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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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#2226
Bellandyrs

Bellandyrs
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Leanora hatte ihren Dolch und das Schwert den ganzen Weg über krampfhaft umklammert, als hätte sie bereits dort mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Ihre Nerven waren zum Zerreissen angspannt, so dass sie froh war, als sie endlich doch auf Gegner stießen.

Sie zögerte nicht lange, lief hinter Vernita in den Raum und erfaßte schnell die Situation. Einer dieser Typen hatte es wohl auf sie abgesehen, denn mit lüsternem Gesichtsausdruck schritt er fast im Zeitlupentempo auf sie zu. Diese Tour würde sie ihm jedenfalls vermasseln, das stand fest.

"Wen haben wir denn hier?" fragte der Kerl sabbernd. "Weib, Du brauchst kein Schwert, kannst doch eh nicht damit umgehen. Wenn Du was großes in der Hand halten willst dann kann ich Dir das auch bieten." Dreckig lachte er und trat noch einen Schritt auf Lea zu.

Mit Eiseskälte blickte Lea den Mann an und fragte: "Ach wirklich? Na dann bin ich gespannt was Du so drauf hast, Du dreckiger Hurensohn". Eigentlich war sie selber über ihre Ausdrucksweise erstaunt, aber darüber konnte sie sich später noch immer Gedanken machen.

Sie hob ihre Waffen an und holte zum ersten Hieb aus, welcher ihn an der Seite erwischte. Überrascht blieb er eine Sekunde stehen, bevor er wütend wurde und zu kämpfen begann. Zwischen zusammengebissenen Zähnen zischte er: "Du Dreckschlampe, das wirst Du mir büssen, und danach wirst Du mir willig sein!"

Lea hörte ihm gar nicht zu sondern konzentrierte sich auf seine Bewegungen. Geschickt setzte sie Hiebe und Stiche, wich mit ihrer eleganten Art den feindlichen Kontern aus und kämpfte konzentriert weiter. Vernita hatte Recht, es war beinahe so ähnlich wie die Übung mit dem Rapier. Das Schwert war zwar schwerer, aber dafür um so treffsicherer und präziser als die andere Waffe, mit der sie damals gefochten hatte.

Kurz danach machte ihr Gegenüber einen entscheidenden Fehler: er verhaspelte sich, als er sich nach rechts wegdrehen wollte, knickte dadurch leicht nach vorne und Leanora hatte ein ungeschütztes Genick nebst linker Schulter vor sich. Kurzerhand stieß sie mit voller Wucht den Dolch von oben in den Rumpf, der Mann schrie schmerzerfüllt auf und ließ seine Waffe fallen, um sich die Wunde zu halten. Dies war ein weiterer Fehler, dadurch war nun auch sein Hals ungeschützt, und Lea nutzte die Gelegenheit und schnitt ihm kurzerhand die Kehle durch.

Schnell wich sie der Blutfontäne aus, der Wächter fiel röchelnd zu Boden.

"Das blutige Ende wird langsam zur Angewohnheit," murmelte sie vor sich hin. Dann blickte sie dem Sterbenden in die Augen und fügte hinzu: "Sei froh dass ich Dir nicht Deine Männlichkeit abgeschnitten habe." Sie kicherte leise auf und wandte sich dem nächsten Gegner zu.

Modifié par Bellandyrs, 26 septembre 2011 - 06:09 .


#2227
SickOfItAll

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Vernita stürmte den Raum und trat einen Tumult los. Wächter sprangen auf und griffen zu ihren Waffen, Stühle fielen klappernd zu Boden und alsbald lagen die ersten Toten dazwischen. Vernita hatte sich prompt auf zwei Wachen gestürzt, aber dabei den Rest wohl einfach übersehen. Lydia warf die Fackel zwischen zwei Wachen und sprang nach.

Die Wachen sprangen auseinander. Der Eine hatte gerade seine Armbrust abfeuern wollen, aber der Bolzen flog nach Oben und blieb in einem Deckenbalken zitternd stecken. Geschwind setzte sie nach und versuchte ihn im Nahkampf zu erwischen. Er warf die Armbrust von sich und grif nach seinem Schwert, aber da war Lydia schon bei ihm. Kraftvoll schlug sie von oben zu und trennte ihm den Arm am Ellenbogen glatt und sauber ab. Mit dem nächsten Schlag hieb sie ihm quer über die Brust. Blut quoll aus der tiefen Wunde und der Wächter fiel vornüber und blieb reglos auf dem Boden liegen.

Modifié par SickOfItAll, 30 septembre 2011 - 05:47 .


#2228
Aliens Crew

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Der junge Wächter schien sich nicht einmal wehren zu wollen, als Vernita brüllend auf ihn zustürzte. Er wirkte recht unscheinbar. Sein kalkweißes Gesicht sah irgendwie nichtssagend aus. Hätte die Elfe in dieser Situation nicht nur gehandelt, sondern auch gedacht, dann hätte sie sicher den Eindruck gewonnen, dass dieser Jüngling gerade mal von seiner Mutterbrust entwöhnt worden wäre. Doch das spielte jetzt keine Rolle mehr. Er stand Vernita im Weg und dafür würde er sterben. Das war alles, was zählte.
 
Der Junge hob seine rechte Hand, so als wollte er damit die rasende Elfe stoppen, doch das kümmerte diese wenig. Mit einem wuchtigen Hieb durchtrennte ihr Schwert die Finger der Wache, welche einer nach dem anderen zu Boden fielen. Der Jüngling schrie schmerzerfüllt auf, während Vernita sich um ihre Achse drehte und noch aus der Drehung heraus zustach. Ihr Kurschwert zischte durch die Luft, bevor es das Kettenhemd des Mannes durchstieß und sich tief in dessen Brust bohrte. Der Junge stöhnte erstickt auf, während er zwei Schritte zurücktorkelte.
 
Die Elfe setzte sofort nach, wobei sie dem Jüngling mit einem sauberen Streich die Kehle aufschlitzte. Blut schoss aus der Wunde, welche der Junge mit den Händen zudrückte, so als könnte er damit dem Unvermeidlichen entgehen, während er röchelnd auf die Knie sackte. Mit einem verächtlichen Ausdruck auf dem Gesicht, stieß Vernita ihr Opfer mit einem Tritt zu Boden, wo sie ihn zum Sterben zurückließ.
 
Dicht neben ihr bemerkte sie nun auch Lydia, die gerade den Armbrustschützen niederstreckte. Doch schon stürzte sich eine weitere Wache mit erhobenem Schwert auf das Mädchen. Die Elfe reagierte sofort, kreiselte auf der Stelle herum, wobei sie aus der Drehung heraus noch eines ihrer Kurzschwerter dem Angreifer entgegen schleuderte.
 
Die Waffe überschlug sich zweimal in der Luft, bevor sie sich knapp oberhalb des Kettenhemdes in den Hals des Mannes vergrub. Erstickt schrie der Wächter auf, während er zur Seite torkelte, gegen die Kante einer Pritsche stolperte und rücklings auf diese krachte. Das Schwert entglitt dabei seiner Hand und landete klirrend auf dem Boden. Der Mann selbst röchelte qualvoll sein Leben aus, während sein Blut die gesamte Liege rot färbte.
 
Nachdem sie sich durch einen raschen Blick davon überzeugt hatte, dass auch alle anderen Wachen getötet worden waren, nahm sie sich die Zeit den Raum genauer zu untersuchen. Und dabei fiel ihr gleich die Tür auf, welche sich neben dem Wasserfass befand. Tief atmete die Elfe mehrmals durch, bis sie sich von ihrem Blutrausch erholt hatte.
 
„Anscheinend müssen wir dort hinein“, meinte sie zu anderen gewandt und nickte dabei in Richtung der Tür. „Lasst uns nachsehen, was diese Hundesöhne zu bewachen hatten.“
 
Vernita ging langsam zu der Leiche des Wächters, welcher zusammengesackt auf der Pritsche lag und zog ihr Schwert mit einem kräftigen Ruck aus dessen Hals heraus. Anschließend übernahm sie erneut die Führung und positionierte sich hinter dem neu entdeckten Durchgang. Sie wartete noch auf die anderen, bevor sie den Türgriff herunterdrückte und die Tür mit einem leichten Fußtritt öffnete. Langsam schwang diese auf, wobei sie ein quietschendes Geräusch von sich gab. Und was sich der Elfe im Raum dahinter im flackernden Schein einiger Pechfackeln bot, war kaum vorstellbar.
 
Es handelte sich offenbar um einen provisorischen Arrestbereich. An den Decken und auf dem Boden standen beziehungsweise hingen mehrere Käfige aus stabilem Stahl, in welche man höchstens eine Person hineinquetschen konnte. Einige schwere Ketten an den Wänden rundeten das Bild noch ab. Es roch nach Urin, Fäkalien, Schweiß, Tränen und Blut.
 
