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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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#2251
Kaysallie

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Einige Herzschläge lang stand Miandra nur wortlos da und starrte auf die Hand, welche ihr Vernita hinhielt. Wie lange genau das war konnte sie nicht sagen, da sich zumindest ihre eigenen Herzschläge schneller als normal anfühlten.

„Hatte ich nicht gesagt, du sollst vergessen was ich gesagt habe?“ meinte sie um das Schweigen zu brechen, wobei eine gewisse Verlegenheit in ihrer Stimme mitschwang.

Erst als Miandra den Satz beendet hatte, sah sie auf, und der Elfe vor sich dabei direkt ins Gesicht. Ohne eines bestimmten Grundes stach ihr dabei die rechte Wange von Vernita ins Auge, welche dank des Schlages von Sha´ira bereits begann anzuschwellen, und für einen kurzen Moment vergaß Miandra daraufhin alles um sich herum.

Sie vergaß, dass sie sich tief unter der Erde in einem wahrscheinlich instabilen dunklen Tunnel befand, direkt neben einer Folterkammer, an einem Ort, der in ihr viele schlechte Erinnerungen hervorrief… dass sie darin die geschändete Leiche eines unschuldigen Mädchens gefunden hatten… dass sie den abgemagerten Jungen hier raus schaffen mussten… dass sie noch einmal hier herunter mussten, in der Hoffnung weitere Kinder zu finden… dass vielleicht sogar Elana hier irgendwo sein könnte… dass sie sich deswegen beeilen mussten.

Ja, für einen kurzen Augenblick hatte sie all das vergessen, als wäre nur noch diese eine Stelle in Vernitas Gesicht von Bedeutung. Einen Augenblick, in dem sie ihre freie Hand gehoben hatte, und ganz zaghaft ihre Finger über die leichte Schwellung an der Wange der Elfe gleiten ließ. Dabei war ihr Blick angestrengt, nachdenklich und völlig auf diese Stelle fixiert, als könne sie nur durch diese sanften Berührungen an der geschwellten Haut den Schmerz an sich selbst spüren. Einen Schmerz, den sie gut kannte.

Nicht einmal einen Herzschlag lang schloss Miandra ihre Augen, und als sie diese wieder öffnete, sah sie Vernita direkt in die Augen und lächelte ihr zaghaft entgegen, während sich ihre Handfläche nun völlig auf deren rechte Wange niederlegte. Dabei wurde sie von einem ihr unbekannten Gefühl übermannt; einem Drang danach etwas zu tun; einer Sehnsucht, die von einen Moment auf den anderen einfach da war… und gestillt werden wollte.

Begleitet von diesen Gefühlen fuhr Miandra der Elfe mit ihrem Daumen langsam über deren Lippen, anschließend mit der Hand tiefer nach unten, über das Kinn zu ihrem Hals, diesen entlang bis nach hinten in den Nacken. Währenddessen ging Miandra selbst näher an Vernita heran, ihre Hand dabei immer fordernder in deren Nacken drückend, bis sie die Lippen ihres Gegenübers sanft an den eigenen spüren konnte. Für den Bruchteil einer Sekunde blieb sie mit bereits geschlossenen Augen in dieser Position, als würde sie es genießen die Elfe noch kurz warten zu lassen. Als wolle sie den Moment vollkommen auskosten und es sich einprägen ihr so nahe zu sein dass sie deren Atem an jeder Stelle ihres Gesichts fühlen konnte, wie er sich in gleichmäßigen Abständen darauf niederlegte.

Erst nach diesem Bruchteil, zog Miandra die Elfe fast schon plötzlich noch näher zu sich heran, so dass sich deren kalte Rüstung an ihre Brust, sowie deren feuchte Lippen an die ihren drückten und sie ihr einen leicht stürmischen, dennoch innigen Kuss gab. Einen Kuss dem sie sich völlig hingab, der sich befreiend, berauschend und zugleich mit einem Wunsch nach mehr anfühlte, da in ihm eine Leidenschaft mitschwang, die von Herzschlag zu Herzschlag weiter zu entflammen schien, wie ein tiefes inneres Feuer, das mit seiner Hitze jegliche Gedanken und schlechten Erinnerungen zu Asche zerfallen ließ und stattdessen das natürliche Verlagen immer weiter anheizen wollte.

Erst als Miandra nach einem zeitlosen Moment diese Hitze tatsächlich spüren konnte, doch dieses Mal ausgehend von dem Feuer der Fackel, die sie noch immer in ihrer anderen Hand hielt und die sie für kurze Zeit völlig vergessen hatte, löste sie sich fast schon widerwillig von Vernita. Ein kurzer Blick aus den Augenwinkeln zeigte Miandra, dass sie unbewusst ihren Arm an die Elfe gedrückt hatte, und somit die Flamme dicht neben ihnen war. Schnell hob sie ihren Arm wieder an, um dem Feuer zu entgehen, bevor sie ihre Augen kurz wieder schloss und ihrer Kehle ein erleichtertes Seufzen entwich, dabei der Elfe noch so nahe dass sich deren Nasenspitzen berührten.

„Der war dafür, weil du es nicht getan hast“, hauchte sie leise mit heiserer Stimme, wobei der Satz auf vieles mehr bezogen schien als nur auf jenen davor. Danach entfernte sie sich weiter von Vernita, wobei ihr erst jetzt auffiel wie erregt ihre Atmung war. Kurz blickte sie etwas beschämt sowie verwirrt zu Boden als ihr dies klar wurde, und als sie die dunkle Erde unter sich sah, fiel ihr auch wieder ein wo sie sich eigentlich gerade befand. Zudem konnte sie im Hintergrund die Schritte der anderen näher kommen hören, die in ihren Ohren wie das Poltern ihres eigenen Herzschlages klangen. Ihr Blick ging in einen entgeisterten über als ihr die Situation wieder vollends vor Augen trat, und eine Entschuldigung über ihr dämliches Verhalten, welches sie sich gerade absolut nicht erklären konnte, wollte über ihre Lippen gelangen… doch irgendwie wollte sich ihr Mund nicht bewegen. So biss sie sich nur auf die Unterlippe und ergriff stattdessen ein wenig panisch die freie Hand von Vernita, umschloss diese mit leicht verkrampften Fingern, und hoffte dass sie nun endlich von hier verschwinden konnten.

Zumindest vorerst...

Modifié par Kaysallie, 12 octobre 2011 - 03:43 .


#2252
Kisu

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Sie brauchte eine Weile um sich bewusst zu werden, wie sie sich gerade verhalten hatte und da war es ihr schon peinlich. Aber sie konnte nicht immer die sein, die sie sein wollte. Sha´ira konnte nicht immer die unnahbare Kämpferin sein, wie andere es manchmal von ihr erwarteten. Sie konnte es nicht ertragen unschuldige seelen sterben zu sehen und nichts für sie tun zu können. Sie wollte Leben retten, aber so oft konnte sie es nicht.
Wenn Kinder starben, war das für sie besonders schlimm. Sie litt darunter, träumte davon, sah schreckliche Dinge, manchmal träumte sie von glühenden Höllen aus rotem Eisen, in denen Körper auf stachelbewehrten Ketten hingen und auf große grobe Spieße aufgesteckt waren, manchmal sah sie Eiswüsten , und unter dem Schnee lagen tausende und abertausende erfrorener Kinder , das Grauen noch in den Gesichtszügen erstarrt, manchmal nur eine dunkle leere, ohne Anfang, ohne Ende, ohne Zeit und ohne Raum. Das wirkliche Nichts.

Nachdem sie sich beruhigt hatte und wieder auf ihren Füßen stand, betrachtete sie sich noch einmal die verhüllte Leiche.
" Ja... ja. Wir werden sie hier lassen müssen. Ich würde sie gerne verbrennen und die Asche im Meer versenken, aber hier drinnen ein Feuer zu machen ist unklug. "

Froh darüber, das Lydia für sie dawar, drückte sie ihre Hand und gemeinsam verließen sie diese Hölle wieder ins ungewisse hinein. Sha´ira war es ja gewohnt, sich in Gefahr zu befinden, aber hier unten fühlte sie sich angreifbar, verwundbar. Sie wollte endlich wieder nach draußen und sie wollte möglichst schnell aus dieser verfluchten Stadt verschwinden. Aber zuerst hatte sie noch Arbeit vor sich und die wollte gewissenhaft erledigt werden.

#2253
Aliens Crew

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Eine Gänsehaut der Erregung lief Vernita über den Rücken, als Miandra ihre Hand auf die Wange der Elfe legte und die schwarzhaarige Frau sich ihr bis auf wenige Fingerbreit näherte. Sie genoss die zärtlichen Berührungen der Frau, obwohl die Schwellung doch recht unangenehm zu pochen begann. Sie fühlte den warmen Atem Miandras auf ihrem Gesicht, sowie die Hitze, welche von dieser auszugehen schien. Oder war es vielleicht nur ihre eigene?
 
Die Elfe spürte wie ihr Herz zu rasen begann, während die Finger der schwarzhaarigen Frau über ihre Lippen fuhren und bis zu ihrem Nacken wanderten. Ihr Atem ging noch regelmäßig, doch ihr Körper spannte sich immer mehr, je länger Miandra so dicht vor ihr stand, so dass sich ihre Lippen leicht berührten. Unbewusst ließ sie daraufhin ihr Schwert sinken.
 
Und dann kam der Kuss. Er war so wild, so ungezügelt, so voller Leidenschaft. Instinktiv schloss Vernita die Augen. Sie genoss diesen Augenblick aus vollen Zügen und erwiderte diesen Kuss so intensiv wie es ihr in diesem doch recht überraschenden Moment möglich war. Ihre Atmung beschleunigte sich, und ein wohliges Kribbeln erfasste ihren gesamten Körper. Sie legte ihre freie Hand auf Miandras Hüfte, knapp oberhalb ihres Hinterns und drückte die Frau noch etwas mehr an sich.
 
Auch Vernita spürte diese plötzliche Hitze, konnte aber in diesem Moment dessen Ursache nicht ausmachen. Erst als Miandra sich von ihr löste, fiel ihr die Fackel ins Auge, welche die beiden fast versengt hätte. Vernitas Lippen fassten nach, als sich die der schwarzhaarigen Frau von den ihren entfernten, doch erreichten sie diese nicht mehr. Die Elfe blickte gebannt auf die Frau, welche noch für einen Augenblick dicht vor ihr stand, und in ihren Augen brannte die Flamme der Leidenschaft. Auch sie wollte mehr als sie eben bekommen hatte, doch war ihr ebenfalls bewusst, dass dies nicht der richtige Ort und die richtige Zeit dafür waren. Ihre Hand glitt vom Körper der schwarzhaarigen Frau ab, als diese zurücktrat.
 
