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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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2750 réponses à ce sujet

#2376
SickOfItAll

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Sha´ira stand mittlerweile wieder halbwegs sicher auf den Beinen und war zu ihr herübergekommen. Lydia hatte Lea auf eine halbwechs ebene Fläche gezogen, Wasser aus einem großen Fass am anderen Ende des Hofes geholt und begann ihre Wunden auszuwaschen.

Sha´ira setzte sich ihr gegenüber und zog ein kleines Fläschchen mit einem violetten Pulver aus ihrer Gürteltasche. " Misch das ins Wasser. Das säubert die Wunden besser. "

Als sie das Pulver im Wasser auflöste, verbreitete sich sofort ein scharfer Geruch im Hof. Es roch nach etwas, das sie noch nie gerochen hatte. Entfernt erinnerte es sie an puren Alkohol oder scharfe Kräuterelexire.

" Was ist das ? " Fragte Lydia verwundert und roch nocheinmal am Wasser. " Das riecht wie... ich weis nicht wie. Aber es riecht angenehm."

Vorsichtig wusch sie die Wunden von Lea aus und verband sie danach mit frischem Stoff. Sie hatte viel Blut verloren, war weiß wie Kalk und schien absolut bewusstlos zu sein. Lydia war seltsam ruhig. Irgendwie fand sie es ... traurig, aber es berührte sie nicht. Sie tat, was getan werden musste, fast ohne Angst oder Trauer um Lea.

Sie hoffte zwar, das sie es schaffen würde, das sie überleben würde, aber sie fürchtete nicht Leas tot. Und das war ihr unheimlich, das war es, was ihr Angst machte. Aber sie wusste nicht, warum, woher, wieso.

Modifié par SickOfItAll, 21 janvier 2012 - 06:52 .


#2377
Bellandyrs

Bellandyrs
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Tjark beobachtete Leanoras Rücken. Sie wollte also wieder zurück zu ihrem spießbürgerlichen Templer? Ihr Leben für irgendein Gör aufs Spiel setzen? Er musste sich beherrschen, um nicht laut aufzulachen. Sie hatte es schon aufs Spiel gesetzt, sonst wäre sie ja nicht hier. Ein zynisches Lächeln umspielte seine Lippen, und ein kalter Glanz trat in seine Augen. Sie konnte noch soviel wollen, ihre Verwandten konnten sie dabei sogar unterstützen. Schließlich war sie erst angekommen, sie trug noch immer ihre irdene Kleidung. Er wusste, dass demnächst eine Dienerin Andrastes kommen würde, um Leanora zu waschen und ihren Körper wieder in makellosen Zustand zu versetzen, also ihre Wunden heilte.

Danach hatte man normalerweise die Ehre, Andraste gegenüber zu stehen, oder einer Gerichtsbarkeit Andrastes. Und je nach dem, welches Urteil gefällt wurde, wurde der Neuankömmling dann wieder in diesen Saal zurückgebracht. Allerdings nicht, ohne zuvor seine Strafe zu erhalten. Ihm wurde damals auferlegt, im Nichts in absoluter Keuschheit zu leben und durfte sich nur noch einer Frau oder einem Mann unsittlich nähern, wenn er die betreffende Person auch wirklich liebte. Und das wiederum konnte man hier keiner Obrigkeit verheimlichen. Es schien, als wüssten sie alles, jeder geheime Gedanke war ihnen bekannt. Insofern hatte er auch kein Problem, dass er Leanora küssen konnte, ohne sich vor einer Strafe fürchten zu müssen. Er liebte sie seit dem ersten Augenblick an.
Wenn es eine Möglichkeit gab, dass Leanora also die Richter, beziehungsweise Andraste selber, überzeugen konnte, dass sie zurück auf die Welt sollte, dann eben genau zu diesem Zeitpunkt. Wenn die Countess dann auch noch Fürsprecher hatte, war es sogar sehr wahrscheinlich, dass Andraste ihrer Bitte geneigt war. Aber was, wenn er Einspruch erhob? Er grinste boshaft. Leanora gehörte zu ihm. Und er würde dafür sorgen, dass sie ihre Strafe bekam und bei ihm blieb.

Modifié par Bellandyrs, 21 janvier 2012 - 07:29 .


#2378
Kisu

Kisu
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" Das ? " antwortete Sha´ira und schüttelte die leere Phiole, " das ist einfaches Iodsalz ... Das erinnert mich an die Armee. Ich habe eine gewisse ... Hassliebe zu diesem Zeug entwickelt", lachte sie und wusch mit einem nassen Tuch die Wunden von Lea aus. Sie waren gelindegesagt schlimm um nicht zu sagen fatal. Sie könnten schon von einem göttlichen Wunder sprechen, wenn Lea das überleben würde.

" Bei der Armee ?" Fragte Lydia neugierig.

" Ja, ich war einige Zeit in der Armee. Als ich noch jünger war, war ich im Lazarett, bis ich zu meiner Resie durch Thedas aufgebrochen bin war ich dann Teil der Eliteinfanterie. . . Und dieser Geruch erinnert mich immer an die Zeit im Lazarett. "

Ein trauriger Glanz trat in ihre Augen und ihr Gemüt verdüsterte sich. Alte Erinnerungen kamen in ihr hoch, Erinnerungen an die vergangenen Zeiten. Lange vergangen und doch erst ein paar Jahre zurück. Ihr kam es vor, als wäre das im letzten Leben gewesen.

Sie ließ sich neben Lydia an der Wand niedersinken und atmete tief durch. Ihr war schwindelig, sie war müde und ausgelaugt. langsam sank ihr Kopf auf Lydias Schulter. Sie legte ihren Arm um sie und starrte auf den Sonnenbeschienenen Hof.

" Die Armee, das ist ein scheiß Geschäft. Ich habe es gehasst und geliebt, geliebt und gehasst. Sie hat mir so viel genommen und so wenig gegeben. Die Schwester ... das große Vorbild. Gefallen. Der Vater, der große Krieger. Gefallen. Sei froh, das du nie in die Armee gehen musst. Und mach es nicht wie ich und geh freiwillig. Es bringt dir nur Leid ... so ... viel leid. "

Sie seufzte, drückte Lydia an sich und legte ihren Kopf auf ihre Schulter. Nur für einen Moment schloss sie die Augen und lauschte Lydias Körper, dem tiefen, gleichmäßigen und unglaublich beruhigenden schlagen ihres Herzes. Sie fühlte sich wie aus Blei. Am liebsten wäre sie da, wo sie war, einfach eingeschlafen, aber das wäre unpraktisch gewesen.

Sie spürte zarte Lippen auf ihrer Stirn und einen gehauchten Kuss. Sie musste schmunzeln. Egal wo sie hingehen würde, Lydia würde ihr folgen. Und wenn es in den Tot ginge. Aber wusste sie, wohin diese Reise noch gehen würde ? Vielleicht tatsächlich in den Tot. Aber wenn, dann würden sie gemeinsam gehen. Sha´ira würde Lydia ebensowenig im stich lassen, wie Lydia sie, dessen war sie sich absolut sicher, darauf konnte sie vertrauen.

#2379
Kaysallie

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Zwillinge? Miandra konnte es kaum glauben. Welch eigenartige Zufälle das Leben einem doch in den Weg legte. Welchen Plan hatte der Erbauer verfolgt, als er in jener Nacht den Zwillingsbruder dieses Schweins in dessen Bett legte. Dieser Gott war wahrlich ein Sadist.

Kurz schämte sich Miandra dafür, dass sie die Wahrheit von all dem angezweifelt hatte. Aber wie hätte sie so etwas auch ahnen können? Schließlich stieß sie einen Seufzer aus und lachte kurz etwas erleichtert auf.

„Ach, und das sagst du mir erst jetzt, dass es sich um einen Zwillingsbruder handelte? Ich dachte die gesamte Zeit, du würdest mich nur verarschen mit dieser Bruder-Geschichte. Ich glaube zwar dich ein wenig zu kennen, aber Gedanken lesen kann ich leider doch noch nicht“, sagte sie und schüttelte anschließend kurz den Kopf, denn sie hielt das Ganze immer noch für ein wenig skurril, aber sie glaubte Vernita, dass diese davon selbst tatsächlich nichts gewusst zu haben zu schien. Und das hieß für Miandra, dass sie der Elfe auch für alles weitere, was passiert war, keinerlei Schuld geben konnte. Und dieser Gedanke beruhigte sie, und er half ihr dabei endlich klar über dieses Thema denken zu können.

Doch ihre gute Laune verflog von einer Sekunde auf die andere schlagartig wieder, als ihr Elana wieder vor ihre geistigen Augen trat. Kurz ließ sie noch das auf sich wirken, was ihr die Elfe diesbezüglich voller Zuversicht gesagt hatte. Doch sie selbst… sie konnte auch nachdem Vernita auf sie eingeredet hatte nicht wirklich positiv darüber denken.

„Ich gebe nicht auf. Es ist nur…“, sie machte eine kurze Pause und blickte dabei kurz nervös nach oben auf die Decke. „Manchmal da… da kann ich mich nicht mehr daran erinnern wie sie aussieht… Ich sehe sie zwar vor mir, aber ihre Augen, ihr Lächeln, alles daran... es ist so verschwommen, als hätte ich sie bereits seit Jahren nicht mehr gesehen. Und seitdem wir vorhin in diesem Keller waren, sehe ich immer wieder dieses Mädchen vor mir, wenn ich an sie denke… und daran, dass auch sie und der kleine Junge Kinder waren, die durch das ganze Land verschleppt wurden, nur um dann dort… einen sinnlosen Tod zu sterben.“

Kurz schwieg sie, aber eigentlich wollte sie auch nicht länger über dieses Thema sprechen. Und schon gar nicht hier. „Aber ja, vielleicht finden wir ja etwas in den Unterlagen“, sagte sie daher abschließend, doch es klang eher weniger zuversichtlich.

Da Vernita sie zusätzlich auf die Wunde hingewiesen hatte, betrachtete Miandra diese nun stillschweigend an der Seite der Brust der Elfe, wobei sie sich ein Stück nach vorne beugte. Und was sie sah, gefiel ihr überhaupt nicht. Bedauerlicherweise hatte sie in der Tasche nirgendwo Alkohol gefunden, also konnte sie die Wunde lediglich mit Wasser reinigen. Daher nahm sie den Wasserschlauch zur Hand, schob die Tasche ein Stück zur Seite und rückte näher an Vernita heran. Vorsichtig ließ sie etwas Wasser über die Wunde laufen, welches blutgefärbt an dem Oberkörper der Elfe hinab lief und auf den Boden tropfte. Vorsichtig tupfte sie anschließend die Einstichstellte mit dem Ende des Verbandes ab, um Wasser- und Blutreste zu entfernen, um diesen Vernita anschließend um den Oberkörper wickeln zu können.

Doch genau als sie das tun wollte, zuckte sie kurz mitten in der Bewegung zusammen. Dabei hielt sie den Verband in ihrer rechten Hand und hatte sich bereits etwas über die Elfe gebeugt, eben so, damit sie das Ende hinter ihrem Rücken durchziehen konnte. Doch sie konnte nicht nach diesem Ende greifen. Ihre eigene Verletzung am Schlüsselbein ließ es nicht zu ihren linken Arm soweit anzuheben und auszustrecken. Nur der stechende Schmerz erinnerte sie gerade eben daran, dass sie selbst ja ebenfalls verletzt war.

