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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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#2351
Kaysallie

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Miandra war so angespannt, wie noch nie zuvor in ihrem Leben, doch nur innerlich. Äußerlich ließ sie sich diese Unruhe nicht anmerken. Das Verbergen von Gefühlen war schließlich schon lange Zeit ein Teil von ihr. Auch wenn sie das Mädchen vor sich nicht sehen konnte, so wusste sie genau, wo es sich befand.

Deutlich konnte sie nun hören, von wo ihre fistelhafte Stimme kam und schrill hallte das Gekicher in ihren Ohren. Zaghaft konnte sie deren Atem spüren, bei jeder Silbe, die ihre Zunge verließ, wie er sich leicht auf die Haut ihres Gesichtes niederlegte. Und fast schon sanft spürte sie die Klinge, wie sie an ihrer Kleidung entlangfuhr, und ihr dadurch das Atmen erschwerte.

Doch dies waren die Dinge, die Miandra noch am wenigsten beunruhigten an dieser Situation, und das, wo sie die Nähe anderer doch eigentlich absolut verabscheute. Auch die Worte dieses Mädchens erschütterten sie nur teilweise. Miandra wusste schließlich genau, was dieses damit bezwecken wollte. Sie hatte sogar mit so etwas in der Art gerechnet, jedoch nicht damit, wie dieses Weib scheinbar an ihre Informationen kam. Dennoch merkte Miandra, dass jedes weitere Wort eine Art von Hass und Mordlust auf diese Göre in ihr hochkommen ließ, sowie das Gefühl die Flucht ergreifen zu wollen. Doch sie schluckte all das hinunter, ohne sich zu sehr davon provozieren zu lassen. Denn am allermeisten beunruhigte sie es, dass sie keinerlei Ahnung hatte, wie sie dieser Situation nun entgehen sollte.

Doch dann kam der Moment, in dem sie spürte, wie sich die Klinge von ihrer Brust entfernte. Nein, sie konnte es nicht nur spüren, sie konnte es sogar hören. Sofort, ohne darüber nachzudenken, zog Miandra die rechte Hand, mit welcher sie vorhin den Dolch gehalten hatte, ruckartig zurück. Und als hätte sie die gesamte Zeit über nur auf diesen einen Moment gewartet, hatte sie in dem selben Augenblick mit der anderen Hand bereits ein Wurfmesser gezogen, und dieses keine Sekunde später von unten hoch schnellen lassen, um dieses in das Ziel zu jagen, welches sie nicht sehen, sondern nur erahnen konnte.

Doch sie spürte, dass sie in etwas eindrang. Leder, Haut und Fleisch. Durchstoßen wie streichzarte Butter von diesem kleinen scharfen Metallstück, welches sie mit aller Kraft geführt hatte. Ein kurzes Aufzucken ihres Gegenübers, jedoch kein Schrei. Doch Miandra wusste, dass dies kein tödlicher Treffer sein würde. Wahrscheinlich hatte sie gerade mal den Oberschenkel erwischt, aber das war für den Moment nicht relevant.

Denn kaum hatte das Messer sein Ziel gefunden, stieß sie das Mädchen aus einer panikartigen Reaktion heraus mit der freien Hand und einem Bein von sich, wodurch auch das Messer wieder aus der Wunde herausgerissen wurde und Blut auf den Boden spritzte. Doch all das konnte Miandra nicht sehen. Sie konnte nur noch hören, wie die Zwillingsschwester nach hinten taumelte. Diese wenigen Sekunden nutzte sie dazu sich in Bewegung zu setzen, wobei sie den Dolch blind vom Boden aufhob, ehe sie die Wand so schnell wie möglich entlang lief, zurück zu dem zweiten Raum.

Dass sie diesen erreichte, erkannte Miandra vor allem sofort an dem penetranten Geruch des vielen Fleisches, welches dort untergebracht war. Doch deswegen war sie nicht hier her gekommen. Sie hatte ihre Finger an dem kalten Stein der Wand streifen lassen, doch nun fühlte sie etwas anderes… etwas wonach sie gesucht hatte. Es war blankes Holz. Schnell tastete sie weiter, und fand, was sie suchte. Nur einen Herzschlag später ertönte ein knallender Laut, der die Wände regelrecht erzittern ließ.

Nach Luft schnappend drückte sich Miandra mit ihrem gesamten Gewicht gegen die Holztür, welche sie gerade zugeworfen hatte, jene, die diesen Raum mit dem anderen verband und jene, die sich ihr quietschend geöffnet hatte, als sie den ersten Raum vorhin betreten hatte.

„Es war mal ein kleines Mädchen, das nimmer wollt gehen zur Kirche“, begann sie, kaum zu Atem gekommen, plötzlich laut durch die Türe zu singen. „Drum hob’ der Vater die Hände, damit sie sich nicht mehr zierte. Er schlug ihr auf den Schädel, bis sie sich nicht mehr regte. Nun war sie beim Erbauer und hatte seinen Segen.“

Anschließend hielt sie einen kurzen Augenblick inne, ehe sie gespielt zu lachen begann - denn eigentlich war Miandra gerade absolut nicht zu lachen zumute. „Nein, ich halte dich nicht für dumm Süße, aber dein Bruder… der hatte wohl wirklich eine Schraube locker. Aber ärgere dich darüber nicht, gehört bei den Männern wohl zur Standardausrüstung dazu.“

Modifié par Kaysallie, 09 janvier 2012 - 08:33 .


#2352
SickOfItAll

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Jetzt war es an der Zeit, das der Riese gefällt würde. Er hatte Sha´ira verletzt, und für Lydia war das fast gleichbedeutend mit einer Wunde in ihrem eigenen Fleisch. Eine von Sha´iras Gleven blieb plötzlich krachend in der Holztür hinter ihr stecken, als unter ihr alles ganz schnell ging.

Der Riese war wie ein Bronto. Unaufhaltsam, bis man das gesammte Tier zu Hack zerschlägt. Aber das große Problem war, das der nicht ganz brontohafte Riese dort unten auf dem Hof in Begriff war, Leanoras Leben frühzeitig ein Ende zu setzen. Aber Lydia lag etwas an Lea und so ergriff sie sofort Gegenmaßnamen. Ein gut gezielter Schuss zwischen Schulterblatt und Schlüsselbein würde den Nerv des Qunari treffen und seinen Arm kurzzeitig lähmen. Das würde Lea zwar unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückbefördern, aber es würde auch eine Möglichkeit des Angriffs öffnen, da der Riese nun vollständig unbewaffnet war.

Sie hatte einen Versuch. Mit geübter Präzision spannte sie den Bogen bis aufs äußerste und lies sie Sehne singen.

Endlose Sekunden dauerte es, als der Pfeil durch die Luft schnellte , wie ein Blitz vom Himmel schoss und sein Ziel traf, wie er es treffen sollte. Der Arm des Qunari schlabberte herum, als wäre er ein großer Grützehaufen, den man zu fest mit der Kelle geschlagen hatte, es katapultierte Lea durch die Luft, aber sie landete, wenn auch sehr unsanft, weit außerhalb der Reichweite des Riesen.

Sie wollte sich gerade seines Augenlichtes entledigen und aus seinem Kopf ein dekoratives Nadelkissen machen, als Sha´ira wie aus dem nichts auftauchte und ihr dazwischenfuhr. Was sie dort unten sah, das spottete jeder Beschreibung und sie hätte es selbst nicht geglaubt, wenn sie sich nicht geschlagen hätte um sicherzugehen, das sie nicht träumte.

#2353
Kisu

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Als Sha´ira wieder zu sich kam, lag sie zwischen Leichen in einer Blutlache auf dem Boden, der Hühne vor ihr war mit Leanora beschäftigt gewesen.

Blut. Viel Blut. Mehr Blut. Sie wollte es nichtmehr nur vergießen, sie wollte es schmecken, fühlen, riechen, sich darin suhlen. Nun, letzteres hatte sie schon, aber ihr innerer Dämon trieb sie und trieb sie weiter. Sie selbst fühlte sich wie ein Zuschauer, unbeteiligt schwerelos sah sie aus ihren eigenen Augen das Blutbad, das ein anderes Wesen anrichtete. Es fühlte sich ... außerweltlich an. Sie spürte nichts. Sie hörte nur den dumpfen Nachhall aller Geräusche und alles schien farblos zu sein, nur braun und viel Rot war zurückgeblieben.

Rot. Das Blut war so saftig rot, so verlockend satt an Farbe, es schien sie anzuziehen, ihr zuzurufen. Und sie konnte dem Druck nicht wiederstehen, selbst wenn sie es wollte. Ihr innerer Dämon trieb sie an bis zum tod und darüber hinaus.

Ihre Waffen waren vielleicht verstreut, aber ihre Hände waren genug um dem Qunari den Kopf abzureißen und sein Blut zu trinken. Jetzt war der Höhepunkt des Schlachtfestes gekommen, die Krönung der blutigen Zeremonie, die Ballkönigen dieses fleischigen Tanzes.

Mehr wie ein Tier sprang sie den Ochsen von hinten an und grub ihre stahlbewehrten Klauen tief in sein Fleisch. Sie knurrte und blaffte, sprang herum und kratzte wie ein tollwütiges, in die Enge getriebenes mordlüstiges Tier.

Weiter und weiter trieb sie ihre Hände in den Körper des Qunari, tief in die Schultern, in die Arme, in die Beine, sie riss ihn zu Boden, mit nur einer Absicht. Ih zerfleischen, sein Blut zu trinken und seinen Kopf zu ernten.

Das Blut tropfte ihr schon vom Körper, aber ihr war das nicht genug. Der Qunari schlug zurück, schlug ihr das Gesicht blutig, zerkratzte ihr die Haut, schlug sie grün und blau, aber sie spürte es nicht, es kümmerte sie nicht. Wieder und wieder fiel sie ihn an wie ein Tier, getrieben von ihrer Mordlust.

Jetzt war sie voll und ganz im Tötungstrieb und nichts würde sie aufhalten können.

#2354
Aliens Crew

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Das Mädchen quiekte wie ein kleines Ferkel, welches man der Mutter entrissen hatte, als Miandra ihr das Wurfmesser in den Oberschenkel rammte. Und gerade als sie selbst mit ihrem Dolch zustechen wollte, wurde sie schon von ihrem Opfer zurückgestoßen, was ihr weitere Schmerzen bereitete, als die Klinge wieder höchst unsanft ihr Fleisch verließ.
 
Doch diesmal schrie sie nicht, sondern brach stattdessen in schrilles Gelächter aus. „Anscheinend steckt wohl doch noch ein letzter Funken Lebenswille in dir, was? Das wird mir deinen Tod sehr versüßen, Schlampe!“
 
Der Zwilling tastete in der Dunkelheit nach ihrer Wunde, welche ihre Beinkleider mit Blut tränkte, steckte Zeige- und Mittelfinger in die Einstichstelle und stocherte etwas darin herum. Dabei verzog sie das Gesicht zu einem irren Grinsen, während sie hörte, wie Miandra fluchtartig den Raum verließ und die Tür hinter sich zuschlug.
 
„Was versuchst du damit zu erreichen, Miststück?“ fauchte das Mädchen, während sie ihre Finger aus der Wunde zog, diese zu ihrem Mund führte und dann das Blut daran genüsslich ableckte. „Der Ausgang aus dieser Schlachterei ist verriegelt, und ich besitze den einzigen Schlüssel! Du sitzt also in der Falle! Und für mich erhöht diese Verzögerung nur mein Vergnügen, dich zu schlachten, warte es nur ab! Am richtigen Ort dafür befindest du dich ja bereits!“
 
Der Zwilling steckte ihren Dolch weg, da ihr klar war, dass sie damit nicht in der Lage sein würde, diese Tür zu durchdringen. Doch sie wusste auch, dass dieser Raum das geeignete Werkzeug für diese Aufgabe bereit hielt. Und so huschte sie in einer der Ecken, wo die nicht verwendbaren Überreste der Rinder gelagert wurden, bevor diese entsorgt, sprich an die Hunde des Arls verfüttert wurden. So musste sie auch nicht lange suchen, bis sie fand, wonach ihr Herz und auch ihr kranker Verstand verlangte. Mit ihrer rechten Hand umklammerte sie das Werkzeug, welches an der Wand hing und eilte damit zurück zu dem Durchgang, hinter welchem sich Miandra versteckte. Diese war gerade damit beschäftigt, sich über den Bruder des Mädchens lustig zu machen, was dem Zwilling nicht besonders gut gefiel.
 
„Hältst dich wohl für ungemein witzig, nicht wahr, Schlampe? Mal sehen, ob dir das Lachen nicht gleich vergehen wird!“ Mit diesen Worten holte das Mädchen weit aus und schlug zu.
 
Tock! machte es, als das Metall ihrer „Waffe“ gegen das Holz der Tür hämmerte. Sofort holte der Zwilling ein weiteres Mal aus und wiederholte ihren „Angriff“ auf das Hindernis, welches sie von ihrem Opfer trennte. Tock!
 
„Verabschiede dich schon mal von deinen Fingern und Zehen, welche ich dir einer nach dem anderen abschneiden werde!“ Tock! Kracks! Das Holz der Tür begann zu splittern, während das Mädchen unentwegt auf diese einschlug, wobei ihre Schläge immer kräftiger wurden, da sie von Wut und Hass angefacht wurden.
 
Miandra wandte den Kopf nach links, wo sie sah, wie direkt vor ihrer Nase das Holz des Durchganges von einer metallischen Spitze durchstoßen wurde. Splitter lösten sich aus dem kleinen Loch und rieselten zu Boden. Die Spitze selbst war leicht gebogen, aber überaus stabil. Da Miandra vom Land kam, erkannte sie sofort, worum es sich bei diesem Gegenstand handelte, auch wenn sie ihn nur für einen kurzen Moment erblickte...es war ein schwerer und stabiler Fleischerhaken. Somit war es also nur noch eine Frage der Zeit, bis das Mädchen mithilfe dieses Werkzeuges die Tür aufbekommen würde oder bis sie Miandra damit direkt den Schädel aufstieß.
 
„Ich schlachte dich wie eines dieser Rindviecher, welches du bist!“ kreischte das Mädchen durch den beschädigten Durchgang, während sie mit ihrem Haken weiter auf eben diesen einschlug.
 
 
 

Modifié par Aliens Crew, 09 janvier 2012 - 06:58 .


#2355
Bellandyrs

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So oft hatte sie während des Kampfes Todesängste ausgestanden, mit ihrem Leben innerlich abgeschlossen, gedanklich Abschied genommen. Sie hatte tapfer gekämpft, Schmerzen und Angst weg geschoben, um nicht an ihrer Aufgabe zu scheitern. Aber gegen diesen Qunari war kein Kraut gewachsen. Das erste Mal in ihrem Leben wünschte Leanora sich, mit magischer Begabung gesegnet zu sein, dann hätte ihr Gegner schon längst das Zeitliche gesegnet. Aber jetzt hatte sich das Blatt wieder gewendet. Sie konnte den stinkenden Atem von Gevatter Tod riechen. Oder kam dieser von dem Riesen? Er hatte ihren vermeintlich tödlichen Stich einfach ignoriert und sie mitsamt dem Schwert zu sich gezogen, um ihr den Garaus zu machen. Hilflos hing sie in der Luft, gehalten an ihrem Hals, wo sich seine Hände wie Schraubstöcke um ihre Luftröhre klammerten.



Ihre Sicht verschwamm, ihre letzten Anstrengungen, dem Tod zu entrinnen, waren aussichtslos. Anfangs hatte sie noch nach Luft geschnappt, aber die letzten Sekunden hatte kein bisschen Sauerstoff mehr ihre Lungen durchströmt. Sie spürte, wie ihr Körper kraftlos an ihr hing, als würde er nicht zu ihr gehören. Die Angst vorm Tod war wie weg geblasen, jetzt, wo er mit aller Macht nach ihr griff. Und dann wurde plötzlich alles schwarz um sie herum. Sie spürte weder den Griff des Riesen um ihren Hals, sie hörte auch seine wutentbrannten Schreie nicht mehr, und sie merkte auch nicht den Aufprall auf dem Boden. Wohlige Ruhe und alles vernichtende Dunkelheit war über sie gekommen.

Modifié par Bellandyrs, 10 janvier 2012 - 07:00 .


#2356
Aliens Crew

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Die Gesichtshaut der blondhaarigen Frau hatte schon eine bedenklich bläuliche Färbung angenommen, während sich das Gesicht des Qunari zu einem fratzenhaften Grinsen verzerrte, als der Pfeil ihn traf und dabei einen Nerv verletzte. Von einem Moment auf den anderen verlor der Riese jedwede Kraft aus seinen Fingern. Er konnte die Frau nicht mehr festhalten, so sehr er sich das auch wünschte. Wie ein nasser Sack entglitt sie seinem Griff und plumpste recht unsanft auf ihren Hintern.
 
Der Qunari selbst wankte zwei Schritte zur Seite, wobei er den Pfeil mit seiner anderen Hand ergriff und ihn anschließend mit einem einzigen Ruck wieder aus seinem Arm zog. Dabei brüllte er wie ein wütender Oger. Angewidert ließ er das Geschoß fallen, während er seinen verletzten Arm zu bewegen versuchte, was ihm auch bedingt gelang. Er wollte sich gerade seinem letzten Opfer zuwenden und Leanora den Rest geben, als sich Sha’ira plötzlich wie eine Furie von hinten auf ihn stürzte und die beiden zu Boden gingen.
 
Der Riese fing sich noch reflexartig mit den Händen ab, während sich die grünhaarige Elfe auf seinen Rücken festgekrallt hatte und wie wild mit ihren Fäusten auf ihn einschlug, wobei sich der Schaden, den sie dabei ausrichtete, in Grenzen hielt, da sie zum größten Teil nur auf seine schwere Rüstung einprügelte. Nur hier und da kassierte er einen Treffer an einer ungeschützten Stelle.
 
