seine dreckig grinsende Visage, und ihr Gesicht verwandelte sich in eine Maske des Hasses. Ihre dunklen Augen blitzen wie zwei Diamanten im Sonnenlicht auf. Ein lauter, wütender Schrei drang über ihre Lippen, als sie sich auf den Mann stürzte.
Mit dem Griff ihres Schwertes schlug sie Ingo mitten ins Gesicht. Sie traf seine Nase, welche durch den Treffer aufplatzte. Blut schoss aus der Wunde, während der Mann zurücktorkelte. Die Elfe setzte gleich nach und schlug mit der linken Faust aus der Drehung heraus zu. Dieses mal erwischte sie den Unterkiefer des Folterknechtes. Der Kopf wurde zur Seite geschleudert, wobei der Mann ein paar Zähne ausspuckte, die ihm Vernita ausgeschlagen hatte. Er selbst stolperte sogleich, bevor er benommen zu Boden ging. Krachend landete er auf dem harten Stein.
Durch den Lärm schreckten auch die anderen beiden Folterknechte auf und wandte sich um. Der Mann an der Streckbank ließ die Kurbel los und drehte sich um, als er die Elfe schon heranstürmen sah. Aus der Drehung heraus schwang diese ihr Schwert mit welchem sie Roys Kehle aufschlitzte. Das Blut spritzte wie eine Fontäne aus der Wunde, während der Mann zu Röcheln begann. Er sackte auf die Knie und versuchte die Wunde mit seinen Händen zu verschließen. Aber vergeblich. Das Blut lief zwischen seinen Fingern hindurch. Es tropfte auf den Boden, wo es innerhalb kurzer Zeit eine große Blutlache hinterließ. Das Röcheln des Mannes wurde zu einem Gurgeln, bevor er schließlich tot zusammenbrach.
Doch davon bekam Vernita nichts mehr mit. Sie stürmte schon weiter auf den anderen Mann zu, der an der Kettenkurbel stand. Dieser hatte schon sein Messer gezogen und fuchtelte damit wie wild in der Luft herum. Doch er war kein Kämpfer. Er konnte nur gegen wehrlose Opfer bestehen. Trotzdem versuchte er sein Glück.
Er stach mit dem Messer nach Vernita, welche diesen Angriff kommen sah und sofort zur Seite auswich. Dabei ließ sie ihr Schwert von oben durch die Luft sausen. Die Waffe traf das Gelenk des Folterknechtes und trennte dessen Hand mit einem sauberen Hieb von seinem Arm ab. Blut schoss aus der Wunde, während der Mann schreiend und kreischend nach dem Armstumpf griff.
Die Elfe hingegen nutze ihren Schwung für eine komplette Drehung, nach der sie mit der linken Handinnenfläche unter die Nase ihres Opfers schlug. Die Wucht ihres Angriffes brach die getroffene Nase und trieb den Nasenknochen tief in das Gehirn des Mannes. Sein Schreien verstummte fast augenblicklich, bevor er rücklings umfiel und zu Boden krachte, wo er mit schreckgeweiteten Augen tot liegen blieb.
Vernita verharrte für einen Moment mit erhobener Hand in dieser Pose, wobei sie den Toten mit einem wütenden Schnauben in die leblosen Augen sah. Und ein zufriedenes Grinsen legte sich auf ihr Gesicht, während das Blut des Mannes an ihrem Handgelenk herunterlief.
‚Das ging viel zu schnell, du Schwein’, dachte sie noch, bevor sie herumkreiselte und das Schwert fallen ließ. Sofort griff sie nach der Kurbel und drehte sie so schnell sie konnte. Langsam aber sicher zog sie Miandras Kopf aus dem Wasserfass. Das Gesicht der Frau war kalkweiß. Ihre blauen Augen waren weit aufgerissen und starrten nur geradeaus ins Leere. Wasser lief über ihr Gesicht. Ihre langen Haare hingen völlig durchnässt nach unten.
Die Elfe hakte die Kette ein, bevor sie zu Miandra trat und das Fass unter ihr zur Seite schob. Da es komplett mit Wasser gefüllt war, war es recht schwer, doch für Vernita trotzdem kein Problem. Ihre Wut hatte ihre ohnehin beachtlichen Kräfte noch weiter gesteigert. Nachdem das Fass nicht mehr im Weg stand, ging sie zurück zur Kette und ließ Miandra ganz langsam und vorsichtig herunter, bis ihr Körper auf dem Boden lag.
„Schnell! Kümmert euch um Azoth!“ rief Vernita den anderen zu, während sie zu Miandra trat. „Und ich brauche hier Verbandszeug!“
Die Elfe griff nach einer großen, schweren Zange, die in einem Metallkorb an einem Pfeiler neben Miandra stand. Sie nahm all ihre Kraft zusammen, um mit dieser Zange die schweren Ketten zu durchtrennen, mit denen die Hände und Füße der schwarzhaarigen Frau aneinandergefesselt waren. Laut knackend sprangen die Glieder auseinander und fielen klirrend zu Boden. Nachdem sie die Frau soweit befreit hatte, dass diese sich zumindest wieder normal bewegen konnte, warf Vernita die Zange beiseite.
Nun zog die Elfe schnell ihre Handschuhe aus und setzte den Helm ab. Anschließend legte sie ihren Kopf auf Miandras Brust, um nach deren Herzschlag zu suchen. Doch sie hörte nichts. War sie wirklich zu spät gekommen?
So leid es Vernita auch tat, doch ihr blieb keine andere Wahl als Miandra auf den Rücken zu drehen, wenn sie der Frau das Leben retten wollte. Ungeachtet der schweren Verletzungen, die diese erlitten hatte. Doch wenn die Elfe die Atmung der Frau nicht wiederherstellen konnte, war alles andere sowieso egal.
Vernita legte den Kopf der Frau in deren Nacken und nahm deren Nase in den Mund. Dann blies sie zweimal Luft durch Miandras Nasenlöcher. Nun ließ sie von ihrem Kopf ab und suchte die richtige Stelle unterhalb ihrer Brust. Als sie diese gefunden hatte, drückte sie mehrmals hintereinander den Brustkorb nach unten, wobei die Elfe ihren ganzen Körper einsetzte. Einmal knackte es leise. Vermutlich hatte sie eine von Miandras Rippen angebrochen. Doch das spielte im Moment keine Rolle. Anschließend führte Vernita der Frau wieder Luft zu, bevor sie mit der Herzmassage weitermachte. Diesen Vorgang wiederholte sie immer und immer wieder.
„Komm schon!“ keuchte die Elfe. Schweiß stand ihr auf der Stirn. Diese Arbeit war wirklich anstrengend, selbst für sie. Hinzu kam noch ihre Angst, Miandra für immer verloren zu haben. „Atme endlich, verdammt noch mal! Du sollst leben! Hast du verstanden? Du darfst nicht tot sein.“
Verzweiflung machte sich in Vernita breit. Tränen bildeten sich in ihren Augen und liefen langsam ihre Wangen herunter oder tropften direkt auf Miandras Körper. Doch die Elfe würde nicht aufgeben. Eher würde sie solange weitermachen, bis ihre Kraft aufgebraucht war, und sie zusammenbrechen würde. Auch wenn das ihren eigenen Tod bedeuten würde. Das war ihr in diesem Moment egal. Sollte Miandra tatsächlich hier gestorben sein, so gab es nichts mehr, was Vernita etwas bedeutete. Dann würde sie diese Festung in ein Schlachthaus verwandeln. Bis sie schließlich selbst fallen würde.
Und schließlich zahlten sich all ihre Mühen aus. Miandra schnappte plötzlich nach Luft, bevor sie einen heftige Hustenanfall bekam, bei dem sie einiges an Wasser und Schleim erbrach. Vernita drehte den Kopf der Frau zur Seite, damit diese sich komplett entleeren konnte. Nach einer Weile hatte sie alles Wasser ausgespuckt, welches sich in ihren Lungen befunden hatte. Ihre Atmung normalisierte sich langsam, auch wenn sie noch etwas schwer klang.
Nun konnte die Elfe nicht mehr an sich halten. Überglücklich nahm sie Miandra in die Arme und drückte sie fest an sich, wobei sie ihr Gesicht an das ihre schmiegte. Tränen liefen über Vernitas Gesicht, doch zur selben Zeit lachte sie laut und überglücklich. Vor Freude gab sie der Frau einen Kuss auf die Wange und schmiegte sich weiter an sie. Erst nach einer kleinen Weile wurde der Elfe klar, dass es noch nicht vorbei war. Sie mussten noch Miandras Wunden zumindest notdürftig verbinden, wenn diese nicht am Ende noch an Blutverlust sterben sollte.
„Leanora!“ rief Vernita. “Kommt bitte her, und helft mir Miandra zu verbinden. Sie blutet ziemlich stark.“
Die Angesprochene gesellte sich gleich mit dem Verbandszeug zu den beiden. Gemeinsam befreiten sie die schwarzhaarige Frau von ihrer zerfetzten Kleidung, die eh nicht mehr zu gebrauchen war. Erst jetzt konnten die beiden Frauen das wahre Ausmaß von Miandras Verwundungen begutachten. Der Rücken der Frau war von unzähligen Wunden überzogen, die von einer Peitsche stammen mussten. Viele dieser Verletzungen waren bereits verkrustet, also waren sie wenigstens einen Tag alt. Doch einige waren frisch aufgeplatzt und bluteten ziemlich stark. Unterhalb ihrer Brüste und über den gesamten Bauch verteilt verunzierten zudem noch viele Schnittwunden ihren Körper. Diese Wunden waren allerdings frisch, erst wenige Augenblicke alt.
