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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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#2126
Aliens Crew

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Selbst durch den Panzerhandschuh fühlte Vernita den sanften Druck, welchen Miandra auf ihre Hand ausübte. Sie streifte den Handschuh von ihrer rechten Hand, die sie anschließend sanft auf Miandras Wange legte, während sie diese nach wie vor anlächelte.
 
„Es fühlte sich alles sehr real an…vor allem die Schmerzen“, antwortete die Elfe mit gedämpfter Stimme. „Das habe ich wohl diesem Bastard von Blutmagier zu verdanken, der uns allen Anschein nach aussaugen wollte.“
 
Sie nickte dabei in die Richtung des enthaupteten Castillás, dessen Leiche in einem Meer von Blut zu baden schien. Vernitas Blick wanderte von diesem Körper aus zu Leanora hinüber, welche neben diesem Mann hockte, der nach wie vor wie gelähmt an der Wand gelehnt saß. „Hat sie diesen Kerl erledigt?“
 
Die Elfe konnte kaum glauben, dass sie ihr Leben ausgerechnet dieser verwöhnten Adeligen zu verdanken hatten, insbesondere wenn sie dabei bedachte, auf welch brutale Weise ihr Gegner erledigt worden war. Das hätte sie der blondhaarigen Frau nie und nimmer zugetraut.
 
„Oder träume ich etwa immer noch?“ fragte sie Miandra und neigte den Kopf leicht zur Seite. „Komm. Gib mir eine Ohrfeige, damit ich weiß, dass ich tatsächlich wach und in der realen Welt bin…oder auch einen Kuss, das überlasse ich dir.“
 
Bei ihren letzten Worten zwinkerte Vernita ihrem Gegenüber kurz zu.
 
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„Lea…Leanora…wir…wir haben es geschafft. Nein, du hast es geschafft“, stammelte Neranos kraftlos und mit heiser klingenden Stimme vor sich hin, als die Angesprochene sich neben ihn auf den Boden hockte und seine Hand ergriff.
 
Nach wie vor saß er bewegungslos auf dem Boden, nur mit seinen Augen fixierte er die Frau, die ihm sorgenvoll ins Gesicht schaute. Und ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen, als er sah, dass Leanora wohl kurz davor stand zu weinen. „Gräme dich nicht, meine Liebste. Ich kann mich nur noch nicht bewegen, das ist alles. Für unseren Übergang in die reale Welt habe ich meine gesamte Kraft benötigt, die mir zur Verfügung steht. Doch mach‘ dir keine Sorgen. Ich werde sicher wieder in Ordnung kommen, doch das wird wohl eine Zeitlang dauern. Zeit, die ihr nicht haben werdet. Allein werde ich sicher allen anderen erklären können, was hier passiert ist, aber nicht in Begleitung zweier gesuchter Mörderinnen.“
 
Er deutete mit seinen Augen in Richtung Miandras und Vernitas. „Und wenn ich es nicht vermag…so wirst wenigstens du in Sicherheit sein. Hörst du? Du musst von hier verschwinden, solange es noch geht. Sollte ich erfolgreich sein, so werde ich dich finden. Ganz bestimmt. Und andererseits sollst du wissen, dass ich dich mehr liebe als alles andere auf der Welt.“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 25 août 2011 - 03:47 .


#2127
Kaysallie

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Miandra schloss für einen Moment ihre Augen, um die Wärme welche sich nun von Vernitas Hand auf ihre kalte Wange übertrug, die gerade vorhin noch auf dem eisigen Steinboden gelegen hatte, voll und ganz auskosten zu können. Eine Reaktion die für sie vor ein paar Tagen oder Wochen noch undenkbar gewesen wäre, aber sie wollte gerade eben nicht länger darüber nachdenken, warum das so war. So blickte sie in die Richtung in welcher sich Leanora und der Templer befanden, wobei ihr Blick kurz den toten Blutmagier streifte. Sie hatte den zerteilten Leichnam zwar vorhin schon gesehen, aber erst jetzt begann sie all das wirklich zu begreifen. Leanora sollte dafür verantwortlich sein? Die kleine verwöhnte Adelige, die wahrscheinlich nicht einmal einer Fliege was zu leide tun konnte? Oder hatte sie die blonde Frau immer völlig falsch eingeschätzt? Es sah wirklich danach aus. Und diese Überraschung ließ Miandra für den Moment sogar die Wut vergessen, welche sie zuvor noch gegen Leanora hegte aufgrund deren Naivität.

„Sieht wohl ganz danach aus… Oder wir träumen beide noch“, erwiderte sie auf Vernitas Frage und musste kurz lachen, bevor sie die Elfe grinsend ansah. „Und du solltest doch bereits wissen, dass ich dich nicht schlage, nur weil du es gerade so willst. Und was das andere betrifft…“

Sie machte eine kurze Pause, wobei sie sich mit zwei Fingern mehrmals ans Kinn tippte und übertrieben nachdenklich nach oben schielte. „Hm… dafür gilt genau die gleiche Regel.“

Kaum hatte sie die Worte gesprochen ging sie mit dem Gesicht näher an das von Vernita heran, und hielt so knapp davor inne, dass sie deutlich deren heißen Atem auf ihrer Haut spüren konnte und sich deren Lippen fast berührten. „Zumindest vorerst“, hauchte sie ganz leise hervor und zwinkerte der Elfe zu, bevor sie sich abrupt abwandte und langsam versuchte aufzustehen.

„Ich denke es wird Zeit dass wir von hier verschwinden“, sagte Miandra in einer ernsten Tonlage in den Raum, während sie aufstand, gleich darauf zur Tür wankte und sich an der Steinmauer daneben regelrecht festkrallte. Ihre Beine fühlten sich so schwach und schwabbelig an, als wäre sie Ewigkeiten nicht mehr gelaufen. So begann sie diese abwechselnd durchzuschütteln, in der Hoffnung dass diese dann wieder aufwachen würden. Auch der Rest ihres Körpers fühlte sich viel schwächer an als sonst, und sie hoffte dass sie es unbemerkt aus diesem Gotteshaus schaffen würden. Sie sehnte sich nach Schlaf, Ruhe und dem Gefühl von Sicherheit, doch irgendetwas sagte ihr dass diese Dinge noch weit entfernt lagen.

#2128
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Neria lief so schnell es ihr möglich war hinter den anderen beiden hinterher. Sie hatte Lydia schon fast eingeholt, als sie einen Blick zurück auf ihre Verfolger warf. Sie wusste nicht einmal genau, warum sie das tat. War es Angst? Oder Panik? Oder war es vielleicht eine rein instinktive Handlung gewesen?
 
Es spielte wohl keine Rolle mehr, denn außer den schwer gerüsteten Soldaten, welche wieder aus dem Lagerhaus gestürmt kamen, nachdem ihnen aufgefallen war, dass es dort niemanden mehr zu töten gab, fielen ihr noch die beiden Gestalten auf dem Dach gegenüber der Halle ins Auge. Und eine der beiden zielte mit einem gespannten Bogen direkt in ihre Richtung.
 
„Vorsicht, Lydia!“ brüllte sie los, während sie zu dem Mädchen aufschloss und diese mit ihrem ganzen Körpergewicht anrempelte, womit diese ins Stolpern geriet und hinter einer alten Rolle eines schweren Tauseiles zu Fall kam. Lydia schrie erstickt auf, mehr weil sie sich erschrocken hatte, als das der Sturz ihr sonderlich wehgetan hätte. Sie landete auf ihren Knien, konnte sich aber rechtzeitig abstützen, so dass sie nicht der Länge nach auf die Kaimauer krachte. Sie hob ruckartig den Kopf und stellte schockiert fest, dass Neria es nicht geschafft hatte.
 
Der Pfeil hatte die beiden erreicht, als die Magierin Lydia zur Seite gestoßen hatte. Mit einem dumpfen Geräusch drang das Geschoß in Nerias Rücken ein, direkt zwischen ihre Schulterblätter. Der Höhe nach zu urteilen hätte der Pfeil sicherlich den Nacken des Mädchens durchbohrt, wenn sich die Magierin nicht eingemischt hätte. Diese jedoch stöhnte erstickt auf, während sie wild mit den Armen rudernd abbremsen wollte. Doch war es dafür bereits zu spät.
 
Sie hatte bereits das Ende der Kaimauer erreicht. Ihr Fuß trat ins Leere, sie verlor das Gleichgewicht und überschlug sich. Dann stürzte sie kopfüber in das Hafenbecken, mit weit aufgerissenen Augen und den Armen gerade von sich gestreckt. Es folgte noch ein kurzer Schrei, der aber durch das Klatschen des Wassers jäh unterbrochen wurde, als ihr Körper in das kalte Meer eintauchte.
 
Lydia sprang sofort auf und lief zum Rand des Hafenbeckens, doch alles, was sie noch zu Gesicht bekam, waren die sich schnell in alle Richtungen bewegenden Wogen des Wassers und ein paar vereinzelte Luftblasen. Ansonsten konnte sie von Neria keine Spur mehr ausmachen. Für einen Moment überlegte sie ernsthaft, ob sie ebenfalls ins Meer springen sollte, um der Magierin zu Hilfe zu kommen, doch das Geräusch der herannahenden Feinde ließ diese Idee im Keim ersticken. Geistesgegenwertig verwarf sie sogleich diesen Gedanken und setzte sich umgehend wieder in Bewegung, um zu Sha’ira aufzuschließen, welche von dem Ganzen nichts mitbekommen hatte.
 
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„Wirklich ein ausgezeichneter Schuss, meine Liebe“, lobte der Magus und klatschte dabei in die Hände, nachdem er gesehen hatte, wie die Magierin über die Kaimauer gestürzt war.
 