Eher genervt als ernsthaft verletzt, rappelte sich der Qunari wieder auf. Dabei spielte es keine wirkliche Rolle, dass Sha’ira nach wie vor auf seinem Rücken hockte. Aber für einen Mann seiner Statur war die junge Elfe eben nicht mehr als ein Fliegengewicht. Doch als ebenso lästig sollte sich seine Gegnerin allerdings erweisen. Er schlug nach ihr und versuchte sie durch schnelle Bewegungen abzuschütteln, aber es half nichts. Sha’ira hing wie eine Klette an ihm und wollte ihn um keinen Preis freigeben.
 
Und da kam ihm die Idee. Wenn er dieses lästige Gör schon nicht loswerden konnte, dann wollte er sich genau diesen Umstand eben zu Nutze machen. Vor ihm lag ein toter Soldat, dessen schwere Rüstung in der Sonne blitzte. Der Qunari grinste breit, während er sich blitzschnell herumdrehte, seine Arme ausbreitete und sich einfach fallen ließ.
 
Wie in Zeitlupe ging der Riese zu Boden, einem dicken Baumstamm gleich, der durch die Axt eines Holzfällers gefällt worden war. Er sah über sich den Himmel und ein paar Wolken, während ein letzter Schlag Sha’iras seinen Hinterkopf traf, doch das interessierte ihn nicht mehr. Einen Moment später schepperte es. Zweihundert Kilogramm Fleisch und Stahl trafen auf hartes, scharfkantiges Metall. Wie eine Steinlawine begrub der Quanri die grünhaarige Elfe unter seinem massigen Körper. Er hörte ein kurzes Aufstöhnen der jungen Frau und dieses Geräusch war wie Musik in seinen Ohren. Dann lockerte sich Sha’iras Griff, und er war wieder frei.
 
Für einen Moment genoss er es noch, auf seinem wehrlosen Opfer zu liegen, bevor wieder der Krieger in ihm hochkam. Schnell drehte er sich zur Seite, landete auf seinen Knien und griff nach Leanoras Schwert, welches immer noch in seinem Leib steckte. Mit beiden Händen umklammerte er die Waffe und zog sie ganz langsam aus seinem Körper heraus. Dabei biss er die Zähne so fest zusammen, dass diese anfingen zu knirschen. Es dauerte einen Moment, bis das Schwert seinen Unterleib verlassen hatte, doch als dies endlich geschah, stöhnte der Riese erleichtert auf und grinste anschließend die Waffe voller Tatendrang an. Dann drehte er sie in seinen Händen herum und holte weit damit aus, die Schwertklinge direkt auf Sha’iras Brust gerichtet. Und dann verharrte er mitten in der Bewegung.
 
Er fing an zu Keuchen. Schweiß trat aus seiner Stirn hervor. Seine Gesichtszüge verzerrten sich zu einer unmenschlichen Maske des Schmerzes. Seine Hände fingen zu zittern an und verkrampften sich dabei. Der Qunari wankte zur Seite, ließ das Schwert los und griff sich an sein Herz. Röchelnde Laute entfuhren seiner Kehle.
 
Ein Pfeil traf ihn in die Schulter, doch spürte er das schon gar nicht mehr. Stattdessen fiel er vornüber auf den sandigen Boden. Wie ein Felsblock landete er mit einem dumpfen Geräusch auf der Erde, wobei Staub in die Luft gewirbelt wurde. Mit glasigem Blick starrte er ins Nichts, während sein Körper in wilden Zuckungen lag. Das Röcheln verwandelte sich nach und nach in ein Wimmern, bis auch das schließlich völlig verstummte und das Zucken nach und nach verebbte, bis der Riese schließlich regungslos liegen blieb, mit glanz- und leblosen Augen.
 
Er, einer der größten Krieger seiner Zunft, der schon viele Kämpfe ausgefochten und unzählige Feinde erschlagen hatte, war von dem vergifteten Dolch einer Bauerstochter bezwungen worden. Konnte ein Qunari wie er wirklich noch tiefer sinken?
 
 
 

#2357
Kisu

Kisu
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Der Ochse war schwer die Blei und landete auf ihr wie ein Amboss. Es zog ihr quasi die Arme von ihm weg, als er auf ihr aufschlug. Doch wirklich schmerzen tat es nicht. Der Riese rollte von ihr herunter und sie war wieder im Geschehen.

Aber der Qunari offensichtlich nicht. Er war wohl vergiftet worden, jedenfalls zeigte er Lähmungserscheinungen und kippte um, wie ein gefällter Baum. Dies war das Ende des Kampfes. Jetzt würden Schädel geerntet werden.
Sie griff sich ein Schwert aus einer Blutlache und trat an den Qunari heran. Er schien schon am Gift verendet zu sein. Eine Schande, aber sein Schädel gehörte ihr. Sie hatte ihn bekämpft und sie hätte ihn auch getötet, wenn es ihr eigenes Leben gekostet hätte. Qunari zählten zu Hause zu den Erzfeinden, diesen hier hätte sie würdig zur Strecke bringen können.
Mit einem kräftigen Ruck schnitt sie den großen Schädel des Ochsen vom Rumpf. Blut quoll aus dem Hals und tropfe vom abgeschnittenen Kopf in die Pfützen in denen sie stand.

Langsam kehrte sie selbst in ihren Körper zurück. Stück für stück. Es fühlte sich an, als würde sie langsam nach einem langen Schlaf erwachen, doch plötzlich war sie wieder voll bei Bewusstsein.

Der Schmerz war überwältigend. Als wäre sie mit flüssigem Eisen übergossen worden. Jede Faser ihres Körpers schien zu brennen.

Der Boden kam schnell näher, doch den Aufschlag spürte sie schon nichtmehr. Sie sah nur den Boden näherkommen, dann wurde alles dunkel, kalt und nass und roch nach Blut.

#2358
SickOfItAll

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Lydia hatte einen zweiten Pfeil auf den Riesen abgefeuert, aber da schien er schon den Geist aufgegeben zu haben. Doch dann geschah es. Sha´ira ging zu boden. Sie sackte einfach in sich zusammen, grade da, wo sie stand.

"Sha´ira !" Schrie sie auf und kletterte über die Brüstung des Balkons. Es waren mindestens vier Meter bis zum Boden, aber sie ließ sich fallen und rollte sich unten ab. Der Weg bis zu Sha´ira war schnell überbrückt. Sie ließ sich neben ihr in die Blutpfütze fallen und drehte sie auf den Rücken. Sie sah furchbar aus. Blutüberströmt, das Gesicht zerkratzt, tiefe Wunden am Körper. Und überall dieses Blut.

So viel blut.

" Sh-sha´ira ... lass mich jetzt nicht hängen. Bitte ! " flehte sie und in ihren Augen sammelten sich die Tränen. "Bleib bei mir ! "
Und sie konnte es nicht halten und weinte bitterlich. Sie klammerte sich an Sha´ira, die wie tot in ihren Armen lag. Sie wusste nicht, wo ihr der Kopf stand. Ob sie trauern sollte, oder vor Wut in den sicheren tod laufen und sich von den Wachen erstechen lassen sollte.

Doch da geschah ein kleines Wunder. Jemand drückte ihre Hand und als sie sich umsah, erkannte sie, das es Sha´ira war. Beileibe nicht tot, aber schwer mitgenommen war sie. Sie hatte die Augen immernoch geschlossen, aber sie lächelte.

Lydia küsste sie und setzte sie auf, bis sie alleine sitzen konnte, dann wandte sie sich Leanora zu.

Sie sah ebenfalls schlimm aus. Und sie schien dem Tode wirklich nahe. Lydia konnte nicht viel tun, aber sie tat es, so gut sie es konnte. Sie riss ein Banner von der Wand nahebei und schnitt es in Streifen, mit denen sie Leas Wunden provisorisch verband. Wasser zum waschen fand sie keines, aber sie würde noch schnell genug versorgt werden.

"Lea ? Lea ! Kannst du mich hören´? Verstehst du mich ? Aufwachen ! Jetzt ist nicht die Zeit zum sterben ! " sagte sie zu der bewusstlosen frau und hoffte, das diese sie hörte und nicht schon zu viel hatte einstecken müssen.

" Zwei verwundete und zwei ... wo sind die andern eigentlich ?! " Entfuhr es Lydia, als sie das notorische Nicht-anwesendsein ihrer Lieblingsgegnerin Vernita und Miandra feststellte.

#2359
Kaysallie

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Durch jeden Schlag, den die Zwillingsschwester mit dem Fleischerhaken tätigte, krachte und schepperte die Holztür hinter Miandra, wie bei einem Erdbeben. Und bei jedem weiteren Schlag, hörte sie, wie das Holz nachgab, wie Splitter herausbrachen und zu Boden gingen und wie sich das Loch langsam vergrößerte. Miandra wusste, dass die Zeit drängte, doch sie musste noch ein wenig warten, sich gedulden und hoffen, dass ihr Plan funktionieren würde.

Deutlich konnte sie bereits spüren, wie wütend das Mädchen inzwischen war. Sie hatte sich innerhalb weniger Minuten verändert, genau in die Richtung, in welcher Miandra sie nun brauchte. Zu Beginn wollte das Mädchen sie einschüchtern und verhielt sich wie ein Profi, war lautlos und präzise. Doch nun gingen Gefühle der Wut mit ihr durch. Das konnte sie bei jedem Schlag spüren, der gegen diese Türe raste, als würde sich der Zorn des Mädchens auf diese übertragen und sie deswegen vibrieren. Fast so, als wäre darin jemand gefangen, gequält, voller Kummer, schreiend nach Erlösung von diesem Leid, diesem Hass, der befriedigt werden wollte. Sie konnte es aus den Sätzen heraushören, so deutlich, dass sich ihr dabei die Nackenhaare aufstellten. Und Miandra wusste, was eine solche Wut in den Menschen anrichtete. Sie wurden unvorsichtig… und taten gerne Dinge, die sie später bereuen würden. War sie doch selbst schon oft Opfer solcher Personen geworden, die mit sich selbst unzufrieden waren, und sich an ihr abreagierten.

Ein weiterer kräftiger Schlag donnerte gegen das Holz, wodurch ein großes Stück herausbrach, als der Haken sich darin verhedderte. Sofort wurde der Raum von dem kranken Gelächter der Zwillingsschwester erfüllt, einem Lachen des Erfolgs, nach dem sie gierte. Nur noch ein letztes Mal würde sie nun dagegen schlagen müssen, dann würden ihre Hand und ihr Arm durch das Loch passen. Es war der Moment, in dem Miandra reagieren musste. Und sie durfte weder zu spät, noch zu früh handeln…

Ein sanfter Schweißfilm hatte sich bereits auf ihre Handflächen gelegt, und der Griff des Dolches lag unangenehm in ihrer rechten Hand. So als wäre die Waffe selbst unruhig, und würde bereits darauf warten in Blut getaucht zu werden. Miandras Atem jedoch ging schon fast gelassen, auch wenn ihr Herz heftig vor Nervosität raste und ihr Brustkorb davon bereits schmerzte. Ihre Konzentration war vollends auf die Geräusche gelenkt, die sich hinter dieser beschädigten Tür abspielten, an welche sie ihren Rücken presste. Und das Mädchen ließ sie nicht lange auf das richtige Geräusch warten. Der Haken durchschnitt ein weiteres Mal die Luft, um auf die Tür einschlagen zu können. Innerlich zählte Miandra runter… eins… zwei…

Ruckartig machte sie einen Satz zur Seite und ließ die Türe dabei schwungvoll aufgehen. Keine Sekunde später kam das Mädchen mit dem erhobenen Fleischerhaken, der für die Tür bestimmt gewesen war, fast schon angestürmt. Die Zwillingsschwester selbst, nicht mehr fähig ihren wuchtigen Angriff sofort zu stoppen, taumelte aufgrund dessen kurz unbeholfen nach vorne, was Miandra zwar kaum sehen, aber umso deutlicher hören konnte.

Es war der Augenblick, auf den sie gehofft hatte. Denn kaum war die Zwillingsschwester über die Schwelle getreten, jagte sie dieser von der Seite den Dolch oberhalb des Beckens so tief, wie es ihr möglich war, durch das Leder in die Magengegend hinein. Ein eigenartiger Laut drang dabei über die Lippen des Mädchens. Er klang verärgert, überrascht, schmerzvoll und verzerrt. Miandra war dieses Mal zwar überzeugt, dass dieser Treffer tödlich enden würde… dennoch war sie gerade ein enormes Risiko eingegangen. Denn obwohl sie die Göre gerade getroffen hatte, und bereits warmes Blut über ihre Finger lief, so stand diese immer noch vor ihr…

Und Miandra wusste, was Wut außerdem sehr gut in den Menschen auslösen konnte: Einen starken Willen.

Modifié par Kaysallie, 10 janvier 2012 - 10:18 .


#2360
Aliens Crew

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Der Treffer kam sehr unerwartet. Der Zwilling hatte nicht erwartet, dass Miandra direkt hinter der Tür auf sie lauern würde. Ihre Wut und ihr Zorn hatten sie unvorsichtig werden lassen. Diesen Fehler musste sie nun teuer bezahlen. Nach der Überraschtheit kam der Schmerz. Ein brennender, stechender Schmerz, welcher ihre Eingeweide zu verzehren schien. Ein spitzer Schrei entfuhr ihrer Kehle. Doch mit dem Schmerz kam auch der Hass.
 
Als sie die Augen auf die schwarzhaarige Frau richtete, welche direkt neben ihr stand, fingen diese an zu glitzern wie kleine Edelsteine und verengten sich zu schmalen Schlitzen. Das schmerzverzerrte Gesicht nahm einen irren Ausdruck an, die bleiche Haut wurde mit einem Mal dunkelrot. Mit einem weiteren, diesmal hasserfüllten, Schrei schlug sie mit dem Fleischerhaken zu. Und Miandra stand viel zu dicht bei ihr, um diesem Angriff noch ausweichen zu können.
 
Tief grub sich der schwere Haken in Miandras ungeschützte Schulter. Es gab ein schmatzendes Geräusch, als das Werkzeug in ihr Fleisch eindrang. Schmerzerfüllt stöhnte sie auf, während sie reflexartig den Dolch losließ, der noch im Körper des Zwillings steckte. Das Mädchen hingegen fing wie von Sinnen an zu lachen, wobei sie den Haken aus der Schulter ihrer Gegnerin herausriss und ein weiteres Mal damit ausholte.
 
„Ich werde dich in Stücke hacken!“ keifte der Zwilling wie von Sinnen. Doch bevor sie wieder zuschlagen konnte, versetzte ihr Miandra mit ihrer unverletzten Hand einen Stoß, welcher das Mädchen zurücktorkeln ließ, so dass sie gegen den Türsturz prallte. Die schwarzhaarige Frau nutzte diesen Moment, um sich umzudrehen und weiter in den Raum hinein zu flüchten, um sich zwischen den an der Decke hängenden Rinderstücken zu verstecken.
 
„Ja! Lauf’ nur, Schlampe!“ rief ihr das Mädchen hinterher. „Ich werde dich finden, und dann wirst du sterben!“
 
Mit ihrer freien Hand griff sie nach dem Dolch, welcher noch immer in ihrem Körper steckte, biss die Zähne zusammen und zog diesen dann mit einem einzigen Ruck heraus. Dabei stöhnte sie erstickt auf, wobei sie für einen Moment die Augen schloss. Nachdem sie diese wieder öffnete, musterte sie den dunklen Raum, um ihr Opfer ausfindig zu machen.
 
„Dieser Dolch gehörte meiner zweiten Hälfte, du Miststück! Und nun wird er dein Ende sein!“ zischte das Mädchen hasserfüllt, während sie mit dem Dolch in der einen und dem Fleischerhaken in der anderen Hand tiefer in den Raum hineinging. Dabei bewegte sie sich sehr langsam, während das Blut von beiden Waffen auf den Steinboden tropfte und sich ihre Gesichtszüge zu einer Maske des Wahnsinns verzerrten.
 
 
 

#2361
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Die wenigen Lampen tauchten den Raum in ein schummriges Licht und warfen lange Schatten auf die hohen Bücherregale, welche an den Wänden aufgereiht waren. Auf der rechten Seite befand sich um einen niedrigen Tisch herum eine Sitzgruppe und an der Wand daneben ein großer Kamin, in dem ein warmes Feuer prasselte. Doch dafür hatte Vernita keinen Blick. Ihre Augen fixierten nur den Mann, welcher in einer schweren Rüstung auf einem Stuhl hinter seinem großen Schreibtisch saß und sie breit angrinste.
 
Und ihr stockte der Atem, als sie den dunkelhäutigen Mann erblickte, dessen funkelnde Augen sie eingehend musterten, während er sich grinsender Weise über den Vollbart strich. Ein Schauer lief der Elfe über den Rücken. Sie schloss für einen Moment die Augen und schüttelte wie wild mit dem Kopf, da sie glaubte, verrückt geworden zu sein. Doch nachdem sie ihren Blick wieder nach vorne richtete, hatte sich nichts geändert. Noch immer saß dieser Mann dort auf seinem Stuhl und grinste sie hämisch an. Aber wie war das möglich? Er war doch tot. Sie hatte ihn ohne Zweifel getötet. Niemand hätte ihn da noch retten können. Nicht einmal der mächtigste Magier von ganz Thedas.
 
„Du siehst überrascht aus, Vernita“, spottete der Mann höhnisch. Und diese Stimme, diese tiefe, unverkennbare Stimme. Sie wischte alle Zweifel in der Elfe mit einem mal fort. Er war es. Er musste es sein. Diese Stimme würde sie unter tausend anderen wiedererkennen. „Mich wiederum überrascht es nicht, dich zu sehen. Tief in meinem Innersten war mir klar, dass es darauf hinauslaufen würde, dass wir uns noch einmal Auge in Auge gegenüberstehen würden.“
 
Vernita stand stocksteif in der Eingangstür und starrte wie gebannt auf den Mann hinter dem Schreibtisch. Noch immer glaubte sie ein Gespenst zu sehen. Ihr gesamter Körper spannte sich, auch ihre Atmung beschleunigte sich und ging mittlerweile schon stoßweise. Für einen Moment hatte sie das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch kein Ton kam über ihre Lippen.
 