Langsam blickte sie zur Seite und sah die Elfe für einen Augenblick aus geweiteten Augen an, da sie gerade nicht weiter wusste und ihr die Situation ein wenig peinlich war. Schließlich war sie ihr gerade ziemlich nahe… so nahe, dass sie sogar die Wärme spüren konnte, die von ihrem Körper ausging. Und, dass sie sich ausgerechnet jetzt nicht mehr weiterbewegen konnte, war Miandra nun doch ein wenig unangenehm. Oder nein, unangenehm war nicht das richtige Wort. Doch in Miandras Wortschatz gab es kein Wort für das, was sie gerade eben fühlte. Und es wurde ihr von Sekunde zu Sekunde peinlicher.

Ihr Mund hatte sich bereits geöffnet um etwas zu sagen, aber sie verkniff es sich wieder. Stattdessen legte sie das Verbandende einfach ab, entfernte sich wieder etwas von der Elfe, und zog die Bandage schließlich mit ihrem rechten Arm um deren Rücken. Sie würde Vernita eben nur mit einem Arm verbinden, das war zwar umständlich, aber da dieser nicht sonderlich lang war, war sie auch schon nach einem weiteren Umschlag fertig, den sie ihr jedoch etwas hastiger umgelegt hatte.

Kurz räusperte sie sich, als sie sich von der Elfe abwandte, um den Wasserschlauch wieder zu verstauen. „Ich werde mal sehen ob ich irgendwo auf ein paar hilfreiche Dokumente stoße“, meinte sie, eher um von der eigenartigen Situation von gerade eben abzulenken, als dass es wirklich relevant war. „Oder brauchst du noch Hilfe bei der Rüstung?“

Modifié par Kaysallie, 22 janvier 2012 - 01:12 .


#2380
Aliens Crew

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Vernita ließ sich schweigend von Miandra verarzten. Sie beobachtete die Frau zwar dabei, doch sagte kein Wort, gab auch keine Ratschläge, da sie feststellte, dass Miandra wusste, was sie da tat. Ein paar Mal zuckte die Elfe unmerklich zusammen, wenn die Frau an ihre Wunde kam. Doch hatte Vernita schon Schlimmeres mitgemacht, als dass dies sie aus der Fassung bringen könnte.
 
Als Miandra allerdings noch etwas näher kam, um ihr den Verband anzulegen, wurde der Elfe schon recht mulmig zumute. Allerdings nicht, weil sie Angst hatte, dass die schwarzhaarige Frau gerade Mist baute, sondern vielmehr, weil sie dieses Gefühl immer bekam, wenn diese ihr so nahe kam wie in diesem Augenblick. Sie spürte, wie ihre eigene Temperatur anzusteigen schien und wie eine unerklärliche Erregung jede Faser ihres Körpers erfasste. Selbst ihre Atmung beschleunigte sich ein klein wenig. Sie stand schon kurz davor, Miandra zu sich heran zu ziehen und sie zu küssen, als diese plötzlich inne hielt.
 
Vernita sagte zwar nichts, jedoch verengten sich ihre Augen vor Erstaunen, aber auch vor Sorge. ‚Stimmt etwas nicht mit Miandra? Was hat sie denn nur?’ ging es der Elfe durch den Kopf, doch ließ sie die Frau schweigend gewähren, während diese ihr etwas umständlich den Verband anlegte.
 
„Nein, das mit der Rüstung wird schon gehen“; meinte Vernita schließlich auf Miandras Frage hin, wobei sie etwas nachdenklich wirkte. „Allerdings...kannst du mir auf andere Weise helfen...“
 
Sie nährte sich der schwarzhaarigen Frau wieder, griff völlig unvermittelt nach dem Kragen ihrer Lederrüstung und zog sie bis dicht an sich heran, so dass sich ihre Gesichter beinahe berührten. Kurz hielt Vernita so inne und blickte leicht grübelnd, vor allem aber sehr verträumt, in das Antlitz der schwarzhaarigen Frau. Dann zog sie Miandra noch näher an sich heran, und ihre Münder vereinigten sich zu einem leidenschaftlichen Kuss. Die Elfe schloss dabei die Augen und genoss die Wärme und die Zärtlichkeit von Miandras Lippen und versuchte dieser mit eben diesem Kuss all die Dankbarkeit und Liebe zu vermitteln, welche sie für diese Frau empfand. Es dauerte einen Moment, bis sie sich schließlich wieder von Miandra löste und diese aus glücklich aufblitzenden Augen ansah.
 
„Das habe ich jetzt gebraucht. Ich hoffe, du bist mir jetzt nicht böse“, meinte sie lächelnd, wobei sie die schwarzhaarige Frau wieder losließ. „Und vielleicht sagst du mir jetzt auch, was mit dir nicht stimmt. Oder verbindest du deine Patienten immer auf eine solch umständliche Art und Weise?“
 
Die Elfe legte den Kopf schief und blickte Miandra schelmisch grinsend an.
 
 
 

Modifié par Aliens Crew, 22 janvier 2012 - 07:49 .


#2381
Bellandyrs

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Während Tjark seinen Plan schmiedete, wurde Leanora von ihrem Bruder eben selbiges erklärt. Sie würde zurück können, wenn sie die Obrigkeit überzeugen konnte, dass sie auf Thedas noch gebraucht wurde und sie viel zu früh von dort abberufen wurde.

Leanora begann zu strahlen. „Wenn das ginge, Bruderherz, das wäre wirklich phantastisch. Ich will wieder zurück, so schön es auch hier sein mag, vor allen Dingen, weil ihr hier seid. Und ich habe euch alle so sehr vermisst. Dennoch, meine Gefährten brauchen jede Hand, die kämpfen kann. Und dann ist da natürlich noch Sengaal. Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt, um mich zu retten. Ich kann ihn doch nicht einfach im Stich lassen.“

Tjark versetzten diese Worte einen Stich. Neranos, immer dieser Neranos, etwas anderes hörte er von der Countess nicht mehr. Eifersucht plagte ihn, aber sein Plan nahm Formen an. Der Templer würde schon bald in Vergessenheit geraten, da war er sich sicher.

Kurze Zeit später wurde Leanora abgeholt. Die Gestalt war von einer hellgrün schimmernden Aura umgeben und strahlte unendliche Güte aus.
„Geh ruhig, mein Kind. Wir sehen uns später, wir werden für Dich da sein“, nickte der Vater seiner Tochter zu. Er wollte, dass sie glücklich wurde, und was konnten sie ihr hier schon bieten? Der Oberst schien ein guter Mann zu sein, aber er kannte seine Tochter zur Genüge. Wenn diese sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann ließ sie sich nicht mehr davon abbringen.

„So kommt nun mit mir, Leanora“, sprach das Wesen, und ihre Stimme hörte sich wie ein Glockenspiel an.

Wieder durchschritten sie einige Gänge, bevor sie in einen Abschnitt kamen, wo man meinen konnte, man sei in einem riesigen Garten. Rings um sie blühten die verschiedensten Gewächse, Vögel gaben ihr Konzert zum Besten, die Luft war leicht nebelverhangen und von einiger Entfernung hörte sie Wasser plätschern. Es war feuchtwarm dort, und Leas Haare begannen sich zu kringeln. Sie wanderten den Weg entlang, der mit frischem Mulch belegt war, bis sie letztlich an einem Wasser-Bassin angelangt waren, welches von einem kleinen Wasserfall gespeist wurde. Aus dem Teich-ähnlichen Bassin stiegen Dampfwolken empor.

Lea blickte fasziniert auf dieses Schauspiel der Natur.
„Das Wasser da drin ist angenehm warm“, erklärte die Erscheinung. „Und es hat sowohl reinigende als auch heilende Kräfte. Ich helfe Euch beim Entkleiden.“
Und so geschah es, innerhalb kürzester Zeit stand Leanora splitternackt da, und sie konnte das erste Mal die Ausmaße ihrer Wunden sehen. An der Hüfte fehlte ein Stückchen Fleisch, Blutspuren zogen sich bis zu ihrem Fuß nach unten, die Einschussstelle an sich war zerfasert. Voller Abscheu betrachtete sie ihre Hände. Aufgeschürft, die Fingernägel gesplittert und abgebrochen, Blasen auf der Handinnenfläche beim Daumen. Ihr Oberarme waren mit Blutergüssen übersät, und an ihrem Hals wurden mit jeweils fünf roten breiten Striemen die Hände des Qunaris – und ihre letzten Sekunden auf Thedas – verewigt.
„Bei Andraste“, entfuhr es Leanroa. „Ich hatte schon mal besser ausgesehen“, fügte sie mit trockenem Humor hinzu. Nur gut, dass Sengaal sie nicht so zu sehen bekam, er würde wohl allein wegen dem Anblick in die Raserei verfallen und alle Feinde töten.

Das Wesen lächelte. „Steigt nun in den Teich und wascht Euch. Hier habt Ihr Seife. Bleibt ruhig so lange ihr Euch darin wohl fühlt, ich bin da hinten“, sie deutete mit ihrem Arm in eine Richtung, „und warte auf Euch. Handtücher liegen hier bereit, sie sind mit Lavasteinen vorgewärmt.“ Kaum hatte sie den letzten Satz beendet, drehte sie sich um und ging mit anmutigem Schritt in die zuvor gezeigte Richtung.

Leanora ließ sich langsam in das Wasser gleiten. Es war wirklich angenehm warm. Sie lehnte sich zurück und schloss die Augen, genoss es, wieder einmal baden zu können. Sie konnte sich kaum erinnern, wann sie sich das letzte Mal so richtig gründlich waschen konnte. Selbst im Kloster war nur die Wasch-Schüssel, in der man sich den Körper mit einem Baumwoll-Handschuh abseifen konnte. Aber ein Bad? Das war lange her.
Sie spürte, wie die innere Anspannung langsam wich, ihre Seele frei wurde von all dem belastenden, was sie erlebt hatte. Sie konnte dieses Gefühl höchstens mit 'schwerelos' bezeichnen, ein anderes Wort fiel ihr nicht ein. Das Wasser färbte sich leicht rot, wo sich das Blut löste. Ihre Haut kribbelte, ihre Hüfte ziepte. Sie ignorierte den Drang, gegen den leichten Schmerz zu drücken. Das Wesen sagte, das Wasser hätte auch heilende Kräfte. Vielleicht wurde ihre Wunde ja gerade geheilt.
„Autsch“ entfuhr es ihr, als irgendetwas krachte, doch gleich darauf fühlte sie, dass die Wunde verschlossen war. Wohlig seufzte sie, nahm die Seife zur Hand und wusch sich gründlich. Dann tauchte sie mit ihrem Kopf unter und hielt die Luft an. Erst als sie meinte, wirklich gleich zu ersticken, hob sie ihr Haupt wieder aus dem Wasser und seifte nun ihre Haare ein. Sie konnte sehen, wie sich Staub, Dreck und eingetrocknetes Blut daraus löste. Sie fühlte sich wie neugeboren, als sie schließlich eines der flauschigen Handtücher zur Hand nahm und sich darin einwickelte. Dabei starrte sie verwundert auf ihre Hände. Diese waren nun wieder schön glatt und die Nägel wohl geformt.

