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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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#1901
Aliens Crew

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Das erste Messer verfehlte den Zwilling um Längen, doch das zweite flog dicht an seinem Gesicht vorbei. Nur durch eine reflexartige Bewegung seines Kopfes, entging er einem direkten Treffer in seinem Auge. Stattdessen streifte die Klinge lediglich seine Wange und hinterließ einen leichten Schnitt, aus welchem Blut herausfloss. Der Zwilling hielt kurz inne und fuhr sich mit der Handfläche über die Wunde, wodurch diese mit Blut beschmiert wurde.
 
Mit einem faszinierten Leuchten in den Augen bestaunte der Junge seine blutige Hand und kicherte bei diesem Anblick irre. Anschließend leckte er sich das Blut von der Haut und schien es zu genießen. Er seufzte dabei zufrieden, bis seine Hand wieder gereinigt war. Erst danach setzte er sich wieder in Bewegung.
 
Als er die Theke erreichte, stützte er sich mit beiden Händen darauf ab, sprang nach oben und vollführte einen kompletten Überschlag, nur um auf der anderen Seite wieder auf seinen Füßen zu landen. Langsam richtete sich der Zwilling aus seiner gebückten Haltung wieder auf, nachdem er gesehen hatte, dass Miandra in der Küche verschwunden war. Und ein teuflisches Grinsen legte sich auf seine Lippen. Er wusste, dass es aus diesem Raum nur einen Ausgang gab. Seine Beute saß also in der Falle.
 
Gemächlich schritt der Zwilling auf die geschlossene Tür zu. Er hatte keinen Grund mehr zur Eile. Seine Beute würde ihm nicht entkommen, und er kostete diesen Augenblick richtig aus. Was würde er der Frau abschneiden? Mit dieser Frage beschäftigte er sich gedanklich, während er die letzten Meter bis zum Küchenzugang überbrückte. Kichernd positionierte er sich neben der Tür und drückte die Klinke herunter, bevor er den Eingang einen Spaltbreit öffnete.
 
„Täubchen! Wo seid Ihr denn?“ rief er langgezogen in den halbdunklen Raum hinein, während er zwischendurch immer wieder ein heiseres, irres Lachen von sich gab. „Warum versteckt Ihr Euch denn vor mir? Ich will doch nur mit Euch spielen. Kommt raus, dann wird es viel lustiger. Oder soll ich zu Euch hereinkommen und Euch finden. Das könnte auch natürlich auch sehr spaßig werden.“
 
Direkt nach diesen Worten stellte er sich vor die Tür, trat diese mit einem wuchtigen Tritt auf, bevor er auch schon herumkreiselte, um auf der anderen Seite des Einganges wieder in Deckung zu gehen, um eventuellen Wurfmesserattacken der Frau auszuweichen.
 
„Es war mal ein kleines Mädchen, das nimmer wollt gehen zur Kirche“, begann der Zwilling plötzlich zu singen. „Drum hob’ der Vater die Hände, damit sie sich nicht mehr zierte. Er schlug ihr auf den Schädel, bis sie sich nicht mehr regte. Nun war sie beim Erbauer und hatte seinen Segen.“
 
Wieder lachte der Zwilling wie ein Kind. „Komm, sing’ doch mit, dass macht das Ganze doch erst richtig amüsant.“
 
Er stimmte wieder in seinen Singsang ein, wiederholte wieder und wieder dieselbe Zeile in einer monoton klingenden Melodie. Gleichzeitig zog er die Klinge seines Dolches über die eisernen Scharniere der Tür, wodurch er ein kratschendes Geräusch verursachte.
 

Modifié par Aliens Crew, 31 mai 2011 - 03:04 .


#1902
Kaysallie

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Als Miandra die Stimme vernahm, und sich die Tür nur einen Spalt öffnete, wurde ihr klar, dass sie sich einen Angriff mit den Wurfmessern besser sparen sollte. Damit würde sie nur verraten, wo sie sich befand, denn als die blonde Gestalt durch die Tür huschte, bestätigte sich ihre Meinung. Sie hätte ihn – Miandra einigte sich darauf, dass es sich um einen jungen Kerl handeln musste – so zwar erwischt, aber bestimmt nicht tödlich. Er rechnete mit einem solchen Angriff, also musste sie sich etwas anderes einfallen lassen.

Doch was? Sie hatte lediglich ihre Wurfmesser, und konnte sich so einen Nahkampf nicht leisten. Noch dazu nicht gegen jemanden, bei dem sie vermutete, dass er Gifte verwendete – denn wie sonst hätte er Vernita in einen solchen Zustand befördern sollen? Und wie lange würde dieses Gift wohl anhalten? Miandra schüttelte den Gedanken zur Seite. Sie musste einsehen, dass ihr die Elfe dieses Mal nicht helfen konnte. Aber wie sollte sie diesen Wahnsinnigen ausschalten, wenn es nicht einmal jemand wie Vernita schaffte?

Auch diesen Gedanken schüttelte Miandra zu Seite, und versuchte sich darauf zu konzentrieren, was sie aus ihrer misslichen Lage am besten machen konnte. Die gesamte Zeit über war sie regungslos da gestanden, atmete langsam, leise und gleichmäßig, auch wenn sie immer noch spürte, wie sehr ihr Puls raste. Ihr Blick ging zwischen den Regalen durch, so dass sie zwar die Türe sehen konnte, aber nicht ihren Feind. Doch dank seines irren Liedes, welches er die gesamte Zeit von sich gab, und dem grauenhaften Geräusch des Scharniers, an welchem er scheinbar seine Klinge schleifte, wusste sie, wo er sich befand.

So wandte sie ihren Blick von der Tür ab, und musterte weiter den Raum. Es gab mehrere Reihen von Arbeitsflächen, an denen wohl zuvor fleißig gearbeitet wurde. Alle denkbaren Gemüsesorten lagen dort, manche bereits für einen Eintopf in kleine Teile geschnitten, andere nur hergerichtet. Selbst ein Gemüsemesser konnte sie ausmachen, doch würde ihr das wohl kaum eine Hilfe sein. Doch an einem anderen Tisch, stach ihr etwas Geeigneteres ins Auge.

Als sie in die Taverne getreten war, vermeinte sie den Geruch von Lamm vernommen zu haben. Und tatsächlich, lag auf dem Tisch ein bereits gehäutetes und ausgeräumtes Tier, das sie an ein Lamm erinnerte – zumindest der Teil, der davon übrig war. Direkt daneben an der Wand, funkelten alle möglichen Fleischermesser in dem schwachen Licht des Kamins. Sie würden zwar nicht an die Kurzschwerter von Vernita rankommen, doch waren einige davon mindestens so groß wie ein Dolch, andere etwas breiter, um Knochen durchtrennen, andere schmaler um schöne Stücke herausschneiden zu können. Solche Messer hatten zwar nur an einer Seite eine scharfe Klinge, doch war es wohl besser als nichts.

Bedauerlicherweise, befanden sich diese Messer an der anderen Seite des Raumes. Sie würde sehr schnell sein müssen, denn bereits zuvor hatte sie gesehen, wie beweglich dieser Wahnsinnige war. Doch dann kam ihr ein Einfall. Ganz vorsichtig und geräuschlos lockerte sie ihre Haltung, bevor sie so kräftig sie es vermochte, gegen das Regal neben sich trat und drückte, so dass es zur Seite kippte, und letztlich direkt knarrend in die Richtung der Türe fiel, als bereits zuvor einige Kisten herausflogen, Karotten und Salatköpfe auf den Boden rollten, sowie Tontöpfe zerbrachen. Doch ging es nicht mit einem kräftigen Aufprall zu Boden, sondern riss das nächste Regal mit sich, und dieses das übernächste, sodass die gesamte Reihe laut zu Boden krachte, und direkt vor der Tür zum Erliegen kam. Staub und Gewürzpartikel wurden dadurch aufgewirbelt, doch Miandra war bereits als das erste Regal ins Straucheln gekommen war losgesprintet, in der Hoffnung, dass diese Ablenkung reichen würde. Doch als die Regale zu Boden gingen, hatte sie die andere Seite bereits erreicht, und sich hastig die geeignetsten Messer genommen. Schließlich wandte sie sich um, doch konnte sie für den Moment kaum etwas erkennen, da sich der Staub nun gänzlich im Raum ausgebreitet hatte.

„Doch würde Andraste sich rächen, für des Vaters schändliches Verhalten. Der Tochter genommen zu haben, ihr doch kurzes Leben“, sagte sie nun eintönig, aber melodisch.

Sie hatte sich die beiden Fleischermesser seitlich am Gürtel befestigt, und hielt zwei Wurfmesser fest umklammert. Der Rauch und Staub erinnerte an Nebel, durch welchen sie blicken musste, doch fixierte sie den Ort von welchem er ausging, und achtete auf Bewegungen. Als sie das erste Geräusch zu vernehmen glaubte, schleuderte sie die Messer in dessen Richtung, bevor sie so schnell es ihr möglich war die zwei großen geschärften Fleischermesser hervorzog, in Verteidigungshaltung überging, und darauf wartete, dass sich dieser Irre auf sie stürzen würde.

Modifié par Kaysallie, 12 mai 2012 - 01:07 .


#1903
SickOfItAll

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Die Gesellschaft löste sich langsam auf , die Einen , weil sie am nächsten Tag Arbeit hatten , die Anderen , weil sie zu betrunken waren um gerade zu sitzen , und so blieben nurnoch ein geselliger Kern am Feuer zurück .
Doch auch Lydia und Sha´ira machten sich zum gehen bereit . Sie wollten noch ein wenig schlafen , der nächste Tag würde wieder länger werden . Sie verabschiedeten sich also von den verbliebenen Gästen am Feuer , man prostete ihnen zu und wünschte ihnen eine sichere Reise und folgten Mika in die Taverne . Es war ein angenehmer Ort , ein niedriger Raum mit schweren Tischen und Bänken , einem kleinen Kamin mit einem Bärenpelz , weichen Teppichen und offensichtlich selbstgestickten Wandbehängen . Sie gab ihnen eine Tasche mit verschiedenen Nahrungsmitteln und einen Weinschlauch mit , bevor sie sich an der Hintertür voneinander verabschiedeten .
Gemeinsam gingen Lydia und Sha´ira durch den Wald .
" Was hälst du von ihr ? " fragte Lydia auf einmal .
" Sie ? Sie ist eine liebe . Fast so lieb wie du . " Antwortete Sha´ira verlegen . Lydia kicherte .
" Danke , das ist lieb von dir . Komm , wir beeilen uns , das wir zurückkommen . Mal unserer kastengesichtigen Freundin einen Schlag verpassen . "
Sha´ira lachte , offenbar hegte sie eine ähnliche Abneigung gegen Vernita wie sie selbst . Sie hatten sowieso zum großen Teil ähnliche Vorlieben . Sie hatte festgestellt , das Sha´ira ähnliche Essgewohnheiten hatte , sie war ebenfalls ein bischen verträumt und war , wenn man sie näher kannte , eine sehr offene und liebenswerte Person . Doch hatte sie auch das Gefühl , das Sie gerade erst unter die Oberfläche geblickt hatte , und noch weitaus mehr in ihr steckte .
" Weist du . Ich mag dich . " sagte Lydia unvermittelt frei heraus , doch aus ihrem Innersten .
Sha´ira wurde rot , so rot , das Lydia es sogar in der Dunkelheit sehen konnte .
" D - Danke ... " stotterte sie und schien nicht so recht zu wissen , was sie darauf sagen sollte .
" Warum danke ? Wir kennen uns erst seit zwei Tagen , aber ich mag dich trotzdem . Wir werden noch einen weiten Weg gemeinsam zurücklegen und es ist gut , das ihr zu uns gefunden habt . "
Darauf erwiederte sie nichts , doch Lydia sah , wie sie Sie immer wieder verlegen anblickte und wusste , was diese Blicke ihr sagen sollten .

