Die Elfe strich sich bei ihren Worten über die Narbe unter ihrem linken Ohr, wobei sie an ihre eigene Rache zurückdachte, die ihr fast das Leben gekostet hätte und die sie in ein Leben gedrängt hatte, welches sie nie leben wollte. „Und ich bin selbst eine Mörderin, also braucht Ihr von mir kein Urteil wegen Eurer Taten zu erwarten. Nur das Abschlachten von Elfen, die mit Eurem Schicksal nichts zu tun hatten, solltet Ihr unterlassen, wenn Ihr nicht sterben wollt, bevor Ihr die wahren Schuldigen zur Strecke gebracht habt. Außerdem gefällt mir der Gedanke nicht, dass ich aufgrund meiner Herkunft ebenfalls auf Eurer Abschussliste stehen könnte. Das wollen wir doch lieber lassen, was?“
Ein Grinsen legte sich auf Vernitas Gesicht, als hätte sie gerade einen guten Witz gemacht. „Und was das Reinwaschen Eures Namens angeht...nun, dazu müsst Ihr einfach nur genug Dunkle Brut samt dessen anführenden Erzdämons niederstrecken und den Staub vor Euren Füßen fressen lassen, und schon wird Euch alles vergeben. Außerdem habe ich dadurch auch ein wenig Erfahrung sammeln können, wenn es darum geht, mich gegen eine angebliche Übermacht zu stellen. Das kriegen wir schon hin, keine Panik.“
Miandra wandte sich von den beiden ab und ging zu ihrer Liege zurück, nachdem sie Nerias Vorschlag zugestimmt hatte, sich von dieser heilen zu lassen. Die Magierin sah daraufhin die Elfe an, als ob sie auf deren Zustimmung wartete. Vernita nickte einmal kurz, doch als Neria dann aufstehen wollte, packte die Elfe sie am Kragen und zog sie zu sich heran.
„Passt auf, dass ihr nichts geschieht“, flüsterte sie der Magierin ins Ohr, wobei ihre Stimme einen flehenden Unterton hatte. „Diese Frau ist mir sehr wichtig, und ich will nicht, dass Ihr irgendetwas Schlimmes widerfährt. Sie hat bereits genug Leid erfahren.“
Nach diesen Worten, löste Vernita ihren Griff und ließ die Magierin gewähren. Während diese zu Miandra hinüberging und mit ihr sprach, setzte sich die Elfe auf ihre eigene Liege und beobachtete das Schauspiel mit besorgter Miene. Sollte der schwarzhaarige Frau dabei etwas geschehen, so wusste sie nicht, ob sie diesen Verlust ertragen konnte. Im Moment fühlte sich Vernita so hilflos wie schon lange nicht mehr.
Und als Neria begann ihre Hände über Miandras Körper gleiten zu lassen, spürte Vernita, wie so etwas wie Wut in ihr hochkam, die sie sich nicht erklären konnte. Sie stand kurz davor, aufzuspringen, Neria mit einer schnellen Bewegung das Genick zu brechen und ihre Leiche achtlos in die Ecke zu werfen. Und das, obwohl diese doch nur das Beste für die schwarzhaarige Frau wollte. Was war nur los mit ihr? War sie etwa eifersüchtig? War es das? Konnte sie es nicht ertragen, dass diese Magierin die Frau berührte, die sie so sehr liebte? Etwas, was sie aufgrund von Miandras abweisender Haltung nicht zu tun vermochte? Es sah wirklich so aus.
Die Elfe fuhr sich mehrmals über das Gesicht, rieb sich die Hände oder schlug mit der Faust in ihre eigene Handfläche, um dieses Gefühl zu unterdrücken und sich selbst unter Kontrolle zu halten, was ihr aber immer schwerer fiel, je länger diese Heilungsprozedur dauerte. Doch vor allem die Angst vor dem was passieren konnte, wenn sie sich einmischen würde, hielt die Elfe zurück, etwas unüberlegtes zu tun. Als das Ganze endlich vorbei war, sackte Neria, offenbar am Ende ihrer Kräfte, in sich zusammen und fiel auf den kalten Boden.
Vernita sprang sogleich auf, ging zu ihr hinüber und hob sie vom Boden auf. Anschließend legte sie die Frau auf ihre eigene Liege, damit diese die Nacht nicht auf der Erde verbringen musste. Nachdem sie die Magierin dort abgelegt hatte, besorgte sie sich Verbandszeug und versorgte damit Nerias Verletzung. Danach setzte Vernita sich neben Miandra und sah diese besorgt an.
„Und, geht es dir jetzt besser?“ fragte sie fürsorglich, aber auch mit einem Hauch von Angst in der Stimme. Angst davor, dass die schwarzhaarige Frau wieder so abweisend sein würde, wie sie es bei ihrem letzten Gespräch gewesen war.
Modifié par Aliens Crew, 06 novembre 2010 - 04:57 .





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