„Sind die anderen da drinnen?“ fragte die Elfe in einem genervten Ton, als sie vor den Zwillingen zum Stillstand kam, die aneinandergelehnt neben der Eingangstür standen und in die Luft starrten, mit den Gedanken offenbar meilenweit entfernt.
„Ja, sie sprechen gerade mit dem Besitzer“, meinte einer der beiden, der in einer dunklen Lederrüstung gekleidet war, ohne die Elfe anzusehen.
„Und es scheint ihnen großes Vergnügen zu bereiten“, fügte der zweite von ihnen grinsend hinzu, welcher einen weiten Kapuzenmantel trug.
„Schicke Sachen habt ihr da übrigens an“, bemerkte die Elfe abfällig.
„Ja, nicht wahr? Sie gehörten den beiden Gefangenen und passen uns doch ausgezeichnet, findet Ihr nicht?“ erwiderte der Zwilling in dem Mantel.
„Und sie haben uns direkt hierher geführt“, fügte der zweite geistesabwesend hinzu.
Die Elfe schüttelte nur den Kopf. Sie konnte die Zwillinge weder auseinander halten noch wirklich ernst nehmen. Außerdem fragte sie sich, ob die beiden überhaupt zurechnungsfähig waren. Doch sie schienen wirklich gute Spürhunde zu sein. Ein Grinsen legte sich auf das Gesicht der Frau, als sie sich vorstellte, wie die beiden mit der Nase im Dreck schnupperten und auf allen vieren zu ihrem Ziel trotteten, wie zwei lausige Köter. Sie wollte sich gerade wieder in Bewegung setzten, als der Qunari, der auf der anderen Seite der Tür stand, mehr zu sich selbst als zu ihr sprach.
„Es sind heute erstaunlich viele Templer auf den Straßen unterwegs“, meinte er emotionslos, wobei seine Augen überall nur nicht auf der Elfe zu ruhen schienen.
„Ja, die suchen wohl nach einem abtrünnigen Magier“, entgegnete die Elfe, wobei sie ebenfalls ihren Blick über die Personen auf den Wegen und Gassen wandern ließ. „Frage mich, ob das nicht sogar unser neuer Freund ist.“
Sie lachte über ihre eigenen Worte, bevor sie schließlich an den dreien vorbeiging und durch die Tür das Gebäude betrat. Der Schankraum war menschenleer, die Tische frisch abgeputzt. Ein Wischer lag neben einem vollen Wassereimer auf dem Boden. Anscheinend hatte dort jemand seine Reinigungsarbeiten abgebrochen, oder wurde dabei unterbrochen.
Durch die geschlossene Tür am anderen Ende des Raumes vernahm sie das Murmeln von Stimmen. Dort mussten sich ihren neuen „Gefährten“ aufhalten. Sie folgte dem Geräusch und betrat kurz darauf den Nachbarraum, eindeutig die Küche der Herberge. Ihr viel sofort auf, dass auf dem Ofen ein Topf mit Wasser stand, welches wohl schon eine Weile kochte, da weiße Dampfschaden aus ihm emporstiegen.
Außerdem sah sie den Orlaisianer und die Zwergin, die gerade einen fetten Kerl in die Mangel nahmen, vermutlich den Wirt der Herberge. Er wies mehrere Platzwunden auf, zudem war sein Gesicht puterrot und mit unzähligen Brandblasen übersät. Die Elfe konnte sich schon denken, woher diese stammten. In einer Ecke lag noch ein weiterer Mann gefesselt am Boden und beobachtete mit schreckgeweiteten Augen das Geschehen. Neben ihm stand der Magus, der ziemlich gelangweilt den anderen beiden ein Zeichen gab. Die Zwergin nickte daraufhin, bevor die beiden den Kopf des Wirtes in Topf mit dem kochendheißend Wasser stopften.
