Ein Teil von ihr wäre am liebsten, so wie sie es immer getan hatte, einfach nur vor all dem geflüchtet. Zurück hinter die vertraute Mauer, geschützt vor diesen Gefühlen die sie immer nur belästigten, ihr Angst machten und ihr am Ende nur weh taten, wo sie sich alleine verstecken konnte, wo ihr einfach alles andere wieder egal sein konnte. Doch das war doch genau das, was sie eigentlich nicht mehr tun wollte… das was sie gar nicht mehr tun konnte.
Seitdem sie sich vor gerade mal zwei Tagen dazu entschlossen hatte all dem, bei dem sie nicht einmal wirklich wusste was es war, eine Chance zu geben, schien so viel passiert zu sein, dass ihr dieses frühere Verhalten so verschwommen, wie ein vor langer Zeit geträumter Traum, vorkam. Ihr konnte all das einfach nicht mehr egal sein. Zu gut hatten diese kurzen und wenigen Momente ihrer Seele getan, die sie seitdem sie über diese Mauer gesprungen war, mit der Elfe erlebt hatte, um sie jetzt einfach wieder ignorieren zu können so wie früher. Wahrscheinlich hatte sie es deswegen solange abgewehrt, Vernita deswegen immer auf Abstand zu sich gehalten, da sie tief in ihrem Inneren genau wusste, dass sie nichts mehr rückgängig machen könnte, wenn sie sich einmal diesen Gefühlen hingeben würde. Und sie wollte auch nichts mehr davon rückgängig machen oder wieder hergeben.
Doch wie viel Garantie lag in diesen Worten überhaupt? Wäre sie gerade eben nicht so unsicher geworden wegen dieses Elfen, hätte sie diese Worte nicht einmal gebraucht. Aber nun…
Für einen Moment konnte Miandra deutlich spüren, wie dieses alte Verhalten, von dem auch Vernita gesprochen hatte, hochkommen wollte. Das Verhalten, das sie sich selbst über Jahre angeeignet hatte und welches irgendwelchen Worten keinerlei Bedeutung beimaß, da sie schon im nächsten Augenblick wieder wertlos sein könnten. Ein Verhalten, dem auch Taten, um die sie nicht gebeten hatte, nichts bedeuteten.
Doch genau in diesem Moment wurde ihr etwas Entscheidendes klar: Es ging doch eigentlich gar nicht darum, was Vernita zu ihr sagte, oder was diese bereit war für sie zu tun. Es ging auch nicht darum, ob diese Worte nun der Wahrheit entsprachen, oder nicht. Es ging einzig und alleine nur darum was sie für sich selbst wollte, und was sie bereit war zu glauben. Eine Frage über die sie sich schon einst den Kopf zerbrochen hatte, da sie keine Antwort darauf wusste… doch nun?
Gerade als ihr das klar geworden war und sie die letzten Fragen von Vernita durch ihren Kopf kreisen ließ, brach die Stimme von Leanora zwischen ihre Gedanken und reflexartig blickte sie der blonden Frau nach, als diese den Weg entlang schlenderte. Natürlich war Miandra einer Meinung mit der Frau, schließlich wollte sie ohnehin gerade nicht über dieses Thema reden. Reden war noch nie ihre Stärke gewesen. Aber gerade eben war sie sich sicher, dass es auch nicht mehr darauf ankam, wie viel sie Vernita jetzt noch sagen würde, sondern dass es nur darauf ankam welche Worte es sein würden. Leanora sagte, es wäre nicht der Zeitpunkt um eine Entscheidung zu fällen… aber hatte sie diese Entscheidung nicht eigentlich bereits gefällt?
So wandte Miandra den Blick von der Frau wieder ab und lächelte Vernita stattdessen zaghaft entgegen, bevor sie dichter an diese heran ging, und ihr regelrecht um den Hals fiel. Dabei schloss sie kurz die Augen, legte eine Hand auf den Hinterkopf der Elfe, und drückte diese mit ganzen Körpereinsatz an sich selbst. Dass sich dabei hauptsächlich die kalte Rüstung an sie presste, war ihr für den Moment egal, sie kostete ihn trotzdem voll und ganz aus.
„Lass uns unsere Tochter finden gehen“, flüsterte sie Vernita nach wenigen Herzschlägen ins Ohr, wobei sie sich kurz noch fester an diese schmiegte, wobei sie hoffte dass die Elfe diesen Worten die gleiche Bedeutung beimaß, wie sie selbst.
Modifié par Kaysallie, 27 octobre 2011 - 03:39 .





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