Nachdem sie Rowan am Hals gepackt hatte, und ihr weitere Nettigkeiten an den Kopf geworfen hatte, war Rowan auch schon wieder so schnell im Keller verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Neria kochte innerlich vor Wut, diese Schlampe hatte weit mehr als nur ihren Stolz verletzt, und das sollte sie nun büßen. Doch gerade als Neria ihr mordlüstern nachstürzen wollte, wurde sie von Vernita am Kragen zurückgerissen.
Sie entpuppte sich sogleich als jene Vernita, die sie kennen gelernt hatte. Neria hatte schon daran gezweifelt, da sie verdächtig lange während des Disputes mit Rowan geschwiegen hatte, doch anscheinend nur um ihren eigenen Redefluss zu nähren.
Neria hörte nur widerwillig ihren Worten zu. Einiges davon Drang nur in Wortfetzen an ihr Ohr, da ihr der Hass, der sich in ihr aufgestaut hatte, die Sinne raubte. Dennoch ließ sie Vernita zu ende sprechen, die sie schließlich sogar losließ, wie sie ihre Hände in die Hüften stemmte.
Neria war einen kurzen Moment versucht doch noch Rowan in den Keller folgen, und sah abschätzend zur Kellertür, ob es ihr gelingen würde die Kellertür zu erreichen, bevor sie Vernita zurückhalten konnte, ohne dass sie Vernita nun lähmen müsste. Gerade in diesem Augenblick kam Lydia aus dem Keller, und beschimpfte Vernita wüst. Sie tat noch mehr als das, sie stellte sich auf Nerias Seite und verteidigte sie und ihr handeln.
Neria war so berührt und beeindruckt von dem Auftritt des Mädchens, dass sie halbwegs wieder zur ihrer Räson fand. Noch nie hatte sich jemand sosehr für sie eingesetzt, dachte sie wehmütig und wenn sie jetzt ginge würde sie Lydia in Stich lassen, sie würde sie Vernitas Wut überlassen. Da sie das nicht übers Herz brachte, wandte sie sich seufzend Vernita zu und entgegnete ihr mit leicht vor Wut bebender Stimme.
„Vernita, ihr kennt mich mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass ich obwohl ich mich verändert habe, sich eines bei mir nicht verändert hat, und das ist mein Stolz. Verletzter Stolz führt bei mir immer noch zu Wut, und Wut führt bei mir zu Hass, und Hass mach mich wieder zu der die ich war. Ich kann mir schwer vorstellen, dass ihr die Neria wieder haben wollt, die ihr kennen gelernt habt, weil das würde das Vertrauen, das wir untereinander mühsam aufgebaut haben, wieder zerstören.“
„Wir würden wieder dort stehen, wo wir schon einmal waren“, fügte sie bedauernd hinzu. „Deswegen liegt es mir fern, mich mit euch zu streiten. Ich wäre eine schlechte Führerin, erstens bin ich den Umgang mit Begleitern nicht gewöhnt, da ich immer alleine umhergezogen bin, und zweitens hätte ich die Hälfte von dem Haufen hier schon eigenhändig umgebracht. Da könnte ich mich gleich alleine den Kämpfen stellen, die auf uns zukommen“,
stellte sie nachdenklich fest.
„Azoth zu fragen wäre auch nicht gerade ratsam. Was dabei rauskommt, wenn ich mit jemanden reden will, habt ihr gerade am eigenen Leib erfahren, und ich habe die ständigen Abweisungen satt“, fuhr sie wütend fort.
Neria wusste, dass Vernita recht hatte, dass es eine hirnrissige Aktion wäre, bei Tageslicht hier rauszustolzieren, gerade wo die ganze Stadt wegen der sieben toten Templer in Aufruhr war, auch wenn sie es ihr nicht zugestehen wollte. Doch den Gedanken, das Versteck zu verlassen, hatte sie wegen Lydia sowieso schon aufgegeben. Doch wieder in den Keller zu gehen, nein, bei allem Respekt den sie Vernita entgegenbrachte, ein Ding der Unmöglichkeit.
Sie wollte noch ein wenig Zeit gewinnen und darüber nachdenken was sie zu tun gedachte, deshalb sprach sie schnell weiter.
„Das Haus in dem Dickicht liegt zwar außerhalb der Stadt, aber wer sagt euch, dass wir dafür die Stadttore passieren müssen?“, und sie beschrieb Vernita den genauen Standpunkt von einem beschädigten Mauerstück in der Stadtmauer, welches sich am ende eines verwinkelten Gassenwerks im Gesindeviertel befand. Es ist zwar schon etliche Monde her, aber vielleicht lohnt es sich wirklich, sich das einmal anzusehen“ beschloss sie ihre Ausführungen
Schlussendlich kam Neria doch zu dem Punkt der ihr überhaupt nicht behagte, sie musste Vernita auf die Frage antworten, ob sie ihr nun in den Keller folgen würde. Nerias Augen funkelten immer noch voller Kampfeslust und Hass, dennoch versuchte sie ihre Worte so gut es ging zu zügeln.
„Vernita, regelt mit Rowan was ihr zu regeln habt, ich komme vorerst nicht mit sonst passiert ein Unglück, dann lasse ich mich von euch nicht mehr zurückhalten“ bestätigte sie noch einmal ihre Bedenken.
„Ich verspreche euch hier zu bleiben, wenn sie einsichtig ist und bereit ist den Disput zu beenden, dann werde ich über meinen Schatten springen und es auch sein. Sollte sie nicht so denken, dann schickt sie raus, dann werden wir es hier und jetzt auf andere Weise beenden“, sagte sie kämpferisch. „Dann soll sie ihren Hund gleich mitnehmen, ich hab keinen Bock mir in der Nacht die Kehle aufschlitzen zu lassen, nur weil er an ihr hängt“ fügte sie entschlossen hinzu.
„Geht jetzt Vernita, ich bleibe mit Lydia hier, und unterlasst es in eurem Interesse, euch an ihr zu vergreifen. Sie nahm Lydia schützend in den Arm, setzte sich mit ihr auf eine der Kellerstufen, und betrachtete argwöhnisch den Mann, der soeben durch die Kellertür gekommen war.
Modifié par Doomheart43, 04 décembre 2010 - 05:46 .