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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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2750 réponses à ce sujet

#1976
Kisu

Kisu
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Sha´ira lachte müde und stützte sich mit einem Arm auf dem Steinboden ab . Mit der anderen Hand wischte sie sich das Blut vom Hals und begann zu sprechen .
" Psychopathin , verrückte , besessene ... welch harte Worte . Ihr wolltet wissen , was ich tu , wenn es zum Nahkampf kommt , ich habe es euch gezeigt . Aber offensichtlich habt ihr nie wirklich über den Tellerrand der Zirkelmagie hinausgesehen , wenn ihr denn jemals eure krumme Nase in ein Buch gesteckt habt oder einem Magier über den Weg gelaufen seit , der nicht vom stählernen Stern geknechtet wird .
Aber lasst mich euch erklähren , was ihr gerade gesehen habt . Wenn ihr es denn versteht , vorrausgesetzt . Aber ihr Stadtelfen habt den Sinn , das Gespühr , für unsere Vergangenheit lange verloren . "

Sha´ira stemmte sich auf und lies sich auf einer Kiste in der Nähe nieder , bevor sie weitersprach .

" Was ihr gesehen habt , ist etwas , das nur sehr wenige von uns beherrschen . Es ist Magie , Kampf und Gebet in einem . Und es ist uralt . Was ihr gerade gesehen habt waren die ersten Schritte einer Freisetzung . Und ich verwette einen Eimer meines Blutes , das ihr nicht wisst , was das ist , Vernita . "

Sha´ira seufzte und legte den Kopf in die Hände .

#1977
Aliens Crew

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„Du kannst es nennen wie du willst, Fräulein“, bemerkte Vernita abfällig, wobei sie Sha’ira keines Blickes würdigte. Stattdessen kontrollierte sie lieber ihr Feuerkristallgemisch, welches bald fertig war für den nächsten Schritt. „Aber ich kenne mich mit Besessenheit aus. Während der Verderbnis habe ich genug Magier getötet, die von Dämonen übernommen worden und zu Abscheulichkeiten geworden waren. Die verhielten sich fast genauso irrational und völlig außer Kontrolle geraten wie du gerade eben. Das beeindruckt mich nicht. Ich habe diesen Monstern den Kopf abgeschlagen, also könnte ich das auch mit deinem tun, wenn mir danach wäre. Nur habe ich dafür im Moment keine Zeit, also verschone mich mit dem spirituellen Mist deines rückständigen Clans, hast du gehört? Ich interessiere mich nicht für die Riten und Gebräuche einer untergegangenen Kultur, die ihre Zeit schon längst überdauert hat.“

 

#1978
Kaysallie

Kaysallie
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Miandra schürte das kleine Feuer, während sie Vernitas Arbeit beobachtete. Sie hatte sich noch nie mit solchen Mixturen beschäftigt, doch irgendwie erinnerte sie es an das Kochen einer einfachen Mahlzeit. Sie hatte sich das ganze ein wenig komplexer vorgestellt, aber vielleicht wirkte es auch nur so einfach, weil die Elfe genau wusste was sie da tat.

Plötzlich konnte sie aus dem Hintergrund Sha´iras Stimme vernehmen. Scheinbar hatte sich diese doch endlich vom Boden aufgerafft und hielt es wohl für wichtig sich zu erklären. Miandra interessierte das Geschwafel von irgendwelchen alten Gebeten oder Magien ohnehin nicht, da sie von solchen Dingen noch nie wirklich etwas verstanden hat. Und wenn es ein Zauber war, der dafür verantwortlich war, dass die Nevarerin vorhin so ausrastete, dann war es mit Sicherheit kein besonders guter Zauber.
Aber die Worte waren eh nicht an sie gerichtet, daher zerstampfte sie stattdessen die Frostkristalle und beobachtete wie die Flüssigkeiten vor sich hin kochten, anstatt sich weiterhin Gedanken darüber zu machen.

#1979
Bellandyrs

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Leas Schritte und Körperhaltung waren mit jedem Schritt den sie Richtung Ställe machte sicherer und fester geworden. Sie war so verblüfft, als sich die beiden Wachen ihr in den Weg stellten, dass sie nicht ein mal ein "Guten Morgen" herausbrachte sondern die zwei nur fragend ansah. Das Blut gefror ihr allerdings in den Adern, als zwei Templer aus den Seitengängen kamen und sie festhielten.

"Befragung? Aber... was.. " verwirrt blickte sie die Wachen mit großen Augen an.
Schon brummte der Templer der sie festhielt, sie möge sich sputen. So sagte sie nichts mehr sondern folgte dem Befehl.
In ihrem Gehirn überschlug sich alles. Was wollten die von ihr? Hatte Bruder Castillá doch getrascht? Hatte sie Zuhörer? Wurde sie nachts beobachtet als sie sich mit Vernita getroffen hatte?
Wieder stellten sich ihre Haare auf den Unterarmen auf. Was, wenn Gromschlag sie bestrafen wollte wegen ihrem Verhalten gestern? So vorlaut war sie noch nie gewesen, aber bei dem Vorfall mit seinem Pony konnte sie nicht anders. Er hätte schließlich auch ein wenig freundlicher sein können, aber guter Umgangston gehörte wohl nicht in seinen Sprachschatz.
Sie kam beinahe ins Stolpern, aber es fiel nicht auf, dank dem Rock der Robe, als ihr ein weiterer Gedanke kam: was, wenn sie gesucht wurde und Gromschlag sie erkannt hatte?

Ihr Puls begann zu rasen. Verließ sie jetzt, so kurz vor ihrem Ziel, das Glück, welches sie so nötig brauchten?
"Andraste steh mir bei" dachte sie bei sich und versuchte, gleichmäßig zu atmen, um sich wieder etwas zu beruhigen. Wenn sie nervös dort ankommen würde, würde sie erst recht Verdacht schöpfen. Sie mußte versuchen, ihre Schuldgefühle zu unterdrücken.
Immerhin hatte sie es geschafft, Tjark von Talisker zu vergiften. Und da war sie ähnlich nervös. Sie mußte ein wenig kaltblütiger werden, wenn ihr das ganze hier nicht den Kopf kosten sollte.

Dennoch konnte sie nicht vermeiden, dass ihre Gedanken hin und her schwirrten. Ein kleines Engelchen, welches sich in ihr bemerkbar machte und ihr zuflüsterte: da siehst du was du getan hast. Und dabei ihr schlechtes Gewissen nur noch verstärkte.
Hoffentlich stand Sengaal ihr bei. Wenn er im Raum wäre, würde sie wohl etwas ruhiger sein können. Dennoch konnte sie nur hoffen, dass er eine schützende Hand über sie hielt.

Sie wischte sich verstohlen die Handflächen an der Robe ab. Die wenige Zeit die sie brauchten kamen ihr eher vor wie Stunden. So mußten sich Sünder fühlen, wenn sie auf dem Weg zum Henker waren.

Modifié par Bellandyrs, 14 juillet 2011 - 07:24 .


#1980
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Die beiden Templer führten Leanora durch die Gänge des Templertraktes der Kirche. Einer von ihnen hatte inzwischen die Spitze übernommen und führte die drei an, während der andere hinter der blondhaarigen Frau blieb und diese weiterhin antrieb. Sie durchquerten die große Halle und wandten sich an einen der Nebengänge, wo sie bald darauf auf eine schwere Eisentür stießen, welche ebenfalls von zwei Templern bewacht wurde, die ihre Kameraden nicht aufhielten, sondern ihnen lediglich zunickten.
 
Der Korridor hinter dieser Tür war aus grobem Stein gefertigt, dunkel und ohne Verzierungen oder Schmuck versehen. Nur ab und an wurde er durch die eine oder andere Pechfackel erleuchtet. Die Luft war abgestanden, und es roch nach Blut und Schweiß. Die beiden Templer sprachen kein Wort, während sie weiterliefen, nur ihre Schritte hallten von den Wänden wider und dieses Geräusch verlor sich dann in der Dunkelheit dieses Verlieses.
 
Nach einer Weile hörte Leanora allerdings Kampflärm. Befehle und Anweisungen wurden gebrüllt, Schwerter schlugen gegen Schilde und ab und an ertönte auch ein Schmerzensschrei, gefolgt von einem Lob oder einem Tadel. Sie schienen sich also im Übungsbereich der Kaserne zu befinden, wo die Templer auf den Kampf gedrillt wurden. Es war ein dunkler, unangenehmer Ort, und Leanora fröstelte leicht.
 
Irgendwann blieb der Templer vor der blondhaarigen Frau ganz abrupt stehen, so dass diese fast in den Mann hineingelaufen wäre. Er wandte sich daraufhin nach rechts, wo sich eine Tür befand und hämmerte mit seiner panzerhandschuhbewehrten Faust gegen das schwere, dunkle Eichenholz des Einganges. Das Geräusch seiner Schläge hallte laut in dem kahlen Korridor wider.
 
Kurz darauf hörte Leanora wie ein Schlüssel mehrmals im Schloss herumgedreht wurde, bevor ein weiterer Templer die Tür öffnete. Er nickte den dreien zu und ließ diese daraufhin eintreten. Nachdem diese den Raum betreten hatte, sperrte er dessen einzigen Zugang wieder ab.
 
Der Raum selbst war eigentlich nur eine dunkle Kammer, welche keine Fenster besaß und nur von den zwei Pechfackeln am Eingang bestenfalls spärlich beleuchtet wurde. Die Wände waren kahl und rau, und in der Mitte konnte Leanora nur einen schweren Eichentisch und einen Stuhl mit hohen Rücken- und Armlehnen erkennen. Auf dem Tisch stand zudem noch eine flackernde Kerze. Die Tür selbst wurde von zwei weiteren Templern bewacht.
 