„Nein“, widersprach die Elfe daraufhin sichtlich unzufrieden, während sie ihren Bogen sinken ließ. „Das war der schlechteste Schuss meines Lebens. Ich habe auf das Mädchen gezielt, nicht auf diese Frau. Hätte die sich nicht eingemischt, dann wäre die kleine Kröte jetzt tot.“
 
„Aber Ihr habt dieses Weib doch voll erwischt. Ich habe es ganz deutlich gesehen.“
 
„Der Treffer war aber nicht hundertprozentig tödlich. Es könnte sein, dass mein Opfer noch lebt. Und genau das war meine Absicht. Ich wollte eines dieser Weiber zur Strecke bringen, damit die anderen wissen, was sie erwartet. Doch ich habe versagt.“
 
„Hmm…Ihr seid anscheinend recht streng mit Euch selbst“, bemerkte der Magus nachdenklich. „Und auch ein wenig ungerecht, wenn Ihr mich fragt.“
 
„Möglich“, meinte die Angesprochene schulterzuckend. „Doch ich bin nur so gut geworden wie ich jetzt bin, weil ich meine Fehler aufs schärfste kritisiere und so hart an ihnen arbeite wie es geht, um diese in Zukunft zu vermeiden. Ansonsten wäre ich wohl auch schon lange Fraß für die Maden.“
 
„Wie Ihr meint. Aber jetzt lasst uns nachsehen, ob Euer Ärger vielleicht sogar völlig unbegründet ist und dieses Weib doch das Zeitliche gesegnet hat.“
 
 

#2129
Bellandyrs

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Ein Stein fiel ihr vom Herzen, als Sengaal das Wort an sie richtete. Sie hatte Vernita und Miandras Worte vernommen ohne zu reagieren, auch wenn sie froh war, die beiden zu retten. Dennoch war ihr Sengaals Leben mehr wert als ihr eigenes, und sie hatte furchtbare Angst, dass er doch im Nichts verblieben war weil seine Kraft nicht gereicht hatte.

„Dem Erbauer sei Dank, Du hast es geschafft“, flüsterte sie überglücklich, und eine Träne der Erleichterung löste sich nun doch aus ihrem Augenwinkel. Dabei streichelte sie seine Hände.
„Wie kann ich Dir helfen, aus dieser Lähmung zu kommen? Gibt es irgendetwas, was Dir Kraft zurück gibt?“
Seine nächsten Worte stürzten sie jedoch in einen Zwiespalt ihrer Gefühle und des Verstandes.
„Sengaal, nun sind es drei Mörder – immerhin habe ich Castillá zur Strecke gebracht, und bevor Du nicht beweisen kannst, dass er der Bösewicht hinter allem war, wird auch auf mich das Kopfgeld weiterhin ausgesetzt sein. Ich weiß nicht, wohin wir fliehen werden, immerhin ist noch immer aufzuklären wo die entführten Kinder stecken. Und Gromschlag wird auch nicht gerade erbaut sein, dass er verschnürt wie ein Paket in der Abstellkammer liegt“, fügte sie mit einem Anflug schwarzem Humor hinzu.
Dann blickte sie ihm ernst in seine wunderschönen Augen. „Daran darfst Du gar nicht denken, dass Du es nicht schaffen könntest, hier dieses Blutbad zu erklären. Dein Rang und Name dürfte hoffentlich ausreichen. Außerdem glaube ich an Dich, mein Liebster. Dir verdanken wir unser Leben, denn hättest Du mich nicht zurück geholt...“
Gedankenverloren schüttelte sie den Kopf, aber sprach sogleich weiter. „Ich liebe Dich auch über alles. Allein dass Du mich im Nichts gefunden hast, dürfte für unsere Gefühle sprechen. Deswegen glaube ich auch daran, dass Du mich in Ferelden finden wirst, wenn unsere Zeit gekommen ist.“

Etwas fiel ihr noch ein. „Wenn es Dir möglich ist, versuche Donas in Deine Stallungen zu bringen, sobald hier alles wieder in Ordnung ist.“ Sie holte ein kleines Halstuch aus ihrem Rucksack und drückte es ihm in die Hand. „Halte ihm das unter die Nase, und er wird Dir folgen.“

Sie küßte ihn ein letztes mal zart auf den Mund und fuhr mit ihren Daumen über seine Augenbrauen. „Du hast Recht, wir müssen so schnell wie möglich verschwinden.“
Ihre Stimme war heiser, denn bei diesen Worten riss es ihr beinahe das Herz aus dem Leib. Sengaal nun zu verlassen war mitunter das schwerste, was sie sich vorstellen konnte. Aber ihr Verstand sagte ihr nur zu deutlich, dass ihr gar keine andere Wahl blieb. So wandte sie sich schweren Herzens um und trat zu Miandra und Vernita. Lea nickte den beiden zu: „Ich denke, wir haben noch etwas zu erledigen.“

#2130
SickOfItAll

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" Nein ! " Das war das Erste das Lydia über die Lippen brachte , als Neria getroffen in den Hafen stürzte . Es konnte , durfte nicht wahr sein . Neria war gerade NICHT vor ihren Augen von einem Pfeil getroffen worden , sie war NICHT ins Hafenbecken gestürzt und NICHT untergegangen . Nicht tot .

NICHT TOT ! Hämmerte es in ihr . Sie hatte Neria sehr gern gehabt , und jetzt starb sie einfach so ? Und sie konnte nichts für sie tun ? Hilflos sah sie zu , wie die Wellen verschwanden und die Luftblasen platzten . So ging Neria also zu ihren Ahnen .

Die Wahl stand ihr offen . Wollte sie Neria retten und dabei ziemlich sicher sogar selbst sterben , oder wollte sie laufen und Neria einem schrecklichen Tod überlassen . Sie hatte einen Bruchteil einer Sekunde zum Entscheiden , den schon waren wieder Wachen im Anmarsch . Und die feige Sau in ihr entschied sich zu laufen .

Also lief sie . Sie rannte , was ihre Beine hergaben und folgte Sha´iras verschwommenen Umriss , schillernd und unscharf durch den Schleier aus Tränen und Wut .

" Lauf ! " schrie sie ihr hinterher . Wohin , war egal . Nur weg . Was die in der Kirche nun trieben , war ihr egal . Wenn sie sich nichtmehr finden würden , dann würden sie sich nichtmehr finden .

Sha´ira vor ihr schlüpfte zwischen zwei Lagerhausmauern hindurch und auf die andere Seite . Dort kletterte sie an einem Seil nach Oben und verschwand in einer Dachluke . Sogut es ging kletterte Lydia ihr nach . Drinnen war es kühl und stockfinster , aber sie fand Sha´ira instinktiv . Sie lies sich zu ihr auf den hölzernen Dachboden fallen und klamemrte sich an sie .
Lange schwiegen sie , nur Lydia zitterte und weinte leise . Sie drückte sich an sie und war einfach froh , das sie für sie da war .

" Ich ... habe sie sehr gemocht ... Ich ... ich ... nein , es ist vorbei . Sie ist tot , wie so viele vor ihr und so viele nach ihr . Aber ich werde sie nicht vergessen . " Flüsterte sie ihr zu und küsste sie .

#2131
Kisu

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Sha´ira schloss Lydia in ihre Arme und zog sie zu sich . Sie wusste wie es war , jene zu verlieren , an denen einem viel liegt . Sie wusste um den Schmerz und die Wut , den alles zerfressenden Hass auf die Welt , auf sich selbst , sie kannte es zu gut . Und es schmerzte sie , Lydia so zu sehen .

Sie war ein so gutherziges Mädchen und so liebenswert . Und doch hatte sie schon so viel mitmachen müssen . Sie war so stark und tapfer , und das bewunderte Sha´ira . Sie bewunderte Lydia für so viel , doch tat sie ihr auch leid , für all das , was sie schon hatte erdulden müssen .

Sha´ira strich ihr durch die Haare und lies sie schweigend verstehen , das sie für Lydia da war . Für Worte war weder die Zeit noch der Ort , und Taten sprachen so oder so lauter als alle Worte .

Doch Sha´ira wusste , das sie nicht in Sicherheit waren . Noch nicht . Die Soldaten und die unbekannten Häscher waren noch Immer hinter ihnen her und womöglich hatten sie die Suche noch lange nicht aufgegeben . Aber sie hoffte , das sie nicht hier nachsehen würden .

#2132
Aliens Crew

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In Vernita fuhr eine unerwartete Hitze in jede Pore ihres Körpers, als Miandras Gesicht sich bis auf haaresbreite dem ihren näherte. Sie spürte deren Atem auf ihrer Haut, wodurch sich ihr Herzschlag für einen Moment rasant beschleunigte. Sie wollte gerade schon nach dem Kopf der Frau greifen und diese so leidenschaftlich küssen wie sie es in ihrem Traum getan hatte, da war dieser bereits wieder außerhalb ihrer Reichweite. Die Elfe seufzte kurz, während sie Miandra von unten her ansah und dabei schief grinste.
 