„Ich liebe dich“, hauchte die Elfe, als Miandra ihre Hand ergriff, kurz bevor die anderen sie erreicht hatten. Kurz sah sie in deren Richtung, wobei ihr verträumter Blick schlagartig wieder glasklar wurde. „Lasst uns gehen.“
 
Daraufhin setzte sich Vernita in Bewegung, dicht gefolgt von Miandra, welche sich nahezu an ihrer Hand festklammerte. Auch die Elfe verstärkte den Druck ein wenig, damit die schwarzhaarige Frau spüren konnte, dass sie ihr ganz nahe war. Sie bewegten sich zügig zu der T-Kreuzung, an welcher sie dann inne hielten. Die Elfe spähte in beide Richtungen des Querganges, doch konnte sie nichts und niemanden ausmachen. So nickte sie den anderen zu, bevor sie sich gemeinsam auf den Weg nach draußen begaben.
 
Während sie so durch den engen und dunklen Tunnel unterwegs waren, überlegte Vernita fieberhaft, was sie Fineon sagen sollte. Schließlich hatte sie ihn seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen. Alles, was sie über ihn wusste war, dass er die Verderbnis überlebt hatte und nun im Haus seiner Eltern im Gesindeviertel der Stadt wohnte. Aber würde er ihnen auch helfen? Oder klammerte Vernita sich nur an einen Wunschtraum, der rein gar nichts mit der Realität zu tun hatte? Aber hatten sie trotz dieser Bedenken überhaupt eine andere Wahl? Die hatten sie, doch missfiel der Elfe dieser Gedanke, denn er bestand darin, den Jungen einfach zurückzulassen oder gar zu töten. Und das wollte sie auf gar keinen Fall. Vor ein paar Wochen hätte sie damit nicht das geringste Problem gehabt, doch kam es ihr so vor, als hätte sie diese Lebenseinstellung schon vor so langer Zeit verloren...so als wäre dies ein anderes Leben gewesen.
 
Als sie das Ende des Ganges erreicht hatten, wandte sich Vernita noch einmal zu den anderen um. „Leanora. Stellt fest, ob der Junge noch schläft und sorgt dafür, dass er die Leichen der Wachen nicht zu Gesicht bekommt. Er hat in letzter Zeit wohl schon genug Tote gesehen, würde ich sagen. Wir müssen dem nicht noch zwei weitere hinzufügen, nicht wahr?“
 
Nach diesen Worten durchschritt sie den Geheimgang und betrat ein zweites Mal die Wachstube unter dem alten Laden.
 

Modifié par Aliens Crew, 15 octobre 2011 - 05:32 .


#2254
Bellandyrs

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Vernita sorgte sich umsonst um den Jungen. Dieser schlief tief und fest in Leanoras Armen, eingekuschelt in das Tuch. Sie getraute sich nicht, ihn auf ihrer anderen Seite zu platzieren, auch wenn ihr langsam der linke Arm und ihre Hüfte weh taten, auf der sie den Kleinen abtgestützt hatte. Liebevoll blickte sie in das Gesicht des Knaben. Ob sie jemals ein Kind ihr eigen nennen konnte? Flugs schwirrten ihre Gedanken zu Sengaal, und ein sehnsüchtiger Blick trat in ihre Augen,welcher aber gleich darauf von einem besorgten abgelöst wurde. Wie es ihm wohl gerade ging? Ob er auch an sie dachte?

Schnell wischte sie die Gedanken an ihn zur Seite und konzentrierte sich auf den Weg, der vor ihr lag. Lea vergewisserte sich, dass das Ende des Tuches, welche dem Jungen als Art Kapuze diente, weit genug über die Stirn reichte und sein Gesicht an ihrer Schulter lag, dass er, sollte er tatsächlich aufwachen, nicht das Ausmaß ihrer Rettungsaktion sah.

"Es ist alles in Ordnung, Vernita", erwiderte sie leise. "Seht zu, dass wir hier rauskommen und so schnell wie möglich alles erledigen können, damit wir hier nicht zuviel Zeit verlieren."

Modifié par Bellandyrs, 15 octobre 2011 - 12:16 .


#2255
Kaysallie

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Und da waren sie wieder. Die Worte auf die sie nichts antworten konnte, da sie ihr immer wieder die Kehle zuschnürten. Und auch wenn Vernita gerade eben auf keine Antwort ihrerseits gewartet hatte, so wusste Miandra sehr wohl dass die Elfe diese Worte hören wollte. Vielleicht nicht jetzt, aber… irgendwann. Wieso konnte sie es nicht einfach sagen, was war so schwierig daran? Und warum war es so wichtig so etwas zu sagen? Warum maß man ein paar Worten so viel Bedeutung bei? Oder maß sie selbst den Worten zu viel Bedeutung bei? Oder wusste sie es einfach nur nicht? … Und wie sollte sie ihre Reaktion von gerade eben beurteilen?

Ehe Miandra länger über dieses Thema nachdenken konnte, kamen sie auch schon bei der Kreuzung an, an welcher sie kurz stehen blieben. Nichts außer ewiger Dunkelheit lag vor ihnen, keine Geräusche, abgesehen von den leisen Atemzügen der anderen, waren zu hören und der sandige und erdige Geruch des Tunnels war nahezu auf der Zunge zu schmecken.

Miandras Blick blieb starr in jener Richtung hängen, welche sie noch nicht passiert hatten, wodurch ihre Gedankengänge in ein völlig anderes Thema katapultiert wurden. Ein Teil von ihr wäre am liebsten einfach losgelaufen und diesen Weg gefolgt, doch sie wusste genau wie unklug das wäre. Aber konnte man es ihr verübeln? Dieses Versteck verlassen und es nachher wieder betreten war ein hohes Risiko. Ihre Feinde könnten die Leichen finden, nach ihnen suchen, die Wachen warnen oder die Kinder, die vielleicht noch hier waren, an einen anderen Ort bringen, oder sie ...

Nein, am meisten beunruhigte Miandra, dass sie wegen dieses kurzen Ausflugs nach draußen zu spät kommen könnte. Doch wäre es nicht lächerlich? So lange waren sie schon unterwegs, und dann sollten ein paar Minuten entscheidend sein? Doch war es in solchen schlechten Geschichten nicht immer so...?

Erst als Miandra an ihrer Hand spüren konnte, dass sich die Elfe vor ihr weiterbewegte, realisierte sie wie angewurzelt sie wohl gerade dagestanden haben muss… und wie fest sie sich an Vernitas Hand festgeklammert hatte. Irgendwie war ihr das ein wenig peinlich… oder es lag einfach nur daran, dass sie sich erst daran gewöhnen musste jemanden zu haben an den sie sich klammern konnte... außer sich selbst natürlich. So versuchte sie nach und nach den Griff etwas zu lockern und vor allem sich selbst zu beruhigen, während sie Vernita weiter durch den finsteren schmalen Gang folgte und dabei versuchte dicht an ihr dran zu bleiben. Denn um so besser die Elfe sehen konnte, um so schneller würden sie sich fortbewegen können - zumindest redete sie sich diesen Gedanken selbst ein, doch eigentlich wusste Miandra, dass sie es nicht nur deswegen tat.

Während des Gehens kreisten ihre Gedanken wieder zurück zu dem schwarzhaarigen Mädchen, welches sie leblos vorgefunden hatten. Miandra war nicht entgangen, dass Lydia und Sha´ira die Leiche des Kindes zurückgelassen hatten. Ein Gedanke der ihr in der Seele weh tat, doch leider war nicht immer alles was man tun wollte, auch das was man tun konnte. Und genauso war es auch bei ihren folgenden Gedanken… denn eigentlich wollte sie nicht länger an dieses arme Mädchen denken, doch irgendetwas schien daran zu haften und den Gedanken daran einfach nicht loslassen zu wollen.

Doch ehe sie darauf kam was es war, erreichten sie das Ende des Tunnels, womit sie schlagartig aus ihren Gedanken gerissen wurde. Kurz wandte sie sich um, und sah die Worte von Leanora als bestätigt. Der Junge schlief noch immer, und Miandra hoffte dass er dies auch noch ein Weilchen tun würde. Ein aus Angst schreiendes Kind war wohl nicht gerade das was sie nun gebrauchen konnten. So folgte sie Vernita in den Raum, welcher zu ihrem Glück noch genauso aussah wie sie diesen verlassen hatten, und befestigte die Fackel an eine der Halterungen an der Wand. Diese würden sie ab hier nicht mehr benötigen.

Anschließend betrachtete sie kurz ihre Begleiterinnen, wie sie eine nach der anderen aus dem Loch hervortraten… und auch eine nach der anderen blasser als jene davor aussah. Vor allem Sha´ira konnte man die Tränen, welche sie vergossen hatte, noch deutlich ins Gesicht geschrieben sehen.

Miandra wandte den Blick schnell von ihr ab und trat kurz neben Leanora. „Falls er Euch zu schwer werden sollte, könnt Ihr ihn mir ruhig geben“, sagte sie nur leise zu der blonden Frau, auch wenn sie ihr genauestens ansehen konnte, dass diese den Jungen wahrscheinlich nicht einmal kurz vor einem Zusammenbruch aus den Armen geben würde. Trotzdem wollte sie es gesagt haben - warum auch immer - und sie wandte sich daher auch gleich wieder ab, um Vernita durch die Tür in den eigentlichen Kellerraum des Hauses zu folgen.

Modifié par Kaysallie, 17 octobre 2011 - 05:51 .


#2256
SickOfItAll

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Lydia fühlte sich mit einem Mal schlaff und kraftlos, als sie die Folterkammern verließen und zurück zur Wachstube liefen. Die letzten Tage machten sich bemerkbar und es schien, als hätte der Raum selbst ihr alle Lebensenergieen aus dem Körper gesaugt und sie geradenoch als wandelnde Hülle zurückgelassen.
Sie hatte sich an Sha´ira gedrückt, welche genauso ausgelaugt aussah. Eingefallen waren ihre Augen, mit dunklen Ringen umrandet, fahrig zitterten ihre Hände und sie frohr. Trotz allem brachte sie Miandra ein schwaches Lächeln entgegen. Sie konnte jede Hilfe und Aufmunterung gebrauchen.

Lydia hoffte, das all das hier bald vorbeiwäre. Sie brauchte ruhe und Abstand zu all der Hektik der letzten Tage und vor allem wollte sie die Stadt verlassen. Sie hatte Städte nie gemocht. So eng, so stickig und dreckig, überall Schmutz und Ratten und Bettler, Gelegenheitshalsabschneider und und Räuberbanden konnten einen hier jederzeit das Leben zur Hölle machen.

Sie hoffte, das sie Elana finden würden und dann endlich verschwinden könnten. Aber diese Gänge unter der Stadt waren ihr mittlerweile zuwider. Sie sehnte sich nach frischer Luft, Wind und Sonne auf ihrer Haut und sie konnte sehen, das es den anderen ähnlich ging.

Modifié par SickOfItAll, 18 octobre 2011 - 01:59 .