Sie ging in die Richtung, die ihr zuvor gezeigt wurde und nahm die ganzen Eindrücke, die hier auf sie einstürmten, in sich auf. Ruhig und friedlich war es auch hier. Das Wesen erwartete sie bereits und lächelte ihr zu.
„Ihr seht nun viel besser aus. Hier sind Eure neuen Kleider. Aber bevor Ihr diese anzieht, werdet ihr noch gesalbt.“
Ein Keramikgefäß wurde entkorkt und wohlriechende Düfte verbreiteten sich. Leanora blieb stehen, während sie eingecremt wurde. Auch jetzt kribbelte ihre Haut wieder, aber es war ein wohliges Kribbeln. Danach schlüpfte sie in die bereitgelegten Kleider. Diese ähnelten den Gewändern der anderen schon mehr. Letztlich war es eine schöne Tunika, weiche Stiefel und seidene Hosen.
„Nun ist es soweit, Ihr müsst nun zu Gericht. Ich führe Euch.“

Leanora stockte der Atem. Bald würde über ihr Schicksal entschieden werden.
„Weiß mein Vater, dass ich jetzt dran bin? Oder könnt Ihr im Bescheid geben?“

„Keine Sorge, Eure Familie ist bereits dort und erwartet Euch. Nun kommt. Wir wollen die Obrigkeit nicht länger warten lassen.“

Leichte Aufregung überkam sie. Hoffentlich würde sie es schaffen, das Gericht zu überzeugen. Allerdings war sie auch gespannt, ob ihr jetziger Körper dann zurück auf Thedas geschickt wurde, oder sie in ihrem verwundeten aufwachen würde. Nun, darüber konnte sie sich später immer noch den Kopf zerbrechen.

Während dieser Gedanken waren sie in einem Saal angelangt, kleiner als der am Anfang, aber immer noch mit immensen Ausmaßen. Wuchtige Säulen grenzten den Raum ein, dazwischen waren Sitze in den Stein gehauen. Rechts und links entlang, jedoch eine Etage höher, war ein Rundgang zu erkennen. Und ganz am Ende des Saals war ein Halbkreis, hinter dem die Obrigkeit saß.
Lea wurde durch die Mitte des Raumes geführt, sie sah auf der linken Seite ganz vorne ihre Familie sitzen, auch Tjarks Schopf ragte heraus. Die rechte Seite war frei. Allerdings hatte sie nicht viel Zeit das aufzunehmen, denn schneller als ihr dann doch lieb war, war sie am vordersten Teil angekommen und stand vor Andraste persönlich, die ihr gütig zulächelte. Vor lauter Verlegenheit machte Leanora einen Knicks.

#2382
Bellandyrs

Bellandyrs
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Sie ertappte sich dabei, dass sie Andraste anstarrte. Sie hatte die eine oder andere Statue in Ferelden stehen sehen, aber diese hatten es nicht ansatzweise geschafft, Andrastes Persönlichkeit zu verewigen. Und deren Schönheit hatte ohnehin gelitten, da der Zahn der Zeit den Stein der Skulpturen teilweise zersetzt hatte. Andraste lächelte ihr zwar in aller Güte zu, aber sie spürte auch, dass diese bis auf den Grund ihrer Seele blickte. Nichts war zu verheimlichen, und Worte waren nicht von Nöten.
Es schien, als würden Stunden verstreichen, und Leanoras Handflächen wurden feucht. Es war beinahe unheimlich ruhig, man hätte eine auf den Boden fallende Feder hören können. Alle Augen waren auf die Obrigkeit gerichtet, und nachdem Leanora zwischen der Familie und Andraste stand, spürte sie diese Blicke in ihrem Rücken.

Endlich erreichte das Lächeln auch deren Augen. „Leanora, Ihr habt Euer irdenes Dasein verlassen. Die letzten Reste der Lebensessenz, die Eurer Seele noch inne wohnt, wird verschwinden, sobald Ihr zurück in den Hallen seid. Ihr habt ein Herz aus Güte und Mitleid, seid hilfsbereit und trotz Eurem Adel weder arrogant noch kaltherzig. Dennoch habt Ihr gemordet, viele Leben wurden durch Euch vernichtet. Auch wenn manch einer sicher nicht unschuldig war, aber es hat auch einfache Söldner erwischt, die nur ihre Pflicht taten. Euer Streben, Euren Gefährten zu helfen, war edel und gut. Dennoch werdet Ihr hier Eure Strafe erhalten für Euer Tun.“

Leanora schloss die Augen. Vorbei, Andraste wusste genau, dass sie zurück wollte, und hatte es mit keiner Silbe erwähnt. Eine Träne löste sich aus ihrem Auge und kullerte langsam die Wange hinab.

„Eure Strafe wird sein, dass Ihr soviele unschuldige Kinder, die sterben, ins Nichts geleitet und es ihnen leichter macht, sich hier zurecht zu finden. Und zwar soviele, wie Ihr Menschenleben auf dem Gewissen habt. Damit sollte Eure Strafe beendet sein.“ Sie nickte bestätigend, blickte dann in die Runde und sagte: „Wenn jemand etwas dagegen vorbringen möchte, so sollte er jetzt reden oder für immer schweigen.“

Lea wagte nicht, sich umzudrehen, sie hörte, wie drei Personen beinahe gleichzeitig aufsprangen. Die Familie kam zu Hilfe, ganz so, wie es der Vater versprochen hatte, frohlockte Leanora. Und so war es auch.

Zuerst sprach ihr Vater. „Ihr Wunsch ist es, zurück nach Ferelden zu dürfen, um ihre Mission abzuschließen. Desweiteren hat sie bisher noch nicht erfahren dürfen, wie es ist, von einem Mann geliebt zu werden, und so wie es aussieht, hat sie nun jemanden gefunden, dem auch sie all ihre Liebe zu schenken vermag. Ich bitte Euch, gebt ihr ein normales Leben auf Ferelden zurück. Es dürfte doch genügen, wenn einer dieser Männer, die Leanora getötet hat, dafür uns alle auf dem Gewissen hat? Nur allein deswegen kam sie doch in die Verlegenheit, hier zu stehen.“

Hier fiel Richard dem Vater ins Wort. „Genau! Was hat meine Schwester denn getan, außer versucht, Unrecht aufzudecken? Ihre Familie zu ehren und zu rächen? Wollt Ihr etwa sagen, dass ein verlogener Maleficar, der ganze Familien getötet und deren Land sich unter den Nagel gerissen hat, rechtens handelte? Lasst Gnade walten und ermöglicht meiner Schwester ein langes erfülltes Leben an der Seite ihres Liebsten. Sobald diese Sache geklärt ist, bin ich mir sicher, wird Leanora wieder ein behütetes und aufrechtes Leben führen.“ Sein Blick war flehend. „Dafür verbürge ich mich. Sollte sie danach auf unrechte Pfade gehen, könnt Ihr an mir Strafe nehmen.“

Lea hörte, wie Janica scharf die Luft einzog. Sie hatte keine Ahnung, wie solche Strafen aussahen, aber sie würde ihren Bruder nicht enttäuschen.

Andraste indes runzelte die Stirn und klopfte mit dem Finger auf den Tisch, der vor ihr stand. Es war wirklich gerecht, diese adlige Frau zurück zu schicken, denn außer einer behüteten Kindheit hatte sie wirklich noch nichts erfahren. Sie holte Luft, als sie sah, dass noch jemand stand und ungeduldig mit dem Fuß wippte. „Oberst? Ihr könnt es Euch ersparen, für Leanora zu sprechen. Ich habe meine Entscheidung so gut wie gefällt. Aber sprecht, was Ihr noch zu sagen habt.“

Tjark trat vor und er konnte sich sein siegessicheres Lächeln gerade noch verkneifen.
„Ich bin dafür, dass sie hier bleiben soll, und ihre Strafe sollte dazu abgewendet werden. Die Countess hat unzählige Leben auf dem Gewissen, dazu das des Kirchenvorstehers und meines. Und ich habe immer pflichtbewusst gehandelt, im Sinne der weltlichen Herrschaft zumindest. Womit habe ich es verdient, dass sie mich einfach ermordet hat? Ich habe ihr nie etwas getan, auch ihrer Familie nicht. Meine Schwester hat ihr Kind verloren noch bevor es das Licht der Welt erblickte, weil ihr Mann ein sadistisches Dreckschwein war. Wieso also sollte Leanora zurück auf Thedas dürfen, wenn ein unschuldiges Ungeborenes sterben muss? Die gerechte Strafe wäre indes, dass Leanoras Lebensessenz, die noch vorhanden ist, nicht hier im Nichts vergeht, sondern einem armen Kind, welches kurz vor seinem Tode steht, eingehaucht wird. Leanora hat ihr weltliches Leben verwirkt. Und auch wenn ihr Geliebter ein Templer der Kirche ist, steht das auch in den Sternen, ob er Leanora überhaupt ehelichen wird. Immerhin wird sie gesucht. Und ein rechtschaffener Mann wird sich niemals mit einem Sträfling einlassen und somit seine Position aufgeben. Es wäre also ein Leben in Lasterhaftigkeit, und nicht in Rechtschaffenheit und Ehre, so wie ihr Bruder es behauptet. Ich bitte Euch eindringlich, lasst die Countess hier.“

Leanora war kurz davor, umzukippen. Welch perfiden Plan hatte Tjark hier gesponnen, nur um sie nicht gehen zu lassen? Tränen schossen ihr in die Augen, und hätte sie Tjark umbringen können, hätte sie es wohl in diesem Moment getan. Sie hörte nur, wie schwere Schritte herbei liefen und Rüstungen klapperten. Anscheinend wollte sich Richard voller Zorn auf Tjark werfen, vielleicht auch ihr Vater, aber dem wurde sofort Einhalt geboten. Lea getraute sich nicht, sich umzudrehen.

„Ihr seid mir schon so ein Ehrenmann!“ rief Richard außer sich. „Gebt vor, Leanora zu lieben, und fallt ihr dafür in den Rücken. Eine schöne Liebe ist das!“

Tjark lächelte überlegen. „Eben weil ich sie liebe, sollte sie hier bleiben. Oder wollt Ihr etwa, dass ihr nochmal ein ähnliches Schicksal widerfährt? Sie vielleicht nicht ehrenhaft im Kampf stirbt, sondern gefoltert und vergewaltigt wird? Ist Euch das lieber?“ Er wandte sich wieder an Andraste. „Ich gebe zu, ganz unvoreingenommen habe ich diesen Einwand vorhin nicht gebracht, aber das, was ich soeben gesagt habe, stimmt genauso wie das zuvor. Und es ist allgemein bekannt, dass ich zu meinem Wort stehe.“

Richard verschlug es die Sprache. Einerseits hatte dieser Tjark schon recht. Immerhin war keine Menschenseele mehr am Leben, der Lea hätte schützen können, und was sich mit ihrem Liebsten entwickeln würde, blieb abzuwarten. Andererseits wollte er seiner Schwester ein normales Leben ermöglichen. „Ich bitte Euch dennoch, sie gehen zu lassen. Und wenn es nur eine Prüfung ist, ob sie mit den weltlichen Einflüssen fertig wird. Aber bitte, entreißt sie nicht jetzt, wo ihr Leben eigentlich erst beginnt.“

Lea schwieg, ihr fehlten ohnehin die Worte. Was hätte sie auch noch groß sagen sollen oder können. Es lag einzig und allein an Andraste und der Obrigkeit, wie diese entscheiden würden.

Modifié par Bellandyrs, 27 janvier 2012 - 06:07 .