„Du machst es einem wirklich nicht leicht“, meinte sie neckend, wobei sie sich ihren Panzerhandschuh überzog. Und sie wurde schlagartig wieder ernst, nachdem sie der schwarzhaarigen Frau gelauscht hatte. „Nein. Wir können noch nicht gehen. Wir sind hierher gekommen, um etwas herauszufinden, doch bisher haben wir gar nichts...lediglich einen toten Blutmagier, der anscheinend nur ein Nutznießer dieser ganzen Entführungsgeschichte war. Aber sicher finden wir hier auch noch wertvolle Informationen. Wir müssen einfach.“
 
Mühsam richtete sich Vernita auf. Sie brauchte eine Weile, bis sie auf ihren Füßen stehen konnte. Zuerst musste sie sich sogar auf ihren Knien abstützen. So stand sie eine Weile da und atmete tief durch, um wieder halbwegs zu Kräften zu kommen. Diese ganze Prozedur hatte doch ziemlich an ihrer Konstitution gezehrt. Als es ihr wieder halbwegs gut ging, richtete sie sich ganz auf, während sie einen Moment Sengaal fixierte, bevor sie einen Blick auf Leanora warf, die nun zu ihnen getreten war. „Doch zuvor...“
 
Noch etwas wackelig auf den Beinen, doch beinahe schon wieder mit ihrer alten Entschlossenheit trat sie vor den Templer und stellte sich breitbeinig vor diesen hin. Von oben musterte sie den Mann eingehend, während sich ihre Augen zu Schlitzen verengten. „Ihr seid also der Kommandant der Templer, wenn dieser Bastard von Blutmagier die Wahrheit gesagt hat. Außerdem sah es so aus, als wäre dieser Kerl auch Euer Feind gewesen, doch macht uns das dann auch zu Freunden?“
 
„Ja, es ist wahr. Ich bin Sengaal Neranos, Kommandant der Templer von Denerim. Und ich kann Euch versichern, dass ich Euer Freund bin, zumindest solange Ihr Leanoras Freund seid. Wie Ihr sicher schon gesehen habt, bedeuten wir einander sehr viel. Und dass ich nicht Euer Feind bin, dürfte ich schon damit bewiesen haben, dass ich Leanora half, aus dem Nichts zu entkommen, damit sie Castillá töten konnte. Nur so konntet ihr alle aus seinem Bann befreit werden.“
 
Die Elfe verzog skeptisch das Gesicht, bevor sie ihren Blick auf die blondhaarige Frau richtete. „Ist das wahr?“
 
Die Angesprochene nickte kurz. „Gut“, meinte Vernita daraufhin. „Dann lassen wir das fürs Erste. Und danke für Eure Hilfe, Templer. Doch nun schauen wir mal, ob unser Blutmagier nicht noch ein paar Geheimnisse hatte, die er mit uns teilen möchte.“
 
Die Elfe wandte sich ab und ging um Bruder Castillás Schreibtisch herum. Das Möbelstück war fein säuberlich aufgeräumt, wenn auch voller Blut, was allerdings nicht sehr verwunderlich war, wenn man in Betracht zog, was Leanora mit dem Mann gerade eben noch getan hatte. Da sie auf dem Tisch nichts finden konnte, versuchte Vernita die Schubladen zu öffnen, welche jedoch fest verschlossen waren. Ein genauer Blick der Elfe reichte aus, um festzustellen, dass diese Schlösser weitaus komplexer waren als die an Bruder Renaldos Schreibtisch. Außerdem lag es durchaus im Bereich des Möglichen, dass Castillá seine Geheimnisse mit Fallen gesichert hatte. Dieses Risiko wollte Vernita nicht eingehen.
 
So ging sie neben der enthaupteten Leiche des Blutmagiers in die Hocke und durchsuchte die Taschen seiner Robe. Und in diesen fand sie auch sogleich einen kleinen silbernen und schlicht aussehenden Schlüssel. Das musste es sein. Sie stand auf, steckte den Schlüssel in das Schloss der obersten Schublade und drehte diesen zweimal herum. Der Verschluss schnappte sofort auf. Vorsichtig zog die Elfe die Schublade heraus. Sie entdeckte neben allerhand Papieren auch eine kleine, kompliziert aussehende Apparatur, die nach einer Sprengfalle aussah. Vermutlich wäre sie ausgelöst worden, wenn sie versucht hätte, das Schloss ohne den passenden Schlüssel zu öffnen und hätte jeden davor Stehenden getötet sowie sämtliche Beweise vernichtet. Wirklich ein kluger, umsichtiger Mann dieser Castillá.
 
Vernita zog den Stapel Pergamentpapiere aus der Schublade, mit denen sie den Tisch umkreiste, wo dessen Platte nicht mit dem Blut Castillás besudelt war. Sie stellte den Kerzenleuchter zur Seite, der sich dort befand, bevor sie begann, die Unterlagen durchzugehen.
 
„Was haben wir denn hier?“ murmelte die Elfe vor sich hin, während sie die Zeilen des ersten Schriftstückes überflog. Es handelte sich um einen Bericht über den Verbrauch an Lebensmitteln innerhalb der Kirche in den letzten sechs Monaten. Unwichtig. Anschließend fand sie eine genaue Aufstellung über Gewohnheiten und Schwächen einzelner Angehöriger der Kirchengemeinschaft. Bruder Castillá suchte anscheinend immer nach Möglichkeiten, die Mitglieder dieses Ordens einschätzen und kontrollieren zu können, wenn er nicht sogar den einen oder anderen davon erpresst hatte.
 
Das nächste Pergamentblatt war eine Genehmigung für eine großzügige Spende der Kirche für den Wiederaufbau eines Magieladens mit dem Namen „Victor Arnauld Nortiers Haus okkulter Utensilien & seltener Elemente & Naturalien“. Die Elfe erinnerte sich noch gut an dieses Geschäft. Es enthielt neben zahlreichen Dingen für Magier wie Runen oder Zauberstäben auch viele Ingredienzien für die Zubereitung von Tränken und Giften. Während der Verderbnis war sie dort Stammkundin gewesen, bis der Laden von Loghains Männern zwangsgeschlossen worden war. Orlaisianer wie dieser Victor Arnauld waren zu dieser Zeit nicht gerade in Denerim willkommen. Seltsam, dass sich Castillá für den Wiederaufbau dieses Geschäftes interessierte, aber immerhin war er ja Magier gewesen. Die Elfe zuckte mit den Schultern und nahm sich den nächsten Bogen Pergament zur Hand.
 
Es handelte sich dabei um einen Bericht über die Unterschlagung von Kirchengeldern durch Bruder Renaldo. Castillá hatte diesen wohl von einer Frau beobachten lassen, die dem Kirchenvorsteher anscheinend regelmäßig Bericht erstattete. Interessiert las sich Vernita das Schreiben durch, in der Hoffnung, endlich etwas gefunden zu haben. Doch als sie sich den letzten Satz angesehen hatte, den Castillá dort vermerkt hatte, verschwand ihr zufriedenes Lächeln sogleich wieder. Dort stand: „Operation musste eingestellt werden, da Marina von der Beschaffung neuer Zutaten nicht zurückkehrte“. Offenbar war diese Marina die Frau, welche Azoth bei seiner Suche nach Miandras Tochter getötet hatte. Dies war also eine Sackgasse.
 
Enttäuscht wollte sie den Pergamentbogen gerade auf die Spendengenehmigung legen, als ihr noch einmal der Name des Magieladens ins Auge fiel: „Victor Arnauld Nortiers Haus okkulter Utensilien & seltener Elemente & Naturalien“. Das kam ihr so bekannt vor, außer aus ihrer Vergangenheit natürlich. Und dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, als sie sich auf die Anfangsbuchstuben des Namens konzentrierte: V A N H O U S E N. Van Housen! Dies war doch der Name gewesen, welchen Azoth ihr gezeigt hatte. Dieser stand auf der Notiz, die dieser bei den Kindesentführern gefunden hatte. Dieser Van Housen war also kein Mann, es war die Abkürzung für dieses alte, schon längst verlassene Geschäft. Wirklich der perfekte Ort für ein derartiges Unterfangen. Niemand würde in der alten Bruchbude nach den vermissten Kindern suchen. Eshtá und ihre Mannen konnten also ungestört ihren kranken Machenschaften nachgehen. Vernita ärgerte sich darüber, dass sie nicht sofort darauf gekommen war, als sie damals diesen Zettel in der Hand hielt.
 
„Miandra! Leanora!“ rief sie den beiden zu. „Kommt her! Ich habe etwas gefunden! Seht euch das an!“
 
Sie legte die restlichen Papiere zur Seite, bevor sie die Spendengenehmigung wieder an sich nahm und den beiden Frauen zeigte. „Hier! Wenn man von dem Namen dieses Ladens nur die Anfangsbuchstaben nimmt, dann ergibt dies das Wort „Van Housen“. Ich kenne dieses Geschäft. Es steht schon seit etlichen Jahren leer. Ich bin sicher, dorthin bringen Eshtá und ihre Männer die entführten Kinder. Vielleicht ist Elana auch dort.“
 
Die Elfe sah bei diesen Worten Miandra direkt in die Augen. „Ich denke, wir haben ein neues Ziel. Wenn Ihr Euch noch von Eurem neuen Liebling verabschieden wollt, Leanora, dann wäre jetzt wohl der richtige Augenblick. Und beeilt Euch. Wir haben nicht viel Zeit.“
 

Modifié par Aliens Crew, 26 août 2011 - 11:54 .


#2133
Kaysallie

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Kurz grinste Miandra die Elfe noch an, bevor ihre Züge wieder ernst wurden und sie dem lauschte was Vernita mit dem Kommandanten besprach. Die Elfe hatte recht, eigentlich hatten sie ja bisher nicht wirklich etwas gefunden. Miandra konnte sich nur noch an die Worte „…also solltet Ihr Eshtá nach ihrem Verbleib befragen“ des toten Blutmagiers erinnern, womit sie ihr neues Ziel bereits geistig festgelegt hatte und nicht mehr daran dachte hier noch mehr finden zu können. Aber vielleicht war sie auch nur von dieser ganzen Nichts-Geschichte zu verwirrt um wirklich klare Gedanken fassen zu können - zumindest fühlte sie sich so.

Den Kommandanten der Templer als Freund haben? Um sich mit diesem Gedanken wirklich anfreunden zu können würde sie wohl etwas mehr Zeit benötigen, denn auch wenn er sie aus der Gefangenschaft in ihrer eigenen Phantasie befreit haben soll, so tat er es schlussendlich doch nur aus Eigennutz. Aber die Zeit würde zeigen, wie vertrauensselig der Kerl doch war und wie sehr er auf ihrer - oder eben auf Leanoras - Seite stand.