„Wir müssten eigentlich erst ihre Wunden reinigen“, meinte die Elfe zu Leanora gewandt. „Doch dafür haben wir jetzt keine Zeit. Wir verbinden sie erst einmal und kümmern uns intensiv um sie, sobald wir hier raus sind. Verdammt, das dieser elende Magier nie da ist, wenn man ihn mal braucht!“
Während die beiden Frauen Miandra verbanden, machte sich Vernita große Sorgen um die Frau. Obwohl sie bei Bewusstsein war, schien die schwarzhaarige Frau meilenweit von ihnen entfernt zu sein. Ihr Atmung ging zwar langsam und regelmäßig, doch ihre blauen Augen waren glasig und schienen ins Nichts zu blicken. Zudem hatte sie starkes Fieber, ihre Stirn brannte förmlich unter Vernitas Hand.
„Wir müssen sie so schnell wie möglich hier rausschaffen“, bemerkte die Elfe, während sie die Kettenhandschuhe wieder überstreifte. Sie wollte Miandra gerade auf den Armen hochheben, als ihr Blick auf Ingo fiel, der noch benommen neben der Tür lag, durch welche die vier hier hereingekommen waren.
Und nun wurde ihr alles klar. Er war es. Er hatte Miandra das angetan. Die beiden anderen waren nur Handlanger gewesen. Unbedeutende Wichte, die nur ihre Befehle ausgeführt hatten. Ohne eigenen Antrieb oder Willen. Aber dieser Kerl war anders. Er schien es genossen zu haben, den beiden unsägliche Schmerzen zuzufügen oder ihnen bei ihren Leiden zuzusehen. Er war der Initiator dieses Alptraumes. Und dafür sollte er büßen. Vernitas Gesicht verlor jede Regung, als sie aufstand.
„Bleibt einen Moment bei Miandra. Ich habe noch etwas zu erledigen, Leanora“, sagte Vernita und aus ihrer Stimme hörte man deutlich die Wut und den Hass heraus, welcher in ihr hochkam. Niemand sollte nun versuchen, sie von dem abzubringen, was sie jetzt vorhatte. Diese Person würde ihr Handeln bitter bereuen.
Schnaubend schritt sie durch die Folterkammer auf Ingo zu, der nach wie vor auf dem Boden lag und allmählich wieder zu Besinnung kam. Er griff nach seiner Nase, die stark blutete. Fluchend wollte er sich aufsetzen, als die Elfe ihn erreicht hatte, sich über ihn beugte und ihre rechte Hand nach unten schnellen ließ. Sie umklammerte den Hals des Mannes und drückte gnadenlos zu. Ingo fing an zu röcheln, während er Vernitas Handgelenk ergriff und versuchte sich zu befreien. Doch die Kräfte der Elfe schienen sich verzehnfacht zu haben. Er konnte ihren Griff nicht lösen.
Vernita richtete sich wieder auf, ohne ihre Umklammerung zu lösen und zog Ingo mit sich. Dieser stand mühsam auf, um einer Strangulierung zu entgehen, doch er rechnete nicht mit der Entschlossenheit und der zusätzlich gewonnene Kraft der Elfe. Sie stemmte Ingo nach oben, bis seine Füße in der Luft hingen und zu Zappeln begannen. Ihr eisenharter Griff grub sich immer tiefer in den Hals des Mannes, der verzweifelt nach Luft schnappte. Er schlug mit den Fäusten gegen ihren Arm, doch es half nichts. Die Elfe ließ nicht locker.
Vernitas Gesichtszüge waren vor Hass und Anstrengung verzerrt. Der Schweiß lief über ihr Gesicht. Lange würde sie den Kerl nicht mehr hochhalten können. Aber das war auch nicht nötig. Denn dies war nur ein Vorgeschmack. Sie fing gerade erst an. Sie schleuderte Ingo zurück, der nach hinten flog und nach Luft japsend zu Boden ging.
„Du miese Elfenschlampe“, keuchte er, als er sich halbwegs berappelt hatte. Er stützte sich mit der linken Hand an der Mauer ab, während er langsam auf die Füße kam. Vernita zögerte nicht lange, sondern schritt auf Ingo zu, wobei sie nach ihrem Messer griff. Als sie ihn erreicht hatte, zog sie die scharfe Klinge durch die dreckige Visage des Mannes und schlitzte ihm die Backe auf. Blut spritzte der Elfe ins Gesicht, während Ingo wie am Spieß zu Schreien begann.
„Verträgst wohl Deine eigene Medizin nicht, was du Arschloch?!?“ fauchte Vernita, bevor sie Ingos linke Hand, welche sich noch an der Wand abstützte, fester gegen diese drückte und dem Mann den Zeigefinger abschnitt. Und gleich darauf noch den Mittelfinger. „Und ich dachte immer, Typen wie du wären froh, wenn sie noch was neues lernen könnten.“
Dann packte sie den kreischende Ingo am Kragen und schleuderte ihn in die nächste Ecke. Er torkelte blutend und vor Schmerzen schreiend durch den Raum, stolperte über einen Eimer und krachte erneut auf den Steinboden. Er lag nun direkt neben einer großen in der Wand eingelassenen Feuerstelle. Über einigen rotglühenden Kohlen befand sich ein stählernes Gitter, auf dem einige Brandeisen lagen.
Die Elfe zögerte nicht. Sie trat neben den Folterknecht, packte ihn im Genick und zog ihn hoch. Dann zerrte sie ihn zu der Feuerstelle, ergriff eines der Brandeisen und stach es ihm ins Ohr. Das Kreischen Ingos wurde immer schriller, während das glühende Eisen sein Ohr verkohlte. Nach einem kurzen Augenblick warf Vernita das Eisen weg, bevor sie den Mann noch weiter mitzerrte und sein Gesicht auf das heiße Stahlgitter presste. Es zischte laut, als die Gesichtshaut auf das glühende Metall traf. Weiße Schwanden zogen von seinem Kopf auf, während seine Visage verbrannte. In der Luft machte sich ein Gestank nach verkohltem Fleisch breit. Ingo ruderte wie wild mit den Armen, während er wie am Spieß brüllte. Doch außer die Elfe mit seinem eigenen Blut zu besudeln, erreichte er nichts.
„Ist dir das zu warm, du Schwein?“ fragte Vernita spöttisch. „Warte, ich sorge für Abkühlung.“
Sie ließ von der Feuerstelle ab und schleuderte den Kerl ein weiteres Mal durch den Raum. Dicht neben Miandra landete er auf dem Boden, wo er wimmernd liegen blieb. Das innere seines rechten Ohres war schwarz und total verkohlt. Und seine linke Gesichtshälfte zeigten einen deutlichen Abdruck des Gitters, welches die Elfe ihm in die Haut gebrannt hatte. Sein linkes Auge war erblindet und er blutete nach wie vor aus seinen abgeschnittenen Fingern.
„Was liegst du hier so faul auf dem Boden herum, du Wurm. Ich dachte, du wolltest eine Erfrischung“, zischte die Elfe, während sie Ingo wieder hochzog und seinen Kopf in das Wasserfass stopfte. Sie tauchte sein Gesicht vollständig ins Wasser und hielt ihn dort fest. Er strampelte und schlug um sich, während er Wasser schluckte. Ein Teil der Flüssigkeit schwappte über den Rand des Fasses und klatschte auf den Steinboden. Die Elfe grinste böse, während sie den Mann weiter unter Wasser drückte. Doch dann zog sie seinen Kopf wieder heraus. Ingo keuchte, spukte hustend Wasser und schnappte gierig nach Luft.
„So leicht werde ich es dir nicht machen, Bastard!“ fauchte Vernita und stieß den Mann wieder mal durch den Raum. Ingo torkelte in die Richtung zurück, aus der er zuvor gekommen war. Die Elfe hingegen stürmte direkt hinter ihm her und trat noch aus dem Lauf heraus zu. Ihr schwerer Kettenstiefel traf den Mann ins Kreuz. Die Wucht dieses Angriffes beförderte Ingo durch die Tür in den Nachbarraum. Krachend landete er wieder einmal auf den Boden.
Vernita betrat den Raum und sah sich um. Genau hier war der Ort, an dem Ingo sein Leben lassen wollte. Nur auf welche Art und Weise, darüber war sich die Elfe noch nicht klar. Ihr Blick fiel auf die Pfähle und sie grinste breit. Dieses Schwein zu pfählen wäre eigentlich genau das Richtige. Doch leider konnte sie nicht die ganze Zeit hier bleiben und warten, so dass man den Kerl viel zu leicht hätte retten können. So schaute sie sich weiter um.
Der Galgen und der Richtblock schieden ebenfalls aus. Das ging der Elfe zu schnell. Schließlich sollte dieser Bastard vor seinem Ende noch etwas leiden. Dann fiel ihr die Eiserne Jungfrau ins Auge. Es war offenbar eine Spezialanfertigung. Sie besaß nur lange Metallspitzen an ihrer inneren Rückwand, nicht aber an deren Tür, wie es normalerweise üblich war. Ein ausgewachsener Mann konnte also gefahrlos darin stehen, ohne sich schwer zu verletzten. Die Metallspizen würden ihm nur leicht in den Rücken pieksen. Doch sollte dieser Mann versuchen sich hinzusetzen, so würde er sich selbst dabei aufspießen. Zudem besaß die Tür der Jungfrau noch ein schweres Metallschloss, das nicht so leicht zu knacken sein sollte. Dieser Ort schien perfekt für Vernitas Vorhaben, doch fürchtete sie trotzdem, dass ihn auch daraus jemand befreien konnte. Also, was sollte sie tun?