#2383
Kaysallie

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Im ersten Moment verkrampfte sich ihr Körper als Vernita sie so ohne Vorwarnung an sich heranzog. Schock stand Miandra zwei Lidschläge lang in Augen und Gesicht geschrieben, welcher sich jedoch wieder legte, als die Elfe sie noch weiter zu sich zog und sie plötzlich deren Lippen auf den Ihren spüren konnte. Von einem Herzschlag auf den nächsten, fühlten sich ihre eben noch starren Glieder so weich an, dass sie kurz glaubte in sich zusammenzufallen. Sie fühlte sich urplötzlich eigenartig schwach und nicht dazu fähig sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, als eine ungewohnte Hitze durch ihren Körper fuhr, wie wenn sie Feuer eingeatmet hätte. Es brannte, loderte in ihr, und verspürte den Drang danach weiter angefacht zu werden. Dennoch vermochte sie es zu zügeln, wie ein Reiter ein ihm unbekanntes wildes Ross, welches widerwillig einer doch so zarten Gerte nachgab. Doch es fehlte nicht viel und dieses Tier in ihr wäre ausgebrochen, hätte ihr Gegenüber ebenfalls zu sich herangezogen, nur um dieses Feuer, das an ihren Lippen brannte, noch intensiver spüren zu können. Aber nichts dergleichen geschah, die Unsicherheit hatte gewonnen, und Vernita sich wieder von ihr gelöst. Erst als das geschah, bemerkte Miandra, dass sie ihre Augen wohl unbewusst geschlossen hatte.

Aber nun sah sie die Elfe direkt vor sich, welche sie grinsend ansah. Da sie glaubte ihrer Stimme gerade nicht mächtig zu sein, schüttelte sie nur zaghaft den Kopf. Doch als ihr plötzlich wieder einfiel, wo sie sich befand und welch eigenartiges Gefühl gerade eben durch ihren Körper floss, stieg ihr regelrecht Schamesröte ins Gesicht. Oder kam das daher, dass ihr noch immer so heiß war?

Schnell, und ziemlich verwirrt wirkend, stand sie daher vom Boden auf, um die Dokumente zu durchsuchen - oder eher um von der Elfe schnell wegzukommen und eine Ablenkung zu finden.

„Nun…“ räusperte sie sich schließlich, während sie den Tisch umrundete und ihre Gedanken wieder ordnete, indem sie an die Zwillingsschwester zurückdachte. „Ich habe es leider nicht ganz unbeschadet geschafft die Rüstung hier, die ich ja dank dir mein Eigentum nennen kann, zurückzuholen. Ich glaube dieses blöde Gör hat mir meine Schulter gebrochen, zumindest kann ich meinen linken Arm kaum bewegen. Aber wenn ich daran denke, was diese kleine Schlampe sonst so mit mir vorhatte, ist das ein minderes Übel.“

Während des Sprechens hatte Miandra einige der Schubladen des Schreibtisches geöffnet und diverse Pergamentrollen oder lose Zetteln herausgekramt und überflogen. Ihres ausdrucklosen Blickes zu urteilen, standen darauf keine für sie interessanten Sachen. Einkaufslisten, Briefe von irgendwelchen Adligen, die zu diversen Festtagen einluden, Listen, an welchen das gesamte Hauspersonal und Tagelöhner verzeichnet waren, wiederum eigene Listen, an welchen nur versklavte Elfen aufgelistet waren, welche ja keinen Lohn hatten. Alles in allem nichts, wonach sie suchte. Aber immerhin beruhigte und lenkte es sie ab dieses Zettelwerk durchwühlen zu können.

„Und nein, normalerweise ‚mache ich erst gar keine Patienten‘, sondern überlasse sie ihrem Schicksal… oder helfe dort eben ein wenig nach“, fügte sie nach längerer Pause noch hinzu, wobei sie kurz leicht grinsend zu der Elfe hinübersah, ehe sie sich die nächste Schublade vornahm.

#2384
Aliens Crew

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Vernitas Grinsen verbreiterte sich, als sie sah, dass Miandra rot wurde, doch ansonsten sagte sie nichts dazu. Sie beobachtete die Frau, wie diese aufstand und um den Tisch herumging. Dann schüttelte die Elfe leicht den Kopf und kramte aus ihrer Tasche ein neues Unterhemd heraus, welches sie sich überzog. Das alte stopfte sie dafür einfach in eben diese hinein.
 
„Ich werde mir deine Schulter ansehen, sobald wir hier raus sind“, meinte Vernita auf Miandras Aussage hin, während sie damit begann, sich ihre Rüstung wieder umzuschnallen. Ihre Seite schmerzte dabei noch ein wenig, doch ignorierte die Elfe dies einfach. „Und ich bin froh, dass ich nicht eine deiner normalen Patientinnen bin.“
 
Vernita lachte kurz auf, wodurch ihre Wunde ihr erneut einen Stich versetzte, und sie dadurch noch mehr lachen musste. „Autsch! Ich sollte in meinem Zustand keine Witze reißen“, gluckste sie grinsend.
 
Danach schwieg sie ein Weile, während sie sich ihre Rüstung anlegte. Nachdem sie damit fertig war, legte sie ihre Handschuhe vorerst noch auf dem Tisch ab und trat anschließend um diesen herum und gesellte sich zu Miandra. Dicht hinter ihr blieb sie stehen und blickte der Frau über die Schulter. Dabei roch sie an deren langen Haaren und sog diesen Duft bis tief in ihre Lungen. Anschließend pustete sie der Frau sanft in den Nacken.
 
„Du riechst heute wieder so gut“, sagte sie neckend und stieß die Frau leicht in die Seite, während sie beiläufig auf die Papiere und Briefe sah, welche Miandra über der Tischplatte verteilt hatte. „Und, hast du schon was Brauchbares gefunden?“
 
 

#2385
Aliens Crew

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„Der Oberst hat recht!“ rief eine Stimme aus der Menge heraus. „Lasst sie nicht gehen! Sie hat es nicht verdient, weiterzuleben!“
 
Die Köpfe der Anwesenden wandten sich zu dem Urheber dieses Einspruches um, welcher in der letzten Reihe saß und nun langsam aufstand. Die Gestalt trug einen langen Mantel, dessen Kapuze ihr Gesicht vollständig verhüllte. Nun löste sich diese Person aus der Menge, zwängte sich durch die Reihe zu dem breiten Gang in der Mitte der Halle, welche sie mit gemächlichen Schritten, die unheilvoll von den Wänden widerhallten, durchquerte.
 
Leanoras Eltern und auch Richard fixierten den Fremden, der sich ihnen immer weiter nährte, mit ihren Blicken, wobei die Augen von Leanoras Bruder vor Wut aufblitzten. Die Gestalt ließ sich davon nicht beeinflussen. Langsam kam sie näher, passierte die drei und gesellte sich schließlich zu Oberst Tjark, wo er schließlich zum Stehen kam.
 
„Auch wenn Ihr noch nicht lange bei uns seid und Ihr Euer Leben auf Thedas nicht immer im Sinne des Erbauers geführt habt, so erteile ich Euch dennoch das Wort!“ verkündete Andraste mit fester Stimme. „Also sprecht, Renaldo, ehemaliger Bruder der Kirche von Denerim!“
 
Der schwarzhaarige Mann zog die Kapuze zurück und blickte mit seinen mandelbraunen Augen voller Ehrerbietung zu Andraste empor. „Ja, das ist wahr. Ich habe viel falsch gemacht in meinem irdischen Leben. Habe persönlichen Besitz und die Fleischeslust über die Bedürfnisse des Erbauers und auch über Eure Bedürfnisse gestellt, Allerheiligste Andraste. Doch frage ich Euch, habe ich deshalb den Tod verdient gehabt?“
 
Sein Gesicht nahm einen harten Ausdruck an, während er den Arm hob und vorwurfsvoll mit dem Finger auf Leanora zeigte. „Diese Frau hier hat maßgeblich dazu beigetragen, dass mich der Blutmagier Castillá ermorden konnte! Zuerst beraubte sie mich mit ihrem Unschuldsgehabe meiner Sinne und dann lockte sie mich zusammen mit diesem Maleficar in eine Falle, um mich durch seine Hand heimtückisch niederstechen zu lassen! Wäre diese Frau dieser Abscheulichkeit nicht auf den Leim gekrochen, würde ich heute noch leben! Und dafür soll ihr das Privileg zuteilwerden, einen Neuanfang auf Thedas machen zu können? Mit welcher Berechtigung, frage ich! Lasten nicht schon genug Morde auf ihrem Gewissen? Hat sie nicht schon genug Leid verursacht? Ich sage, gebt ihr Leben einem unschuldigen Kind, so wie es der Oberst vorgeschlagen hat! Das wäre ein Akt der Gerechtigkeit!“
 
Renaldos Blick nahm einen flehenden Ausdruck an, wobei er den Arm sinken ließ und noch einen Schritt auf Andraste zuging. „Ich bitte Euch. Lasst eine Sünderin wie sie nicht zurück unter Eure Kinder. Lasst sie hier, wo sie ihre Sünden bereuen und für diese Buße tun kann, so wie wir alle es tun, die wir uns in unserem irdischen Leben versündigt haben. Ich weiß, ich bin unwürdig so etwas zu fordern, daher bitte ich Euch darum. Ihr seid weise, Allerheiligste Andraste, und Ihr werdet die richtige Entscheidung treffen.“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 27 janvier 2012 - 08:39 .


#2386
Bellandyrs

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Bruder Renaldo! Beim Erbauer, konnte er nicht die Klappe halten? Leanora kroch es kalt über den Rücken, als sie die Stimme erkannt hatte. Als dieser dann zu sprechen begann, schloss Lea die Augen. Nun war es wohl endgültig vorbei. Aber Andraste musste doch wissen, dass sie keine Schuld traf? Langsam öffnete sie die Augen wieder.

„... mit ihrem Unschuldsgehabe...“ Leanora wurde wieder rot, aber diesesmal vor Wut. Und jetzt konnte sie sich auch nicht mehr beherrschen und drehte sich dem Bruder zu, um ihm mit hasserfüllten Blicken ihre Meinung kund zu tun. Sie musste arg an sich halten, um ihm nicht einfach ins Wort zu fallen. Aber er hatte kaum geendet, platzte ihr der Kragen.

„Renaldo! Unschuldsgehabe? Ich habe Euch vom ersten Augenblick an gesagt, dass Ihr Euch von mir fernhalten sollt beziehungsweise Euch nicht dauernd auf unsittliche Art annähern sollt! Aber wenn ich mit einer Mauer geredet hätte, wäre das wohl auf fruchtbareren Boden gefallen. Und Ihr seid selber schuld an Eurem Tod! Ich dachte zuerst noch, Ihr stündet hinter dem ganzen und habe selber viel zu spät erkannt, wer der wahre Schurke war. Und das, mein lieber Bruder Renaldo, war zum einen, als wir Euch ermordet aufgefunden hatten, und zum anderen hätte mich das beinahe selber das Leben gekostet! Ach genug davon, wieso sollte ich mich vor Euch rechtfertigen?“ Ihrer Stimme war der sarkastische Unterton herauszuhören. „Und um das klar zu stellen, ich verachte es immer noch, wie Ihr mit den Frauen umgesprungen seid. Kehrt zuerst vor Eurer eigenen Haustüre, bevor Ihr Euch in Sachen einmischt, die Euch einen feuchten Dreck angehen!“

Sie atmete tief durch und schämte sich nun, vor Andraste so ausfallend geworden zu sein. Deswegen drehte sie sich wieder zu dieser hin und sprach:
„Verzeiht Allerheiligste Andraste, aber bei diesem Kerl platzt mir die Hutschnur. Er hat sich an mir beinahe vergriffen, dem Stallburschen sei Dank, dass ich lediglich mit einem Schock davon gekommen bin, denn dieser verlogene Bruder hätte sich sonst mit Gewalt genommen, was ich ihm zu geben verweigert hatte.“