In einem dieser Zwinger hockte ein kleiner, blondhaariger Junge, höchstens sechs Jahre alt, welcher nur eine zerrissene Hose am Leib trug. Sein Körper war bis auf die Knochen ausgemergelt und wies zahlreiche Hämatome auf, die teilweise von Schmutz überzogen waren. Seine Gesichtszüge wirkten ausdruckslos und waren geschwollen, während seine grauen Augen leer auf den Boden starrten.
 
„Leanora! Lydia! Kümmert euch um den Kleinen!“ sagte Vernita zu den beiden, während sie ihren Blick weiter kreisen ließ und dabei auf den hinteren Teil des Raumes fiel…auf den Bereich des Willensbrecher.
 
Das Erste, was die Elfe sah, war ein großer Richtblock, in dem ein mächtige, blutverschmierte Axt steckte und im Licht der Fackeln aufblitzte. Der Block selbst war ebenfalls mit Blut besudelt, welches sich in einer angetrockneten Lache auf dem Boden gesammelt hatte. Daneben standen zudem noch eine Streckbank und ein Tisch mit diversen Folterutensilien. Doch dies alles verblasste gegenüber dem, was Vernita und die anderen in der Mitte dieses Kellerloches vorfanden.
 
An zwei Ketten, die von der Decke herunter baumelten, hing der offenbar leblose Körper eines Mädchens. Ihr nackter Rücken war über und über mit zahlreichen blutigen Striemen und aufgerissenen Wunden bedeckt. Der Kopf des Mädchens hing kraftlos nach vorne geneigt, die langen schwarzen Haare verdeckten dabei vollständig ihr Gesicht. Nur aus ihrem Mund tropfte nach wie vor Blut, welches sich auf den Boden in einer kleinen Pfütze sammelte.
 
Selbst der Elfe stockte bei dem Anblick der Atem, da er sie an ihre eigene, schmerzhafte Vergangenheit erinnerte. ‚Hier. Damit du deine Beißerchen nicht verlierst! Fang an!’ hallten Fentos Worte in ihrem Kopf wider, gefolgt von dem Klatschen des ersten Peitschenschlages auf ihrem Rücken. Dabei sah sie aber nicht sich selbst vor ihrem geistigen Auge, sondern das Mädchen, welches dort vor ihr angekettet worden war.
 
Ein weiterer Tropfen Blut löste sich aus Mund der Kleinen und fiel wie in Zeitlupe auf den Boden, wo er leise plätschernd landete. Vernita hörte in ihrem Innern das Zischen des Brandeisens, wobei sich unwillkürlich ihr Rücken zusammenzog und ihre Narben zu jucken begannen, während ein sich weiterer Tropfen aus dem Mund des Mädchens seinen Weg zur Erde bahnte.
 
Das Klopfen eines Hammers auf einen Eisennagel ließ den Körper der Elfe leicht erzittern, während sie krampfhaft ihre Schwerter umklammerte, um sich selbst unter Kontrolle zu halten. Und vor ihrem Auge sah sie nur zu deutlich, wie das Mädchen ausgepeitscht wurde, wie es schrie, wie es winselte und weinte, während diese kranken Bastarde ihr lachend mit der Peitsche und anderen Dingen unvorstellbare Qualen bereiteten. So wie es andere Sadisten vor so vielen Jahren mit Vernita selbst getan hatten.
 
Und plötzlich stieg auch eine unbeschreibliche Angst in ihr empor. Eine Angst, zu spät gekommen zu sein. Eine Angst, versagt zu haben. Eine Angst, Miandras Tochter dort vor sich zu sehen, die Person, welche sie sich und der schwarzhaarigen Frau geschworen hat, zu retten.
 
„Miandra…das solltest du dir ansehen“, hauchte sie nur leise, kurz davor ihre Stimme zu verlieren. Sie ließ ihre Schwerter sinken, während sie ganz langsam auf das Mädchen zuging, in der Hoffnung, dass es sich dabei nicht um Elana handelte.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 01 octobre 2011 - 12:20 .


#2229
Kaysallie

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Der Körper der Wache vor ihr ging mit einem krachenden Laut zu Boden. Nur noch kurz starrten dunkle braune Augen zu ihr empor, durchzogen von Angst und Hass. Die Unterlippe des Mannes zitterte, Blut floss rasend schnell aus der tiefen Wunde seines Halses, im Gegenzug nur langsam und in geringem Maße aus seinem Mund und ließ seine Zähne in eine rote Farbe tauchen. Ein letzter kaum hörbarer Atemzug, verbunden mit einem kratzenden Röcheln, womit er sein Leben aushauchte. Der Kopf kippte weiter zur Seite, die Augen starrten leer geradeaus, erlöst von jeglichem Schmerz und Hass. Ob sein Geist nun ins Nichts gekehrt war? Eine Frage die sich Miandra tatsächlich stellte, während sie das Blut, welches auf dem Dolch haften geblieben war, an ihrem Mantel abstreifte.

Kurz darauf glitt ihr Blick durch den Raum. Alle anderen Wachen waren ebenfalls tot, und keiner von ihrer Gruppe schien Schäden davon getragen zu haben - zumindest keine äußerlich sichtbaren. Kurz blieb ihr Blick bei dem toten Jüngling haften, dessen Gesicht noch immer von Angst geprägt schien, obwohl er längst tot war. Einen Moment fragte sich Miandra, ob das nicht ein Fehler gewesen war, doch nur kurz darauf vergaß sie den Gedanken wieder, als sie ebenfalls die Tür erblickte.

Sie trat mit den anderen vor diese, und starrte in den Raum, welcher sich langsam, verbunden mit dem Quietschen der Türe, vor ihr offenbarte. Miandra hatte mit allem möglichen, den grausamsten aller Dinge gerechnet, doch sie nun wahrhaftig vor sich zu sehen, war schlimmer als jeglicher Gedanke daran.

Für einen endlos erscheinenden Moment, in dem sie zu keinerlei Handlung fähig schien, starrte sie auf den abgemagerten kleinen Jungen, der - mehr tot als lebendig - eingesperrt in einen dieser Zwinger saß. Der Rest des Raumes verblasste für sie für diese kurze Zeit, bevor es ihr regelrecht einen Stich in der Brust versetzte und sie sich aus ihrer Starre löste. Zielstrebig ging sie auf das Gefängnis dieses Jungen zu, und versuchte es zu öffnen, doch die Gittertür war verriegelt.

„Alles wird wieder gut, wir holen dich hier raus“, sagte sie beruhigend zu dem Kind, doch dieses schien sie gar nicht wahrzunehmen, sondern starrte weiterhin aus seinen geschwollenen Augen auf irgendeinen unsichtbaren Punkt. So wollte Miandra sich gerade nach den Schlüsseln dieses Käfigs umsehen - oder nach etwas anderem womit man ihn öffnen könnte - als sie die heiseren Worte von Vernita hörte, welche schon weiter in den Raum vorgedrungen war.

Miandra blieb plötzlich mitten in der Bewegung wie zu Eis erstarrt stehen, als sie zu der Stelle hinübersah auf welche sich die Elfe zubewegte. Ein dicker Klos bildete sich in ihrem Hals, und nur mit Mühen gelang es ihr diesen herunterzuschlucken. Kalter Schweiß legte sich zu einem Film auf ihre nun blasse Haut, und ihr Magen war kurz davor sich umzudrehen. Ihr Kopf war leer, doch von ihrem viel zu schnell schlagendem Herzen schien sich ein ziehender Schmerz auszubreiten, der sich wie eine unsichtbare Kette um ihren Rücken wickelte, und diesen sowie ihre Lunge zuzuschnüren schien.

Eigentlich wollte Miandra den Blick wieder abwenden, als ihr gesamter Körper von so vielen tiefen Schmerzen erfasst wurde, doch sie konnte es nicht. Alles was sie für einige Sekunden tun konnte, war dazustehen und auf den jungen, blutüberströmten - und wahrscheinlich toten - Körper dieses Mädchens zu starren. Vergessen war der kleine Junge den sie gerade aus diesem Zwinger befreien wollte, verdrängt von einem plötzlichen Trieb, der wie ein Blitz in ihren Köper schoss.

Ergriffen von dieser Panik, lief sie weiter in den düsteren Raum hinein, direkt an Vernita vorbei, und kam schnaubend neben den Ketten an, an welchen der leblose Körper aufgehängt wurde. Bereits als sie neben dem blassen Mädchen stand, wollte ihr eine innere Stimme sagen, dass dies nicht ihre Tochter war - oder redete sie sich das nur ein? Hinter dem geschundenen Körper könnte jeder stecken… doch ehe sie sich weitere Fragen stellte, bückte sie sich zu dem Mädchen herunter und streifte ihm die schwarzen Haare aus seinem bleichen und kalten Gesicht. Ein zaghaftes, jedoch voller Wehmut geprägtes Lächeln, legte sich auf Miandras Lippen, als der Fackelschein das leere Antlitz des Mädchens erhellte, wobei sie gar nicht mitbekam, dass ihr bereits Tränen über die Wangen liefen.

