Vernita war etwas überrascht, als sie Miandras Frage hörte. Deshalb antwortete sie auch nicht sofort, sondern grübelte erst einige Augenblick vor sich hin.
„Nein“, erwiderte sich schließlich fest. „Ich habe noch nie an Selbstmord gedacht. Nur einmal hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mich einfach töten zu lassen, da ich keinen Sinn mehr darin sah, weiterzuleben. Das war der Moment, nachdem ich das Schwein getötet hatte, welches mir alles genommen hatte, was ich besaß. Meine Familie, meinen Stolz, meine Würde...mein Kind.“
Die Worte der Elfe wurden immer leiser, und sie schloss die Augen, da sie merkte, wie ihr die Erinnerung an ihr Baby, welches in seinem Bettchen abgeschlachtet worden war, Tränen in die Augen trieb. Sie atmete einige Male tief durch, um sich wieder zu fangen, was ihr aber nur halbwegs gelang.
„Doch ich habe diesen Gedanken schnell wieder verworfen“, erzählte Vernita weiter. „Mir wurde klar, dass mein Peiniger selbst nach seinem Ende noch gewonnen hätte, wenn ich aufgeben und den Freitod wählen würde. So beschloss ich, alles zu tun, was nötig war, um am Leben zu bleiben. Ich wurde ein Grauer Wächter, nicht weil ich von der Sache dieses Ordens überzeugt war, sondern nur, weil mir der Beitritt ein Ende an einem Strick erspart hatte. Genauso verhielt es sich mit der Verderbnis. Ich kämpfte nicht für diese Welt, sondern nur für mich selbst. Denn an jedem Tag, den ich mir erkämpfte und an dem ich nicht gestorben bin, besiegte ich dieses kranke Stück Scheiße. Und für lange Zeit, war dies mein einziger Lebensinhalt. Doch nun...“
Sie legte sanft ihre Hand auf Miandras Schulter und überlegte. Sollte sie es ihr sagen? Sollte sie es ihr offenbaren, was doch so offensichtlich war? Tat sie damit das Richtige? Oder würde sie nur alles zerstören? Doch schließlich konnte sie ihre Gefühle nicht ewig für sich behalten. Irgendwann müsste sie darüber reden oder daran ersticken. Und wer weiß, ob sie später noch einmal eine Gelegenheit dazu bekam, sie Miandra offen darzulegen.
„...nun habe ich dich“, fuhr sie mit leiser Stimme fort. „Und ich werde alles tun, was in meiner Macht liegt, um dir und deiner Tochter zu helfen, weil...nun...weil ich dich liebe, Miandra.“
Nach diesen Worten schwieg die Elfe, und für den Moment hörten die beiden Frauen nur das Plätschern des Regens und das Schlagen ihrer eigenen Herzen.
Modifié par Aliens Crew, 25 octobre 2010 - 08:55 .