„Was ist los mit dir, meine Süße?“ witzelte ihr Gegenüber weiter. „Hat es dir die Sprache verschlagen? Freust du dich denn gar nicht, mich wiederzusehen?“
 
„Du…du…du bist…doch…“, stotterte Vernita mit gebrochener Stimme. Noch nie in ihrem Leben hatte sie so dermaßen die Fassung verloren, wie in diesem Augenblick.
 
„Tot, meinst du?“, vollendete der Mann den Satz. „Nun, ich sollte es zumindest sein, nicht wahr? Immerhin hast du ja alles daran gesetzt, dass dem so sein sollte. Das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, die Kehle herausgerissen und literweise Blut vergossen. Ja, ich sollte wirklich tot sein.“
 
Das Grinsen auf dem Gesicht des Mannes verbreiterte sich. „Und ich wäre es wohl auch, wenn ich es gewesen wäre, der dort auf dem Bett gelegen und geschlafen hatte und nicht mein Zwillingsbruder, welcher mich an diesem Tag besucht hatte. Mach‘ dir nichts draus, dass du den Unterschied nicht bemerkt hast. Selbst unsere Eltern konnten uns nie auseinander halten. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt bei einer Unterredung mit dem damaligen Arl von Denerim. Vor meiner Abreise befahl ich meinen Männern, dich zu meinem Bruder zu bringen, damit auch er mal deine besonderen Vorzüge kennen lernen konnte. Nun, auf gewisse Weise hat er das dann ja auch getan.“
 
Verdammt noch mal, wie konnte ihr das nur passieren? Der Mann, den sie für ihren Peiniger gehalten und den sie dafür auf grausame Weise bestraft hatte, war in Wirklichkeit nur sein Bruder gewesen. Und sie hatte es nicht erkannt! Sie hatte gedacht, sie wäre endlich frei von den Ketten der Vergangenheit geworden, doch dabei lagen diese immer noch wie Blei auf ihrer Seele! Ihr ganzes Leben lang. Es schien, als würde sie niemals frei werden! Doch nun ergab das alles auch einen Sinn...der Überfall im Wald, die Soldaten auf der Straße, dieser Magier und auch die Söldner! Das alles war sein Werk gewesen!
 
„Wenn dein Bruder genauso wie du darauf aus war, sich an mir zu vergehen, dann spielt es absolut keine Rolle, dass ich ihn an deiner Stelle erwischt habe!“ meinte die Elfe mit harter Stimme. Langsam kehrte ihre Selbstsicherheit zurück...und auch ihr Hass auf diesen Menschen, der ihr und ihrer Familie soviel Leid zugefügt hatte. „Denn dann hatte er ebenso den Tod verdient wie du selbst!“
 
„Von deinem Standpunkt aus gesehen vielleicht, aber er war immerhin auch noch mein Bruder! Und seinen Tod werde ich dir niemals vergeben!“
 
„Hast du mir deshalb diese Mordbuben auf den Hals gehetzt und auch dieses Söldnerpack...und diese Schlampe Eshtá Gianauro?“ Vernitas Stimme klang sehr abfällig.
 
„Natürlich...zum Teil wenigstens“, erwiderte der dunkelhäutige Mann, wobei sein Grinsen zerfaserte und einer harten Miene Platz machte. „Und selbstverständlich auch zu meinem Selbstschutz. Als ich hörte, dass du wieder im Land bist, war mir klar, dass du nach Rache sinnen würdest, sobald du erfahren hättest, dass ich dein kleines Attentat überlebt habe. Daher wollte ich dir zuvorkommen...“
 
„Ohne großen Erfolg, wie du siehst“, fiel ihm die Elfe ins Wort und breitete dabei theatralisch die Arme aus. „Ich habe alle deine Mörder überlebt, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, wie schlecht sie doch allesamt waren. Aber vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich zu gut geworden bin für diesen Abschaum, den du für Geld kaufen kannst. Sollte es so sein, dann hast du dir das selbst zuzuschreiben. Schließlich hast du aus mir gemacht, was ich heute bin! Und so wie du mir den Mord an deinem Bruder nicht vergeben kannst, so kann ich dir den an meinen Eltern niemals verzeihen! Und genau dafür werde ich dich nun töten, so wie für alles andere, was du mir angetan hast!“
 
Vernita schlug mit ihren beiden Schwertern gegeneinander, wodurch es ein klingendes Geräusch gab. Mit hasserfüllten Augen fixierte sie ihr Gegenüber und setzte sich in Bewegung, um ihren alten Peiniger schlussendlich das zu geben, was er ihrer Ansicht nach verdiente...einen qualvollen Tod.
 
Doch auch dieser war nicht unvorbereitet. Als sich ihm die Elfe näherte, sprang er auf und griff sich Schwert und Schild, welche vor ihm auf dem Tisch lagen. Mit einem geschickten Satz rollte er sich seitwärts über das Möbelstück vor ihm und postierte sich in Verteidigungsstellung in der Mitte des Raumes, wo er auf seine Gegnerin wartete, die darauf brannte, ihn bei lebendigem Leib zu häuten.
 
 


Modifié par Aliens Crew, 02 mai 2016 - 01:04 .


#2362
Kaysallie

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Miandra presste ihre rechte Hand auf die Verletzung an der Schulter, um die Blutung zu stillen. Die Schmerzen waren so brutal, dass sie ihre Zähne fest zusammenbeißen musste, um einen weiteren Schrei zu unterdrücken. Der Fleischerhaken hatte sich bei dem hasserfüllten Schlag des Mädchens bis in ihr Schlüsselbein gejagt, was die ganze Verletzung um einiges verkomplizierte, als wenn es nur eine reine Schnittwunde gewesen wäre. Ein Bruch des Knochens war also recht wahrscheinlich, doch noch viel schlimmer an der Sache war, dass dabei sogar wichtige Nerven beschädigt sein könnten. Ein Gedanke vor dem Miandra graute. Und zumindest in diesem Moment gelang es ihr nicht ihre linke Hand zu bewegen. Auch ihren Arm schaffte sie nur kaum zu heben, da er sich so schwer anfühlte, als würden Bleigewichte daran hängen. Und das schlimmste an dieser Verletzung war, dass diese erheblichen Schmerzen es ihr alles andere als einfach machten gerade leise zu sein, geschweige denn nachzudenken, wie sie dieses Weib nun endgültig loswerden sollte.

Die Wunde, welche Miandra der Zwillingsschwester zugefügt hatte, würde diese zwar früher oder später verbluten lassen und dieser einiges an ihrer momentanen Kraft rauben, aber bis dahin könnte wohl noch alles Mögliche passieren.

Und ein weiteres Übel kam ihr auch noch in den Sinn: Sie hatte keine Nahkampfwaffe mehr. Aber wäre sie gerade überhaupt dazu in der Lage gewesen eine solche Waffe zu führen? Jede Bewegung schien mittlerweile weh zu tun, und Miandra getraute sich nicht einmal ihre Hand von der Schulter zu nehmen, da diese so stark blutete. Nein, sie musste sich etwas anderes einfallen lassen um diese Göre endlich loszuwerden.

Angestrengt versuchte sie ihre Atmung ruhig zu halten und in den Raum hineinzuhorchen. Doch es war nicht sonderlich schwer das Mädchen zu überhören. Wobei es bei dieser Verletzung ohnehin ein Wunder war, dass dieses sich überhaupt noch bewegte. Doch so konnte Miandra deutlich erkennen, dass die Zwillingsschwester näher kam. Kurz überlegte sie noch… doch schließlich wagte sie es ihre Hand von der Schulter zu nehmen – sie hatte nicht wirklich eine andere Wahl - und zog stattdessen ein Wurfmesser.

Die Zwillingsschwester kam mit schleppenden Schritten näher an die aufgehängten Rinderhälften heran, wobei Schritt für Schritt das Grinsen in ihrem Gesicht breiter wurde. Sie wusste, dass sich ihr Opfer hinter einer dieser riesenhaften Fleischbrocken versteckte… sie konnte es hören… und riechen.

Kaum hatte sie das erste Fleischstück erreicht, rammte sie wie von Sinnen den Dolch ihres geliebten Bruders in dieses, so dass die Klinge an der anderen Seite wieder herausragte. Erst dann blickte sie auf die andere Seite der Rinderhälfte, doch dort befand sich niemand. Dennoch kicherte das Mädchen unentwegt weiter, als wäre all das nur ein Spiel, und da ihr Blick auf das nächste Fleischstück fiel.

Und ihre jadegrünen Augen erfassten etwas in der Dunkelheit, wodurch diese noch erregter zu funkeln begannen. Einem normalen Auge wäre diese Winzigkeit nicht aufgefallen, doch sie war ein Kind der Nacht, welches die Finsternis ihr zu Hause nannte. Es war nichts weiter, als eine zaghafte schwarze Haarsträhne, die an dem ausgehöhlten Fleisch und den Knochen kleben geblieben war, und sie auf die andere Seite dieses Fleischbrockens führte.

Der Wahnsinn verätzte das Gesicht des Mädchens noch weiter, als dieses weiterging, um dieser schwarzhaarigen Schlampe den Todesstoß zu versetzen. Vor ihrem geistigen Auge sah sie bereits den schmerzerfüllten und geschockten Gesichtsausdruck ihres Opfers. Ihre Gedanken spielten bereits damit, wie sie ihr noch bei lebendigem Leib die Augen herauskratzen würde, um dieses grässliche Gesicht nicht mehr sehen zu müssen, welches ihren Bruder getötet hatte. Sie sah bereits die zarten Finger der Frau auf den Boden fallen, und hörte deren Schreie, die wie Musik in ihren Ohren klingen würden. Und sie war nur so wenige Schritte davon entfernt, all das… und noch viel mehr zu tun. Auch ihre eigene Verletzung, welche nach wie vor stark blutete, schien vergessen zu sein. Rachsucht, Wut und Hass auf dieses Weib waren die einzigen Dinge, die ihr Körper nur noch zu fühlen vermochte.

„Oh, ja! Du wirst dir wünschen zu sterben!“ schrie sie und ein verrücktes Lachen hallte durch den Raum, als sie die Rinderhälfte zur Seite stieß, mit dem Dolch und Fleischerhaken ausholte, um diese direkt in …

Das Mädchen verharrte in der Bewegung.

Noch bevor ihre Gedanken erfassen konnten, dass sich nichts weiter als Luft hinter dem Fleischstück befunden hatte, und die Haarsträhne wohl bewusst dort platziert worden war, ertönte direkt hinter ihr ein quietschendes Geräusch… So als würde Eisen an Eisen reiben.

Sofort wandte sich die Zwillingsschwester um, doch ehe sie weiter reagieren konnte, raste ein riesiger Fleischberg mit heftigem Schwung auf sie zu, welcher aufgrund dessen mit einem Klacken dem Haken entglitt, an welchem er hing, wodurch er das Mädchen zu Boden riss, um es unter sich zu begraben.

„Alle guten Dinge sind drei, du blöde Kuh. Oder hat dir das deine Mama nicht beigebracht?“ spottete Miandra während sie den Dolch vom Boden aufhob, welcher dem Mädchen bei seinem Sturz entglitten war, ehe sie mit einem Fuß auf die am Boden liegende Rinderhälfte stieg, um das Gewicht dieser weiter zu verstärken. Deutlich konnte sie dabei spüren, wie das Mädchen wohl unter starken Schmerzen versuchte sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Dabei kreischte es unverständliche Worte, da diese von dem Fleischbrocken, der auf seinem Gesicht lag, nahezu vollends gedämpft wurden.

„Aber ich kann dir etwas anderes beibringen, was uns Mütter betrifft…“ fuhr Miandra einfach kalt und in einem lauernden Tonfall fort, während sie etwas in die Hocke ging, um dem Fleisch näher zu sein. „Du solltest ihnen niemals damit drohen ihr Kind zu töten.“

Mit diesen Worten rammte sie den Dolch durch eine dünne Stelle der ausgenommenen Rinderhälfte. Direkt zwischen die kahlen Rippenknochen hindurch, so dass dieser das Mädchen nicht verfehlen konnte. Und der schmerzerfüllte Laut, der gleich darauf ertönte, ließ Miandra wissen, dass sie die Göre getroffen hatte. Kurz darauf zog sie den Dolch wieder heraus, um ihn anschließend an einer anderen dünnen Stelle durch das Fleisch jagen zu können. Diesen Vorgang wiederholte sie einige Male, wobei die Stiche nach und nach kräftiger und schneller wurden, sie von dem kalten Blut des Rindes, gleich wie von dem warmen Blut der Zwillingsschwester, bespritzt wurde, und sie das Knacken der Knochen nicht mehr von dem Quieken des Mädchens unterscheiden konnte.

Es war kein Hass, keine Wut, die sie dazu veranlasste so brutal zu töten. Alles was sie damit erreichen wollte war Sicherheit. Diese dunklen Räume machten sie wahnsinnig; ihre Wunde an der Schulter und die damit verbundenen Schmerzen machten sie wahnsinnig; und diese Göre… machte sie ebenso wahnsinnig!

Und dieses Mädchen stand ihr im Weg. Es musste sterben, jetzt und hier, und keine weiteren Chancen durfte sie ihm geben. Nur dann könnte sie hier raus... wieder Tageslicht schmecken und ihre Wunde verbinden.

Schließlich, als auch die Zwillingsschwester keinen Laut mehr von sich gab, durchbohrt von ungezählten Stichen mit dem Dolch ihres geliebten Bruders, ließ Miandra die Waffe klirrend auf den Steinboden fallen, ehe sie sich zittrig und keuchend von der Stelle, an welcher sie gerade ein Massaker angerichtet hatte, wegschleppte. Nicht weit entfernt lehnte sie sich vorsichtig mit dem Rücken an den Fuß eines Tisches, bevor sie vollkommen niedergeschlagen und entkräftet von dieser Situation in Tränen ausbrach.

Modifié par Kaysallie, 14 janvier 2012 - 02:01 .


#2363
Aliens Crew

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Vernita begann den Kampf mit einigen schnellen Hieben, welche ihr Kontrahent mit seinem Schwert und seinem Schild gekonnt abwehrte. Es gab ein helles Klingen als Metall gegen Metall stieß, begleitet von dem Klappern der Rüstungen der beiden Gegner. Der Arl ließ sich nicht lange bitten, sondern konterte Vernitas Attacken mit einem schnellen Hieb, welchem die Elfe allerdings geschickt auswich, während sie zugleich mit einem ihrer Waffen zustach. Nur knapp konnte ihr Feind seinen Schild nutzen, um einem Treffer zu entgehen. Anschließend sprang er mit einem Satz zurück bis an den Tisch und brachte so wieder etwas Abstand zwischen sich und seine Gegnerin.
 
„Alle Achtung, meine Süße!“ bemerkte der Mann mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen. „Du hast eine Menge gelernt auf deiner Jagd nach dem Erzdämon und dem übrigen Gelumpe, welches du bereits in deinem Leben erschlagen hast. Wenn man bedenkt, was für ein verschüchtertes, kleines Elfenmädchen du doch warst, als man dich zum ersten Mal zu mir gebracht hat, finde ich diese Entwicklung doch sehr erstaunlich.“
 
Die Elfe antwortete darauf nur mit einem wütenden Knurren und einem weiteren Angriff, einem Stich mit einem ihrer Schwerter, gefolgt von einer Drehung und einem Hieb mit dem anderen. Der Arl wich der ersten Attacke aus, während er die zweite mit seinem Schild blockte, mit welchem er anschließend auch noch zuschlug. Er traf Vernita direkt vor die Brust, so dass ihr für einen Moment die Luft wegblieb, während sie zwei Schritte zurücktorkelte. Ihr Gegner setzte sofort nach und stach mit seinem Schwert in ihre Richtung. Die Elfe hatte sich aber schneller wieder gefangen, als ihr Gegenüber es erwartet hätte, drehte sich zur Seite weg und schlug dabei mit ihrer Waffe zu. Der Hieb traf die Schulter des Arls.
 
Dieser stöhnte auf. Dabei ließ er seinen Schild fallen, obwohl der Treffer eher oberflächlich ausgefallen war. Es war mehr eine durch den Schreck ausgelöste Reaktion als eine Folge der Wunde selbst. Scheppernd landete der Schild auf den Marmorboden. Reflexartig sprang der Mann zur Seite, um aus seiner ungünstigen Position herauszukommen. Und keine Sekunde zu früh, denn schon stürzte die Elfe wie eine Furie auf ihn und deckte ihn mit den schnellen Attacken ihrer beiden Schwertern ein. Nur mit Mühe konnte er diesen Ausweichen oder sie mit seiner Waffe parieren.
 
Dem nächsten Angriff wich er geschickt aus und ließ Vernita ins Leere laufen. Diesen Moment nutzte der Mann, um sich hinter seinen Stuhl in Sicherheit zu bringen. Denn schon kreiselte die Elfe herum und schlug noch aus der Drehung heraus zu. Ihre Klingen durchschnitten dabei allerdings nur noch die Luft, ihr Gegner war bereits außerhalb ihrer Reichweite gelangt. Und wieder knurrte sie wie ein wütender Wolf.
 