„Wir sollten sie da runterholen“, sagte sie mit gebrochener Stimme, während sie mit ihrem Mantel behutsam das Blut von den Lippen des toten Mädchens streifte, bevor sie ihren Blick davon löste und zu Vernita hinübersah. Miandra erkannte sofort welche Frage schon auf der Zunge der Elfe lag, und so schüttelte sie nur leicht den Kopf. „Es ist nicht Elana, aber es könnte sie sein, nicht wahr?“

Mehr sagte sie dazu nicht mehr, sondern stand wieder auf, entfernte sich zwei Schritte von dem aufgehängten Leichnam des Mädchens und wandte den Blick für einige Augenblicke gegen eine dunkle Wand. Dabei stützte sie sich mit einer Hand an dem kalten Stein, während sie sich die Tränen mit zittrigen Fingern aus den Augen rieb, und mehrere Male tief durchatmete, um ihre Nerven wieder etwas zu beruhigen.

Modifié par Kaysallie, 01 octobre 2011 - 11:48 .


#2230
Kisu

Kisu
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Sha´ira verschlug es die Sprache. Sie befand sich ganz offensichtlich in einem Folterkeller. Hier wurden Kinder gefoltert. Getötet. Mitleidslos, gnadenlos. Sie verstand es nicht. Sie konnte es nicht verstehen. Wer würde solche Grausamkeiten Kinderseelen antun? Und warum würde er soetwas tun. Warum würde er soetwas wollen ? In ihrem Kopf überschlugen sich die Fragen. Sie zitterte. Vor Wut, vor Hass und unerträglichem Mitleid. Nur zu sehen, was hier einmal stattgefunden hatte schmerzte sie auf unerträgliche Art und Weise.

Aber am schlimmsten war für sie das Mädchen im Hinterzimmer. Es hing schlaff in den Ketten, Blutüberströmt, übersäht von Wunden, Hämatomen, Kratzern. Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie Vernita achtlos beiseite stieß und das Mädchen behutsam von ihren Fesseln löste und vor sich auf den Boden legte. Tränen tropften von ihrem Kinn hinab, als sie das Kind untersuchte. Die Augen des Mädchens waren geschlossen, der Mund leicht geöffnet, die Lippen aufgerissen und blass. Sie legte ihre Hand unter den Kopf des Mädchens und hob ihn sachte an. Eine ihrer Armschienen hielt sie ihr vor Mund und Nase. Und da regte sich etwas. Das Metall beschlug, ganz sachte beschlug es, dann war es wieder verschwunden und kam gleich darauf wieder.

Stotternd drehte Sha´ira sich um. "S-sie... sie lebt! Sie ... sie l-lebt ! " Sagte sie mit weit aufgerissenen Augen. Dieses Mädchen war durch die Hölle gegangen. Sie hatte in die tiefsten Abgründe dieser Welt gesehen und sie auf grauenvollste Art und Weise an ihrem eigenen Körper erfahren. Sie wurde gepeinigt, gedemütigt, grundlos gefoltert, und doch war sie noch am Leben. Eine schwache Kerzenflamme war nicht im Sturm erloschen, noch war sie am leben und Sha´ira wollte ihr helfen, komme was da wolle. Sie wollte nicht dafür verantwortlich sein, das in ihren Armen ein Kind starb.
" Gebt mir einen Mantel und etwas Stoff. Macht schnell, ich muss ihre Wunden verbinden. Vernita, habt ihr Alkohol bei euch? Oder andere Medizin? "
Sha´ira hatte es aufgegeben sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen und lies sie nun einfach laufen. Nun war es an ihr zu helfen und zu retten und sie würde tun, was in ihrer Macht stand.

#2231
Aliens Crew

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Vernita fiel ein Stein von der Schwere einer Burgmauer vom Herzen, als Miandra ihr sagte, dass es sich bei dem Mädchen nicht um Elana handelte. Das hätte sich die Elfe niemals verziehen. Langsam ging sie zu Miandra hinüber, welche sich an der Wand abstützte und sich die Tränen aus den Augen wischte.
 
„Ja, du hast recht“, meinte sie schließlich, als sie dicht vor der schwarzhaarigen Frau stand. „Das hätte Elana sein können. Aber ich glaube nicht, dass allen Kindern dieses Schicksal widerfährt. Dann würde es keinen Sinn machen, sie erst zu entführen, nur um sie dann anschließend zu Tode zu foltern. Nein, das wäre den Aufwand nicht wert. Vermutlich hat man die Kleine nur deshalb vor den Augen der anderen ausgepeitscht, um die anderen gefügig zu machen oder um ein Exempel zu statuieren. Oder es war lediglich ein Unfall.“
 
Vernita machte eine kurze Pause, in der sie Miandra tief in die Augen sah und ihr aufmunternd zulächelte. „Elana lebt, Miandra. Da bin ich ganz sicher. Du musst nur ganz fest daran glauben.“
 
Sie wollte noch mehr sagen, wurde aber gleich darauf von Sha’ira unterbrochen, welche steif und fest behauptete, dass das Mädchen noch leben würde. Das konnte die Elfe kaum glauben. Sie hatte schon unzählige Leichen gesehen, und sie war sich völlig sicher gewesen, dass dieses Mädchen eine davon war.
 
„Was sagst du da? Das kann nicht sein!“ rief sie sogleich lautstark und wandte sich von Miandra ab. „Lass mich mal sehen.“
 
Die Elfe ging neben der Kriegerin in die Hocke, welche das Mädchen von ihren Ketten befreit hatte und nun in ihren Armen hielt. Der Kopf der Kleinen lag seltsam schräg in ihrer Armbeuge und die Augen waren geschlossen. Zudem schien sich ihr schmaler Brustkorb nicht mehr zu bewegen.
 
Vernita steckte ihre Schwerter weg und zog einen ihrer Panzerhandschuhe aus. Anschließend legte sie ihre flache Hand auf die Brust des Mädchens und suchte nach deren Atmung und dem Herzschlag. Doch da war nichts. Keine Regung. Kein Geräusch. Keine Wärme...nur das kalte, nackte Fleisch einer geschundenen Kreatur. Mit den Fingernspitzen hob sie das Lid ihres rechten Auges, welches sie daraufhin bewegungslos und völlig stumpf anblickte. Jeglicher Glanz war aus ihm gewichen, wie aus dem Augen einer Toten.

„Du musst dich irren“, meinte die Elfe resigniert. „Da ist nichts. Wahrscheinlich war es nur ein letzter Reflex. Eine Ansammlung von Luft in ihrer Lunge, welche du herausgepresst hast, als du sie von ihren Ketten befreit hast. Dieses arme Geschöpf hat es hinter sich. Für sie kommt jede Hilfe zu spät.“
 
Vernita stand wieder auf und legte Sha’ira eine Hand auf die Schulter. „Nimm es nicht so schwer. Die Kleine hat ihren Frieden gefunden. Zumindest hoffe ich das. Hier kannst du nichts mehr tun. Geh’ lieber rüber zu Leanora und Lydia und kümmere dich um den Jungen. Hier sind alle Anstrengungen vergebens. Der Tod hat dieses Mädchen bereits zu sich geholt. Uns bleibt jetzt nur noch die Rache an ihren Peinigern.“
 
Nach diesen Worten ließ die Elfe von Sha’ira ab, bevor sie sich wieder Miandra zuwandte. „Geht es dir wieder besser?“ fragte sie besorgt. „ Für einen Augenblick sah es so aus, als würdest du zusammenklappen.“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 02 octobre 2011 - 06:37 .


#2232
Bellandyrs

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Leanora drehte sich schier der Magen um, das kalte Grauen wollte sie packen, als sie die Folterkammer sah. Wie krank mußte man sein, um solch Taten auszuführen? Diese Frage hatte sie sich schon in Fort Drakon gestellt, aber dort noch damit abgetan, dass diese Männer dafür schließlich bezahlt wurden, um Recht und Ordnung zu bewahren. Aber das hier stand auf einem ganz anderen Blatt. Fassungslos starrte sie die Leiche des Mädchens an, welches zum Glück nicht Miandras Tochter war, bevor die Worte der Elfe doch noch ihr Gehirn erreichten.

Der Junge! Was mußte dieser armen Kinderseele nur alles angetan worden sein. Er machte nicht einmal einen verängstigten Eindruck, teilnahmslos traf es eher. Wahrscheinlich hatten ihn die Ereignisse so geschockt, dass seine Seele die einzige Möglichkeit darin sah, in Apathie zu fallen, bevor dieser Junge völlig wahnsinnig werden mußte.

Langsam trat sie auf den Käfig zu und redete leise auf den Jungen ein. Dabei versuchte sie wie zuvor Miandra, die Tür zu öffnen, aber auch ihr gelang dies nicht.
"Verdammt, hat jemand die Schlüssel dazu gesehen?" fragte sie in die Runde. "Einer der Wachen muß die bei sich gehabt haben!"