Als Richard Leanoras Worte hörte, steigerte sich sein Zorn noch mehr. Am liebsten hätte er den Bruder in Stücke gerissen.
„Ihr hättet meine Schwester vergewaltigt? Ihr Bastard! Wie könnt Ihr einer Frau so etwas antun? Lea, wieso hast Du diesem Dreckskerl eigentlich nicht die Eier abgerissen? Etwas anderes hätte er nicht verdient!“
Auch der Vater mischte sich ein. „Das ist alles unerhört!“ Dabei betonte er jede Silbe. „Meine Tochter ist verdammt hübsch, und dass ihr einst die Männer nachlaufen werden war selbst mir klar, aber dass einer auf die Idee kommen könnte, sich das mit Gewalt zu nehmen, was sie nicht will, das ist das Allerletzte! Selbst wenn sie tatsächlich einen Komplott gegen Euch geschmiedet hätte, was ich in hundert Äonen nicht glauben werde, hätte sie hier meine volle Unterstützung! So perverse Menschen müsste man teeren, federn und an den Pranger stellen!“
Dann wurde er leiser, und er murmelte lediglich noch: „Mein armes Mädchen. Was musstest Du nur alles durchmachen, seit wir nicht mehr auf Dich aufpassen konnten. Bitte verzeih uns, wenn Du kannst.“

„Aber Vater!“ antwortete Leanora. „Dich trifft wirklich keine Schuld! Ihr alle könnt doch nichts dafür! Und ich habe ja gelernt, nicht mehr ganz so hilflos zu sein, obwohl ich allein da stand. Dank meiner Gefährten bin ich etwas mutiger geworden, etwas selbstbewusster. Und selbst wenn Du noch auf Thedas geweilt hättest, hättest Du das wohl nicht verhindern können.“ Sie hoffte, dass sie den Vater etwas beruhigen konnte.

„Mein armes Mädchen“, sagte der Vater noch einmal und wischte sich über die Augen. Das fehlte noch, dass er anfangen würde zu flennen wie ein kleines Kind. Aber der Gedanke, dass sein Ein und Alles mit Gewalt genommen wurde, war zu grausam.

Schließlich meldete sich die Mutter zu Wort, die bis dahin geschwiegen hatte, aber mit offenem Mund den Worten Renaldos und schließlich Leanoras gefolgt war.
„Ich habe meine Tochter zur Welt gebracht, sie groß gezogen, ihr ein liebevolles Heim gegeben. Und wenn ich höre, was ihr alles beinahe zugestoßen wäre und in welche Gefahr sie sich letztlich wieder begeben würde...“ Sie holte tief Luft und sah Leanora geradewegs in die Augen. „Sei mir bitte nicht böse, mein Kind. Ich will nur das Beste für Dich. Und ich glaube, hier bist Du tatsächlich am besten aufgehoben. Ich will nicht, dass Du Dich in solche Gefahren begibst und kämpfen musst, vergewaltigt oder gefoltert wirst. Und was Deine Liebe zu diesem Templer betrifft: der Oberst hier liebt Dich auch, und ich denke, Du würdest auch an seiner Seite glücklich werden. Ich bin also Oberst Taliskers Meinung, ich will auch, dass Du hier bleibst. Und wenn Deine Seele einem armen Menschenkind das Leben rettet, dann ist das eine gute Tat.“

„Helene!“ schnaubte der Vater. „Wie kannst du nur?“ Verständnislos blickte er seine Frau an. Er hatte keine Mühen gescheut, dass Leanora neben den typischen Arbeiten und Tätigkeiten einer jungen Adligen auch etwas vernünftiges lernen konnte, fechten und jagen zum Beispiel, damit sie nicht nur ein verhätscheltes Püppchen wurde. Deswegen hatte er auch ihre Leidenschaft unterstützt und nichts gesagt, wenn sie nur in Reithosen herum rannte. Und nun fiel ihm seine Frau in den Rücken. Enttäuscht schüttelte er den Kopf. „Das hätte ich nicht von Dir erwartet“, richtete er das Wort an sie, und man hörte daraus hervor, dass etwas in ihm kaputt gegangen war.

Tjark hingegen konnte sich ein leises Lächeln nicht verkneifen, auch wenn er Renaldo für das, was er Leanora beinahe angetan hätte, am liebsten eigenhändig kastriert hätte.

Modifié par Bellandyrs, 27 janvier 2012 - 09:13 .


#2387
Kaysallie

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Miandra erschauerte, als sie die Elfe plötzlich hinter sich spüren konnte. Sie war gerade in einen der Briefe vertieft gewesen – oder hatte eher versucht, die unleserliche Schrift zu entziffern – und hatte daher nicht wirklich darauf geachtet, was um sie herum geschah. Umso mehr verkrampfte sich ihr Körper daher auch, als sie hören und fühlen konnte, wie Vernita hinter ihr einatmete und ihr schließlich in den Nacken blies. Eine Gänsehaut legte sich auf ihre Haut und erst als ihr die Elfe in die Seite stieß, bemerkte sie, dass sie die Luft angehalten hatte.

Miandra schluckte, und begann die verschiedenen Papiere ein wenig hecktisch wieder auf einen Stapel zu legen, da sie das Gefühl hatte, irgendetwas mit ihren Händen tun zu müssen.

„Nein, noch nicht“, erwiderte sie auf die Frage, jedoch war sie mit ihren Gedanken vollkommen woanders. Auf den vorherigen Kommentar ging sie nicht ein, da sie nicht wirklich wusste, was sie dazu sagen sollte. Was war nur los mit ihr? Normalerweise löste die Nähe anderer Personen zwar vieles in ihr aus, aber garantiert keine Nervosität. Aber sie fühlte sich den heutigen Tag ohnehin schon die gesamte Zeit über wie von einer fremden, unsicheren Hand gesteuert. Lag das etwa daran, dass sie die letzten beiden Nächte mit Vernita ein Bett geteilt hatte? Bei dem Gedanken daran, spürte sie wie ihr Puls noch weiter in die Höhe schnellte, was sie noch weniger verstand. Es war nichts dabei gewesen und sie hatte sich wohl gefühlt in ihrer Haut, zum ersten Mal in ihrem Leben in der Nähe von jemand anders. Aber gerade eben… sie fühlte sich nicht unwohl in dieser Situation, aber sie wusste nicht, was sie fühlte. Und dieser Gedanke beunruhigte und verunsicherte sie. Zudem machte ihr der innere Druck, aus diesem Anwesen raus zu wollen, ein wenig zu schaffen. Am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn dieser eigenartige Tag schon wieder zu Ende wäre.

„Aber ich habe so eine Ahnung, wo wir etwas finden könnten“, fuhr Miandra fort während diese Gedanken durch ihren Kopf zogen, und sie deutete auf die unterste Schublade, welche als einzige mit einem Schlüsselloch versehen war. „Zumindest ich würde dort die ‚wichtigeren‘ Sachen aufbewahren.“

Durchs Reden schien wieder mehr Sicherheit in ihre Glieder zurückgekehrt zu sein – oder zumindest ein wenig. Schließlich ließ sie von den verschiedenen Zetteln ab und bewegte sich ein Stück zur Seite, ehe sie zu der Leiche zurückging. Neben dieser ging sie in die Hocke, wobei sie einmal unhörbar Luft ausstieß zur Selbstberuhigung, ehe sie den toten Mann in Augenschein nahm, da sie zumindest glaubte, oder hoffte, dass er den Schlüssel für die letzte Lade bei sich trug. Mit regungsloser Miene tastete sie den blutigen Hals unter der Rüstung ab, doch sie konnte keine Halskette finden, an welcher ein Schlüssel hängen könnte. Eine Tasche hatte der Mann auch nicht bei sich gehabt und seine protzige Rüstung hatte wohl ebenfalls nicht dem Zweck gedient Sachen verstauen zu können. Miandra sah sogar an den Seiten seiner Stiefel nach, doch da fand sie nichts weiter als ein kleines scharfes Messer für den Notfall.

Schließlich stand sie mit einem Seufzen wieder auf, während sie den Kopf schüttelte. „Nein, ich glaube der Kerl bewahrt seine Schätze woanders auf.“

Nachdenklich schlenderte sie daher durch den Raum und betrachtete diesen dabei auch zum ersten Mal im Detail. Ihr Blick zog über hohe Bücherregale, Gemälde an der Wand, den großen Kamin, in welchem noch immer ein warmes Feuer prasselte, sowie auf die dunklen langen Vorhänge, die den Raum abdunkelten. Und während sie so langsam durch den Raum ging, schweiften ihre Gedanken auch wieder ein wenig ab.

Modifié par Kaysallie, 28 janvier 2012 - 12:24 .


#2388
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„Ja, beschämt gebe ich zu, dass mich die Leidenschaft zu dieser Frau übermannt hat und dass ich kurz davor stand, zu weit zu gehen“, sagte Renaldo mit gedämpfter Stimme und senkte dabei demütig sein Haupt. „Ich war eben auch nur ein Mann, ein Mann mit einem großen Verlangen, welches übermächtig zu werden drohte und mir die Kontrolle über mich selbst entriss. Für diese Schwäche hatte ich sicher eine Strafe verdient, aber musste ich dafür von dieser Frau eines Verbrechens an der Kirche verdächtig und einem Maleficar ausgeliefert werden? Hatte ich dafür wirklich den Tod verdient?“
 
Er machte eine kurze Pause, in der er schweigend zu Boden sah. „Vielleicht hatte ich das tatsächlich, aber ich habe meine Strafe ja auch erhalten und für mein früheres Leben Buße getan. Doch diese Frau sollte nun ebenfalls Buße tun, für ihren Pakt mit dieser Abscheulichkeit. Wissentlich oder nicht, sie hätte beinahe dafür gesorgt, dass die Kirche des Erbauers auf Erden von Euren größten Feinden vernichtet worden wäre...den Maleficaren. Und wäre nicht durch einen glücklichen Zufall...“
 
„Schweig, du Sohn einer räudigen, verlausten Töle!“ schrie plötzlich eine weibliche Stimme aus den vorderen Rängen der Zuschauer. Eine weitere Gestalt erhob sich hastig von ihrem Platz und eilte mit schnellen Schritten nach vorne. Sie bewegte sich so schnell, dass die Kapuze ihres Mantels nach hinten schlug und offenbarte dadurch ihr blasses, mit Sommersprossen übersätes Gesicht, welches von ihren karottenroten Haaren eingerahmt wurde. Als die Frau Andraste und die anderen erreichte, kniete sie für einen Moment vor der Braut des Erbauers, wobei ihre grünen Augen auf deren Füße gerichtet waren.
 