„Setzt Euch doch“, ertönte eine tiefe Stimme aus der Dunkelheit. Die blondhaarige Frau versuchte auszumachen, wer da gerade mit ihr geredet hatte, doch wie sehr sie sich auch anstrengte, sie konnte in der Dunkelheit rein gar nichts erkennen.
 
„Bewegt Euch!“ brummte der Templer erneut, welcher die Frau schon die ganze Zeit über angetrieben hatte und stieß dieser wieder einmal leicht in den Rücken. Leanora durchschritt unsicher den Raum, während sie unentwegt in die Ecke starrte, aus welcher vorhin die Stimme gekommen war. Doch die Gestalt dort blieb für sie unerkannt. Als sie schließlich den Stuhl erreicht hatte, ließ sie sich vorsichtig darauf nieder. Die beiden Templer, welche sie hierher geführt hatten, postierten sich nun neben dieses Möbelstück.
 
„Willkommen, Schwester Sophia“, begrüßte der Zwerg Gromschlag die Frau und trat nun aus dem Schatten heraus bis an den Tisch heran. Mit beiden Händen stützte er sich auf der Platte ab und beugte sich zu Leanora hinüber, während sich ein breites Grinsen auf seine Lippen legte. „Ich sagte Euch doch, dass wir uns noch unterhalten werden, oder hattet Ihr das etwa schon wieder vergessen?“
 

#1981
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Lea hatte sich mit zitternden Knien auf dem Stuhl nieder gelassen. Unheimlich war noch das mildeste Wort, was ihr für diese Situation einfiel. Jedenfalls war sie heilfroh, als sie sich setzen konnte.

Wieso kam ihr die Stimme so bekannt vor? Sie versuchte, diese zuzuordnen, ihr Gehirn arbeitete fieberhaft. Aber erst, als Gromschlag ins Licht trat, fügte sich alles in ein Puzzelstück zusammen. Von Sengaal war weit und breit keine Spur, sie war verloren.

"In der Tat, das hatte ich tatsächlich verdrängt, Inquisitor." antwortete sie. "Es tut mir leid wegen dem Pony, Ihr müßt wissen, dass ich noch nicht so lange als Pferdepfleger bei den Templern eingesetzt wurde, und mein Ton war wohl etwas rüde."

Angriff war die beste Verteidigung, dachte sie bei sich. Sollte er etwas anderes von ihr wollen, dann würde Andraste hoffentlich ihre schützende Hand über sie legen. Sofern es ging, würde sie kein Wort von ihren Gefährten verlauten lassen.

Modifié par Bellandyrs, 16 juillet 2011 - 05:36 .


#1982
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„Glaubt Ihr wirklich, dass ich Euch deswegen habe hierher bringen lassen?“ fragte Gromschlag hart und runzelte dabei die Stirn. „Wäre das alles gewesen, dann hätte ich mir wohl kaum solche Mühe gegeben, denkt Ihr nicht auch?“
 
Der Zwerg näherte sich Leanora, bis ihre Gesichter sich beinahe berührten. Er schnupperte ein paar mal direkt vor der Frau, wie ein Hund, der die Spur seiner Beute aufnahm, welche er jagen soll. „Ihr wirkt nervös. Liegt das an mir? Oder habt Ihr vielleicht etwas zu verbergen?“
 
Das Grinsen auf den Lippen des Zwerges schien noch breiter zu werden, als er sich wieder zurückzog und langsam eine Runde um den Tisch drehte, bei der er die Frau allerdings keinen Augenblick aus den Augen ließ.
 
„Seltsame Dinge gehen in letzter Zeit in dieser Stadt vor“, begann er mit ruhiger Stimme seine Ausführungen. „Alles begann anscheinend damit, dass eine gefährliche Blutmagierin, auf deren Spur ich mich befinde, hier aufkreuzte und eine Spur aus Leichen im Gesindeviertel hinterließ. Danach wurde eine Schmiede abgefackelt und eine Spelunke voller zwielichtiger Gestalten ausgemerzt, dessen Anführer im Verdacht stand, Personen Unterschlupf und Fluchtmöglichkeiten zu beschaffen. Außerdem treibt sich hier auch noch ein gefährlicher abtrünniger Magier herum, der heutzutage als Söldner arbeitet und anscheinend auch hinter derselben Blutmagierin her ist wie ich selbst und der nur eingesetzt wird, wenn es darum geht, eine verdammt harte Nuss zu knacken. Und zeitgleich taucht Ihr hier in der Kirche auf! Ist das ein Zufall? Oder steckt Ihr etwa mit dieser Blutmagierin unter einer Decke und spioniert uns für sie aus?!? Redet!“
 
Gromschlags Tonlage war bei seinen letzten Worten immer lauter und fordernder geworden, wobei er zum Schluss sogar kräftig mit der Faust auf den Tisch schlug, so dass es heftig schepperte.
 
„Habt Ihr den Inquisitor nicht gehört?!? Macht endlich das Maul auf!“ brüllte der Templer neben Leanora, als diese nicht gleich antwortete und verpasste der Frau eine gehörige Ohrfeige. Ihr Kopf flog dabei zur Seite, und der Stahlhandschuh des Templers hinterließ zudem einen tiefroten Abdruck, welcher wohl in einer kräftigen Schwellung enden würde.
 
„Joheen!“ schrie der Zwerg erbost und schlug abermals wütend mit beiden Fäusten auf die Tischplatte. „Ich hatte dir nicht erlaubt, sie zu schlagen!“
 
Der angesprochene Templer wandte hastig den Kopf in Gromschlags Richtung und beugte sogleich demütigst das Haupt. „Verzeiht, Herr. Ich dachte...“
 
„Fürs denken bist du nicht hier, verstanden? Du weißt, was jetzt zu tun ist! Auf den Tisch!“
 
„Ja...ja, Herr“, stammelte der Mann und trat an das Möbelstück heran. Er zog seinen Panzerhandschuh aus, bevor er seine Hand flach auf der Tischplatte ablegte und wartete. Gromschlag ging ganz gemächlich auf seinen Untergebenen zu und starrte diesem dabei die ganze Zeit über gebannt in die Augen.
 
„Wir leben, um dem Erbauer zu dienen und sein Werk zu vollbringen“, verkündete der Zwerg bedeutungsvoll. „Wir sind nur stark, wenn unser Glaube stark ist. Wir tun nur das, was unser Herr uns befiehlt. Alles andere gefährdet nicht nur uns, sondern auch unsere gesamte Einheit. Treue und Gehorsam heißen Leben! Wir lernen durch Opferbereitschaft und Schmerz!“
 
Bei seinen letzten Worten hatte der Zwerg einen langen Dolch gezogen, welchen er nun mit aller Kraft durch die Hand des Templers stieß und diese damit auf den Tisch nagelte. Blut tränkte die Platte des Möbelstückes rot. Der Templer selbst stöhnte erstickt auf, sichtlich darum bemüht nicht vor Schmerzen aufschreien zu müssen. Gromschlag drehte den Dolch einmal in der Wunde herum, wodurch der Mann merklich zusammenzuckte. Dann zog der Zwerg die Waffe wieder aus der Hand seines Untergebenen, wo sie ein fingergroßes Loch hinterlassen hatte, aus dem das Blut nur so herauslief.
 
„Nun gehe zu einem Heiler und lasse deine Wunde versorgen, Joheen“, meinte Gromschlag beinahe fürsorglich wie ein Vater, während er seine Waffe vom Blut des Templers reinigte. „Und kehre mit gestärktem Glauben zu uns zurück.“
 
Der Angesprochene salutierte noch einmal vor seinem Vorgesetzten, bevor er sich seinen Panzerhandschuh griff und zügig den Raum verließ. Gromschlag hingegen steckte seinen Dolch wieder weg, bevor er sich wieder an Leanora wandte.
 
„Verzeiht diese Unannehmlichkeit, Schwester Sophia. Meine Männer sind manchmal etwas übereifrig im Erfüllen ihrer Pflicht. Es wird nicht wieder vorkommen, wenn Ihr kooperiert und mir sagt was ich wissen will. Und dahingehend stellt sich mir noch immer die Frage, weshalb Ihr gerade jetzt Zuflucht in diesen Mauern sucht. Sucht Ihr wirklich nur den Segen und den Schutz Andrastes oder doch nur Informationen für Eure Freundin, die Blutmagierin? Sagt es mir. Die Wahrheit wird Euch befreien, glaubt es mir!“
 
 

#1983
Bellandyrs

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Lea zuckte zusammen als der Inquisitor mit seiner Faust auf den Tisch schlug. Sie hatte den Mund schon geöffnet um eine Antwort zu formulieren, als sie die Ohrfeige des Templers traf und ihr den Kopf zur Seite riß. Reflexartig schossen ihr die Tränen in die Augen, wobei sie nicht sagen konnte, ob es vom Schmerz oder vom Schock kam, dass sie geschlagen wurde.

Abermals zuckte sie zusammen als der Zwerg den Templer bestrafte. Ihr drehte sich beinahe der Magen um, die Tränen waren vergessen und sie starrte mit offenem Mund auf die Szene, die sich gerade abspielte.

Sie schluckte bevor sie mit leicht zitternder Stimme zu sprechen begann, ihr Gesicht war beinahe bleicher als eine frisch getünchte Wand.
"Ich weiß nichts von den Vorgängen in der Stadt, Herr." Sie räusperte sich, um mit gefestigter Stimme fortzufahren. Schließlich wußte sie tatsächlich nichts oder nicht viel davon, was der Zwerg ihr erzählt hatte und war sich keiner Schuld bewußt. Damit hatte sie defintiv nichts zu tun, und wenn die Vorfälle auf Vernitas Konto gingen hatte das nichts mit ihr zu tun. Zumindest nicht direkt. Das gab ihr wieder etwas ihrer Sicherheit zurück.