Vernita hatte plötzlich das Gefühl, dass die schlammige Grube die Lösung ihres kleinen Problems war. Doch bevor sie sich dieser näherte, schritt sie noch einmal auf Ingo zu. Wie von Sinnen trat sie dem Mann einige Male in den Bauch und vor die Brust, damit er nicht auf die Idee kam, wieder aufzustehen. Stöhnend und keuchend krümmte er sich unter den Tritten der Frau. Doch in seinem derzeitigen Zustand kam ihm nicht die Ironie in den Sinn, dass er vor nur einem Tag genau dasselbe mit Miandra gemacht hatte.
Nachdem sie sichergestellt hatte, dass Ingo sich vorerst nicht rühren würde, bewegte sich Vernita auf das mit Schlamm gefüllte Becken zu. Dicht davor ging sie in die Hocke und beobachtete für einen Moment die dunkelbraune, blubbernde Masse darin. Irgendwie erinnerte sie das Ganze an einen Sumpf. Und sie bemerkte die schlängelnden Bewegungen dicht unterhalb der Oberfläche des schlammigen Wassers. Und sie glaubte zu wissen, was sich dort bewegte.
„Schauen wir doch mal, was wir hier haben“, murmelte sie leise, bevor sie blitzschnell nach einem der sich bewegenden Objekte griff. Sie tauchte kurz ins Wasser ein, schnappte sich eines der wurmähnliche Geschöpfe und zog ihre Hand sofort wieder heraus. Sie wollte nicht unbedingt mehr Zeit in dieser Brühe verbringen, als unbedingt nötig war. Und als sie sah, was sie nun erbeutet hatte, merkte sie, dass dies das Klügste war, was sie tun konnte.
Fasziniert betrachtete sie den schwarzbraunen, etwa zehn Zentimeter langen Wurm, den sie in der Hand hielt. Er verfügte über unzählige kleine, schwarze Füße und an einem Ende so etwas wie ein Maul, in dem sich viele kleine Zähne zu befinden schienen. Das Geschöpf wand sich im Griff der Elfe, und versuchte sie zu beißen. Doch ihr Kettenhandschuh schützte sie davor, genau wie vor seinen kleinen Füßen, die sich sonst wie Widerhaken in ihre Haut gegraben hätten. Mit einem teuflischen Grinsen auf den Lippen stand Vernita wieder auf und ging zurück zu Ingo.
„Woher habt ihr denn die Blutwurmzecken her? Die gibt es doch eigentlich nur in den Freien Marschen“, meinte die Elfe, als sie den Mann wieder erreicht hatte. Sie ging neben ihn in die Hocke und packte ihm am Kragen. Mit einem diabolischen Grinsen auf den Lippen starrte sie in Ingos verkohltes Gesicht. Und ihre Augen strahlten puren Sadismus aus. „Muss deinen Vorgesetzten einiges gekostet haben, die zu bekommen. Aber ich danke ihm für dieses großzügige Geschenk.“
Sie hielt den Mann den zappelnden Wurm vor die Nase, wobei ihr böses Grinsen offenbar noch breiter wurde. Ingos Augen weiteten sich vor Entsetzen, denn der er wusste, was nun folgen würde. Er hatte es selbst oft genug gesehen, als er seine Opfer mit diesem Geschöpfen ein qualvolles Ende bereitet hatte. Er wollte etwas sagen, brachte aber nur ein unverständliches Krächzen hervor.
„Ich weiß, du Wurm“, lachte Vernita hämisch. „Dein Verwandter und du werden viel Freude miteinander haben. Das ist für Miandra, du mieses Stück Dreck! Und jetzt friss!“
Die Gesichtszüge der Elfe nahmen einen harten und unbarmherzigen Ausdruck an, während sie dem Mann höchst unsanft die Blutwurmzecke in den Mund stopfte. Ingo wehrte sich, wollte dies um jeden Preis verhindern. Doch Vernita war zu stark für ihn. Er würgte, keuchte und röchelte, aber es hatte keinen Sinn. Die Zecke tat ihr übriges dazu, als sie merkte, dass es etwas zu fressen gab. Sie klammerte sich mit ihren Widerhakenfüßen am Gaumen und Rachen ihres Opfers fest und riss diese auf. Blut floss aus den winzigen Wunden und füllte Ingos Mundhöhle, so dass er zu Gurgeln begann.
Das wurmartige Geschöpf kroch die Speiseröhre des Mannes herunter, während Vernita diesem den Mund zuhielt, damit er nicht versuchen konnte, die Zecke wieder aus seinem Rachen zu holen. Doch die Zecke war sehr flink. Innerhalb weniger Augenblicke war sie verschwunden. Sie kletterte eine Weile durch Ingos Körper, wobei ihre Füße kleine, blutende Wunden hinterließ. Schließlich verharrte die Zecke in ihrer Bewegung und begann damit, die Speiseröhre des Mannes mit ihren scharfen Zähnen aufzufressen. Ingo schrie dabei die ganze Zeit wie am Spieß.
„Wie ich sehe, habt ihr beiden euch gleich angefreundet“, sagte Vernita spöttisch. „Aber wir zwei sind trotzdem noch nicht fertig miteinander.“
Die Elfe stand auf und schleifte den Mann mit sich zu der Eisernern Jungfrau. Ingo wehrte sich nicht mehr. Er kreischte, schrie und weinte nur noch vor Schmerzen. Vernita stellte ihn auf die Füße und bugsierte ins Innere der Jungfrau. Ingo blieb stocksteif stehen, als er die Spitzen in seinem Rücken spürte. Doch die Schmerzen veranlassten ihn zu starken Schüttelkrämpfen, was zu Folge hatten, dass sich einige dieser Metallspieße leicht in das Fleisch seines Körpers bohrten, und warmes Blut aus seinen Wunden floss.
Vernita schloss die schwere Stahltür der Eisernen Jungfrau, wobei es ein krachendes und endgültig klingendes Geräusch gab. Mit versteinerte Miene sah sie Ingo durch den Sehschlitz in die angstgeweiteten Augen. Und ihr Blick strahlte dabei eine eisige Kälte aus.
„Ich lasse dir jetzt die Wahl, du dreckiges Ding!“ zischte sie gefährlich leise. „Entweder lässt du dich von der Blutwurmzecke langsam auffressen oder du lässt dich in die Spitzen der Eisernen Jungfrau fallen. Es liegt ganz bei dir. Ich wünsche dir noch einen angenehmen Tag! Möge dein Schöpfer dich für immer verfluchen, für das, was du getan hast!“
Vernita wandte sich ab und verriegelte die Jungfrau mit dem schweren Stahlschloss. Zweimal drehte sie den Schlüssel herum, bevor sie sich eine Zange nahm, die neben dem Hinrichtungsgerät lag. Sie setzte die Zange an den Stift des Schlüssels an, bevor sie diesen lautknackend im Schloss abbrach. Nun würde niemand Ingo so schnell aus der Jungfrau befreien können. Und selbst wenn es jemanden gelingen sollte, so würde die Blutwurmzecke ihm den Rest geben. Das Schicksal dieses Menschenschinders war besiegelt. Ein für allemal!
Mit einer abfälligen Handbewegung warf Vernita die Zange zur Seite, während sie zurück zu ihren Gefährten ging. Ohne Ingo auch noch eines Blickes zu würdigen verließ sie den Hinrichtungsraum, schloss die Tür hinter sich und ließ den Mann zum Sterben zurück.
#964
Posté 26 septembre 2010 - 05:14
Rowan bog um die Ecke, um die die Tiere gerannt gekommen waren. Sie stand am Anfang eines Ganges, der mit Unrat und Hundekot übersäht war. Angewidert zog sie die Nase kraus und bahnte sich humpelnd ihren Weg durch den Schmutz. Am Ende des Ganges befand sich eine kleine Treppe nach oben. Davor ging eine kleine Kammer nach links ab. Rowan leuchtete hinein und erschauderte. Neben einigen größeren Käfigen lagen dort auch zwei tote Mabari aus dem Boden. Bei genauerer Betrachtung konnte sie erkennen, dass größere Stücke ihrer Muskeln und der Haut von ihrem Gerippe abgerissen waren. Die armen Tiere mussten sehr verzweifelt gewesen sein.
Rowan löste sich von dem grausigen Anblick und leuchtete sie Treppe hinauf. Sie endete an einer massiven Holztür. Einen Moment hielt sie inne und entlastete ihr verletztes Bein, bevor sie sich nach oben wandte. Leise legte sie ihr Ohr an die Tür und lauschte. Auf der anderen Seite war nichts zu hören. Eine Weile wartete sie und als sich weiterhin nichts rührte testete sie, ob sie die Tür öffnen konnte. Nichts bewegte sich. Nachdem sie leicht daran gerüttelt hatte, verharrte sie wieder kurz, doch es blieb still auf der anderen Seite.
Aus ihrem Gürtel löste sie einen passenden Dietrich und steckte ihn in das Schloss. Sie versuchte, ihn zu drehen, doch es passierte nichts. Sie kramte noch ein am Ende abgeflachtes Stück Draht hervor und schob es neben den Dietrich ins Schloss. Sie drückte beide Werkzeuge voneinander weg, doch der Draht rutschte ihr aus der blutverschmierten Hand und fiel zu Boden. Sie hob ihn auf, versuchte es erneut und merkte, wie sich im Inneren des Schlosses ein Mechanismus löste. Mit einem leisen Klicken sprang die Tür einen Spalt auf. Rowan verstaute ihr Werkzeug wieder und zog ihre beiden Messer. Vorsichtig schob sie die Tür mit dem Fuß auf und spähte in einen kleinen Raum hinein, der komplett leer war. Auf der gegenüberliegenden Seite war eine weitere Tür. Unter der Tür war schwaches Licht zu erkennen.