Miandra ließ die Wand wieder los und ging auf eher wackeligen Beinen zu dem großen Schreibpult, welches wohl das Hauptaugenmerk dieser Stube war. Dort angekommen sah sie sich die Dokumente an welche Vernita zur Seite legte. Auf dem ersten Blick wirkte das alles nicht sehr aufschlussreich, doch als die Elfe dann „Van Housen“ im Zusammenhang mit diesem alten Magieladen erwähnte, und ihnen den Zettel vor die Nase hielt, versteinerte sich Miandras Gesicht und sie starrte reglos auf das Stück Papier.

Es dauerte einen kurzen Augenblick bis ihre Gedanken wieder einsetzten und sich regelrecht überschlugen. Van Housen? Oder eher: Victor Arnauld Nortiers Haus okkulter Utensilien & seltener Elemente & Naturalien? Die gesamte Zeit über wussten sie es? All die Dinge, die bisher in Denerim passiert waren, hätten ihnen erspart bleiben können, wenn sie doch nur gewusst hätten, dass es sich um eine einfache Abkürzung handelt? Der Elf hatte ihnen tatsächlich eine sinnvolle Information gebracht, mit der sie nur nichts anfangen konnten? Und… Vernita kannte das Geschäft? Dennoch kannte sie diese Abkürzung nicht?

Für einen kurzen Moment kam in Miandra ein Gefühl hoch, welches sie schon oft in ihrem Leben gespürt hatte, doch dieses Mal war es anders. Es war völlig unerwartet und intensiver, wie ein Schockzustand der sich angefangen bei ihren Zehenspitzen, durch jede Faser ihres Körpers, bis hin zu ihren Fingern zog, und sie für den Moment nur noch auf diese paar Zeilen starren ließ. Sie war zum ersten Mal von Vernita enttäuscht, wusste jedoch nicht einmal so recht wieso. Nur weil Vernita diese paar Buchstaben nicht schon eher entschlüsseln konnte, wo sie die Lösung doch kannte, und ihnen dadurch so Vieles erspart geblieben wäre? Weil sie diese kleine Information nicht ernst genug genommen hatte, und wahrscheinlich gar nicht länger darüber nachgedacht hatte? Weil sie selbst der Elfe, die ja bei allem was sie tat doch sonst immer so perfekt war, solche Fehler nicht zugetraut hatte? Weil sie nur mit Azoth alleine vielleicht von Anfang an besser dran gewesen wäre, da er auf dem richtigen Weg war…? Sie sich aber stattdessen größtenteils nur um irgendwelche anderen Probleme gekümmert hatte? … War es das? Miandra konnte nicht sagen, woher genau dieses Gefühl kam, doch es war da.

Miandra schob diese Gedanken sowie dieses eigenartige Gefühl zur Seite. Es war doch ohnehin egal, oder? Jetzt hatten sie die Information und ein neues Ziel… und mit ein wenig Glück war noch nicht zu viel Zeit vergangen und es würden sich noch entführte Kinder dort befinden… und mit noch ein wenig mehr Glück, war auch Elana unter ihnen.

Wie schade nur, dass sie nicht an Glück glaubte.

„Gut“ war alles was sie etwas heiser hervorbrachte, nachdem sie einmal geschluckt hatte. Sie sah Vernita für einen Augenblick ausdruckslos an, bevor sie sich umdrehte, sich wieder von dem Schreibtisch entfernte und nachdenklich an der Tür stehen blieb um auf das Prinzeschen zu warten… wobei sie hoffte dass diese ihre schmalzige Verabschiedung nicht zu sehr in die Länge ziehen würde.

#2134
Bellandyrs

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Leanora trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen, als Vernita die Schlösser des Schreibtisches öffnete. Nachdem sie Sengaal von seiner Lähmung nicht befreien oder ihm helfen konnte, wollte sie nur eines: so schnell wie möglich von diesem Ort verschwinden. Zudem überkam sie immer noch die Lust den enthaupteten Körper des Blutmagiers weiter zu verstümmeln, sobald sie in seine Fratze sah. Von daher konzentrierte sie sich voll und ganz auf das, was die Elfe vorlas.

Van Housen war eine Abkürzung, die sie mehr oder weniger direkt zu Gianauro führte? Sie hatten auf der Suche nach Antworten und Informationen also nur versehentlich den Umweg über das Kloster genommen. Wäre Vernita früher eingefallen, für was Van Housen stand, hätte Leanora weder Sengaal kennengelernt, noch das Unrecht an ihrer Familie aufgedeckt, geschweige denn, ihre Rache nehmen können.

„Ja, ich will mich noch verabschieden,“ erwiderte sie, als Vernita ihr diese Möglichkeit gab. Noch einmal trat sie zu Sengaal und strich ihm liebevoll über seine Wangen.
„Du hast es gehört, wir haben ein neues Ziel. Drück uns die Daumen, dass wir dort Miandras Tochter finden und dann wirklich untertauchen können. Viel Glück, mein Geliebter!“
Ein letzter zärtlicher Kuss folgte, dann nahm sie den Dolch wieder zu sich und versteckte diesen unter ihrer Robe. Ihre kirchlichen Kleider würde sie irgendwo entsorgen.

Ohne sich umzudrehen ging sie zu Miandra, die bereits an der Tür wartete. Leanora hätte es nicht geschafft, noch einmal zurück zu schauen und Sengaal in die Augen zu sehen, sonst wäre der letzte Rest ihrer Beherrschung wie weg gefegt gewesen und sie wäre bei ihm geblieben.

Modifié par Bellandyrs, 27 août 2011 - 04:36 .


#2135
SickOfItAll

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Als sich Lydia wieder einigermaßen gefangen und tief durchgeatmet hatte, lauschte sie. Auf Sha´iras gleichmäßige Atemzüge, ihren Herzschlag und nach Geräuschen von draußen. Es war beunruhigend still, doch plötzlich vernahm sie einen Ruf, dann einen Weiteren. Dann war wieder stille. Doch es erinnerte sie daran, das sie hier keinesfalls in Sicherheit waren.

So schwer es ihr fiel , sie löste sich von Sha´ira und half ihr auf die Beine.
" Los, wir müssen den Rest unserer Gruppe finden . Weis der Geier , was denen wiederfahren ist, aber ich denke nicht, das sie wissen, was im Lagerhaus vorgefallen ist. "

"Was, wenn die auch in der Scheiße stecken? " Fragte Sha´ira skeptisch.

"Dann ziehen wir sie eben raus. Aber jetzt komm, wir sollten langsam wieder in Bewegung kommen. "

Gemeinsam suchten sie nach einem Ausgang vom Dachboden, doch die Fensteröffnung war der einzige ersichtliche Zugang. So kletterten sie wieder nach draußen und hangelten sich zum gepflasterten Boden hinunter. Im Zwielicht des Mondes war der Weg gut zu erkennen, aber sie aren auch leicht zu entdecken, also hielten sie sich im Schatten und beeilten sich zur Kirche zu gelangen.

Die Gassen waren in Finsternis getaucht, die selbst jegliche Geräusche zu verschlucken schien. Ihr eigener Atem kam ihr vor wie ein schnaufender Bronto und Sha´iras Schritte wie Hammerschläge auf dem kalten Boden.

Sie bewegten sich langsam auf die Kirche zu. Die Straßen wurden breiter, die Häuser höher und ordentlicher. Die Stadt schlief und würde erst am nächsten Morgen erfahren, welche Gräueltaten sich mitten unter ihnen zugetragen hatten.

" Hoffen wir, das sie nicht auf allzugroße Gegenwehr gestoßen sind, " flüsterte Lydia und blickte sich unruhig um, denn sie hatte das Gefühl, das sie beobachtet wurden.

#2136
Aliens Crew

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Vernita verstaute die Pergamentrollen wieder in Castillás Schublade, welche sie auch fein säuberlich abschloss und den Schlüssel einsteckte. Sie wollte vermeiden, dass jemand anders als sie selbst, hinter das Geheimnis von „Van Housen“ kam. Für einen Moment dachte sie auch daran, diesen Templer auszuschalten, doch das hätte ihr Leanora sicher ziemlich übel genommen, also verwarf sie diese Idee sogleich wieder. Sie warf noch einen kurzen Blick auf die blondhaarige Frau, welche sich mit diesem Neranos unterhielt, bevor sie sich zu Miandra gesellte, die irgendwie geistesabwesend wirkte und nur ausdruckslos vor sich hinstarrte.
 
Das Gesicht der Elfe nahm einen besorgten Ausdruck an, als sie vor der schwarzhaarigen Frau stehen blieb und dieser eine Hand auf die Schulter legte. „Alles in Ordnung mit dir, Miandra?“ fragte sie eindringlich. „Du siehst aus, als würde dich etwas beschäftigen. Wenn es dir nicht gut geht, dann sag’ mir bitte, was los ist, ja?“
 

#2137
Kaysallie

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Miandra zuckte unmerkbar zusammen als ihr Vernita plötzlich eine Hand auf die Schulter legte. Sie war so sehr in Gedanken gewesen, dass sie die Elfe gar nicht kommen hörte. Ein wenig verwundert sah sie Vernita kurz an, bevor sie ihren Blick wieder gegen die Holztür vor sich richtete.