"Und ich weiß auch nichts von einer Blutmagierin oder einem abtrünnigen Magier. Solche Menschen mit Zauberkräften sind mir ohnehin unheimlich, bisher habe ich auch jeden Kontakt mit Magiern vermieden. Und um Eure Frage zu beantworten, ob ich nervös bin: ja das bin ich tatsächlich. Immerhin habt Ihr eine für mich unheimliche Ausstrahlung und ein sehr imposantes Auftreten. Ich habe mir den ganzen Weg den Kopf zerbrochen zu welcher Befragung ich geschleppt werde, und ob ich mir hier etwas zu Schulde kommen lassen hatte. Und warum ich gerade jetzt Zuflucht in diesen Mauern suche... nun, ich kann nichts dafür dass ich meine Familie nicht schon früher verloren habe. Sonst wäre ich wohl schon länger im Dienste der Kirche."
Vor ihrem inneren Auge sah sie kurzzeitig den Vater, der sie gütig anlächelte, Richard, der sie neckte, und sie mußte sich zusammenreißen, dass die Trauer nicht wieder überhand nahm. Würde der Schmerz um den Verlust ihrer Verwandten denn erst richtig hervorbrechen, wenn sie zur Ruhe kam und nicht abgelenkt wurde?

#1984
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„Spart Euch Euren Sarkasmus!“ fauchte Gromschlag ärgerlich. „Und versucht jetzt nicht, diese Mitleidsnummer abzuziehen! Die wirkt bei mir nicht, Schwester!“
 
Der Zwerg stürmte schnellen Schrittes auf Leanora zu und kam erst kurz vor deren Stuhl wieder zum Stehen. Mit beiden Händen stützte er sich auf den Lehnen des Möbelstückes ab, während sein Gesicht sich wieder bis auf wenige fingerbreit dem der Frau näherte. Dabei fixierte er deren Augen mit seinem stechenden Blick.
 
„Wollt Ihr mich vielleicht zum Narren halten?!? Denkt Ihr, Ihr habt hier einen einfältigen Idioten vor Euch? Ihr führt irgendetwas im Schilde, das spüre ich ganz deutlich! Mit jeder Faser meines Körpers! Und ich werde eh herausfinden, was das ist, also könnt Ihr auch gleich alles gestehen! Dann wird Andraste Eurer Seele vielleicht gnädig sein!“
 
Gromschlag zog sich wieder ein kleines Stück zurück, blieb diesesmal allerdings vor Leanoras Stuhl stehen. „Ihr sagtet, Ihr habt Eure Familie verloren, nicht wahr? Wie ist das geschehen und wer waren sie? Sagt es mir und beruft Euch nicht auf das Recht, dass die Kirche niemals Fragen über die Vergangenheit ihrer Mitglieder stellt. Das würde nur meinen Verdacht gegen Euch erhärten und zudem stehe ich über diesen Bestimmungen!“
 

#1985
Bellandyrs

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In Leanoras Kopf arbeitete es fieberhaft. "Andraste steh mir bei" schickte sie ein Stoß-Gebet zum Himmel. Sie fragte sich, ob der Inquisitor wirklich nur auf der Suche nach Magiern war - oder ob er auch in der Machtposition stand, gegen die Leute vorzugehen, die ihr Leben zunichte gemacht hatten. Wieviel konnte sie erzählen, ohne sich oder ihre Gefährten in weitere Gefahr zu bringen? Brenzlig war die Situation an sich ohnehin.
"Bleib bei der Wahrheit so gut es geht" flüsterte eine Stimme ihr zu, und das Bild ihres Vaters tauchte auf. "Sonst verhedderst Du Dich nur in den eigenen Lügen."

Wie weit konnte Lea dem Inquisitor vertrauen? Was würde er wohl unternehmen, wenn er von den verschwundenen Kindern wüßte? Das konnte sie ihm nicht erzählen. Wenn, dann lag das in den Händen von Bruder Castillá, aber nicht in ihren.

"Nun gut, Ihr wollt wissen, wie das geschah? Eines Tages kam ein Trupp Reiter auf den Hof galoppiert, plünderten Vorräte, legten Feuer, schändeten meine Mutter und meine Schwägerin. Die Mägde und Knechte und meine Familie wurde wie Vieh abgeschlachtet, und ich sass versteckt hinter einer doppelten Wand im Kleiderschrank und mußte alles mit anhören! Für mich war es reines Glück dass diese .. diese... diese Bastarde den Mechanismus nicht gesehen haben, der die Wand geöffnet hätte, sonst wäre ich auch tot." Lea schlug die Hände vor ihr Gesicht, die Bilder des Grauens holten sie wieder ein und eine Gänsehaut überzog ihren Körper.

Sie schüttelte traurig den Kopf und nahm die Hände wieder vom Gesicht, um dem Zwerg in die Augen zu sehen. Ihre Unsicherheit war verschwunden, sie konnte fest in die kalten Augen des Mannes blicken.
"Ich danke dem Erbauer dass ich noch lebe, aber mein zuhause gibt es nicht mehr. Was liegt näher als Zuflucht und Schutz in den Klostermauern zu suchen und mein Leben Andraste zu widmen?"
Abermals schüttelte sie den Kopf, um die Bilder aus ihren Gedanken zu verscheuchen. Sie wollte dieses Horror-Szenario nicht noch einmal durchleben müssen.
"Wer sie waren? Wer ich war?" Sie hob den Kopf ein wenig und ein klein wenig ihrer einstigen Arroganz kam zum Vorschein, als sie ihren vollen Namen nannte. "Mein Name war Countess Leanora Bardigiano. Und jetzt bin ich einfach Schwester Sophia. Ich habe, bevor ich ins Kloster geflüchtet bin, hier in Denerim aufgeschnappt, dass meine Familie als Verräter hingestellt wurde. Nachdem ich nichts in der Hand habe, wo ich das Gegenteil beweisen kann, ist das Kloster der einzige Schutz den ich habe, wo ich am Leben bleibe. Das sind die Gründe, wieso ich hier gelandet bin. Und ich bin zufrieden damit. Mein Dienst in der Kirche ist der Dank an den Erbauer und an Andraste, dass ich leben darf. Endlich kann ich in Frieden weiterleben, zumindest dachte ich das."

Als sie geendet hatte, rutschte sie ein Stück auf dem Stuhl zurück und faltete die Hände in ihrem Schoß.

Modifié par Bellandyrs, 16 juillet 2011 - 05:25 .


#1986
SickOfItAll

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Lydia war im Begriff Karborundstein und Öl von drinnen zu holen um ihre Waffen zu pflegen , was sie schon länger nichtnehr getan hatte , als Sha´ira ohne Vorwarnung Vernita angriff und sie so richtig zusammenschlug . Lydia konnte kaum glauben , was Sha´ira tat , doch herumfliegende Holzsplitter und krachender Lärm von splitternden Brettern holte sie in die Realität zurück .

Sha´ira war mit Vernita als lebendigem Rammbock durch die Wand des Lagerhauses gebrochen und setzte drinnen ihren unermüdlichen Angriff fort , bis sie Vernita mit einem Arm vom Boden hob und mitten im Lagerhaus in die Luft hielt .

Schnell kam Lydia zu der Gruppe gelaufen , doch da hatte Vernita ihrem kindlichen Hass und ihrer unterschwelligen Angst wieder freien Lauf gelassen und Sha´ira verletzt . Sie wollte sich gerade schon beschweren , da hatte Vernita auch schon von ihr abgelassen und sich anderem zugewandt .

So lauschte sie ihren Ausführungen über das gerade geschehene . Eine Anrufung . Lydia wusste nicht , was es war , aber sie bildete sich ein , es schoneinmal gehört zu haben . Wo und in welchem Zusammenhang verschwamm aber im Nebel der Erinnerungen .

Kaum hatte sie sich wieder von ihren Gedanken gelöst , schimpfte Vernita schon wieder . Viel mehr als Schimpfworte und Hass war ihr nicht zu entlocken . Die übliche Leier , doch diesmal offenbarte sie auch , was sie für ihre Vorfahren übrig hatte . Nichts . Garnichts . Und das schmerzte Lyida . Wie konnte man sein Erbe so mit Füßen treten ? Wo sie geboren wurde , da achtete man seine Vorfahren . Man betete für sie , man erinnerte sich an sie und man hielt ihre Traditionen aufrecht . Doch alldas war nun im Staub des Vergessens und dem dust des Todes begraben .

Sie holte einmal tief Luft , bevor sie sich an einen Balken neben Vernita lehnte und zu sprechen begann .

"Jetzt fasst euch doch einmal Vernita ! Warum gebt ihr nichts auf unsere Vorfahren ? Habt ihr denn nicht gerade gesehen , was sie ins noch lehren können ? Ihr seht nur vorgeblichen Wahnsinn , aber könnt ihr wirklich nicht tiefer hineinsehen ? Aber nun lasst doch Sha´ira weiterreden . Wenn ihr schon nicht zuhört , ich bin eine gue Zuhörerin . . . Dort wo ich herkomme , dort waren die Ahnen noch lebendig ... aber Jetzt erzähl uns doch mehr über diese Anrufung . Was genau machst du da ? Für mich klingt es nach Magie , aber erzähl du es mir . "

Modifié par SickOfItAll, 17 juillet 2011 - 01:00 .