Vernita und Miandra waren jedoch am anderen Ende des Raumes, und Sha íra hatte sich völlig auf das leblose Mädchen konzentriert.

"Warte mein Kleiner, ich komme sofort wieder", sagte sie zu dem Kind und lief schnell zurück zu den Leichen, wo sie angewidert von dem Blutbad mit spitzen Fingern die Toten durchsuchte. Schließlich wurde sie fündig, jedoch nicht an einem der Leblosen, sondern am Boden unter den behelfsmäßigen Betten lag ein eisener Ring mit diversen Schlüsseln daran. Schnell hob sie ihn auf und eilte zu den anderen zurück.

Mit fahrigen Bewegungen probierte sie einen nach dem anderen aus, endlich hatte sie den richtigen erwischt. Mit einem quietschenden Geräusch gab das Schloß die Tür frei.
Der Junge starrte sie erschrocken an, und kroch ein Stück weiter zurück.

"Keine Sorge, wir tun dir nichts" versuchte Lea, das Kind zu beruhigen. Sie blickte an sich hinunter und mußte beinah gegen ihren Willen schmunzeln. Kein Wunder, dass der Junge verschreckt war, an ihrer Kleidung waren deutlich frische Blutspuren zu sehen, und auch ihre Gefährtinnen sahen nicht besser aus.
Verstand der Junge sie überhaupt? Möglich, dass dieser eine andere Muttersprache hatte. Sie wollte den Kleinen nicht noch weiter verschrecken, und überlegte, wie sie etwas Vertrauen gewinnen konnte. Also tat sie, was sie am besten konnte: sie begann zu singen, ein fröhliches einfaches Kinderlied.

Modifié par Bellandyrs, 02 octobre 2011 - 09:33 .


#2233
Kaysallie

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Miandras Blick folgte der Elfe als diese das Mädchen noch einmal in Augenschein nahm. Doch das Kind war tot, nur ein Fehlalarm der jungen Nevarerin… doch wahrscheinlich war es erst vor kurzem gestorben. Miandra spürte wie sich erneut alles in ihr verkrampfte als sie den geschundenen Körper in den Armen von Sha´ira sah, und so wandte sie den Blick wieder ab. Es war gut, dass dieses Mädchen ihren Frieden gefunden hatte, denn sie selbst wusste nur all zu gut, wie sehr man sich in solchen Momenten nach diesem sehnte… dennoch war der Gedanke daran keine wirkliche Genugtuung. Natürlich wäre es besser gewesen wenn all dies niemals passiert wäre. Niemand, und schon gar kein junges Mädchen hatte so etwas verdient.
Wobei… doch, diejenigen die zu so etwas fähig waren, hätten es wohl verdient.

Miandra seufzte schwer, und atmete dadurch den Geruch des Todes und der Qualen unbeabsichtigt tiefer ein. Für einen kurzen Moment glaubte sie ein Wimmern zu hören, doch dabei spielten ihr nur ihre Sinne einen Streich. Sie hoffte nur, dass Vernita recht hatte mit dem was diese vermutete, und dies hier nur eine Ausnahme war, um die anderen Kinder gefügig zu machen. Doch war das andere was mit ihnen geschah um so vieles besser? Ob Elana auch hier gewesen war, in einem dieser kleinen Käfige, dazu gezwungen dieses Schauspiel mit anzusehen? Irgendwo, weit weg von zu Hause, in einem dunklen Kerker unter der Erde… ganz alleine, ohne die Möglichkeit sich zu wehren.

Immer mehr Gedanken, die gerade vorhin vom Schock verschluckt waren, kamen wieder an die Oberfläche. Dabei schien dieser Folterraum urplötzlich immer dunkler und enger zu werden, als würden die Decke herabsinken und die Wände näher kommen. Ein Gefühl von Übelkeit kam in ihr hoch, und nur als sie bemerkte von Vernita angesprochen zu werden, wurde sie kurz aus diesem Tunnel der Gedanken und Gefühle gerissen. So starrte sie die Elfe nur kurz an, und nickte, bevor ihr klar wurde dass sie irgendetwas tun musste um all das zu verdrängen.

Daher setzte sie sich einfach wortlos in Bewegung und wollte zurück in den Raum gehen, in welchen die Wachen ihr Leben gelassen hatten. Dabei kam sie jedoch an Leanora vorbei, welche die Gittertür des Käfigs, in welchem der kleine blonde Junge saß, geöffnet hatte. Doch anstatt dass diese das Kind endgültig aus diesen Gittern befreite, stand sie nur davor und sang ein fröhliches Kinderlied, welches Miandra sogar zu kennen glaubte. Der Junge schien sie zwar wahrgenommen zu haben, dennoch starrte er verschreckt und verwirrt zu der blonden Frau vor sich. Auch Lydia stand nur da, und schien all das noch nicht verarbeitet zu haben - verständlich, immerhin war sie ja auch kaum älter.

Miandra ließ die Frau jedoch weitersingen und ging wie geplant zurück in den anderen Raum. Zielstrebig ging sie zu den Pritschen der Wachen, und sammelte zwei Leinendecken ein, wovon nur eine mit wenig Blut einer der Wachen bespritzt wurde. Sie hängte sich die Decken über den Unterarm und ging weiter zu dem Wasserfass. Kurz betrachtete sie die Wasseroberfläche, doch die Flüssigkeit schien verhältnismäßig rein zu sein. So sammelte sie einen Holzbecher vom Boden auf, der in der Hitze des Gefechts vom Tisch gefallen war, wusch diesen etwas mit den Fingern aus, und füllte ihn anschließend mit dem kühlen Wasser. Damit bestückt ging sie zurück zu Leanora und tippte ihr auf die Schulter, sodass diese ihr ohnehin fast am Ende angekommenes Lied beendete.

Bevor Miandra etwas sagte reichte sie der blonden Frau die sauberere Decke einfach entgegen. „Hier, holt ihn da raus und wickelt ihn darin ein, damit er nicht länger frieren muss… Aber setzt ihn bitte nicht neben eine der Leichen da draußen ab, ich glaube er hat schon genug Leid und Tod gesehen. Und dann versucht ihm etwas von dem Wasser zu geben, auch wenn er sich wehrt. Verstanden?“

Mit ihren letzten Worten drückte sie der Frau auch noch den Becher in die Hand, und fuhr ohne auf eine Antwort zu warten einfach fort. „Versucht es zumindest, ich werde Euch dann nachher dabei helfen, solltet Ihr es nicht hinbekommen.“

Mit diesen Worten wandte sie sich einfach ab und ging mit gesenktem Blick zurück zu Vernita, Sha´ira und dem toten Mädchen in deren Armen. Kurz starrte sie abwesend auf das leblose und blasse Antlitz des Kindes, dem erneut einige dunkle Haarsträhnen ins Gesicht gefallen waren. Dann fing sie sich wieder etwas und reichte wortlos die zweite Leinendecke zu der Nevarerin herunter.

Modifié par Kaysallie, 03 octobre 2011 - 01:38 .


#2234
Bellandyrs

Bellandyrs
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Lea beendete ihr Lied als Miandra ihr die Sachen in die Hand drückte. Wenigstens schien es nun so, als würde langsam die Neugier des Jungen zum Vorschein kommen und seine Angst etwas dämmen.

Mit langsamen Schritten ging Lea auf den Käfig zu, stellte den Becher am Boden ab und hielt das Tuch ausgebreitet vor sich.

"Nun komm raus, Junge, ich tu Dir sicher nichts", redete sie mit beruhigendem Ton auf das Kind ein, beinah so wie sie mit einem verschrecktem scheuen Pferd sprach.
Langsam streckte sie ihren Arm aus um dem Knaben zu helfen und sprach weiter ruhig auf ihn ein. Schließlich war ihre Hand nun im inneren des Käfigs, wo sie sich völlig ruhig verhielt. Sie wollte den Jungen nicht noch mehr verängstigen, er würde ihre Hand schon nehmen, wenn er bereit dazu war. Lea mußte auch gar nicht lange warten, bis sie die dürren kalten Finger auf ihrer Hand spürte.

"So ist es fein, warte, gemeinsam schaffen wir das schon." Sie legte sich die Decke mit ihrer linken über die Schulter und streckte auch den anderen Arm aus, um den Jungen herauszuheben. Sie war erschrocken, wie leicht er war. Noch während sie ihn in ihren Armen hielt schlug sie die Decke über seine Schultern, erst dann ließ sie ihn vorsichtig auf den Boden hinunter. Ungeachtet der Beschaffenheit setzte sie sich auf diesen und zog den Knaben auf ihren Schoß, wo sie ihm beruhigend über den Kopf strich und leise auf ihn einsprach. Mit der anderen Hand hob sie den Krug hoch und machte ihm den Inhalt schmackhaft.