Sie war nun sicher, dass sie sich in den unteren Gefilden von Fort Drakon befand und rechnete damit, auf Wachen zu treffen. Den leuchtenden Stein von Hennrik legte sie auf der obersten Stufe der Treppe ab. Sie hoffte, dass er auf ihrem Rückweg noch leuchten würde.
Hinter der nächsten Tür hörte sie ein Geräusch. Es war ein leise schnaufen, das von links kam. Ansonsten war es ruhig.
Rowan machte sich bereit. In einer fließenden Bewegung öffnete sie die unverschlossene Tür und drehte sich nach links um. Neben der Tür saß ein gepanzerter Mann auf einem kleinen Holzschemel. Sein Helm lag neben ihm auf dem Boden und er hatte den Kopf an die Wand gelehnt. Ruckartig fuhr er herum und starrte Rowan überrascht an als diese durch die Tür trat. Bevor er reagieren konnte, hatte sie ihm den Griff ihrer Waffe an die Schläfe geschlagen und er fiel bewusstlos von seinem Sitz herunter. Krachend kam er auf dem Boden zum liegen. Schnell packte ihn Rowan am Kragen und zog ihn in den kleinen Raum, aus dem sie gekommen war. Es bereitete ihr einige Mühe, da er in voller Rüstung sehr schwer war und Rowans Kräfte langsam nachließen. Bevor sie ihn liegen ließ, zog sie ihm die Klinge über die Kehle und verließ den Raum eilig wieder. Sie schloss die Tür und machte mit der Kreide ein kleines Kreuz auf den Boden davor.
Mühevoll richtete sie sich wieder auf. Ihr Atem ging schnell und sie spürte den Schmerz, der von ihrem unteren Rücken aus immer mehr auf den restlichen Körper ausstrahlte. Auch die Wunde am Oberschenkel brannte höllisch, doch wenigstens blutete sie nicht mehr. Ganz im Gegensatz zu ihrem Rücken. Sie konnte spüren, wie sich eine klebrige Nässe unter ihrer Rüstung entlang zog und ihr Steißbein und die Hüfte hinunter lief.
Unschlüssig blickte sich Rowan um. Sie stand in einem Gang, der alle paar Schritte von Fackeln in einfachen Wandhalterungen erhellt wurde und zu beiden Seiten weiter führte. Nach einem Blick auf Vernitas Karte, wählte Rowan den Weg nach links. Über sich konnte sie gedämpfte Geräusche hören, doch sie waren zu leise, um sie identifizieren zu können.
Rowan löste sich von dem grausigen Anblick und leuchtete sie Treppe hinauf. Sie endete an einer massiven Holztür. Einen Moment hielt sie inne und entlastete ihr verletztes Bein, bevor sie sich nach oben wandte. Leise legte sie ihr Ohr an die Tür und lauschte. Auf der anderen Seite war nichts zu hören. Eine Weile wartete sie und als sich weiterhin nichts rührte testete sie, ob sie die Tür öffnen konnte. Nichts bewegte sich. Nachdem sie leicht daran gerüttelt hatte, verharrte sie wieder kurz, doch es blieb still auf der anderen Seite.
Aus ihrem Gürtel löste sie einen passenden Dietrich und steckte ihn in das Schloss. Sie versuchte, ihn zu drehen, doch es passierte nichts. Sie kramte noch ein am Ende abgeflachtes Stück Draht hervor und schob es neben den Dietrich ins Schloss. Sie drückte beide Werkzeuge voneinander weg, doch der Draht rutschte ihr aus der blutverschmierten Hand und fiel zu Boden. Sie hob ihn auf, versuchte es erneut und merkte, wie sich im Inneren des Schlosses ein Mechanismus löste. Mit einem leisen Klicken sprang die Tür einen Spalt auf. Rowan verstaute ihr Werkzeug wieder und zog ihre beiden Messer. Vorsichtig schob sie die Tür mit dem Fuß auf und spähte in einen kleinen Raum hinein, der komplett leer war. Auf der gegenüberliegenden Seite war eine weitere Tür. Unter der Tür war schwaches Licht zu erkennen.
Sie war nun sicher, dass sie sich in den unteren Gefilden von Fort Drakon befand und rechnete damit, auf Wachen zu treffen. Den leuchtenden Stein von Hennrik legte sie auf der obersten Stufe der Treppe ab. Sie hoffte, dass er auf ihrem Rückweg noch leuchten würde.
Hinter der nächsten Tür hörte sie ein Geräusch. Es war ein leise schnaufen, das von links kam. Ansonsten war es ruhig.
Rowan machte sich bereit. In einer fließenden Bewegung öffnete sie die unverschlossene Tür und drehte sich nach links um. Neben der Tür saß ein gepanzerter Mann auf einem kleinen Holzschemel. Sein Helm lag neben ihm auf dem Boden und er hatte den Kopf an die Wand gelehnt. Ruckartig fuhr er herum und starrte Rowan überrascht an als diese durch die Tür trat. Bevor er reagieren konnte, hatte sie ihm den Griff ihrer Waffe an die Schläfe geschlagen und er fiel bewusstlos von seinem Sitz herunter. Krachend kam er auf dem Boden zum liegen. Schnell packte ihn Rowan am Kragen und zog ihn in den kleinen Raum, aus dem sie gekommen war. Es bereitete ihr einige Mühe, da er in voller Rüstung sehr schwer war und Rowans Kräfte langsam nachließen. Bevor sie ihn liegen ließ, zog sie ihm die Klinge über die Kehle und verließ den Raum eilig wieder. Sie schloss die Tür und machte mit der Kreide ein kleines Kreuz auf den Boden davor.
Mühevoll richtete sie sich wieder auf. Ihr Atem ging schnell und sie spürte den Schmerz, der von ihrem unteren Rücken aus immer mehr auf den restlichen Körper ausstrahlte. Auch die Wunde am Oberschenkel brannte höllisch, doch wenigstens blutete sie nicht mehr. Ganz im Gegensatz zu ihrem Rücken. Sie konnte spüren, wie sich eine klebrige Nässe unter ihrer Rüstung entlang zog und ihr Steißbein und die Hüfte hinunter lief.
Unschlüssig blickte sich Rowan um. Sie stand in einem Gang, der alle paar Schritte von Fackeln in einfachen Wandhalterungen erhellt wurde und zu beiden Seiten weiter führte. Nach einem Blick auf Vernitas Karte, wählte Rowan den Weg nach links. Über sich konnte sie gedämpfte Geräusche hören, doch sie waren zu leise, um sie identifizieren zu können.
#965
Posté 26 septembre 2010 - 07:04
Lydia stockte der Atem . Wie konnte eine einzige Person so Grausam sein und nicht einmal Gnade vor Recht walten lassen ?! Er , der sich Ingo nannte , handelte auf Befehl , sie , die sich Vernita nannte , handelte aus reiner Gehässigkeit heraus .
" Ihr Barbarin ! Als wäret ihr in der Corcari ohne Mutter aufgewachsen ! Ihe hättet Gnade vor Recht walten lassen können ! " brachte sie hervor .
Doch sie besann sich und schloss die Augen .
" Im Namen des Erbauers ,
der prophetin Andraste
und heiligen Rose .
Bei Fen´Harel
Elgar´nan
und Mythral
Mögen sie den Pfad der Rechtschaffenen hüten
möge Andruil meine Klinge fürhen
und Mythral meinen Körper schützen
die Zeit der Jagd ist angebrochen ! "
Sie zitterte und Bebte , doch für Angst war jetzt gein Platz . Bei den Wachen fand sie zwei Messer . Was auch jetzt kommen mochte , sie würde es ertragen .
" Mythral möge über euch wachen ! "
" Ihr Barbarin ! Als wäret ihr in der Corcari ohne Mutter aufgewachsen ! Ihe hättet Gnade vor Recht walten lassen können ! " brachte sie hervor .
Doch sie besann sich und schloss die Augen .
" Im Namen des Erbauers ,
der prophetin Andraste
und heiligen Rose .
Bei Fen´Harel
Elgar´nan
und Mythral
Mögen sie den Pfad der Rechtschaffenen hüten
möge Andruil meine Klinge fürhen
und Mythral meinen Körper schützen
die Zeit der Jagd ist angebrochen ! "
Sie zitterte und Bebte , doch für Angst war jetzt gein Platz . Bei den Wachen fand sie zwei Messer . Was auch jetzt kommen mochte , sie würde es ertragen .
" Mythral möge über euch wachen ! "
Modifié par SickOfItAll, 26 septembre 2010 - 07:40 .
#966
Posté 26 septembre 2010 - 07:42
Nachdem Miandra einige Male erbrochen hatte, blieb sie zitternd am Bauch liegen. Sie bekam nicht wirklich mit was gerade geschah. War sie tot? Natürlich musste sie tot sein, sie wusste noch, dass einiges von diesem ekelhaften Wasser in ihre Lunge drang, und dann.. dann war nichts mehr, außer einiger Bilder. Die Schmerzen waren verschwunden, und es gab nur noch Schwärze.
War sie nun im Nichts? Allmählich begann sie wieder zu spüren, wie sehr ihr alles weh tat und alles schien sich zu drehen, als wäre sie einige Male im Kreis gelaufen und als hätte sie zusätzlich einen Vollrausch. Sie hörte immer wieder einige Stimmen und Schreie, spürte, wie ihr kaltes Wasser von den Haaren übers Gesicht lief, dass sie irgendjemand am Rücken berührte, und zuckte zusammen.
Nein, dies konnte nicht das Nichts sein, dafür waren die Schmerzen zu real, und der Ort zu ...