„Vergebt mir meine Ausdrucksweise, erhabene Andraste. Wie Ihr wisst, stamme ich aus einfachen Verhältnissen und bin manchmal etwas ungestüm.“
 
„Es ist schon gut, meine Liebe“, meinte Andraste gutmütig und deute der Frau an aufzustehen. „Doch nun erhebt Euch und sprecht, werte Lucia.“
 
„Danke, Herrin“, erwiderte die Angesprochene und tat wie ihr geheißen wurde. Sofort wandte sie sich an Renaldo, den sie aus wütenden Augen anstierte. „Warum hegst du immer noch einen Groll gegen diese Frau, welche dir nie etwas getan hat? Es war Castillá, der dich tötete und der auch mich tötete und nicht Leanora. Sie hatte mit alledem nichts zu tun. Und willst du auch wissen, warum er dich tötete? Nicht, weil du so besonders wichtig warst, wie du es vielleicht immer geglaubt hast. Nein, du warst nur ein unbedeutender Wurm, sonst nichts. Und wäre die Ehrwürdige Mutter nicht deine Tante gewesen, hättest du auch genauso gelebt wie ein unwürdiger, kleiner Wurm. Doch durch sie hattest du deine Position und Macht und genau deshalb standest du Castillá und seinen perfiden Plänen auch im Weg. Und darum musstest du sterben, so einfach war das. Er hätte dich so oder so getötet, ganz gleich ob Leanora jemals einen Fuß in die Kirche gesetzt hätte oder nicht. Und weder du noch ich noch sonst jemand in der Kirche hatte das falsche Spiel dieser Abscheulichkeit durchschaut. Wie hätte es dann Leanora vollbringen sollen?“
 
„Ich...du...“stammelte der Mann verlegen. „Du hast Recht.“
 
Renaldo trat langsamen Schrittes und mit gesenktem Haupt vor Leanora und sprach zu dieser mit leiser, reumütiger Stimme, ohne sie dabei anzusehen. „Verzeiht mir, Leanora. Ich habe Euch Unrecht getan. Sowohl in der irdischen Welt wie auch jetzt gerade eben. Euch trifft keine Schuld an meinem Tod, sondern nur mich allein. Und dafür werde ich Buße tun. Verzeiht mir.“
 
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, wandte sich Renaldo ab und verließ fluchtartig die Halle. Lucia sah ihm noch einen Augenblick nach, bevor sie sich an Leanoras Mutter wandte, vor welche sie sich provokativ stellte. „Und nun zu Euch, Helene. Was seid Ihr eigentlich für ein Mensch? Ich verachte Euch mit jeder Faser meines Körpers.“
 
Lucias Stimme klang verbittert und voller Argwohn gegen diese Frau. „Ihr gebt vor, Eure Tochter zu lieben und nur ihr Bestes zu wollen, doch in Wahrheit geht es Euch dabei nur um Euch selbst. Ihr könnt es einfach nicht ertragen, dass Eurer Tochter vielleicht ein Leid zugefügt werden könnte, dass man sie eventuell demütigt und sie Schmerzen erleiden muss, weil dies Euch das Herz zerreißen würde. Und aus diesem egoistischen Gedanken heraus, wollt Ihr Leanora beschützen? Dass ich nicht lache. Ihr macht Euch nicht einmal Gedanken darüber, dass Ihr Eure Tochter nicht nur vor den schlechten Seiten des Lebens bewahrt, sondern ihr auch noch damit dessen schönen Seiten vorenthaltet.“
 
Sie machte eine kurze Pause, bevor sie sanfter weitersprach und dabei Helene tief in die Augen sah. „Was ist mit ihren Tieren, die noch auf Thedas auf ihre Rückkehr warten? Oder mit ihren neuen Freunden, die just in diesem Augenblick ihren Tod betrauern? Und was ist mit der Liebe?“
 
Lucia wandte sich zu Andraste um und blickte dieser zum ersten Mal fest in deren strahlendes Antlitz. „Ich habe die Liebe für ihren Auserwählten Sengaal Neranos in ihren Augen gesehen. Sie leuchteten und funkelten förmlich vor lauter Hingabe. Und ich bin überzeugt davon, dass sie diesen Mann ebenso sehr liebt wie Ihr selbst den Erbauer liebt. Es ist eine Liebe, die nicht einmal der Tod trennen kann. Und was den Kommandanten selbst betrifft...“
 
Sie warf einen abschätzigen Blick auf Tjark, bevor sie sich wieder Andraste zuwandte. „Ich habe sie zusammen gesehen. Obwohl mein Körper schon tot war, verweilte mein Geist noch in der Stube dieses verräterischen Castillás. Ich sah, wie dieser Maleficar Leanora und ihre Freundinnen ins Nichts katapultierte, um ihren irdischen Körpern den Lebenssaft zu entziehen. Und auch wenn ich nichts anderes tun konnte, als zu beobachten, so folgte ich Leanora doch auf ihrer Reise ins Nichts. Und ich sah wie Kommandant Sengaal Neranos die Grenzen zwischen dem Nichts und der irdischen Welt durchbrach und wie sein Mut und vor allem auch seine Liebe, ihr den Weg zurück nach Thedas wies. Und als die beiden sich nach dem Tod des Verräters voneinander verabschiedeten, sah ich, kurz vor meiner letzten Reise ins Nichts, diese unerschütterliche Liebe in den Augen von Leanora und auch in den Augen von Sengaal Neranos.“
 
Lucia kniete erneut vor Andraste, sah für einen Moment schweigend zu Boden, bevor sie ihren flehenden Blick zu ihrer Herrin erhob. „Und so bitte ich Euch, allergütigste Andraste. Lasst diese Frau zurück zu ihren Freunden und zu ihrer großen Liebe. Sie hat mehr für die Kirche des Erbauers getan als die meisten ihrer Angehörigen es getan haben. Und auch wenn sie Renaldo und mich nicht retten konnte, so rettete sie doch allen anderen Eurer Kinder das Leben vor diesem abscheulichen Maleficar, der sie alle vernichtet hätte. Nun wird es Zeit, dass auch sie das Glück findet. Und das wird sie in den Armen Sengaal Neranos'. Davon bin ich felsenfest überzeugt, so wahr ich hier vor Euch knie. Also, lasst sie ziehen, bitte. Im Namen der Gerechtigkeit und auch im Namen der Liebe.“
 

Modifié par Aliens Crew, 29 janvier 2012 - 04:58 .


#2389
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„Ach, wer braucht schon einen Schlüssel?“ meinte Vernita grinsend und kramte ihr Einbruchswerkzeug aus ihrer Tasche. „Das mit der Schublade haben wir gleich.“
 
Die Elfe ging vor dem Tisch in die Hocke, breitete ihr Werkzeug auf dem Boden aus und nahm sich das passende zur Hand. Damit begann sie das Schloss der Schublade zu bearbeiten. Es war nicht sehr kompliziert und somit für eine Frau wie sie absolut kein Problem. Es dauerte nur ein paar Minuten, dann schnappte das Schloss zurück, und Vernita konnte die Schublade öffnen.
 
„Na, dann schauen wir doch mal, was wir hier haben“, bemerkte sie noch, während sie die ganze Lade aus dem Tisch zog und auf dessen Platte fallen ließ. Anschließend nahm sie sich die Schriftstücke und Briefe zur Hand, welche darin enthalten waren und ging diese einer nach dem anderen durch.
 
Dort fand sie Steckbriefe von sich selbst und ihren Gefährtinnen, sowie Statusberichte von Eshtá über den Stand der Jagd nach ihnen. Sogar den Auftrag zu ihrer eigenen Eliminierung fand die Elfe unter diesem ganzen Papierkram. Auch enthielt die Schublade Unterlagen zu anderen Operationen, in welche der Arl verstrickt gewesen war und welche nicht alle als legal bezeichnet werden konnten. Nur über die entführten Kinder fand sie nichts. Waren sie etwa auf der falschen Spur? Nein, das konnte nicht sein. Das Versteck unter der Erde führte genau hierher. Das konnte kein Zufall sein. Aber wo versteckte dieser Dreckskerl seine Unterlagen, verdammt noch mal!
 
Vernita wollte schon gerade wutentbrannt die Schublade vom Tisch fegen, als ihr etwas auffiel. Sie sah in die nun leere Lade hinein und betrachtete sie anschließend von vorne. Dann blickte sie noch einmal in diese hinein, bevor sie sich dessen Seite in Augenschein nahm. Hier stimmte doch was nicht. Konnte es sein, dass…
 
Mit einer schnellen Bewegung wuchtete die Elfe die Schublade herum und ließ sie mit dem Boden nach oben auf die Tischplatte donnern, was ein lautes Krachen verursachte. „Verzeih mir“, grinste sie daraufhin in Miandras Richtung, bevor sie damit begann, die Unterseite der Lade zu untersuchen. Millimeter für Millimeter suchte sie den Holzboden mit ihren Fingern ab. Prüfte jede Unebenheit des Materials, bis sie schließlich fündig wurde. An der vorderen Kante der Lade stieß sie auf so etwas wie einen kleinen Schalter. Als sie diesen betätigte, ertönte ein leises Klicken.
 
„Na, also. Wusste ich es doch“, murmelte sie zufrieden und drehte bei ihren Worten die Lade wieder um und blickte erneut in diese hinein. Dabei stellte sie fest, dass sich deren Boden auf einer Seite leicht nach oben bewegt hatte…ein Geheimfach.
 
„Miandra! Komm her! Ich denke, ich habe etwas gefunden!“ rief sie der schwarzhaarigen Frau zu, während sie vorsichtig den doppelten Boden mit ihren Fingern anhob und damit ein Fach innerhalb der Schublade freilegte.
 
 

#2390
Bellandyrs

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Als Lucia geendet hatte, liefen Leanora lautlos die Tränen über die Wangen. In der kurzen Zeit stand sie mehr oder weniger neben sich, hatte die ganzen Einwände gehört als würde sie selber auf den Saal blicken. Sie zweifelte, ob Renaldo seine Entschuldigung ernst meinte, oder es einfach nur wieder ein taktischer Zug von ihm war. Immerhin war er zu Lebzeiten eine falsche Schlange, ein Heuchler und Speichellecker. Aber als sie seine Entschuldigung annehmen wollte, war er bereits aus der Halle gelaufen. Sie zuckte die Schultern und hörte indes Lucias Tirade gegen ihre Mutter an. Dabei zog sie ihre rechte Augenbraue in die Höhe. Lucia hatte Recht, aber von dieser Seite aus hatte sie das ganze noch nie betrachtet. Bisher hatte sie sich stets darauf verlassen, dass ihre Mutter wirklich das Beste für sie wollte. Aber sie wusste, dass dies in ihrem Fall Sengaal war, und der war in Denerim.
Ein leises Seufzen entwich ihrer Kehle. Am liebsten wäre sie der Freundin in die Arme gefallen, wollte sie um Verzeihung bitten. Denn wenn sie an irgendeinem Tod schuld war, dann definitiv an dem Lucias. Hätte sie ihre Zimmernachbarin nicht eingeweiht, würde diese noch leben. Aber schon damals hatte sie wohl eine Vorahnung, dass es auch für Lucia gefährlich werden könnte, nur die Gute hatte dies mit einem Wink abgetan. Lea schluchzte leise auf. Anscheinend hatte diese ihr tatsächlich nichts nachgetragen, sonst würde sie nicht just in diesem Moment so für sie in die Bresche springen.

Als diese geendet hatte, blieb sie vor Andraste knien. Dies hinderte Leanora jedoch nicht daran, hinter Lucia zu treten, sich zu bücken und die Freundin unbeholfen zu umarmen.  „Danke, meine Liebe. Es tut mir so leid, ich hätte Dir nie etwas davon erzählen dürfen. Und mir fehlen die Worte, um Dir zu sagen, wie gern ich Dich habe und wie viel mir Deine Freundschaft bedeutet hat und noch immer bedeutet. Ich schwöre Dir, dass ich Dich in Ehren halten werde“, flüsterte sie der Freundin ins Haar, während die Tränen auf Lucias Rücken tropften.

Tjark räusperte sich. Was diese Ordensschwester von sich gab gefiel ihm überhaupt nicht. Und dass Renaldo wie ein Feigling sein Wort zurück genommen hatte, gefiel ihm erst recht nicht. Es hatte schon so gut für ihn ausgesehen, sogar ihre Mutter stand auf seiner Seite. Dieser hatte es bei Lucias Worten jedoch kurzfristig die Sprache verschlagen, und Schamesröte überkam sie.