#1904
Aliens Crew

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Der Zwilling lachte wie von Sinnen, als er aus der Küche den Lärm der umstürzenden Regale vernahm. Sein Opfer musste in der Tat bereits ziemlich verzweifelt sein, wenn es nun schon die gesamte Einrichtung demolierte. „Was ist los, mein Täubchen? Räumt Ihr da drinnen ein wenig auf? Wartet! Ich komme rein und helfe Euch dabei“, rief er lachend in den Raum hinein.
 
Der Zwilling entfernte sich von der Tür und trat vor die Theke neben eine der am Boden liegenden menschlichen Körper. Die Taverne war inzwischen wie leergefegt, nur Vernita lag noch immer bewegungsunfähig auf dem Tisch im hinteren Teil des Schankraumes. Der Junge grinste sie fies an, während er neben den am Boden liegenden Mann, welcher wohl bei der panischen Flucht der Gäste niedergetrampelt worden war, in die Hocke ging. Ob dieser arme Kerl noch lebte oder nicht, interessierte den Zwilling nicht im Geringsten. Er griff ihn sich einfach mit seiner freien Hand und schleifte ihn zurück zur Küche, womit der schlanke Junge doch einige Probleme hatte.
 
Ächzend erreichte er den Zugang zur Küche, wo er den Mann auf die Füße stellte und diesen vor sich her in den dunklen Raum schob, sozusagen als lebenden Schutzschild. Die Dunkelheit und die umherwirbelnden Gewürzwolken beeinträchtigten seine Sicht, und seine Nase kribbelte, als er das teilweise scharfe Pulver einatmete.
 
Doch es zeigte sich, dass er gut daran getan hatte, sich nicht völlig unvorbereitet seiner Gegnerin zu nähern, da diese ihm wohl einen netten Empfang mit ihren Wurfmessern bereiten wollte, welche sich nun in den Oberkörper des Mannes bohrten. Als der Zwilling dies vernahm, stieß er seinen Schutzschild von sich weg, direkt auf Miandra zu. Gleichzeitig setzte er nach, um die Frau mit einer schnellen Attacke seines Dolches anzugreifen.
 
 

#1905
Kaysallie

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Kurz nachdem Miandra hörte, wie ihre Wurfmesser in etwas einschlugen, sah sie auch schon eine Gestalt auf sich zu schnellen, doch waren die Bewegungen anders. Sie waren so schlaff und unkontrolliert, doch ehe sie es sich erklären konnte, taumelte ein Körper in ihre Richtung, der nicht bei Bewusstsein zu sein schien. Noch ehe sie ausweichen konnte, fiel ihr der Kerl regelrecht in die Arme, wobei sie an ihrer Brust die Griffe der Messer spüren konnte, welche sie vorhin geworfen hatte, die nun in diesem leblosen Mann zu stecken schienen.

Bevor sie die gesamte Situation jedoch realisieren konnte, tauchte hinter dem schlaffen Mann auch schon der blonde Junge auf, der sie mit einem irren Blick fixierte, wie ein wilder Wolf seine Beute. Und als ihre Ohren das Geräusch einer Klinge vernahmen, welche die Luft durchschnitt, nutzte auch sie den Toten reflexartig, indem sie ihn festhielt und den ersten Angriff des Zwillings damit abwehrte. Miandra hörte, wie sein Dolch durch das Fleisch des Mannes drang, als sie bereits eine weitere Attacke auf sich zukommen sah, und sich erneut hinter dem leblosen Körper versteckte. Immer wieder konnte sie den Toten als Schild nutzen, wobei sie jedoch immer wieder einige Schritte nach hinten ging, bis sie hinter sich eine Arbeitsfläche spüren konnte. Sofort bemerkte sie, dass sie der Junge in eine Ecke gedrängt hatte, stieß den Körper in seine Richtung, und trat dabei etwas zur Seite, wo mehr Platz war. Doch schien er auch damit gerechnet zu haben, denn wich er geschickt aus, dabei ein irres Grinsen auf dem Gesicht. Der Leichnam landete plump auf dem Küchenboden, wo sich inzwischen der Staub niedergelegt hatte, und durch die Bewegung aufgewirbelt wurde. Blut strömte aus den vielen Schnittwunden, die er nun auf dem Rücken hatte, und breitete sich langsam aus.

Doch all das fiel Miandra nicht auf. Sie sah ihre einzige Möglichkeit nur doch darin, in den Angriff überzugehen - auch hatte sie keine andere Wahl, da der Junge nicht lange von der Leiche abgelenkt war, und mit einem siegessicheren Blick seine schnellen Attacken fortführte. Immer wieder schaffte sie es zwar, seinen flinken Dolchen auszuweichen oder sie mit den Messern zu parieren, doch gab er ihr keine Möglichkeit auch nur in die Nähe seines Körpers zu gelangen. Wie lange würde sie das wohl durchhalten? Irgendwann, wenn ihre Kräfte nachgaben, würde er sie treffen. Miandra glaubte zwar zu Beginn noch daran, dass auch er irgendwann einen Fehler begehen, oder unachtsam sein würde. Doch als sie bereits keuchte, und es immer schwerer fiel, diesen präzisen Angriffen auszuweichen, sah sie noch immer keine Erschöpfung bei diesem blassen Jungen. Auch, dass vorhin ein Wurfmesser in seinem Unterarm gesteckt hatte, und gemächlich Blut daraus floss, störte ihn nicht im Geringsten.

Und als Miandra ein weiteres Mal einem der Angriffe auswich, spürte sie hinter sich glattes Holz - die Küchenwand.
Er hatte sie bis auf die andere Seite gedrängt, doch nun blieb er einfach stehen, hatte seine Attacken eingestellt, als schien er es zu genießen zu sehen, dass es für sie keinen Ausweg mehr gab, und die Beute in der Falle gelandet war. Miandra spürte, wie schwer ihre Arme bereits waren, und wie schwer ihr das Atmen nun fiel. Doch das allerschlimmste war wohl, der irre Blick des Zwillings, der die gesamte Zeit auf ihr lastete, und die Tatsache, dass es wirklich keinen Ausweg gab.

Modifié par Kaysallie, 02 juin 2011 - 03:49 .


#1906
SickOfItAll

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Lydia trat aus dem Wald nahe der Stadtmauer heraus , gefolgt von Sha´ira . Sie waren in der Nähe des Haupttores gelandet , denn sie hatten sich an die Nordstraße gehalten , als Sie den Hof verließen . Durch das Tor würden sie niemals kommen , schon garnicht bei Nacht . Es war zum Ersten geschlossen und desweiteren schwer bewacht . Sie mussten also ein ganzes Stück nach Norden um die Stadtmauer herum , zurück zur zerstörten Mauer , wo sie auch aus der Stadt herausgekommen waren .

An der Stadtmauer war ein ausgetretener Pfad , dicht unter der Mauer , gerade so , das die Wachen nicht hinuntersehen konnten . Außen war die Mauer relativ glatt gehauen und verfugt , sodas ein Hinaufklettern ohne Seil unmöglich war . Ihre Chance war nun das Seil , das sie etwa eine Meile nördlich von der eingestürzten Mauer zum Wald gespannt hatten .

Der Weg um die Stadtmauer war erstaunlich stark ausgetreten , offenbar herrschte hier ein reger Verkehr . Zumindest am Tag , denn bisher hatten sie weder etwas gesehen noch gehört . Der Wald war pechschwarz und ungewöhnlich still , keine Fledermäuse schossen auf der Suche nach Nahrung durch die Luft und keine Eule sang ihr nächtliches Lied . Auch von der Stadtmauer war nichts zu hören oder zu sehen . Kein Fackelschein , kein schnarchender Wächter , keine gelangweilte Unterhaltung einer Patroulie .

" Warte mal . Das gefällt mir nicht . Es ist so unheimlich still . Nichts , garnichts rührt sich . Nichtmal Wachen auf der Mauer . Passen wir auf , was wir tun und wohin wir gehen . Wissen die Götter was die Wache wieder plant . " Wisperte Lydia und zog sich die Maske über den Kopf . Leise huschten sie weiter , bis sie am zerstörten stück Mauer ankamen . Sie suchten nach dem Seil , doch es schien nichtmehr zu hängen . Durch Zufall entdreckte Lydia ein Stück davon auf dem Boden vor ihnen , glatt und sauber abgeschnitten .

" Das ist jetzt ein Problem ! Sehen wir , das wir am Gerüst nach oben kommen . " murmelte Sie zu Sha´ira so gut sie konnte .

Das Gerüst war wackelig und knackte unter Sha´iras Schritten , doch Lydia bewegte sich so gut wie lautlos von Ebene zu Ebene , weiter und weiter nach Oben . Oben angekommen , sahen sie sich zuerst um . Es war unheimlich still , nur ein leichter Luftzug war zu spüren und zu hören . Lydia sah die Mauer hinunter , in Erwartung einer Mauerpatroulie , doch niemand war zu sehen , also wollten sie den Abstieg wagen .

Doch just in dem Moment als Sie die Beine über die Zinnen schwingen wollte um an den Ranken die die Mauer emporkrochen Halt zu finden , hörte sie Rufe und Fußgetrappel . Schnell duckten sie sich hinter die Brüstung und spähten in die Straßen unter ihnen . Von Südwesten her flackerte Fackelschein herüber und ein eiliges Laufen war zu vernehmen . Es dauerte nicht lang , und ein ganzer Zug Soldaten der Wachmannschaft lief im Eiltempo unter ihnen vorbei .

" Uih ! Das war nochmal knapp . Warten wir ein Weilchen , bis wir uns in die Stadt wagen . Ich sehe Ärger auf uns zukommen " , flüsterte Lydia zu Sha´ira , welche neben ihr hockte .

Nach einiger Zeit des Wartens stiegen sie also an den Ranken hinunter in die Häuserschluchten und Gassenlabyrinthe von Denerim . Als sie unten aus dem Gebüsch traten , hatten sie mit einem Mal tatsächlich ein großes Problem . Gerade als sie gehen wollten , kam eine Patroulie aus einer Seitengasse direkt vor ihnen . Die Soldaten blieben einen kurzen Moment stehen , wohl aus Verwunderung , doch dann rief ihnen einer entgegen
"Stehenbleiben ! Wer seit ihr und was tut ihr hier ?! "

Doch in Lydias Kopf formte sich ein Gedanke , ein einziger Gedanke , der alles andere verdrängte , unterstützt durch die zweite Patroulie die auf der anderen Seite der Straße aus einer Seitengasse trat . Dieser eine Gedanke schrieh sie an .