„Es geht mir gut, keine Sorge. Ich bin nur müde von diesem Magiezirkus, und mir ist nur klar geworden wie viel Zeit wir verschwendet haben, wo wir die Antwort doch schon lange hatten…“, erwiderte sie bitter. Das war zwar nur die halbe Wahrheit, aber es war auch nicht gelogen. Außerdem hätte sie es ohnehin niemals geschafft der Elfe das Gefühl zu beschreiben welches gerade eben in ihr vorging. Zudem war es ohnehin lächerlich. Sie hatte eben zu viel erwartet… nein sie war so dumm gewesen überhaupt etwas zu erwarten. Dabei wusste sie doch, dass so etwas nur zu Enttäuschungen führt. Wie blöd war sie eigentlich? Sie hetzten durch halb Ferelden bis in diese Drecksstadt, wo sich immer wieder neue nervtötende Leute der Gruppe anschlossen, sie mit ihren kleinen Problemchen eindeckten und nur Mist verzapften, anstatt dass sie einfach nur am Tag ihrer Ankunft in diesen leerstehenden Laden, dessen Namen sie ja schon lange zuvor hatten, spaziert wären. Alles wäre vorbei gewesen und sie könnte ihre Tochter bereits sicher wissen. Wahrscheinlich wäre ihr sogar die Begegnung mit ihren Eltern erspart geblieben, ebenso wie dieses scheiß Gefängnis und all der andere Kram danach.
Aber vielleicht auch nicht? Vielleicht war auch das eine falsche Fährte?

Miandra merkte wie sich ihre Gedanken erneut überschlugen, während sie ausdrucklos auf die geschlossene Tür starrte, bevor sie einen leichten Seufzer ausstieß um sich selbst zu beruhigen.

„Und ob es wirklich eine Antwort ist, werden wir ja bald sehen… will ich hoffen“, fügte sie noch hinzu, wobei ihre Stimme leicht zitterte, wohl Tränen der Wut auf sich selbst nahe. Doch sie schluckte es hinunter. Sie wollte nicht noch länger in dieser Stube bleiben, und hier erst recht nicht anfangen zu weinen. Als ob sie die letzten Tage nicht schon genug Tränen für ihr restliches Leben, bei dem sie inzwischen ohnehin keine Zukunft mehr sah, vergeudet hätte.

„Lasst uns einfach von hier verschwinden, ja?“ sagte sie noch schnell als auch Leanora mit ihrer Verabschiedung fertig war und ungeduldig hinter ihr umher zappelte, und sie versuchte Vernita bei diesen Worten anzulächeln, was ihr nicht wirklich gelang, bevor sie den Türgriff nach unten drückte und einen prüfenden Blick auf den Flur warf.

#2138
Aliens Crew

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Vernita wurde wütend. Sie blickte Miandra direkt ins Gesicht, während diese nur an ihr vorbei auf die Tür starrte. Und die Elfe kannte dieses Verhalten der schwarzhaarigen Frau inzwischen ganz genau. In den vergangenen Wochen hatte sie diese insoweit kennen gelernt, um in etwa zu wissen, was gerade in dieser vorging. Sie war verbittert und enttäuscht, das spürte Vernita genau. Und was noch schlimmer war...sie machte die Elfe dafür verantwortlich. Das hörte Vernita deutlich aus Miandras Stimme heraus.
 
„Einen Moment noch, meine Liebe“, erwiderte sie mit gepresster Stimme, um Miandra nicht gleich anschreien zu müssen, während sie ebenfalls den Türgriff mit der Hand umschloss und diese wieder zuzog. „Erzähl mir nicht, dass alles in Ordnung ist, wenn es nicht so ist, verstanden? Ich kenne dich inzwischen gut genug, um zu erkennen, dass du enttäuscht bist. Enttäuscht und sauer. Und du machst mir Vorwürfe. Weshalb? Etwa weil ich mich erst jetzt an den Namen dieser Bruchbude erinnere, den ich das letzte Mal vor über fünf Jahren gehört habe und der auch nie auf diese Weise verschlüsselt worden war? Wir nannten das Geschäft damals immer Victors Ramschladen! Niemand kam auf die Idee es mit „Van Housen“ abzukürzen! Und dann soll ich sofort darauf kommen, als mir dieser dummköpfige Elf diesen Zettel unter die Nase gehalten hatte? Was erwartest du eigentlich von mir?“
 
In der Elfe machte sich langsam dieselbe bittere Enttäuschung breit, welche wohl auch in Miandra steckte. Nach allem, was sie bisher für diese getan hatte, erntete sie immer noch lediglich Undank und den Vorwurf, zu nichts zu gebrauchen zu sein. Das erinnerte Vernita an eine Zeit in ihrem Leben, in der sie nichts und niemandem trauen konnte, außer ihren eigenen Fähigkeiten. Und das wollte sie diesmal nicht auf sich sitzen lassen. Miandra musste endlich begreifen, dass nicht immer alles so lief wie es vielleicht laufen sollte. Jeder machte Fehler, auch jemand wie Vernita. Trotzdem hatte die Elfe wohl etwas mehr Respekt von Miandra zu erwarten, nach allem, was geschehen war. Zumindest glaubte Vernita fest daran.
 
„Habe ich nicht bereits mehr für dich getan, als jeder andere auf diesem verfluchten Kontinent? Ich habe dich aus dem Knast geholt, in den dich dieser schwachköpfige Elf gebracht hatte, bin ständig damit beschäftigt, uns am Leben zu erhalten, damit wir deine Tochter finden können und dann soll ich mich noch an einen Namen erinnern, den ich das letzte Mal vor einer Ewigkeit gehört habe? Wo wärst du denn, wenn ich nicht wäre? Vermutlich würdest du noch immer in dieser Taverne hocken und darauf warten, dass deine Tochter von selbst nach Hause kommt, was? Zum ersten Mal seitdem wir in dieser Stadt angekommen sind, haben wir eine heiße Spur, die uns zu Elana führt und anstatt dich darüber zu freuen, machst du mir Vorwürfe, dass ich nicht gleich darauf gekommen bin. Das ist einfach nur ungerecht von dir. Und du tust mir damit sehr weh, weißt du das eigentlich?“
 

Modifié par Aliens Crew, 28 août 2011 - 01:00 .


#2139
Bellandyrs

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Leanora hörte Vernita zu und schloß die Augen. Eigentlich hatte sie gedacht, dass die beiden inzwischen etwas umgänglicher geworden sind, aber so wie es aussah gab es immer noch Streit innerhalb ihrer Gruppe. Das konnte ja noch heiter werden! Wie ruhig und friedlich hatte sie es die wenige Zeit hier im Kloster. Hätte sie sich nicht bereits so verpflichtet gefühlt, die Entführung der Kinder aufzudecken, hätte sie wohl auf der Stelle kehrt gemacht und wäre hier geblieben.

"Könnt Ihr das bitte später besprechen? Ich verstehe, dass Ihr enttäuscht seid oder wütend, aber wir haben im Moment wirklich keine Zeit dafür. Jeden Augenblick kann hier jemand auftauchen", sagte sie nervös.

#2140
Kaysallie

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Miandra starrte Vernita aus geweiteten Augen an. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass die Elfe sie so einfach durchschauen konnte, daher fehlten ihr auch einen Moment die Worte, und nur langsam sickerten die von Vernita in ihr Gedächtnis. Doch dieses Mal verzichtete sie darauf erst noch einmal über all das nachzudenken - schließlich war das doch genau das was Vernita wollte, oder? Dass sie einfach ihr Maul aufmachen würde.

„Es wird nie alles in Ordnung sein, das war es nie, und das wird es wohl auch nie sein, gerade du müsstest das doch wissen. Ich habe aber keine Lust darauf dich jedes mal mit meinen Problemen vollzuheulen wenn du mich danach fragst, das ist es mir nun mal einfach nicht wert. Ich habe keine Lust darauf mich mit dir zu streiten wegen irgendwelchen Dingen die man sowieso nicht mehr ändern kann, und mit denen ich dich belaste und durch die ich dir nur unnötig weh tue. Ja, ich weiß genau, dass ich dir damit weh tue, warum glaubst du denn sonst halte ich meine verdammte Klappe? Weil es mir Spaß macht? Nein, und ich dachte du weißt dass ich dir nicht schaden will, aber scheinbar habe ich mich auch da in dir getäuscht, und scheinbar kennst du mich nicht so gut wie du es glaubst. Ja ich bin enttäuscht, aber das ist meine eigene Schuld, weil ich zu viel von dir erwartet habe, und deswegen bin ich sauer, aber nicht auf dich, da du das ja scheinbar glaubst, sondern auf mich selbst. Na und? Dann bin ich eben enttäuscht und auf mich selbst wütend. Als ob ich dich noch nie enttäuscht hätte, denn das tue ich ja tagtäglich! Und wahrscheinlich ist das auch ganz gut so, denn nun weiß ich wenigstens, dass auch du nicht so perfekt bist wie ich es immer dachte. Ja, das war nun mal der Eindruck den ich von dir hatte, der Grund warum ich dir von Anfang an vertraut habe und der mich niemals an einer deiner Entscheidungen zweifeln ließ. Der Grund warum ich dich bewundert habe und der Grund warum ich mich selbst neben dir nur wie ein Nichts fühle. Denn ich weiß sehr wohl, was du alles für mich getan hast und tust, und ich habe keine Ahnung wie ich all das jemals wieder gut machen soll. Denn ich fühle mich ohnehin nur wie ein Klotz an deinem Bein, und wahrscheinlich wäre es gerade deswegen besser gewesen, wenn wir eher gewusst hätten, dass es sich um diesen Ramschladen handelt. Dann wäre uns beiden vielleicht einiges erspart geblieben. Und wie soll ich mich jetzt noch darüber freuen? Wer weiß denn schon ob das eine heiße Spur ist? Vielleicht war es eine, aber nun? Ich jage seit Wochen durch dieses verfluchte Land, ohne zu wissen was man meinem Kind antut, und der Gedanke daran zerfrisst mich von innen, und jedes Mal keimt in mir Hoffnung auf wenn ich eine neue Information bekomme, die dann sowieso wieder im Keim erstickt wird. Und wahrscheinlich wird es dieses Mal auch wieder so sein“, erwiderte sie viel zu schnell mit zittriger Stimme ohne einmal dazwischen Luft zu holen und ohne vorher darüber nachzudenken. Doch nun hielt sie einen Moment inne, wobei sie einige Male stark nach Luft schnappte. Die Tränen der Wut, welche sie doch eigentlich unterdrücken wollte, standen ihr erneut in den Augen und waren nur ein Blinzeln davon entfernt an ihren Wangen hinabzufließen.