Aber erst, als sie selber einen kleinen Schluck aus dem Gefäß nahm, traute sich der Junge und begann zu trinken.
"Na siehst du, ich sagte doch es ist reines Wasser", lächelte sie den Kleinen liebevoll an. Innerlich hoffte sie, dass es wirklich reines Wasser war und nichts anderes.

Sie war gespannt, wann er etwas sagen würde, Fragen stellte sie ihm jedenfalls genug. Wie alt er war, woher er kam, wie sein Name war, ob er Tiere mochte, und was ihr gerade alles einfiel. Aber sie war schon froh, dass er wohl langsam etwas Vertrauen gefaßt hatte und sein Körper sich etwas wärmer anfühlte als zu dem Zeitpunkt, wo sie ihn aus seinem Gefängnis befreit hatte.

Modifié par Bellandyrs, 04 octobre 2011 - 03:57 .


#2235
Kisu

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Langsam drehte sich Sha´ira zu Vernita um. Der Wahn schien ihr aus den Augen. Wut brannte in in ihr wie die Feuer in einem Schmelzofen.
" Nicht ... so schwer ... ? Wollt ihr mich verarschen ?! " Schrie sie , wirbelte herum und schlug Vernita mit ihrem Panzerhandschuh mitten ins Gesicht. Krachend traf sie der Schlag völlig unvorbereitet , harter Stahl mit der Wucht eines Hammers.
" Dann nimm das auch nicht so schwer ! "
Sie nahm die Decke von Miandra und hüllte das Mädchen darin ein. Ein Kinderleben verloren und sie konnte nichts tun. Sie konnte es nicht. Wenn sie sich selbst opfern würde, selbst dann wäre es nicht sicher, das das Mädchen wieder in diese Welt zurückkehren könnte.
Sie betrachtete das kleine Gesicht, die zarten Züge, die schmalen Lippen. Etwas in ihr zerbrach. Es zerbarst und splitterte wie eine Rose aus feinstem Glas, zerbrochen von einem Schmiedehammer. Sie hatte zu viel gesehen, zu viel Leid, zu viel Schmerz, zu viel Grausamkeit. Sie wollte nichtmehr sehen. Sie wollte wegsehen, am besten garnichtsmehr sehen. Kreischend begann sie zu weinen und zittern, sie scheukelte vor uns zurück, die Leiche des Mädchens auf ihrem Schoß.  Das war zu viel für sie.

Modifié par Kisu, 05 octobre 2011 - 05:41 .


#2236
SickOfItAll

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Sie konnte es nicht begreifen. Sie verstand es nicht. Viel Grausamkeit hatte sie schon gesehen, viel Leid schon erfahren, aber der Ort an dem sie sich gerade befand, schien nur aus Leid zu bestehen. Wenn sie sagen müsste, was für sie dem Nichts am nächsten kam, dann dieser Ort. Eine Folterkammer, in der Kinder, jünger als sie selbst, gefoltert und getötet wurden.

Sie schien sich nicht rühren zu können, nicht zu atmen, nichteinmal blinzeln schien ihr möglich. Sie fühlte sich klein und verletzlich. Und sie litt mit denen, die hier gefoltert wurden. Sie konnte die ihr dagebotenen Gräuel nicht einordnen, nicht verarbeiten, sie fand keine Erklährung, warum jemand soetwas tun würde.

Als Sha´ira aus dem Nebenzimmer zu kreischen bekann, kam Lydia wieder zu sich. Schnell lief sie zu ihr und fand sie auf dem Boden kauernd vor, weinend, die Leiche eines verstorbenen Mädchens auf ihrem Schoß. Sie fiel neben ihr auf die Knie, zog sie zu sich und drückte sie. Sie spührte, das Sha´ira daran gerade verzweifelt war und sie wusste, das es keine Hilfe mehr für das Mädchen gab. Hier war der Wahnsinn am Werk und er verschonte niemanden, nicht einmal sie selbst.

Modifié par SickOfItAll, 05 octobre 2011 - 05:46 .


#2237
Kaysallie

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Miandra beobachtete wie Sha´ira von Wut gesteuert Vernita ins Gesicht schlug, und anschließend nervlich völlig am Ende zu kreischen und weinen begann, dabei den in Stoff gehüllten Körper an sich drückend. Sie war von dem Anblick so gebannt und erstarrt, dass für einige Sekunden nichts weiter tun konnte als dazustehen. Doch nur kurz darauf eilte auch schon Lydia herbei und versuchte die junge Kriegerin offenbar zu beruhigen. Aber so wie für Sha´ira die Tatsache dass dieses Kind sein Leben gelassen hatte nicht mehr zu ertragen war, so konnte Miandra diesen Anblick nicht mehr länger ertragen und ihr wurde erneut übel. So wandte sie sich einfach wortlos ab, schenkte nicht einmal Vernita einen Blick um zu sehen wie schwerwiegend der Schlag ausgefallen war. Dies schien für sie in endlose Weite gerückt und schon wieder vergessen zu sein. Sie ging einfach zurück zu Leanora und dem Jungen, da sie die Adlige ungerne alleine mit einem Kind lassen wollte.

Außerdem gab es in ihren Augen keinen Sinn mehr diesem Mädchen zu helfen. Es war tot. Und dennoch störte sie der Gedanke daran nicht, dass die beiden … denen sie ebenfalls nicht zu helfen wusste… die Leiche vielleicht sogar mitnehmen würden, zumindest Sha´ira würde sie es zutrauen. Sie selbst hatte schon daran gedacht, den Gedanken jedoch wieder verworfen. Irgendwie wollte sie nicht, dass dieser Körper, der sie bei jedem Anblick an ihre eigene Tochter erinnerte, hier unter der Erde, an diesem furchtbaren Ort zurückblieb. Aber es gab auch noch eine weitere Abzweigung in diesem Tunnel unter der Erde, schließlich waren sie vorhin daran abgebogen. Wer wusste schon wie viele solcher Räume es hier noch gab? Und vor allem, wer oder was sich hier unten noch aufhielt. Miandra wusste noch nicht einmal so recht, wie sie den kleinen Jungen da mitnehmen sollten, und dies am besten noch so, dass er dabei nicht noch mehr schreckliche Dinge zu Gesicht bekommen würde, die sich für den Rest seines Lebens in sein Gehirn brennen würden.

Sofern er denn überhaupt überleben würde.

Doch die Leiche des Mädchens? Es wäre… unnötiger Ballast. Miandra musste bei dem Gedanken schlucken, doch es war nun einmal so. Sie war eine leblose Hülle, ohne Geist, ohne Seele. Nicht mehr fähig Schmerzen zu spüren oder Sonstiges. Und selbst wenn sie diese mitnehmen könnten, was sollten sie dann damit tun? Sie vergraben war hier mitten in Denerim nicht möglich… sie könnten sie vielleicht ins Meer werfen, aber der Gedanke daran ekelte Miandra fast mehr, als sie hier unten zurückzulassen. Und verbrennen? Das war wohl mitten in Denerim zu auffällig für die Gruppe.

Miandra seufzte kaum hörbar und schüttelte diese eigenartigen Gedanken aus ihrem Kopf, als sie nur noch wenige Schritte von Leanora entfernt war. Kurz rieb sie sich noch die Augen, um dieses Bild von Sha´ira, Lydia und dem Mädchen ebenfalls aus ihrem Gedächtnis zu werfen - was ihr kaum gelang -, bevor sie sich neben die blonde Frau kniete, und den kleinen Jungen dabei so freundlich anlächelte, wie noch nie zuvor irgendjemanden seitdem sie auf dieser Reise war.

Zufrieden erkannte sie, dass er offenbar etwas von dem Wasser getrunken hatte. Dies war immerhin ein gutes Zeichen, ebenfalls wie die Tatsache dass er sie aus neugierigen, wenn auch noch etwas ängstlichen und müden Augen ansah.

„Ich sehe schon wir haben hier einen Kämpfer“, meinte sie weiterhin lächelnd zu Leanora und zwinkerte dem Kind zu, während sie ihre Hand ausstreckte und diese auf die Stirn des Jungen legte. Miandra wollte nach der Temperatur fühlen und ihn generell etwas untersuchen. Kurz zuckte er zusammen und gab einen leisen verschreckten Laut von sich, doch als er merkte, dass ihm nichts passierte, schien er sich wieder zu entspannen.

„Kein Fieber, das ist gut, jedoch immer noch viel zu kalt“, sagte sie nach einer kurzen Weile mehr zu sich selbst, zog kurz die Decke etwas zur Seite und betrachtete seine Haut, sowie seinen mageren Körper für einen Augenblick, bevor sie ihm die Decke wieder umwickelte und ihn darin regelrecht einpackte, sodass nur noch sein Kopf heraus sah. Dabei fluchte sie innerlich, dass es nur eine Leinendecke war, und keine Wolle, aber es war besser als nichts. Die meiste Wärme würde er wohl von Leanora bekommen, auf deren Schoß er saß.