„Du hast eine merkwürdige Art, dem Mann deine Dankbarkeit zu zeigen, der aus dir die Heldin von Ferelden gemacht hat, Vernita!“ grinste der Arl leicht außer Atem, während er mit dem Schwert in ihre Richtung deutete. „Willst du nicht lieber auf die Knie gehen und mir ewige Treue schwören? Ich könnte eine Frau mit deinen Fähigkeiten gut gebrauchen. Du könntest Eshtás Platz als meine rechte Hand einnehmen. Ihre Dienste haben mich in letzter Zeit nicht mehr zufrieden gestellt.“
 
„Hast du jetzt völlig den Verstand verloren?“ blaffte die Elfe hasserfüllt, wobei der Zorn ihr Gesicht noch dunkler erscheinen ließ als normal. „Ich soll dem Mann dienen, der meinen Vater erstach und meine Mutter hängen ließ? Ganz zu schweigen von meinem Sohn…“
 
„Was hatte ich denn für eine Wahl? Ich war ein aufstrebender Adeliger, mit der Aussicht der neue Arl dieser Stadt zu werden. Doch mit einem Elfenmischling als Sohn, welches unser Kind ja nun einmal war, wäre ich nie in die oberen Schichten der herrschenden Klasse dieses Landes aufgestiegen. Es war also nötig, Prioritäten zu setzten.“
 
„Bezeichne meinen Sohn niemals wieder als „unser Kind“, du Bastard!“ schrie die Elfe den Mann wutentbrannt an. „Du hast nicht das Recht dazu, ihn so zu nennen, wo du ihn „deinen Prioritäten“ geopfert hast. Du hättest uns auch einfach in Frieden lassen können! Niemand hat dich dazu gezwungen, dich an meiner Familie zu vergehen und sie anschließend abzuschlachten!“
 
„Das konnte ich nicht. Schließlich habe ich euch geliebt, deine Mutter und auch dich…“
 
Verächtlich spukte Vernita in die Richtung ihres Kontrahenten, verfehlte ihn jedoch um einen halben Meter. „Geliebt?“ fauchte sie böse. „Dann hast du aber merkwürdige Art, das zu zeigen! Vergewaltigst und folterst du immer die Personen, welche du vorgibst zu lieben?“
 
„Irgendwie musste ich dich doch gefügig machen, meine Süße! Schließlich konnte ich nicht von dir ablassen, und ich wollte sicher nicht so enden wie es letztendlich mein Bruder getan hat! Wärst du nur nicht so störrisch, sondern mehr wie deine Mutter gewesen, dann hätten wir zusammen sehr glücklich werden können.“
 
„Glücklich?!? So wie mit meiner Mutter, der du gedroht hast, ein Massaker unter unseren Landsleuten anzurichten, wenn sie sich nicht deinem Willen beugt? Ist das deine Vorstellung von Glück?!?“
 
„Hat sie dir das erzählt?“ fragte der Mann breit grinsend. „Deine Mutter war immer sehr einfallsreich in solchen Dingen, das muss ich zugeben. Tatsache ist, dass sie meine Geliebte war…und zwar freiwillig. Ohne Drohungen und ohne Gewalt…na ja, ein wenig Gewalt war da schon im Spiel, aber das war ja nun mal ihre Idee, damit ihre Geschichte glaubhafter wirkte. Und letzten Endes gefiel es ihr sogar, wenn ich brutaler wurde…“
 
„Du lügst!“ kreischte Vernita außer sich vor Zorn und schlug dabei mit einem ihrer Schwerter nach dem Arl. Dieser drehte den Stuhl mit seinem Fuß in einer schnellen Bewegung herum, so dass die Waffe der Elfe in die hohe Rückenlehne schnitt. Das Holz krachte und splitterte, während die wutentbrannte Elfe die Klinge ihres Schwertes bis tief hinunter in die Lehne des Möbelstückes trieb, wo diese sich schließlich verfing und darin hängen blieb. Bevor sie eine Gelegenheit dazu hatte, ihre Waffe wieder herauszuziehen, trat ihr Gegner schon gegen den Stuhl, welcher dadurch in ihre Richtung geschleudert wurde, bevor er sich selbst auf Vernita stürzte.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 16 janvier 2012 - 08:41 .


#2364
Bellandyrs

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Irgendwo am Ende der Dunkelheit meinte sie, einen hellen Fleck zu erkennen. So fühlte es sich also an, wenn man starb. Das Licht wurde langsam größer, als würde es sich auf sie zu bewegen. Und Lea wartete darauf, dass dieses Licht zu ihr kam, auch wenn die Dunkelheit und die Ruhe wohltuend waren. Nie hatte sie sich schwereloser gefühlt, nie waren ihre Gedanken so frei von aller Last. Sie fühlte weder Trauer noch Schmerz, aber auch keine Freude oder Glück. Hatte sie überhaupt noch Gedanken? Gebannt starrte sie auf das Licht, welches langsam näher auf sie zukam. Sie meinte, leise Musik zu hören, engelsgleiche Chorgesänge die lauter wurden, je näher dieses Licht auf sie zukam.

Moment. So etwas hatte sie doch schon mal erlebt? Helles Leuchten, wundervoller Gesang? Woher kannte sie das? Aber sie wollte nicht nachdenken. Es war viel zu friedlich, um nachzudenken. Am Ende fiel ihr noch etwas ein, was sie nicht wollte. Wieviel schöner war es, so still und ruhig das jetzt zu geniesen? Lange konnte es nicht mehr dauern, bis das Licht nun ganz bei ihr war. Der Gesang war nun wie in der Kirche während einer Messe, und das Licht hatte die Dunkelheit fast komplett vertrieben. Aber immer noch spürte sie nichts, nur seelige Idylle umgab sie.

Plötzlich war das Licht so grell, dass es in den Augen weh tat, und der Chor hörte auf zu singen. Dafür hörte sie mehrstimmig ihren Namen rufen: "Leanora! Lea!"
Zuerst hörte es sich an, als würde der Chor einfach mehrstimmig den Namen aussprechen, aber als sie genauer hin hörte, konnte sie einzelne Stimmen vernehmen, die ihr vertraut waren. Gleich darauf teilte sich der Lichtpunkt und umringte sie. Lea versuchte, die Augen zu öffnen, um zu sehen, was hier geschah. Aber ausser diesen Lichtpunkten sah sie zuerst nichts.

Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an diese Helligkeit, und sie sah Gestalten, weiß gewandet, allesamt mit einer weißen Aura umgeben, um sich stehen. Manche hatten auch prunkvolle, goldschimmernde Rüstungen an. Und die Gestalten bewegten sich auf sie zu.

Eine davon trat vor. Eine Stimme, die ihr so vertraut war, sprach zu ihr:
"Lea, Liebes. Wir sind hier, um Dich zu begleiten. Komm, steh auf, Deine irdenen Wunden können Dir nichts mehr anhaben."

"Aber... ich kann nicht", erwiderte Lea. Und es stimmte, sie konnte sich nicht bewegen. So sehr sie sich anstrengte, ihre Gliedmaßen gehorchten ihr nicht.

Die Gestalt nickte unmerklich den anderen zu. Gleich darauf wurde sie hochgehoben und getragen. Liebevolle Hände umfaßten ihren Körper, und sie fühlte sich beschützt und unendlich geborgen. Wo würde diese Reise nun enden?

#2365
Aliens Crew

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Der Stuhl kippte nach hinten hin um. Vernita musste ihr Kurzschwert, welches noch immer in der Lehne steckte, loslassen. Ihr blieb also nichts anderes übrig als mit nur einem Schwert weiterzukämpfen. Sie sprang zurück, doch da war ihr Gegner auch schon heran und schlug nach ihrem Kopf. Nur knapp konnte sie diesen Angriff parieren. Klirrend trafen die beiden Klingen aufeinander. Und sogleich folgte die nächste Attacke des Arls, so dass Vernita zurückweichen musste. Nach und nach trieb der Mann sie quer durch das Zimmer vor sich her, bis sie schließlich mit dem Rücken gegen eines der Bücherregale stieß. Der nächste Hieb des Arls fiel sehr kräftig aus, sodass die beiden Schwerter erst dicht vor Vernitas Kopf zum Stillstand kamen.
 
„Deine Mutter und ich trieben es überall, nicht nur in meinem Bett“, keuchte er angestrengt, während er versuchte die beiden Waffen doch noch zu ihrem Ziel zu bringen. Die Elfe stemmte sich mit all ihrer Kraft dagegen, was die beiden Klingen zum Vibrieren brachten, da keiner der beiden Kontrahenten nachgeben wollte. Gleichzeit fingerte sie in dem Regal hinter ihr nach etwas, was sie in irgendeiner Form als Waffe verwenden konnte. „Sie war eine so leidenschaftliche Frau und konnte gar nicht genug von mir bekommen. In diesem Punkt seid ihr beiden euch sehr ähnlich…“
 
Vernitas Finger ertasteten eine Buchstütze aus Marmor. Sehr schwer aber auch sehr handlich, genau das richtige für ihre Zwecke. Sie ergriff die Stütze, welche die Form eines Pferdekopfes besaß und schlug sogleich damit zu. Ihr Angriff war schwungvoll, ihre Position allerdings ungünstig, sodass sie nur den Kopf ihres Gegners streifte, doch reichte es aus, um diesen von sich wegzubekommen. Der Arl wankte zwei Schritte zur Seite und fasste sich dabei an die getroffene Stelle. Mehr als eine Beule hatte Vernitas Schlag allerdings nicht bewirkt. Außer dass sie nun wieder frei war und somit etwas Abstand zwischen sich und ihren Gegner bringen konnte.
 
„Autsch! Nicht schlecht, Vernita. Nicht schlecht…ich sag’s ja, ganz die Mutter“, grinste er die Elfe an, während sich die beiden belauerten und dabei im Kreis umeinander herumgingen. „Und das erinnert mich daran, wie sie unbedingt einmal Sex in der Folterkammer haben wollte. Ich musste sie anketten und ihr so richtig wehtun, während wir miteinander vögelten. Dabei geriet sie richtig in Ekstase. So etwas hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie erlebt.“
 
Die Elfe schlug mit ihrem Kurzschwert nach dem Mann. Klirrend traf sie damit die Waffe des Mannes und stieß selbst dabei einen verächtlichen Laut aus. „Warum sollte ich dir glauben, du Bastard? Du versuchst mich doch nur aus der Fassung zu bringen, doch das wird dir nicht gelingen!“
 
„Vielleicht hast du recht, aber vielleicht hast du deine Mutter auch nur nicht so gut gekannt, wie du vielleicht denkst, mein Täubchen.“
 
„Meine Mutter lebte glücklich mit meinem Vater zusammen, bis du in ihr Leben eingedrungen bist und alles zerstört hast!“ fluchte Vernita böse und spuckte ein weiteres Mal in seine Richtung. Und diesmal traf sie sogar seine Rüstung.
 
„Ich bin nicht nur in ihr Leben eingedrungen…“, lachte der Mann dreckig und hob dabei siegessicher die Faust. „Aber ganz so glücklich wie du denkst, war die Beziehung zwischen den beiden allerdings nicht. Zumindest auf sexueller Ebene gesehen, wenn du verstehst, was ich meine…“
 
„Was willst du damit sagen?!?“
 
„Der Mann deiner Mutter war nicht in der Lage sie richtig zu befriedigen, das will ich damit sagen! Er bekam einfach keine anständige Erektion zustande. Und so lange sie es auch probierten, es half einfach nichts.“ Das Grinsen des Arls wurde immer widerwärtiger, während er weitersprach. „Also musste ich ran und ihr den größten Wunsch erfüllen, den deine Mutter jemals gehegt hatte. Und so zeugten wir beide auf eben diesem Schreibtisch, den du hier siehst, das einzige Kind, welches deine Mutter jemals zur Welt gebracht hat…und das war zudem noch der beste Fick meines Lebens!“
 
Vernita traf es wie Schlag ins Gesicht. Das konnte nicht wahr sein. Nein, das durfte einfach nicht wahr sein. Dieser Bastard log doch, dass sich die Balken bogen. Alles andere wäre doch so unglaublich, so unvorstellbar. So pervers und grausem, dass sich die Elfe nichts Schlimmeres ausmalen konnte als das. Dieser Abschaum, die größte Missgeburt, die jemals eine Mutter in diese Welt gespuckt hatte sollte ihr Vater sein. Nein! Niemals! Das konnte und wollte sie einfach nicht akzeptieren!
 
„Das ist nicht wahr, du Schwein!“ brüllte sie los und stürmte wie wild nach vorne. Mit heftigen Attacken trieb sie den Mann vor sich her, ihre Gesichtszüge vor Hass verzerrt, doch mit Tränen und einem Ausdruck des Entsetzens in ihren Augen. Der Arl lachte höhnisch, als er das sah. Beim nächsten Schlag trafen die beiden Waffen aufeinander und kamen erneut zwischen Vernita und ihrem Kontrahenten zum Stillstand. Und durch die Klingen hindurch fixierten sich die beiden wie zwei wütende Wölfe. Nur auf dem Gesicht des Mannes lag nach wie vor dieses dreckige Grinsen.
 
„Du glaubst mir also nicht, was?“ keuchte der Arl angestrengt. „Hast du dich nie gefragt, warum deine Haut so dunkel ist, obwohl deine Mutter wie auch ihr Ehemann beide viel hellhäutiger waren als du selbst?“
 
Mit einem wuchtigen Ruck stieß der Mann die Elfe wieder von sich weg und griff sie sogleich an. Die beiden Feinde bewegten sich durch den Raum, während ihre Schwerter eine tödliche Melodie spielten.
 
„Und was ist mit unserem Kind?“ sprach er während des Kampfes weiter. „Warum war es denn mehr ein Mensch als ein Elf? Warum hatte er meine Ohren und mein Gesicht? Sag’ es mir! Ganz einfach, weil du selbst nur eine halbe Elfe bist und ein Teil von mir schon immer in dir schlummerte, Töchterchen!“
 
„Leck mich!“ kreischte Vernita außer sich vor Hass, während die beiden Schwerter sich in einer wilden Kreisbewegung umeinander herumdrehten. Und dann geschah es! Dem Arl entglitt seine Waffe, welche klirrend auf den Marmorboden fiel. Diesen Umstand nutzte die Elfe gnadenlos aus. Sie holte mit ihrem Schwert aus, um ihrem unbewaffneten Gegner mit einem Hieb den Kopf abzuschlagen. Doch dieser war schnell…zu schnell für Vernita.
 
Er packte den Schwertarm der Elfe, während er gleichzeitig einen Dolch unterhalb seiner Rüstung hervorholte und damit zustach. Schnell sauste die Waffe durch die Luft und traf Vernitas ungeschützte Seite unterhalb ihres linken Armes. Tief drang der Dolch in ihren Körper ein. Die Elfe stöhnte erstickt auf, während der Arl ihr das Kurzschwert aus der Hand drehte und die Frau selbst mit einem Schulterstoß nach hinten beförderte.
 
Die verletzte Vernita torkelte zurück, stieß gegen den Tisch und stürzte rücklings auf eben diesen. Das Möbelstück brach unter dem Gewicht der Elfe krachend zusammen. Sie selbst blieb für einen Moment benommen liegen. Nur verschwommen sah sie hinter sich das Feuer des prasselnden Kamins und den Feuerhaken, der daneben an der Wand stand. Der Arl hingegen lachte auf, während er mit erhobenem Kurzschwert auf seine Gegnerin zustürzte. Diese hatte sich allerdings schon wieder gefangen und rollte sich geistesgegenwärtig zur Seite, als der Angriff des Mannes kam. Das Schwert bohrte sich in die Überreste des kleinen Tisches.
 
Die Elfe rappelte sich zur gleichen Zeit wieder hoch, griff nach dem Feuerhaken und schlug damit noch im selben Augenblick zu. Sie landete einen harten Treffer gegen den Kopf ihres Gegners, welcher auch gerade im Begriff war, wieder aufzustehen. Der Arl schrie schmerzerfüllt auf und verlor dabei das Kurzschwert, welches noch in der Tischplatte steckte. Er wankte zurück und hielt sich den Kopf, welcher eine blutende Wunde aufwies. Vernita setzte gleich nach und zog ihm das Eisen quer durch das Gesicht, so dass er erneut aufstöhnte.
 
Nun grinste auch die Elfe wieder böse und voller Sadismus, bevor sie ein weiteres Mal auf den Mann einprügelte. Und in ihren Augen stand dabei der blanke Hass. Doch diesmal konnte ihr Gegner den Schlag mit seinem Arm abblocken. Es gab ein klingendes Geräusch, als der Eisenhaken gegen die Rüstung des Arls prallte. Und im selben Moment schlug er Vernita mitten ins Gesicht. Die Frau torkelte durch den Raum und stieß kurz darauf gegen den Schreibtisch, wobei ihr das Eisen aus der Hand fiel und dieses klirrend auf die Erde fiel. Und noch im selben Moment war der Arl auch schon heran. Er stürzte sich auf die Elfe und drückte sie auf die Tischplatte herunter. Dabei lag ein irres Grinsen auf seinem blutüberströmten Gesicht.
 
„Das trifft sich doch wunderbar mit uns beiden, findest du nicht?“ lachte er böse, während er ihr mit einer Hand höchst unsanft den Helm vom Kopf zog und diesen achtlos in die Ecke warf, wo er polternd landete. Mit der anderen hielt er ihren freien Arm fest, ihr anderer lag halb angewinkelt unter ihrem eigenen Körper. „Nun können wir beide ja wie deine Mutter und ich vor vielen Jahren auf diesem Tisch einen neuen Bastard zeugen! Wie gefällt dir das? Vielleicht schaffst du es ja diesmal deinem Vater eine schöne Tochter zu schenken, mit der ich dann eben so viel Freude haben werde wie mit deiner Mutter und dir! Dann können wir eine große glückliche Familie werden!“
 
Er versuchte sie zu küssen, doch sie schnappte mit den Zähnen nach ihm. „Meine Raubkatze wie eh und je! Doch selbst, wenn du es tatsächlich schaffen solltest, mich zu töten, so wirst du trotzdem für den Rest deines Lebens damit klar kommen müssen, dass ich dein Vater bin und du mich auf dem Gewissen hast!“ spottete er und umklammerte ihr Kinn mit seiner freien Hand. Inzwischen konnte Vernita allerdings ihre Hand unter ihrem Körper wegziehen und griff nach dem erstbesten, was ihr in die Finger kam. Und dieses Etwas stellte sich als ein Tintenfass heraus.
 