LAUF !

Und sie lief los so schnell sie konnte . Hinter sich hörte sie das Scheppern von Sha´iras Rüstung , wie sie dicht hinter ihr nachlief . Die Wachen begannen hektisch zu rufen , als Lydia in die kleine Gasse direkt vor ihnen einschwenkte . Fußgetappel wurde hinter ihnen laut und immer wieder hörte sie Wortfetzen .
"... op ! ... nhalte... ! ..dersta...wecklo... ! " Doch Sie lief . Und Sha´ira lief mit ihr . Als sie im die nächste Ecke in eine breitere Seitengasse hetzte , hörte sie ein Horn erschallen und sah in einer Straße parralell zu der Gasse einen Trupp Soldaten vorbeilaufen , ebenfalls im Eilmarsch .

Sie hastete die Gasse entlang , doch vor ihnen sah sie ein Hinderniss . Einige Fässer waren von einem Wagen gefallen und hatten die Gasse versperrt . Aus dem Lauf warf sie sich nach vorne über die Fässer hinweg und rollte sich auf der anderen Seite ab , nur um aus der Rolle heraus weiterzusprinten . Ein Scheppern dicht hinter ihr verriet ihr , das Sha´ira auch über die Fässer gesprungen war , doch das Geklapper hatte die Soldaten in einer Seitengasse auf sie aufmerksam gemacht . Keine zwanzig Fuß hinter ihnen liefen nun ein halbes Dutzend Stadtwachen und den Geräuschen nach zu urteilen , die aus den Gassen drangen , welche immer wieder ihren Weg kreuzten , waren andere Patroulien schon auf ihrer Höhe .

Sie hatte das gefühl geradewegs in eine Falle zu laufen .

Modifié par SickOfItAll, 04 juin 2011 - 12:00 .


#1907
Aliens Crew

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„Was ist denn los, mein Täubchen?“ grinste der Zwilling Miandra hämisch an, während sich ein seltsames Leuchten in seine Augen schlich, welches sie wie strahlende Diamanten erscheinen ließen. „Werdet Ihr etwa schon müde? Wir fangen doch gerade erst an mit unserem kleinen Tanz? Oder gebt Ihr etwa bereits auf?“
 
Ein weiteren Angriff des Blondschopfes konnte Miandra gerade so eben abwehren. Sie konterte sofort, doch der Junge wich dieser Attacke geschickt aus, wobei er schallend lachte.
 
„So wird das aber nichts, meine Liebe!“ stichelte der Zwilling weiter. „Strengt Euch gefälligst mehr an oder gebt gleich auf! Schade, dass meine Schwester nicht hier ist. Sie hätte mit Euch sicher ihre helle Freude gehabt.“
 
Klirrend trafen die Klingen der Stichwerkzeuge ein weiteres Mal aufeinander. Dem Jungen schien das sehr zu gefallen. Miandra bekam mehr und mehr das Gefühl, dass ihr Gegner nur mit ihr spielte, dass er das Geräusch der gegeneinander prallenden Waffen liebte und mit seinem Dolch so etwas wie seine eigene, grausame Melodie komponierte zu dessen Höhenpunkt er ihr die Waffe in den Leib rammen würde. Doch wann würde es soweit sein?
 
„Ihr hättet wirklich mehr trainieren können, mein Täubchen“, grinste der Blondschopf wieder. „Ihr kämpft wie eine alte Bäuerin mit Rheuma in den Knochen. Das wird wirklich ermüdend auf die Dauer. Wollen wir dem Ganzen nicht langsam ein Ende setzen. Ihr dürft Euch auch entscheiden, wohin ich den Todesstoß setzen werde. Lieber in die Brust oder vielleicht in den Hals? Ich könnte Euch auch einfach den Bauch aufschlitzen, doch das dauert dann recht lang, bis Ihr daran verreckt. Allerdings ist der Gesichtsausdruck eines sterbenden Menschen das Schönste, was ich bisher gesehen habe, also warum nicht ein wenig Spaß dabei haben?“
 
Der Zwilling holte gerade wieder zu einem seiner schnellen Angriffe aus, als Miandra plötzlich etwas aus den Augenwinkeln bemerkte. Es war eine schnelle Bewegung, kaum mehr als ein Schatten. Im selben Moment bohrte sich eines ihrer Wurfmesser in das Handgelenk des Jungen, welcher schmerzerfüllt aufheulte. Der Dolch entglitt ihm dabei und fiel klirrend zu Boden. Er sprang reflexartig einen halben Schritt zurück und blickte zur Küchentür, aus dessen Richtung der Angriff auf ihn erfolgt war und die schwarzhaarige Frau tat es ihm gleich.
 
Beide erblickten sie Vernita, welche im Türrahmen kniete und sich mit den Armen auf einem der umgestürzten Regale abstützte. Offensichtlich hatte das Gift, welches sie gelähmt hatte, an Wirkung verloren, und sie war den ganzen Weg durch die Taverne gekrochen, um Miandra irgendwie zu helfen. Und das hatte sie getan. „Schnapp dir das Schwein!“ brüllte die Elfe in den Raum hinein.
 
Miandra schaltete sofort. Den kurzen Augenblick, in dem der Zwilling abgelenkt worden war, nutzte die Frau für ihren nächsten Angriff. Frontal stieß sie mit dem Fleischermesser in ihrer linken Hand nach dem Jungen, welcher nicht mehr ausweichen konnte. Bis zum Heft rammte sie ihrem Gegner das Messer in den Bauch, woraufhin dieser erstickt aufstöhnte. Für einen Moment wich grenzlose Überraschung dem bisherigen Irrsinn in seinen Augen, bevor er sich wieder in der Gewalt hatte und wie ein Wahnsinniger zu lachen begann.
 
„So nicht!“ kreischte er mit seiner Fistelstimme los und stieß die Frau von sich weg, wodurch die Waffe wieder seinen Körper verließ. Dann wandte er sich ab und eilte so schnell er konnte zu den übrigen Küchenmessern. Bedingt durch seine Verletzung hatte er deutlich an Geschwindigkeit verloren und wäre auch fast gestürzt, bevor er die Theke auf der anderen Seite der Küche erreichte. Sofort griff der Zwilling mit seiner unverletzten Hand nach einem Fleischerbeil, wobei er die Schmerzen in seinem Bauch und in seinem verwundeten Arm ignorierte. Dann kreiselte er augenblicklich auf der Stelle herum, um seine sich vermeintlich hinter ihm befindende Gegnerin anzugreifen.
 
Miandra war ihm tatsächlich gefolgt und hatte auch mit einem solchen Angriff gerechnet. Mit dem blutigem Fleischermesser in ihrer linken Hand blockte sie die Attacke des Jungen ab, während sie mit dem Messer in ihrer Rechten zustach. Und dieser Stoß erfolgte weitaus höher als der letzte. Tief drang die Waffe in die Brust des Blondschopfes ein. Wie angewurzelt verharrte er mitten in der Bewegung und starrte Miandra mit weit aufgerissenen Augen ins Gesicht. Das Beil entglitt seiner kraftlosen Hand, bevor es zu Boden fiel. Nach einem endlos scheinenden Moment voller Angst und Entsetzen, legte sich wieder dieses teuflische Grinsen auf das Gesicht das Zwillings. Er öffnete den Mund, über den bereits Blut floss und fing heiser an zu singen.
 
„Es war mal ein kleines Mädchen, das nimmer...“, begann er, doch weiter kam er nicht. Er verdrehte die Augen und kippte wie ein nasser Sack zur Seite. Hart landete er auf der Erde, den Blick ausdruckslos gen Decke gerichtet und blutend aus seinen diversen Wunden. Ein letzter Atemzug entwich noch seiner Kehle, dann wurde es still in der Küche. Doch nur für einen Moment, denn sofort meldete sich Vernita zu Wort, welche Miandra schief angrinste.
 
„Das hast du wirklich gut gemacht“, meinte sie sichtlich erleichtert. „Und es würde mich sehr freuen, wenn du mir helfen könntest. Meine Beine wollen noch nicht so richtig und wir sollten zusehen, dass wir hier wegkommen, bevor seine Schwester mit ihren neuen Freunden hier aufkreuzt.“
 

#1908
Kisu

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Sha´ira folgte Lydia sogut sie konnte . Die Stadtwachen waren von überall zu hören . Hinter ihnen Fußgetrappel und Rufe , rechts von ihnen drang aus den Seitengassen das Scheppern von Rüstungen zu ihnen und von links war ein Hornstoß zu vernehmen .

Die Hetzjagt nach ihnen hatte nun also vollends begonnen und ein schneller Ausweg war nicht in Sicht . Sha´ira stellte sich auf eine lange Nacht ein .

Die Pflastersteine flogen unter ihr hinweg , dann und wann lagen Fässer oder Kisten im Weg . Lydia vor ihr lief wie von Sinnen , doch schien sie einen Plan zu haben . Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen . In der Gasse vor ihnen war ein Bierwagen umgestürzt und Fässer türmten sich auf dem Pflaster und versperrten den Weg . Lydia katapultierte sich einfach drüber hinweg , doch Sha´ira lief unbeirrt weiter .

Es krachte , als sie durch die Fässer brach . Dahinter hatten zwei Soldaten Stellung bezogen , welche erschreckt zur Seite sprangen , sich dann aber aufrappelten und ihr nach einer Schrecksekunde nachliefen . Das Bier klebte an ihr , sie roch danach . Es verklebte ihre Haare und hinterlies Flecken auf ihrer Rüstung , doch das war ihr jetzt egal . Sie hatte ein Stück zu Lydia aufgeholt , welche immernoch durch die Gassen raste als gäbe es keinen Morgen mehr .

Die Stadtwache lies nicht locker . Hinter ihnen hechtete ein halbes Dutzend Soldaten durch die Gassen , vielleicht fünfzehn Fuß entfernt , gefolgt von weiteren vereinzelten Helfern . Von den Seitengassen her drangen Rüstungsgeräusche und Kommandos .

Sie versuchten sie einzukreisen .

Gerade als sie um eine Ecke in eine der breiteren Gassen einbiegen wollte , die Sie zum Markt führte , zischte ein Pfeil haarscharf an ihr vorbei und zerbarst an der Hauswand zu ihrer linken .

" Yrch ! Die schießen nach uns ! " Rief sie Lydia zu .

Ein weiterer Pfeil verfehlte sie und blieb zitternd in einem Heuwagen vor ihr stecken , was sie auf eine Idee brachte . Sie war kräftig genug und ihre Verfolger waren zurückgefallen . Also drehte sie sich um und griff den Heuwagen an der Seite . Mit aller Kraft stemmte sie ihn nach vorn und krachend landete er auf der Seite , mitten auf der Gasse . So schnell sie konnte lief sie Lydia nach , die schon ein Stück Vorsprung hatte .