Unbewusst griff sie sich auf den Kopf, als würde sich die Umgebung weniger drehen, wenn sie diesen an den Armen abstützen würde, als plötzlich ein Gesicht neben ihr lag und seine Augen sie zu fixieren schienten. Trotz der Verbrennungen - welche sie nicht wirklich wahr nahm - erkannte sie ihn sofort und starrte einen zeitlosen Moment in seine Augen.
Urplötzlich wurde ihr heiß und kalt gleichzeitig, ihr Puls begann zu rasen und ihre Atmung wurde deutlich schneller. Sie verstand nicht was gerade passierte, dafür war sie noch zu benommen, aber sie sah etwas was sie nicht sehen wollte, und das genügte ihr um sofort den Blick abzuwenden, die Augen krampfhaft zu schließen und sich die Ohren mit den Handflächen zuzuhalten. Ihr Kopf lag somit seitlich am Boden, und sie murmelte Unverständliches und Wirres vor sich hin. Sie wusste, dass sie noch am Leben war - warum auch immer -, wusste, dass sie noch immer an demselben Ort befand, und glaubte, es wäre noch nicht zu Ende. Jeder nächste Moment könnte mit neuen Schmerzen und grauenvollen Berührungen geprägt werden. Innerlich beschimpfte sie sich selbst als einfältig und naiv, sie hatte doch tatsächlich geglaubt, man würde sie in der Brühe ertrinken lassen. Es war zu einfach, schließlich hatte man ihr noch nicht all ihre Knochen gebrochen, oder ihr die Zähne gezogen. Es wäre doch zu schön gewesen, wenn die Schmerzen so schnell geendet hätten.
Tränen schossen ihr in die Augen, welche sie abermals geschlossen ließ. Erneut fasste ihr jemand an den Rücken - wahrscheinlich Leanora, die ihr diesen verbinden wollte - und sie verkrampfte sich immer mehr, drückte die Hände fester an ihre Ohren, als ob sie so all dem entfliehen könnte und wartete darauf, dass man sie wahrscheinlich an das nächste Foltergerät spannen würde, jetzt wo sie wieder bei Bewusstsein war.
War sie nun im Nichts? Allmählich begann sie wieder zu spüren, wie sehr ihr alles weh tat und alles schien sich zu drehen, als wäre sie einige Male im Kreis gelaufen und als hätte sie zusätzlich einen Vollrausch. Sie hörte immer wieder einige Stimmen und Schreie, spürte, wie ihr kaltes Wasser von den Haaren übers Gesicht lief, dass sie irgendjemand am Rücken berührte, und zuckte zusammen.
Nein, dies konnte nicht das Nichts sein, dafür waren die Schmerzen zu real, und der Ort zu ...
Unbewusst griff sie sich auf den Kopf, als würde sich die Umgebung weniger drehen, wenn sie diesen an den Armen abstützen würde, als plötzlich ein Gesicht neben ihr lag und seine Augen sie zu fixieren schienten. Trotz der Verbrennungen - welche sie nicht wirklich wahr nahm - erkannte sie ihn sofort und starrte einen zeitlosen Moment in seine Augen.
Urplötzlich wurde ihr heiß und kalt gleichzeitig, ihr Puls begann zu rasen und ihre Atmung wurde deutlich schneller. Sie verstand nicht was gerade passierte, dafür war sie noch zu benommen, aber sie sah etwas was sie nicht sehen wollte, und das genügte ihr um sofort den Blick abzuwenden, die Augen krampfhaft zu schließen und sich die Ohren mit den Handflächen zuzuhalten. Ihr Kopf lag somit seitlich am Boden, und sie murmelte Unverständliches und Wirres vor sich hin. Sie wusste, dass sie noch am Leben war - warum auch immer -, wusste, dass sie noch immer an demselben Ort befand, und glaubte, es wäre noch nicht zu Ende. Jeder nächste Moment könnte mit neuen Schmerzen und grauenvollen Berührungen geprägt werden. Innerlich beschimpfte sie sich selbst als einfältig und naiv, sie hatte doch tatsächlich geglaubt, man würde sie in der Brühe ertrinken lassen. Es war zu einfach, schließlich hatte man ihr noch nicht all ihre Knochen gebrochen, oder ihr die Zähne gezogen. Es wäre doch zu schön gewesen, wenn die Schmerzen so schnell geendet hätten.
Tränen schossen ihr in die Augen, welche sie abermals geschlossen ließ. Erneut fasste ihr jemand an den Rücken - wahrscheinlich Leanora, die ihr diesen verbinden wollte - und sie verkrampfte sich immer mehr, drückte die Hände fester an ihre Ohren, als ob sie so all dem entfliehen könnte und wartete darauf, dass man sie wahrscheinlich an das nächste Foltergerät spannen würde, jetzt wo sie wieder bei Bewusstsein war.
#967
Posté 27 septembre 2010 - 06:05
Als sie in der Folterkammer ankamen war Lea so entsetzt, dass sie zu allererst die Hände vor ihren Mund schlug. Das sollte das Werk Tjarks sein? Auf seine Anweisung? Ungläubig schüttelte sie den Kopf.
Kaum waren die Männer durch Vernitas Wut ausgeschaltet, hatten sie Azoth befreit und ihm geholfen, sich aufrecht hinzusetzen. Lea wünschte, sie hätte frisches Wasser dabei gehabt, seine Augen sahen glasig aus, und der Elf war wirklich übel zugerichtet.
Sie bewunderte Vernita insgeheim für ihre Ausdauer, als sie Miandra wiederbelebte. Sie selber konnte ihre Tränen nicht aufhalten, auch wenn sie dabei nicht schluchzen mußte. Lea kam sich vor wie in einem schlechten Traum, was sie hier sah, konnte unmöglich der Wirklichkeit entspringen?
Während Vernita sich um Ingo 'kümmerte', war Leanora bei Miandra, versuchte sie so gut es ging zu verbinden und ihre Blutungen zu stoppen. Dass sie ihr dabei weh tat, war nicht zu umgehen. Es gab kaum eine heile Stelle an dem geschundenen Körper.
Lea hätte beinah das Verbandszeug fallen lassen, als Miandras Körper plötzlich zu glühen begann, sie konnte richtig gehend spüren, wie der Puls der Frau raste. Ratlos blickte sie die Gefährtin an, welche die Augen geschlossen und die Hände auf die Ohren gepresst hatte.
Gab man Menschen, die hysterisch wurden, nicht normalerweise eine Ohrfeige? Das konnte sie unmöglich machen, Miandra hatte genug Schmerzen ausgestanden. Lea begann, mit leisen Worten immer wieder ihren Namen zu sagen.
"Miandra, ihr seid in Sicherheit! Wir sind hier, holen Euch hier raus. Miandra, hört mir zu, es ist alles gut.." Es war ihr wichtig, immer wieder den Namen zu sagen, zu sprechen. Dabei streichelte sie die Frau vorsichtig. Miandra reagierte nicht, sie war in sich zusammen gekauert und schaukelte mit Tränen in den Augen vor und zurück.
Lea kam eine Idee. Sie hatte Gesangsunterricht gehabt, ihre Stimme war durchaus akzeptabel. Und so begann sie, eine fröhliche Weise zu singen, und bald darauf füllte ihre klare Stimme den Raum.
Kaum waren die Männer durch Vernitas Wut ausgeschaltet, hatten sie Azoth befreit und ihm geholfen, sich aufrecht hinzusetzen. Lea wünschte, sie hätte frisches Wasser dabei gehabt, seine Augen sahen glasig aus, und der Elf war wirklich übel zugerichtet.
Sie bewunderte Vernita insgeheim für ihre Ausdauer, als sie Miandra wiederbelebte. Sie selber konnte ihre Tränen nicht aufhalten, auch wenn sie dabei nicht schluchzen mußte. Lea kam sich vor wie in einem schlechten Traum, was sie hier sah, konnte unmöglich der Wirklichkeit entspringen?
Während Vernita sich um Ingo 'kümmerte', war Leanora bei Miandra, versuchte sie so gut es ging zu verbinden und ihre Blutungen zu stoppen. Dass sie ihr dabei weh tat, war nicht zu umgehen. Es gab kaum eine heile Stelle an dem geschundenen Körper.
Lea hätte beinah das Verbandszeug fallen lassen, als Miandras Körper plötzlich zu glühen begann, sie konnte richtig gehend spüren, wie der Puls der Frau raste. Ratlos blickte sie die Gefährtin an, welche die Augen geschlossen und die Hände auf die Ohren gepresst hatte.
Gab man Menschen, die hysterisch wurden, nicht normalerweise eine Ohrfeige? Das konnte sie unmöglich machen, Miandra hatte genug Schmerzen ausgestanden. Lea begann, mit leisen Worten immer wieder ihren Namen zu sagen.
"Miandra, ihr seid in Sicherheit! Wir sind hier, holen Euch hier raus. Miandra, hört mir zu, es ist alles gut.." Es war ihr wichtig, immer wieder den Namen zu sagen, zu sprechen. Dabei streichelte sie die Frau vorsichtig. Miandra reagierte nicht, sie war in sich zusammen gekauert und schaukelte mit Tränen in den Augen vor und zurück.
Lea kam eine Idee. Sie hatte Gesangsunterricht gehabt, ihre Stimme war durchaus akzeptabel. Und so begann sie, eine fröhliche Weise zu singen, und bald darauf füllte ihre klare Stimme den Raum.
Modifié par Bellandyrs, 27 septembre 2010 - 06:22 .
#968
Posté 27 septembre 2010 - 06:50
Vernita betrat erneut die Folterkammer. Dieser Bastard war versorgt. Nun mussten sie zusehen, dass sie hier herauskamen. Die Elfe ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen, als Lydia hysterisch zu Kreischen begann.