#1987
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„Wirklich eine nette Geschichte, meine liebe Leanora, Countess von so und so. Ganz und gar faszinierend, möchte ich meinen“, erwiderte Gromschlag sarkastisch und näherte sich wieder dem Gesicht der Frau. „Nur ob ich Euch diese Geschichte einfach so abkaufen soll, darüber bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. Außer die Sache mit der Verräterin, die glaube ich Euch aufs Wort, denn jetzt fällt mir auch wieder ein, woher ich Euer Gesicht kenne...von einem Steckbrief, welcher überall in der Stadt verteilt an den Wänden hängt. Ihr müsst unheimlich mutig oder auch unheimlich dämlich sein, Euch in einer Stadt verstecken zu wollen, welche derart angestrengt nach Euch fahndet.“
 
Der Zwerg wiegte den Kopf hin und her, während er Leanora eingehend musterte und sein sarkastisches Grinsen nach und nach von seinen Zügen verschwand. „Auf der anderen Seite spüre ich, dass dies nur die halbe Geschichte ist. Irgendetwas verheimlicht Ihr vor mir, und wir beide werden diesen Raum erst verlassen, wenn ich herausgefunden habe, was das ist. Und im Anschluss daran werde ich entscheiden, ob ich Euch den Behörden übergebe, Euch selbst hinrichte oder Euch sogar laufen lasse. Doch zuerst will ich die ganze Wahrheit hören, sonst...“
 
Ein lautes und kräftiges Hämmern an der Eingangstür unterbrach Gromschlag, welcher grummelnd den Kopf hob und wutentbrannt die Tür fixierte. „JA! Wer ist da?!?“ brüllte er so laut neben Leonaras Ohr, dass diese davon fast taub wurde.
 
„Hier ist Kommandant Neranos, Herr!“ ertönte es dumpf durch die dicke Eichentür.
 
„Was wollt Ihr?“ entgegnete der Zwerg ungehalten. „Ich hatte doch ausdrücklich gesagt, dass ich nicht gestört werden will!“
 
„Außer wenn es Neuigkeiten gibt, die mit einem bestimmten Magier zusammenhängen!“ vollendete Neranos durch die Tür den Satz.
 
Gromschlag überlegte kurz, bevor er den Templern an der Tür mit einer Geste andeutete, diese zu öffnen, was die Männer auch gleich taten. Kaum war der Eingang offen, stürmte Sengaal auch schon hastig in die Kammer, wobei er es vermied, Leanora anzusehen, da er dem Zwerg keinen Grund geben wollte, misstrauisch zu werden.
 
„Also gut“, brummelte Gromschlag. „Was habt Ihr zu berichten?“
 
„Wie ich soeben von einer unseren Patrouillen erfahren habe, gab es letzte Nacht ein Feuer in einer Taverne im vornehmsten Teil Denerims, und es hat allen Anschein, dass der Söldner, nach dem Ihr sucht in dieser Herberge gewohnt hatte. Die Stadtwache hat schon eine Untersuchung eingeleitet und scheint bereits einen Unfall auszuschließen.“
 
„Nun, das ist was anderes“, bemerkte der Zwerg grübelnd, bevor er von Leanora abließ und sich voll und ganz Neranos zuwandte. „Schafft diese Schwester in ihre Stube und lasst sie bewachen, bis ich zurückkomme. Sie ist von ihren täglichen Pflichten entbunden und steht unter Hausarrest, bis ich meine Befragung beendet habe...und vielleicht auch noch darüber hinaus.“
 
Abrupt wandte sich der Inquisitor ab, gab seinen Männern ein Zeichen und verließ zügig den Raum, während ihm die drei Templer umgehend folgten.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 18 juillet 2011 - 03:01 .


#1988
Bellandyrs

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Lea durchlief ein Wechselbad der Emotionen in dieser kurzen Zeit. Zuerst war sie relativ sicher gewesen, dass der Inquisitor nicht weiter nachforschen würde und ihre Geschichte an sich genug Potential geliefert hatte. Das Herz rutschte ihr in die Hosentaschen, als er ihr klipp und klar sagte, dass es nur die Hälfte der Geschichte sei, und er noch nicht wisse, ob er sie nicht doch ausliefern sollte. Sie hatte währenddessen bereits angefangen zu überlegen, was sie ihm noch erzählen konnte, was er als anderen Teil abkaufen würde, ohne ihre Begleiter erwähnen zu müssen. Am einfachsten war es, zu widerlegen dass sie weder dämlich noch mutig war, weil sie anfangs ja bereits gesagt hatte dass sie erst hier in Denerim erfahren hatte, dass ihre Familie als Verräter abgestempelt wurde.

Doch dann änderte sich plötzlich alles, Sengaal stand vor der Tür, und hätte Lea von der ganzen Situation nicht ohnehin weiche Knie gehabt, wäre sie ihm wohl um den Hals gefallen. Es störte sie nicht im mindesten, dass er sie nicht beachtete, da sie wußte, was für ihn auf dem Spiel stand.

Sie spitzte die Ohren, um ja kein Wort zu überhören, was der Kommandant zu berichten hatte. Ein Brand gestern in der Nacht? Hatte sie das nur schon wieder vergessen, weil es sie nicht interessiert hatte beziehungsweise mit ihren Einbruchsvorbereitungen so in Bann gezogen war, oder hatte Vernita das gar nicht erwähnt? Sie konnte es nicht sagen. Aber eines wußte sie: durch Sengaals Auftauchen hatte sie Zeit gewonnen. Zeit, wo sie sich überlegen konnte, was sie dem Inquisitor erzählen konnte. Am besten wäre es, wenn sie die Sache mit den Kindern los werden würde. Immerhin war das doch wohl ein weiterer Grund, wieso sie ausgerechnet hier im Kloster gelandet war., zumindest für Gromschlags Ohren. Sie hätte gerne Bruder Castillás Meinung dazu gehört, ob sie das dem Zwerg erzählen konnte, ohne hier auch noch alle in Gefahr zu bringen. Doch wie sollte sie das bewerkstelligen? Hausarrest!

Als der Inquisitor mit seinem Gefolge den Raum verlassen hatte, kehrten ihre Gedanken an das hier und jetzt zurück. Sengaal hatte sich zu ihr gewandt und musterte sie wortlos, aber in seinen Augen lag ein besorgter Ausdruck, als er die Schwellung an der Wange sah.

Lea wagte kaum, ihn anzusehen. Sie hatte Angst, dass er enttäuscht von ihr war. Sie blickte an ihm vorbei, einen Punkt an der Mauer fixierend als sie tonlos sagte:
"Ich habe Hausarrest. Ihr verzeiht, wenn ich nicht in die Ställe komme?"

Modifié par Bellandyrs, 17 juillet 2011 - 08:18 .


#1989
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Kaum waren Gromschlag und seine Männer verschwunden, da eilte Neranos auch schon zum Ausgang und sah sich einmal kurz im dem menschenleeren Korridor um, bevor er die Tür schloss und zu Leanora zurückging. Vor ihrem Stuhl ging der junge Mann in die Hocke und blickte der Frau sorgenvoll in die Augen, während er sich zusammennehmen musste, um nicht loszuheulen oder komplett auszurasten, als er die rotangelaufene Wange Leanoras betrachtete. Dabei nahm er ihre Hände in die seinen und versuchte ihr auf diese Weise Trost und Rückhalt zu geben.
 
„Nein, Leanora“, begann er mit sanfter Stimme. „Es muss dir nicht leid tun. Im Gegenteil. Mir tut es leid, dass ich es nicht geschafft habe, dich vor all dem hier zu bewahren. Ich habe versagt, und nun muss ich eine Entscheidung treffen, die mein Innerstes Ich aufgewühlt hat. Ich kenne Gromschlag zwar erst seit kurzem persönlich, aber nachdem, was ich von ihm gehört habe, ist er ein Fanatiker. Er wird erst locker lassen, wenn er etwas gefunden hat, aus dem er dir einen Strick drehen kann, an dem er dich aufhängen kann. Doch das werde ich nicht zulassen. Ich habe lange genug mit mir selbst gehadert, doch nun habe ich beschlossen, dir zu helfen, selbst wenn es mich meine Karriere kosten sollte...oder mein Leben. Denn ich will nicht mehr ohne dich sein, da gehe ich lieber in den Tod.“
 
Neranos lächelte der jungen Frau aufmunternd zu, wobei sich jetzt doch einige Tränen in seinen Augen sammelten. „Doch sollten wir das Übrige nicht an diesem grauenhaften Ort besprechen, sondern auf deiner Stube, zu der ich dich ja eh bringen soll. Aber zuvor bringe ich dich erst einmal zum Heiler der Kirche, damit er dir etwas für dein Wange geben kann, bevor diese anschwillt.“
 
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Vernita verdrehte die Augen, als sich Lydia in das Gespräch einmischte. Sie warf einen kurzen Blick auf das Mädchen und wollte sie gerade schon wieder anschreien, als ihr Miandras Worte in den Sinn kamen, sich nicht so sehr über das aufzuregen, was diese sagte. So atmete die Elfe einmal tief durch, bevor sie sich ihrer Tasche zuwandte, aus der sie ein kleines Säckchen mit einem feinkörnigen Pulver hervorholte.
 
„Ich denke, deine Freundin ist einfach nur eine schlechte Verliererin, das ist alles“, erwiderte Vernita so ruhig wie es ihr im Augenblick möglich war. Sie versuchte sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, die nun in eine kritische Phase eintrat. Zuviel Aufregung könnte da fatale Folgen haben. „Nachdem ich ihr gezeigt habe, dass für den Sieg manchmal mehr nötig ist als ein ehrlicher Kampf, ist sie einfach ausgerastet und wie eine Furie auf mich losgegangen. Und dann nennt sie das auch noch Magie. Für mich sah das eher nach Wahnsinn aus. Aber das nur am Rande...“
 
Die Elfe nahm mit einer kleinen Greifzange eines der Fläschchen mit dem Feuerkristallgemisch und gab etwas vom dem weißen Pulver dazu, bevor sie das Gefäß leicht schüttelte. Die rote Flüssigkeit nahm seine typische gelbe Färbung an, woraufhin Vernita zufrieden lächelte. Anschließend verschloss sie die Flasche und legte sie vorsichtig zum Abkühlen an die Seite.
 