„Einige der Blutergüsse sehen schlimm aus, doch er hat wenig offene Wunden. Ich würde ihn ja gerne waschen, aber das kalte Wasser können wir ihm jetzt nicht zumuten. Außerdem haben wir dafür nicht die Zeit… und das Licht denke ich“, führte sie ihren Bericht zu Ende, und setzte sich nun etwas bequemer knapp neben Leanora auf den Boden. „Mehr Sorgen macht mir, dass er etwas zu Essen bräuchte… am besten wäre eine warme Suppe, oder ein Eintopf… aber wo sollen wir sowas so schnell nur herkriegen? Ich selbst habe das letzte Mal vor…“

Ihr fiel es nicht mehr ein, wie lange es her war.

Anschließend schwieg Miandra eine Weile, als ihr klar wurde, wie viel unnötigen Kram sie mit der Frau eigentlich gerade geredet hatte. So hob sie die Beine des Jungen an, welche noch mitsamt dem Deckenende zu Boden herunterhingen, und legte diese auf ihren Schoß, sowie anschließend ihre Hände darauf. Ein Blick zu dem Gesicht des Kindes ließ sie leicht Grinsen.

„Das habt Ihr gut gemacht“, lobte sie Leanora, als sie sah, dass der Junge den Kopf an deren Brust gelehnt, und seine Augen geschlossen hatte. Seine Züge waren völlig entspannt und die Atmung gleichmäßiger und ruhiger geworden. Erst zwei Herzschläge später realisierte Miandra, was sie zu der Frau gerade gesagt hatte. Daher räusperte sie sich nur ungewollt und wandte den Blick zügig wieder nach vorne, während sie den Kopf an die Wand hinter sich kippen ließ, und so auf die anderen wartete. Ein paar Minuten Ruhe vielleicht für das Kind… und sich selbst. Besser als nichts.

Modifié par Kaysallie, 06 octobre 2011 - 03:59 .


#2238
Aliens Crew

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Sha’iras Schlag traf Vernita unterhalb ihres rechten Auges. Die Elfe hatte reflexartig noch den Kopf zurückgezogen und somit den Großteil seiner Wucht genommen. Trotzdem war es ein harter Treffer, der ihre Wange wohl anschwellen lassen würde. Vernita wankte zwei Schritte zurück und schüttelte leicht benommen den Kopf, während sie lautstark zu fluchen begann.
 
Nachdem sie sich wieder unter Kontrolle hatte, blickte sie aus zusammengezogenen Augen auf Sha’ira, welche mit dem toten Mädchen im Arm vor- und zurückschaukelte und dabei zitterte und kreischte. Sofort trat die Elfe mit entschlossenen Schritten hinter sie und setzte ihr einen ihrer Panzerstiefel ins Genick.
 
„Versuche das noch einmal, dann wische ich mit deinen Eingeweiden den Fußboden auf, Kleine!“ fauchte sie böse und zog dabei scharf die Luft ein. „Und jetzt hör‘ auf zu flennen wie ein Säugling! Was für eine Art von Kriegerin bist du denn überhaupt? Hast du überhaupt jemals schon mal einen Krieg gesehen? Es macht auf mich zumindest nicht den Eindruck! Oder denkst du etwa, dass Kinder in Kriegen nicht getötet werden? Du musst anscheinend noch sehr viel über das Leben lernen. Nur, wenn du so weiter machst, wirst du gar nicht mehr lang genug leben, um genau das tun zu können. Und jetzt hör‘ endlich mit der Heulerei auf! Du verschreckst sonst nur den Jungen, für den wir sicherlich mehr tun können als für diesen leblosen Kadaver hier!“
 
Vernita ließ von Sha’ira ab, hob ihren Panzerhandschuh vom Boden auf und gesellte sich zu Miandra und Leanora, auf dessen Schoß der Junge offensichtlich eingeschlafen war. Der Blick der Elfe blieb eine Zeitlang auf dem Kind haften. Und sie dachte daran, dass dies sogar ihr Sohn sein könnte, wenn dieser nicht…
 
Sie wollte diesen Gedanken gar nicht zu Ende denken. Stattdessen sah sie abwechselnd Leanora und Miandra ins Gesicht. „Wie geht es dem Kleinen?“ fragte sie leise, um den Jungen nicht zu wecken. „Und vor allem, was sollen wir mit ihm machen? Wir können ihn doch nicht hierlassen, aber ins Lager unserer Feinde können wir ihn ja wohl auch schlecht mitnehmen.“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 06 octobre 2011 - 04:43 .


#2239
SickOfItAll

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" Du bist noch immer genauso kaltherzig wie eh und jeh! " blaffte Lydia Vernita an.
" Du hast doch angeblich selbst erlebt wie das hier ist. Also zeige Respekt, wenn du überhaupt noch welchen hast. "
Vernita hatte sich kein Stück gebessert. Sie war noch immer das gleiche Ekel wie zu Beginn. Und dabei musste sie es doch gerade besser wissen. Aber Lydia hatte sich schon lange vorgenommen Vernita Respekt, Ehre und auch etwas Verstand beizubringen, ganz so wie sie es selbst beigebracht bekommen hatte. Aber zuerst mussten sie aus diesem Loch lebendig herauskommen und Miandras Tochter befreien.
Sie wiegte Sha´ira in ihren Armen hin und her bis sich diese wieder gefangen hatte. Auch Lydia ging es unter die Haut. Sie konnte es nicht verstehen, wie jemand soetwas einem anderen antun konnte. Vielleicht war es auch besser sie verstand es nicht.

#2240
Kisu

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Es dauerte, bis Sha´ira sich wieder gefasst hatte. Erst nach einer ganzen Weile begriff sie, was Vernita da gerade alles zu ihr gesagt hatte. Aber sie verstand auch, das Vernita nicht verstand. Sie war nicht in dem Kulturkreis wie sie großgeworden, wenn sie überhaupt je Kultur erfahren hatte.
" Wollt ihr sie hier unten verrotten lassen ? Sie gehört verbrannt und der See übergeben. " Sagte Sha´ira leise zu Vernita, aber die war schon wieder verschwunden.
" Lilly, denkst du wirklich, einem wilden Schwein könnte man noch Manieren beibringen ? " scherzte Sha´ira und lächelte traurig. Sie wollte endlich wieder von diesem Ort verschwinden, ihm den Rücken kehren, mit der Gewissheit, das dieses Leiden durch ihre Hand aus der Welt geschafft wurde. Sie wollte Rache nehmen, für die armen Seelen, die hier ihr Leben gelassen hatten und sie hoffte, das sie damit den Toten Ruhe schenken konnte. Doch die Schuld, die an diesem Ort haftete, musste mit viel Blut reingewaschen werden, und sie gedachte auch, viel Blut zu vergießen.

#2241
Bellandyrs

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Lea errötete leicht ob des Lobes von Miandra und sah verlegen auf den Boden, um gleich darauf der schwarzhaarigen Frau lächelnd in die Augen zu blicken.
"Danke" sagte sie schlicht. Worte waren hier nicht von Nöten. Es war wohl das erste mal, wo sich Leanora in der Anwesenheit der Dunkelhaarigen beinahe wohl, aber auf jeden Fall akzeptiert fühlte. Sofern man unter diesen Umständen davon sprechen konnte.
Sie drückte den Jungen ein wenig an sich, um ihn zu wärmen und lauschte seinen gleichmäßigen Atemzügen, bis plötzlich Vernita vor ihnen stand. Auch diese war irgendwie anders als sonst, das ganze hatte der Elfe ebenso auf den Magen geschlagen.

"Ich bin kein Arzt um festzustellen, wie es ihm geht. Er schläft immerhin und entspannt sich ein wenig, und ich glaube, das ist zumindest kein schlechtes Zeichen. Miandra meint auch, dass er kein Fieber hat, aber etwas warmes zu essen würde sicherlich nicht schaden", berichtete sie ebenso leise der Anführerin. Bei dem Wort Essen rebellierte ihr Magen - kurzfristig überlegte sie, wann sie das letzte Mal etwas zu sich genommen hatte. Es mußte das Frühstück gewesen sein, bevor Gromschlag sie in die Finger gekriegt hatte - und das war etwas über einen Tag mittlerweile her. Dennoch war es ihr einerlei, dieser Keller hier hatte ihr jeglichen Appetit im Moment genommen.

"Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Mitnehmen während wir kämpfen geht auf keinen Fall. Dieser Junge braucht vor allem eines: Ruhe und Geborgenheit. Allein hier drin lassen bis wir ihn holen können scheidet auch aus, es muß jemand hier sein der ihn trösten kann. Ich bin kein guter Kämpfer wie Ihr wißt, ich kann diesen Part übernehmen, andererseits... "

Leanora sprach nicht weiter. Auch Sha´ira und Lydia konnten auf den Jungen aufpassen, aber sie fühlte sich mittelrweile so verpflichtet gegenüber dem Knaben, dass sie das am liebsten selber übernehmen wollte.
"Ja und die Frage, wo er hin soll, wenn wir hier raus sind... ist eigentlich einfach geklärt, aber im Moment wohl nicht möglich. Ich hätte das Kloster vorgeschlagen. Dort gibt es Mönche mit Heilkünsten, Ruhe und Frieden". Sie wurde rot und hüstelte verlegen. "Naja, meistens zumindest", lächelte sie schwach. Der Tag zuvor war alles, aber sicherlich nicht als friedlich zu bezeichnen.
"Und wenn ich meine Ländereien zurück erhalte, dann kann ich ihn zu mir nehmen und ihm ein zuhause bieten, sollten seine Eltern nicht mehr leben."

