„Natürlich bin ich mir sicher“; entgegnete diese leicht gereizt. „Und nennt mich nicht noch einmal so, falls Ihr nicht demnächst als Frau herumlaufen wollt.“
Die Zwergin kicherte albern, als sie die Worte der Elfe vernahm, während der Magus überhaupt nicht belustigt zu sein schien. „Schluss mit den Spielchen!“ kam er schnaubend dazwischen.
„Sieht so aus, als hätten die beiden schon eine zeitlang hier mit dem Rumhängen verbracht“, witzelte die Zwergin mit einem Blick auf die beiden Leichen, die von der Decke des Zimmers hingen. Unzählige Fliegen kreisten ständig um die Kadaver herum, die schon langsam anfingen zu stinken.
„Wundert mich nur, dass die Nachbarn dieser beiden der Stadtwache noch nichts gemeldet haben“, meinte die Elfe nachdenklich. „Diesen Gestank hätten sie doch eigentlich bemerken müssen.“
„Nicht unbedingt. Schließlich stinkt das ganze Viertel doch so widerwärtig“, bemerkte der Orlaisianer grinsend und gab der toten Frau einen leichten Stoß, woraufhin diese hin- und herbaumelte. „Ob die beiden tatsächlich Selbstmord begannen haben?“
„Sieht so aus“, vermutete die Zwergin. „Hier liegt ja auch ein Brief von einem Mann, der anscheinend der Geliebte dieser Frau war. Wahrscheinlich hat der Mann diesen Brief gefunden und anschließend seine Frau und danach sich selbst umgebracht.“
„Klar. Sicher. Natürlich“, entgegnete die Elfe spöttisch. „Die Zeugin eines Mordes begeht einen Tag, bevor die Leute, die sie verpfiffen hat, aus dem Knast befreit werden, Selbstmord. Das kann man vielleicht der Stadtwache erzählen, der das alles am Arsch vorbeigeht oder solch einfältigen Gnomen wie Euch, aber mir bestimmt nicht.“
„Ihr wollt wohl unbedingt mit meiner Axt Bekanntschaft machen, was?“ drohte die Angesprochene wütend und funkelte die Elfe mit ihren dunklen Augen böse an. Sie hatte den Griff ihrer Waffe bereits in der Hand.
„Ich sagte, es reicht!“ mischte sich der Magus erneut ein. Die beiden Streithähne verstummten sogleich. „Die Elfe hat recht“, fuhr der Magier fort. „Das war das Werk eines Profis. Wahrscheinlich wollte die Elfe, die wir suchen, oder einer ihrer Komplizen nur diese lästigen Zeugen loswerden.“
„Das sehe ich genauso“, kommentierte die Elfe. „Und hier werden wir auch keine anderen Anhaltspunkte finden. Suchen wir woanders weiter und überlassen es der Stadtwache, hier aufzuräumen.“
„Genauso werden wir es machen. Sagen wir Brangroth Bescheid, dass hier Arbeit für seine Männer herumliegt. Los geht’s!“ befahl der Magus und verließ das Zimmer wieder. Die anderen folgten ihm nach und nach.
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Vernita lauschte aufmerksam Miandras Ausführungen. Nachdem diese damit fertig war, stand die Elfe auf und setzte sich neben die Frau. Sie unterdrückte den Wunsch, die schwarzhaarige Frau in den Arm zu nehmen, um sie zu trösten. Zum einen aufgrund von Miandras Verletzungen und zum anderen war der Elfe bereits aufgefallen, dass sich die schwarzhaarige Frau unwohl zu fühlen schien, wenn Vernita ihr zu nahe kam. So saß sie einfach neben Miandra, wobei sich die Arme der Frauen leicht berührten. Miandra sollte wissen, dass die Elfe für sie da war, ohne sich bedrängt zu fühlen.
„Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen, wegen dem, was geschehen ist, Miandra“, meinte Vernita mitfühlend. „Dich trifft keine Schuld. Schließlich wolltest du nur das Beste für deine Tochter. Du konntest unmöglich wissen, dass etwas Derartiges geschehen würde. Und natürlich will sie dich wieder sehen. Bestimmt mehr als jemals zuvor. Und alles, was sie dir vorgeworfen hat, wird dann vergessen sein. Kinder sagen solche Dinge sehr schnell, ohne weiter darüber nachzudenken. Nach ein paar Stunden tut es ihnen dann meist schon wieder leid. Du wirst schon sehen. Alles wird gut.“
In diesem Augenblick kam Leanora mit ihrem Griesbrei vorbei und überreichte diesen an Vernita und Miandra.
„Danke“, meinte die Elfe noch, doch da war die Frau auch schon wieder verschwunden.
„Und was meine Vision angeht, da bin ich mir ganz sicher, dass dies mehr als ein Traum war. Dazu sind die Bilder immer noch zu deutlich in meinem Kopf vorhanden. Das ist mehr als reines Wunschdenken, wart es nur ab“, lächelte Vernita die Frau neben sich zuversichtlich an. „Aber jetzt lass uns was essen. Ich hoffe, dir bekommt das hier besser als meine gepantschte Suppe.“
Modifié par Aliens Crew, 19 octobre 2010 - 03:11 .





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