„Aber du wolltest von mir wissen, weshalb mich die Traditionen der Elfen nicht interessieren. Nun gut“, fuhr sie fort, während sie die zweite Flasche ebenso präparierte wie die erste. „Ich bin Pragmatikerin, wie du weißt. Ich interessiere mich vorrangig darum, den aktuellen Tag zu überleben, und das ist in letzter Zeit nicht gerade einfacher geworden. Doch da du mich schon gefragt hast...unser Volk wurde besiegt. Von den Menschen in die Knechtschaft gezwungen hat es all seine Größe, Stärke und Schönheit verloren. Wir verbringen unsere Existenz als Bürger zweiter Klasse oder dümpeln in abgeschiedenen Clans unser Dasein, fernab der Gesellschaft. Und anstatt uns dieser Situation anzupassen und etwas dagegen zu unternehmen, hängen wir alten Riten und Traditionen nach, die uns damals schon nichts geholfen haben, als uns die Menschen überrannten und es heute auch nicht tun. Wir beten zu Göttern, welche uns bereits seit ewigen Zeiten verlassen haben, anstatt uns zu erheben und uns gegen unsere Unterdrücker zur Wehr zu setzen, bis wir wieder herrschen oder zumindest mit den Menschen gleichgezogen haben. Doch nichts dergleichen geschieht. Wir haben unser Schicksal als Verlierer inzwischen ganz offensichtlich einfach akzeptiert.“
 
Die Elfe machte eine kurze Pause, in der sie eine weitere Flasche an sich nahm und einen kurzen Blick zu Miandra warf. „Aber ich kann nicht einmal allen Menschen daraus einen Vorwurf machen, denn wie wir ja an Miandra und Leanora sehen, machen sie ja nicht einmal vor ihrer eigenen Art halt und unterdrücken oder ermorden auch diese. Nein, Lydia. Unser Volk ist am Ende der Straße angekommen, also kümmere ich mich lieber um mich selbst als für eine verlorene Sache zu kämpfen. Aber wenn deine Freundin unbedingt von ihrer eigenartigen Magie erzählen möchte...bitte, ich werde sie nicht davon abhalten.“
 

Modifié par Aliens Crew, 17 juillet 2011 - 05:09 .


#1990
Kisu

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Sha´ira seufzte , als Vernita aufführte , wesshalb sie für ihre Ahnen nichts übrig hatte . Die Tatsache , das sie überhaupt so dachte war für sie schon traurig genug , doch die Erklährung warum war schlimmer .

" Bevor ich erklähre ... möchte ich euch etwas fragen ... etwas anderes erklähren . Ich weis nicht , ob ihr es genauso seht , oder ob ihr noch nicht darüber nachgedacht habt . . . Denn wir nicht an die Götter glaubt , wer nicht in sie vertraut , dem werden sie nicht helfen , der wird nicht in ihrem Licht wandeln . Vertraut ihr in unsere Vergangenheit , so vertraut die Vergangenheit in euch , ihr tragt das Erbe , ihr haltet unser Banner hoch . . . und tut es doch nicht . Deswegen fielen die Dales an die Menschen . Kann man den Menschen einen Vorwurf machen ? Sie sind genauso Machtgierig und Herrschsüchtig wie wir es dereinst auch waren . Und sie haben sich als die Stärkeren erwiesen . Aber wie ihr seht , kommt Hochmut bekanntlich vor dem Fall . Den Menschen geht es hier im Süden genauso , wie damals uns Elfen . Wir wurden schwach . Wir wurden dekadent . Unser Erbe und unsere Vergangenheit haben uns nichtmehr interessiert , das Licht unserer Götter schien für unsere Augen zu verblassen . Die Menschen waren geeint im Glauben , gestärkt durch ihren Gott . Das war es , was ihnen die Kraft gab , unser Volk zu zerschmettern . Im Norden , in Nevarra ist die Unterdrückung aber nicht ganz so schlimm , wie bei euch im warmen Süden . Einige werden unterdrückt , doch diese Sklaven sind keine nevarranischen Elfen . Unsere Clans leben frei , wir werden geachtet , wir werden als gleich angesehen . Wir tragen unseren Teil dazu bei , das unser Reich nicht von den Qunari und ihrem Arishok verschlungen wird , wir haben uns unseren rechtmäßigen Platz erkämpft . Nicht als Diener , noch als Herrscher , denn mehr als freie . . .

Doch ihr habt euch eurem Schicksal hingegeben . ihr akzeptiert , was man euch aufgebürdet , wie man euch gebrandmarkt . Ihr habt eure eigene Sprache verlernt und seid blind geworden für eure Vergangenheit ... deswegen hört ihr die Götter nichtmehr . "

Mit leerem Blick wandte sie sich Lydia zu und lächelte sie schwach an . " Aber ich muss eine Ausnahme machen . Vernita , in einigen Belangen kann man sich ein Beispiel an euch nehmen und von euch lernen . Aber könnt ihr das auch von anderen ? Wenn ja , so nehmt euch ein Beispiel an ihr . Sie spricht unsere Sprache fließend , sie betet zu den Göttern , sie vertraut in sie . Unsere Kultur lebt auch hier noch , unsere Ahnen leben in all jenen weiter , die ihrer gedenken ! Und deswegen besitze ich die Fähigkeiten , die ich besitze . Die Kunst der Anrufung ist uralt , sie entstand lange bevor die Dales fielen , lange bevor die Menschen die Magier einpferchten und wie gefürchtete Gefangene hielten .

Das Ritual zur Bindung ist gefährlich , selten tödlich . Denn was wir tun , wir binden einen Ahnengeist an uns . Ihr würdet es warscheinlich einen Dämon nennen , doch ein Ahnengeist ist etwas anderes . Es ist die Seele eines großen Kriegers , welcher in einem Phylakterion versiegelt wurde , um auf diesen Zeitpunkt zu warten . Wird dieser Geist nun freigelassen , so muss derjenige , der den Geist an sich binden will , den Geist im Kampf besiegen . Wie dieser Kampf abläuft ist immer unterschiedlich . Mein Duell war ein schwieriges , denn ich trage einen der größten Ahnengeister in mir gebunden . Zuerst war es Waffe gegen Waffe , doch dann zog der Geist uns ins Nichts un dort sind die Regeln nach seinen Vorstellungen und Wünschen . Besiegt habe ich ihn , aber ich habe auch dafür bezahlt . "
Sha´ira schnallte sich einen ihrer Panzerhandschuhe ab und zeigte die Innenseite ihres Armes . Narben waren dort zu sehen , in der Form von Schriftzichen . Die Narben sahen aus wie eingebrannt , doch sie schienen von innen heraus ein kaum warnehmbares grünes Schimmern abzugeben .
" Doch das ist nur der erste Teil . Der zweite Teil der Bindung wird unmittelbar danach vollzogen , indem man in die noch offenen Wunden Lyriumstaub vermischt mit Elfenwurzelsaft und gefrorenem Blitz einstreut . Das ist zwar schrecklich schmerzhaft , aber die Wunden schließen sich sofort und formen diese Narben . Zuguterletzt wird der Inhalt des Phylaktrions getrunken , und das Gefäß selbst wird verbrannt . Um diesen Geist nun zur Unterstützung zu rufen , so beginnt man mit der Anrufung . Diese gliedert sich in verschiedene Abschnitte , die genaue Zahl ist bei jedem unterschiedlich . Mit jedem Abschnitt gewinnt man mehr Kraft und Macht , aber die Kontrolle wird instabil und gefährlicher . Setzt man den Ahnengeist ganz frei , so ist eine kontrolle nurnoch sehr wenigen möglich . Ich bin so weit noch nie gegangen , aber einige haben dabei schon ihr Leben oder ihren Verstand verloren . "

Modifié par Kisu, 17 juillet 2011 - 05:41 .


#1991
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„Wirklich interessant, Sha’ira. Aber hast du mir nicht erzählt, dass deine Leute von Esthás Handlangern niedergemetzelt worden sind? Wo waren denn da eure Götter, als deine Freunde fielen? Warum standen sie ihnen nicht bei und haben ihre Feinde einfach zerschmettert?“ bemerkte Vernita zynisch. „Tut mir leid, aber ich verlasse mich da lieber auf meine eigenen Fähigkeiten anstatt auf die Gunst irgendeines mystischen Wesens, von dessen Existenz mir jeglicher Beweis fehlt. Und bisher bin ich auch gut damit klar gekommen, immerhin bin ich trotz aller widrigen Umstände heute immer noch am Leben. Das können viele gläubige Elfen und Menschen, mit denen ich schon unterwegs war, nicht von sich behaupten.“
 
Nachdem die Elfe alle Feuerkristallfläschchen präpariert hatte, nahm sie von Miandra die zerstampften Frostkristalle an sich und verarbeitete diese auf genau dieselbe Weise.
 