Sie kamen dem Markt näher . Die Straßen wurden breiter und mehr und mehr Geschäftsschilder an den Hauswänden kündigten ihn schon von weitem an . Als sie auf den offenen Platz hinausjagten , erkannte Sha´ira zum ersten mal , wielviel Soldaten ihnen eigentlich nachjagten . An die drei Dutzend bewaffnete Männer schwärmten aus den Seitengassen und größeren Straßen auf den Marktplatz , und die breiteren Straßen auf der gegenüberliegenden Seite waren zum Teil von eilig errichteten Barrikaden aus Kisten und umgeworfenen Marktkarren blockiert .

Die Schlinge , die ihnen die Stadtwache um den Hals legte , wurde enger und enger , die Aussicht auf Entkommen war gering .

#1909
Kaysallie

Kaysallie
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Schnaubend blickte Miandra noch für einen Moment auf den Zwilling, der nun zu Boden lag, und aus leblosen Augen zur Decke starrte. Für sie sah er, auch wenn ihn das Leben bereits verlassen hatte, noch immer völlig irre und angespannt aus. Plötzlich spürte sie, wie ihr Körper zu zittern begann, ihr das Fleischermesser aus der Hand glitt, und mit einem klirrenden Geräusch auf den Boden fiel. Schlagartig fühlte sie sich schwach, doch nur langsam begann sie diesen ganzen Kampf zu realisieren.

Hätte Vernita sie nicht angesprochen, würde Miandra sie wahrscheinlich noch länger auf den leblosen und blutüberströmten Körper starren, doch nun blickte sie zur Seite, und schenkte der Elfe ein sehr zaghaftes und kurzes Lächeln. Vernitas Worte hatten ihren Geist erreicht, und auch wenn sie sich viel lieber für einen Moment ausgeruht hätte, so bückte sie sich gegen ihren Willen zu Boden, und entfernte dem Jungen das Wurfmesser aus dem Arm, welches sie ohne es zu reinigen an ihrem Gürtel verstaute. Ebenso sammelte sie die Messer ein, die in dem toten Mann steckten, welchen sie als Schutzschild verwendet hatten. Auch nahm sie die Dolche des Zwillings mit, denn selbst wenn sie diese nicht begutachtete, so war sie davon überzeugt, dass diese von einer Qualität waren, die sie so schnell nicht mehr bekommen würde.

Als sie sich schließlich in die Richtung der Elfe begab, blieb sie plötzlich abrupt stehen, und drehte sich in die Richtung des Kamins, in welchem, so wie die gesamte Zeit über, ein ungeschütztes Feuer brannte, worüber ein riesiger Kessel hing, in welchem wohl ein Eintopf kochte. Wortlos trat sie vor das Feuer, bevor sie nach einer Schnapsflasche, die an einer Arbeitsfläche stand, griff, und den Inhalt über die Leichen kippte, und mit dem Rest eine Linie zu den Flammen zog. Erst dabei fiel Miandra auf, dass ihr die Rüstung des blonden Jungen bekannt vorkam, doch fiel ihr in jenem Moment nicht mehr ein woher. Augenblicklich fing das alkoholische Getränk Feuer, und ging auf die beiden Toten über. Miandra hatte sich inzwischen neben Vernita hingekniet.

„Wir wollen der Stadtwache doch etwas zu tun geben.“, sagte sie knapp, wenn auch etwas amüsiert darüber, als sie den überraschten Blick der Elfe sah. Ohne weiteres dazu zu sagen, packte sie den Arm von Vernita und legte diesen über ihre Schulter, bevor sie angstengt aufstand, und die Elfe so gut sie es vermochte stützte. Dank der schweren Rüstung, war es jedoch alles andere als einfach. Dennoch schaffte Miandra es unter enormer Anstrengung Vernita durch den Schankraum zu helfen, wobei sie zusätzlich im Gehen das Kurzschwert der Elfe, und weitere Wurfmesser vom Boden aufheben musste. Erst als sie auch diese Waffen verstaut hatte, konzentrierte sie sich nur noch darauf Vernita zu stützen und steuerte auf die Hintertür zu, wobei sie hinter sich hören konnte, wie sich das Feuer bereits in der Küche ausbreitete und wohl bald auf den Schankraum übergehen würde.

Auf dem Hinterhof der Taverne war es nahezu stockdunkel, denn nur eine Öllampe an der Wand erhellte den Eingang. Miandra wusste zwar nicht in welche Richtung sie mussten, aber ihr war klar, dass sie Vernita niemals bis zum Lagerhaus stützen konnte. So schlug sie wahllos einen Weg ein, der in eine finstere Gasse führte, und hoffte, dass sie dabei nicht den anderen Söldnern direkt in die Arme laufen würde. Die gesamte Zeit über konnte sie nur ihren eigenen Atem, den der Elfe und ein leises Scheppern deren Rüstung vernehmen. Keine Menschenseele kreuzte diesen dunklen Weg, doch jeder Schritt kam Miandra anstrengender und kleiner als der vorherige vor.

Doch dann konnte sie aus der Ferne etwas hören, blieb stehen und lauschte. Es war ein klapperndes Geräusch, das an die Hufe von Pferden erinnerte, doch war es so leise, und schien Ewigkeiten entfernt, denn ihr eigener rasender Pulsschlag kam ihr lauter vor, als dieses Poltern. Doch wurde es gemächlich lauter, aber es kam nicht von der Gasse, in welcher sie standen. Wahrscheinlich war es tatsächlich die Stadtwache, die auf einer Hauptstraße entlang zu der Taverne eilte. Miandra wandte sich kurz um, und konnte nur schwach Rauchwolken erkennen, die das Bild des klaren Nachthimmels zerstörten. So zog sie Vernita fester an sich, und ging so schnell sie konnte weiter. Immer wieder schlug sie dabei den Weg ein, der noch abgelegener schien, als jener zuvor, und hoffte dabei nicht irgendwelchen Verbrechern über den Weg zu laufen, als sie realisierte, dass sie sich aus dem reicheren Viertel entfernten. Doch nachdem sie ein relativ weites Stück zurück gelegt hatte, konnte sie einfach nicht mehr. Ihre Beine fühlten sich an als würden Bleigewichte daran hängen, ebenso wie an ihrer Schulter. So blieb sie neben einem großen Holzhaus stehen, das von außen an einen Stall erinnerte. Sie trat vor die große Tür, durch welche locker eine Kutsche passte, und suchte in der Dunkelheit einen Türgriff, oder Ähnliches. Nach nur weniger Zeit konnte sie eine Kette und ein Schloss ertasten, womit dieses Tor einfach verriegelt wurde. So ließ Miandra die Elfe einen Augenblick los, wobei sie regelrecht spürte, wie nun noch mehr Gewicht auf sie sackte, als sich diese alleine an ihr festhielt, doch brauchte sie beide Hände, um das Schloss öffnen zu können. Zu ihrem Glück musste sie nur ein wenig mit der Spitze eines Wurfmessers in der Öffnung bohren, da sprang es auch schon auf. Mit einem erleichterten Seufzen entfernte sie die Kette, öffnete die breite Tür einen Spalt, und zog Vernita mit sich in den Innenraum.

Hinter sich schloss Miandra die Türe wieder, bevor sie versuchte etwas zu erkennen, aber war es hier noch dunkler als draußen. Zuerst hielt Miandra es für einen Stall, doch konnte sie keine Tiere hören, sondern vernahm nur den Geruch von Stroh und Heu, der sofort in ihrer Nase kitzelte. Scheinbar handelte es sich lediglich um ein Futterlager für den Winter. Langsam hatten sich auch ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt, und so wagte sie sich weiter in den Raum vor, und setzte Vernita schließlich auf einem der unzähligen Heulballen ab. Direkt daneben sackte nun auch sie schnaubend und zitternd zusammen, und ließ sich dabei nach hinten ins Heu fallen.

Modifié par Kaysallie, 04 juin 2011 - 01:50 .


#1910
SickOfItAll

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Der Weg ist versperrt .

Als Lydia über den Marktplatz jagte , erkannte sie die Fackeln , welche auf der anderen Seite aus den Gassen und Straßen ihr Licht warfen . Einige kleine Patroulien hatten die größeren Straßen und Gassen mit Kisten und umgestürzten Karren gesperrt .

Der Weg ist versperrt .

Das Fußgetrappel hinter ihnen wurde lauter . Mehr und mehr Soldaten schienen sie zu jagen , aus den Seitengassen kamen zwei Dutzend Wachen , insgesammt dürften sie von einem ganzen Zug Stadtwachen gejagt worden sein . An den Barrikaden standen nur wenige Soldaten , doch die waren wachsam und sie trugen Fackeln . Außerdem waren die Kistenstapel ziemlich hoch , ein schnelles Überklettern schien unmöglich .

Doch Lydia fand einen Ausweg . Sie fand immer einen , da war sie sich sicher . Sie musste einen finden , immerhin hingen zwei Leben am seidenen Faden . Wenn die Soldaten sie einholen würden , könnten sie einpacken .

Eine Hausfassade bot einen Weg auf die Dächer an . Unter einem kleinen Balkon standen einige Kisten und eine abgebrochene Leiter . Lydia nahm die Kisten im Laufen und sprang an das Geländer des Balkons um sich daran hochzuziehen . Oben sah sie sich kurz um . Einige kleine Fässchen und Flaschen standen auf dem Balkon . Offenbar war dies eine Schnapsbrennerei . Zwei sehr kleine Fläschchen steckte sie sich ein . Gerade als Sha´ira auf den Balkon geklettert kam , hörte sie , wie die Soldaten von unten nachkamen .

" Kletter weiter hinauf , ich komme nach ! " rief sie Sha´ira zu und drehte sich um . Sie griff sich eine große bauchige Flasche und ließ sie über dem Soldaten fallen , der gerade am Geländer hing und versuchte auf dne Balkon zu klettern . Gemeinsam rumpelten Mann und Flasche in die Tiefe .

Die Fackel fiel zu Boden .

Dummerweise war der Wächter nicht allein . Ein halbes Dutzend anderer Standen nahebei und sprangen auseinander , als der Soldat von der Wand fiel . Einer lies seine Fackel fallen , ob aus Schreck oder Dummheit war nicht zu sagen , doch als die bauchige Glasflasche zersplitterte , entzündete sich ihr Inhalt schlagartig . Die Flasche war groß gewesen , und der Inhalt hatte sich großzügig auf den Kisten , dem Balkon und der Hauswand verteilt . Sofort fing alles prasselnd Feuer . Der Wächter hatte Glück , er rollte aus der Gefahrenzone .

Lydia zog sich gerade über die Dachkante , als die Flammen die anderen Flaschen auf dem Balkon zum bersten brachten . Einige Flammenfinger griffen nach ihr , doch sie lief schon über die Dächer Denerims davon .

Das Feuer brüllte und verschlang immer mehr Kisten und Fässer . Langsam erwachten einige Häuser zum Leben , ein wildes Geschrei und Gerenne brach los , Eimer wurden an Brunnen gefüllt , Türen aufgerissen und an Läden gerüttelt . Nach und nach weckte man den ganzen Markt aus dem Tiefschlaf . Die Schnapsbrennerei brannte derweil brüllend weiter . Hin und wieder krachte es , wenn sich ein Fass voll feingeistigem nichtmehr halten konnte , und auseinanderfuhr .

