Lea hatte das Stück einfach so gespielt, aber während sie sang, kam ihr die Ironie des Liedes zu Bewußtsein. Sengaal stand hinter ihr, die Hände auf ihren Schultern, und es fühlte sich so an, als würden sie da hin gehören. Sie bedauerte es, als er die Hände wieder weg nahm.
"Für Euch würde ich den ganzen Abend spielen, Sengaal. Es bereitet mir selber Freude, wieder einmal in den Genuß des musizierens zu kommen. Auch wenn ich vielleicht im Kirchenchor mitwirken dürfte, ist es dennoch etwas völlig anderes, privat zu singen und zu spielen. Noch dazu bei so einem hervorragenden Instrument! Da macht es gleich doppelt Spaß.
Zudem hat Bruder Castillá meine Stimme noch nicht gehört. Wer weiß ob er sie überhaupt für gut genug befinden würde."
Sie sah ihm wieder in die Augen und verlor sich in seinem Blick. Sie fand den Kommandanten immer symphatischer je länger der Abend dauerte. Um so froher war sie, als er ein Geschicklichkeitsspiel vorschlug. So würden sie doch noch mehr Zeit miteinander verbringen und sie war noch kein bischen müde.
"Aber gerne würde ich das Spiel einmal probieren, Sengaal. Es kann eigentlich nur witzig werden!"
Der Templer holte das Spiel und bot Lea Portwein an. Dann erklärte er ihr die Spielregeln.
Lea lächelte. "So schwer kann das doch nicht sein?" meinte sie, aber mußte gleich darauf feststellen, dass es doch ganz schön kniffelig war, die Holzstäbchen zu ziehen oder abzuheben, ohne dass ein anderes ins Wackeln kam. Das erste Spiel gewann der Kommandant haushoch, und Lea meinte dazu:
"Das zählt noch nicht, Ihr habt darin schließlich Übung! Laßt uns noch eines zum üben spielen, und dann richtig."
Beim zweiten Durchgang stellte sie sich etwas geschickter an. Der Sieg ging zwar wieder an Neranos, aber nicht mehr so überlegen.
Weitere Spiele folgten, der Abstand wurde immer geringer, und Lea hatte der Ehrgeiz gepackt.
Vor lauter Anstrengung, die Hand völlig ruhig zu halten, hatten sich Leas Wangen mittlerweile langsam gerötet. Der Portwein tat sein übriges dazu. Sie lachten und amüsierten sich wie zwei kleine Kinder, wenn der andere sein Stäbchen verlor.
"Puh, das ist anstrengender, als es aussieht", lachte Leanora. Sie war an der Reihe und balancierte ein Stäbchen geschickt aus dem Stapel, als sie niesen mußte. Um schnell die Hand vor den Mund zu halten, ließ sie beide Stäbe fallen, die daraufhin auf dem Boden landeten.
"Gesundheit" wünschte der Kommandant, und Lea bedankte sich, kniete sich auf den Boden und holte die Stäbchen unterm Tisch hervor. Als sie sich aufrichten wollte, hatte sie jedoch die Ausladung der Tischplatte unterschätzt und stieß sich den Kopf relativ unsanft. Daraufhin ließ sie die Stäbchen noch einmal fallen, um sich mit der rechten Hand an den Hinterkopf zu fassen.
"Aua! Ich glaube, der Tisch ist größer geworden!" rief sie unter dem Möbelstück hervor.
Noch bevor der Kommandant ihr zu Hilfe eilen konnte, krabbelte sie auf allen vieren noch ein Stück zurück, schaute vorsichtig nach oben, und richtete sich dann wieder auf.
Sie sah ihm in die Augen und begann herzhaft zu lachen, so dass ihr beinah die Tränen kamen. Sie stellte sich vor, wie ungeschickt das ausgesehen haben mußte, als sie auf allen vieren krabbelnd sich den Kopf stieß, und die Beute dadurch wieder fallen ließ.
Modifié par Bellandyrs, 02 février 2011 - 08:58 .