„Und ich lerne immer von meinen Gegnern, auch von unserem Kampf habe ich das in mich aufgenommen, was mir nützlich erschien. Nur diesen mystischen Kram werde ich mir nicht aneignen. Bringe ihn Lydia bei, wenn du willst, solange du sie damit nicht in Gefahr bringst, denn wir haben schon genug Leute verloren. Nur solltest du nicht noch einmal auf die Idee kommen, diese Fähigkeit, wie du sie nennst, gegen einen von uns einzusetzen. Das würde mir überhaupt nicht gefallen. Und mache dich bereit für den Kampf. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass die ruhigen Zeiten schon sehr bald ein Ende haben werden.“
 

#1992
Kisu

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" Wisst ihr , ihr dürft euch die Götter nicht als flammende Gestalten un Stahlharten Rüstungen vorstellen , die vom Himmel steigen um den Feind mit Feuer und Stahl auzumerzen . Die Götter , selbst wenn sie garnicht existieren würden , geben uns Kraft in unseren Herzen . Wir haben etwas , zu dem wir aufschauen können und sagen können : Dem werden wir gefallen wenn wir dies jetzt tun . Es gibt Kraft , Kraft die man manchmal braucht um weiterzumachen , um durchzuhalten . "

Sha´ira stand auf und ging zu ihren beiden Gleven , welche mitten im Lagerhaus achtlos auf dem Boden lagen , sammelte sie auf und setzte sich wieder zu Vernita ans Feuer .

" Die eigenen Fähigkeiten nützen wenig gegen Bolzen aus dem Hinterhalt . Und die Götter ? Wo sie waren , fragt ihr ? In unseren Herzen . Sie waren sozusagen mit uns . Doch das macht einen nicht gleich unverwundbar . "

Als Vernita auf die Anrufung zu sprechen kam , da dämmerte es Sha´ira . Vernita war verbittert bis ins Mark , nichts , rein garnichts wollte sie von ihrem eigenen Volk wissen , mit ihrem eigenen Volk am Hut haben . Sie schien ihr Blut so sehr zu hassen , das Sha´ira einfach fragen musste .

" Sagt Vernita ... schämt ihr euch als Elfe geboren worden zu sein ? "

#1993
Bellandyrs

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Sie konnte kaum glauben, was sie hörte. Sengaal wollte nicht mehr ohne sie sein? Und das, wo er im Prinzip nichts von ihr wußte. Er hätte eine Frau verdient, die um soviel besser war, als sie. Ihr Herz drohte vor Zärtlichkeit und Liebe zu zerspringen, als er ihre Hände nahm und ihr diese Worte sagte, die ihr soviel bedeuteten. Erst jetzt blickte sie ihm in die Augen und sie löste sachte die Hände von den seinen, um diese an seine Wangen zu legen.

"Sengaal... " flüsterte sie. "Ich habe ihm bereits einen Grund gegeben, dass er mich an den Strick bringen kann. Aber er glaubt, ich habe ihm noch nicht alles erzählt."
Zärtlich strich ihr Daumen über sein Gesicht. Er spendete ihr Kraft und Hoffnung.
"Aber wie Du bereits sagtest, laß uns das auf meiner Stube besprechen. Und meine Wange? Ich glaube, sie ist bereits geschwollen. Etwas kaltes Wasser wird reichen, und das habe ich ja dort. Komm, laß uns gehen, bevor der Inquisitor zurückkommt."

Sie stand auf, aber ihre Knie fühlten sich trotz allem noch sehr zittrig an. Am liebsten wäre sie in Sengaals Arme gefallen, aber das mußte warten, bis sie auf ihrem Zimmer war. Hocherobenen Hauptes schritt sie voran, aber zuvor schenkte sie ihm ein strahlendes Lächeln, in dem all ihre Gefühle zu diesem Mann lagen. "Nun nennst Du mich ja doch bei meinem richtigen Namen" lächelte sie.

Dann verließen sie den düsteren Ort und gingen so schnell es ging zu ihrem Zimmer, allerdings erst, nachdem der Kommandant sie zum Heiler geschleppt hatte. Dieser gab ihr einen Kräuter-Umschlag mit Arnika und einen Beutel mit Eis.

Lea war heilfroh, als die Tür zu ihrem Zimmer hinter ihnen zufiel. Am liebsten hätte sie diese zugesperrt, aber es gab keinen Schlüssel. Deswegen stellte sie die Wasserschale vor die Türe, die sich unweigerlich ins Zimmer schieben würde sobald die Tür geöffnet werden würde. Dann trat sie auf Sengaal zu, lehnte sich mit ihrer Stirn an seine Brust und sagte:
"Danke Sengaal. Du bist im rechten Moment aufgetaucht. Trotzdem darfst Du Deine Karriere für mich nicht aufs Spiel setzen." Sie stockte kurz." Und Dein Tod würde mir nun wirklich nicht helfen" fügte sie mit trockenem Humor hinzu.

Modifié par Bellandyrs, 18 juillet 2011 - 10:35 .


#1994
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Sengaal genoss die zärtliche Berührung Leanoras, bevor die beiden den Verhörraum verließen und den Heiler aufsuchten. Anschließend gingen sie gemeinsam zu ihrer Stube, wo er den Umschlag erst einmal auf den kleinen Tisch ablegte. Kaum hatte er das getan, da stand auch schon Leanora vor ihm und legte ihren Kopf auf seine Brust. Er schloss sie sogleich sanft in seine Arme und strich ihr zärtlich durch das lange Haar. Sie sprach zu ihm in sanften Tönen, wovon ihm ganz warm ums Herz wurde. Nachdem sie geendet hatte hob er ihren Kopf vorsichtig mit einer Hand an, so dass sich die beiden direkt ins Gesicht sehen konnten.
 
„Mein Karriere ist mir im Moment völlig gleichgültig“, meinte er mit ernster Stimme. „Die Zustände in der gesamten Kirchenhierarchie sind in den letzten Jahren sowieso immer schlimmer geworden, und es scheint, dass sie nicht mehr den Werten folgt, die Andraste eins für uns vorgesehen hatte. Traditionalisten kämpfen gegen Reformer. Überall gibt es Intrigen und Hinterlist. Die Kirchenoberhäupter sind mehr und mehr nur noch an der Erhaltung ihrer Machtpositionen interessiert anstatt um das Wohl der Gläubigen. Und bei den Templern ist es auch nicht viel besser. Mehr und mehr meiner Brüder und Schwestern folgen Leuten wie Gromschlag. Fanatischen Eiferer, die mehr daran interessiert sind abtrünnige Magier zu jagen und zu töten, anstatt die Welt vor ihnen und sie vor sich selbst zu schützen. Innerhalb unseres Ordens werden immer mehr Stimmen laut, welche der Meinung sind, es wäre das Beste, wenn wir alle Magier einfach umbringen oder sie zu Besänftigten machen würden. Das wird mir alles langsam zu viel. Und ich habe es so satt. Wären da nicht Männer wie Bruder Castillá, welche die Kirche zu ihrem alten Glanz verhelfen wollen, ich hätte meinen Posten sicher schon längst aufgegeben…“
 
Neranos machte eine kurze Pause, in der er Leanora sanft über die unverletzte Wange strich und die Frau liebevoll anlächelte. Erst als er weitersprach, wurde sein Gesichtsausdruck wieder um einiges entschlossener. „Du erwartest doch nicht wirklich, dass ich tatenlos daneben stehe, wenn man der Frau, die mich mehr fasziniert hat als alles andere in meinem Leben, etwas antut, oder? Das würde ich mir niemals verzeihen, Leanora. Ich glaube, dann hätte mein Leben keinen Sinn mehr.“
 
Sengaal verfiel für einen Moment in Schweigen, bevor er sich ganz langsam zu Leanora hinunterbeugte und ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund hauchte. Er spürte ihre weichen Lippen auf den seinen, wodurch ein wohliges Kribbeln seinen ganzen Körper erfasste. Noch nie in seinem Leben hatte er sich so gut gefühlt wie in diesem Augenblick. Nach einem endlos scheinenden Augenblick löste er sich wieder von ihr und sah ihr tief in die Augen.
 
„Wir sollten uns hinsetzen“, sagte er nach einem Moment der Stille. „Und dann erzählst du mir alles von Anfang an.“
 
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„Gibt es denn einen Grund dafür, stolz auf meine Herkunft als Elfe zu sein?“ fragte Vernita sarkastisch. „Wohl kaum, oder? Wie ich bereits sagte, ist es ein Volk von Schwächlingen. Wir wurden vor langer Zeit von den Menschen besiegt, so wie die Qunari irgendwann die Menschen besiegen werden, wenn diese es nur einmal darauf anlegen würden. Und wir fügen uns unserem Schicksal und lassen uns von den Menschen Slums einpferchen, wie Vieh. Oder wir leben in verstreuten Clans immer auf der Flucht vor der menschlichen Zivilisation. Die Schmerzen, welche uns die Menschen bereiten, geben wir an unseresgleichen weiter. Hauptsache das Opfer ist schwächer als man selbst, denn ansonsten könnte es sich ja wehren.“
 
Die Elfe schüttelte energisch den Kopf. „Ich wollte nie so sein. Ich wollte immer stark sein und unabhängig. Denn mich hat das Leben gelehrt, dass ich mich nur auf mich selbst verlassen kann und auf niemanden sonst…nun ja, zumindest bis vor kurzem war das so…“
 
Vernita warf erneut einen Blick zu Miandra hinüber und lächelte diese für einen Moment an, bevor sie sich wieder Sha’ira zuwandte. „Also, warum sollte ich für ein verlorenes Volk und eine verlorene Sache kämpfen? Was hat dieses Volk denn jemals für mich getan, außer mir Verachtung entgegen zu bringen? Nein, die Elfen haben ihr Schicksal verdient. Sie sind auf dem besten Wege für immer in Vergessenheit zu geraten. Und ich werde sie bestimmt nicht daran hindern!“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 18 juillet 2011 - 05:03 .


#1995
Kisu

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Sha´ira seufzte und blickte Vernita traurig kopfschüttelnd an .