#2257
Aliens Crew

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Nachdem sich Miandra von Vernita gelöst hatte, steckte die Elfe ihr Schwert weg und begab sich zu dem Wasserfass. Sie zog auch noch ihren zweiten Handschuh aus, bevor sie sich über den Rand des Bottichs beugte und ihre Hände in das kühle Nass tauchte. Für einen Moment sah sie noch ihr Spiegelbild in der Wasseroberfläche, bevor diese in Wallung geriet.
 
Die Elfe schaufelte sich mehrere Handvoll Wasser ins Gesicht, nahm sich noch einen Lappen und reinigte sich und ihre Rüstung notdürftig vom Blut ihrer Opfer. Anschließend blickte sie noch einen Moment gedankenverloren auf ihr Spiegelbild, wobei sie die Schwellung ihrer Wange begutachtete. Sie war nur halb so wild, trotzdem pochte diese nach wie vor unangenehm. Für einen Moment überkam sie der Gedanke, Sha’ira für diese Tat nur mal eben so zusammenzuschlagen, doch schob sie diesen plötzlichen Drang einfach zur Seite. Sie hatte Wichtigeres zu erledigen, als dieser Elfe etwas Respekt einzubläuen.
 
So zog sie einfach wieder ihre Panzerhandschuhe über und machte sich auf den Weg nach draußen. Miandra folgte ihr, das bekam sie noch mit, doch konzentrierte sie sich doch mehr darauf, was vor ihr lag. Das Geschäft selbst stellte sich nach wie vor als verlassen heraus. So trat sie kurz darauf wieder auf die Straße.
 
Für einen Moment kniff die Elfe aufgrund des Sonnenlichtes die Augen zusammen, bevor sie sich an die herrschenden Lichtverhältnisse gewohnt hatte. Ein Blick zeigte ihr, dass die Gasse nach wie vor menschenleer war. So setzte sie sich in Bewegung und führte die Gruppe durch die engen Straßen bis zum Gesindeviertel der Elfen, welches in der Tat nicht weit von diesem Ort entfernt war.
 
Der Umschwung kam Schritt für Schritt. Die Häuser wurden schäbiger, die Straßen hingegen etwas sauberer. Ihr Volk kümmerte sich etwas mehr um Reinlichkeit als die verarmten Menschen dieser Stadt. Wenn das auch für ihre Landsleute gegolten hätte, dann hätte Vernita hier vielleicht ein glückliches Leben führen können. Wenn...
 
Ein seltsames Gefühl überkam die Elfe als sie hierher zurückkehrte. An den Ort ihrer Geburt. An den Ort ihrer Kindheit. An den Ort ihrer Schande. Ein Schauer lief ihr den Rücken herunter und ihr Blick verfinsterte sich ob ihrer bösen Erinnerungen an diesen Ort, der einmal ihre Heimat gewesen war.
 
Die Gefährtinnen passierten eine Gruppe von Elfenkindern, welche in zerlumpter Kleidung am Straßenrand hockten und mit flachen Steinen spielten, die sie gegen die Hauswand warfen, um diese dichtmöglichst zu erreichen. Als die Frauen an den Kindern vorbeigingen, hielten diese mit ihrem Spiel inne und beobachteten die Neuankömmlinge aus großen Augen. Zwei von ihnen tuschelten hinter vorgehaltener Hand.
 
Vernita schloss für einen Moment die Augen, während sie die Kinder hinter sich ließen und ihr die Bilder aus ihrer eigenen Kindheit durch den Kopf spukten. Das kleine Mädchen und der schmale Junge, der eines Tages nicht mehr zum Spielen herauskam und seiner Freundin damit für immer das Herz brach. Der erste richtige Schmerz, den sie jemals erleiden musste...aber nicht der letzte.
 
Die Elfe ging weiter und führte sie zum Elternhaus Fineons, welches nicht mehr weit entfernt war. „Da sind wir“, verkündete Vernita knapp, als sie das kleine Haus erreicht hatten, welches hinter einem großem Baum stand. Es war nicht viel größer als eine Hütte. Die geschlossenen Fensterläden sahen nicht sehr einladend aus, doch es stieg Rauch aus dem Kamin. Das Haus war also tatsächlich noch bewohnt.
 
Vor der Haustür kam Vernita zum Stehen und wandte sich noch einmal an ihre Gefährtinnen. „Tut mir einen Gefallen und erwähnt dort drinnen nicht den Namen Eshtá Gianauro. Und sagt auch nichts über das, was wir hier Denerim tun. Oder was wir vorhaben. Ich will Fineon nicht mit in diese Sache hineinziehen. Er sollte so wenig erfahren, wie möglich. Versprecht ihr mir das?“
 
 

#2258
Kaysallie

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Kaum waren sie auf die Straße getreten, bedeckte Miandra ihren Kopf mit der Kapuze ihres Mantels, und als sich auch ihre Augen an das Licht gewöhnt hatten, folgte sie weiterhin der Elfe vor sich. Es dauerte nicht sehr lange, da konnte man deutlich erkennen, dass sie das Gesindeviertel erreichten, von dem Miandra ja bislang nur Erzählungen gehört hatte. Eigentlich hatte sie ihren Blick bislang gesenkt gehalten, doch nun sah sie sich unbewusst mit einem geschockten Gesichtsausdruck um.

Wie konnte man nur so leben? Sie hatte schon die restliche Stadt, in welcher die Häuser blockartig nebeneinander gereiht waren als erdrückend und schäbig empfunden, doch hier war alles noch viel schlimmer. Die Häuser waren eigentlich nur irgendwelche kleinen Hütten, zusammengebaut aus allen möglichen Kram. Der Boden war zwar gefegt, doch gab es hier auch keine gepflasterten Steine wie in den meisten Teilen der Stadt, sondern nur niedergetrampelte trockene Erde. Kein Grün, abgesehen von einigen wenigen Bäumen, die jedoch auch alle so mager aussahen, als würden sie gerade eine Dürrephase durchstehen müssen. Abgemagerte Hunde und Katzen, bei denen man deutlich die Rippenknochen hervortreten sah, liefen am Rande des Weges entlang, und ein stickiger Geruch nach allem möglichen lag zwischen diesen Gassen, als hätten sie mit ein paar wenigen Schritten eine andere Welt betreten.

Schließlich kamen sie an der kleinen Gruppe von Elfenkindern vorbei, die allesamt in schmutzige Kleidung gehüllt waren. Bislang hatten sie keine Bewohner dieses Viertels gesehen, doch nun konnte Miandra deutlich die neugierigen Blicke der unterernährten Kinder spüren… die wohl besonders auf ihr, sowie Leanora und dem Jungen zu haften schienen. Erst im zweiten Moment wurde ihr klar, dass dies wohl an ihren fehlenden spitzen Ohren lag.

Für diese Augenblicke, in denen Miandra den Ort auf sich wirken ließ, hatte sie kurz vergessen warum sie eigentlich hier waren, doch nun wo es ihr wieder einfiel, hätte sie diese Frage am liebsten laut gestellt. Was genau taten sie hier eigentlich? Sie konnten doch unmöglich erwarten, dass irgendjemand dieser Elfen, die ohnehin weniger als nichts zum Leben hatten, ein Menschenkind bei sich aufnehmen würden?

Doch kaum schoss dieser Gedanke durch ihren Kopf, erreichten sie das Haus von dem Vernita gesprochen hatte. Miandra betrachtete die Elfe mit einem leicht skeptischen Blick, als sich diese zu ihnen umwandte. Sie konnte genau erkennen, wie angespannt Vernita aufgrund dieses Ortes war, doch das war auch nicht all zu verwunderlich.

Sie nickte der Elfe zu, nachdem diese geendet hatte, denn dass sie diesem Elfen mehr als nötig erzählen würden lag ohnehin nicht in ihrem Sinne. „Und was sollen wir ihm sagen wegen des Jungen?“ fragte sie anschließend mit gesenkter Stimme. „Dass wir ihn auf der Straße gefunden haben? … Glaubst du wirklich, dass jemand der…“

Miandra hielt abrupt inne, als ihr klar wurde welche Wortwahl sie beinahe verwendet hätte. Schließlich schüttelte sie den Kopf und stieß einen entmutigten Seufzer aus. „Vergiss was ich sagen wollte, wir haben ohnehin keine andere Wahl als es zu versuchen.“

Modifié par Kaysallie, 19 octobre 2011 - 09:36 .


#2259
Aliens Crew

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„Mir wird schon was einfallen“, entgegnete Vernita auf Miandras Frage, bevor sie sich wieder umdrehte. „Hoffe ich zumindest…“
 
Die Elfe atmete noch einmal tief durch, bevor sie kräftig gegen die schlichte Holztür des kleinen Hauses klopfte. Dann ging sie zwei Schritte zurück und wartete ungeduldig darauf, dass eben diese geöffnet wurde. Nervös trat sie dabei von einem Bein auf das andere, während sie permanent mit den Fingerspitzen ihrer Handschuhe aneinander tippte. Sie konnte sich ihre Unruhe selbst nicht erklären. Aber das lag wohl vor allem daran, dass sie gleich einem Teil ihrer Vergangenheit gegenüberstehen würde, mit dem sie für sich schon lange abgeschlossen hatte.
 
„Nein! Ich erwarte niemanden! Keine Ahnung, wer uns besuchen kommt, aber das haben wir ja…“, hörte sie dann eine tiefe Männerstimme hinter der Tür rufen, kurz bevor diese aufgezogen wurde und der blondhaarige Elf mitten im Satz stockte und wie angewurzelt im Türrahmen stehenblieb. Er brauchte einen Moment, bis er sich wieder in der Gewalt hatte. „Verni…Verni, bist du es wirklich?“
 
„Ja, ich bin es, Fineon“, entgegnete diese verlegen und setzte ein leichtes Lächeln auf, hauptsächlich um damit ihre Nervosität zu überspielen. Warum war das Ganze nur so verdammt schwer? Sie hatte doch schon so viel erreicht! Einen Erzdämon geschlachtet, einen Regenten gestürzt, unzählige Feinde zerschmettert. Warum viel es ihr gerade so schwer mit diesem Elfen zu reden, mit dem sie im Kindesalter zusammen gespielt hatte? „Ich weiß, es ist jetzt schon eine Ewigkeit her, aber hättest du trotzdem einen Moment Zeit für mich und meine Gefährtinnen?“
 
„Ja, ja sicher, kommt herein“, meinte der junge Elf, wobei sein überraschter Gesichtsausdruck einem breitem Grinsen wich. Er gab die Tür frei und ließ Vernita und die anderen eintreten. Der Raum, in den sie gelangten war ein recht kleines Esszimmer mit einer Kochnische in der hintern rechten Ecke. Ein runder Tisch stand von Stühlen umringt in der Mitte über einer schlichten Öllampe, die von der Decke herunterhing. Links in der Ecke stand ein Fass, in dem sich verschiedene Werkzeuge befanden. Zwei Regale mit Geschirr und ein großer Wandschrank rundeten das Bild noch ab.
 