„Aber ja, wo wäre ich schon ohne dich… wahrscheinlich hätte man meine Leiche zusammen mit der dieses Elfen in irgendeine Grube geworfen. Auch nur ein weiterer Beweis dafür für wie wenig ich doch zu gebrauchen bin. Nicht?“ fügte sie ruhiger und voller Bitterkeit hinzu, und lehnte ihren Kopf schwerfällig seitlich an die Tür, welche ja nun wieder geschlossen war, und sie verzichtete darauf noch einmal darüber nachzudenken was sie gerade alles gesagt hatte… spätestens wenn Vernita dazu etwas sagen würde, müsste sie sowieso wieder darüber nachdenken… auch wenn sie hoffte, dass diese es nicht falsch verstehen würde.

Stattdessen schielte sie zu Leanora hinüber. „Oh Ihr versteht es? Wie schön… aber ja ich würde auch gerne von hier weg …“, sagte sie nur mit einem Seufzen, doch der Satz klang irgendwie unvollendet, bevor sie wieder zu Vernita blickte.

Modifié par Kaysallie, 28 août 2011 - 05:39 .


#2141
Aliens Crew

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Die Wut fiel so schnell wieder von Vernita ab wie sie gekommen war. Miandras Worte machten ihr deutlich, dass diese wohl enttäuscht über das Versagen der Elfe war aber noch weitaus mehr enttäuscht über sich selbst. Sie misste sich selbst offenbar keinerlei Bedeutung bei und hielt sich für unnütz und unfähig. Ihr Selbstwertgefühl war noch niedriger als Vernita gedacht hatte. Und irgendwie kam ihr das sehr bekannt vor. Auch in ihrem Leben gab es mal eine Zeit, in der man ihr einreden wollte, dass sie nichts wert wäre. Dass sie nur Abschaum wäre, eine Dirne für einen Menschen. Ein Wesen, welches keinen Respekt und kein Mitleid verdiente. Doch hatte sie allen gezeigt, wie sehr sie doch im Irrtum waren, allesamt.
 
„Es tut mir sehr leid, Miandra“, meinte sie ruhig und voller Reue, während sie der schwarzhaarigen Frau eine Hand auf die Wange legte. Dabei war sie sehr vorsichtig, da sie immer noch ihre Panzerhandschuhe trug. „Es tut mir leid, dass wir deine Tochter bisher nicht finden konnten. Es tut mir leid, dass ich deinen Anforderungen nicht entspreche. Auch in meinem Leben gab es mal eine Zeit, in der ich mich für ein Nichts hielt, in der ich dachte, ich wäre zu nichts nütze, außer als Lustobjekt für irgendein krankes Schwein zu dienen. Und in dieser Zeit wäre ich am Liebsten gestorben. Doch dann erhob ich mich und habe allen gezeigt, dass auch ich zu etwas fähig war. Ich habe immer versucht, besser und stärker zu sein, als es meine Eltern waren. Und auch wenn ich in meinem Leben viel erreicht habe, womit wohl niemand gerechnet hätte, so bin ich nicht perfekt und werde es niemals sein. Ich wünschte, ich wäre es. Dann hätte ich Elana schon lange gefunden und hätte dich vor dem Gefängnis bewahrt...und vor der Folter. Doch hoffe ich, dass du immer noch an mich glaubst, auch wenn du nun weißt, dass auch ich nicht frei von Fehlern bin.“
 
Vernita schloss für einen Moment die Augen, um die Tränen zu unterdrücken, welche sich in diesen bilden wollten. Als ihr das gelungen war, öffnete sie diese wieder und sah Miandra mit festem Blick an. „Doch eins kann ich dir versprechen. Trotz aller Rückschläge, die ich in meinem Leben schon erlitten habe, so habe ich noch nie aufgegeben. Und das werde ich auch jetzt nicht tun. Außerdem werde ich dir beweisen, dass du alles andere als ein Klotz am Bein bist. So etwas darfst du nie von dir denken und es dir auch von niemandem einreden lassen. Du bist stark, mindestens so stark wie ich, wenn nicht sogar noch stärker. Du gibst mir den Mut und die Kraft dies alles durchzustehen. Ohne dich hätte ich die ganze Sache schon längst aufgegeben und hätte dieses Land verlassen. Und irgendwann wirst du erkennen, dass es manchmal gar nicht nötig ist, große Taten selbst zu vollbringen, sondern es ausreicht, andere dazu zu inspirieren. Ja, das tust du. Du treibst mich dazu an, mehr zu leisten, als ich es normalerweise zu vollbringen vermag. Und dazu bedarf es nur ein paar weniger Worte deinerseits. Das ist eine große Gabe, über die ich niemals verfügen werde. Ich kommandiere lediglich mit harter Hand, doch du brauchst mich nur anzulächeln und schon besiege ich ganze Armeen. Du bist mehr als ich je sein werde und wenn du endlich damit aufhörst, dir von anderen oder auch von dir selbst einreden zu lassen, dass du nichts taugst, dann wirst du zu wahrer Größe heranwachsen und mehr vollbringen als ich es jemals könnte. Gemeinsam werden wir diese Sache zu einem guten Ende führen, du wirst schon sehen. Du musst nur daran glauben, so wie ich es tue, dann werden wir es auch schaffen, in Ordnung?“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 28 août 2011 - 07:33 .


#2142
Kaysallie

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„In Ordnung“, sagte sie leise, bevor sich ein Lächeln auf ihre Lippen legte, durch welches sich die Tränen, die sich in ihren Augen gesammelt hatten, lösten und an ihren Wangen hinab kullerten. Nur an der einen Wange verfingen sie sich in dem Metall des Panzerhandschuhs, anstatt sich ihren Weg bis zum Kinn zu bahnen. So stand Miandra noch immer mit dem Kopf seitlich an der Tür angelehnt da, und sah Vernita für einen zeitlosen Moment aus glasigen Augen an. Irgendwie fühlte sie sich nun völlig ausgelaugt und leer, wo sie sich alles so schnell von der Seele geredet hatte, und die sanften, aufbauenden Worte von Vernita im Anschluss, mit denen sie eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatte, ließen sie für einen Moment alles andere vergessen.

Doch schließlich löste sich Miandra aus ihrer Starre, nahm ganz vorsichtig Vernitas Hand von ihrer Wange, und hielt diese einen Augenblick mit beiden Händen fest, bevor sie von einem Gefühl übermannt wurde, welches sie nicht kannte, es aber auch nicht in Frage stellte, und den Arm der Elfe zu sich zog, sodass diese unerwartet einen Schritt in ihre Richtung taumelte, bevor sie deren Hand wieder losließ und Vernita stattdessen ein wenig stürmisch um den Hals fiel. Dabei drückte sich die kalte Rüstung der Elfe erneut durch ihre Kleidung bis in ihre Haut, doch das war ihr für den Moment egal.

„Es muss dir nicht leid tun“, flüsterte sie mit einem um Verzeihung flehenden Unterton, als sich ihre Lippen knapp an dem spitzen Ohr der Elfe befanden, und sich dabei das kalte Metall des Helms an ihre Wange presste. Danach drückte sie sich noch fester an Vernita, wobei sich die Rüstung noch weiter unangenehm durch den Stoff bohrte, doch sie ignorierte diese minderen Schmerzen. Auch wenn Vernita dies wahrscheinlich gar nicht spüren konnte durch diesen Metallpanzer, so war das Miandra gerade egal, sie hatte einfach das Bedürfnis es zu tun. So schloss sie kurz ihre Augen, wobei sich ihre restlichen Tränen lösten und auf die Schulterstücke der Rüstung wie Regentropfen prasselten.

Doch schließlich sog sie einmal tief Luft ein und löste ihre stürmische Umklammerung wieder. Knapp vor Vernita blieb sie stehen und wischte sich ein wenig beschämt die Tränen von den Wangen, wobei sie nach unten auf den Boden blickte. Doch ein Lächeln zierte dabei ihr Gesicht.

„Du schaffst es auch als Einzige mich jeden Tag zum Heulen zu bringen, weißt du das eigentlich?“ sagte sie dabei ein wenig neckend, bevor ihr Blick zu Leanora überging, welche irgendwie verwirrt und zugleich angespannt aussah. Doch wirklich lange dürfte diese Diskussion nicht gedauert haben, denn der Templer im Hintergrund saß noch immer genauso da, wie zuvor.

„Na dann kommt Prinzeschen, lasst uns jetzt endlich von hier verschwinden“, sagte sie zu der blonden Frau, wobei sie auch dieser ein sanftmütiges Lächeln schenkte - wahrscheinlich war es sogar das erste Mal, dass sie Leanora anlächelte, seitdem sie diese kannte.

Anschließend wandte sie sich wieder um und öffnete zum zweiten - und hoffentlich letzten - Mal die Türe, trat vorsichtig hinaus und unterzog den Flur dabei eines prüfenden Blickes, doch es schien noch immer tief in der Nacht zu sein, da nicht eine Menschenseele dort herum streifte, und das Licht nur von den wenigen Fackeln und Öllampen die an den Wänden befestigt waren gespendet wurde.