" Vernita , Nur weil eine Armee , ein Herrscher oder ein Volk einen Krieg verliert , verliert es nicht sein Recht auf leben . Und ihr seht nur dien Zustand hier in Ferelden . Doch da seht ihr nur die falsche Seite der Medallie . "

Sie blickte Vernita fest in die Augen , und ein stolzer Glanz trat in ihre eigenen , als sie weitersprach .

" Vernita , wenn diese Aufgabe abgeschlossen ist , verspreche ich euch , dann nehme ich euch alle mit nach Nevarra , ich nehme euch mit in meine Heimat . Ich werde euch die prächtigen Aleen von Nevarra selbst zeigen , ich führe euch durch die königlichen Paläste und durch die titanischen leeren Hallen der Toten Könige , ich zeige euch die Gruftpaläste unserer Vorfahren und führe euch durch die endlosen Gänge der großen Kaserne , ich zeige euch die nicht endenden Reihen stolzer Krieger , deren Rüstungen im Licht der Sonne glänzen wie Spiegel und ich werde euch mehr zeigen . Die alten Wälder und Ruinen untergegangener Städte , Schlachtfelder auf denen wir die Invasionsarmeen des Quns zurückgeschagen haben , die weiten Felder , wo der Gersten wie Wellen schwingt , wenn der Wind hindurchzieht ... "

Versonnen blickte Sha´ira ins Feuer und griff nach ihren Gleven .

" Ihr werdet feinste Schmiedekunst zu sehen bekommen , Rüstungen aus Wahrsilber und Ardamant , Schwerter und Schilde wie diese gleve , Waffen , die ihr noch nie zuvor gesehen habt . Ich biete es euch an . Lasst mich euch zeigen , Stolz auf eure Herkunft zu sein . "

#1996
Bellandyrs

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Sie fühlte sich wie auf Wolken, als Sengaal sie liebevoll in seine Arme nahm und ihr über das Haar strich. Und als er ihr einen zarten Kuss gab, hatte sie nur den Wunsch, dass die Zeit stillstehen möge. Bei ihm fühlte sie sich geborgen, geschützt und geliebt. Sie konnte nur hoffen, dass es auch noch so blieb, wenn sie ihm einiges erzählen mußte. Und das mußte sie, denn sie wollte ihre Beziehung nicht auf einer Lüge aufbauen. Einiges würde sie verschweigen können, aber das meiste nicht.

Der Kommandant setzte sich auf Leanoras Bett, welches unter seinem Gewicht noch mehr ächzte als sonst. Dank seiner stattlichen Größe konnte er mit dem Rücken an die Wand gelehnt sitzen, und so zog er Lea einfach vor sich, dass diese wiederum mit ihrem Rücken an seinem Brustkasten lehnen konnte. Dazu umarmte er sie von hinten und nahm ihre Hände in die seinen. Lea strich mit ihren Daumen über den Handrücken und genoß die Nähe des geliebten Mannes. So blieben sie einige Zeit sitzen, bis Leanora sich aus dieser Haltung befreite und sich mit angewinkelten Beinen seitlich ans Kopfende setzte, so dass nur noch ihre Fuss-Spitzen seine Oberschenkel berührten. Ihre Arme kreuzte sie über den Knien und sie blickte ihm ein wenig ängstlich in die Augen, als sie zu erzählen begann.

"Sengaal, ich will Dir ja gern alles erzählen. Aber ich habe auch Angst. Angst davor, dass einiges dabei sein wird, was Dich schmerzen wird, wo Du enttäuscht sein wirst. Aber andererseits wirst Du Dir keine Sorgen machen müssen, ob ich das Gelübde ablegen werde. Das werde ich nämlich auf keinen Fall tun."

Sie dachte einen Moment an ihren Vater und sah ihn vor sich, wie er ihr aufmunternd zunickte. Also holte sie einmal tief Luft und begann zu erzählen.

"Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht bei meinem vollen Namen. Er lautet Countess Leanora Bardigiano." Wieder blickte sie ihn an, ob eine Regung verraten würde, ob dieser Name ihm etwas sagte. Aber kein Stirnrunzeln oder Einwand war zu bemerken. "Wieso ich hier gelandet bin ist eigentlich eine lange Geschichte, ich will versuchen, es so weit wie möglich zusammen zu fassen."

Und so kam es dass Lea am selben Tag den Tod ihrer Eltern und den Verlust ihres Hab und Guts noch einmal beschrieb. Auch die Reise nach Denerim, die sie dem Inquisitor verschwiegen hatte, erzählte sie dem Mann, den sie liebte. Keine Namen, nur dass sie sich mit ihrem Pferd einer Reisegruppe angeschlossen hatte, um halbwegs sicher das Ziel zu erreichen. Aber sie berichtete von dem Überfall der Soldaten, von dem Zwischenfall mit dem Illusionisten, und auch von den verschwundenen Kindern, von den Zusammenhängen die sie zwischen diesen Emblems und Esthá soweit sie es wußte oder sich zusammen reimen konnte, und davon, dass sie, bevor sie ins Kloster geflüchtet war, eigentlich den Arl zur Rede stellen wollte, bis sie auf dem Weg dorthin über einen Steckbrief stolperte, auf dem ihr Kopf ausgeschrieben war und ihre Familie des Verrats bezichtigt wurde. Sie erzählte ihm, was sie zuvor mit Bruder Castillá besprochen hatte, dass sie ihn am Abend treffen wollte und dass ihr vorrangiges Ziel war, ihren Namen rein zu waschen damit sie sich wieder in der Stadt sehen lassen konnte. Dass sie noch Kontakt zu dieser Reisegruppe hatte, sagte sie ihm nicht, erst recht nicht, wer sie waren.
Ihre Stimme schwankte von Trauer bis Hoffnung, mal leise weil sie sich schämte, mal fester wenn sie zu ihrem Tun stand.
"Ich bin glücklich und zufrieden hier im Kloster, Sengaal. Hättest Du mir Deine Liebe nicht gestanden und ich schaffe es nicht, meinen Namen rein zu waschen und die Ländereien unserer Familie zurück zu erhalten, wäre ich im Kloster geblieben, beziehungsweise zurück gekehrt, sobald das mit den Kindern geklärt ist. Aber nun habe ich Dich, und Du bist mein Leben. Ich könnte mir nichts schöneres vorstellen als mit Dir zusammen den Hof zu bewirtschaften. Aber allein Andraste weiß, wie unser Weg aussehen wird. Und immerhin hat Gromschlag mein Gesicht erkannt. Den Strick, den er mir um den Hals gelegt hat, ist mein richtiger Name. Und er hat ja sogar Recht wenn er sagt, ich bin nicht allein deswegen hier. Aber das mit den Kindern kann ich ihm nicht sagen, oder etwa doch?"
Grübelnd biss sie sich auf die Unterlippe, um ihn kurz darauf wieder angstvoll anzusehen.
"Ich weiß es ist vieles, was ich Dir hier erzählt habe. Und ich kann nur hoffen, dass Deine Gefühle sich nicht verändert haben. Vielleicht kannst Du nun verstehen, wieso ich sagte, Du sollst Dein Leben und Deine Karriere nicht für mich aufs Spiel setzen. Ich kann Dich nur bitten, bleib bei mir, aber ich werde jede Entscheidung akzeptieren, Liebster."

Tränen sammelten sich in ihren Augen, der Gedanke, dass sie mit ihren Worten das aufkeimende Glück vernichtet hatte, tat ihr zu weh. Schnell stand sie auf, holte den Kräuterumschlag und setzte sich dann neben Sengaal, mit einer Hand den Umschlag an ihre Wange haltend, die andere lag flach auf der Decke, nur einen Wimpernschlag von seiner Hand entfernt. Sie getraute sich nicht, nach diesem Geständnis seine Hand zu nehmen - und dennoch brauchte sie ihn , mehr als zuvor.

Modifié par Bellandyrs, 18 juillet 2011 - 08:10 .


#1997
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Sengaal hörte den Ausführungen Leanoras sehr genau zu. Er unterbrach sie nicht, stellte keine Fragen, ließ sie einfach aussprechen. Sie sollte sich diese ganze Last von der Seele reden, sich endlich davon befreien. Er war überrascht, erschrocken und auch voller Mitleid über das, was er von ihr in dieser kurzen Zeit alles erfuhr. Doch es schreckte ihn nicht ab. Im Gegenteil. Das Bedürfnis, ihr zu helfen und sie zu beschützen, war dadurch nur noch größer geworden. So nahm er ihre Hand, die neben der seinen lag und drückte diese ganz fest.
 