„Ich kenne diese Person nicht, aber sie hat wohl Recht“, gab sie kleinlaut zu. „Es sind egoistische Gründe, wieso ich Leanora nicht gehen lassen wollte. Ich wollte sie vor Schaden bewahren, habe aber dabei tatsächlich nicht bedacht, dass sie dadurch auch den schönen Seiten des Lebens beraubt wird.“ Sie seufzte leise, holte dann aber tief Luft und sah Andraste fest an. „Ich wünsche Leanora alles Glück. Ich durfte es an der Seite meines Gemahls erfahren, wie es ist, wirklich zu lieben und Liebe zu geben. Das soll meiner Tochter nicht vorenthalten werden. Sie soll die Möglichkeit erhalten, ihre Ländereien zurück zu erhalten, unseren Namen vom Makel zu befreien, und vor allem, glücklich zu werden.“ Sie sah zu ihrem Mann und in diesem Blick lag die tiefe Bitte um Vergebung und Verständnis.

„Es mag sein, dass sie nicht direkt an Renaldos Tod schuld war“, meldete sich Tjark zu Wort. „Aber an meinem ganz sicher! Sie hat mich eigenhändig umgebracht! Und ich betone, dass ich ihr kein Haar gekrümmt hatte! Aus reinem Eigennutz, ohne nachzudenken, skrupellos! Ich frage Euch, Allerheiligste Andraste, ist es nicht um so vieles gerechter, wenn sie ihr Lebenslicht einem Kind gibt? Ich habe ihr vom ersten Augenblick an vergeben, denn meine Liebe gehört ihr. Wieso darf ein Sadist meine Schwester misshandeln, meine Mutter wie den letzten Dreck behandeln? Seinem eigenen Kind das Leben nehmen, noch bevor es das Licht der Welt erblicken durfte? Ich habe immer für das Gute gestanden, darum gekämpft, Fort Drakon menschenfreundlicher zu machen. Wieso wurde ich der Welt entrissen, ohne einen Nachkommen zeugen zu dürfen? Mit der Liebe meines Lebens? Und schuld daran war diese Frau, die nun vor Euch steht. Sie ist eine skrupellose Mörderin und geht über Leichen, nur um das zu bekommen, was sie will. Egal zu welchem Preis. Wenn Ihr sie gehen lasst – wieso durfte ich nicht zurück und weiter um mein Glück zu kämpfen, um weiter für das Gute einzustehen? Ich stand in der Machtposition, Gutes zu tun, und habe es auch getan!“

Modifié par Bellandyrs, 30 janvier 2012 - 07:56 .


#2391
Bellandyrs

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„Der Oberst hat Recht!“ erscholl eine weitere Stimme aus den Reihen. Ohne sich darum zu kümmern, ob ihm das Wort erteilt wurde, eilte ein Mann in Rüstung nach vorne und salutierte zackig vor Andraste. „Ich habe miterlebt, wie er sich eingesetzt hat, damit die Gefangenen Wasser und Brot erhielten. Und diese Person da“, er zeigte auf Leanora, „die hat auch mich getötet. Sie und ihre Komplizen hatten zwei Gefangene befreit, dabei eine breite Spur des Todes hinter sich lassend. Und ich habe gesehen, wie die Wärter teilweise zugerichtet waren, als wir ihnen gefolgt sind, um sie festzunehmen. Aber statt stehen zu bleiben und Einsicht zu zeigen, dass sie gesetzeswidrig gehandelt haben, kämpften sie sich ihren Weg frei, schlachteten meine Kameraden und mich geradewegs ab. Reue hatte diese Person jedenfalls keine gezeigt!“ bekräftigte der Soldat.

#2392
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Ein Poltern ertönte, als die breiten Tore der Halle aufgestoßen wurden und gegen die Wand donnerten. Alle Anwesenden drehten sich um und auch Andraste hob den Kopf und blickte verblüfft zum Eingang hinüber, in dem ein großer Mann in einer schimmernden Rüstung stand, welche ihn dank seines Vollhelmes komplett verhüllte. Hinter ihm standen zwei weitere Personen, die in lange Mänteln gekleidet waren. Auch deren Gesichter wurden von ihren Kapuzen versteckt.
 
„Das reicht!“ rief der Mann mit kräftiger Stimme, wobei diese durch den Helm sehr verzerrt klang. „Beendet diese Scharade!“
 
Der Mann setzte sich in Bewegung. Mit festem Schritt durchquerte er die Halle, wobei seine Rüstung leise schepperte. Die anderen beiden Gestalten folgten ihm ohne Umschweife. Ein Raunen ging durch die Menge, während die drei ihren Weg nach vorne machten, wo Andraste und die anderen sie neugierig ansahen. Selbst Lucia stand nun auf und trat neben Leanora, um den Neuankömmlingen Platz zu machen. Diese erreichten auch kurz darauf ihr Ziel.
 
Der Mann in der Rüstung blieb vor der Braut des Erbauers stehen und deutete eine Verbeugung an. Die anderen beiden taten es ihm gleich. Andraste nickte daraufhin leicht. „Dann sprecht und erklärt Euch!“ meinte sie nur knapp.
 
„Heilige Andraste, wie ich erfahren habe, haltet Ihr hier Gericht über diese Frau ab, dessen einziges Verbrechen darin besteht, den Mann getötet zu haben, der hier auch die Anklage führt, dem „ehrenwerten“ Oberst Tjark von Talisker.“ Der Mann deutete bei seinen Worten mit dem Kopf in Leanoras Richtung, ohne Andraste dabei aus den Augen zu lassen.
 
„Das ist korrekt“, bestätigte die Herrin nickend. „Der Oberst hat schwere Vorwürfe gegen die Countess erhoben, die es mir nicht ermöglichen, ihr die Gnade erweisen zu können, sie nach Thedas zurückkehren zu lassen.“
 
„Nun, ich verstehe. Aber was auch immer dieser „Ehrenmann“ dieser Frau vorwirft, es ist bedeutungslos!“ entgegnete der Mann in der Rüstung mit harter Stimme. „Wenn sie ihn getötet hat, so hat sie dafür stattdessen eine Auszeichnung verdient, weil sie die Welt vor diesem widerlichen Abschaum befreit hat. Dieser Mann hat weder Ehre noch ein gutes Herz! Er ist ein selbstsüchtiger, arroganter Intrigant, welcher über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen, und ich kann das beweisen!“
 
 
 

#2393
Bellandyrs

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Leanora starrte den neu hinzugekommenen Mann verwirrt an. Bisher hatte sie jeden gekannt, der etwas für oder gegen sie hervorbrachte, aber hier war es nicht zu erraten, wer in dieser prunkvollen Rüstung versteckt war. Interessiert schossen beide Augenbrauen in die Höhe, als dieser den Einwand brachte, dass Tjark kein Ehrenmann sei. Sie hatte sein Tagebuch gelesen, seine Briefe. Sicherlich hatte er sich zu Lebzeiten nicht immer ehrenhaft verhalten, sei es, dass er sich durch ganz Denerim gevögelt hatte, geschweige denn sich damit einige Vorteile verschafft hatte, aber sie wäre nie soweit gegangen, ihn einen selbstsüchtigen Intriganten zu nennen. Er hatte ein gutes Herz, sonst hätte er sich weder für die Gefangenen eingesetzt noch wäre seiner Schwester zu Hilfe geeilt, davon war Leanora innerlich nach wie vor überzeugt. Dennoch reichten ihre Gefühle niemals an die Intensität heran, die sie für Sengaal empfand.
Unwillkürlich fasste sie Lucia an der Hand und drückte diese, vor Dankbarkeit, Nervosität und auch voller Zuneigung zu der rothaarigen Schwester.
"Ich finde, es wird ganz schön viel Aufhebens um mich gemacht", flüsterte sie der Freundin zu. "Wie läuft das denn bitte, wenn wirkliche Verbrecher hier landen?" Sie schüttelte den Kopf und konzentrierte sich dann wieder voll darauf, was im Saal geschah. Ihr Blick glitt zu Tjark, der aussah, als hätte er in eine verdorbene Wurst gebissen, weiter über die Zuschauer, welche ansehnlich in der Zahl waren und was sie zuvor gar nicht bemerkt hatte, um letztendlich wieder bei der neuen Gruppe hängen zu bleiben.

#2394
Kaysallie

Kaysallie
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Erst als Miandra einen lauten Krach vernahm, bekam sie wirklich mit, was Vernita mit der Schublade bereits angestellt hatte. Zuvor hatte sie diese zwar etwas reden gehört, jedoch hatte der Inhalt nicht wirklich ihre Ohren erreicht. Aber nun, wo sie wieder aus ihren eigenartigen Gedanken gerissen worden war, musterte sie von weitem die Tischplatte, auf welcher erneut alle möglichen Zettel ausgebreitet waren. Aber scheinbar war noch nicht das dabei, wonach sie suchten, sonst würde die Elfe wohl die Lade nicht so akribisch untersuchen. Nur wenige Herzschläge später schien Vernita tatsächlich etwas gefunden zu haben und mit geweckter Neugierde wollte sich Miandra gerade zurück zu dem Tisch begeben, um den Inhalt der Schublade in Augenschein zu nehmen. Doch kaum hatte sie den ersten Schritt getätigt, vernahm sie ein eigenartiges Geräusch…

Zu Beginn dachte sie es wäre ein Knarren des Bodens gewesen, auf welchem sie gerade ihren Fuß gesetzt hatte, doch dabei hatten ihr ihre Ohren wohl einen Streich gespielt. Für einen zeitlosen Moment verharrte sie in der Bewegung, ehe sie instinktiv über ihre Schulter nach hinten blickte. Ihr Blick erfasste die Tür, welche wohl durch einen Luftzug weiter auf geschwenkt war und sie somit auf den leeren Korridor davor schauen konnte. Kam das Geräusch nur von der Türe? Es machte zumindest den Anschein. Miandras versteifte Glieder lockerten sich wieder ein wenig, um sich nur kurz darauf erneut zu verkrampfen. Erst nur kaum hörbar, dann rasant lauter werdend, hallte ein unverwechselbares Geräusch an den Wänden wider. Das Scheppern von Rüstungen.

Miandra reagierte sofort, und dennoch kam sie sich erstaunlich langsam vor, indem sie hastig zu der Türe eilte, um diese schließen zu können. Auf dem Weg dorthin sah sie bereits wie einige stark gerüstete Männer sowie Frauen die Ecke des Flurs erreicht hatten. Zwei von ihnen waren in die Hocke gegangen und musterten offenbar die verkohlte Leiche, die dort lag, die anderen jedoch hatten ihre von Vollhelmen verdeckten Blicke bereits in ihre Richtung gelenkt.

„Dort hinten!“ rief eine eher kratzige Frauenstimme, die durch den Helm ein wenig verzerrt klang, ehe die Schar, mit erhobenen Waffen und Schilden, in ihre Richtung stürmte. Dies war das Letzte was Miandra davon sehen konnte, da sie nur einen Lidschlag später die Türe wuchtig zuschlug. Und hätte sie an den Erbauer geglaubt, so hätte sie ihm wohl in Gedanken dafür gedankt, dass ein Schlüssel im Türschloss steckte, welchen sie mit verkrampfen Fingern hastig umdrehte, wodurch das Schloss einrastete. Nur zwei Herzschläge später hörte sie, wie die Wachen mit ihrem gesamten Gewicht gegen das Holz prallten und dieses bereits knarrend Sprünge in sich zu reißen schien. Doch noch hielt die stabile Türe, wie man es in einem Adelshaus auch nicht anders zu erwarten hatte.