#2143
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„Ich verzeihe dir, Miandra. So wie ich es immer tue“, hauchte Vernita der schwarzhaarigen Frau zärtlich ins Ohr und erwiderte dabei deren Umarmung. Dabei war sie ebenfalls sehr sanft und vorsichtig, um der Frau nicht durch ihre immense Kraft kombiniert mit ihrer schweren Rüstung schon wieder die Luft zum Atmen zu nehmen. „Ich war auch einmal Mutter, wie du weißt, wenn auch nur für kurze Zeit. Trotzdem habe ich eine ungefähre Vorstellung darüber, wie es im Moment in dir aussehen muss. Und außerdem kann ich dir ohnehin nie lange böse sein. Dafür liebe ich dich einfach zu sehr.“
 
Ein Grinsen legte sich auf das Gesicht der Elfe, als Miandra meinte, sie würde sie ständig zum Heulen bringen. So meinte sie im selben neckenden Ton wie diese: „Es tut mir leid, wenn ich dich immer wieder zum Weinen bringe, meine Schöne. Dabei möchte ich dich doch einfach nur jeden Tag zum Lachen bringen, aber selbst dafür bin ich wohl zu blöd, was?“
 
Vernita lachte kurz auf, während sie Miandra einen kleinen Stoß in die Seite gab. „Aber du hast recht. Verschwinden wir von hier.“
 
Sie hob den Kapuzenmantel wieder auf, während die schwarzhaarige Frau nach draußen auf den Korridor spähte. Diesen Mantel gab sie Leanora und sah diese dabei fest in die Augen.
 
„Hier“, sagte sie nachdrücklich und mit einem schiefen Grinsen. „Zieht Euch diesen Mantel über. Wenn Euch jemand in Eurer blutbesudelten Robe erblickt, ist wahrscheinlich die ganze Stadt hinter uns her und nicht nur die halbe. Sobald wir wieder im Lagerhaus sind, könnt Ihr Euch umziehen. Und dann solltet Ihr auch diese Tracht loswerden.“
 
Die Angesprochene nickte nur und tat wie ihr geheißen wurde. Vernita nickte daraufhin ebenfalls zustimmend.
 
„Also los“, bemerkte die Elfe dann noch, bevor sie mit den anderen die Stube verließ, zuvor aber noch einen letzten Blick auf die Leichen Lucias und Castillás sowie auf den immer noch gelähmten Neranos warf. Dann trat auch sie auf den Korridor und schloss noch die Tür hinter sich.
 
Gemeinsam schlichen die drei durch die menschenleeren Gänge der Kirche, bis sie schließlich und endlich wieder auf dem Hinterhof ankamen, um dort ein letztes Mal über die besagte Mauer zu klettern. Leanora tat sich dabei mit ihrer langen Robe etwas schwer, schaffte es dann aber doch ohne die Hilfe der anderen beiden, dieses Hindernis zu überwinden. Auf der anderen Seite angelangt übernahm Vernita sogleich die Führung, als die drei sich auf den Weg zum Hafen machten.
 
Sie verließen gerade das Marktviertel der Stadt, als sie hörten, dass jemand auf sie zukam. So lotste Vernita die beiden Frauen in eine dunkle Ecke, in der sie sich verbargen und dabei die Straße beobachteten. Doch wie sich herausstellte, handelte es sich bei den beiden Personen lediglich um Lydia und Sha’ira, die hier gemeinsam durch die Nacht streiften. Und beide sahen ziemlich mitgenommen aus. Sofort trat Vernita aus dem Schatten heraus und stellte sich den beiden in den Weg.
 
„Was macht ihr denn hier? Warum seid ihr nicht bei Neria im Lagerhaus?“ fragte sie überrascht und auch etwas lauernd, während sie sich nach etwaigen Verfolgern umsah. „Und wie seht ihr eigentlich aus? Gab es etwa Ärger? Sprecht schon!“
 
 

#2144
SickOfItAll

SickOfItAll
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Lydia hatte das Gefühl , das sie beobachtet wurden . Und es bewahrheitete sich . Sie wollten gerade in die große Gasse zum Marktviertel einbiegen , als jemand aus dem Schatten eines Türsturzes vor sie trat . Sie riss reflexartig ihr Schwert aus der Scheide , doch da erkannte sie , das es bloß Vernita , Miandra und Leanora waren , die vor ihnen standen . Vernita redete auch sogleich hektisch auf sie ein .

" Was wir hier tun ?! Wir laufen um unser armseliges Leben verdammt ! Das Lagerhaus ist überrannt , wir haben ein ganzes Battalion der Stadtwachen zu Fleischbrei verwandelt , Neria am Hafen verloren und das Lagerhaus abgebrannt . Und wenn wir hier allesammt lebendig rauskommen wollen , dann sollten wir sehen , das wir möglichst schnell möglichst weit weg kommen . Am Lagerhaus war ein Qunari , aber der hat sich verflüchtigt , als wir einen seiner irren Kumpanen geschlachtet haben . Neria wurde aus der Nacht heraus zielsicher ins Hafenbecken geschessen ... ich glaube , sie hat es nicht geschafft . Um eure Frage zu beantworten , Ärger ist eine maßlose Untertreibung . Habt ihr einen guten Vorschlag , oder wollen wir uns hier auf der Gasse erschlagen lassen ?! " fauchte Lydia ihr entgegen und steckte ihr Schwert wieder weg .

" Ich weis nicht , ob wir tatsächlich einen der famosen Söldner erschlagen haben , aber er klang nach einem Orlaisianer . Und gekämpft hat er wie ein Irrer . Neria hat ihn dann zerrissen und Sha´ira hat ihm den Rest gegeben , aber dann mussten wir fliehen . Wir haben grade das nötigste und wichtigste dabei . Das Lagerhaus wird wohl in Flammen aufgegangen sein . "

Misstrauisch sah Lydia sich um und lauschte nach Rufen und Fußtritten . Sie hatte das Gefühl , das die Wachen ihnen dicht im Nacken saßen ...

#2145
Kaysallie

Kaysallie
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Miandra folgte Vernita, dicht gefolgt von Leanora, aus der Kirche. Niemand trieb sich zu dieser scheinbar späten Stunde in den kühlen Klostermauern umher, doch auch wenn sie sich immerzu umsah, so war sie nicht völlig bei der Sache. Sie war verwirrt von ihren eigenen Reaktionen und Gefühlen, und versuchte sich darüber klar zu werden.

Miandra wusste doch schon seit einiger Zeit, welche Gefühle Vernita für sie hegte, doch gerade vorhin schien sie diese erst wirklich gespürt zu haben. Es waren nicht mehr einfach nur irgendwelche Worte, die für sie keinen Sinn ergaben oder die in ihr das Gefühl aufkommen ließen davon laufen zu wollen. In jeder Silbe steckte eine solch starke Kraft und Ehrlichkeit, wie sie diese nie zuvor aus irgendeinem Mund gehört hatte. Und sie fühlten sich gut an, ohne es in Frage zu stellen. Nein, sie fühlten sich mehr als nur gut an. Sie schienen in ihre Seele zu fließen, direkt in die unzähligen Risse die diese hatte, in jede tiefe Furche und in jeden noch so kleinen Spalt, wie wohliger Balsam der diese verschließen und ihr Frieden bringen wollte. Noch nie hatte sie irgendwelchen Worten so viel Aussagekraft beigemessen. Ja, es war schön solche Worte spüren zu dürfen.

Doch dies war nicht das einzige Gefühl, welches in ihr ausgelöst wurde. Irgendwie schien ihre Seele urplötzlich nach mehr davon zu schreien, als hätte diese ihr ganzes Leben darauf gewartet diese Worte kosten und schmecken zu dürfen. Doch sie schien bei Weitem noch nicht gesättigt zu sein, sondern nach mehr davon zu dürsten und sich zu sehnen. Und dieses fremde, aber eigentlich so einfache Gefühl, verstand Miandra nicht so recht.

Wäre da nur nicht diese elende Erschöpfung gewesen, die Miandra seitdem sie aus dem Nichts zurückgekehrt war auf den Knochen lastete, welche sie erneut spürte als sie sich an der Mauer abseilte und ihre Füße auf den Boden glitten, so wäre es ihr vielleicht einfacher gefallen über all das nachzudenken.

Innerlich freute Miandra sich daher schon darauf bald wieder in dem Lagerhaus sein zu können. Es roch dort zwar modrig und nach faulem Fisch und die Holzwände waren undicht, so dass einem ständig ein kalter Wind im Nacken saß, doch immerhin könnte sie sich dort mit einem halbwegs ruhigen Gewissen hinlegen und ausruhen. Sie sehnte sich so sehr nach Ruhe und Schlaf wie schon lange in ihrem Leben nicht mehr. Eigentlich war sie anstrengende Tage die voller Ärger und Arbeit waren ja gewohnt, doch diese Erschöpfung ging tiefer als jene die sie gewohnt war. ‚Lebensenergie‘ nannte es der Blutmagier, und genauso fühlte es sich auch an, als hätte man ihr einen Teil ihrer Energie entzogen und sie regelrecht ausgesaugt.

Ihre Gedanken drifteten plötzlich zu ihrer letzten Nacht in dem Lagerhaus zurück, wobei sich ein leicht verträumtes Lächeln auf ihre Lippen legte. Nie zuvor hatte sie die Nähe einer anderen Person gesucht, wenn es darum ging sich einfach nur schlafen zu legen, eher war sie froh darüber das Gegenteil zu bekommen - Einsamkeit und Ruhe. Doch es hatte ihr auch nie zuvor jemand die Art von Nähe gegeben, die sie scheinbar so dringend suchte. Und das eigenartige und zugleich schönste Gefühl an diesem Gedanken war, dass sie diese Nähe nicht nur suchte sondern auch gab. Ja, sie fühlte sich wirklich gebraucht, benötigt und nicht unnütz oder belastend.