„Natürlich bleibe ich bei dir, meine Countess. Auch wenn ich dich erst seit ein paar Tagen kenne, kann ich mir nicht mehr vorstellen, ohne dich zu sein“, meinte er liebevoll und schenkte Leanora ein warmes Lächeln. „Dir ist großes Unrecht widerfahren und allein die Ehre gebietet es mir dir zu helfen und dich nicht im Stich zu lassen. Von meinen Gefühlen zu dir einmal ganz zu schweigen…“
 
Sengaal legte ihre Hand von seiner Rechten in seine Linke, führte diese zu seinem Mund und hauchte ihr einen zärtlichen Kuss auf die Finger, während er die Frau in den Arm nahm und sanft an sich drückte. „Und ich denke, das Beste wäre es, wenn ich zunächst einmal mit Bruder Castillá rede. Er kann uns mit Sicherheit sagen, was wir nun als nächstes tun sollen. Und auch ob wir Gromschlag insoweit trauen können, um ihn in die Sache mit den Kindern einzuweihen. Vorher solltest du auf keinen Fall etwas davon verlauten lassen, hast du verstanden?“
 
Neranos Stimme wurde bei seinen letzten Worten ziemlich eindringlich. „Ich werde in der Zeit, in der ich weg sein werde, einen Mann meines Vertrauens vor deine Tür postieren, nur um den Schein zu wahren. Und du wartest hier solange, bis ich zurückkomme. Vielleicht erzählt er mir ja auch, was er dir mitteilen will, dann brauchst du nicht einmal das Risiko einzugehen, dich mit ihm zu treffen. Und da wir nicht viel Zeit haben, sollte ich besser jetzt gleich gehen, außer du hast mir vorher noch etwas Wichtiges zu sagen.“
 
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„Nun, ich komme aber nicht aus dem ach so prächtigen Nevarra, sondern aus dem stinkenden, überfüllten Denerim, wo Elfen nichts zu sagen haben und von niemandem beachtet werden. Aber das hat auch sein Gutes. Man bleibt mit seinen Wünschen und Träumen ziemlich bescheiden“, erwiderte Vernita ironisch grinsend. „Ich zum Beispiel bin schon vollends damit zufrieden gestellt, wenn ich Eshtá Gianauros Kopf in meinen Händen halte, in ihre toten Augen blicken und ihr fröhlich zuwinken kann. Das würde mir schon reichen. Und richtig stolz werde ich in dem Moment sein, in dem ich Miandra und ihre Tochter Elana wiedervereine. Mehr brauche ich nicht um glücklich zu sein.“
 
Die Elfe legte die letzten Flaschen mit den Frostkristallbomben zur Seite, bevor sie nun auch den Todeswurzelsud in entsprechende Gefäße füllte, um diese anschließend mit einem Stärkungsmittel zu vermischen, damit die Flüssigkeit dickflüssiger wurde und somit an den Waffenklingen der Frauen kleben bleiben konnte.
 
„Dazu brauche ich keine alten Schlachtfelder, Ruinen oder Bauwerke, die andere Elfen errichtet beziehungsweise auf denen sie gekämpft haben“, fuhr sie währenddessen fort. „Wie du also siehst, bin ich recht einfach gestrickt und konzentriere mich lieber auf den bevorstehenden Kampf als auf die Geschichte meines Volkes. Und das solltest du auch tun. Hier, nimm das.“
 
Die Elfe hielt Sha’ira eine der Fläschchen mit dem Todeswurzelextrakt hin. „Das wird dir im Kampf sicher nützen. Und wenn es dir deine Ehre untersagt, deine Waffen zu vergiften, dann gib sie Lydia weiter. Denn ich glaube, sie wird diese Bedenken nicht haben, oder, Kleines?“
 
 

#1998
Kisu

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" Wer sagt , das wir in Nevarra nicht auch bescheiden sind ? Wir sind beflügelt großes zu tun , doch sind wir bescheiden dabei . Und es geht nicht darum , tagein tagaus an unsere Ahnen zu denken und nur zu ihnen aufzusehen . Nehmt euch ein Vorbild an ihnen und haltet sie in Ehren . Aber vergesst sie nicht ganz . "

Sha´ira nahm das Fläschchen entgegen und roch daran . Es roch nach Todeswurzeln , Offensichtlich ein Waffengift , doch sie benötigte soetwas nicht .
" Habt dank , aber ich benötige kein Gift . Meine Waffen sind verzaubert . Wirksamer als euer Fenchelsud . "
Sie grff nach einer Gleve und sagte ein paar Worte in elfischer Sprache , woraufhin die Klinge leicht zu leuchten begann und von der Schneide Racuh aufsrieg .
" Wenn ich euer Fleisch damit treffe , verbrennt und verkohlt es innerhalb von Skunden . Ein kleiner Schnitt reicht schon , und die Wunde brennt sich tief hinein . "

#1999
Bellandyrs

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Lea konnte es kaum glauben, dass er trotz allem zu ihr stand. Auf die Idee, dass er sich mit Bruder Castillá treffen konnte, war sie nicht gekommen, wobei es das naheliegendste war. Es gab nur noch ein klitzekleines Problem zu lösen: Vernita. Die Elfe würde abends da sein, da war sich Leanora sicher. Aber sie selber würde nicht weg können.

Lea genoß die Zärtlichkeiten von Sengaal, durch seine Worte und seine liebevolle Art konnte sie sich auch wieder ein wenig entspannen. Trotzdem war das, was sie noch zu sagen hatte, wohl das, was ihn am meisten schockieren würde.

"Es gibt tatsächlich noch etwas sehr wichtiges. Aber das erzähle ich dir, wenn Du von Bruder Castillá zurück bist. Es hängt sehr vieles davon ab, was er zu erzählen hat."
Sengaals fragender Blick brachte sie in extreme Verlegenheit.
"Nun gut... also zum leichteren Teil: Schwester Lucia weiß über alles Bescheid." Sie wurde krebsrot, als sie hinzufügte: "Auch darüber, dass ich Dich liebe. Aber keine Sorge, bei ihr ist das Geheimnis gut gewahrt, und außerdem wußte ich ja nicht, was Du für mich empfindest."
Wieder einmal holte sie tief Luft, denn die Sache die nun noch vor ihr lag war sehr heikel.

"Sengaal.. meine weiße Weste hat dunkle Flecken. Ich bin selber über mich schockiert, aber andererseits kann ich auch nichts dafür. Ich stehe nach wie vor in Kontakt mit einer meiner Reisegefährten, die sich auch zum Ziel gemacht hat, die Kinder zu finden. Zudem hat sie einen persönlichen Grund, ein Hühnchen mit Eshtá zu rupfen, ich weiß aber nicht, welchen."

Die Fragezeichen in den Augen des Kommandanten waren kaum zu übersehen, was sollte daran schlimm sein?
"Dass wir uns gegen Mitternacht getroffen haben ist allein schon ein Verstoß gegen die Nachtruhe im Kloster. Und dass diese mir ihre Hilfe zugesichert hat, dürfte auch weniger das Problem sein. Der schwarze Fleck ist, dass sie gesucht wird, und ich befürchte, wohl zu Recht. Sie scheint teilweise nicht zimperlich zu sein, aber andererseits hat sie mir während der Reise einige male das Leben gerettet. Sie handelt eigentlich für das Gute, aber ihre Methoden hinterlassen wohl öfters eine Spur des Todes. Ich weiß nicht viel über sie, und ich will es auch gar nicht wissen, aber indem ich Dir das erzähle, liefere ich sie sozusagen ans Messer des Gesetzes. Ich kann Dich nur bitten, behalte das Wissen für Dich. Sie steht auf unserer Seite. Sie hätte mir heute Abend geholfen, und sie wird hier sein. Aber wenn Du sie auslieferst, kannst Du genausogut mich mit ausliefern."
Sie drückte seine Hand vor Nervosität fest zusammen, als würde sie damit ihrer Bitte Nachdruck verleihen wollen. Ein flehender Ausdruck lag in ihren Augen als sie weitersprach.
"Ich weiß, ich verlange hier eigentich, dass Du deine Berufs-Ehre über den Haufen wirfst. Dass Du Dich auf eine Seite stellst, die vielleicht nicht ganz legal ist, aber dafür die richtige ist. Bitte Liebster, laß Milde walten, und verurteile weder mich noch sie."

Als sie geendet hatte, machte sie sich innerlich die größten Vorwürfe. Würde Sengaal Vernita verraten? Dann hatte sie noch ein Menschenleben auf dem Gewissen. Trotzdem war sie froh, sich das noch von der Seele gesprochen zu haben. Und letztlich konnte sie nur hoffen, dass er nie erfuhr, dass sie an der Rettungsaktion in Fort Drakon beteiligt war. Andererseits - abgesehen von dem Mord, den sie begangen hatte - waren auch hier lautere Absichten dahinter. Schließlich hatte sie zwei Menschenleben gerettet.

Modifié par Bellandyrs, 19 juillet 2011 - 06:15 .


#2000
Aliens Crew

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Sengaal lauschte Leanoras Worten sehr aufmerksam. Und mit ihnen kamen die ersten Zweifel in ihm hoch. Hatte er sich in dieser Frau etwa getäuscht? Sollten diese Vorwürfe, welche der Inquisitor gegen sie erhob, tatsächlich der Wahrheit entsprechen? Und welche Rolle würde das spielen?
 
Er stand vor der schwersten Entscheidung seines Lebens. Sollte er seinem Gewissen folgen und Leanora und diese gesuchte Person dem Gesetz übergeben und damit seine Pflicht als Streiter für Recht und Ordnung erfüllen? Oder sollte er auf sein Herz hören, welches sich nichts sehnlicher wünschte, als die Frau neben sich in seine Arme zu schließen, um mit ihr alt und grau zu werden oder bei dem Versuch ihr zu helfen vielleicht sogar sein Leben verlieren? Wie er sich auch entschied, etwas würde er verlieren. Die Frage war nur, mit welchem Verlust er besser leben könnte. Mit dem seiner Ehre, die sein bisheriges Leben vollends bestimmt hatte oder mit dem der Frau, die sein zukünftiges für immer verändern konnte.
 
„Du machst es mir wirklich nicht leicht, Leanora“, begann er nach einem langen Moment des Schweigens. „Du weißt, dass ich einen Eid geschworen habe, für Recht und Gesetz einzustehen und alle Feinde der Kirche zu bekämpfen, sowohl die von außen wie auch die von innen. Und nun erwartest du von mir, dass ich all das über Bord werfe. Das fällt mir sehr schwer, das kannst du mir glauben. Und das wiederspricht allen Grundsätzen, nach denen ich bisher gelebt habe. Ich denke, das Beste wäre es, wenn ich erst einmal mit Bruder Castillá spreche, bevor ich mich entscheide. Und das sollte ich besser jetzt gleich tun. Oder hast du mir noch mehr zu beichten, Leanora?“
 

Modifié par Aliens Crew, 19 juillet 2011 - 07:43 .