„Wer ist denn da an der Tür?“ fragte eine hohe Stimme, kurz bevor eine Elfe aus dem Nachbarzimmer herüberkam. Sie hatte lange, blonde Haare, große, blaue Augen und eine fast kalkweiße Haut. Und durch ihren zierlichen Körperbau repräsentierte sie das genaue Gegenteil Vernitas. Auf ihren dünnen Armen wiegte sie einen etwa sechs Monate alten Säugling.
 
„Heensia, das ist Vernita, eine alte Freundin aus meiner Kindheit. Vernita, das ist Heensia, meine Frau“, stellte Fineon die beiden einander vor.
 
„Vernita! Aber natürlich! Ich erinnere mich!“ feixte Heensia böse, wobei sich ihr Gesicht verfinsterte. „Das ist doch die kleine Schlampe, welche erst ein Verhältnis mit dem adligen Berater des alten Arls angefangen hat, nur um ihn dann zu ermorden! Und als man sie dafür zur Rechenschaft ziehen wollte, flüchtete sie zu den Grauen Wächtern und ließ uns dann ihre Suppe auslöffeln und den Zorn des Arls zu spüren bekommen!“
 
 

#2260
Bellandyrs

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Leanora war heilfroh, dass sie anscheinend freudig begrüßt wurden und folgte ihren Gefährten in die kleine Stube. Zuvor schon war ihr die Armseligkeit des Viertels aufgefallen, aber es sah nicht so aus, als würde der Hausherr sich nicht wohl fühlen. Im Gegenteil, für diese Verhältnisse war die Stube sogar relativ gemütlich und wohnlich eingerichtet.

Lea blickte sich nach einer Sitzgelegenheit um, blieb aber dann bei ihren Gefährtinnen stehen.

Just in dem Moment wo die Hausherrin das erste Wort sagte, schlug der Knabe die Augen auf und blickte verschlafen und verwirrt in die Runde. Diese schien ihn zu verunsichern, denn er drückte sich mit seinem geringen Körper gegen Lea und schlang seine dürren Ärmchen um ihren Hals, um seinen Kopf gleich darauf in ihrer Schulter zu vergraben.
Leanora strich ihm vorsichtig über den Hinterkopf. "Keine Angst mein Kleiner, wir sind vorerst in Sicherheit. Und ich bin ja bei Dir, Dir kann also nichts geschehen", versuchte sie den Jungen zu beruhigen.

Allerdings mußte sie sich höllisch zusammenreissen der Hausherrin nicht ihre Meinung zu geigen. Sie hatte Vernitas Rücken gesehen, und zum großen Teil mitgekriegt, was der Elfe widerfahren war. Aber das hätte ihre Chancen, dass diese armen Leute den Buben fürs erste aufnahmen, nur verschlechtert. So biß sie nur hart auf ihre Unterkiefer und versuchte, ruhig zu bleiben. Allerdings bemerkte sie, dass sich Vernitas Hand in ihrem Panzerhandschuh zur Faust ballte und die Elfe wohl all ihre Beherrschung aufbringen mußte, um entweder nicht aufzuheulen oder die Frau einfach zusammen zu schlagen.

Interessiert blickte sie auch zu Miandra, wie die schwarzhaarige Frau wohl auf diese schwere Anschuldigung reagieren würde. Schließlich hatte sie mittlerweile die Sicherheit, dass Miandra kein Blatt vor den Mund nahm. Bevor diese aufbrausen konnte, versuchte Leanora, abzulenken.

"Der Junge ist aufgewacht'", flüsterte sie der schwarzhaarigen zu.

Modifié par Bellandyrs, 19 octobre 2011 - 07:59 .


#2261
Kisu

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Als Sha´ira zum ersten Mal das Gesindeviertel Denerims betrat, da war es ihr, als ob sie das Tor zu einer anderen Welt durchschritten hätte. Die Stadt Denerim selbst war schon mehr als nur heruntergekommen. Sie war verfallen. Aber das Elfenviertel schlug all das um Längen. Selten hatte sie solche Armut und solches Elend gesehen, das zudem noch vom Stadthalter ganz offensichtlich gefördert wurde.
Dies war also das Herz Fereldens. Verdorben, von innen heraus verfault und korrumpiert bis ins Mark. Keine Verderbtheit war hier am werk, doch sie hätte es nicht besser machen können. Dies war das Werk der Menschen. Die Südländer hatten nie einen besonders hohen Stellenwert bei ihr innegehabt, aber der Anblick von hungernden Kindern und im Angesicht des unsäglichen Elendes ihres Volkes war es aus mit jedweder Sympatie.

Als sie gerade niemand außer Lydia beobachtete, griff sie nach ihrem Goldbeutel und warf ihn den Kindern zu. Sie hatten es nötiger als sie selbst. Wenigstens ein paar satte Tage würde ihnen das bescheren.

Das Haus zu dem sie Vernita geführt hatte, war nicht mehr denn eine schäbige Hütte, gebaut aus altem Holz und anderem Bauschutt den die reicheren wohl einfach irgendwo abgeladen hatten. Drinnen war es hell und recht spartanisch, wenn auch nicht unbedingt schäbig eingerichtet. Etwas zusammengewürfelt sahen die Möbel aus, aber auf manchen Bauernhöfen sah es nicht besser aus.

Der Hausherr war ein freundlicher, breitschuldriger Elf, die Hausherrin war zwar hübsch, aber sie hatte ein Maul wie ein Schwert. Sha´ira erwog es, Vernita zu zeigen, wie man jemanden freundlich um einen kleinen Gefallen bat, doch vorher fragte sie Lydia leise nach ihrem Goldsäckel, welches sie ihr wortlos herüberreichte.

Doch zuerst wollte sie Vernitas Reaktion abwarten, bevor sie vorschnell handelte.

#2262
Kaysallie

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Mit nachdenklichem Blick beobachtete Miandra die folgenden Ereignisse. So nervös hatte sie Vernita ja noch nie erlebt… und schon gar nicht wegen einem Kerl. Eher unbewusst musterte sie den blondhaarigen Elfen der die Türe öffnete von oben bis unten, während sie sich mit einem Finger in langsamen regelmäßigen Abständen ans Kinn tippte. Die Einrichtung dieses mickrigen Hauses war für sie so gut zu sehen wie ein Windstoß; viel zu sehr war sie damit beschäftigt den Elfen und Vernita zu beobachten.

Doch kaum hatten sie den Raum betreten, gesellte sich eine weitere Person zu diesem Schauspiel hinzu, welches sie bislang vertieft studiert hatte. Nur deren Worte passten so gar nicht ins Konzept. Miandra selbst ließ sich davon jedoch nicht provozieren oder aus der Ruhe bringen. Anschuldigungen von Personen die keinerlei Ahnung von der Richtigkeit der Dinge hatten, hatte sie gelernt zu ignorieren oder runterzuschlucken. Doch sie konnte deutlich die Wut spüren, die sich in Vernita aufzubaumen schien, was Miandra ein wenig beunruhigte. Die Elfe stand schon seitdem sie dieses Viertel betreten hatten irgendwie neben sich und Miandra war sich nicht so sicher ob diese nicht gleich ausrasten würde.

Nur kurz blickte sie zu Leanora hinüber, als sie diese leise neben sich flüstern hörte. Der Junge war offenbar wach geworden.
‚Bei der reizvollen Stimme dieser Kratzbürste auch kein Wunder‘, dachte sie sich sarkastisch, bevor sie den Blick wieder abwandte. In ihren Augen hatte Leanora den Jungen gerade noch gut genug unter Kontrolle. Als viel wichtiger erachtete sie es gerade einen eventuellen Streit zu vermeiden. Sie durften hier nicht zu viel Zeit vergeuden, oder wegen dieser vorlauten Elfe vergessen warum sie hier waren.

„Wir sind nicht hier um alte Wunden aufzureißen“, mischte sie sich daher schnell in das Gespräch - sofern man es so nennen konnte - ein, wobei sie näher an Vernita herantrat und ihr beide Hände auf den Oberarm legte. Einerseits um sie im Fall der Fälle festhalten zu können, andererseits in der Hoffnung sie dadurch irgendwie beruhigen zu können. Dabei blieb ihr Blick jedoch auf der blassen blonden Elfe haften.

„Alles was wir hier erhofften zu finden war ein wenig Güte für den Jungen hier“, fuhr Miandra schließlich fort und deutete auf den Kleinen, der sich an Leanora festklammerte, wobei ein zaghaftes Lächeln ihre Lippen umspielte.

„Wir haben momentan nicht die Möglichkeit ihn mitzunehmen, so gerne wir es auch tun würden. Ihr seid doch selbst Mutter eines wunderhübschen Kindes, würdet Ihr es denn in ein paar Jahren gerne so auf der Straße sterben sehen?“ bei ihren letzten Worten sah sie die blonde Elfe durchdringend an, wobei sie hoffte dass dies reichen würde um von dem eigentlich gestarteten Thema abzulenken.

„Nur ein paar Stunden... höchstens ein paar Tage in denen wir ihn sicher wissen können. Dann sind wir auch schon wieder aus Eurem Leben verschwunden“, fügte sie noch hinzu, ehe die hagere Elfe etwas antworten konnte, wobei ein flehender Unterton in Miandras Stimme mitschwang. Anschließend schwieg sie und betete innerlich, dass sie die richtigen Worte erwischt hatte… Ganz leise konnte sie in diesem kurzen Schweigemoment das Scheppern von Münzen aus dem Hintergrund vernehmen, wobei Miandra hoffte, dass alle Elfen so empfindliche Ohren hatten, wie die deren Arm sie gerade festhielt.

Modifié par Kaysallie, 26 octobre 2011 - 09:15 .


#2263
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Vernita war wie vor den Kopf gestoßen. Nichts hatte sich verändert. Noch immer wurde sie von ihrem eigenen Volk verachtet und gehasst. Und weshalb? Nur, weil sie lediglich sie selbst war? Weil sie eben nicht ihr Schicksal angenommen hatte, eine Bürgerin zweiter Klasse zu werden? Weil sie sich nicht zur Sklavin eines Menschen machen lassen wollte?
 
Enttäuschung machte sich in ihr breit. Und Verbitterung darüber, dass sie von ihren eigenen Leuten nicht akzeptiert, ja nicht einmal toleriert wurde. Und das nach allem, was sie getan hatte. Sie bereute jetzt schon, dass sie sich überhaupt dazu durchgerungen hatte, hierher zu kommen. Und das machte sie sehr wütend. Wütend auf sich selbst, aber auch wütend auf diese Frau, welche sie abgrundtief zu hassen schien.
 
Nur am Rande bekam sie mit, dass Miandra sie am Arm festhielt. Zu sehr war sie damit beschäftigt, ihre Beherrschung zu bewahren und nicht auszurasten.
 
