Sengaal genoss die Zärtlichkeiten Leanoras und wäre am liebsten bei ihr geblieben, jedoch meldete sich die ganze Zeit über auch sein Gewissen und sein Pflichtgefühl. Er war ein Templer, ein Soldat der Kirche, ein Streiter für die Gerechtigkeit. Konnte er sich da mit einer Gesuchten zusammentun, die wer weiß was für Verbrechen begangen hatte? Würde er damit nicht alles verraten, wofür er geschworen hatte, einzutreten?
Sollte Leanora allerdings mit ihren Ausführungen recht haben, so war sie hier das unschuldige Opfer, und die wahren Schurken saßen an einer ganz anderen Stelle, verborgen hinter ihren Ämtern und Titeln, von wo aus sie ihre skrupellosen Machenschaften auf Kosten anderer um jeden Preis durchsetzten. Und dieser Abschaum beschmutzte alles, wofür Neranos sein Leben lang eingetreten war. Nein, er musste sich Klarheit verschaffen! Und ein Gespräch mit Bruder Castillá war dabei sein erster Schritt.
„Ich werde mich beeilen, Leanora“, erwiderte Sengaal und versuchte dabei zuversichtlich zu klingen. „Ich brauche nur einen Moment der Ruhe, um meine Gedanken zu ordnen und mir Klarheit zu verschaffen. Das Gespräch mit Bruder Castillá wird mir dabei sicher helfen. Fürchte dich also nicht, ich werde bald zurück sein.“
Neranos gab der blondhaarigen Frau noch einen Kuss auf die Stirn und löste sich anschließend von ihr, auch wenn es ihm sehr schwer fiel. Danach verließ er die kleine Kammer und atmete draußen auf dem Korridor einmal tief durch. Es gab viel zu tun, und er hatte wenig Zeit. So kommandierte er einen Templer als Wache ab, welchem er einbläute niemanden zu Leanora hineinzulassen, bis er wieder da war. Nachdem das geschehen war, machte er sich umgehend auf den Weg zu Bruder Castillás Stube, in der Hoffnung dort die Antworten zu finden, nach denen sein Herz und seine Seele verlangten.
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„Nun, ich strebe nicht danach, mein Leben so zu führen, dass irgendwelche Ahnen, die schon lange zu Staub zerfallen sind, stolz auf mich sein können. Das überlasse ich dann solchen Idealisten wie dir“, meinte Vernita schief grinsend an Sha’ira gewandt. Sie erinnerte sich dabei an ihren ehemaligen Lehrer, mit dem sie ein Verhältnis hatte und welcher auch immer versuchte, ihr die Lehren der Dales näherzubringen. Vor allem kam ihr dabei in den Sinn, dass ihm sein naiver Glaube nichts weiter einbrachte, als ein halbes Dutzend Armbrustbolzen, die seinen Körper durchbohrten. Nein, für diesen mystischen Kram würde sie sich nie begeistern können.
„Was deine flammenden Waffen angeht…sie sind ganz nett, doch nützen sie dir nicht viel, wenn dein Gegner ein ebensolche Rüstung trägt, wie ich es normalerweise immer tue. Darin wurden nämlich Drachenschuppen miteingearbeitet, was mir im Kampf einen wirksamen Schutz gegen jeglichen Feuerschaden beschert. Da könntest du die ganze Bude mit deinen Speeren abfackeln, mich juckt das nicht. Aber wenn du meine Gifte nicht willst…“
Die Elfe sah zufrieden dabei zu, wie Lydia die Flasche an sich nahm. „…ja, da hast du recht. Gifte kann man nie genug bei sich haben. Nur auf den Schwimmunterricht verzichte ich, Kleine. Nicht nur weil ich das eh schon kann sondern vor allem, weil ich dafür keine Zeit habe. Es gilt noch ein paar Fallen zu basteln und meine Waffen zu schärfen. Wer weiß, wann ich sonst noch mal dazu komme. Und ihr solltet auch lieber das Loch in der Wand reparieren, wie Miandra es bereits sagte.“
Vernita machte eine kurze Pause, während sie über die Worte des Mädchens nachdachte. „Und was das andere betrifft...sollten wir dies hier tatsächlich überleben, habe ich schon andere Pläne, als durch die Weltgeschichte zu reisen.“ Bei ihren Worten warf sie einen kurzen Blick auf Miandra, welche gerade die Reste des Lagerfeuers zuschüttete.
Modifié par Aliens Crew, 21 juillet 2011 - 05:18 .