Trotz der eisigen Kälte dieser Nacht breitete sich Dank dieser Gedanken eine angenehme Wärme in ihrem Körper aus, und als sie sich schließlich dabei erwischte, dass sie die gesamte Zeit über nur eben diesen nachhing, schüttelte sie ihre Träumereien zur Seite, bevor diese noch ausarten würden.

Nur einen kurzen Augenblick später, deutete ihnen Vernita auch schon sich in einer Ecke zu verstecken. Miandra beobachtete aus dem Schatten der Mauer wer sich ihnen da näherte, und hielt dabei sogar schon ein Wurfmesser in der Hand, doch als sich die beiden Unbekannten als Lydia und Sha´ira entpuppten, steckte sie das Messer wieder weg und lauschte dem was das Mädchen sagte.

Ein schwerer Seufzer entrann ihrer Kehle als ihr die Situation klar wurde. Geplatzt war der Traum von Ruhe, Schlaf, Erholung und… Geborgenheit in halbwegs sicheren Wänden. Scheinbar hatten die beiden Gören die halbe Stadtwache aufgescheucht und auch noch direkt in ihre Richtung gelenkt. Dass die Magierin dabei scheinbar ihr Leben ließ, berührte sie nur kaum. Diese war ohnehin immer nur für Streit und Aufsehen verantwortlich… nur war es schade um ihre Heilzauber. Aber im Kampf schien sie wohl wenig getaugt zu haben, wenn sie nun bereits ihr Dasein im Nichts fristete. Irgendwie dachte Miandra immer, dass Magier stärker wären, aber irgendwie verschwanden diese immer auf suspekte Weisen von der Bildfläche.

„Kennt irgendwer von euch einen Ort an dem man sich vor denen verstecken kann? Zumindest für kurze Zeit? Irgendwas?“ fragte sie mit hektischer aber gedämpfter Stimme als sie leises Scheppern über den schlafenden Dächern von Denerim hören konnte, und sie dabei lauschend durch die Gegend blickte, bevor ihr Blick bei Vernita hängen blieb.

Modifié par Kaysallie, 29 août 2011 - 08:21 .


#2146
Bellandyrs

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"Neria ist tot?" fragte Leanora ehrlich entsetzt. Sie konnte es kaum glauben, die einzige der Gruppe, mit der sie so etwas ähnliches wie Freundschaft geschlossen hatte, sollte tot im Hafenbecken liegen? Das durfte nicht wahr sein!

Allerdings presste sie ihre Handfläche auf ihren Mund, um einen Lachanfall zu unterdrücken, als Lydia erwähnte, dass das Lagerhaus in Flammen aufgegangen war. Nachdem die drei wohl zuvor in Kämpfe verwickelt waren, hatte Neria sicherlich nicht an ihre Tasche mit Tjarks Habseligkeiten gedacht. Wie meinte er, als er im Nichts zu ihr sprach? Sie solle seine Bücher verbrennen und ihn vergessen? Somit wurde sein letzter Wunsch tatsächlich erfüllt, wenngleich auch nicht durch ihre Hand.
Sie wandte sich kurz an Lydia: "Hatte Neria meine Tasche dabei, als ihr geflohen seid?"

#2147
SickOfItAll

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" Ich ... ja , ich denke . Sie wurde aus dem Nichts von einem Pfeil getroffen und ist ins Hafenbecken gestürzt . Ich ... wollte sie retten , aber es war ... zu spät . Vielleicht hat sie es geschaft und ist herausgekommen und hat sich geheilt , aber ich ... ich weis es nicht . So leid es mir tut , ich weis es nicht Lea . "

Lydia blinzelte die Tränen aus den Augen und lächelte Leanora an . " Ja , wir haben uns ein wenig warm gemacht . Wenn auch unfreiwillig . Aber das Lagerhaus wird mit Mann und Maus ausgebrannt sein . Ich weis nicht , ob deine Tasche dabeiwar . "

Lydia schreckte hoch . Sie bildete sich ein , Rüstungsgeklapper zu hören . " Um zu einem neuen Platz zum rasten zurückzukommen Miandra , ich habe eine Idee . Sie wird , wenn sie denn aufgeht , uns lange Zeit Schutz und Unterkunft bieten , ist aber gewagt . Wir müssen zurück zum Hafen . Ja Vernita , schau mich nicht so an , ich weis das es verrückt klingt , aber wenn ihr zustimmt , alle zustimmt , dann würde ich sagen , sehen wir uns das an ! "

#2148
Aliens Crew

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„Neria ist also tot“, murmelte Vernita, während sie sich nachdenklich das Kinn rieb. Diese Neuigkeit berührte die Elfe eigentlich nicht wirklich, immerhin hatte die Magierin für ziemlich viel Ärger gesorgt, seitdem diese zur Gruppe gestoßen war. Trotzdem hätten sie deren Fähigkeiten in den kommenden Kämpfen sicher gut gebrauchen können. Nun, es half nichts. Sie musste überlegen, wie es nun weitergehen sollte.
 
„Einen sicheren Unterschlupf…“, wiederholte sie Miandras Worte. Angestrengt dachte sie darüber nach und schaute dabei gen Himmel, als plötzlich Lydia wie ein Wasserfall zu reden begann.
 
„Zum Hafen? Haben sie dir bei deinem letzten Kampf dein letztes bisschen Hirn aus dem Schädel geprügelt, oder was?“ fragte Vernita erbost und mehr als nur ungläubig. „Da dürfte es inzwischen vor Soldaten nur so wimmeln, die dort jeden Stein umdrehen, um uns zu finden! Was in Namen aller Erzdämonen erwartest du dort zu finden, abgesehen von unser aller Ende natürlich?!?“
 
 

#2149
Kisu

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Sha´ira hatte bis jetzt noch nichts gesagt. Vernita und Lydia verstanden sich nicht, das wusste sie schon. Aber langsam ging es ihr auf die Nerven. Sie war ja geduldig, aber Vernita schaffte es sie wirklich aufzuregen.

" Um das ganze abzukürzen, ja, zum Hafen. Lilly hat gestern ein altes Schiff dort entdeckt. Es ist nicht wirklich groß, aber für uns fünf wird es genau groß genug sein um es auch zur Not selbst steuern zu können. Wir wissen nicht in welchem Zustand es ist , aber von außen sieht es noch vollständig intakt aus, wenn auch verlassen. "

Sha´ira lauschte nach Geräuschen , bevor sie eilig weitersprach .
" Wir wissen, wo es liegt, es ist nicht weit von hir, aber ein ganzes Stück vom Lagerhaus entfernt. Wir sollten Patroullien eigentlich problemlos umgehen können. Also, was ist nun, gefällt euch die Idee oder nicht? Zur Not kommen wir von dortaus weg, so es die Situation erfordern sollte. Aber denkt einen schritt schneller, sonst enden wir mit dem Gesicht nach unten im Straßengraben! "

#2150
Kaysallie

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Miandra musterte einen kurzen Augenblick Lyida und Sha´ira mit einem leicht verwirrten Blick. An deren Kleidungsstücken, Rüstungsteilen und Haut waren noch deutliche Blutspuren eines Kampfes zu sehen. Sie sagten, die Stadtwache hätte das Lagerhaus gestürmt, und die Söldner sollen ebenfalls dort gewesen sein, die es sogar geschafft haben sollen eine Blutmagierin auszuschalten die vom Inquisitor höchst persönlich gejagt wurde? Und nun wollten die beiden dorthin zurück um ein angeblich verlassenes Boot oder dergleichen als Unterschlupf zu verwenden?

So starrte sie die beiden ungläubig an, bevor sich ihre Gesichtszüge veränderten und sie in schallendes Gelächter ausbrach aus dem sie gar nicht mehr herauskommen wollte, wobei sie sich eine Hand vor dem Mund hielt um es etwas zu dämpfen. Nachdem sie sich jedoch ein wenig beruhigt hatte, ging sie immer noch lachend, und sich Tränen aus den Augen wischend, den Weg entlang.

„Also ich gehe jetzt in die nächste Taverne die mir unterkommt, nehme mir dort ein Zimmer und werde mich zusätzlich dort betrinken. Das kommt wahrscheinlich aufs selbe hinaus, doch dort hab‘ ich wenigstens ein Bett für meinen letzten Schlaf den ich auf dieser gottverlassenen Welt austragen werde, sowie genug Alkohol der mir meine Schmerzen nehmen kann, bevor mich die Schwerter der Stadtwachen und Söldner aufspießen. Außerdem ist der Weg bis dorthin bestimmt kürzer“, sagte sie dabei sarkastisch mit einem breiten amüsierten Grinsen, bevor sie einige Schritte weiter entfernt von der Gruppe stehen blieb und sich umwandte.

„Noch so gute Vorschläge? Wenn ja, dann sagt es gleich, denn dann gehe ich lieber jetzt sofort, sonst wirkt der Alkohol nicht rechtzeitig…“ seufzte sie dabei, bevor sie sich kopfschüttelnd die Augen mit zwei Fingern rieb und Unverständliches in sich hinein murmelte. Innerlich fluchte Miandra, dass ihr diese Stadt so fremd war und sie nicht wirklich selbst darüber nachdenken konnte, welcher Ort nun der beste und sicherste wäre um sich zu verstecken... zumindest bis sich der Stadtwachentrubel ein wenig gelegt hat… zumindest so weit, dass sie in diesen leerstehenden Laden gehen konnten, um nachsehen zu können ob dort noch immer Kinder versteckt wurden. Plötzlich fuhr ihr ein kalter Schauer den Rücken hinab, als ihr klar wurde, wie wenig Zeit sie doch eigentlich hatten. Irgendwie stand alles gegen sie, seitdem sie über die große Schwelle des Tores von Denerim getreten war, und ein neues leises Seufzen entrann ihrer Kehle.

Modifié par Kaysallie, 30 août 2011 - 05:09 .