„Halt die Klappe!“ fauchte sie das Mädchen an. „Oder möchtest du deinem neuen Freund in der Eisernen Jungfrau Gesellschaft leisten? Immerhin scheinst du ihn ja sehr zu mögen! Hat dir ja nicht mal was ausgemacht, dass er deinen neuen Ziehpapi beinahe in zwei Hälften hätte zerreißen lassen!“
Lydia erwiderte nichts darauf, sondern fing an zu beten.
„Das hat auch noch niemanden etwas genutzt!“ herrschte Vernita sie wieder an, während sie zu Leanora und Miandra hinüberging. Die schwarzhaarige Frau lag zusammengekauert wie ein verängstigtes Tier auf dem Boden. Sie presste ihre Hände auf die Ohren und zitterte am ganzen Leib. Leanora hatte die ganze Zeit über auf sie eingeredet, doch nun schloss sie die Augen und begann zu singen.
Vernita blieb für einen Moment wie angewurzelt stehen, aber nicht vor Entsetzen, weil Leanora so schlecht sang. Nein, das Gegenteil war der Fall. Sie hatte eine schöne Stimme und verstand diese auch einzusetzen. Fasziniert ging sie neben den beiden Frauen in die Hocke und hörte ihr gebannt zu. Sie wusste zwar nicht, ob das Miandra helfen würde, aber so etwas schönes hatte die Elfe schon lange nicht mehr gehört. Noch dazu an so einem schrecklichen Ort wie diesem hier. Würde sie selbst versuchen zu singen, so würde ihre raue Stimme wahrscheinlich so klingen wie eine alte Krähe mit Asthma.
Vernita hoffte nur, dass Leanoras Gesang bei Miandra etwas bewirken würde, sonst müsste die Elfe zu drastischeren Maßnahmen greifen. Und das würde sie der schwarzhaarigen Frau nur sehr ungern antun. Gerade in ihrem derzeitigen Zustand.
Doch schließlich mussten sie auch langsam hier raus. Hennrik und Rowan dürften inzwischen in die Festung eingedrungen sein. Und es wurde Zeit, dass sie sich mit den beiden trafen und diese Kammer des Schreckens für immer verließen.
„Halt die Klappe!“ fauchte sie das Mädchen an. „Oder möchtest du deinem neuen Freund in der Eisernen Jungfrau Gesellschaft leisten? Immerhin scheinst du ihn ja sehr zu mögen! Hat dir ja nicht mal was ausgemacht, dass er deinen neuen Ziehpapi beinahe in zwei Hälften hätte zerreißen lassen!“
Lydia erwiderte nichts darauf, sondern fing an zu beten.
„Das hat auch noch niemanden etwas genutzt!“ herrschte Vernita sie wieder an, während sie zu Leanora und Miandra hinüberging. Die schwarzhaarige Frau lag zusammengekauert wie ein verängstigtes Tier auf dem Boden. Sie presste ihre Hände auf die Ohren und zitterte am ganzen Leib. Leanora hatte die ganze Zeit über auf sie eingeredet, doch nun schloss sie die Augen und begann zu singen.
Vernita blieb für einen Moment wie angewurzelt stehen, aber nicht vor Entsetzen, weil Leanora so schlecht sang. Nein, das Gegenteil war der Fall. Sie hatte eine schöne Stimme und verstand diese auch einzusetzen. Fasziniert ging sie neben den beiden Frauen in die Hocke und hörte ihr gebannt zu. Sie wusste zwar nicht, ob das Miandra helfen würde, aber so etwas schönes hatte die Elfe schon lange nicht mehr gehört. Noch dazu an so einem schrecklichen Ort wie diesem hier. Würde sie selbst versuchen zu singen, so würde ihre raue Stimme wahrscheinlich so klingen wie eine alte Krähe mit Asthma.
Vernita hoffte nur, dass Leanoras Gesang bei Miandra etwas bewirken würde, sonst müsste die Elfe zu drastischeren Maßnahmen greifen. Und das würde sie der schwarzhaarigen Frau nur sehr ungern antun. Gerade in ihrem derzeitigen Zustand.
Doch schließlich mussten sie auch langsam hier raus. Hennrik und Rowan dürften inzwischen in die Festung eingedrungen sein. Und es wurde Zeit, dass sie sich mit den beiden trafen und diese Kammer des Schreckens für immer verließen.
Modifié par Aliens Crew, 27 septembre 2010 - 07:25 .
#969
Posté 27 septembre 2010 - 07:19
Sareth war etwas neben ich als sie die Folterkammer betraten und er all das Blut und Elend sah.Bilder schossen ihn in den Sinn.Er hatte so etwas schon öfter gesehen.Öfter als ihm lieb war.
Sei es Tod,Verderben oder Leid.Er hatte so was schon viele Male auf Schlachtfeldern gesehen und,zu seiner Scham, selber auch im Auftrag seines Herren getan.Getötet und gequält.
Er schüttelte diese Bilder ab.Wollte sich auf die Mission konzentrieren.
Als Vernita sich um die Folterknechte gekümmert und Leanora den Elf,der auf der Folterbank lag, aufgerichtet hatte holte Sareth eine kleine Wasserflasche aus seiner Tasche und versuchte den Elf ein bisschen Wasser einzuflößen.Er soll ja am Ende nicht an Dehydrierung sterben.Als der Elf ein wenig getrunken hatte packte er die Flasche weg und versucht ihn aufzuhelfen.schließlich müsste er hier raus schaffen und das würde nur mit seiner mit Hilfe zu schaffen sein.Sareth könnte nicht ihn die ganze Zeit stützen und gleichzeitig die Wachen abwehren.
Er blickte zu den drei Frauen rüber währrend er den Elfen stützte.
"Seid ihr bereit?Wir müssen hier weg!"
Sei es Tod,Verderben oder Leid.Er hatte so was schon viele Male auf Schlachtfeldern gesehen und,zu seiner Scham, selber auch im Auftrag seines Herren getan.Getötet und gequält.
Er schüttelte diese Bilder ab.Wollte sich auf die Mission konzentrieren.
Als Vernita sich um die Folterknechte gekümmert und Leanora den Elf,der auf der Folterbank lag, aufgerichtet hatte holte Sareth eine kleine Wasserflasche aus seiner Tasche und versuchte den Elf ein bisschen Wasser einzuflößen.Er soll ja am Ende nicht an Dehydrierung sterben.Als der Elf ein wenig getrunken hatte packte er die Flasche weg und versucht ihn aufzuhelfen.schließlich müsste er hier raus schaffen und das würde nur mit seiner mit Hilfe zu schaffen sein.Sareth könnte nicht ihn die ganze Zeit stützen und gleichzeitig die Wachen abwehren.
Er blickte zu den drei Frauen rüber währrend er den Elfen stützte.
"Seid ihr bereit?Wir müssen hier weg!"
#970
Posté 27 septembre 2010 - 07:36
So kräftig und zugleich sanft die Stimme von Leanora in jenem Moment auch klang, erreichte sie Miandras Ohren nur kaum. Sie sah immer wieder das verschwitzte Gesicht von Ingo vor sich, wie es sich mit dem ihres Vaters vermischte, und dieser sich wie in ihrem Traum an ihrer Tochter vergriff. Hörte noch immer die Schreie in ihren Ohren hallen und versuchte daher diese immer weiter zu verschließen, indem sie die zittrigen Hände immer fester darauf drückte. Wahrscheinlich lag all das an dem hohen Fieber, der vielen Schmerzen und Angst, die sie gerade in sich trug.
Aber all das schien zu unklar. Verschwommen und bruchstückhaft. Ohne jegliches Zeitgefühl. War sie vielleicht eher in einem Wachtraum-Zustand? Eine Frage, die sie sich selbst stellte, es aber dennoch nicht in Erwägung zog die Augen zu öffnen. Sie konnte es einfach nicht. Sie wollte nicht noch mehr sehen, was sich in ihren Kopf brennen und sie verfolgen könnte.
Aber all das schien zu unklar. Verschwommen und bruchstückhaft. Ohne jegliches Zeitgefühl. War sie vielleicht eher in einem Wachtraum-Zustand? Eine Frage, die sie sich selbst stellte, es aber dennoch nicht in Erwägung zog die Augen zu öffnen. Sie konnte es einfach nicht. Sie wollte nicht noch mehr sehen, was sich in ihren Kopf brennen und sie verfolgen könnte.