Doch Lydia war schon weit entfernt . Was aber nicht heißen sollte , das die Wachen sie vergessen hätten . Im Gegenteil . Sie hörte Hufgetrappel aus den Gassen unter ihnen . Sie hatten die Kavallerie geschickt . Die Jagt war in vollem Gange . Mehr und mehr Truppen waren mobilisiert worden , man hätte meinen können , ein Erzdämon selbst wäre mitten in der Stadt aufgetaucht . Unter ihnen hörten sie das Rüstungsscheppern von dutzenden Soldaten .

Nichteinmal die Dächer boten Schutz .

Sie übersprang gerade eine Straßenschlucht in der Nähe des Hafens , als Lydia aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm . Als sie kurz hinter sich blickte , sah sie , was es war . Ein halbes dutzend agiler Wächter war auf die Dächer geklettert und trieb sie weiter . Sie drehte sich kurz um und zog zwei gestolene Wurfmesser .

Die Messer zerschnitten die Luft mit einem leisen Pfeifen . Ein Messer traf den vordersten Soldaten zwischen die Augen , gerade als er über die Straße auf das nächste Dach springen wollte . Er fiel tot vornüber auf die Straße , direkt vor zwei berittene Templer und ein dutzend Soldaten . Das Andere verfehlte und wurde von der Dunkelheit verschluckt .

Lydia lief weiter .

Es musste einen Ausweg geben . Sie wusste , dass sie aus der Hetzjagt entkommen würden . Sie mussten entkommen . Sie würden entkommen !

Modifié par SickOfItAll, 05 juin 2011 - 11:27 .


#1911
Kisu

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Der Hafen kam in greifbare Nähe . Hin und wieder sah Sha´ira die silberne Wasserfläche des Meeres über die Dächer blitzen , oder zwischen Kaminen und über Simse schimmern . Unter ihnen schepperten die Soldaten noch immer unermütlich durch die Gassen .

Plötzlich krachte es hinter ihnen . Als sie sich umdrehte , sah sie entfernt Flammen aufbrüllen und in den Himmel flackern . Offenbar hatte die ganze Brennerei Feuer gefangen und brannte nun nieder .

Langsam wurden die Dächer niedriger und breiter , und es wurde schwieriger von Dach zu Dach zu gelangen . Manchmal waren die Straßen darunter viele Meter breit und Sie gelangten teilweise nur mit viel Kraft über die breiten Abgründe . Manchmal konnten sie auch über Balken von Dach zu Dach balancieren .

Plötzlich waren die Dächer zu Ende . Sie hatten den Hafen erreicht . Eine offene Fläche , zugestellt mit Kisten , Fässern und Säcken . Sie konnten schon die Soldaten hören , als sie sich auf den Boden herunterließen . Gerade in dem Moment kam der erste Trupp üm die Ecke gejagt . Sie verteilten sich , denn sie wussten nicht wo Sha´ira und Lydia hingelaufen waren .

Bevor die ersten Wachen Sie entdecken , duckten sie sich hinter einen Kistenstapel . Das Fußgetrappel wurde leiser und langsamer . Offenbar hatten es die Wachen nichtmehr eilig . Sie wollten gerade zur nächsten Deckung schleichen , da schimmerte schon Fackelschein zwischen den Kisten . Hufgetrappel wurde lauter , es wurde gerufen , jemand stieg scheppernd von einem Pferd . Stimmen kamen näher .

Sie saßen in der Falle . Sha´ira sah sich um . Nicht weit von ihnen lag ein etwa faustgroßer Kieselstein , gerade neben der Kiste , hinter der Sie sich versteckten . Schnell griff sie danach und warf ihn , so stark sie eben aus ihrer sitzenden Position heraus konnte , in die Dunkelheit vor ihnen .

Es schepperte , polterte und klirrte . HInter ihnen wurde es kurz still , dann wieder Fußgetrappel . Einen Fuß von ihnen entfernt liefen plötzlich Wachen vorbei . Ihr Plan war aufgegangen . Sie nahm Lyida bei der Hand und gemeinsam huschten sie im Schutze der Dunkelheit zu einem Haufen aufgeschichteter Säcke in der Nähe des Kais .

Wieder Rufe , Ratlosigkeit machte sich unter den Wachen breit . Das war ihre Chance , Sha´ira zog Lydia mit sich auf eines der hölzernen Piers . Geduckt schlichen sie vorwärts , als hinter ihnen die schwankenden Lichter der Fackeln auftauchten . Offenbar waren die Wachen auf den Trichter gekommen , dass sie zwischen den Booten herummhuschen mussten .

Jetzt gab es nurnoch eine Chance . Sie ließen sich mit einem leisen plätschern ins Wasser gleiten . Es war nicht wirklich kalt , aber Sha´ira zuckte trotzdem unwillkürlich zusammen . Schon wurde das Licht der Fackeln heller .

" Sie müssen zwischen den Booten sein . Seht nach ! " bellte jemand vom Rand der Kaimauer . Sie hielten sich am Holzsteg fest , doch die Soldaten kamen näher . Sie holten einige male tief Luft , dann lies Sha´ira los . Lydia klammerte sich an sie , als sie untergingen .

Es war unheimlich still unter der Oberfläche . Sha´ira konnte ihr Herz schlagen hören und das Blut , das durch die Adern schoss . Sie drückte Lydia an sich , als der Fackelschein über ihnen aufblitzte . Die Fackeln tanzten über dem Wasser und langsam wurde es für sie Zeit , das sie wieder atmen konnte . Doch die Fackeln waren noch immer über dem Wasser . Ihre Lungen begannen zu brennen und sie musste sich anstrengen , das Sie durch den Atemreflex kein Wasser einatmete und ertrank . Sie presste ihre Lippen zusammen und schloss die Augen .

Sie brauchte Luft . Sie brauchte sie jetzt , jetzt bauchte sie Luft ! Ihre Brust zuckte auf und ab , ihre Lungen schrieen nach Luft . Panik ! Panik stieg in ihr auf und machte sie zum wilden Tier . Es war das erste Mal seit langer Zeit , das sie wirkliche , echte Angst verspürte . Sie krampfte und zitterte . Ein paar Luftblasen stiegen von ihrer Nase auf , direkt in richtung Fackeln . Doch grade , als Sie die Oberfläche berührten , verschwanden die Lichter . Offenbar hatten sie aufgegeben .

Gerade , als Sha´iras Sinne zu schwinden begannen , sie schlaff wurde und allmälich bewusstlos , zog Lydia Sie zu sich und lagte ihre Lippen auf ihren Mund . Sie schien es gewohnt zu sein , die Luft so lange anzuhalten und sie teilte ihre Luft mit ihr .

Sha´iras Herzschlag verlangsamte sich wieder , ihre Sinne kehrten zurück und ihre Lungen brannten nichtmehr so stark . Lydia gab ihr ein weiteres mal Luft zum atmen , doch die Panik schnürte ihr noch immer die Brust ein .

Modifié par Kisu, 05 juin 2011 - 04:43 .


#1912
SickOfItAll

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Lydia war geübt im Tauchen . sie war gern im Wasser unterwegs und sie konnte die Luft für eine ganze Zeit anhalten . Sie klammerte sich an Sha´ira und hoffte , das die Wachen bald abziehen würden .

Doch das dauerte länger , als sie dachte . Sha´ira begann panisch zu werden , ihr schiend die Luft auszugehen . Auch Ihr selbst wurde die Luft langsam knapp , doch konnte Sie Shaíra helfen . Sie zog sie zu sich heran und presste ihren Mund auf Sha´iras .

Das große Mädchen klammerte sich an sie . Sie schien tatsächlich Angst zu verspüren . Doch Lydia konnte nichts tun , solange die Wachen ihnen den Weg an die Luft abschnitten . Langsam verspürte auch Sie den Drang wieder zu atmen , auch ihre Brust zuckte im Verlangen nach Luft .

Ihr schlug das Herz bis zum Hals . Die Wächter standen über ihnen und schienen zu beratschlagen . Zwischen den Pfosten des Steges und den vertäuten Booten hatten sie keine Wahl als zu warten . Doch mit Sha´ira wurde es kritisch . Sie hielt es nichtmehr allzulange ihne Luft aus , also hielt ihr Lydia Mund und Nase zu , das sie nicht versehentlich Wasser einatmete .

Als sie schon dachte , sie müssten hier unten ertrinken , flackerten die Lichter der Fackeln davon und die Soldaten gaben auf . So schnell sie konnten paddelten sie an die Oberfläche . Prustend und hektisch atemend tauchten sie auf . Sha´ira klammerte sich an sie , schluchzte und zitterte .

" Shhh ! Sie sind weg , sie haben uns nicht gefunden . Ich bin bei dir ... " beruhigte Lydia sie . Sha´ira lag ihr in den Armen und weinte . Lydia war erstaunt . Normalerweise zeigte sie keine Furcht , aber nun klammerte sie sich an sie wie ein Kind an seine Mutter .

Es dauerte eine ganze Weile , bis sie sich beruhigt hatte . Lydia half ihr aus dem Wasser und nahm sie bei der Hand . Gemeinsam gingen sie zurück zum alten Lagerhaus . Auf dem Weg dorthin begegnete ihnen keine Menschenseele . Kein Wächter war zurückgeblieben , kein neugieriger Bewohner da um nachzusehen , was wirklich geschehen war .

Im Lagerhaus war es dunkel und still . Neria lag auf ihrer Liege und schlief , wie sie es so oft tat , Vernita und Miandra waren noch nicht zurück . Sie kletterten in die kleine Kammer und entkleideten sich . Jede von ihnen wickelte sich in ein großes Leinentuch und trocknete sich ab , was bei Lydia nicht wirklich notwendig war , denn ihr lederner Hautanzug hatte sie , bis auf den Kopf , trocken gehalten . Den Anzug hängte sie vor die Kammer , die Maske und ihren Umhang hängte sie dazu . Sha´ira tat es mit ihrer Rüstung ähnlich .

Diese Nacht schliefen sie zum ersten mal Hand in Hand

Modifié par SickOfItAll, 05 juin 2011 - 05:51 .


#1913
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Vernita mutete Miandra nur äußerst ungern ihr Gewicht und insbesondere auch das ihrer Plattenrüstung zu, doch es ging nun mal nicht anders. So schnell sie auch die Kontrolle über ihre Arme wiedererlangt hatte, so beharrlich weigerten sich ihre Beine, erneut ihren Dienst aufzunehmen. So blieb ihr nichts weiter übrig, als sich von der schwarzhaarigen Frau durch die halbe Stadt schleifen zu lassen, obwohl sie es hasste, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, selbst bei jemanden, den sie so gern hatte wie Miandra. Doch die Alternative wäre noch unerfreulicher und zudem ein Triumph für ihre Feindin Eshtá Gianauro gewesen, und diesen wollte ihr die Elfe sicher nicht gönnen.
 