Während sie sprach hatte sie die ganze Zeit über den Jungen sanft über die Arme gestreichelt und ihm mehr beim schlafen zugesehen, als den anderen beiden in die Augen geblickt. Sie fühlte sich für ihn verantwortlich, er hatte ihre Seele und ihr Herz gleichermaßen verzaubert.

#2242
Kaysallie

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Miandra schüttelte leicht den Kopf nachdem Leanora fertig gesprochen hatte. „Ihr wollt alleine mit ihm hierbleiben? Das halte ich für keine gute Idee.“

Sie machte eine kurze Pause und dachte über weitere Möglichkeiten nach, doch wirklich viele gab es nicht. Leanora konnte unmöglich alleine mit dem Jungen hier bleiben. Es brauchte nur jemand diesen Tunnel, oder den Keller davor, betreten und die toten Wachen vorfinden, und sie würden die blonde Frau samt des Jungen einfach umbringen… und grausame Mittel für einen qualvollen Tod gab es hier ja reichlich. Ebenso schied es aus, dass einer von ihnen alleine mit dem Kind nach draußen ging. Einerseits gab es wieder die Gefahr auf jemanden zu stoßen, andererseits hatten sie nicht einmal ein Versteck zu welchem sie das Kind zielstrebig bringen konnten. Wenn dann müssten sie alle zusammen nach draußen gehen… doch das schied ebenfalls aus, denn so würden sie wohl nie erfahren, was sich hinter der anderen Abzweigung befand.

„Ich denke wir werden ihn mitnehmen müssen“, meinte sie nach einer kurzen Weile und betrachtete dabei den schlafenden Jungen. „Ihr werdet einfach das Schlusslicht bilden, und sollten wir auf einen Raum stoßen oder es zu einem Kampf kommen, haltet Ihr Euch einfach im Hintergrund und achtet darauf, dass er so wenig wie möglich davon mitbekommt. Doch ich denke es ist besser wenn Ihr mit ihm in unserer Nähe bleibt. Mir gefällt diese Lösung auch nicht, doch eine bessere fällt zumindest mir nicht ein. Außer…“

‚Außer wir verzichten darauf uns hier weiter umzusehen‘, beendete Miandra ihren Satz in Gedanken. Dem Kind zuliebe würde ein Teil von ihr das nur zu gerne tun.

„Und über seine Zukunft können wir uns auch noch später Gedanken machen“, meinte sie stattdessen noch zu Leanora, und blickte anschließend fragend zu Vernita. „Oder hast du eine bessere Idee?“

#2243
Bellandyrs

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"Da habt Ihr schon Recht, eine gute Idee ist das nicht gerade, alleine mit dem Jungen hier zu bleiben. Aber uns hier nicht weiter umzusehen wäre genauo blödsinnig. Wenn wir unsere Hintern hier rausbewegen sieht irgendjemand, was hier los war, ist damit vorgewarnt und wird ganz schnell ein neues Versteck suchen. Momentan haben wir den Vorteil, dass die nicht wissen, dass wir hier sind. Und Miandra, solange wir Eure Tochter nicht gefunden haben, weigere ich mich schlichtweg, diesen Keller zu verlassen, bevor wir nicht wirklich jeden Winkel durchgekämmt haben."

#2244
Aliens Crew

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Vernita überlegte fieberhaft, während sich die beiden Frauen miteinander unterhielten. Auch lauschte die Elfe den Ausführungen ihrer Gefährtinnen und versuchte diese in ihre eigenen Überlegungen mit einzubeziehen. Aber irgendwie gefiel ihr das alles nicht besonders. Und so äußerste sie auch ihre Bedenken.
 
„Den Jungen weiter in dieses Versteck mitzunehmen ist, meiner Meinung nach, genauso falsch wie ihn hier zulassen“, meinte sie mit einem ernsten Gesichtsaudruck. „Wir werden sicher in weitere Kämpfe verstrickt werden, da kann keiner von uns für seine Sicherheit garantieren, selbst wenn Ihr mit ihm zurückbleibt, Leanora. Die Schlacht ist chaotisch und unberechenbar, so dass wir mit allem rechnen müssen. Nein, ich fürchte, wir müssen ihn zuerst hier rausschaffen. Und vielleicht wüsste ich auch schon wohin...“
 
Die Elfe drückte ihren panzerhandschuhbewehrten Handballen gegen ihre Stirn und sah dabei gebannt auf den schlafenden Jungen. Sie machte eine längere Pause, so als würde sie überlegen, ob ihre Idee wirklich so gut war, oder ob sie diese vielleicht doch lieber gleich wieder verwerfen sollte. Doch viele andere Möglichkeiten hatten sie nun auch nicht. So seufzte sie einmal, bevor sie fortfuhr.
 
„Ich kenne da diesen Jungen...nun diesen jungen Mann, muss ich wohl eher sagen, der mit seiner Familie im Gesindeviertel von Denerim wohnt, gar nicht weit weg von hier. Sein Name ist Fineon, und er ist ein Elf wie ich. Als Kinder haben wir häufig zusammen gespielt, bevor....“ Vernita machte eine weitere Pause, in der sie sich zusammennehmen musste, um nicht loszuweinen, als ihr das Bild von Fineons Mutter wieder in den Sinn kam, welche sie damals weggeschickt hatte und ihr damit den einzigen Freund nahm, den sie jemals hatte. „...bevor man es ihm verboten hat.“
 
Sie schluckte die Erinnerung daran herunter und schüttelte leicht den Kopf. „Ich habe ihn schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, und ich bin auch nicht sicher, ob er uns helfen wird. Früher hatte er jedoch ein gutes Herz, und er ist die beste Alternative , die wir haben, wenn wir den Jungen nicht mitnehmen wollen. Was mir persönlich lieber wäre.“
 
Vernita sah abwechselnd Miandra und Leanora fast schon flehend an. „Wenn wir uns beeilen, dann schaffen wir es zu seinem Haus und wieder zurück, noch bevor auf den Straßen das Tagesgeschäft losbricht. Was haltet ihr davon?“
 
 
 

Modifié par Aliens Crew, 09 octobre 2011 - 10:27 .


#2245
Bellandyrs

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Leanora zögerte. Vernita hatte Recht, das wußte sie. Aber dennoch hatte sie Angst, dass sie wertvolle Zeit verlieren würden, Zeit die sie ohnehin nicht hatten. Aber es war wirklich die beste Alternative.

"Und Ihr seid sicher, dass uns dieser Fineon nicht mit Schwert und Messer bewaffnet empfängt? Wenn Ihr Garantie geben könnt, dass wir mit dieser Aktion das Richtige tun, dann bin ich dabei. Ich will nicht, dass dem Jungen noch etwas passiert und er noch schlimmeres sehen muß."

Sie sah Miandra an, die grübelnd auf den Boden blickte.
Wenn Miandra keine bessere Idee hatte, so sollten sie Vernitas Vorschlag ohne Verzögerung in die Tat umsetzen.
"Nehmt Ihr mir den Jungen kurz ab?" fragte sie Vernita, damit sie aufstehen konnte.

#2246
Kaysallie

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Miandra sah die Elfe ein wenig überrascht, wenn auch skeptisch an. Ein Freund aus der Kindheit? Kurz blickte sie zu Boden und dachte über den Namen dieses Elfen nach, doch sie war sich sicher noch nie etwas über diesen gehört zu haben. Und warum machte sie sich nun über so etwas Sinnloses Gedanken? Ein kurzer Blick zu Vernita gab ihr die Antwort. Dieser Gesichtsausdruck… er war so… traurig? Ein besseres Wort fiel Miandra zumindest gerade dafür nicht ein, doch sie brauchte auch keine Worte um zu erkennen, was da gerade in der Elfe vor sich ging. Aber warum hatte sie ihr nie etwas davon erzählt? War es zu lange her? Nicht wichtig genug? Oder das Gegenteil davon? … Nein, wahrscheinlich wusste sie es nur nicht, weil sie nie danach gefragt hatte. Aber aus Neugierde heraus irgendwelche vergangenen Dinge nachfragen war nun einmal nicht ihre Art. Und warum genau sie das nun eigentlich störte, wusste sie nicht.

Erst Leanoras letzte Frage schoss wieder wie ein Blitz in ihren Kopf. Der Junge!