#971
Posté 27 septembre 2010 - 08:05
„So schön Euer Gesang auch ist, Leanora., so fürchte ich doch, dass uns das im Moment nicht weiterhilft“, meinte Vernita nach einer Weile. Sie hätte der blonden Frau gerne noch etwas länger zugehört, doch hier war weder der Ort noch hatten sie die Zeit dazu. „Ich werde Miandra tragen. Sollte sie sich wehren, so werde ich sie wohl oder übel bewusstlos schlagen müssen. Und schaut mich nicht so entsetzt an! Mir gefällt das noch weniger als Euch! Und nun greift Euch mein Schwert, das dort hinten liegt. Ihr müsst für uns kämpfen, fürchte ich.“
Die Elfe wandte den Kopf zu Azoth und Sareth. Der Elf schien inzwischen das Bewusstsein verloren zu haben. Kraftlos hing er im Griff des Söldners. „Und du gib Lydia dein Schwert, Sareth. Wir beide werden wohl nicht zum kämpfen kommen. Hoffen wir, dass Leanora und die kleine Kröte gut genug fechten können, um unseren Rückzug zu decken!“
Vernita wandte sich wieder um, bevor sie Miandra in die Arme nahm und vom Boden aufhob. Sie lehnte die Frau an ihren Oberkörper, so dass deren Kopf auf ihrer Schulter liegen konnte. „Und nun lasst uns von hier verschwinden!“
Die Elfe wandte den Kopf zu Azoth und Sareth. Der Elf schien inzwischen das Bewusstsein verloren zu haben. Kraftlos hing er im Griff des Söldners. „Und du gib Lydia dein Schwert, Sareth. Wir beide werden wohl nicht zum kämpfen kommen. Hoffen wir, dass Leanora und die kleine Kröte gut genug fechten können, um unseren Rückzug zu decken!“
Vernita wandte sich wieder um, bevor sie Miandra in die Arme nahm und vom Boden aufhob. Sie lehnte die Frau an ihren Oberkörper, so dass deren Kopf auf ihrer Schulter liegen konnte. „Und nun lasst uns von hier verschwinden!“
#972
Posté 27 septembre 2010 - 09:28
Vernita fauchte Lydia wiedereinmal giftig an , also ignorierte sie diese und sah sich um . Alles was sie erblickte schrieh Folter und Grausamkeit mit einer Stimme schriller als jede Musik . Die Seelen all jener verlorenen , welche hier unten bereits verendet waren schienen um Gnade zu schreien . Werkzeuge und andere Geräte , zweckentfremdet zu Instrumenten im orkester der Qualen , eigens geschaffene kreationen der Hölle , aufzuspielen die Sinfonie des Grauens .
" Welcher Teufel macht soetwas ? Wer ist zu solcher Grausamkeit fähig ? " brachte sie heiser hervor .
Angst . Die Agst schien hier fast schon greifbar in der Luft zu stehen , sie schien zu schmecken und sie aus allen Ecken aus tausend Augen anzustarren .
" Die beiden sind Helden ... einfach nur Helden ! Wer überlebt in einem solchen Loch ?! Wer bringt solche Geisteskräfte auf , sich dem Todeswunsch zu wiedersetzen und zu überdauern ? "
Stafe musste auf jene herniederfahren , die diese Hölle unter ihrem Befehl hatten , die Succubi der Grausamkeit vom flammenden Damoklesschwert der Rache erschlagen werden .
" Rache ! Strafe ! Gerechtigkeit für die verlorenen Seelen in dieser Folterhölle ! Sie schreien mit zehntausend Stimmen danach ! " sie blickte zu Miandra . Sie war stark gewesen ,sehr stark . Lydia fiel neben Lea und Miandra auf die Knie .
" Miri ,.... Miri , kommt her . Wir hohlen euch hier raus , hinaus ans Licht . Mythral wird über euch wachen , ihr seit von nunan sicher ... "
Sareth gab Lydia wiederwillig sein Schwert . " Habt dank . Dies wird heute Gerechtigkeit vollstrecken ! " Sie stand auf und blickte Vernita an . " Verlast euch auf mich , Gnade werde ich heute nicht kennen , Pardon wird nicht gegeben . Heute sind wir Helden ! "
" Welcher Teufel macht soetwas ? Wer ist zu solcher Grausamkeit fähig ? " brachte sie heiser hervor .
Angst . Die Agst schien hier fast schon greifbar in der Luft zu stehen , sie schien zu schmecken und sie aus allen Ecken aus tausend Augen anzustarren .
" Die beiden sind Helden ... einfach nur Helden ! Wer überlebt in einem solchen Loch ?! Wer bringt solche Geisteskräfte auf , sich dem Todeswunsch zu wiedersetzen und zu überdauern ? "
Stafe musste auf jene herniederfahren , die diese Hölle unter ihrem Befehl hatten , die Succubi der Grausamkeit vom flammenden Damoklesschwert der Rache erschlagen werden .
" Rache ! Strafe ! Gerechtigkeit für die verlorenen Seelen in dieser Folterhölle ! Sie schreien mit zehntausend Stimmen danach ! " sie blickte zu Miandra . Sie war stark gewesen ,sehr stark . Lydia fiel neben Lea und Miandra auf die Knie .
" Miri ,.... Miri , kommt her . Wir hohlen euch hier raus , hinaus ans Licht . Mythral wird über euch wachen , ihr seit von nunan sicher ... "
Sareth gab Lydia wiederwillig sein Schwert . " Habt dank . Dies wird heute Gerechtigkeit vollstrecken ! " Sie stand auf und blickte Vernita an . " Verlast euch auf mich , Gnade werde ich heute nicht kennen , Pardon wird nicht gegeben . Heute sind wir Helden ! "
Modifié par SickOfItAll, 27 septembre 2010 - 09:42 .
#973
Posté 28 septembre 2010 - 03:17
Die schwarzhaarige Frau ging den Weg zur Festung hinauf. Vor der Torwache blieb sie stehen und musterte diese mit einem kühlen Blick.
„Ist Oberst Tjark schon aus seinen Gemächern gekommen?“ fragte sie den Mann.
„Ja, Milady Gianauro“, entgegnete die Wache, während sie stramm stand. „Doch hat er momentan noch Besuch.“
Eshtá wollte gerade schon weitergehen, als sie die letzten Worte ihres Gegenübers vernahm. Sie hielt mitten in der Bewegung inne und sah den Mann finster ins Gesicht. „Besuch? Um diese Zeit? Wer ist es?“
„Irgendeine Baroness deren Gesinde ermodert worden ist wie es scheint. Sie ist jetzt schon eine ganze Weile beim Oberst.“
„Seltsam“, murmelte Gianauro vor sich hin, bevor sie sich wieder an die Wache wandte. „Ich werde trotzdem zu ihm gehen.“
Die schwarzhaarige Frau wandte sich ab und ging schnellen Schrittes über den Hof der Festung. Inzwischen herrschte hier schon reger Betrieb. Die Soldaten exerzierten auf dem großen Platz oder lösten ihre Kameraden ab, die die Nachtwache geschoben haben. Die Offiziere brüllten ihre Untergebenen an, welche daraufhin laut scheppernd Haltung annahmen. Alles machte den Anschein eines ganz normalen Tagesbeginns.
Doch die schwarzhaarige Frau hatte auf einmal ein mulmiges Gefühl. Die Sache mit der Baroness machte ihr Kopfzerbrechen. Was wollte eine Adelige zu so früher Stunde beim Oberst einer Festung? Und dann wollte sie auch noch mit ihm über den Mord an ihrem Gesinde sprechen? Einen Tag nachdem zwei Mörder verhaftet worden sind, die sich Eshtá heute genauer ansehen wollte? Sollte das etwa ein Zufall sein?
Gianauro kam ein schrecklicher Verdacht. Sie beschleunigte ihren Schritt und rannte jetzt den letzten Rest des Weges zur Amtsstube des Obersts. Die Wachen, die sie auf dem Weg dorthin begrüßten, ignorierte sie vollkommen.
Bald darauf betrat sie den Vorraum, welchen sie schnell durchschritt. Sie riss die schwere Tür zur Amtstube des Obersts auf und blieb direkt stehen. Neben dem Schreibtisch sah sie Tjark am Boden liegen. Seine Gesichtsfarbe wirkte sehr ungesund, seine Augen starrten leer und kalt an die Decke. Vor ihm lag noch ein weiterer Soldat, dessen Kopf in einem unnatürlichen Winkel vom Körper abstand. Anscheinend wurde diesem Mann das Genick gebrochen.
„Vernita!“ fauchte die Frau, bevor sie auf den Stelle herumkreiselte und nach draußen auf den Hof stürmte.
„Alarm!“ schrie sie, kaum dass sie den Vorraum verlassen hatte. „Wir haben einen Eindringling in der Festung. Sammelt die Truppen! Durchsucht das Fort! Bringt mir diese Bastarde! Tot oder lebendig!“
„Ist Oberst Tjark schon aus seinen Gemächern gekommen?“ fragte sie den Mann.
„Ja, Milady Gianauro“, entgegnete die Wache, während sie stramm stand. „Doch hat er momentan noch Besuch.“
Eshtá wollte gerade schon weitergehen, als sie die letzten Worte ihres Gegenübers vernahm. Sie hielt mitten in der Bewegung inne und sah den Mann finster ins Gesicht. „Besuch? Um diese Zeit? Wer ist es?“
„Irgendeine Baroness deren Gesinde ermodert worden ist wie es scheint. Sie ist jetzt schon eine ganze Weile beim Oberst.“
„Seltsam“, murmelte Gianauro vor sich hin, bevor sie sich wieder an die Wache wandte. „Ich werde trotzdem zu ihm gehen.“
Die schwarzhaarige Frau wandte sich ab und ging schnellen Schrittes über den Hof der Festung. Inzwischen herrschte hier schon reger Betrieb. Die Soldaten exerzierten auf dem großen Platz oder lösten ihre Kameraden ab, die die Nachtwache geschoben haben. Die Offiziere brüllten ihre Untergebenen an, welche daraufhin laut scheppernd Haltung annahmen. Alles machte den Anschein eines ganz normalen Tagesbeginns.
Doch die schwarzhaarige Frau hatte auf einmal ein mulmiges Gefühl. Die Sache mit der Baroness machte ihr Kopfzerbrechen. Was wollte eine Adelige zu so früher Stunde beim Oberst einer Festung? Und dann wollte sie auch noch mit ihm über den Mord an ihrem Gesinde sprechen? Einen Tag nachdem zwei Mörder verhaftet worden sind, die sich Eshtá heute genauer ansehen wollte? Sollte das etwa ein Zufall sein?
Gianauro kam ein schrecklicher Verdacht. Sie beschleunigte ihren Schritt und rannte jetzt den letzten Rest des Weges zur Amtsstube des Obersts. Die Wachen, die sie auf dem Weg dorthin begrüßten, ignorierte sie vollkommen.