So schleppte die schwarzhaarige Frau Vernita bis zu einem Lagerhaus, indem man offensichtlich Tierfutter und Getreide aufbewahrte. Miandra war sichtlich am Ende ihrer Kräfte als sie die Elfe auf einem Heuballen absetzte und sich selbst einfach ins Heu fallen ließ. Vernita lächelte in die Richtung ihrer Retterin, bevor sie damit begann, die Beinschienen abzulegen und Panzerstiefel auszuziehen, was ihr echte Mühe bereitete, da sie die Beine immer noch nicht von allein bewegen konnte, sodass ihr vor Anstrengung der Schweiß auf der Stirn stand.
 
Kaum hatte sie die Rüstungsteile neben sich auf den Boden fallen lassen, da begann sie auch schon, ihre Beine zu massieren und diese mithilfe ihrer Hände zu bewegen. Sie konzentrierte sich voll und ganz darauf die Lähmung aus ihren Gliedern zu vertreiben, was ihr nur sehr langsam gelang. Schließlich schaffte sie es, einen ihrer Zehen zu bewegen, der Rest war ein Kinderspiel. Zu ihrem Glück hatte sie schon einige Erfahrungen mit Giften und dergleichen gesammelt und wusste, wie man diesen widerstehen oder deren zumindest Wirkung minimieren konnte. Doch dieses Waffengift des Zwillings war wirklich außergewöhnlich stark gewesen. Vernita würde sich bei ihrer nächsten Begegnung stark vorsehen. Und dass es zu diesem erneuten Zusammentreffen kommen würde, davon war sie fest überzeugt.
 
Nachdem sie ihre Beine wieder so weit im Griff hatte, dass sie sich zumindest aus eigener Kraft wieder fortbewegen konnte, wenn auch etwas steifbeinig, ließ sie sich neben Miandra in das Heu fallen. Ein Blick auf die schwarzhaarige Frau zeigte ihr, dass diese wohl gerade im Begriff war einzuschlafen. Sie hatte die Augen geschlossen und eine sehr entspannt aussehende Haltung angenommen. Vernitas Gesicht überkam ein Lächeln, als sie Miandra so ruhig und friedvoll im Heu liegen sah. Für einen Moment vergaß die Elfe glatt, in welchem Schlamassel die beiden steckten und dass sie gerade nur knapp dem Tod entronnen waren.
 
Ihr Gesicht lag auf derselben Höhe wie das der schwarzhaarigen Frau, und sie stützte ihren Kopf mit ihrer rechten Hand ab. Dann blies sie Miandra sanft über deren Gesichtszüge, bis diese langsam die Augen öffnete und die Elfe etwas überrascht anblickte.
 
„Na, hast du gut geschlafen?“ fragte Vernita die schwarzhaarige Frau neckend, bevor ihre Stimme wieder etwas ernster wurde. „Ich wollte dir außerdem noch dafür danken, dass du mein Leben gerettet hast, Miandra. Das werde ich dir nie vergessen. Du hast jetzt einiges gut bei mir.“
 
 

#1914
Kaysallie

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Die gesamte Zeit über atmete Miandra den Geruch des Heus ein, in welches sie sich fallen gelassen hatte. Der Duft war so anders, als der Gestank dieser Stadt, denn fühlte sie dadurch Land, Natur und Sicherheit. Nach der Anstrengung, welche sie gerade zurückgelegt hatte, fühlte sie sich in dem weichen Haufen aus getrocknetem Grün auf eine gewisse Art und Weise geborgen, und konnte sich endlich entspannen und ausruhen. Tatsächlich wäre sie beinahe eingeschlafen, wobei sie sich nicht einmal mehr daran erinnern konnte, überhaupt die Augen geschlossen zu haben, doch auch Vernitas Übungen hatte sie nur noch am Rande mitbekommen.

„Mh“, stieß sie nur ein wenig verwirrt aus, als Vernita sie aus ihrem Beinahe-Schlaf riss, als sie plötzlich deren Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte. Miandra konnte die Elfe nur schemenhaft neben sich erkennen, aufgrund der Finsternis dieses Lagerhauses, während sie dem lauschte was diese ihr sagte. Für einen kurzen Augenblick hätte sie am liebsten ihre Augen wieder geschlossen, um zurück in die Traumwelt zu flüchten, da ihr alles was seitdem sie in diese noble Taverne getreten war, bereits Ewigkeiten entfernt und unwirklich erschien. Aber einfach hier zusammen mit Vernita, welche sie nun regelrecht neben sich spüren konnte, in dem Heuhaufen liegen zu können, ohne die ständigen Sorgen und Ängste, rückte schlagartig in weite Ferne als sie die vielen Bilder der Realität wieder einholten. So setzte sie sich auf, und begann sich die Augen zu reiben, doch würde sie damit wohl nur die Müdigkeit vertreiben.

„Ihr tut ja fast so, als hättet Ihr noch nie etwas für mich getan.“, sagte sie schließlich ein wenig belustigt darüber. Miandra hatte eigentlich gar nicht darüber nachgedacht, was genau sie gerade vorhin getan hatte. Sie hatte das Ganze an sich nicht als eine Lebensrettung empfunden, sondern eher als eine Flucht.

„Oder habt Ihr etwa geglaubt, ich lasse Euch dort liegen und suche das Weite?“, fragte sie noch schelmisch, wobei sie die Elfe kurz schief anfeixte, bevor sie von dem Heu wieder aufstand. Einige getrocknete Grashalme, hatten sich in ihren Haaren verfangen, was ihr jedoch nur auffiel, weil sie sich von dem Zopf befreite, welcher sich eigentlich schon fast von selbst gelöst hatte. So zupfte sie die Heufasern aus einzelnen schwarzen Haarsträhnen, während sie auf ein Fass zusteuerte, welches an einer der Wände stand. An der Decke oberhalb dieses Fasses war ein Loch in das Holz geschlagen, welches Miandra ins Auge gestochen war. Denn wenn man näher herantrat, konnte man durch dieses einen kleinen Teil des Nachthimmels sehen. Doch eigentlich diente es nur dazu, um Regenwasser sammeln zu können. So trat sie vor das Fass, welches fast voll mit Wasser war, und wusch sich damit das Gesicht, um den letzten Rest der Müdigkeit, die nun schwer auf ihr lastete, loszuwerden.

#1915
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„Nun, genau genommen bist du die erste Person gewesen, die tatsächlich zurückgekehrt ist und mir beigestanden hat, als ich in Schwierigkeiten steckte“, meinte Vernita und setzte sich auf. „Das ist eine völlig neue Erfahrung für mich. Die Leute, mit denen ich früher zu tun hatte, hätten mich einfach liegen gelassen und lieber ihre eigene Haut gerettet. Ich bin es also nicht gewohnt, dass sich jemand so für mich einsetzt wie du es getan hast. Und dafür danke ich dir.“
 
Sie beobachtete Miandra, welche ins Dunkel des Lagerhauses eintauchte und zu einem Regenfass hinüberging, an dem sie sich das Gesicht wusch. Zuvor blickte sie aber durch das Loch in der Decke zum Sternenhimmel hinauf.
 
Vernita lächelte, als sie das sah und daran dachte, was Miandra ihr über diese besondere Nacht erzählt hatte. Sie verbrachte diese sonst immer mit ihrer Tochter Elana und beobachtete mit ihr gemeinsam die Sterne. Vermutlich hielt sie ihre Tochter dabei in den Armen, in absoluter Harmonie und allem Frieden dieser Welt. Vernita wünschte, sie könnte die schwarzhaarige Frau ebenso in ihre Arme schließen. Aber das würde wohl auf immer ein Wunschtraum bleiben. Bei diesem Gedanken umschloss eine kalte Faust das Herz der Elfe.
 
„Wir haben noch etwas Zeit, bevor zur Kirche aufbrechen müssen“, sagte Vernita mit einem Hauch der Hoffnung. „Möchtest du dir bis zu unserem Aufbruch gemeinsam mit mir die Sterne ansehen, Miandra?“
 
 

#1916
Kaysallie

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„Hm“, stieß Miandra leise hervor, während sie sich das Gesicht mit dem Umhang abtrocknete und sich daran machte ihre Waffen zu säubern.

„Ich dachte genau das wäre der Sinn und Zweck davon, wenn man zu zweit in eine Taverne geht, in der möglicherweise Söldner auf einen warten könnten“, sagte sie nachdenklich, während sie eine Klinge in das Wasser eintauchte. Miandra wusste nicht recht was sie dazu sagen sollte, denn ähnlich wie Vernita es nicht gewohnt war, dass ihr jemand aus einer solchen Situation half, so war sie es wiederum nicht gewohnt, dass sich jemand bei ihr bedankte. Miandra sah es eigentlich als selbstverständlich an, dass sie die Elfe nicht einfach dort liegen lassen würde.

„Außerdem wäre es ziemlich sinnlos für mich, wenn ich ohne Euch verschwinden würde“, fuhr sie dann schnell fort, und blickte in die Richtung der Elfe, wobei sie etwas verlegen wirkte.

„Ich würde wahrscheinlich nicht einmal den Weg zum Lagerhaus zurückfinden. Aber vielleicht solltet Ihr ja nächstes Mal draußen warten, denn die Wirtin war ein ziemliches Plappermaul, und ich habe kurz bevor das Chaos ausbrach, alles Nötige von ihr erfahren“, scherzte sie mit einem Kichern weiter, wobei es ihr nicht gelang ihre Verlegenheit zu überspielen, doch schwang auch ein wenig Stolz in ihrer Stimme mit.

Schließlich blickte sie nach oben und starrte durch das Loch in der Decke.

„Nein“, seufzte sie nach einer kurzen Weile bitter. Alleine an der Tonlage, wie sie es sagte, merkte man, dass es eigentlich gelogen war, und sie dabei mit sich selbst zu kämpfen schien. Schließlich wandte sie den Blick wieder zu dem Fass, und reinigte zu allerletzt die Dolche, welche sie dem blonden Jungen abgenommen hatte, wobei sie darauf Acht gab, die Klingen nicht zu berühren, denn schließlich wusste sie nicht, ob auf diesen noch Gift war.

„Es wäre nicht gut, es sich anzusehen, wenn man doch eigentlich noch etwas anderes zu tun hat. Man vergisst dabei ziemlich schnell die Zeit… das wäre nicht sehr fördernd…“, sagte sie etwas fester, so als würde sie es sich selbst einreden, während sie die Waffen wieder wegsteckte, und sich ein Stück von dem Fass entfernte. Eigentlich wollte sie zu der Türe gehen, aber Vernita meinte, sie hätten noch Zeit? Miandra wusste für einen Moment nicht was sie nun tun sollte, denn eigentlich war es doch in diesem Lagerhaus sicherer die Zeit verstreichen zu lassen, als auf dem Hof der Kirche während sie auf Leanora warten würden. So blickte sie sich etwas um, konnte jedoch kaum etwas erkennen, und ließ sich schließlich seufzend auf den nächst besten Heuballen fallen.

Modifié par Kaysallie, 12 janvier 2012 - 11:25 .


#1917
Bellandyrs

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Leanora schlug das Buch zu und stand auf. Die Gefahr einzuschlafen war einfach zu groß, und draussen im Hof würde allein die kühle Nachtluft dazu beitragen, wach zu bleiben.
"Ich geh dann mal - mach Dir keine Sorgen wenn ich nicht gleich wieder da bin, aber ich muß mir die Beine ein wenig vertreten. Brauchst Du den Dolch gerade?"