Kurzerhand schüttete sie den Inhalt des Fasses in das Gesicht des Arls, vor allem in dessen Augen. Dieser sprang wie von der Tarantel gestochen zurück und fing wie wild an zu toben. Dabei wischte er sich mit den Fingern durch das Gesicht, um seine Augen von der Tinte zu befreien. „Du miese Schlampe!“ fluchte er lautstark.
 
Vernita hingegen umklammerte inzwischen den Griff des Dolches, welcher immer noch in ihrer Seite steckte und zog diesen ganz langsam heraus. Dabei biss sie sich auf die Unterlippe und starrte gebannt an die Decke. Nachdem sie das gute Stück aus ihrem Körper herausgezogen hatte, warf sie einen kurzen Blick darauf. Nicht wirklich überrascht, stellte sie fest, dass es sich dabei um dieselbe Waffe handelte, mit der er sie damals zum Sex gezwungen und mit dem sie auch seinen Bruder getötet hatte.
 
‚Wie passend‘, dachte sie nur gedankenverloren bei sich.
 
Der Arl hatte sich inzwischen nun auch wieder halbwegs unter Kontrolle und suchte nach der erstbesten Waffe, welche ihm unter die Augen kam und stieß dabei auf Vernitas Kurzschwert, welches noch in der Tischplatte steckte. Schnell zog er es aus den Überresten des Möbelstückes heraus und kam damit auf die Elfe zu, um dieses Spektakel ein für alle Mal zu beenden. Vernita lag immer noch stocksteif halb auf der Platte des Tisches, während sie den Dolch hinter ihrem Bein versteckte. Dabei beobachtete sie jede Bewegung ihres Gegners mit der Ruhe eines jagenden Falken.
 
Als der Mann sie fast erreicht hatte hob er das Schwert zu einem finalen Stoß, um die Elfe damit direkt auf den Tisch zu nageln. Doch drehte diese sich weg und machte eine Kreisbewegung um den Arl herum. Dessen Attacke zischte nur Millimeter an ihr vorbei, sodass sich die Waffe tief in die Platte des Möbelstückes bohrte. Die Elfe selbst hingegen nutzte die Gunst der Stunde und stach mit dem Dolch nach dem ungeschützten Hals ihres Peinigers.
 
Tief drang die Klinge in das Fleisch ein. Blut lief sofort stoßweise aus der Wunde, während die beiden Kontrahenten für einen Augenblick starr wie zwei Statuen nebeneinander standen. Die Zeit schien für diesen Moment stehen zu bleiben, während die Elfe in den überraschten Gesichtsausdruck des Arls blickte. Dann drehte sich der Mann ganz langsam zu ihr um, den Dolch, welchen sie losgelassen hatte, immer noch in seinem Hals steckend. Mit großen Augen sah sie ihren Vater schweigend an. Dessen Lippen formten ein Lächeln, bevor er den Mund öffnete, um mit seiner Tochter zu sprechen. Doch es drangen nur röchelnde Laute aus seiner Kehle. Trotzdem konnte sie deutlich sehen, wie seine Lippen die Worte „Ich liebe dich, Vernita“ formten. Dann brach er zusammen.
 
Die Elfe selbst atmete tief aus und ließ sich dabei mit dem Rücken gegen den Schreibtisch gelehnt zu Boden sinken. Dabei sah sie mit stumpfem Blick auf den zuckenden Körper des Arls, welcher direkt vor ihr langsam verblutete und dabei röchelnde und gurgelnde Laute von sich gab. Doch dieser Anblick verschaffte ihr keine Befriedigung. Nicht so wie damals, als sie seinen Bruder richtete und dies aus vollen Zügen genossen hatte. Nein, in diesem Moment fühlte sie nichts…nichts, außer einem überwältigenden Anflug von Scham. Und dafür hasste sie sich selbst. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, dass ihr Peiniger recht hatte. Sie konnte ihn zwar töten, doch konnte sie damit nicht aus der Welt schaffen, dass dieser Mann, dieser Sadist, dieses Scheusal ihr Vater war, den sie gerade mit eigener Hand ermordet hatte. Und diese Tatsache ließ sie innerlich zerbrechen, beraubte ihr all ihrer Stärke, so dass sie, ohne es zu merken, bittere Tränen weinte, welche ihr über das blutige Gesicht liefen, während sie auf den leblosen Körper ihres eigen Fleisch und Blutes starrte.
 
 


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#2366
Kaysallie

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Es dauerte einige Zeit, bis Miandra es schaffte sich wieder zu beruhigen. Doch schließlich verebbten ihre Tränen, ihr Pulsschlag normalisierte sich und sie starrte leer in die Dunkelheit vor sich. Alles was sie daran erinnerte, dass sie wieder aufstehen und weitermachen musste, waren die Schmerzen ihrer Schulter. So rappelte sie sich hoch und tastete sich vorsichtig durch den Raum zurück zu der Holztür, da sie sich daran erinnerte, dass neben dieser an der Wand zumindest eine Fackel angebracht war. Langsam ließ sie ihre heile Hand über die Mauer gleiten, bis sie schließlich fündig wurde. Doch das Fackelstück schien in seiner Halterung festzustecken, und als Miandra versuchte diese mit mehr Kraft herauszuziehen, bemerkte sie, dass die Halterung selbst irgendwie locker war. Da sie glaubte, diese vielleicht aus der Wand herausbrechen zu können, drehte sie das Metall ein wenig, als plötzlich ein kratzendes Geräusch ertönte, welches an den Wänden laut widerhallte. Kurz verharrte sie in der Bewegung, doch nur einen Herzschlag später realisierte sie, dass dies kein einfacher Fackelhalter war.

Vorsichtig drehte sie das Metallstück daher weiter, und keine zwei Sekunden später konnte sie die ersten hellen Lichtstrahlen durch die Tür am anderen Ende hereinscheinen sehen. Und als sich der Fackelhalter nicht mehr drehen ließ, war auch die Geheimtüre vollständig geöffnet und ließ etwas Licht bis in den Schlachtraum herein. Im ersten Moment blendete Miandra der grelle Lichtschein von draußen, doch schon bald gewöhnten sich ihre Augen daran, wodurch sie erstmals Zeuge des Ausmaßes wurde, welches sie selbst angerichtet hatte. Eine riesige Blutlache hatte sich am Boden gebildet und in der Mitte dieser lag ein zerfetztes Stück Fleisch. Nur anhand der Beine der Zwillingsschwester, die noch hervor sahen, erkannte man, dass dort ein Mensch lag.

Schnell wandte sie ihren Blick davon ab und machte sich stattdessen auf die Suche nach etwas, das sie als Bandage für ihre Schulter verwenden konnte. Dabei durchstöberte sie einige Schubladen der Tische, sah in Regalen nach, oder in diversen Fässern, doch außer unzähligen Fleischerwerkzeugen fand sie nichts Brauchbares. Aber gerade als Miandra ihre Suche aufgeben wollte, fiel ihr Blick auf eine abgenutzte Ledertasche, die direkt neben der verriegelten Tür unscheinbar auf dem Boden stand. Und als Miandra diese öffnete glaube sie im ersten Moment ihre Augen würden ihr einen Streich spielen.

Fein geordnete unzählige kleine Phiolen und Fläschchen in allen nur denkbaren Farben. Miandra musste schlucken. Dies war die Tasche des Mädchens und scheinbar liebte diese kleine Göre es mit solchen Mixturen herumzuspielen. Doch dies war nicht alles, was Miandra in der Tasche fand. Außerdem stachen ihr einige Lederbeutelchen ins Auge, in denen sich Kräuter befanden, oder zu ihrem Erschrecken, abgeschnittene und eingetrocknete Finger, die eindeutig von Menschenhänden stammten, Zähne und andere kleinere Knochen, sowie Haarsträhnen.

Angewidert warf sie die Beutelchen sofort in eine dunkle Ecke. Waren das etwa ihre Trophäen? Miandra wollte nicht länger darüber nachdenken, sondern durchsuchte lieber die Tasche weiter. Zu essen fand sie darin nichts, nur an der Seite war ein Wasserschlauch befestigt und in einer weiteren Seitentasche ertastete sie zu ihrer Erleichterung einen Wundumschlag.

So setzte sie sich etwas bequemer auf den Boden, entkleidete sich ihres Hemdes, reinigte die Wunde mit etwas Wasser aus dem Schlauch und verband sich die Schulter so gut es alleine eben möglich war. Unbewusst schielte sie dabei auf die Tasche. Vielleicht hatte das Mädchen sogar einige Heiltränke darin, doch da keine der Phiolen etikettiert war, wollte Miandra dieses Risiko lieber nicht eingehen. Aber sie würde diese Tasche auf jeden Fall mitnehmen, denn auch wenn sie selbst sich mit diesem Gift- und Trankkram nicht auskannte, so würde wenigstens Vernita …

Für einige Herzschläge stockte Miandra der Atem, als ihr wieder einfiel, wieso sie eigentlich hier war. Sie hatte nach einem Eingang in das halb eingestürzte Gebäude gesucht, um nachzusehen was da vor sich ging. Aber diese blöde Söldnerin musste ja unbedingt auftauchen. Nun wusste Miandra nicht einmal mehr, wie viel Zeit inzwischen vergangen war!

Genervt und etwas hastig knöpfte sie angestrengt den Verband an den Enden zusammen, ehe sie wieder aufstand und zurück zu der Stelle ging, an welcher das Mädchen sein Ende gefunden hatte. Denn diese Göre hatte noch etwas das ihr gehörte…

Mit viel Kraftaufwand, da sie ihren linken Arm nicht wirklich gebrauchen konnte, schaffte sie es schließlich die Rinderhälfte von der Göre herunter zu rollen. Sofort wurde sie aus leeren Augen angestarrt und Blut tropfte von den blassen Lippen des Mädchens herunter. Aber fast mehr entsetzte Miandra, dass ihre wunderschöne Rüstung fast vollkommen in Blut getränkt war und nun an mehreren Stellen geflickt gehörte. Dennoch war es besser als nichts.

Daher drehte sie den Leichnam auf den Bauch, öffnete nach und nach die Riemen und entfernte Stück für Stück jedes einzelne Teil, bis das Mädchen fast völlig nackt vor ihr lag. Dabei erkannte Miandra deutlich die Einstichstellen, die sie ihr mit dem Dolch zugefügt hatte, sowie viele andere Narben aus wohl früheren Kämpfen. Und sie sah außerdem, wie mager und zugleich muskulös dieses Mädchen doch gewesen war… und wie jung.

Ehe weitere Gedanken ihr Gehirn durchströmen konnten wandte sie sich von dem Leichnam ab und machte sich daran sich die Rüstung anzuziehen. Dass diese voller Blut war störte Miandra nur bedingt, aber sie hatte gerade nicht die Zeit um sich mit solchen Kleinigkeiten zu beschäftigen. Denn es dauerte ohnehin schon lange genug diese anzulegen… vor allem da sie aufgrund der Wunde in ihrer Bewegung eingeschränkt war. Letztlich gewann sie jedoch den Kampf mit dem Leder und sie konnte nicht abstreiten, dass es sich gut anfühlte endlich wieder eine Rüstung tragen zu können – auch wenn der Zustand dieser zu wünschen übrig ließ.

Abschließend befestigte sie noch ihre Wurfmesser, sowie die drei Dolche an ihrem Gurt, bevor sie zurück zu der verschlossenen Türe ging. Denn den Schlüssel dafür hatte sie bereits in einer der Taschen an der Rüstung gefunden. Langsam steckte sie diesen in das Schlüsselloch, ehe sie einen Moment inne hielt.

Vielleicht wäre es doch klüger, wenn sie vorher zurück auf den Hof schauen würde? Immerhin konnte inzwischen alles Mögliche passiert sein… und zudem wusste sie nicht, was sie da hinter der Türe noch alles erwarten würde. Doch nur einen Lidschlag später wurde das Schloss mit einem Klicken entriegelt, als Miandra den Schlüssel gedreht hatte. Ihr Entschluss stand fest.

Erst öffnete sie die Türe nur einen Spalt und spähte in den nächsten Raum hinein, welcher sich sofort als Küche entpuppte, doch als sie in dem vom Kaminfeuer erhellten Raum niemanden erkennen konnte, ließ sie die Türe weiter auf schwenken. Ehe sie den Raum jedoch betrat, packte sie noch ein paar Fleischstücke in die Ledertasche und hing sich diese sogleich um ihre gesunde Schulter. Erst mit diesem Proviant bestückt wagte sie sich weiter vor.

Die Küche an sich war ziemlich groß und edel ausgestattet. Zumindest Miandra hatte noch nie eine solch schöne Küche gesehen und vergaß in ihrem Staunen für einen kurzen Augenblick sogar, wieso sie eigentlich hier war. Dunkle Marmorplatten dienten als Arbeitsflächen und die Teller sowie Gläser, welche in Regalen eingeordnet waren, glänzten regelrecht in dem spärlichen Licht. Eine wunderschöne Obstschale stand auf einem kleinen runden Mahagonitisch, in welcher Früchte lagen, die sie noch nie zuvor gesehen hatte, jedoch ziemlich schmackhaft aussahen. Und das gesamte Bild wurde noch von Wandteppichen, dunklen samtigen blutroten Vorhängen und Topfpflanzen, die in Ecken standen, abgerundet.

Ungewollt begann Miandras Magen plötzlich zu knurren und am liebsten hätte sie sich hier sofort hingestellt und sich einen leckeren Eintopf gekocht. Doch keine zwei Sekunden später kamen wieder andere Gefühle in ihr hoch.

Dies konnte nur die Küche eines adligen Schweins und seinem Fußvolk sein! Und er ließ sich auch noch eine Schlächterei direkt daneben hinstellen, damit das Fleisch wohl ja keine Spur zu alt war! Hass auf diese Adligen kam wieder in ihr hoch und je länger sie sich den Raum ansah, umso tiefgehender wurde er.

Doch sie versuchte ihre Gefühle im Zaum zu halten. Das Positive daran war doch schließlich, dass sie vielleicht auf dem richtigen Weg war. So durchquerte Miandra die noble Küche schnellen Schrittes, doch als sie an dem kleinen Tisch vorbei kam, streifte sie dennoch ‚ausversehen‘ im Vorbeigehen die Obstschale, welche auf den Boden fiel und dort kaum hörbar zerschellte. Mit einem schadenfrohen Grinsen auf den Lippen ging sie weiter und erreichte schon nach kurzer Zeit die nächste Tür.

Hier lauschte sie erst durch das Holz, doch es waren keine Stimmen zu vernehmen, so dass sie die Türe vorsichtig öffnete und hier ebenfalls vorerst nur hinein spähte. Dieser Raum offenbarte sich als Speisesaal. Wobei das Wort ‚Saal‘ wie die Faust aufs Auge passte, denn der Raum war so umwerfend groß, dass die Küche daneben wohl wie ein kleines Bauernhäuschen wirkte. Die Deckenwände waren doppelt so hoch als normal, verziert mit goldenen, in die Wand gemeißelten Skulpturen und vielen protzigen Portraits, an denen wohl ehemalige wichtige Personen abgebildet und verewigt waren. Zudem wurde alles von riesenhaften Fenstern erhellt, durch welche die Sonne ihre Strahlen warf; der Boden war mit einem purpurroten Teppich ausgelegt und die einzigen Möbelstücke, welche sich in dem Saal befanden, waren ein endlos langer Tisch, der sich durch den gesamten Raum zog, und die unzähligen gepolsterten Stühle, die um diesen herum standen.

Miandra musste schlucken. Wo war sie hier nur hinein geraten? Doch sie ließ sich nicht lange davon beirren, sondern machte sich weiter auf den Weg, wobei sie es sich jedoch nicht verkneifen konnte einen ihrer Dolche mit der Spitze an der Tischplatte streifen zu lassen, so dass dieser eine schöne lange Spur über die gesamte Tischlänge in dem feinen Holz hinterließ.

Am Ende des Saals angekommen erwartete Miandra eine weitere Tür, dieses Mal jedoch eine Flügeltür. Doch hier hatte sie ein ungutes Gefühl, welches auch berechtigt war. Denn der einzig mögliche Raum, der sie nun erwarten konnte, war ein Flur. Und dort könnte sie womöglich auf Wachen stoßen. Und ihre Vermutung wurde keine zwei Sekunden später bestätigt, doch zu ihrem Glück, war der lange Gang wie leer gefegt.

Zumindest fast.

Etwas weiter entfernt konnte sie etwas auf dem Boden liegen sehen. Erst als sie vorsichtig näher heran ging, erkannte sie allmählich einen großen schwarzen Brandfleck, sowie einige verkohlte Überreste, die wohl von einem Möbelstück herrührten, sowie welche die sie als Leichnam identifizieren konnte – jedoch schien davon nicht viel außer der Rüstung übrig geblieben zu sein. Offenbar hatte hier jemand ein schönes Feuerchen entfacht… und Miandra hatte da auch schon so eine Ahnung, wer dieser jemand gewesen sein könnte.

Vorsichtig umrundete sie das kleine Hindernis und schlich den langen Gang weiter entlang. Kurze Zeit später stieß sie auch schon auf einen weiteren Leichnam, der genauso verkohlt aussah wie der erste. Scheinbar musste sie nur den Leichen folgen, die ihr wie Brotkrümel auf den Boden gelegt worden waren, ging es ihr mit einem zynischen Gesichtsausdruck durch den Kopf. Doch genau hier, wo der offenbar verbrannte Soldat zu ihren Füßen lag, bog der Korridor um eine Ecke, um welche Miandra nun vorsichtig spähte. Ihre Augen erfassten dabei die Türe am Ende des Gangs, welche halb geöffnet war.

Auf lautlosen Sohlen umging sie die Ecke und schlich an der Wand entlang näher an diese Türe heran, wobei ihr Herz nun vor Nervosität zu rasen begann. Denn diese Tür strahlte etwas aus, was bei den anderen nicht der Fall gewesen war. Etwas Furchteinflößend- und Bedrohliches. Jedoch schaffte sie es ihre Atmung flach zu halten und erreichte - schneller als gedacht - den Türrahmen, neben welchem sie kurz zum Stillstand kam, als ihr Blick einen Teil des Raumes erfasste.