„Güte? Für ein Menschenbalg?“ keifte die blonde Elfe weiter. „Welche Güte und Mitgefühl hat denn Eure Art für uns bisher erübrigen können? Wir hausen hier in heruntergekommenen Hütten und dürfen Eure Fußböden schrubben oder sonstige niedere Arbeiten für Euch erledigen! Und dann kommt Ihr hierher und wollt lediglich Euren Ballast bei uns abladen! Geht doch zu Eurer wunderbaren Kirche, wenn ihr die kleine Kröte loswerden wollt! Und verschwindet endlich!“
 
„Das reicht, Heensia!“ mischte sich Fineon in das Streitgespräch ein, welcher offenbar selbst von der Reaktion seiner Frau überrumpelt worden war. „Halt endlich den Mund!“
 
„Das hätte ich mir ja denken können, dass du wie immer auf ihrer Seite bist, Fineon. Du hattest ja schon immer eine Schwäche für diese kleine Hure!“ feixte die Angesprochene ihren Ehemann an.
 
„Schweig endlich!“ wurde der Elf richtig laut. Seine Augen funkelten böse und sein Gesicht nahm eine rötliche Farbe an, während er die Hände zu Fäusten ballte. „Und jetzt nimm‘ unseren Kleinen und lass‘ uns endlich allein, verstanden?!?“
 
Murrend zog Heensia ab und verschwand im Nebenzimmer, wobei sie das Kind auf ihrem Arm wiegte, welches durch den lauten Streit wach geworden war und zu Schreien angefangen hatte. Nachdem seine Frau verschwunden war, beruhigte sich Fineon wieder und sah beschämt zu Boden.
 
„Tut mir leid, Verni“, sagte er nach einem Moment des Schweigens mit gedämpfter Stimme. „Heensia ist normalerweise nicht so. Nur muss ich zu ihrer Verteidigung sagen, dass sie viel durchgemacht hat. Nach dem Tod seines Beraters hat der alte Arl im Gesindeviertel gewütet wie ein Berserker, wie du vielleicht weißt, Verni. Dabei wurde Heensias Bruder getötet. Und als dann schließlich die Dunkle Brut über die Stadt herfiel, verlor sie auch noch ihre Eltern. Das war schlicht und ergreifend zu viel für sie gewesen. Und so wählte sie den für sie einfachsten Weg, indem sie der Person die Schuld dafür gab, mit der alles anzufangen schien…und zwar dir, Verni.“
 
Fineon seufzte und schüttelte dabei den Kopf. „Und ich dachte, ich hätte ihr diesen Hass nehmen können…zumindest bis gerade eben war das auch so. Jetzt brauche ich einen Schnaps. Setzt euch, erweist mir die Ehre, mit euch zu trinken, auch wenn ihr alle ausseht, als hättet ihr es eilig.“
 
Der Elf setzte sich in Bewegung. Er ging zu dem Wandschrank hinüber, öffnete diesen und nahm eine Amphore sowie mehrere Becher aus einfachem Ton heraus. Damit ging er zu dem Tisch, wo er alles abstellte und die Becher nach und nach mit einem kleinen Schluck der klaren Flüssigkeit füllte, welche sich in der Amphore befand. Danach ergriff er eins der Gefäße und leerte es mit einem Zug. Daraufhin zog er scharf die Luft ein, goss sich allerdings sofort nach, bevor er die übrigen Becher an die anderen weiterreichte.
 
Vernita selbst löste sich von Miandra und ging zu Fineon an den Tisch. Sie nahm einen der Becher entgegen, prostete dem Elfen zu und kippte sich den Schnaps ebenso mit einem Zug in den Rachen. Das Zeug war ziemlich stark, brannte wie Feuer, doch für die Elfe war es in diesem Moment genau das Richtige.
 
„Ich werde den Jungen aufnehmen, Verni. Auch wenn ich euch die Geschichte nicht abkaufe, dass ihr ihn auf der Straße aufgelesen habt. Aber das spielt keine Rolle“, meinte Fineon und sah dabei versonnen auf die Tischplatte, bevor er die Elfe angrinste und seinen Becher ein zweites Mal leerte.
 
„Danke, Fineon“, meinte die Angesprochene mit einem Lächeln, während sie dem Mann eine Hand auf den Arm legte. „Aber was ist mit deiner Frau?“
 
„Mach‘ dir darüber keine Sorge. Die beruhigt sich schon wieder. Vermutlich tut es ihr jetzt schon wieder leid. Das wird kein Problem sein.“
 
„Alles klar. Nochmals danke. Wir werden dir etwas Geld hierlassen, damit…“
 
„Behalte dein Geld, Verni. Ich will es nicht.“
 
„Das soll kein Almosen sein, Fineon“, meinte die Elfe beruhigend und legte dabei den Kopf zur Seite.
 
„Ich weiß. Trotzdem will ich es nicht. Dir ist es vielleicht nicht bewusst, doch ich habe noch eine Schuld bei dir abzutragen, und da werde ich dafür sicher kein Geld von dir annehmen.“
 
Fineon lächelte schwach, als er Vernitas fragenden und auch überraschten Gesichtsausdruck sah. „Ja, so ist es, Verni. Und zwar eine, welche schon so lange auf meiner Seele lastet. Du erinnerst dich doch sicher noch an unsere letzte Begegnung, nicht wahr?“
 
Sicher tat sie das. Erst gestern durchlebte sie diesen Tag im Nichts noch einmal. Sie sah den jungen Fineon weglaufen und dann nie wieder, weil seine Eltern, es ihm nicht mehr erlaubten, mit ihr zu spielen. Doch aussprechen wollte es die Angesprochene nicht, da sie fürchtete, dann wieder weinen zu müssen. So nickte sie nur bestätigend.
 
„Es war nicht meine Entscheidung gewesen, dass wir uns damals als Kinder nicht mehr wiedersahen. Meine Eltern zwangen mich dazu“, berichtete der Elf, wobei er den leeren Becher auf der Tischplatte kreisen ließ und damit vermied, Vernita direkt anzusehen. „Sie sperrten mich in mein Zimmer, obwohl ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehrte. Ich schrie, tobte und weinte, doch sie ließen mich nicht wieder hinaus. Tagelang…wochenlang, bis ich schließlich nachgab. Ich musste ihnen versprechen, dass wir uns nicht wiedersehen, damit sie mich wieder rausließen. Und sie drohten mir mit weitaus Schlimmeren, wenn ich dieses Versprechen brechen würde. Doch als ich dieses Versprechen gab, da schwor ich mir gleichzeitig selbst, dass ich nie so werden würde wie meine Eltern, und dass ich das, was ich dir ihretwegen angetan habe, wieder gutmachen werde. Und genau aus diesem Grund, helfe ich dir. Und deshalb will ich auch kein Geld von dir. Denn dann wäre ich auch nicht besser, als meine Eltern es waren.“
 
Nun sah Fineon wieder auf, direkt in Vernitas Gesicht. Tränen liefen ihm dabei über die Wangen und die Elfe sah deutlich, das Schuldbewusstsein in seinen Augen. So nahm sie ihren Helm ab und zog ihre Panzerhandschuhe aus. Beides legte sie auf dem Tisch ab, trat einen Schritt auf Fineon zu und nahm diesen in den Arm, wobei sie ihren Kopf auf seine Brust legte und dabei die Augen schloss.
 
„Ich verzeihe dir, mein großer, alter Freund“, hauchte Vernita leise, während sich auch in ihren Augen Tränen bildeten. Daraufhin schlang auch er die Arme um die Elfe, ungeachtet ihrer schweren und kalten Rüstung und verfiel dabei in schallendes Freudengelächter. Seine rechte Hand ergriff den Hinterkopf der Frau, während er ihre Haare und die Stirn mit unzähligen Küssen übersäte und sich dabei unentwegt bei ihr bedankte. Vernita blieb einfach stehen und genoss die Umarmung ihres alten Freundes.
 
Schließlich lösten sich die beiden wieder voneinander und sahen sich noch für einen zeitlosen Moment in die Augen, bevor die Elfe ihren Kopf zu den anderen drehte. „Leanora, übergebt den Jungen jetzt an Fineon. Er wird sich gut um ihn kümmern. Und dann müssen wir los. Wir haben noch einiges zu tun.“
 
Bei ihren letzten Worten sah sie den Elfen wieder an, welcher nur wissend nickte und Vernita wieder losließ. Diese zog ihre Handschuhe an und setzte ihren Helm auf, während sie Fineon nach wie vor anlächelte. „Danke, Fineon. Wir kommen so schnell zurück, wie wir können. Das verspreche ich dir.“
 
„Ich freue mich schon darauf, meine kleine Verni“, grinste dieser zurück, während er sich die Tränen aus dem Gesicht wischte.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 21 octobre 2011 - 05:29 .


#2264
SickOfItAll

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Lydia wusste vom Gesindeviertel der Stadt, aber es war einfach erniedrigend jenseits aller Vorstellungskraft. Von zu Hause kannte sie so etwas nicht. Elf und Mensch waren da gleich. Egal in welcher Beziehung. Hier wurde ihr Volk gedemütigt, unterdrückt, geknechtet. Für ... ja für was ? Für nichts. Dafür, das sie existierten ? Nein. Weil Mensch wie Elf verdorben ist. Aber dem Menschen wohnt eine Bösartigkeit inne, die der einer Verderbtheit gleich kommt. Kein Wesen war so selbstzerstörerisch wie der Mensch zu sich, zu anderen, zu seiner Umweld.

Die Hütte zu der Vernita sie geführt hatte war weder groß, noch besonders gut eingerichtet, aber unbequem sah sie nicht aus. Im Gegensatz zu einigen der Bewohner. Die Frau keifte Vernita an, als wäre sie ein Erzdämon in humaner Form, ihr Gatte hatte doch einige Mühe um sie davon abzuhalten noch lauter herumzuschreien, aber schlussendlich brachte er sie dazu, das sie doch das Maul hielt und sich trollte.

Lydia reichte schweigend ihren Goldbeutel an Sha´ira weiter. Sie tat es gern. Für das Unterbringen des Kindes wollte sie ebenfalls etwas leisten, und Geld tat hier not. Sha´ira hatte ihre letzten Sovereigns schon geopfert und Lydia tat es ihr gerne gleich. Sie half damit, und sie wusste, das trotz aller dankender Ablehnung das Gold schließlich doch glücklich angenommen wurde.

Und Vernita war plötzlich verändert. So hatte sie die sonst so schroffe Elfe noch nicht erlebt. Und es machte sie schwach. Irgendwie war sie auch süß, wenn sie so verloren vor dem großen Elfen stand.

Sie schlang einen Arm um Sha´ira und drückte sie an sich. " Siehst du, manchmal ist sie garnicht so schlimm, wie sie aussieht. Wenn sie bloß immer so wäre. " kicherte Lydia leise Sha´ira ins ohr und küsste sie.

#2265
Bellandyrs

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Leanora verfolgte das Wortgefecht mit offenem Mund. Der Hass, der ihnen entgegen kam, verunsicherte sie. Sie kannte diese Art zu leben nicht. Zuhause hatten sie auch Bedienstete, aber es waren keine Elfen darunter gewesen, und die Mägde und Knechte wurden bezahlt. Zumindest hatte sie nie jemanden murren gehört. Beinahe schämte sie sich für ihr Volk, welches die Elfen so behandelte. Andererseits war die Hausherrin wohl auch zu verbohrt, um Einsicht zu zeigen und Unterschiede zu machen. Es waren schließlich nicht alle Menschen gleich. Und Elfen auch nicht, wie sie kurz darauf feststellen durfte, nachdem der Mann sein Weib in die andere Stube geschickt hatte.