Lucia verneinte ihre Frage. Sie steckte die Waffe ein und zog sich sicherheitshalber die Armschoner über um sich wehren zu können, sollte sie draussen eine unliebsame Begegnung haben.

Leise machte sie sich auf den Weg und erreichte ungesehen den Klostergarten. In der Ferne über den Dächern der Stadt erhellte ein orangenes Licht den Himmel, so als würde irgendwo ein Haus brennen. Lea starrte angestrengt in die Richtung, konnte aber nicht wirklich etwas erkennen, und so spazierte sie langsam im Garten herum und genoss die Ruhe der Nacht. Dennoch sah es weiterhin so aus, als würde der ganze Ort in Flammen aufgehen, immer wieder leuchtete der Himmel orange. Kleine Sterne, die in die Welt eintauchten und verglommen. Lea genoss das Schauspiel der Natur.

Sie war gespannt, wann Vernita auftauchen würde, und was diese zu den Entwicklungen des heutigen Tages sagen würde.

Modifié par Bellandyrs, 06 juin 2011 - 07:18 .


#1918
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„Vielleicht solltest doch lieber du beim nächsten Mal draußen warten, denn wenn bekannt wird, dass du jede Taverne abfackelst, in die du einen Fuß setzt, lassen sie dich da eh nicht mehr rein, Miandra“, lachte Vernita. „Denn ich glaube auf die Art von Grillfest können die Besitzer solcher Gaststuben gut und gerne verzichten.“
 
Dann lauschte sie den übrigen Worten der schwarzhaarigen Frau und verstand. Miandra wollte offensichtlich nicht mit ihr die Sterne betrachten und suchte nun verzweifelt nach einer Ausrede, es auch nicht tun zu müssen.
 
Dies hätte Vernita eigentlich gleich klar sein müssen. Wie kam sie eigentlich nur auf die wahnwitzige Idee, sie könnte der Frau vor ihr in etwa ebenso viel bedeuten wie deren Tochter? Bedeutete sie Miandra überhaupt irgendetwas? Sicher, sie hatte sie gerade gerettet, aber hatte das auch etwas zu sagen? War sie für die schwarzhaarige Frau vielleicht nur Mittel zum Zweck?
 
Der Elfe kam ihre Vereinbarung in den Sinn. ‚Ihr helft mir bei den Söldnern in Lothering, dafür helfe ich Euch dabei, Eure Tochter zu finden.‘ Sie erinnerte sich so genau daran, als wäre dieses Gespräch erst gestern gewesen. Und seitdem war doch so viel geschehen. Oder etwa doch nicht.?
 
Vernita war sich dessen nicht mehr so sicher. Manchmal hatte sie das Gefühl, Miandra würde sie wirklich mögen, doch dann war sie wieder so kalt und abweisend wie am ersten Tag. Bildete sich die Elfe etwa nur ein, dass ihr Gegenüber, sie gut leiden konnte? War das eventuell nur reines Wunschdenken von ihr? Vernita glaubte inzwischen mehr und mehr daran.
 
Die Elfe setzte ihren Helm ab und zog auch ihre Panzerhandschuhe aus. Dann stützte sie ihren Kopf mit beiden Händen ab und massierte sich die Schläfen, während sie gedankenverloren auf den Boden starrte. Eine ganze Weile lang saß sie einfach so da, schweigend, denn die Frage, welche ihr auf der Zunge brannte, machte ihr Angst. Oder vielmehr die Antwort, die sie auf diese Frage erwartete, ließ sie erschaudern.
 
„Ich würde dir gerne eine persönliche Frage stellen. Und ich hoffe, du gibst mir darauf auch eine ehrliche Antwort“, meinte sie schließlich dumpf und ohne ihr Gegenüber anzusehen, bevor sie eine längere Pause einlegte, um ihre Worte wirken zu lassen. „Magst du mich, Miandra?“
 

#1919
Kaysallie

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Ein zaghaftes Grinsen legte sich auf Miandras Gesicht, als sie an die brennende Taverne zurückdenken musste, doch sagte sie nichts weiter dazu. Sie dachte an all diese Adligen, die noch bewusstlos in der Taverne lagen, an jene die mit ihnen verwandt waren, und auch an die Wirtin, die nun ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatte. Auch musste sie an die Nachbarn denken, deren Häuser vielleicht ebenfalls abbrennen würden, sowie an die Stadtwache, die den Brand nun unter Kontrolle halten musste, und auch an die Söldner, die danach in der Asche nach Spuren suchen würden. Auch wenn sie es sich nicht wirklich erklären konnte, so amüsierte sie die Vorstellung von all dem. Doch schweiften ihre Gedanken schnell ab als auch Vernita einige Zeit schwieg.

Erst huschten die Bilder des blonden Jungens durch ihren Kopf, und schließlich musste sie daran denken, dass ihnen noch weitere solcher Verrückter im Weg standen. Dabei hatte sie damals als sie aufbrach gedacht, es wäre bis zum heutigen Tag genug Zeit um Elana und die anderen Kinder zu finden, aber inzwischen kämpfen sie schon mehr mit anderen Problemen, als mit der eigentlichen Sache. Wie schön öfters an diesem Tag, spürte sie wie Zweifel sie plagten. Immer wollte sie weiter, doch stand jedes Mal irgendetwas im Weg, und dieser Zeitdruck wurde dadurch immer größer. Aber das Schlimmste war wohl diese ständige Ungewissheit.

Hin und wieder ertappte sie sich dabei, wie sie zu dem Loch in der Decke blickte. Zu gerne wollte sich Miandra den Nachthimmel ansehen, so wie sie es jedes Jahr tat, doch spürte sie jedes Mal einen tiefen Schmerz, der ihr Tränen in die Augen treiben wollte, wenn sie zu lange nach oben blickte. Sie selbst hätte nicht gedacht, dass es ihr so schwer fallen würde. Doch sah sie stets Erinnerungen in den vielen Sternen, die sich vor ihrem Gesicht abspielten.

Gerade als sie gedankenverloren von dem Loch wegblickte, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, und blickte zu Vernita hinüber. Auch wenn sie die Elfe in der Dunkelheit kaum erkennen konnte, so erkannte sie an der Tonlage, dass ihr die Frage, welche sie stellte, äußerst schwer zu fallen schien. Miandra wusste nicht warum, aber sie war nicht überrascht, sondern blieb genauso ruhig, wie sie es die gesamte Zeit über war.

„Ja“, antwortete sie kühl, und ohne länger darüber nachzudenken. „Aber ich finde es nicht gut.“
Ohne das Ganze weiter auszuführen, stand sie von dem Heuballen auf, und schlenderte weiter in das Lagerhaus hinein. Miandra wollte sich ein wenig umsehen, denn dieses Herumsitzen brachte sie ohnehin nur auf trübe Gedanken.

Modifié par Kaysallie, 12 janvier 2012 - 11:25 .


#1920
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Miandras Antwort ließ Vernitas Herz einen Freudensprung machen, doch gleichzeitig schmeckte sie auch wie bittere Medizin. Sie mochte die Elfe also, und doch missfiel ihr das? War es so schlimm, jemanden wie Vernita zu mögen? War sie wirklich so abstoßend?
 
Der Elfe war wohl bewusst, dass sie sich anderen Personen gegenüber meist schroff und unfreundlich verhielt. Sie traute Fremden nun mal nicht über den Weg, und dies auch aus gutem Grund. Schon oft wurde sie hintergangen und verraten, konnte sich im Notfall nur auf sich selbst und ihre eigene Stärke verlassen. Und bisher war das auch kein Problem gewesen, da sie nie jemandem begegnet war, der es wert gewesen wäre, etwas anderes als Argwohn von ihr erwarten zu dürfen. Bis vor ein paar Wochen...
 
Die Elfe hatte Miandra inzwischen ganz in ihr Herz geschlossen und verstand beim besten Willen nicht, warum diese sich immer noch so gegen ihre Zuneigung sträubte. Aber sie war fest entschlossen, herauszufinden, was diese zwiespältigen Gefühle der schwarzhaarigen Frau zu bedeuten hatten.
 
Vernita beobachtete Miandra, wie diese durch das Lagerhaus schlich und sich anscheinend umsah, wobei sie die Frau nur undeutlich ausmachen konnte. So stand sie auf und ging noch etwas unsicher auf Miandra zu. Als sie dicht hinter der schwarzhaarigen Frau stand, legte sie dieser eine Hand auf die Schulter und drehte diese zu sich um, wobei sie so behutsam wie nur eben möglich vorging. Trotzdem tat sie dies mit einem gewissen Nachdruck. Anschließend umschloss sie mit beiden Händen Miandras Schultern und blickte dieser fest in deren Antlitz.
 
„Was meinst du damit, dass du es nicht gut findest, mich zu mögen? Bin ich denn so abscheulich, dass es dich schmerzt mich gern zu haben? Was willst du mir damit sagen?“ fragte Vernita mit ernster Stimme und einem flehenden Ausdruck in den Augen.
 

Modifié par Aliens Crew, 09 juin 2011 - 05:28 .


#1921
Kaysallie

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Wie erwartet traf Miandra weiterhin nur auf Stroh- oder Heuballen, die teilweise fast bis an die Decke gestapelt waren, sowie auf einige verschlossene Kisten, in denen wohl Getreide gelagert wurde. Erst als sie ein wenig weiter in den Raum vorgedrungen war, stach ihr auch eine Leiter ins Auge, die wohl auf den Dachboden führte. Zeitgleich als sie davor stehen blieb, um zu überlegen sich das weitere Stockwerk anzusehen, konnte sie Schritte hinter sich vernehmen, und spürte nur kurz darauf Vernitas Hand auf ihrer Schulter. Miandra hatte bereits geahnt, dass sich die Elfe mit ihrer Antwort nicht zufrieden geben würde, es jedoch irgendwie gehofft. So ließ sie sich einfach umdrehen, blickte jedoch nach unten, als sie die Stimme vernahm und den flehenden Ausdruck sah. Auch irritierte es sie, dass Vernita sie an den Schultern festhielt, und sie ihr dadurch näher gegenüberstand als sonst. Doch als die Elfe geendet hatte, schüttelte sie schwach den Kopf.

"Nein, das seid Ihr nicht", sagte sie ebenso schwach, ohne den Kopf zu heben, bevor sie eine längere Pause einlegte, wo sie wohl nachzudenken schien. Doch wusste Miandra nicht, wie sie es Vernita erklären sollte, und wäre dem Gespräch generell lieber einfach aus dem Weg gegangen.

"Weil jemand zu mögen, doch der Anfang von etwas sein soll... ich weiß aber nicht wovon", brach sie dann doch unsicher das Schweigen. "Ich kenne doch nur die Schmerzen, die mit so etwas zusammenhängen... ich habe aber keine Kraft mehr dafür. Und es verwirrt mich, es macht mir Angst... Habe ich Euch das nicht bereits erklärt?" erst jetzt hob sie vorsichtig den Kopf, und blickte Vernita fragend in die Augen, was sie jedoch sofort wieder bereute als sie spürte, wie sich Tränen in ihren eigenen bilden wollten. Sofort blickte sie wieder nach unten, und wischte sich mit den Händen schnell über die Augen.