Ganz langsam wagte sie sich weiter vor, wobei sie auf alles gefasst war, und den Griff des Dolches bereits krampfhaft mit den Fingern umschloss. Doch als sie noch mehr von dem anscheinenden Arbeitszimmer zu sehen bekam, erhaschte ihr Blick schließlich auch eine am Boden kauernde Vernita, die auf die Leiche eines Mannes vor sich starrte.

Im ersten Moment fiel Miandra regelrecht ein Stein vom Herzen, dass sie die Elfe doch relativ zügig gefunden hatte und diese nicht Opfer eines eingestürzten Gebäudes geworden war. Aber im zweiten Moment sah sie einerseits, dass die Elfe offenbar im Kampf verletzt worden war und, als sie bereits mit skeptischem Blick weiter in das Zimmer hineingegangen war, dass deren Gesicht von Tränen verschmiert war. Sie weinte?

Kurz blieb Miandra stehen und betrachtete vollkommen verwirrt abwechselnd den Leichnam und Vernita, so als würde sie die Welt gerade nicht mehr verstehen. Schließlich ging sie jedoch bis zu dem großen Schreibtisch heran, wo sie die Ledertasche abstelle und sich vorsichtig sowie wortlos neben die Elfe, welche sie nicht einmal wirklich zu bemerken schien, auf den Boden setzte.

Aber nun wusste Miandra nicht mehr so richtig weiter, weswegen sie unsicher mit einer ihrer Haarsträhnen zu spielen begann, da sie keine Ahnung hatte was sie nun sagen oder tun sollte. Die Frage danach, was hier vorgefallen war, brannte zwar leicht auf ihrer Zunge, aber irgendwie brachte sie die Wörter nicht über ihre Lippen. Stattdessen musterte sie einige Zeit lang den toten Mann vor sich, als würde sie die Antwort auch so bekommen – doch das war nicht der Fall. Daher gab sie dieses Vorhaben auch gleich wieder auf, sah deshalb zur Seite und betrachtete ruhig die Elfe neben sich. Und das was sie sah, ließ sie auch gar nicht mehr darüber nachdenken, was hier wohl passiert war. Sie sah Tränen bei einer Person, die sie nicht weinen sehen wollte. Tränen die sich in ihre Seele gruben und sie davon abhielten, darüber nachzudenken, ob das folgende gut, oder schlecht sein würde. So legte sie Vernita ihren rechten Arm um deren Schulter und zog sie mit einem leichten Ruck zu sich, was diese einfach ohne sich zu wehren geschehen ließ. Dabei kippte sie etwas zur Seite und nur mit wenig Nachhilfe landete ihr Kopf direkt auf Miandras Brust. So drückte sie die Elfe mit einem Arm an sich, während sie ihr mit ihrer linken und schwächeren Hand erst die Tränen und das Blut von den Wangen streifte und ihr anschließend damit beruhigend durch das rotbraune Haar fuhr.

Modifié par Kaysallie, 18 janvier 2012 - 10:30 .


#2367
Aliens Crew

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Jemand betrat das Zimmer. Ganz langsam, fast schon zaghaft bewegte sich die Gestalt auf Vernita zu. Die Elfe bemerkte diese Person nur vage, ein Schatten, der den Rand ihres Sichtfeldes passierte, welcher durch den Schleier ihrer Tränen nur unscharf auszumachen war. Aber spielte das eine Rolle? War es nicht egal, ob nun eine der Wachen hier hinein kam und ihrem Leben ein Ende setzte? Schließlich war es das in gewisser Weise ja eh schon.
 
Erst als die Person näher kam, erkannte sie diese als Frau, und zwar als eine Frau, die ihr irgendwie bekannt vorkam. Nur wusste sie im ersten Moment nicht woher…alles vor dem Betreten dieses Raumes schien so weit weg und so lange her zu sein, eben wie aus einem anderen Leben.
 
Die junge Frau setzte sich zu ihr und wusste offenbar im ersten Augenblick nicht so recht, was sie tun sollte. Und während die beiden so nebeneinander saßen und Vernita der Duft dieser Person in die Nase stieg, kamen auch wieder die Erinnerungen zurück. Diese Frau hieß Miandra und die beiden waren hierhergekommen um Miandras Tochter zu finden. Der Elfe kam in den Sinn, was ihrer Begleiterin so alles widerfahren war und mit dieser Erinnerung kehrte auch ein Gefühl der Vertrautheit zurück, welches sich zwischen ihnen beiden entwickelt hatte. Sie verspürte erneut diese Zuneigung zu dieser Frau, welche von Sekunde zu Sekunde immer stärker wurde. Und so ließ sie sich auch von dieser in den Arm nehmen und zu sich heranziehen.
 
Eine Zeitlang lag sie einfach nur auf Miandras Brust, lauschte deren Atemzüge unter ihrer Lederrüstung und genoss deren zärtliche Berührungen. Erst als dann das vorhin Geschehene wieder in ihrem Geiste in den Vordergrund rückte, so dass sich erneut Tränen in ihren Augen bildeten, begann sie mit heiserer Stimme zu sprechen.
 
„Miandra. Miandra, bleibst du bei mir?“ fragte Vernita flehend, während sie ausdruckslos auf die Tür starrte. „Bitte? Du bist alles, was mir noch geblieben ist. Meine…Eltern, den einzigen Personen, denen ich bisher neben dir vertraut habe, haben mich Zeit meines Lebens nur belogen. Ich weiß, ich bin es nicht wert. Ich bin ja nur ein elender Bastard, weder Elf noch Mensch und habe es somit eigentlich gar nicht verdient, dass sich jemand um mich kümmert, doch wenn du dich nun auch von mir abwendest, dann überlebe ich das nicht…“
 
Die Elfe hob den Kopf und blickte Miandra aus tränennassen Augen direkt ins Gesicht, wobei ihre Lippen bebten, während sie sich mit ihren panzerhandschuhbewehrten Händen regelrecht an der Frau festkrallte, so als wollte sie diese nie wieder loslassen.
 
 
 

Modifié par Aliens Crew, 19 janvier 2012 - 06:32 .


#2368
Bellandyrs

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Ganz langsam schritt die Prozession voran. Leanora fühlte sich wohl, es war friedlich und ruhig. Sie hatte das Gefühl, als würde es seicht bergauf gehen. Unter und hinter ihr lag Dunkelheit, und je weiter sie voran schritten, um so heller und sonniger, aber auch wärmer, wurde es. Der Marsch dauerte nicht allzu lange, aber sie hatte ohnehin jegliches Zeitgefühl verloren. Die Träger ließen Leanora vorsichtig auf die Füsse gleiten, aber hielten sie weiterhin an den Schultern, dass sie nicht umfallen konnte. Und nun konnte sie auch wieder ihre Beine bewegen.

Vor ihr öffnete sich ein wuchtiges Portal. Die Türen waren aus massivem, dunklem Holz, die Beschläge aus geschmiedetem Eisen, und man wartete auf das Quietschen der Angeln, aber die Flügel öffneten sich absolut geräuschlos. Langsam und würdevoll durchschritten sie die Tore. Kaum war die letzte Gestalt durch, schloß sich der Eingang genau so leise wieder. Dennoch umgab sie noch immer Helligkeit.

Wieder blieb die Gruppe stehen. Die gleiche vertraute Stimme ertönte erneut.
"Willkommen daheim, Liebes. Dein Vater, Richard, Janica, sie alle warten schon auf Dich. Sieh doch, sogar unsere Mägde und Knechte sind hier, um Dich zu begrüßen!"

"Mutter?" fragte Leanora erstaunt. War sie nun im Nichts? Aber da war sie doch erst vor kurzem, und es hatte sich so anders angefühlt! Vielleicht lag es daran, dass sie damals gegen ihren Willen ins Nichts geschleudert worden war, und jetzt dem natürlichen Lauf des Lebens folgte. Und dem war der Erbauer sicher geneigter, als Eindringlinge so zu empfangen, die hier nichts verloren hatten.

Die angesprochene lächelte ihr liebevoll zu. "Komm mit, folge mir! Außerdem ist hier noch jemand, der Dich unbedingt sehen wollte. Ich habe keine Ahnung, was Du auf Thedas alles angestellt hast, während wir nicht mehr über Dich wachen konnten, aber anscheinend hast Du Deinen Charme voll ausgespielt." Das Lächeln wurde noch eine Spur breiter, und einen Hauch anzüglicher. "Nun ja, Du bist ja auch schon mein großes Mädchen, und alles andere wäre ohnehin wider der Natur."

Lea spürte ihr Herz klopfen. Konnte das denn sein? Aber anscheinend waren ihr die Tugenden und Schwächen geblieben, denn sie fühlte auch, dass sie rot wurde.
Sie folgte ihrer Mutter, die kreuz und quer durch verschiedene Gänge lief, diverse Räume durchschritt, bis sie endlich inne hielt.

"Hier sind wir, Liebes. Hach, ich kann es kaum erwarten, wie sie sich freuen werden...", zwitscherte sie fröhlich.

Wieder wurde eine gewaltige Tür geöffnet, und Leanora fand sich in einer Art Speisesaal wieder. Die Prozession von zuvor stand Spalier. Wie hatten diese es nur geschafft, so schnell in diesen Raum zu kommen? Lea blinzelte und schüttelte verwundert den Kopf.
Doch sie hatte kaum Zeit, sich Gedanken zu machen, denn plötzlich stürmte ein dunkelhaariger Wirbelwind auf sie zu, umarmte sie, hob sie hoch und drehte sie im Kreis.

"Lea, Schwesterchen!" rief dieser Mann. "Na, ich hätte doch gedacht, dass Du länger aushältst, aber anscheinend kriegst Du ohne mich ja doch nichts auf die Reihe", grinste er neckend. "Aber das macht nichts, hier ist es ohnehin gemütlicher. Keine Geschäfte, keine Sorgen, genug zu essen - nur ein bisschen langweilig wird es einem manchmal." Nochmal wurde sie fest gedrückt und geherzt, dann schob Richard sie auf Armeslänge von sich und musterte sie eingehend.
"Bei Andraste! Wie siehst Du denn aus! Hast Du gekämpft?!" Seine Stimme überschlug sich um drei Oktaven, und Lea sah, wie ihr Bruder die Mutter fragend anblickte.
"Erzähl mir alles! Ich glaub es nicht, meine verhätschelte Schwester, nichts wie Pferde im Sinn, und dann sowas..."

Er zog sie mit sich und platzierte sie am Tisch, direkt neben sich. Lea blickte in die Runde, und sah dort wirklich all ihre Verwandten, die bereits ihr Leben gelassen hatten. Aber auch nette Bekannte, die während des Krieges gefallen waren, sah sie weiter entfernt. Dazwischen auch Gesichter, die sie überhaupt nicht zuordnen konnte. Es war nicht nur ein Saal, beinahe unendliche Weite umfaßte diese Halle. Ein Schloßhof war klein dagegen.
Wieder schüttelte sie den Kopf. War sie in einer Aufenthaltshalle, wo alle Toten zusammen kamen? Leichte Gänsehaut überzog sie, als sie daran dachte. Wahrscheinlich mußte sie sich erst daran gewöhnen, dass sie nun auch tot war, aber trotzdem fühlte sie sich lebendig.

Erst die ganzen fragenden Blicke, die auf sie gerichtet waren, machten ihr wieder bewußt, dass sie erzählen sollte, ihre Lieben Antworten haben wollten. Und so versuchte sie, das erlebte in Kurzform zu erzählen. Dabei ließ sie jedoch die heiklen Themen aus, zum Beispiel, wie sie dem Illusionisten auf den Leim gegangen war und dort schon beinahe ihr letztes Stündlein geschlagen hätte. Den Mord am Oberst von Fort Drakon verschwieg sie komplett. Von Castillá's Tod erzählte sie hingegen, ließ aber die blutigen Details aus.

Richards Augen wurden immer größer, er konnte kaum fassen, was er zu hören bekam. Aber auch auf der Stirn des Vaters sah Lea eine Ader gefährlich anschwellen. Er stand kurz vor einem Wutausbruch, so gut kannte sie ihn.

Schließlich stand sie auf und legte beschwichtigend ihre Hand auf seine Schultern.
"Sei unbesorgt Vater, ich habe unsere Familie gerächt. Aber unseren Namen konnte ich nicht mehr rein waschen. Da hat der Erbauer mir einfach keine Zeit mehr gelassen."

Der Vater drückte Leanoras Hand. "Ich bin stolz auf Dich, mein Mädchen. Das hätte ich Dir niemals zugetraut, aber anscheinend bist Du endlich erwachsen worden."

Von jeder Seite wurden ihr Hände entgegengestreckt, um ihr Anerkennung zu zollen.

"Danke, Vater. Aber glaub mir, lieber würde ich wieder unter den Lebenden sein, unseren Namen rein waschen, und vor allem..." Ihr Blick verlor sich in der Ferne, und ein zärtliches Lächeln umspielte ihren Mund. Leiser und leicht errötend fuhr sie fort: "Vor allem möchte ich alt werden, zusammen mit meinem Geliebten. Du würdest ihn mögen, Vater. Er ist Kommandant der Templer, hat vollendete Manieren, eine stattliche Figur, ist gut aussehend..." Sie musste sich bremsen, bevor sie zu sehr ins Schwärmen geriet.

Ihre Eltern lächelten verständnisvoll, dafür schoß Richards linke Augenbraue in die Höhe.
"Was denn, den Kerl würd ich am liebsten kennen lernen! Es hat tatsächlich jemand geschafft, Dein Herz zu erobern? Allein dafür müßte dieser Kerl eine Auszeichnung erhalten!"

Leas Röte vertiefte sich. Ein wehmütiges Seufzen löste sich aus ihrer Kehle.
"Nun, das wird nur nicht so schnell passieren. Ich hoffe doch, dass er länger leben wird und nicht so schnell hier auftaucht."

Sie hatte diese Worte kaum gesprochen, spürte sie förmlich, dass sich jemand von hinten näherte. Langsam drehte sie ihren Kopf, das schlimmste befürchtend.

Modifié par Bellandyrs, 19 janvier 2012 - 07:03 .


#2369
Kaysallie

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Miandra versuchte aus dem was ihr die Elfe gerade gesagt hatte herauszufiltern, wieso diese so vollkommen verzweifelt schien. Sie kam ihr gerade so vor, wie ein verschrecktes Kind, das furchtbare Angst vor etwas hatte und sich deswegen an ihr festklammerte. Aber welch schreckliche Begegnung konnte das nur gewesen sein? Sie sagte, ihre Eltern hätten sie belogen? Sie sei weder Elf noch Mensch? Ein Bastard?

Und mit einem Mal dämmerte es Miandra, auch wenn sie dadurch auch nur einen Teil verstanden hatte. War dieser Mann, dessen Leiche knapp vor ihnen lag, etwa ihr Vater? Ein adliger Mensch? Aber wieso erschütterte Vernita das nur so sehr?

Miandra spürte zwar, dass sie noch nicht alles verstanden hatte und all das noch viel tiefgehender zu sein schien, aber diese Informationen waren nicht das einzige, was ihre Ohren erreichte. Vor ein paar Tagen hätte sie wahrscheinlich sofort die Flucht ergriffen vor dieser Situation, oder erst gar nicht gewusst was sie sagen sollte, aber gerade eben, als Vernita sie tränenverschmiert und hilflos wirkend ansah, überkam Miandra ein eigenartiges Bedürfnis.

„Wieso solltest du es nicht verdienen, dass sich jemand um dich kümmert?“ fragte sie die Elfe in einem ruhigen Ton, während sie ihr ein weiteres Mal sanft mit den Fingern über die Wange streifte, um die Tränen wegzuwischen. „Glaubst du etwa tatsächlich, dass es von Bedeutung ist, wer deine Eltern sind oder waren? Das sagt doch nichts darüber aus, wer du bist, denn das kannst nur du alleine entscheiden. Und ich sehe hier jemanden vor mir, der sich auch schon lange dazu entschieden hat, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, anstatt es einfach zu akzeptieren, oder sich von irgendjemanden etwas einreden zu lassen. Sich dem zu widersetzen erfordert viel Kraft, und das zeigt doch nur, wie stark du bist, denn so etwas schaffen nicht viele… ich... ich konnte es auch nicht.“

Miandra hielt einen kurzen Augenblick inne, wobei ihr Gesichtsausdruck für eben diesen Moment beschämt wirkte. Zudem wusste sie gerade absolut nicht, ob Vernita irgendwelche blöden Worte helfen würden, aber ehe sie sich weitere Gedanken darüber machte, hörte sie sich auch schon selbst weiterreden.

„Auch wenn ich nicht weiß, was dir deine Eltern alles verschwiegen haben, so bin ich mir ziemlich sicher, dass sie es nur getan haben, um dich vor einer grauenhaften Wahrheit zu beschützen, die dein Leben bereits als junges Mädchen noch weiter zerstört hätte, als es das ohnehin schon war. Und wer weiß… vielleicht würdest du dann jetzt gar nicht hier vor mir sitzen, da dich die Wahrheit nur all deiner Kraft beraubt hätte, die dich letztlich aus diesem Drecksloch befreit hat. Und auch wenn sie dich belogen haben, so zeigt das doch nur, dass du ihnen etwas bedeutet hast… Nicht so, wie es bei meinen Eltern der Fall war… Nein, sie haben mich nie belogen, sondern mich tagtäglich spüren lassen, dass ich in ihren Augen nichts weiter als ein Gegenstand bin, den sie nie haben wollten und am liebsten irgendwo wegwerfen würden. Ich habe immer versucht es ihnen recht zu machen, nur um ein einziges Mal ein Lob aus ihren Mündern hören zu können, aber es kam nie. Und selbst wenn es gelogen gewesen wäre, so hätte es mir die Welt bedeutet… einfach um sich für einen kurzen Moment gesehen zu fühlen.“

Erneut machte sie eine kurze Pause, da sich nun auch in ihren Augen Tränen gebildet hatten, die sie sich hastig wieder wegwischte. Sie wollte für diese beiden Personen keine Tränen vergießen.

