„Hatte ich nicht gesagt, du sollst vergessen was ich gesagt habe?“ meinte sie um das Schweigen zu brechen, wobei eine gewisse Verlegenheit in ihrer Stimme mitschwang.
Erst als Miandra den Satz beendet hatte, sah sie auf, und der Elfe vor sich dabei direkt ins Gesicht. Ohne eines bestimmten Grundes stach ihr dabei die rechte Wange von Vernita ins Auge, welche dank des Schlages von Sha´ira bereits begann anzuschwellen, und für einen kurzen Moment vergaß Miandra daraufhin alles um sich herum.
Sie vergaß, dass sie sich tief unter der Erde in einem wahrscheinlich instabilen dunklen Tunnel befand, direkt neben einer Folterkammer, an einem Ort, der in ihr viele schlechte Erinnerungen hervorrief… dass sie darin die geschändete Leiche eines unschuldigen Mädchens gefunden hatten… dass sie den abgemagerten Jungen hier raus schaffen mussten… dass sie noch einmal hier herunter mussten, in der Hoffnung weitere Kinder zu finden… dass vielleicht sogar Elana hier irgendwo sein könnte… dass sie sich deswegen beeilen mussten.
Ja, für einen kurzen Augenblick hatte sie all das vergessen, als wäre nur noch diese eine Stelle in Vernitas Gesicht von Bedeutung. Einen Augenblick, in dem sie ihre freie Hand gehoben hatte, und ganz zaghaft ihre Finger über die leichte Schwellung an der Wange der Elfe gleiten ließ. Dabei war ihr Blick angestrengt, nachdenklich und völlig auf diese Stelle fixiert, als könne sie nur durch diese sanften Berührungen an der geschwellten Haut den Schmerz an sich selbst spüren. Einen Schmerz, den sie gut kannte.
Nicht einmal einen Herzschlag lang schloss Miandra ihre Augen, und als sie diese wieder öffnete, sah sie Vernita direkt in die Augen und lächelte ihr zaghaft entgegen, während sich ihre Handfläche nun völlig auf deren rechte Wange niederlegte. Dabei wurde sie von einem ihr unbekannten Gefühl übermannt; einem Drang danach etwas zu tun; einer Sehnsucht, die von einen Moment auf den anderen einfach da war… und gestillt werden wollte.
Begleitet von diesen Gefühlen fuhr Miandra der Elfe mit ihrem Daumen langsam über deren Lippen, anschließend mit der Hand tiefer nach unten, über das Kinn zu ihrem Hals, diesen entlang bis nach hinten in den Nacken. Währenddessen ging Miandra selbst näher an Vernita heran, ihre Hand dabei immer fordernder in deren Nacken drückend, bis sie die Lippen ihres Gegenübers sanft an den eigenen spüren konnte. Für den Bruchteil einer Sekunde blieb sie mit bereits geschlossenen Augen in dieser Position, als würde sie es genießen die Elfe noch kurz warten zu lassen. Als wolle sie den Moment vollkommen auskosten und es sich einprägen ihr so nahe zu sein dass sie deren Atem an jeder Stelle ihres Gesichts fühlen konnte, wie er sich in gleichmäßigen Abständen darauf niederlegte.
Erst nach diesem Bruchteil, zog Miandra die Elfe fast schon plötzlich noch näher zu sich heran, so dass sich deren kalte Rüstung an ihre Brust, sowie deren feuchte Lippen an die ihren drückten und sie ihr einen leicht stürmischen, dennoch innigen Kuss gab. Einen Kuss dem sie sich völlig hingab, der sich befreiend, berauschend und zugleich mit einem Wunsch nach mehr anfühlte, da in ihm eine Leidenschaft mitschwang, die von Herzschlag zu Herzschlag weiter zu entflammen schien, wie ein tiefes inneres Feuer, das mit seiner Hitze jegliche Gedanken und schlechten Erinnerungen zu Asche zerfallen ließ und stattdessen das natürliche Verlagen immer weiter anheizen wollte.
Erst als Miandra nach einem zeitlosen Moment diese Hitze tatsächlich spüren konnte, doch dieses Mal ausgehend von dem Feuer der Fackel, die sie noch immer in ihrer anderen Hand hielt und die sie für kurze Zeit völlig vergessen hatte, löste sie sich fast schon widerwillig von Vernita. Ein kurzer Blick aus den Augenwinkeln zeigte Miandra, dass sie unbewusst ihren Arm an die Elfe gedrückt hatte, und somit die Flamme dicht neben ihnen war. Schnell hob sie ihren Arm wieder an, um dem Feuer zu entgehen, bevor sie ihre Augen kurz wieder schloss und ihrer Kehle ein erleichtertes Seufzen entwich, dabei der Elfe noch so nahe dass sich deren Nasenspitzen berührten.
„Der war dafür, weil du es nicht getan hast“, hauchte sie leise mit heiserer Stimme, wobei der Satz auf vieles mehr bezogen schien als nur auf jenen davor. Danach entfernte sie sich weiter von Vernita, wobei ihr erst jetzt auffiel wie erregt ihre Atmung war. Kurz blickte sie etwas beschämt sowie verwirrt zu Boden als ihr dies klar wurde, und als sie die dunkle Erde unter sich sah, fiel ihr auch wieder ein wo sie sich eigentlich gerade befand. Zudem konnte sie im Hintergrund die Schritte der anderen näher kommen hören, die in ihren Ohren wie das Poltern ihres eigenen Herzschlages klangen. Ihr Blick ging in einen entgeisterten über als ihr die Situation wieder vollends vor Augen trat, und eine Entschuldigung über ihr dämliches Verhalten, welches sie sich gerade absolut nicht erklären konnte, wollte über ihre Lippen gelangen… doch irgendwie wollte sich ihr Mund nicht bewegen. So biss sie sich nur auf die Unterlippe und ergriff stattdessen ein wenig panisch die freie Hand von Vernita, umschloss diese mit leicht verkrampften Fingern, und hoffte dass sie nun endlich von hier verschwinden konnten.
Zumindest vorerst...
Modifié par Kaysallie, 12 octobre 2011 - 03:43 .





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