Dieser Fineon sah aus als würde er sich richtig darüber freuen, Vernita zu sehen. Bei seinem Geständnis traten Lea Tränen der Rührung in die Augen, und sie bedauerte die beiden, wieviel Zeit sie dadurch verloren hatten. Zeit, in der beide vielleicht etwas glücklicher gewesen sein konnten. Hätten Fineons Eltern nicht dieses Verbot gesprochen, wäre vielleicht jetzt  Vernita Mutter des Säuglings und glückliche Ehefrau, statt die hartgesottene Mörderin, die sich mit Erzdämonen und schlimmeren herumschlug. Aber dies gehörte zur Vergangenheit, und sie freute sich aufrichtig, dass die Freundschaft der beiden trotz aller Widrigkeiten Bestand hatte.

Sie spürte, wie sich der Junge verängstigt an sie drückte, während die Elfe zeterte. Erst, als die ruhigeren Worte des Hausherren an sein Ohr drangen, hörte er zu zittern auf und lugte sogar ein wenig neugierig unter seiner provisorischen Kapuze hervor.
Das nutzte sie, um ebenfalls an den Tisch zu treten und mit ihrer freien Hand nach dem Becher zu greifen.

"Vielen Dank, ich glaube, das ist im Moment das richtige Getränk für uns."
Sie hob den Becher prostend in Fineons Richtung und anschließend an ihren Mund. Als ihr der scharfe stechende Geruch des Alkohols in die Nase drang, traten ihr wieder Tränen in die Augen. Aber sie war heilfroh um den Fusel. Er wärmte von innen und befeuchtete trotz allem Feuer die Kehle.

Schließlich war es soweit, Vernita forderte Lea dazu auf, den Knaben abzugeben.

"Hör zu mein Kleiner, bleibst Du ein bischen bei diesen Leuten hier? Der Mann tut Dir ganz sicher nichts, ja? Ich muß noch etwas erledigen, aber dann hole ich Dich wieder ab. Du mußt keine Angst haben."

Als sie sich bückte und den Jungen auf den Boden absetzen wollte, begann dieser jedoch, sich noch fester an Lea zu klammern und strampelte mit seinen Beinchen. Ein beinahe flehender Ausdruck lag dabei auf seinem Gesicht.

Lea ging in die Hocke, so dass sie ihn auf den Boden stellen konnte aber er sie dabei nicht auslassen mußte. Außerdem war sie so mit ihrem Gesicht auf fast gleicher Höhe.
"Ich verspreche Dir hoch und heilig, dass ich wieder komme. Du mußt wirklich keine Angst haben."

Ihr Blick wanderte ratlos zu Miandra und Vernita. Wie schafften sie es, dass der Junge zu Fineon Vertrauen faßte?

Modifié par Bellandyrs, 20 octobre 2011 - 08:09 .


#2266
Kaysallie

Kaysallie
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Miandra entspannte sich ein wenig nachdem die blonde Elfe samt ihres Balges den Raum wieder verlassen hatte. Eigentlich hatte sie mit gar keiner anderen Reaktion gerechnet, als mit Beschuldigungen gegenüber den Menschen, denn von so einem vorlauten Weib war ohnehin nichts anderes zu erwarten gewesen. Aber immerhin konnte Miandra es erreichen diese auf ein anderes Thema zu lenken, wobei ihr erst jetzt im Nachhinein klar wurde, dass sie eigentlich fast ausschließlich eben genau das bezwecken wollte… Und scheinbar war auch der Elf mit seiner Männlichkeit doch noch zu etwas Nütze außer zum Öffnen der Türe.

Nachdem sich Vernita zu Fineon an den Tisch gesellt hatte, um den Schnaps zu leeren welchen er bereitstellte, blieb Miandra noch ein wenig an Ort und Stelle stehen und beobachtete mit ausdrucklos kühler Miene deren Unterhaltung. Doch als der Elf schließlich davon begann zu erzählen, wie ihn seine Eltern zuhause einsperrten und er dabei auch noch zu heulen begann, wurde ihr regelrecht übel - so wie es ja auch sonst immer der Fall war bei solch schmalzigen Gerede... auch wenn es dieses Mal irgendwie anders war…

Daher ging sie ebenfalls zu dem Tisch, jedoch bewusst an das andere Ende, nahm sich einen der bereit gestellten Becher und leerte diesen, ungeachtet des scheußlich billigen Geschmacks, welchen sie gerade gar nicht zu spüren vermochte, mit einem recht langsamen Zug, während sie das Geschehnis mit einem apathischen Blick weiterhin verfolgte.

Dabei war ihr Kopf vollkommen leer, oder es strömten bereits zu viele Gedanken durch diesen hindurch um auch nur einen davon klar fassen zu können. Doch Miandra brauchte ihren Kopf auch gerade nicht, um zu erkennen was hier vor sich ging, da es ihr jede Faser ihres Körpers sagte, auch wenn sie nicht recht verstand warum er das tat.

Sollte sie sich nicht eigentlich darüber freuen, dass Vernita wenigstens einen kleinen Teil aus ihrer Kindheit zurück bekam? Wahrscheinlich sollte sie das, dennoch tat sie es gerade nicht. Vielleicht widerte sie der Anblick, wie sich die beiden in die Arme fielen, einfach zu sehr an…

Unbewusst hatte sie mit weiterhin unbewegter Miene zu der Amphore gegriffen und ihren Becher nachgefüllt - was sich keine zwei Sekunden später als die beste Entscheidung ihres bisherigen Lebens herausstellte. Denn nichts hätte sie bei dem Anblick, wie der Elf Vernita mit Danksagungen und Küssen überschüttete, besser gebrauchen können als diesen Trunk.

Diesen Becher leerte sie jedoch in Rekordzeit.

Kaum hatte Miandra das kleine Behältnis auf dem Tisch abgestellt und die Worte vernommen, dass Leanora den Jungen nun abgeben konnte und sie aufbrechen würden, wollte Miandra bereits kehrt machen und zu der Türe gehen. Hier hatte sie für heute genug gesehen.

Nebenbei bemerkte sie noch, dass Leanora offenbar Schwierigkeiten damit hatte sich von dem Jungen zu trennen. „Der beste Weg sich von einem Kind zu trennen ist wenn man es schnell macht“, sagte sie nur missmutig zu der blonden Frau ohne diese überhaupt anzusehen, während sie an dieser vorbei ging und ohne weitere Worte das Haus verließ. Eigentlich stimmte das was sie sagte sogar, jedoch hatte sie es in einer solch bitteren Tonlage ausgesprochen, dass es wahrscheinlich einfach nur falsch und drängend klang. Doch Miandra fühlte sich gerade nicht dazu in der Lage Leanora besser zu helfen als mit diesen paar Worten.

Draußen angekommen blieb sie im Schatten des großen Baumes welcher davor stand stehen. Kurz sah sie sich um, doch die staubigen Straßen des Gesindeviertels waren genauso leer wie zuvor. Erst als sie die Lage überprüft hatte stieß sie ein schwerfälliges Seufzen aus, lehnte sich seitlich mit Schulter und Kopf an den Stamm des Baumes und rieb sich dabei angestrengt die Augen, als könne sie damit das was sie gerade gesehen hatte einfach heraus löschen. Nur leider schien das nicht so einfach zu funktionieren, wie sie es gerne hätte. Daher hörte sie damit leise fluchend wieder auf und blickte stattdessen abwesend auf den kahlen Boden unter sich.

Modifié par Kaysallie, 21 octobre 2011 - 02:31 .


#2267
Bellandyrs

Bellandyrs
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Na toll. Miandras Rat war für die Katz. An ihr lag es schließlich nicht, dass der Junge sie nicht loslassen wollte. Sie konnte den Knaben verstehen - gerettet von Folter und Knechtschaft, oder weiß der Erbauer was ihm alles angetan wurde, und das von Männern ausgeführt. Und jetzt ließen sie ihn in der Obhut eines... Mannes. Wenngleich es ein Elf war, aber das machte rein geschlechtlich ja nun keinen Unterschied.

#2268
Aliens Crew

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„Wartet! Das haben wir gleich!“ meinte Fineon und ging ein weiteres Mal zu dem Wandschrank, welchen er erneut öffnete. „Ich habe noch ein paar Weizenkekse und etwas Ziegenmilch. Der Junge wird sicher Hunger haben.“
 
Der Elf nahm eine kleine Schale mit den Keksen, sowie einen Krug und einen weiteren Tonbecher aus dem Schrank, bevor er damit zu dem Tisch zurückeilte, wo er alles platzierte. Anschließend trat er hinter den Jungen, welcher Leanora immer noch umklammerte.
 
„Wie Eure Freundin schon sagte, es muss schnell gehen“, sagte er noch, bückte sich und umschloss mit seinen Händen den schmalen Brustkorb des Knaben. Mit sanften aber bestimmten Druck zog er ihn anschließend einfach von Leanora weg. Der Junge zitterte dabei wie Espenlaub und strampelte auch mit den Beinen, doch hatte er nicht mehr die Kraft, um sich an der Frau festhalten zu können. Der Elf hob ihn vom Boden auf und trug ihn zu dem Tisch herüber, wobei er sich leicht erschrak, wie leicht der Knabe doch für ein Kind seiner Größe war. „Keine Angst, mein Kleiner. Dir tut hier niemand etwas. Jetzt gibt es erst einmal was zu essen und danach kannst du dich ausruhen.“
 
Fineon ließ sich auf einem der Stühle nieder, wobei er den Jungen auf seinem Schoß absetzte. Da dieser wieder weg wollte, hielt der Elf ihn mit einem Arm umklammert, während er mit seiner anderen Hand, etwas von der Milch in den sauberen Becher füllte. Anschließend nahm er einen der Weizenkekse und hielt diesem den Knaben hin. Doch der dachte überhaupt nicht daran, diesen zu essen. Er presste die Lippen zusammen und drehte dabei den Kopf weg.
 
„Was ist denn, mein Junge?“ sagte Fineon fürsorglich. „Das ist gut. Ich weiß doch, dass du Hunger hast, also iss davon. Das schmeckt wirklich gut. Schau her.“
 
Vor den Augen des Knaben biss der Elf ein Stück von dem Keks ab und begann damit, darauf herumzukauen, wobei er das Gesicht verzog, als würde er gerade die köstlichste Speise auf ganz Thedas probieren. Das Zittern des Jungen ließ etwas nach, während er den Elfen dabei beobachtete, wie dieser wohl gerade einen zweiten Bissen nehmen wollte. Doch als dieser den Ausdruck in den Augen des Kleinen bemerkte, hielt er inne.
 