„Und siehst du, ich habe mich ihnen immer gefügt“, fuhr sie schließlich fort, wobei ihre Stimme etwas schwächer geworden war. „Ich habe mir einreden lassen, wie nutzlos und schwach ich doch sei, und habe es nie geschafft aus diesem blöden Dorf zu flüchten, da ich bereits selbst glaubte ich würde es ohnehin niemals schaffen irgendwo alleine zu überleben. Sogar um mich selbst umzubringen… fühlte ich mich zu schwach. Und als Elana zur Welt kam, wollte ich auch keins von beidem mehr tun. Ich wollte, dass sie in einer normalen Familie aufwächst, die zusammenhält und von der sie sich geliebt fühlt. Aber wahrscheinlich war das eher nur ein Traum, den ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Denn im Prinzip war auch das nichts weiter als eine Lüge, die ich auf mich genommen habe… um sie vor der Wahrheit zu beschützen.“

Nun schwieg Miandra eine etwas längere Zeit, in der sie etwas abwesend geradeaus schaute. Denn kurz schien sich ihr gesamtes Leben wieder einmal vor ihrem geistigen Auge abzuspielen. Währenddessen streichelte sie Vernita immer wieder langsam und eher unbewusst über den Haaransatz, doch dieses Mal mehr um sich selbst zu beruhigen.

„Vielleicht musste all das auch so ablaufen, denn sonst wären wir beide einander wohl nie begegnet“, brach sie das Schweigen schließlich wieder, ehe sie Vernita wieder direkt ins Gesicht sah und dieser dabei ein zaghaftes Lächeln schenkte. „Und wieso sollte ich mich von dir abwenden? Ausgerechnet jetzt, wo ich keine Angst mehr davor habe, nach vorne zu schauen? Und auch das verdanke ich nur deiner Stärke, da du nie aufgegeben hast an das Glück im Leben zu glauben, du nie aufgehört hast zu versuchen mir diesen Glauben teilwerden zu lassen, wo ich doch eigentlich nichts davon wissen wollte… und da du mir schließlich gezeigt hast, wie sehr ich mich doch bereits nach diesem Glück gesehnt habe, ohne es jemals wirklich gewusst zu haben…“

Kurz schüttelte Miandra ihren Kopf, während sie der Elfe nun beide Hände auf deren Wangen legte, um ihren Worten ein wenig Nachdruck zu verleihen. „Nein, ich werde dich nicht verlassen, du bist doch… mein Zuhause. Und dabei ist es mir auch vollkommen egal, ob du ein Mensch, Elf oder sonst was bist. Denn wenn ich dich ansehe, sehe ich jemanden, der stark und mutig ist, und der aus jeder Situation eine Lösung findet, egal wie schwer diese auch sein mag… Jemanden, der Durchhaltevermögen und Geduld besitzt, und dadurch jedes Ziel erreichen kann, das er sich vor Augen setzt. Ich sehe jemanden, der skrupellos und hart sein kann, jedoch auch zu gleichermaßen weich und zerbrechlich. Jemanden, der manchmal ein bisschen verrückt ist und einen grauenhaften Sinn für Humor hat. Jemanden, mit dem gerne mal das Temperament durchgeht und der genauso wenig Ahnung davon hat mit Gefühlen umzugehen, wie ich selbst, sich ihnen jedoch trotzdem immer wieder stellt. Ich sehe jemanden, der mich an mich selbst erinnert… und jemanden, bei dem ich daher einfach ich selbst sein kann. Jemanden, bei dem ich mich geborgen und gesehen fühle… und jemanden, der mir mein Leben nicht nur einmal gerettet hat, sondern es tagtäglich tut. Jemanden, dem ich wegen all diesen Dingen bereits mehr vertraue, als mir selbst und dem ich jederzeit das Leben meiner Tochter anvertrauen würde, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, da mich dieser jemand noch nie enttäuscht hat, und mich auch gar nicht enttäuschen kann. Und jemanden, der mich zum Weinen bringt, wo ich doch fast mein ganzes Leben lang niemals weinen konnte…“

Denn genau das tat Miandra gerade: Weinen. Die Tränen kullerten nun ihr an den Wangen hinab, obwohl sie nicht einmal traurig war. Im Gegenteil, sie lächelte Vernita noch immer an, nun jedoch voller Erleichterung. Sie hatte zum ersten Mal in ihrem Leben jemanden gesagt, was sie dachte, anstatt es für sich zu behalten. Sie hatte alles herausgelassen, anstatt, wie sonst üblich, vorher über die Konsequenzen nachzudenken. Sie fühlte sich wie von einer Last befreit… und es fühle sich gut an.

„Und wie du siehst bist du auch noch jemand, der mich zum unendlich vielen Reden bringen kann, wo ich reden doch eigentlich verabscheue... Also sag' nicht du seist es nicht wert, verstanden?“ fügte sie noch mit einem Schluchzen hinzu, ehe sie sich von Vernita löste, um sich die eigenen Tränen aus den Augen zu reiben.

Modifié par Kaysallie, 20 janvier 2012 - 08:08 .


#2370
Bellandyrs

Bellandyrs
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„Countess Bardigiano! Es scheint, als würdest Du doch mehr Zeit mit mir verbringen wollen als Du letztens versuchtest, mir glaubhaft zu machen. Ich sagte doch, der Templer wird Dich nicht halten können, auch wenn er Dich mir fürs erste entrissen hatte. Aber anscheinend ist der Erbauer der Meinung, dass Du bei mir besser aufgehoben bist.“ Ein leises zynisches Lachen erklang, und die großen Hände, die mittlerweile auf ihren Schultern lagen, verstärkten ihren Druck.

Lea drohten die Knie zu versagen. Adrenalin pumpte durch ihren Körper, und sie wusste im ersten Moment nicht, ob sie nun lachen oder doch lieber weinen sollte.

Richards Augenbraue ging noch ein Stück weiter die Stirn nach oben, ihre Mutter grinste unverhohlen und der Vater schmunzelte. „Ich hab euch immer gesagt, dass sich die Männer noch um sie prügeln werden“, gab er seinen Kommentar dazu ab. „Wenn ich das richtig verstehe, handelt es sich hier nicht um den, von dem Du soeben erzählt hast?“ Umständlich klemmte er ein Monokel zwischen seine Augen, um den Neu-Ankömmling besser zu betrachten. Doch Richard war es, der seinen trockenen Humor zum Besten gab. „Na aber hallo, wenn der andere auch so ein Prachtexemplar von Mann ist…“, murmelte er. „Dann wundert mich gar nichts mehr. Sag mal Schwesterchen, wo gabelst Du diese Kerle eigentlich alle auf? Wehe wenn sie losgelassen, oder wie?“ feixte er voll gutmütigem Spott.

Abermals überzog verlegene Röte ihre Wangen. In ihr kämpften die widersprüchlichsten Empfindungen. Angefangen über Wut, dass dieser Mann schon wieder in so kurzer Zeit ihr Leben – beziehungsweise ihren Tod – kreuzte, aber auch die Freude, ihn wieder zu sehen. Letztlich konnte keines dieser Gefühle die Oberhand gewinnen und so drehte sie sich resignierend zu dem blonden Hünen um.

„Oberst Tjark von Talisker. Nicht einmal tot hat man Ruhe von Dir. Wieso stellst Du mir auch jetzt noch nach? Sagte ich Dir nicht kürzlich, dass mein Herz einem anderen gehört?“ fragte sie leise seufzend.

Aus seinen grau-blauen Augen blitzte der Schalk. „Ja, das hast Du erwähnt, mein Täubchen. Dennoch bist Du hier, und nicht bei ihm. Und dieses Mal wird er nicht einfach auftauchen und Dich zurückholen.“
Er hielt sie an ihren Oberarmen, und seine Daumen streichelten zärtlich über das Schultergelenk. Leanora stand stocksteif da und wusste nicht, wie ihr geschah. Ihr Körper hingegen reagierte augenblicklich auf Tjarks Zärtlichkeit, sie spürte, wie sich eine Gänsehaut breit machte vor Wonne. Sie biss sich auf die Lippe, es ärgerte sie maßlos, dass ihr Körper noch immer so auf diesen Mann reagierte. Allein seine Stimme ließ ihr lustvolle Schauer über den Rücken jagen.
Tjarks Augen verdunkelten sich, er zog sie ein wenig stärker an sich. Sein Mund näherte sich ihren Ohren, sein Atem streifte ihr Haar. „Du hast keine Ahnung, wie sehr mich Deine Worte schmerzten, oder? Am liebsten hätte ich Dich windelweich geprügelt und Dich danach genommen, damit Du weißt, was Du mir angetan hast und dass Du zu mir gehörst, keinem anderen. Aber ich bin Dir verfallen, mit Haut und Haaren, und ich könnte Dir gar nicht wehtun. In Deiner Gegenwart bin ich weiches Wachs in Deinen Händen. Ich gehöre Dir.“ Seine Lippen streiften ihr Ohrläppchen, bevor sein Gesicht direkt vor ihrem war und er sie leidenschaftlich küsste.

Leiser Applaus drang an ihre Ohren, und hochrot riss sie sich von Tjark los.
„Du … Du… Schuft! Wie kannst Du nur!“ rief sie empört. Den Impuls, ihm eine Ohrfeige zu verpassen, unterdrückte sie gerade noch rechtzeitig.

Tjark grinste anzüglich. „Und wie ich bereits schon einmal erwähnte… es sieht nicht danach aus, als hätte es Dir nicht gefallen, geschweige denn, dass Du Dich gewehrt hättest.“

„Nun Schwesterchen, willst Du uns nicht verraten, woher Du diesen Herrn kennst?“ fragte Richard neugierig. „Eine Schande, so jung und schon so tot zu sein…“ murmelte er. „Das wäre auch ein Schwager nach meinem Geschmack, er hat das Zeug dazu, Dich zu zähmen“, fügte er hinzu. Dabei grinste er wie eine Katze, die gerade eine Schale mit frischer Sahne ausgeschleckt hatte.

„Nein, will ich nicht!“ entgegnete Leanora entrüstet.

„Na, wenn die Countess nicht will…“, begann der Oberst. „Ich mache daraus kein Geheimnis. Kennen gelernt habe ich die bezaubernde junge Dame allerdings als Sophia Magdalena. Und zwar in der Amtsstube von Fort Drakon.“ Er hörte, wie ringsum scharf die Luft eingezogen wurde. Lea hingegen stand vor ihm, die Arme vor der Brust verschränkt, den Unterkiefer wütend nach vorne geschoben und aus ihren Augen schossen Blitze. Er lächelte. „Langer Rede kurzer Sinn, sie hat dort nach zwei Gefangenen gefragt, die angeblich ihre Bediensteten waren… und mir währenddessen die Sinne vernebelt. Zum Dank dafür hat sie mich wohl ermordet. Gift im Tee…“ seine Stimme verlor sich, und sein rechter Mundwinkel zuckte amüsiert nach oben. „Keine Sorge, mein Täubchen, ich bin Dir noch immer nicht böse deswegen. Obwohl ich Dich dafür eigentlich bestrafen sollte. Aber die Strafe hast Du ja schon. Ich sagte, ich würde auf Dich warten, und nun bist Du mir für den Rest der Ewigkeit Deine Liebe schuldig. Ich finde, es gibt schlimmere Strafen, oder nicht?“ Wieder lächelte er und wandte sich direkt an sie. „Sag mir, bezaubernde Countess, was hattest Du damals wirklich vor?“

„Keine Sorge Tjark, es war nicht persönlich gegen Dich, Du warst nur am falschen Ort zur falschen Zeit. Wir mussten zwei unserer Gefährten befreien. Wir folgen einer Spur von Kindes-Entführern. Der Kirchenvorsteher war darin mit verwickelt, der auch meine Familie auf dem Gewissen hat. Und nun waren wir auf der Suche nach der Tochter einer meiner Gefährtinnen. Ich hoffe nur, sie finden sie – und zwar unversehrt. Sonst wären all die Opfer umsonst gewesen.“

Tjark wirkte verdutzt. „Komplizen? Du warst mit einer Gruppe unterwegs? Und ihr habt euch zu den Kerkern durchgekämpft? Wie seid ihr denn entkommen? Nein, Du musst es mir gar nicht sagen, es geht mich ohnehin nichts mehr an. Aber mein Respekt gehört dennoch euch, dass ihr es soweit geschafft habt.“ Sein Blick wurde weich, als er weitersprach. „Hochachtung vor Deinem Mut, meine Süsse. Es scheint, als könntest Du mich doch noch überraschen.“ Wieder zog er sie in seine Arme und drückte sie liebevoll, unterließ es aber, ihr einen Kuss zu geben, obwohl alles in ihm danach gierte. Er wollte sie beschützen, und er wollte, dass sie ihm gehörte.

Auch Richard mischte sich wieder ein. „Du bist ja eine richtige kleine Wildkatze geworden. Du kämpfst gegen die Söldner aus Fort Drakon, tötest einen Oberst, schleichst Dich unter falschem Namen in die Kirche ein, man könnte sagen, Du gäbest eine hervorragende Bardin und Meuchelmörderin ab… und dann lässt Du Dich einfach von einem Qunari umbringen?“ Aufseufzend schüttelte er den Kopf. „Manchmal kann das Leben ganz schön ungerecht sein. Du gehörst nicht hierher, Schwesterherz. Noch nicht. Du wurdest dem Leben entrissen, noch bevor es für Dich richtig begonnen hat.“

Leanora befreite sich aus Tjarks Umarmung. „Ich sage es Dir noch einmal Tjark. Unsere Zeit wäre eine andere gewesen, unter andern Umständen. Und dazu hätte mein Leben auf Thedas anders verlaufen müssen. Allerdings wären wir uns dann wohl nicht begegnet, zumindest nicht unter diesen Umständen“ fügte sie schelmisch lächelnd dazu. „Dennoch kann ich nicht die Deine sein. Weder hier noch sonst wo, wo sich unsere Wege kreuzen könnten. Ich danke Dir für Dein Vertrauen, für Deine Liebe, aber ich kann Dir nur Freundschaft anbieten.“ Sie nickte ihm zu und wandte sich wieder an ihre Familie.

„Gibt es denn eine Möglichkeit, von hier zu entkommen? Ich weiß, dass man dem Nichts wieder entfliehen kann, solange man lebt, aber was, wenn man tot ist? Bin ich das denn überhaupt? Ich atme, ich höre mein Herz schlagen, ich erröte, ich spüre Adrenalin in meinem Körper, und der Wind verfängt sich in meinem Haar. Ihr hingegen…“ sie hielt inne. Wieso fiel ihr das erst jetzt auf? „Ihr seid viel blasser als ich euch in Erinnerung habe. Sicher, ihr könnt lachen, eure Körper haben Substanz. Aber ich habe hier weder jemanden erröten sehen, noch, dass sich ein Lufthauch in den Haaren oder in den Gewändern gefangen hätte.“
Grübelnd ließ sie sich wieder auf den Stuhl sinken. Der Gedanke, vielleicht doch zurück zu können, machte sie ganz kribbelig. Sie würde dann die Möglichkeit haben, den Namen ihrer Familie rein zu waschen, ihre Ländereien zurück zu erhalten, und dann konnte Gromschlag machen, was er wollte. Dann würde sie nämlich auf dem längeren Hebel sitzen.

Modifié par Bellandyrs, 21 janvier 2012 - 09:56 .


#2371
Aliens Crew

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Ein Schauer lief über Vernitas Rücken, während sie gebannt Miandras Worten lauschte. Und wieder bildeten sich Tränen in ihren Augen, die sich langsam ihren Weg über das Gesicht der Elfe suchten. Doch dieses Mal weinte sie nicht vor Scham, oder vor Verzweiflung oder gar vor Verbitterung. Nein, es waren Tränen der Erleichterung, der Freude und auch des Glücks. Diese junge Frau schaffte es immer wieder, ihr Herz auf eine Art und Weise zu berühren, wie es zuvor noch nie jemand auch nur ansatzweise vermocht hatte.
 
Als sich Miandra von ihr löste, hatte sich auch ein überglückliches Lächeln auf ihre Lippen gelegt, und sie hob die Hand, um nach dem Gesicht der Frau zu greifen. Dabei fiel ihr auf, dass sie immer noch ihre Handschuhe trug. Mit einer hastigen Bewegung streifte sie diese ab und ließ diese einfach zu Boden fallen, wo sie scheppernd landeten. Doch das war nicht wichtig. Nichts war wichtig. Nur Miandra.
 
