Vernita dürfte an ihren ständigen Belehrungen Gefallen finden, sie hörte einfach nicht damit auf. Neria war schon viel zu müde um darauf einzugehen. Doch Vernitas letzten Satz ließ sich Neria noch einmal auf der Zunge zergehen und murmelte ihn nach, während sie eiligen Schrittes Leanora hinterher lief, die Vernita gefolgt war. „Sie solle mit dem Verstand und nicht mit dem Herz Entscheidungen treffen“
„Ihr Herz hatte sie schon vor langer Zeit verloren, man hatte es ihr regelrecht herausgerissen“ stellte sie fest.
Ihre beschlagenen Stiefel klapperten durch die Gassen, zu laut wie sie glaubte deshalb blieb sie kurz stehen, zog die Schuhe aus und nahm sie in ihre Hände um dann sogleich den beiden Frauen nach zu hetzen.
Sie huschten wie drei Schatten durch die verwinkelten Gassen. Neria hatte die beiden Frauen gerade eingeholt als Vernita abrupt stehen blieb und an eine Tür klopfte. Die Tür öffnete sich einen Spalt, offensichtlich wurde Vernita erkannt und sie wurden eingelassen. Neria betrat ein Gebäude das wie ein Verkaufsraum aussah. Vernita flüsterte mit dem Mann einige Worte, wahrscheinlich klärte sie ihn über Neria auf zudem dürfte Vernita sich über etwas, was den Mann betraf, ärgern. Sie schnappte nur flüchtig einen Namen auf „Kylar“. Vernita gab Neria ein Zeichen ihr ins Hinterzimmer zu folgen. Auf dem Weg dorthin drängte sie sich bei dem Fremden vorbei, kurz streiften sich ihre Blicke und Neria zuckte zusammen.
„Schon wieder ein Elf grummelte sie in sich hinein“ Der junge Elf sah recht gut aus dennoch hätte er ihr tot noch besser gefallen. Leanora lächelte Kylar an als hätten die beide etwas miteinander.
Neria die Leanora erstmals im Licht sah war erleichtert das wenigstens die blonde, hübsche Frau kein Elf war.
Im Hinterzimmer angelangt gingen sie Treppen nach unten bis sie Vernita einen versteckten Zugang öffnete und sie einen kleinen Raum betraten der anscheinend als eine Art Lagerraum diente.
Der modrige Geruch der ihr in die Nase stieg erinnerte sie irgendwie an das Kellergewölbe im Zirkel, wo sie ihren Studien nachgegangen war.
Der Raum war dürftig mit 2 Fackeln beleuchtet die an der Kellerwand hingen. In einer Feuerstelle loderte ein kleines Lagerfeuer; darüber hängendes Kochgeschirr und der Duft von Essen deutete darauf hin dass es kürzlich als Kochstelle benutzt wurde. Etwas weiter am Rand standen einige Sessel und ein Tisch, auf ihm eine Kerze die schon in ihren letzten Zügen lag. Hinter dem Tisch waren einige provisorische Betten, die teilweise aus simplen Schlafmatten bestanden, an der Kellerwand entlang aneinandergereiht.
Neria fühlte wie ein beklemmendes Gefühl in ihr hochstieg. Sie hasste enge Räume wenn sie sich nicht sogar zugestehen musste Raumangst zu haben. „Als Magier muss man auf Abstand zu seinen Gegnern bedacht sein wenn man den nicht hat kann das tödlich enden.“ Instinktiv suchte sie sofort nach einer Möglichkeit wie man sich hier am besten verteidigen könne.
Erst jetzt bemerkte sie dass sich weitere Personen in dem Keller befanden. Um sie besser erkennen zu können ging sie langsamen Schrittes in Richtung des Tisches vor dem sie stehen blieb, Während das schwache Kerzenlicht in ihren Augen flackerte, musterte sie kritisch die illustre Runde. Auf einem der Betten erblickte sie einen schlafenden Mann der ein Krieger zu sein schien. Davor konnte sie eine junge Frau betrachten die unmotiviert rumhüpfte. "Etwas spät für Morgensport "dachte sie belustigt.
Ihr Blick wanderte weiter und verweilte bei einer schwarzhaarigen Frau die im Bett daneben gedankenverloren kauerte. Sie schien Schmerzen zu haben da sie in einer unnatürlichen Haltung verweilte. Schließlich warf sie ihren Blick auf die beiden Frauen die sie in der Ecke des Raumes vorfand. Die eine war Leanora die mittlerweile auf dem Bett das dort stand Platz genommen hatte. Nach näherer Betrachtung erkannte sie, dass es sich bei der anderen um ein Elfenmädchen handelte das sich offensichtlich erfreut über Leanoras Rückkehr an den Körper der Menschenfrau schmiegte.
„Was in des Teufels Namen macht dieser Elfenbengel hier“ schnaubte sie wütend in den Raum und war gerade im Begriff sich selbst zu vergessen.
„Ein Kind dabei zu haben bedeutet nur zusätzliche Gefahr die man sich nicht leisten könne außerdem ist es elfischer Herkunft“ schoss es ihr durch den Kopf.
„Ich sollte es töten doch dann hätte ich wahrscheinlich das ganze Lumpenpack hier auf dem Hals, wer weiß was ihnen an der Göre liegt“ spinnt sie den Gedanken weiter.
„Doch sie war nicht hier um zu töten, zumindest noch nicht, denn ihr Rachefeldzug im Gesindeviertel hatte Vorrang zudem brauchte sie ein Versteck wo sie danach untertauchen könnte. Es wäre töricht alles wegen einem Kind aufs Spiel zu setzen.“
Mit schnellen Schritten ging sie um den Tisch herum und verharrte in stoischer Haltung vor den beiden.