Der Wirt strampelte wie wild mit Händen und Füßen, doch kam er gegen die Kraft der beiden Söldner nicht an. Dabei gurgelte und röchelte er, während er das heiße Wasser schlucken musste. Nach kurzer Zeit gab der Magus ein weiteres Zeichen, woraufhin, die beiden den Wirt wieder aus dem Topf zogen. Keuchend und prustend holte dieser Luft, wobei noch weiße Dampfschaden aus seinem verbrannten Gesicht aufstiegen.
„So, die Fremden nach denen ich dich gefragt habe, waren also hier und haben hier ein paar Tage übernachtet, richtig?“ fragte der Magus kühl, wobei er scheinbar desinteressiert seine Fingerspitzen inspizierte. Der Angesprochene nickte sofort. „Und sonst ist dir nichts aufgefallen? Hatten sie vielleicht Besuch oder hast du mal mitbekommen, worüber sie gesprochen haben?“
„Sie haben immer darauf geachtet, dass ich von ihren Gesprächen nichts mitbekomme“, stammelte der Wirt, wobei in seiner Stimme Angst und Panik mitschwang. „Und an Besuch kann ich mich nicht erinnern.“
Der Magus verdrehte die Augen, während er den beiden Söldnern erneut ein Zeichen gab. Diese bewegten den Kopf des Wirtes ein weiteres Mal in Richtung Topf. Dessen Augen weiteten sich, während er sich dem Gefäß immer mehr näherte. „Wartet. Mir fällt gerade noch was ein.“
Sogleich hob der Magus die Hand, woraufhin die beiden Söldner inne hielten und sah den Wirt zum ersten Mal direkt an. „Dann spucke es schon aus!“
„Ein dunkelhaariger Elf mit einer auffälligen Tätowierung auf der Stirn hat diese Leute mehr als einmal besucht. Ich glaube, er ist ein Schneidermeister oder etwas in der Art.“
„Name?!?“
„Ich kenne den Namen leider nicht. Ich schwöre es.“
„Ich wünschte, ich könnte dir so ohne weiteres glauben“, bemerkte der Magus, woraufhin er seinen beiden Komplizen erneut en Zeichen gab. Diese wussten sofort, was jetzt kommen sollte. Der Orlaisianer verdrehte dem Wirt den Arm, woraufhin dieser schmerzerfüllt aufheulte, bevor er dessen Hand auf den heißen Ofen presste, sodass es laut zischte. Aus dem Heulen des Wirtes wurde ein Schreien, das lauter wurde je länger seine Hand auf der heißen Platte verbrannte. Doch dann war da auch schon die Zwergin heran, holte aus und schlug noch im selben Moment mit ihrer Axt zu. Der wuchtige Hieb trennte die Hand des Mannes unterhalb des Handgelenkes einfach ab. Der Getroffene ging kreischend zu Boden, wobei er den Armstumpf, aus dem literweise Blut spritzte, mit seiner anderen Hand umklammerte.
Die Zwergin hingegen schnappte sich die abgetrennte Hand und warf sie sogleich in den Kochtopf. „Ein kleiner Imbiss“, scherzte sie nur, als die anderen sie überrascht ansahen.
„Und, ist dir der Name jetzt eingefallen?“ herrschte der Magus den Wirt an. Doch dieser antwortete nicht, sondern kreischte weiter vor sich hin. „Und hör mit dem Gejammer auf, sonst schneiden dir die beiden die andere Hand auch noch ab.“
„Ich weiß ihn wirklich nicht“, wimmerte der Wirt unter Tränen.
„Du bist jämmerlich, du Wurm“, verspottete der Magus den Mann, während er an ihm vorbeiging und sich zu der Elfe gesellte, die nach wie vor an der Tür stand. „Kümmert Euch um dieses Häufchen Elend, sowie um seinen Gehilfen und jeden, den Ihr hier sonst noch findet. Anschließend trefft uns in unserer Taverne, damit wir unsere weiteren Schritte planen können.“
Mit einer theatralischen Handbewegung bedeutete er der Elfe mit ihm nach draußen zu gehen. „Kommt, meine Liebe. Lassen wir die beiden die Drecksarbeit erledigen.“
„Das wird ein Festessen“, lachte die Zwergin, dreckig, während sie dem Wirt mit ihrer Axt einen Fuß abschlug.