„Du bist ein solcher Engel, Miandra“, flüsterte Vernita so zärtlich, wie es ihr in diesem Moment möglich war. Dabei legte sie ganz sanft und behutsam ihre Hände auf die Wangen der Frau. Mit den Daumen befreite sie diese von den Tränen, welche daran heruntergelaufen waren. „Und auch der größte Schatz, der mir in meinem bisherigen Leben unter die Augen gekommen ist. Ich liebe dich von ganzen Herzen. Und weil ich das tue, möchte ich auch nicht, dass es irgendwelche Geheimnisse zwischen uns gibt.“
 
Sie sah für einen Moment zu Boden, bevor sie kurzentschlossen den Blick wieder hob und direkt in Miandras Augen blickte, während sie mit gedämpfter Stimme weitersprach. „Dieser Mann hier, den ich eigentlich schon für tot gehalten habe, war derselbe Kerl, der mich in meiner Jugend misshandelt, vergewaltigt...gefoltert hatte. Er zeugte mein Kind, welches er auch mit eigener Hand tötete. Ebenso wie meine Eltern...aber er ist...besser gesagt, er war noch viel mehr als das...“
 
Eine kurze Pause folgte, in der die Elfe mehrmals Schlucken musste, bevor sie fortfahren konnte. „Er war mein Vater...mein Fleisch und Blut, welches ich nun mit eigener Hand getötet habe. Doch das Schlimmste daran ist...er hatte meine Mutter nicht geschändet, so wie er es mit mir getan hatte. Nein, sie gab ihm alles freiwillig, weil der Mann, den ich für meinen Vater gehalten habe wohl nicht in der Lage war, selbst Kinder zu zeugen. Sie bot sich ihm an wie eine billige Hure. Und als er sich an mir verging, riet sie mir, dasselbe zu tun, um zu verhindern, dass er ein Massaker unter unseren Leuten anrichtete, wie sie sagte. Doch ich glaube, das war auch nur eine weitere Lüge...wäre allerdings dieser Abschaum nicht in das Leben meiner Mutter getreten, hätte ich wohl niemals existiert. Und trotz dieses Wissens, trotz der Erkenntnis, dass ich seine Tochter war, hatte dieses Monster nichts besseres zu tun, als Hand an mich zu legen. Was mich dabei fast wahnsinnig werden lässt, ist der Gedanke, was wohl passiert wäre, wenn ich ihm eine Tochter und keinen Sohn geboren hätte...ich fürchte sie hätte das gleiche Schicksal erleiden müssen wie ich selbst.“
 
Vernita blickte wieder zu Boden. Sie konnte Miandra nicht in die Augen sehen, während sie sich das alles von der Seele redete. „Was mich noch sehr bedrückt, ist die Tatsache, dass ich also die Tochter des Mannes bin, der für die Entführung deiner Tochter verantwortlich war. Ein Teil von ihm lebt in mir weiter und wird es wohl auch immer tun. Zudem war ich nicht in der Lage, dies alles zu verhindern, da ich vor so vielen Jahren nur seinen Bruder und nicht ihn selbst getötet habe. Und damit habe ich deine Tochter einer sehr großen Gefahr ausgesetzt. Das tut mir sehr leid. Es ist unverzeihlich. Trotzdem hoffe ich, dass du mir das vergeben kannst. Und wenn nicht heute, dann vielleicht irgendwann in einer fernen Zukunft...“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 20 janvier 2012 - 11:32 .


#2372
Kaysallie

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Als Vernita zu erzählen begann, um wen genau es sich bei der Leiche handelte, die nicht einmal einen Meter von ihnen entfernt lag, glaubte Miandra sie hätte gerade falsch verstanden. Hatte ihr die Elfe nicht einst erzählt, dass sie diesen Mann eigenhändig umgebracht hatte, als sie aus der Folterkammer geflüchtet und in sein Schlafgemach eingedrungen war? Wie konnte sie jemanden nur für tot halten, dem sie doch ohnehin beim Sterben zugesehen hatte? Entsprach diese Geschichte etwa nicht der Wahrheit?

Doch als Vernita schließlich eine kurze Pause einlegte, spürte Miandra wie sich jedes noch so feine Härchen an ihrem Körper aufstellte vor Entsetzen und ihr Gesicht dabei sofort an Farbe verlor. Die Elfe hätte nicht mehr zu sagen brauchen, dass dieser Mann ihr Vater war. Miandra hatte die Worte aus ihrem Mund bereits vernommen, ehe diesen ihn geöffnet hatte, da sie das bereits vorhin geschlussfolgert hatte. So wanderte, während Vernita weitersprach, Miandras Blick daher auch zu dem Leichnam des Mannes, den sie als den größten Abschaum einstufte von dem sie jemals etwas gehört hatte. Er war noch schlimmer als ihr eigener Vater gewesen. Ein Gedanke der ihr rechtes Auge zum Zucken brachte vor Hass und Ekel, die in ihr hochkamen. Und dass die Mutter der Elfe sich diesem Schwein auch noch freiwillig hingegeben hatte setzte dem ganzen die Krone auf. Welch bescheuertes Weib musste das nur gewesen sein?

Doch es kam noch schlimmer. Dieser Mann zerstörte nicht nur das Leben seiner eigenen Tochter, sondern auch noch das von ihrer. Denn wenn sie daran dachte, welche kranken und perversen Vorlieben dieses Arschloch hatte, dann verkrampfte sich ihr gesamter Körper bei der Vorstellung, was ihrem kleinen unschuldigen Mädchen wohl alles angetan wurde.

Mit stechend kalten Augen fixierte sie nun die blutverschmierte Fratze des Urhebers von all dem. Denn wollte sie nicht immer genau das vermeiden? Wollte sie nicht immer, dass ihre Tochter das bekommen sollte, was sie selbst nie hatte? Ein normales Leben? Ohne Schmerz und ohne Leid? … Und nun hatte dieser Mann auch noch den einzigen Traum zerstört, den sie jemals geglaubt hatte verwirklichen zu können. Miandra wollte gar nicht erst wissen, wie vielen Menschen dieses Schwein noch das Leben zerrüttet hatte. Ihr Maß des Ertragbaren war nun endgültig voll.

Und schließlich kamen sie zu ihrer Ausgangsfrage zurück, wieso dieser Mann nicht bereits vor Jahren das Zeitliche gesegnet hatte, wodurch Miandra wieder hellhörig wurde und ihr Blick zu Vernita zurückwanderte, die bedrückt zu Boden sah. Sie hatte seinen Bruder getötet? Das war alles? Miandra wusste gerade nicht, ob sie diese Aussage ernst nehmen konnte. Wie konnte sie den Menschen, den sie doch mehr als alles andere hassen musste, mit seinem Bruder verwechseln? Oder war das nur eine Lüge? Aber wieso sollte sie lügen? Oder wusste sie es schon die gesamte Zeit über und war deswegen jetzt hier her gekommen? Aber wieso hatte sie es dann nicht früher erwähnt? Worum genau ging es hier eigentlich??

Miandra wusste von einem Moment auf den anderen gar nichts mehr. All diese Informationen hatten sie verwirrt, verunsichert und mehr entsetzt als sie es jemals zuvor war, so dass es ihr sehr schwer viel sich darüber nun eine klare Meinung zu bilden.

Die Mutter in ihr konnte nur noch daran denken, welche Qualen ihrem Kind hätten erspart bleiben können, wenn Vernita diesen Mann bereits einst getötet hätte. Ihr altes Ich begann damit die Wahrheit von all dem anzuzweifeln, womit auch ihre alte Angst wieder hochkam. Und ihr neues Ich hätte all das am liebsten niemals gehört, da es nun Dinge in Frage zu stellen begann, bei denen sie sich gerade eben noch so sicher gewesen war. Vor wenigen Augenblicken hatte sie doch noch gesagt, dass all das vielleicht so ablaufen musste, da sie einander sonst niemals begegnet wären. Aber zu welchem Preis? Wie sollte sie es gutheißen können, dass ihre Tochter vielleicht auf ewig traumatisiert war, oder vielleicht gar nicht mehr lebte? Nein, Miandra konnte das nicht. Nicht, solange sie ihr Kind nicht in Sicherheit wusste. Aber sie konnte Vernita dafür auch nicht die Schuld geben… oder doch? Nein, sie konnte es nicht, aber sie konnte diese Tatsache auch nicht einfach vergessen.

Sie konnte gerade gar nichts mehr.

„Wir sollten gehen…“, war daher auch alles was sie gerade heiser herausbrachte. Sie konnte nichts dazu sagen, nicht jetzt. Es war zu vieles, was gerade durch ihren Kopf ging. Sie brauchte Zeit, um all das auf sich wirken zu lassen und um sich eine Meinung darüber bilden zu können.

So drehte sie sich mit ausdrucksloser Miene zur Seite, hängte sich die Tasche, welche sie neben sich abgestellt hatte, um ihre rechte Schulter und stand sogleich vom Boden auf. Ohne dem Leichnam des Mannes, der auch ihr Leben in gewisser Weise zerstört hatte, einen Blick zu schenken, ging sie zu der Türe, die noch immer halb geöffnet stand, und spähte sogleich auf einen leeren Flur, woraufhin sie diesen auch sofort betrat um dieses verfluchte Haus verlassen zu können.

Modifié par Kaysallie, 21 janvier 2012 - 11:13 .


#2373
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„Ist das alles, was du mir zu sagen hast, Miandra?“ meinte Vernita, als die schwarzhaarige Frau sich die Tasche umhängte und aufstand. Die Stimme klang ein wenig vorwurfsvoll, doch in erster Linie ängstlich. Hatte sie es wieder geschafft? Hatte sie der Frau,. welche sie liebte, erneut zu viel aufgebürdet? Würde sie es nie lernen, zu wissen, wann man reden und wann man verdammt noch mal die Klappe halten sollte. Sie blickte der Schwarzhaarigen nach, als diese den Raum verließ.
 
„Jetzt warte doch auf mich!“ rief sie dieser hinterher. „Außerdem sollten wir noch...aahh...“
 
Vernita versuchte bei ihren Worten aufzustehen, als sich ihre Wunde bemerkbar machte, welche ihr Vater ihr zugefügt hatte. So sackte sie wieder zurück auf den Boden und blieb an dem Tisch angelehnt sitzen und verzog dabei schmerzverzerrt das Gesicht. „Und ich könnte hier etwas Hilfe gebrauchen.“
 
Sie befreite sich mühselig von ihrer Tasche, was ihr weitere Schmerzen bereitete. Das Adrenalin, welches ihr diese Qualen während des Kampfes nicht hat spüren lassen, war inzwischen abgeklungen, so dass ihr nun das volle Ausmaß ihrer Verletzung zu schaffen machte. Vernita warf einen Blick in ihre Tasche und musste dabei feststellen, dass sie fast leer war.
 
„Außerdem sind mir die Wundumschläge ausgegangen“, fügte sie resigniert hinzu und ließ ihren Beutel auf den Boden sinken, während sie den Kopf zurücklehnte und kurz aufstöhnte. Dann begann sie damit, ihre Rüstung loszuschnallen.
 
 
 

#2374
Kaysallie

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Kaum hatte Miandra den Flur betreten blieb sie mitten in der Bewegung stehen, als ihr die Elfe hinterherrief und sie kurz darauf ein Scheppern deren Rüstung vernehmen konnte. Was tat sie hier nur? Lief sie etwa schon wieder davon? Schlagartig fiel ihr wieder ein, dass sie die Elfe doch verletzt vorgefunden hatte, aber selbst das hatte sie gerade vergessen, so sehr stand sie neben sich.

Einen zeitlosen Moment stand sie daher nur starr auf der Stelle, ehe sie sich schließlich wieder umdrehte und zurück in das Arbeitszimmer ging. Kurz musterte sie Vernita von weitem, aber schließlich ging sie zu dieser zurück und kniete sich neben dieser auf den Boden. Zwischen sich und der Elfe stellte sie die Tasche ab, aus welcher sie auch gleich den letzten Rest des Wundverbandes hervorkramte.

„Mehr habe ich leider nicht mehr“, sagte sie dabei mit einem betroffenen Gesichtsausdruck, während sie der Elfe das eher kurze Stück Bandage entgegenstreckte. „Aber vielleicht findest du da drin ja noch etwas anderes Brauchbares.“

Anschließend schwieg sie und beobachtete die Elfe etwas abwesend dabei, wie diese ihre Rüstung ablegte um Sicht auf die Wunde zu bekommen. Ihre Gedanken kreisten noch immer um all das was ihr Vernita gerade gesagt hatte und noch immer wusste sie nicht was sie darüber denken, geschweige denn dazu sagen sollte. Was nicht hieß, dass sie das nicht wollte. Im Gegenteil, sie suchte sogar nach etwas, das sie sagen könnte, da sie noch nie so viel Mitleid für jemanden empfunden hatte, wie für Vernita… denn schließlich wusste sie nur allzu gut wie schmerzend es war, wenn sich die eigene Familie gegen einen stellte, wie demütigend es war wenn man von dem eigenen Vater misshandelt wurde… und wie einsam und verlassen man sich fühlte, wenn man alleine in einer dunklen und kalten Zelle lag mit Schmerzen am gesamten Körper. Bei diesen Gedanken kamen Gefühle in ihr hoch, die ihr sofort erneut Tränen in die Augen trieben, und noch nie hatte sie ein so starkes Bedürfnis danach jemanden am liebsten sofort in den Arm nehmen zu wollen, einfach nur um dieser Person nahe zu sein. Wären da nur nicht diese anderen beiden Dinge gewesen, die sich dem vollkommen quer stellten.

„Ich verstehe das nicht“, sagte sie schließlich unsicher, ohne den Blick zu heben.
„Wie konntest du dieses …“, nun schielte sie kurz zur Seite und sah abfällig auf den Leichnam, da ihr kein passendes Wort dafür einfiel. „Dieses… dieses Monster mit jemand anders verwechseln? Ich verstehe das einfach nicht... Ist das wirklich wahr? Oder gibt es noch etwas anderes, das ich lieber nicht wissen sollte?“

Sie machte eine Pause in der sich ihre Hände, die sie auf ihrem Schoß abgelegt hatte, zittrig an dem Leder ihrer Hose festkrallten. „Und was, wenn ich sie so vorfinde wie… wie dieses Mädchen… wie soll ich da…“

Miandra schaffte es nicht den Satz zu beenden. In ihr haderte es noch immer. Sie konnte der Elfe nicht die Schuld geben für das, was ihrer Tochter womöglich widerfuhr. Der einzige, der daran schuld trug, war dieser Mistkerl von einem Mann, und dennoch fiel es ihr gerade schwer Vernita anzusehen, weswegen sie weiterhin nach unten auf ihre Hände blickte. Sie wusste einfach nicht mehr was sie glauben sollte und wäre am liebsten erneut einfach wieder aufgestanden und weggegangen, um sich diesem Disput mit sich selbst nicht stellen zu müssen.

#2375
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„Ja, das wird reichen, danke“, meinte Vernita mit einem leichten Lächeln. „Der Rest sieht auch sehr brauchbar aus. Sei so gut und nimm die Tasche mit dir. Sobald wir hier raus sind, sehe ich mir das Zeug genauer an.“
 
Die Elfe hatte ihren Oberkörper bis auf ihr Unterhemd, welches auf einer Seite schon von Blut durchtränkt war, von ihrer Rüstung befreit. Nun zog sie auch dieses über den Kopf, so dass sie halbnackt vor Miandra saß. Ihr fiel nicht einmal auf, dass Miandra mit ihren Gedanken ganz woanders war, da sie ihre Blick auf ihre eigene Verletzung gerichtet hatte und diese eingehend untersuchte.
 
„Nun sieh dir das an“, sagte sie mehr zu sich selbst gewandt. „Ein paar Zentimeter höher und dieser Stich wäre mir direkt ins Herz gegangen. Das nenne ich Glück...nun, beim Töten hatte ich ja bisher immer Glück...“
 
Doch anscheinend hatte Miandra ihr nicht zugehört. Denn anstatt darauf etwas zu erwidern, fragte sie die Elfe nach ihrem Vater...und nach dessen Bruder, den Vernita vor so vielen Jahren für ihren Peiniger gehalten hatte. Und sie schien das Gesagte der Elfe anzuzweifeln.
 
„Tja“, sagte diese, nachdem sie die Worte der schwarzhaarigen Frau einen Moment auf sich hatte wirken lassen. „Was soll ich dir sagen? Es ist zwar schon einige Jahre her, dennoch erinnere ich mich noch sehr gut an diese recht unerfreuliche Zeit in meinem Leben. Mein...Onkel...“
 
Vernitas Stimme nahm bei diesem Wort einen zynischen Ton an. „Mein Onkel und mein Vater sahen sich beide zum Verwechseln ähnlich...Zwillinge, du verstehst? Verdammt, dieser Wichser trug sogar den selben elenden Vollbart und genau dieselbe Frisur. Fanden die beiden sicher witzig, alles daran zu setzen, dass man sie nicht auseinander halten konnte...sogar ihre Körper hatten denselben Geruch...“
 
Sie blickte Miandra geradewegs ins Gesicht, welche es allerdings vermied, die Elfe direkt anzusehen. „Ich wusste nicht, dass dieses Schwein hier überhaupt einen Bruder hatte. Hätte ich das auch nur vermutet, dann hätte ich mich bestimmt damals schon davon überzeugt, dass ich auch genau den erwischt hatte, den ich erwischen wollte. Mein Vater hat eine lange Narbe auf seinem Rücken, von irgendeinem Gefecht, wie er mir mal erzählt hatte. Doch als ich meinen Onkel im Bett meines Vaters vorfand, konnte ich dessen Rücken nicht sehen, da er genau auf diesem lag. Und wie gesagt, hätte ich gewusst, dass es überhaupt einen Bruder gab, so hätte ich seine Leiche sicher vor meinem Verschwinden auf den Bauch gedreht. Doch ich war jung und noch sehr unerfahren. Heute würde mir so ein Fehler sicher nicht mehr unterlaufen...“
 
Vernita blickte für einen Moment schuldbewusst zur Seite. Als Miandra dann anfing, über ihre Tochter zu sprechen, konnte Vernita nicht mehr anders. Trotz der Schmerzen in ihre Seite, hob sie den Arm, legte der Frau die Hand unter das Kinn und hob deren Kopf, so dass sich die beiden direkt in die Augen sehen konnten. „Wir werden Elana finden und zwar lebendig“, versicherte die Elfe mit fester Stimme. „Niemand verschleppt ein Kind über das halbe Land, nur um es dann in einem dunklen Kellerloch zu töten. Das ergibt keinen Sinn. Sie ist am Leben, hörst du?!?. Und wir werden sie befreien! Und dann wird alles wieder gut werden, und wir können ihr das Leben bieten, welches dein kleiner Engel auch verdient! Daran glaube ich ganz fest, und das solltest du auch tun! Wir sind zu weit gekommen, um jetzt einfach aufzugeben, verstehst du?“
 
Vernita lächelte ihrem Gegenüber aufmunternd zu, bevor sie die Hand wieder sinken ließ und sich erneut zurück an den Tisch lehnte. „Und in den Unterlagen meines...dieser Ratte hier, werden wir auch sicher etwas darüber erfahren, wo sich Elana momentan aufhält. Aber zuvor möchte ich dich bitten, meine Wunde zu desinfizieren und zu verbinden, da es nicht so einfach ist, sich selbst den Verband um die Brust zu binden...“