Die Kleine war sichtlich von ihren forschen Worten erschrocken und drückte sich nun noch mehr an Leanora. Neria war nicht entgangen dass das Elfenmädchen verletzt war und raunte über ihre Schulter hinweg zu den anderen Anwesenden.
„Was seid ihr nur für ein armseliger Haufen das ihr ein Kind für euch kämpfen lässt?“ Ihre Worte waren noch nicht im Gewölbe verhallt fuhr sie fort. “Wie wollt ihr euch selbst verteidigen wenn ihr nicht einmal diese “sie schnappt kurz nach Luft um ein passendes Wort zu finden „Elfenbrut schützen könnt?“
Sie drehte sich forsch zu Vernita um die noch bei der Tür verweilte und wirft ihr spöttisch zu „Ein Resultat eurer hervorragenden Führungsqualitäten? oder habt ihr der Göre das Messer selbst in die Brust gerammt weil sie nicht nach eurem Befehl gehandelt hat?“
Dann wandte sie sich wieder dem Elfenkind zu
„Ob ich will oder nicht ich muss dieses Kind heilen, das elende Gewimmer würde ihr den letzten Nerv rauben zudem stellte es in diesem Zustand eine Gefahr für alle hier unten dar. Was wäre wenn sie flüchten oder erneut kämpfen müssten?“ und dachte an Vernitas vorhaben.
„Der blonde Engel neben ihr machte ihr nicht den Eindruck als würde sie das Kind in Stich lassen, und wenn die Blonde nicht geht…..Neria zählte eins und eins zusammen und sah sich schon so gut wie in einem Kampf der nicht ihrer war. Ich muss einige Tage mit den Leuten hier auskommen bis sich die Dinge in Denerim etwas beruhigt haben also nehme ich das kleinere Übel in Kauf“
„Gebt mir ein Messer" herrschte sie die Anwesenden an, doch während sich deren Mienen ob ihrer bisherigen Worte nur verfinsterten machte keiner auch nur Anstalten ihrem Wunsch Folge zu leisten. Verärgert kramte sie in ihrer Tasche nach ihrem eigenen Dolch, nahm ihn zur Hand und schloss mit einem schnellen Schritt die flüchtige Lücke die sie noch von dem Elfenmädchen trennte.
„ ….sie spürte wie die Luft vor Spannung vibrierte die trügerische Stille wirkte gespenstisch und bedrückend zugleich, man konnte sogar das flackern des Kerzenlichts hören das durch den leichten Luftzug der durch den Türspalt kam verursacht wurde, die Hände aller Anwesenden näherten sich unscheinbar ihren Waffen, bereit jeden Moment aufzuspringen und über Neria herzufallen.“
Bevor jedoch die Situation eskalierte schnitt sich Neria für alle sichtbar in den Unterarm aus dem sogleich ein kleiner Rinnsal ihres Blutes auf den Steinboden zu tropfen begann und erklärte mit ruhiger Stimme.
„Ich verwende keinen herkömmlichen Heilzauber, da diese die Verletzungen nur oberflächlich heilen können und kurzfristig helfen. Ich habe einige Zauber erlernt die eine Mischung aus Geistheilung und Blutmagie sind. Damit kann ich Wunden, die noch relativ frisch sind, komplett heilen. Allerdings ist diese Prozedur mit großen Schmerzen verbunden da der Heilprozess innerhalb von Sekunden stattfindet“
„Du erträgst doch Schmerzen oder?“ befragte sie die junge Elfe und sah sie dabei mit durchdringendem Blick an. Doch als sie ihr verweintes Gesicht sah verzichtete sie darauf die Antwort abzuwarten, schüttelte lediglich verächtlich den Kopf und beschloss den Part mit den Schmerzen selbst zu übernehmen.
„Wenn die hier zum Schreien beginnt haben wir innerhalb von Minuten die gesamte Stadtwache oder wenn es noch schlimmer kommt die Templer auf dem Hals“
Sie kniete sich vor das Bett, zog die junge Elfe unsanft zu sich heran, fasste mit festem Griff ihre Hand, schloss ihre Augen und murmelte für die anderen unverständliche Worte. Ihre Hände fingen dabei in einem blassen rot zu schimmern an und ein rötlicher Nebel breitete sich innerhalb weniger Sekunden über den gesamten Körper des jungen Mädchens aus. Neria zuckte nur kurz zusammen als der Schmerz des Heilvorganges ihren eigenen Körper erreichte.
Selbstzufrieden betrachtete sie das Resultat ihres Heilzaubers, stand wieder auf und sprach „Braucht noch wer Heilung?“ Dann richtete sie ihr Wort herausfordernd direkt an die schwarzhaarige Frau.
„Was ist mit euch meine Liebe? Erlaubt es euer Stolz sich von mir helfen zu lassen? Ihr scheint mir ja ziemlich mitgenommen zu sein. Oder zieht ihr es vor eure Gefährten zu gefährden weil ihr nicht voll einsatzfähig seid? Ich kann und will es mir ehrlich gesagt auch nicht leisten von euch wegen eurer Verletzungen aufgehalten zu werden. Bevor ihr mir jedoch antwortet möchte ich euch darauf hinweisen dass ich für euch den Part mit den Schmerzen nicht übernehmen werde“,
ihr Blick streift über ihren Körper und sie fügt dem gesagten hinzu „Wie es mir scheint seid ihr Schmerzen ja irgendwie gewöhnt zu sein.
In Erwartung einer Antwort starrte sie die schwarzhaarige mit ihrem kalten, ausdrucklosen Blick an, während sie mit dem Dolch in ihrer Hand spielte.
Modifié par Doomheart43, 04 novembre 2010 - 10:38 .