Vorsichtig hob Miandra die Beine des Kindes von sich herunter und stand sogleich vom Boden auf. Noch bevor Vernita der Bitte Leanoras nachkommen konnte,- was Miandra ohnehin für eine schlechte Idee hielt - bückte sie sich und hob den Jungen, welcher wirklich erschreckend leicht war, vorsichtig von Leanora herunter. Dabei achtete sie darauf seinen Kopf mit einer Hand zu stützen, damit er nicht aufwachen würde. Kurz reckte er sich ein wenig, da fiel sein Kopf auch schon auf die andere Seite gegen ihre Brust, weiterhin ruhig und entspannt schlafend.

Einen für sie selbst endlos erscheinenden Moment stand sie einfach nur da und sah auf das Kind herab, welches sie nun mitsamt der Decke in den Armen hielt. Es schien wie gestern gewesen zu sein, als sie ihre eigene Tochter noch in den Armen tragen musste… dann lernte sie auch schon laufen und sprechen… entwickelte eine eigene Persönlichkeit… und nun…

Die Zeit schien so schnell vergangen zu sein. Erst als ihr Leanora den Jungen wieder abnehmen wollte und Miandra zu dieser aufsah, realisierte sie dass es ihr gerade Tränen in die Augen getrieben hatte, sowie was sie eigentlich vorhatten und tun mussten. Schnell trat sie näher an die blonde Frau heran und legte den Jungen vorsichtig zurück in deren Arme, bevor sie sich zwei Schritte entfernte, dort kurz durchatmete und sich schnell die Tränen aus den Augen rieb.

„Ich denke wir haben es eilig“, meinte sie nach zwei Herzschlägen nur zu den beiden, während sie sich einfach umdrehte und den Raum zielstrebig verließ. Dabei streifte ihr Blick kurz den von Vernita, doch zum… Reden würde es sicher später noch Zeit geben… und was Lydia und Sha´ira nun mit dem Mädchen anstellen würden… darüber wollte sie sich nun nicht mehr den Kopf zerbrechen.

#2247
Aliens Crew

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„Es gibt für nichts eine Garantie, Leanora“, antwortete Vernita auf die Frage der blondhaarigen Frau hin. „Aber er ist die beste Option, die wir haben, also sollten wir es riskieren.“
 
Etwas perplex blickte die Elfe Leanora an, als diese sie bat den Jungen anzunehmen, doch ehe sie reagieren konnte, hatte sich Miandra schon seiner angenommen, was wohl auch besser gewesen war. Zum einen weil diese weit mehr Erfahrung mit Kindern hatte als sie selbst und zum anderen, weil der Kleine sicher erwacht wäre, wenn Vernita ihn gegen ihre kalte und unbequeme Plattenrüstung gedrückt hätte. Zudem sollte die wohl beste Kämpferin der Truppe nicht gerade mit einem Kind beladen sein, falls ihnen jemand auf dem Weg nach draußen begegnen sollte.
 
Die Elfe sah Miandra direkt ins Gesicht, als diese den Jungen wieder zurück an Leanora gab. Sie sah die Tränen und wusste genau, was in dieser Frau gerade vorging. Dieses Kind in den Armen gehalten zu haben musste sie zwangsweise an ihre eigene Tochter erinnern, an das, was sie verloren hatte. Vernita selbst kannte dieses Gefühl sehr gut, diese innere Leere, die einem das Herz zerreißen ließ und für immer ein Brandmal in die Seele brannte. Sie folgte Miandra, als diese beinahe schon fluchtartig den Raum verließ. Und kurz vor dem Ausgang aus diesem Verlies holte sie diese auch schon ein und stoppte sie, indem sie ihr eine Hand auf die Schulter legte.
 
„Warte einen Moment, Miandra“, sagte sie gleich so fürsorglich wie sie konnte. „Mir ist klar, was im Moment in dir vorgeht, aber vergiss bitte nicht, dass wir hier unten vorsichtig sein müssen und nicht einfach unbedacht drauf losstürmen sollten. Bleib’ also bitte hinter mir. Und halt die Augen offen, ja?“
 
 

#2248
Kaysallie

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„Ich wäre schon nicht alleine losgelaufen, keine Sorge“, erwiderte Miandra leicht genervt, ohne Vernita anzusehen. „Aber wenigstens weißt du was in mir vorgeht, ich weiß es nämlich nicht“, fügte sie noch hinzu und stieß ein leicht bitteres Lachen aus.

Anschließend zog sie ihre Schulter ruckartig nach vorne, um aus dem Griff der Elfe befreit zu werden und ging weiter durch den Raum. Dabei achtete sie nicht einmal darauf ob sie auf irgendeine der Leichen treten würde, die noch immer verstreut auf dem Boden lagen. Am anderen Ende des Raumes angekommen nahm sie eine der Fackeln aus deren Halterungen an der Wand, ging damit zurück zum Ausgang und erhellte mit dem Fackelschein kurz den Tunnel, in welchen dieser mündete, doch nichts außer endloser Dunkelheit war zu erkennen. Die Fackel welche sie beim Herkommen bei sich getragen und dort draußen angebracht hatte, schien erloschen zu sein… wahrscheinlich hatte sie zwischen den beiden Felsen nicht gut genug gehalten, und war zu Boden gefallen. Und nicht weit entfernt von hier würden sich wieder die beiden Wege kreuzen… und sie würden wieder denselben nehmen, über den sie vorhin hergekommen waren…

„Würdest du mir einen Gefallen tun?“ fragte sie unvermittelt in einer völlig anderen Tonlage als noch gerade eben. Sie klang verzweifelt, verwirrt sowie ängstlich, und als Miandra zu der Elfe hinübersah, war auch ihr Blick flehend, und dennoch konnte man ihr ansehen, wie schwer ihr diese Frage gerade gefallen war, und um wie vieles schwerer ihr die darauf folgende fiel. „Könntest… könntest du meine Hand halten? Nur bis…“

Ihr versagte die Stimme und ihr Blick wanderte leicht zu Boden gesenkt wieder in das scheinbar endlos schwarze Loch vor ihr. Hatte sie das gerade wirklich gefragt? Schnell schüttelte sie den Kopf. „Vergiss was ich gesagt habe“, meinte sie hastig und ernst klingend, wobei sie versuchte ihre Nervosität und Verwirrtheit mit einem Lächeln zu überspielen - was ihr kaum gelang. „Wir sollten uns beeilen.“

Modifié par Kaysallie, 10 octobre 2011 - 01:25 .


#2249
Aliens Crew

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Vernita zuckte zurück als Miandra sich von ihr losriss und dabei so verbittert klang. So verzog sie besorgt das Gesicht, während sie der schwarzhaarigen Frau nachblickte, welche allerdings nicht allzu weit kam.
 
Und sogleich legte sich ein Lächeln auf das Gesicht der Elfe, als Miandra sie bat, ihre Hand zu halten, auch wenn diese ihre Bitte gleich darauf wieder revidierte. So ging Vernita an ihr vorbei in den dunklen Gang hinein. Doch kaum war sie an der schwarzhaarigen Frau vorbeigeschritten, blieb sie auch schon stehen und hielt dieser ihre linke Hand hin. Den Panzerhandschuh hatte sie zuvor abgelegt und in ihre Tasche gesteckt.
 
„Natürlich darfst du sie halten“, meinte sie mit einem aufmunternden Lächeln, während ihre rechte ganz langsam ein Kurzschwert aus der Scheide zog, was ein schleifendes Geräusch verursachte. Die Spitze richtete sie in Richtung des dunklen Ganges, während sie Miandra nach wie vor anlächelte und mit ihren Augen auf ihre ausgestreckte Hand deutete. „So weiß ich dich wenigstens direkt hinter mir, und du kannst mir den Weg leuchten, du Licht meines Lebens.“
 
 

#2250
SickOfItAll

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" Es nutzt nichts, wir werden sie wohl hier zurücklassen müssen. Da hat Vernita recht. Mitschleppen können wir ihre Leiche nicht, aber wir können und wir werden sie rächen. "
sagte Lydia aufmunternd zu Sha´ira und zog sie auf die Beine.
Sie mussten sich beeilen. Niemand wusste, wie es um Miandras Tochter stand und Lydia hoffte, das dieser Wahnsinn bald ein Ende haben würde. Aber noch war nicht alles ausgestanden. Leanora hatte sich um den kleinen Jungen im Vorzimmer gekümmert, aber der konnte unmöglich mit tiefer in diese Hölle hineingezogen werden.
" Komm, es gibt einen kleinen Krieg zu gewinnen. " lächelte sie Sha´ira an und griff sie bei der Hand.
Die einen gewannen, die anderen verloren. Die verlorenen waren verloren, aber nicht vergessen, denn sie sollten noch gerächt werden. Lydia glaubte daran, das sie den Seelen wenigstens ein wenig Ruhe können könnten, wenn sie denn nur Gerechtigkeit vollstrecken würden und das würden sie tun und sei es nur für die Verstorbenen und um der Gerechtigkeit willen.