„Willst du auch mal?“ fragte der Elf lächelnd und hielt dem Jungen erneut den Weizenkeks vor den Mund. Zaghaft biss dieser ein kleines Stück davon ab, welches er behutsam kaute, so als wolle er analysieren, was er da gerade zu sich nahm.
 
„Schmeckt gut, nicht wahr?“ bemerkte Fineon zufrieden. Der Junge sagte nichts darauf, sondern griff stattdessen mit beiden Händen nach dem Keks und begann damit, diesen in rasender Geschwindigkeit aufzuessen. Das Zittern seines Körpers war dabei vollständig abgeklungen.
 
„So ist es gut“, sagte der Elf noch, bevor er sich an die anderen wandte. „Ihr solltet jetzt gehen, solange der Kleine beschäftigt ist. Und macht Euch keine Sorgen, ihm wird es gut gehen. Er wird sich schon an mich gewöhnen, keine Angst.“
 
„Ihr habt den Mann gehört! Verschwinden wir!“ erwiderte Vernita daraufhin, welche das ganze Schauspiel mit einem Lächeln beobachtet hatte. „Und danke nochmals, Fineon.“
 
Der Angesprochene grinste nur, während er der Elfe noch einmal zuzwinkerte. Diese nickte ein letztes Mal, bevor sie sich abwandte und die kleine Hütte verließ. Draußen atmete sie einmal tief durch, während ihr Blick auf Miandra fiel, welche offensichtlich gedankenverloren im Schatten des Baumes stand und zu Boden starrte. Die Elfe zog für einen Moment die Stirn in Falten, bevor sie sich in Bewegung setzte und sich zu der schwarzhaarigen Frau gesellte.
 
„Lief doch besser, als ich es erwartet hatte“, meinte sie lächelnd. Doch als sie nicht gleich eine Antwort bekam, nahm ihr Gesicht einen besorgten Ausdruck an, und sie fing an mit den Füßen durch den sandigen Boden zu scharren. „Was ist los mit dir? Stimmt irgendetwas nicht?“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 21 octobre 2011 - 05:15 .


#2269
Bellandyrs

Bellandyrs
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"Vielen Dank" sagte Leanora leise. "Gebt gut auf ihn Acht, er hat schlimmes durchgemacht. Wenn er soweit Vertrauen gefaßt hat, und Ihr vielleicht etwas Ringelblumensalbe habt, so könnt Ihr versuchen seine Wunden ein wenig zu verarzten."

Dies sagte sie, als sie den anderen hinaus folgte und ohne dabei den Jungen oder Fineon anzusehen. Ihr Herz ging auf vor Freude, dass der Junge etwas zu sich nahm. Er mußte schließlich wieder zu Kräften kommen, und wer wußte schon, wann er das letzte mal etwas zu Essen hatte.

Draussen atmete sie tief durch. Was nun vor ihnen lag war wohl noch schwerer, als das, was sie bereits hinter sich hatten. Sie hoffte für Miandra, dass sie ihre Tochter fanden, und das am besten unversehrt.

#2270
Kaysallie

Kaysallie
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Ein sanfter Windstoß zog durch die Gasse und ließ ein wenig Staub des kahlen Bodens ganz sanft und in kreiselartigen Bewegungen aufwirbeln. Gebannt starrte Miandra auf diese kleine Bewegung, während ihr einige schwarze Haarsträhnen ins Gesicht geweht wurden. Doch das bekam sie nicht einmal wirklich mit. Zu sehr war sie vertieft in unzähligen Gedanken und Fragen, die wie ein Chaos durch ihren Kopf strömten, wobei sie jedoch von außen hin vollkommen bewegungslos und ruhig, ja fast schon lässig an den Baum gelehnt dastand.

Aber warum genau stand sie nun eigentlich hier? Am liebsten hätte sie sich selbst gesagt, dass sie es tat weil sie sich beeilen mussten und keine Zeit vergeuden sollten, doch irgendwie entsprach dies nicht ganz der Wahrheit… wie sie sich selbst eingestehen musste. Aber eigentlich war der Grund recht simpel:

Miandra hatte etwas gesehen, womit sie niemals gerechnet hätte. Sie hatte tiefe Blicke und Berührungen gesehen, die für sie nach einer intensiven Verbundenheit aussahen, nach etwas in das sie erst vor kurzem begonnen hatte zu glauben. Ja, sie hatte tatsächlich begonnen zu glauben, dass es zwischen ihr und der Elfe so etwas geben könnte, etwas das sie aufgrund der vielen Scheiße hatten die sie in ihrem Leben mitmachen durften, etwas das es wert sein würde zu versuchen doch noch etwas Positives zurückzubekommen… etwas das nur sie beide hatten.

Nur war sie sich jetzt nicht mehr so sicher ob das tatsächlich so war. Gerade kam sie sich so vor als wäre sie nur so etwas wie eine zweite Wahl, eine Alternative die sich eben so ergeben hat, da dem eigentlichen Plan ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde. Oder bildete sie sich das vielleicht nur ein? Warum beschäftigte sie das nur so sehr? Was war nur los mit ihr? Schon den ganzen Tag fühlte sie sich so, als würde sie vollkommen neben sich stehen. Aber woran lag das? Hatte sie etwa Angst? Vielleicht davor, dass sie da unten ihre Tochter nicht finden würde? Oder eher davor sie zu finden und nicht zu wissen wie es dann weitergehen würde…? Wie würde es denn dann weitergehen mit ihnen? Hatte sie Vernita deswegen vorhin geküsst? Aus Angst, die Gelegenheit nicht mehr zu bekommen? Oder aus Angst sie zu verlieren wenn sie es nicht tun würde, da ihr wieder einmal vor Augen trat wie sehr sie die Elfe inzwischen brauchte und wie viel sie eigentlich gemeinsam hatten? Oder hatte sie es getan, weil sie doch damit gerechnet hatte so etwas wie gerade eben sehen zu können? Zumindest seitdem Vernita von diesem Elfen zu erzählen begonnen hatte, fühlte sie diese Angst noch intensiver. Es war als würde sie sich zum ersten Mal ungesehen fühlen, als müsse sich Aufmerksamkeit erkämpfen, da es etwas anderes gab das diese gerade auf sich zog. Aber wie bescheuert war das eigentlich? Hatte sie wirklich geglaubt, dass das irgendetwas ändern würde?

Am liebsten hätte Miandra gerade mehrere Male mit den bloßen Fäusten gegen den Baumstamm neben sich geschlagen und dabei laut geschrien, da sie gerade so wütend auf sich selbst wurde und ihr allmählich Kopf und Magen weh taten von diesen ewigen Gedanken die sie belasteten. Doch alles was geschah, war dass sich ihre Atmung ein wenig beschleunigte, sich ihr Blick weiter senkte und verfinsterte. Wieso war sie nur so naiv geworden und hatte diesen elenden Gefühlen nachgegeben? Sie hätte einfach so weitermachen sollen wie bisher, aber sie musste ja dumm sein und Vernita vertrauen und sich ihr öffnen… dabei war sie doch nichts weiter als eine Hintertür.

„Mir wurde es da drin nur zu stickig“, war alles was sie gedämpft sagte, als sie mitbekam dass sie von Vernita angesprochen wurde… und eigentlich war das in gewisser Hinsicht nicht einmal gelogen. Erst danach hob sie den Blick, sah jedoch geradeaus die Gasse entlang. Sie konnte die Elfe jetzt nicht ansehen, sonst würde all das aus ihr herausbrechen… denn schon jetzt spürte Miandra wie sehr sie sich gerade beherrschen musste um nicht sofort loszuheulen, aber sie wollte sich nicht noch weiteren Gefühlen hingeben, die sie später nur wieder beschäftigen würden… und außerdem hatten sie für so etwas nun wirklich nicht die Zeit.

„Außerdem haben wir es eilig, nicht?“, fügte sie daher noch heiser hinzu und als sie die Schritte der anderen hinter sich hören konnte, setzte sie sich eher automatisch in Bewegung.

Modifié par Kaysallie, 24 octobre 2011 - 09:28 .


#2271
Aliens Crew

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„Einen Moment, Miandra“, meinte Vernita in einem entschlossenen Tonfall und schlug dabei leicht auf die Schulter der schwarzhaarigen Frau, welche sich gerade in Bewegung setzten wollte. Die Elfe griff sofort zu und hielt Miandra damit zurück. Als diese dann zum Stehen kam, ging Vernita um sie herum und positionierte sich direkt vor ihr, wobei sie ihr auch noch ihre zweite Hand auf die andere Schulter legte.
 
„Willst du mir etwa tatsächlich einreden, dass dies alles ist? Ausgerechnet mir?“ Die Elfe sah Miandra bei diesen Worten direkt in die Augen, wobei sie sich dieser soweit näherte, dass die schwarzhaarige Frau Vernitas Blick nicht ausweichen konnte. Und nun legte sich auch ein Lächeln auf die Gesichtszüge der Elfe. „Du solltest doch eigentlich wissen, dass du mir nichts mehr vormachen kannst, nach allem, was uns beiden widerfahren ist. Also, raus mit der Sprache. Was beschäftigt dich?“
 
Sie machte eine kurze Pause, bevor sie noch etwas hinzufügte. „Und sag’ mir bitte nicht, dass wir dafür jetzt keine Zeit haben. Wenn wir wieder in dieses Kellerloch zurückgehen, muss jeder von uns einen klaren Kopf haben. Wenn es also ein Problem gibt, dann sollten wir das hier und jetzt klären, einverstanden?“
 
 
 

#2272
Kaysallie

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Fast so automatisch wie Miandra losgegangen war, ebenso automatisch blieb sie einfach stehen als sie festgehalten wurde. Langsam senkte sie wieder den Blick, in der Hoffnung so denen der Elfe ausweichen zu können.

„Was mich beschäftigt?“ wiederholte sie die Frage leise, als würde ihr dadurch schneller eine Antwort einfallen. Es schoss so vieles durch ihren Kopf, so dass sie keine Ahnung hatte was sie eigentlich sagen - oder eher wo sie anfangen sollte.

„Dass ich nicht weiß wie es weitergehen wird…“, meinte sie schließlich und machte anschließend eine kurze Pause, während sie ihren Blick noch weiter in Richtung Boden senkte. „…mit uns“, fügte sie dann gebrochen hinzu, bevor sie einmal kurz schluckte. Miandra war es nicht gewohnt über solche Themen zu reden, normalerweise ging sie solchen Sachen generell aus dem Weg, ignorierte sie oder schluckte sie einfach herunter. Nur gab es gerade eben keinen Weg mehr dem sie entlang gehen konnte, um nicht darüber reden zu müssen. Das einzige was es vor ihr gab war Vernita, die sie an den Schultern festhielt und auf Antworten bestand.