"Ich bin schwach geworden... und ich habe mich verändert, nicht wahr? Aber ich möchte das nicht, ich muss doch stark sein... Wie soll ich stark sein, wenn all diese Gedanken an mir zehren...", murmelte sie mit zittriger Stimme weiter, während sie sich immer wieder die Tränen wegwischte. Doch schließlich hörte sie damit auf, sah ein, dass es nichts brachte. Hätte Vernita sie nicht festgehalten, wäre sie wahrscheinlich schon längst erneut weggegangen, doch hob sie nun Kopf und sah die Elfe aus glasigen Augen verständnislos an. "Was soll daran gut sein?"

Modifié par Kaysallie, 12 janvier 2012 - 11:26 .


#1922
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„Ja, du hast mir von deinen Selbstzweifeln erzählt, Miandra“, erwiderte Vernita mit ruhiger aber eindringlicher Stimme. „Und auch davon, dass du Angst davor hast, jemandem zu vertrauen, weil dieses Vertrauen enttäuscht werden könnte oder weil du die Person verlieren könntest, der du deine Zuneigung geschenkt hast und dieser Verlust dann verdammt weh tun würde. Sicher besteht dieses Risiko immer, und eine Zeitlang habe ich genauso gedacht wie du und nichts und niemandem an mich heran gelassen, doch…“
 
Die rechte Hand der Elfe ließ Miandras Schulter los und wischte der schwarzhaarigen Frau sanft eine Träne aus dem Gesicht, welche dieser just in diesem Moment über die Wange rollte. „Für jemanden starke Zuneigung zu empfinden und dies auch zu zeigen, ist jedoch kein Zeichen von Schwäche. Nein, im Gegenteil. Es erfordert viel Mut sich diesen Gefühlen zu stellen und auch dazu zu stehen. Sie machen einen vielleicht verwundbar, doch sie verhelfen einem auch zu beachtlicher Stärke und Willenskraft. Sieh dich doch dazu nur einmal selbst an.“
 
Vernita lächelte Miandra aufmunternd zu. „Die Liebe zu deiner Tochter und dein unbändiges Verlangen sie gesund und munter wiederzusehen hat dir die Kraft gegeben, Qualen durchzustehen, an denen andere schon längst zerbrochen wären. Und auch wenn du manchmal an dir selbst gezweifelt hast oder es auch jetzt noch tust, so hast du doch unbewusst keineswegs aufgegeben und benötigst nur einen kleinen Schupps in die richtige Richtung, um weitermachen zu können. Zumindest glaube ich ganz fest daran.“
 
Die Elfe sah einen Moment schweigend zu Boden, bevor sie erneut in Miandras Gesicht blickte. „Und was mich selbst angeht…meine Liebe zu dir gab mir die Stärke und die Kraft, dich aus dem Schlund des Todes herauszuholen und mich von dieser elenden Lähmung dieses Waffengiftes zu befreien. Und das alles nur, um dir beistehen zu können. Ohne diese tiefe Zuneigung zu dir, hätte ich das wohl niemals bewerkstelligen können. Und dann fragst du noch, was daran gut sein soll? Komm her, du Dummerchen, dann zeige ich es dir.“
 
Vernita lachte auf, während sie die Frau vor sich mit einem kurzen Ruck zu sich heranzog und fest in den Arm nahm. Dabei schloss sie die Augen und legte ihren Kopf auf Miandras Schulter, wobei sie dieser zärtlich über den Rücken streichelte, wohl darauf bedacht, diese nicht mit ihren Armschienen zu verletzen.
 
 

#1923
Kaysallie

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„Aber…“, war alles was Miandra sofort über die Lippen schnellte nachdem Vernita geendet hatte und sie an sich heranzog. Doch eigentlich wusste sie ohnehin nicht was sie sagen sollte. Gab es hierzu überhaupt ein Aber? Vielleicht gab es eines, trotzdem fiel ihr absolut gar nichts ein. Miandra hatte das Ganze nie so betrachtet, wie es ihr die Elfe gerade ausgeführt hatte. War sie wirklich zu dumm, um so etwas selbst zu erkennen? Miandra dachte jedoch nur sehr kurz darüber nach. Viel mehr beschäftigte sie, wie sie auf die Umarmung reagieren sollte. Denn stand sie im ersten Moment nur ohne Regung da als wüsste sie wirklich nicht was sie tun sollte, schließlich wurde sie in ihrem Leben nicht gerade häufig auf diese Art und Weise in den Arm genommen. Doch musste sie nicht wirklich länger darüber nachdenken, als die Berührung und Nähe der Elfe plötzlich ein tiefes stechendes Gefühl in ihr auslösten.

Ohne zu wissen warum, musste sie urplötzlich an das Begräbnis ihres Bruders denken, daran wie einsam sie so viele Jahre war, wie sehr es geschmerzt hatte und an den Grund, wieso er starb. Ihr kam das Gesicht ihres Vaters vors Auge, und die vielen Demütigungen, die sie durch ihn erlitten hatte. Dann sah sie ihn tot am Boden liegen, und fand sich auf dem kalten Stein Fort Drakons wieder, hörte das Lachen der Folterknechte im Hintergrund vermischt mit dem des Zwillings. Danach sah sie Blut, spürte es überall unter sich, stärker als die brennenden Schmerzen an ihrem gesamten Körper. Dann sah sie sich selbst, rasend schnell bei der Arbeit in der Taverne, hörte wie Anette ihr zuflüsterte, spürte dabei die vielen Blicke der Männer, die an der Theke saßen. Neben ihr erschien plötzlich ihre Mutter, die sie anschrie, weil sie wieder irgendetwas falsch gemacht hatte, verwandelte sich in Rael, ihren Mann, der hinter ihr auftauchte, sie an sich zog, und ihr die Kleider regelrecht vom Leib riss, und hörte im Hintergrund Elana weinen. Dann spürte sie Farrens Hand auf ihrem Ohr, sah ihn vor sich, wie er ihr sagte, sie solle sich immer wenn sie vor etwas Angst haben würde, einfach die Ohren zu halten und das Lied singen, welches sie aus seinem Mund vernahm, als sie auf ihrem Bett lag, und das Stöhnen ihrer Mutter und ihres Vaters von Nebenan hören konnte. Schließlich waren alle verschwunden, verdrängt von einem qualmenden Feuer, dessen Hitze sie überall auf ihrem Körper spüren konnte.

Alles raste plötzlich in wenigen Herzschlägen an ihr vorbei, ließ jede Stelle an ihrem Körper erzittern und trieb ihr Tränen in die Augen. Tränen die sie nie vergießen konnte über ihr jämmerliches Leben. Doch nun kamen sie unkontrolliert hoch, als hätten sie all die Jahre auf diesen Moment gewartet. So krallte sie sich regelrecht an Vernita fest, deren Leben doch um kein Stück besser verlaufen war, denn es kam Miandra so vor, als würden ihre Beine unter ihrem eigenen Gewicht nachgeben, und weinte, wie sie es noch nie getan hatte.

Modifié par Kaysallie, 11 juin 2011 - 06:39 .


#1924
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Miandra wehrte sich nicht. Sie sagte nichts, sie lief auch nicht weg oder stieß Vernita von sich. Das war für die Elfe das Zeichen, dass sie genau das Richtige getan hatte. Sie spürte, wie die schwarzhaarige Frau zu zittern begann und schließlich liefen die ersten Tränen. Vernita ließ sie gewähren. Sagte kein Wort, es gab nichts zu sagen. Worte waren in diesem Moment absolut fehl am Platz. Miandra brauchte nur die Nähe einer Person, der sie vertraute. Und in diesem Punkt konnte sie sich auf die Elfe hundertprozentig verlassen. Vernita würde für sie durch die Tiefen Wege und zurück gehen, sich durch Horden der Dunklen Brut metzeln, nur um ihr beistehen zu können. Koste es, was es wolle!
 
Vernita schnallte ihre Armschienen ab und ließ diese zu Boden fallen, ohne Miandra loszulassen. So konnte sie die schwarzhaarige Frau endlich wirklich an sich drücken, was auch nötig war, denn diese krallte sich nun ganz fest an die Elfe. Diese hatte Mühe nicht mit Miandra umzukippen, schließlich war sie nach der Lähmung noch etwas unsicher auf den Beinen. Zudem wünschte sich Vernita, sie hätte vorher noch ihren Brustpanzer abgelegt, damit sie ihr Gegenüber richtig hätte spüren können. Doch dafür war es nun zu spät.
 
So blieben die beiden einfach eine Weile in der Lagerhalle stehen. Die Elfe lauschte in die Dunkelheit hinein, vernahm aber nur das Schluchzen der schwarzhaarigen Frau und ihre eigenen regelmäßigen Atemzüge. Sie wartete geduldig, bis Miandra sich etwas beruhigte, konnte aber nicht sagen, wie lange das dauerte. Sie hatte jedes Zeitgefühl verloren. Schließlich ebbten Miandras Tränen ab, und sie klammerte sich nicht mehr ganz so arg an die Elfe wie noch zuvor.
 
Vernita löste sich ganz sachte von Miandra und blickte dieser fürsorglich in deren tränennasses Gesicht, dessen Augen vom Weinen verquollen waren. Ein sanftes Lächeln legte sich auf die Züge der Elfe.
 
„Geht es wieder?“ fragte sie leise und legte dabei ganz vorsichtig ihre Stirn gegen die Miandras und sah ihr dabei tief in die Augen.
 

#1925
Kaysallie

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Miandra nickte schwach mit dem Kopf, aber ob sie sich wirklich besser fühlte konnte sie nicht sagen. Ihr Körper zitterte zwar nicht mehr, doch fühlte sie sich ausgelaugt und völlig erschöpft, zudem brannten ihre Augen aufgrund der vielen vergossenen Tränen. All die belastenden Gedanken waren jedoch verschwunden und sie fühlte sich völlig leer. Nie hätte sie gedacht, wie befreiend es sein würde sich an jemandes Schulter auszuweinen. So blieb sie noch eine kurze Zeit vor der Elfe stehen, hielt dabei jedoch die Augen geschlossen. Dabei spürte sie nicht nur Vernitas Stirn auf ihrer eigenen, sondern auch deren regelmäßigen Atem auf ihrer Haut. Nur sehr langsam realisierte Miandra, was sie gerade getan hatte, hatte jedoch noch keinerlei Meinung dazu. Schließlich öffnete sie schwerfällig ihre verweinten Augen, entfernte ihren Kopf etwas und musterte Vernita nachdenklich.

„Wir… wir sollten gehen“, sagte sie flüsternd mit zittriger Stimme, und schien noch immer ziemlich neben sich zu stehen. Eigentlich wollte sie noch mehr sagen, aber es fielen ihr einfach keine Worte ein. Daher lächelte sie nur schwach, auch weil sie sich irgendwie dafür schämte gerade so die Kontrolle über sich selbst verloren zu haben, bevor sie sich unsicher abwandte und langsam zu der breiten Tür ging.

Modifié par Kaysallie, 12 janvier 2012 - 11:26 .