Bald darauf betrat sie den Vorraum, welchen sie schnell durchschritt. Sie riss die schwere Tür zur Amtstube des Obersts auf und blieb direkt stehen. Neben dem Schreibtisch sah sie Tjark am Boden liegen. Seine Gesichtsfarbe wirkte sehr ungesund, seine Augen starrten leer und kalt an die Decke. Vor ihm lag noch ein weiterer Soldat, dessen Kopf in einem unnatürlichen Winkel vom Körper abstand. Anscheinend wurde diesem Mann das Genick gebrochen.
„Vernita!“ fauchte die Frau, bevor sie auf den Stelle herumkreiselte und nach draußen auf den Hof stürmte.
„Alarm!“ schrie sie, kaum dass sie den Vorraum verlassen hatte. „Wir haben einen Eindringling in der Festung. Sammelt die Truppen! Durchsucht das Fort! Bringt mir diese Bastarde! Tot oder lebendig!“
#974
Posté 28 septembre 2010 - 05:43
Leanora sammelte das Schwert von Vernita auf. Es lag ihr relativ gut in der Hand, wenngleich es sich plumper anfühlte, als ihre eigene Waffe. Testweise machte sie zwei Streiche durch die Luft. Es war nicht optimal, aber es würde gehen. Zudem hoffte sie, dass sie ohnehin ohne Kampf hier rauskamen.
Lydia schwadronierte von Ehre und Gerechtigkeit, dafür war Leanora ohnehin. Aber war es denn gerecht, hier Soldaten zu töten? Welche letztlich nichts anderes taten als die Befehle auszuführen, die sie erhielten? Waren denn gleich alle dieser Wachen deswegen solche Sadisten, denen das Foltern auch noch Spaß machte? Vielleicht waren Familienväter darunter, und sie, Leanora, wollte nicht unbedingt Schuld daran sein, dass Kinder und Frauen betteln mußten. Für ihren Geschmack gab es heute schon zuviele Tote... aber diesen Gedanken verdrängte sie sofort wieder. Sie mußte ihre Aufmerksamkeit hier haben, um die Gruppe notfalls verteidigen zu können.
Schnell lief sie Sareth und Vernita nach, als sie plötzlich meinte, Glocken zu hören. Andererseits war sie sich nicht sicher, die Mauern waren zu dick, und woher sollten diese Klänge auch kommen? Dennoch spitzte sie die Ohren und lauschte konzentriert auf alle Geräusche. Ihr Herz klopfte, hoffentlich würden sie bald diesen versteckten Ausgang erreichen.
Lydia schwadronierte von Ehre und Gerechtigkeit, dafür war Leanora ohnehin. Aber war es denn gerecht, hier Soldaten zu töten? Welche letztlich nichts anderes taten als die Befehle auszuführen, die sie erhielten? Waren denn gleich alle dieser Wachen deswegen solche Sadisten, denen das Foltern auch noch Spaß machte? Vielleicht waren Familienväter darunter, und sie, Leanora, wollte nicht unbedingt Schuld daran sein, dass Kinder und Frauen betteln mußten. Für ihren Geschmack gab es heute schon zuviele Tote... aber diesen Gedanken verdrängte sie sofort wieder. Sie mußte ihre Aufmerksamkeit hier haben, um die Gruppe notfalls verteidigen zu können.
Schnell lief sie Sareth und Vernita nach, als sie plötzlich meinte, Glocken zu hören. Andererseits war sie sich nicht sicher, die Mauern waren zu dick, und woher sollten diese Klänge auch kommen? Dennoch spitzte sie die Ohren und lauschte konzentriert auf alle Geräusche. Ihr Herz klopfte, hoffentlich würden sie bald diesen versteckten Ausgang erreichen.
Modifié par Bellandyrs, 28 septembre 2010 - 05:45 .
#975
Posté 28 septembre 2010 - 07:29
Vernita verließ mit Miandra in den Armen die Folterkammer. Die anderen folgten ihr, wobei Sareth sich den Elf über die Schulter geworfen hatte. Er hatte von Lydia eines der Messer bekommen, damit er für den Notfall überhaupt eine Waffe in der Hand hatte, auch wenn es ihm nicht passte, dass er seinen Speer nicht einsetzen konnte.
Sie liefen durch den langen, dunklen Korridor, der links und rechts von feuchten Zellen flankiert war. In diesen saßen Menschen und Elfen, die zum Teil in einem erschreckend schlechtem Zustand waren. Die meisten waren stark abgemagert, ihre bleichen Gesichter sahen ihnen ohne Hoffnung entgegen. Einige von ihnen zeigten deutliche Spuren physischer Gewalt. Doch für sie würde es keine Rettung geben.
Vernita schenkte diesen Verdammten keinen einzigen Blick. Ihr ging es nur darum, Miandra zu retten. Alles andere war zweitrangig. Und für diese verlorenen Seelen konnten sie eh nichts tun. Selbst wenn sie alle Zellentüren aufschließen würden, so könnten die meisten der Gefangenen ohnehin nicht fliehen. Dazu waren sie gar nicht in der Verfassung. Nein, sie mussten da bleiben, wo sie waren. Ansonsten würden sie die sechs nur durch einen ungestümen und völlig sinnlosen Fluchtversuch verraten. Das konnte die Elfe nicht zulassen.
Am Ende des Korridors lag eine Treppe, die weiter in den Keller führte. Die sechs hatten den Absatz dieser Treppe gerade erreicht, als die Alarmglocken läuteten. Vernita blieb kurz stehen und lauschte.
„Verdammt!“ fluchte sie. „Sie müssen den Kommandanten gefunden haben! Los jetzt! Beeilen wir uns! Bald wird es hier von Wachen nur so wimmeln! Leanora bleibt dicht hinter mir! Und du bildest das Schlusslicht, Lydia, um uns den Rücken freizuhalten! Vorwärts!“
Die Gefährten rannten die Treppe hinunter, wobei die Elfe ein ziemliches Tempo vorlegte. Und das obwohl sie nach wie vor Miandra auf den Armen trug. Insbesondere Lydia hatte arge Probleme den Anschluss nicht zu verlieren. Ihre Schritte hallten dabei laut durch die Gänge des Kerkers.
Nach kurzer Zeit erreichten sie das Ende der Treppe. Vor ihnen lag ein weiterer langer Korridor, von dem aus mehrere Seitenwege abgingen. Vernita lief unbeirrbar weiter, als sie die Geräusche hörte. Das Scheppern von Rüstungen, das Trampeln von Schritten, sowie das Brüllen von Befehlen.
„Da sind sie!“ brüllte ein Soldat, der mit seinen Kameraden aus einem Seitengang gestürmt kam. „Macht sie nieder!“
Die Wachen kamen mit gezogenen Waffen auf sie zu, womit sie ihnen den einzigen Fluchtweg versperrten. Nun mussten sie sich den Weg in die Freiheit erkämpfen.
Sie liefen durch den langen, dunklen Korridor, der links und rechts von feuchten Zellen flankiert war. In diesen saßen Menschen und Elfen, die zum Teil in einem erschreckend schlechtem Zustand waren. Die meisten waren stark abgemagert, ihre bleichen Gesichter sahen ihnen ohne Hoffnung entgegen. Einige von ihnen zeigten deutliche Spuren physischer Gewalt. Doch für sie würde es keine Rettung geben.
Vernita schenkte diesen Verdammten keinen einzigen Blick. Ihr ging es nur darum, Miandra zu retten. Alles andere war zweitrangig. Und für diese verlorenen Seelen konnten sie eh nichts tun. Selbst wenn sie alle Zellentüren aufschließen würden, so könnten die meisten der Gefangenen ohnehin nicht fliehen. Dazu waren sie gar nicht in der Verfassung. Nein, sie mussten da bleiben, wo sie waren. Ansonsten würden sie die sechs nur durch einen ungestümen und völlig sinnlosen Fluchtversuch verraten. Das konnte die Elfe nicht zulassen.
Am Ende des Korridors lag eine Treppe, die weiter in den Keller führte. Die sechs hatten den Absatz dieser Treppe gerade erreicht, als die Alarmglocken läuteten. Vernita blieb kurz stehen und lauschte.
„Verdammt!“ fluchte sie. „Sie müssen den Kommandanten gefunden haben! Los jetzt! Beeilen wir uns! Bald wird es hier von Wachen nur so wimmeln! Leanora bleibt dicht hinter mir! Und du bildest das Schlusslicht, Lydia, um uns den Rücken freizuhalten! Vorwärts!“
Die Gefährten rannten die Treppe hinunter, wobei die Elfe ein ziemliches Tempo vorlegte. Und das obwohl sie nach wie vor Miandra auf den Armen trug. Insbesondere Lydia hatte arge Probleme den Anschluss nicht zu verlieren. Ihre Schritte hallten dabei laut durch die Gänge des Kerkers.
Nach kurzer Zeit erreichten sie das Ende der Treppe. Vor ihnen lag ein weiterer langer Korridor, von dem aus mehrere Seitenwege abgingen. Vernita lief unbeirrbar weiter, als sie die Geräusche hörte. Das Scheppern von Rüstungen, das Trampeln von Schritten, sowie das Brüllen von Befehlen.
„Da sind sie!“ brüllte ein Soldat, der mit seinen Kameraden aus einem Seitengang gestürmt kam. „Macht sie nieder!“
Die Wachen kamen mit gezogenen Waffen auf sie zu, womit sie ihnen den einzigen Fluchtweg versperrten. Nun mussten sie sich den Weg in die Freiheit erkämpfen.





Retour en haut