Gerade als ihr der Gedanke kam, dass sie sich auch einfach losreißen könnte um dieser Unterhaltung aus dem Weg zu gehen, begann sie einfach drauf los zu reden. Dass ihre Stimme und ihr Körper dabei leicht zitterten, da sie so sehr damit beschäftigt war diese grässlichen Tränen zu unterdrücken, bekam sie nicht wirklich mit. „Dort unten in diesem Keller könnte mein kleines Mädchen auf mich warten, der Grund wieso ich überhaupt hier bin, der Grund wieso so vieles passiert ist. So sehr habe ich danach gestrebt, aber nun wo ich sie vielleicht endlich finden könnte… ich vielleicht schon knapp davor stehe… nun ist mir klar geworden was ich dadurch verlieren würde. Ich würde mit ihr aus dieser Stadt verschwinden, irgendwohin gehen, wo ich den Wind wieder spüren könnte, wenn er den Geruch der Freiheit mit sich trägt… nicht so wie hier in diesem verfluchten und gottverlassenen Drecksloch. Das war mein Ziel, mein Plan von Anfang an.“

Miandra atmete einmal tief ein und aus, bevor sie den Blick wieder hob, wobei sie vorerst noch recht unsicher wirkte, dann jedoch entschlossen fortfuhr und sich Stück für Stück regelrecht in Rage redete. „Aber was ist mit dir? Du hast mir einst gesagt, dass du bei mir bleiben möchtest, wenn all das hier vorbei ist… aber kannst du das überhaupt? Manchmal glaube ich dass du es kannst, doch dann … ja, eigentlich weiß ich nicht einmal wer du überhaupt bist. Es gibt Momente in denen du mich glauben lässt, dass da jemand vor mir steht, der mich tatsächlich brauchen könnte; dann gibt es wieder welche wo du eine kalte Mörderin bist, bei der ich glaube, dass sie ohne des Tötens gar nicht leben könnte, da es sie so sehr befriedigt; und dann … ja dann gibt es noch die, die mich nach allem was uns beiden widerfahren ist - wie du ja so treffend sagtest - hierher bringt, zu einem Kerl von dem ich heute das erste Mal etwas gehört habe, und die mir zeigt, wie wenig doch eigentlich von dem stimmt, was mir immer wieder von ihr gesagt wurde und wie dumm ich doch war es zu glauben… und die mich jetzt an all dem zweifeln lässt, was sie jemals zu mir gesagt hat.
Ich habe dir alles aus meiner beschissenen Kindheit und meinem Leben erzählt, da ich dachte endlich jemanden begegnet zu sein der mich versteht, da sein Leben genauso beschissen verlief. Aber du verlierst in all der Zeit nicht ein einziges Wort darüber, dass in unmittelbarer Nähe jemand lebt für den du ja offensichtlich sogar noch Gefühle hegst. Oder dachtest du ich bin so blöd und sehe das nicht, nur weil ich mir mit all diesen Gefühlsduseleien so schwer tue? Weißt du eigentlich wie schwer ich mir mit all dem tue? Wie schwer es mir fällt, in all das zu vertrauen, wo ich doch mein gesamtes Leben immer das Gegenteil getan habe? Ich dachte du wüsstest das, würdest es verstehen… aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher…“

Kurz hielt Miandra inne und holte dabei einige Male Luft als ihr auffiel, wie schnell sie gerade geredet hatte und dass sie dabei so wütend geworden war, dass nun die Tränen, die sie doch so sehr unterdrücken wollte, ihren Wangen hinab liefen. Diese Tatsache ließ sie beinahe noch wütender auf sich selbst werden, da sie es gerade als Schwäche ansah, dass sie diese nicht kontrollieren konnte. Doch nur zwei Herzschläge später stieß sie einen leichten bitteren Lacher aus. „Und der Witz an all dem ist, dass ich es trotzdem tue. Nein, ich tue es nicht nur, ich versuche sogar tatsächlich all das zu ignorieren, was ich sonst niemals in Frage gestellt hätte, und bemühe mich sogar noch darum dir all das zu geben, was du von mir wollen könntest, obwohl ich keinerlei Ahnung habe wohin das Ganze überhaupt führt... ich ja nicht einmal mehr weiß, was ich eigentlich noch glauben soll… und das nur weil ich Angst habe, das wieder zu verlieren, in das ich nach so langer Zeit begonnen habe zu glauben… Ja, ich muss langsam echt bescheuert sein.“

Mit ihren letzten Worten drehte sie sich zur Seite und wischte sich zornig die Tränen von den Wangen. Viel lieber wäre sie einfach weggegangen, aber das hätte ja sowieso keinen Sinn gehabt. „Einen klaren Kopf haben… Dass ich nicht lache…“, murmelte sie dabei noch abwertend vor sich hin.

Modifié par Kaysallie, 25 octobre 2011 - 07:29 .


#2273
Aliens Crew

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„Ich verstehe“, meinte Vernita langgezogen, während sie unbewusst ihre Umklammerung der schwarzhaarigen Frau löste und die Arme sinken ließ. Dabei traf sie die Erkenntnis wie ein Schlag ins Gesicht. Miandra war eifersüchtig! Und das auf Fineon? Es klang unglaubwürdig, aber so war es dann wohl. Geradezu lächerlich! Doch wie sollte die Elfe ihr das begreiflich machen? Sie war ja selbst nicht besonders gut darin, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen.
 
„Du hast Angst, du könntest mich an Fineon verlieren, nicht, wahr? Das brauchst du nicht, denn ich bin ganz die deine“, begann sie mit ruhiger, eindringlicher Stimme, während ein Lächeln für einen Moment über ihr Gesicht huschte. „Vielleicht tust du gut daran, mir nicht zu glauben und zu misstrauen. Ich würde mir wohl auch nicht trauen. Ich hätte dir von Fineon erzählen sollen, aber ich habe es nicht getan, weil...nun, weil es bis gerade eben nichts über ihn zu erzählen gab. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, war ich sechs Jahre alt. Er war so etwas wie mein großer Bruder gewesen, den ich nie hatte. Wir spielten jeden Tag zusammen, bis...bis seine Eltern ihm verbaten, sich weiter mit mir abzugeben. Mir brach das Herz....zum ersten Mal in meinem Leben. Ich habe tagelang geheult, bis ich schließlich mit diesem Kapitel endgültig abschloss. So dachte ich zumindest...“
 
Vernita machte eine kurze Pause, in der sie Miandra fast schon flehend anblickte und sich dabei langsam die Panzerhandschuhe auszog, die sie einfach auf die Erde fallen ließ. „Gestern sah ich ihn zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in meinem Geist. Du weißt, im Nichts, wohin uns dieser kranke Bastard von Kirchenvorsteher geschickt hat, um uns zu quälen. Meinen großen Bruder und einzigen Freund, den ich je hatte und der mir genommen worden war. Erst dort wurde dieses Kapitel aus meinem Leben noch einmal aufgeschlagen. Selbst als ich erwachsen war, befreit von meinem Peiniger und der Verderbnis Fereldens, selbst da dachte ich nicht mehr an ihn, denn ich war nicht mehr dieselbe, wie damals, als er und ich uns so nahe waren wie kaum zwei andere Lebewesen auf ganz Thedas. Denn in mir war einfach nichts mehr...“
 
Sie setzte ihren Helm ab, welchen sie ebenfalls zu Boden fallen ließ. „Sieh mich an, Miandra. Was siehst du? Du hast es bereits gesagt, doch ich sage es dir noch einmal. Du siehst eine Mörderin, ein kaltblütige Killerin. Ich habe getötet, ich habe anderen Schmerzen zugefügt. Ich habe gleichermaßen mit Männern wie mit Frauen gevögelt, sie benutzt, gefoltert und getötet. Und ich habe es genossen. Aber warum nur? Nun, ich hatte nichts anderes mehr, nur noch meinen Zorn und meinen Hass. Alle anderen Emotionen waren abgestumpft, ja vernichtet worden. Auch heute noch überkommt mich manchmal dieses alte Gefühl und diese Lebensart wieder, die ich solange mein Eigen nannte. Und zwar immer dann, wenn ich an Eshtá und ihre Mannen denke, doch wenn ich dann in dein Gesicht sehe...“
 
Die Elfe hob ganz sachte ihre beiden Hände und nahm Miandras Gesicht in diese, wobei sie mit ihren Fingern sanft durch die Haare der Frau strich. „Du hast mir meine Emotionen zurückgegeben, mir gezeigt, dass es mehr als Hass und Zorn in meinem Herzen gibt. Durch dich habe wieder gelernt zu lachen...und auch zu weinen. Und wie es ist, sich um jemanden zu sorgen, sich um diesen jemand zu kümmern und sich zu bemühen. Außerdem hast du mir die Fähigkeit zurückgegeben, jemanden zu lieben, mehr als mein eigenes Leben. Das habe ich nicht von Fineon. Vielmehr konnte ich ihm nur verzeihen, weil du mir gezeigt hast, dass ich dazu überhaupt noch fähig bin. Er war schon immer mein großer Bruder gewesen und wird es auch immer sein. Doch du bist mehr als das, Miandra. Du bist mein Leben und wirst es immer sein. Ich brauche dich. Mehr als jemals zuvor. Ich gehe mit dir bis ans Ende dieser Welt, wenn es sein muss und bleibe, solange du mich lässt. Aber wie steht es mit dir? Brauchst du mich auch noch, sobald wir Elana gefunden haben, und du deine Tochter wieder in deine Arme schließen kannst? Willst du dem armseligen Leben dieser kleinen Schlampe und Halsabschneiderin einen anderen Sinn geben, als es mit dem Abschlachten des übelsten Abschaums dieser Welt zu vergeuden? Oder wirst du ihr auch das Herz brechen, so wie es bisher auch alle anderen getan haben?“
 
 
 

Modifié par Aliens Crew, 01 août 2012 - 11:45 .


#2274
Bellandyrs

Bellandyrs
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Leanora war inzwischen langsam zu Vernita und Miandra gewandert, selber in Gedanken versunken, aber es ließ sich nicht vermeiden, dass sie die letzten Sätze der Elfe mithörte.
So war das also, die beiden verband also mehr als reine Freundschaft. Jetzt wurde ihr auch bewußt, dass Vernita und sogar auch Miandra keine zu bissigen Worte fanden, als sie sich tags zuvor von Sengaal verabschiedet hatte. Wahrlich, Liebe brachte viel zustande. Noch vor nicht allzulanger Zeit hätten die beiden Leanora eher ausgelacht oder Neranos sofort in zwei Teile zerhackt.

Es war ihr dennoch peinlich, Zeuge dieses Gesprächs geworden zu sein, und so räusperte sie sich verlegen.
"Es ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt, solch eine Entscheidung zu fällen. Viel wichtiger ist es, so schnell wie möglich Elana zu finden. Zum Reden ist später noch genug Zeit, denke ich."
Dennoch lächelte sie die beiden verständnisvoll und voller Mitgefühl an. Mit einem Nicken wandte sie sich ab und schlug langsam den Weg ein, den sie gekommen waren.

#2275
Kaysallie

Kaysallie
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hm buggy post :(

Modifié par Kaysallie, 26 octobre 2011 - 05:25 .