„Ja, macht ihn fertig“, grölte der Orlaisianer wie von Sinnen, während er mit dem Blut des Wirtes bespritzt wurde.
„Ich habt recht“, meinte die Elfe nur kopfschüttelnd, bevor sie gemeinsam mit dem Magus die Küche verließ und zurück in den Schankraum ging, wo sie sich an ihn wandte. „Denkt Ihr, dass es klug ist, ein solches Schlachtfest zu hinterlassen?“
„Wir haben freie Hand mit diesem Gesindel zu verfahren, wie es uns beliebt. Das sind Staatsfeinde. Nach ihnen und ihren Verbündeten kräht im Nachhinein kein Hahn mehr“, beschwichtigte der Magus abwinkend. „Und so bekommen die beiden wenigstens etwas Spaß und gehen uns nicht auf die Nerven.“
„Von unserer Gruppe seid Ihr mir noch der Liebste. In Eurem Kopf befindet sich zumindest ein Gehirn, dass auch regelmäßig benutzt wird“, schmunzelte die Elfe.
„Danke, meine Liebe. Das Kompliment kann ich nur zurückgeben. Aber davon ab...habt Ihr etwas herausgefunden?“
„Nun, seit letzter Nacht treiben sich erstaunlich viele Templer in der Stadt herum.“
„Ja, die habe ich auch schon bemerkt.“
„Und es heißt, dass ein Inquisitor auf dem Weg hierher ist, der in ein paar Tagen hier eintreffen wird“, berichtete die Frau weiter.
„Ein Inquisitor? Kennt Ihr auch seinen Namen?“
„Nun, er wird der Bartlose genannt. Sagt Euch der Name etwas?“
„Allerdings“, grinste der Magus boshaft. „Der Bartlose ist wohl der schlimmste Alptraum eines jeden abtrünnigen Magiers. Er ist ein Zwerg, die ja schon allgemein über eine gewisse Magieresistenz verfügen, doch dieses Exemplar ist ein wahres Unikum. Es heißt, dass er vollkommen immun gegenüber magischen Einflüssen sein soll, sowohl negativen wie auch positiven. Außerdem ist er ein wahrer Meister im Umgang mit der Axt. Wen auch immer die Kirche da erwischen will, diese Person muss verdammt gefährlich sein. Das dürfte interessant werden.“
„Er ist doch nicht hinter Euch her, oder?“ Die Frau klang ein wenig beunruhigt, aber wohl mehr aus Eigeninteresse als aus Sorge um den Magier.
„Keine Angst, meine Liebe. Mein Status wurde von der Kirche schon lange anerkannt. Da könnt Ihr ganz beruhigt sein.“
„Ah, verstehe. Und hat dieser Wurm noch etwas anderes von sich gegeben, außer die Sache mit diesem Schneider.“
„In der Tat“, lachte der Magus auf. „Offenbar besteht die Gruppe, die wir suchen noch aus drei uns bisher unbekannten Mitgliedern. Da wäre zum einen eine gutaussehende, blondhaarige Frau, die von edler Abstammung zu sein scheint. Dann ist da noch ein Krieger und ein kleines Mädchen.“
„Ein Mädchen? Tatsächlich?“
„Sieht so aus“, meinte der Magus noch, als er die Tür zur Taverne öffnete und die Elfe nach draußen treten ließ. „Ich werde Euch nachher noch die Einzelheiten dazu offenbaren.“
Nachdem die beiden die Taverne verlassen hatten, schlug der Magus die Tür hinter sich zu, was die Schmerzensschreie des Wirtes ungehört hinter ihnen im Nichts verhallen ließ.
Modifié par Aliens Crew, 15 décembre 2010 - 02:58 .