Miandra hatte sich indes von der bebenden Türe entfernt und sich den erstbesten Stuhl geschnappt, den sie sah, welchen sie jedoch nicht als zusätzliche Verstärkung bei der Tür platzierte, da sie dies als bereits sinnlos erachtete. Stattdessen eilte sie mit dem Möbelstück durch den Raum.

„Pack das Zeug ein! Zumindest ich ziehe es vor jetzt den Hinterausgang zu nehmen!“ rief sie währenddessen der Elfe zu, ohne jedoch überhaupt nachzusehen, was diese gerade tat. Innerlich hoffte sie, dass unter all den Dokumenten auch tatsächlich ein paar hilfreiche Hinweise versteckt waren. Bei dem Fenster angekommen stellte sie den Stuhl kurz auf dem Boden ab und riss die schweren Vorhänge zur Seite, welche den Raum abgedunkelt hatten. Sofort offenbarte sich ein riesiges Fenster, das in mehrere größere Kacheln unterteilt war, und durch welches die Nachmittagssonne nun ihre sanften Strahlen warf. Doch dafür hatte Miandra gerade kein Auge. Stattdessen packte sie den Stuhl mit nur einer Hand an der Lehne, hob ihn ein weiteres Mal hoch und schleuderte ihn, so kräftig sie es mit nur einem Arm konnte, mit den Beinen voran gegen das Glas. Dieses zerschellte sofort in tausend Splitter, die mit einem lauten Klirren in alle erdenklichen Richtungen flogen. Der Stuhl selbst landete polternd auf dem gepflasterten Weg, der sich außerhalb des Anwesens vor dem Fenster befand. Miandra selbst war kurz schützend in Deckung gegangen, als das Glas zerbrach, doch nun blickte sie durch das riesige splitterige Loch nach draußen. Sie befanden sich zwar im Erdgeschoß, dennoch waren es ein paar Meter nach unten auf den Boden, aber das Krachen, welches sie aus dem Hintergrund vernehmen konnte, veranlasste sie dazu ihre Tasche zu schnappen und bereits auf das Fensterbrett zu steigen, um durch das zerbrochene Fenster flüchten zu können.

#2395
Aliens Crew

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„So sprecht weiter und lasst uns von den Taten des werten Oberst hören“, meinte Andraste sachlich und nickte den Neuankömmling in der Prunkrüstung zu.
 
„Wie Ihr wünscht, Eure Heiligkeit“, erwiderte dieser. „Zunächst sollt Ihr erfahren, wie es wirklich in den Gefängnissen von Fort Drakon zugeht, seit dieser Mann dort das Kommando übernommen hatte. Und dazu erteile ich einem Zeugen das Wort, der dies hautnah miterleben durfte.“
 
Der Mann in der Rüstung wandte sich um und hob seinen Hand, mit welcher er auf einen der beiden verhüllten Gestalten wies. „Bitte, erzählt uns Eure Geschichte, Darius.“
 
Der Angesprochene trat vor, wobei er die Kapuze seines Mantels zurückschlug und damit sein Gesicht entblößte. Zum Vorschein kam ein blondhaariger Elf mit einem hageren Gesicht. Er verbeugte sich vor Andraste, bevor er zu sprechen begann.
 
„Heilige Braut unseres Erbauers, hört mich an, selbst wenn ich unwürdig bin, zu Euch zu sprechen. Ich war nur ein einfacher Elf, der in dem Gesindeviertel von Denerim lebte und seinem Tagewerk nachging, als mich Soldaten verhafteten und nach Fort Drakon zerrten. Sie steckten mich in den Kerker, ließen mich hungern und steckten mich in einen Raum, welchen sie „den Keller“ nannten. Dies war eine dunkle Kammer, in welcher eine böse Magie vorherrschte, die jeden, der sich eine längere Zeit über darin aufhielt, dazu brachte, sich selbst zu verstümmeln, da einem dort vorgegaukelt wurde von Insektenschwärmen angefallen zu werden. Und selbst wenn man dies wusste, so war der Drang, sich in diesem Raum selbst zu Kratzen und zu Schlagen viel zu groß, als dass man diesen hätte unterdrücken können. Und dann gab es da noch die Befragungen...“
 
Der Elf machte eine kurze Pause, in der er tief durchatmete. „Diese fanden in den Folterkammern des Forts statt. Bei meiner letzten war auch der Oberst anwesend, zusammen mit einer dunkelhaarigen Frau, welche offenbar großen Respekt, wenn nicht gar Furcht in eben diesen, ach so edlen, Kommandanten aufkommen ließ. Und der Soldat, welcher nun neben dem Oberst steht, war es auch, welcher bei der Befragung die Folterinstrumente bediente und mich damit schließlich tötete. Die schwarzhaarige Frau stellte die Fragen und schien dabei auch eine perverse Befriedigung zu empfinden, wenn dieser Soldat hier mir Schmerzen zufügte. Und auch dieser lachte, wenn ich vor lauter Pein aufschreien musste. Nur dem Oberst schien dieser Anblick nicht wirklich zu gefallen, doch unternahm er trotzdem nichts. Rein gar nichts. Er ließ mich einfach sterben...“
 
Darius warf Tjark einen vorwurfsvollen Blick zu. „Ist das Eure Vorstellung davon, wie man das Los eines Gefangenen verbessern soll, dessen einziges „Verbrechen“ darin bestand, Nachforschung über seinen eigenen Sohn anzustellen, welcher wegen eines kleinen Diebstahls verhaftet worden war und danach nie wieder gesehen wurde? Ist das Euer Sinn für Gerechtigkeit?“
 
 
 


Modifié par Aliens Crew, 03 mai 2016 - 10:21 .


#2396
Aliens Crew

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Auch Vernita war gleich alarmiert, als sie die Geräusche vom Flur durch die offene Tür vernahm. Noch ehe Miandra sie dazu aufforderte, hatte sie schon mit einem schnellen Griff den größten Teil der Papiere, Dokumente und Briefe geschnappt, welche in diesem Geheimfach zu finden waren und stopfte diese anschließend in ihre Tasche. Das wiederholte sie einmal, bis sie alles eingesammelt hatte. Anschließend besorgte sie sich noch ihren Helm, den sie sich wieder aufsetzte, zog danach noch ihre Handschuhe über, während sie Miandra dabei beobachtete, wie diese durch das Fenster türmte, welches sie zuvor freigelegt hatte.
 
Ein weiterer Blick auf die Tür zeigte ihr, dass diese nicht mehr lange standhalten würde. Und dann hätten sie diese Meute auf den Fersen...und sie hatte keine Brandbomben mehr dabei, verdammt noch mal. Also musste sie sich etwas anderes einfallen lassen, um ihre Feinde auszubremsen. Sie überlegte fieberhaft, bis ihr schließlich eine Idee kam. Das dauerte zwar nur wenige Sekunden, doch hatte die Elfe das Gefühl, dass sie stundenlang darüber nachgegrübelt hatte. Und um so schneller reagierte sie nun.
 
Vernita stürmte durch das Zimmer zu einem einzeln stehenden Bücherregal, welches sich direkt neben dem Ausgang befand. Sie trat vor dieses Regal, grub ihre Fingerspitzen zwischen Wand und der Rückwand des Möbelstückes und riss daran herum. Das Regal war recht schwer, da es mit Büchern vollgepackt war, trotzdem schaffte die Elfe es, dieses von der Wand wegzurücken. So riss und zerrte sie weiter daran herum, während die Soldaten ein weiteres Mal gegen die Tür donnerten, welche jeden Augenblick nachgeben würde.
 
Das Regal bewegte sich weiter und nun fielen auch die ersten Bücher dort heraus. Doch dies war Vernita egal, da sie das Möbelstück nicht weiter bewegen wollte. Es stand genau in Position. So nahm sie Anlauf, bevor sie mit einem Schrei auf den Lippen auf das Regal zustürmte. Einen Augenblick später donnerte sie mit ihrem ganzen Gewicht dagegen. Die Wucht des Aufpralls war stark genug, um das Möbelstück mitsamt Vernita zum Umstürzen zu bringen. Und so krachte es genau vor der Tür auf den Boden und die Elfe selbst landete darauf.
 
Just in diesem Moment brach auch die Tür auf, wurde aber durch das umgestürzte Regal gestoppt. Nur einen Spaltbreit konnten die Soldaten den Durchgang öffnen. Vernita lachte hämisch auf, als sie das Fluchen ihrer Feinde auf dem Flur vernehmen konnte. Doch schon stemmten sie sich alle gegen die Tür und versuchten gemeinsam diese weit genug aufzuschieben, um die Stube des Arls betreten zu können. Die Elfe hatte also nicht viel Zeit.
 
Schnell rutschte sie von dem Regal herunter, lief zu dem Tisch des Arls, wo sie sich einen Bündel mit Papieren ergriff. Mit diesen eilte sie zu dem Kaminofen, während sich das Regal langsam in Bewegung setzte. Schnell hielt Vernita das Papierbündel in die Flammen des Kamins hinein, bis dieses Feuer fing. Nachdem das geschehen war, kreiselte sie auf der Stelle herum und warf das brennenden Papier auf das Bücherregal.
 
Die Bücher darin waren teilweise schon recht alt und deswegen auch sehr trocken. Sie gingen fast augenblicklich in Flammen auf. Die Feuerzungen schlugen sofort in die Höhe und bildeten eine regelrechte Flammenwand, die knisternd zur Decke empor schoss. Das dürfte diese Wachen ein Weile beschäftigen.
 
„Vorsicht Feuer!“ rief da auch schon einer der Männer.
 
„Die fackeln die Stube des Arls ab! Holt Wasser zum Löschen!“ keifte eine Frau daraufhin.
 
Vernita grinste, als sie das hörte und machte sich gleich auf den Weg. So schnell sie konnte, folgte sie Miandra durch das zerbrochene Fenster nach draußen.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 05 février 2012 - 09:28 .


#2397
Bellandyrs

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Leanora hörte mit wachsender Spannung zu. Bei der dunkelhaarigen, die der Elf erwähnt hatte... handelte es sich da etwa um diese Eshtá Gianauro? Anders konnte sie sich Tjarks Verhalten kaum erklären – er hatte sicher vor niemanden Angst, außer vor dieser Frau. Dennoch bedauerte sie den Elf zutiefst. Hätte ihr Vater nicht auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sie wieder zu finden, wenn sie plötzlich nicht mehr gesehen wurde?
Eigentlich konnte sie kaum glauben, was sie hier mit eigenen Ohren hörte. Dennoch, wieso sollte dieser Elf lügen?

Da antwortete Tjark jedoch schon erbost. „Was kann ich dafür, dass Elfen auf Thedas als Sklaven gehalten werden und somit nicht viel mehr wert sind als Nutzvieh? Es ist der Befehl des Arls gewesen, dass euer Volk hart bestraft wird, egal wie klein die Vergehen sein mochten! Und diese Frau, von der Ihr sprecht, ist die rechte Hand des Arls – was also hätte ich tun sollen? Glaubt Ihr denn allen Ernstes, dass sie Euch fröhlich nickend entlassen hätte? Ich sage Euch, was gewesen wäre. Hätte ich eingegriffen, wäre ich den Posten los gewesen, und weiß der Geier, wer dann Oberst von Fort Drakon gewesen wäre. Und ich habe erlebt, dass es wirklich sadistische Dreckschweine gibt. Als ich gleich bei meinem Amtsantritt die Folterungen gestoppt und Gefangene entlassen hatte, wurde ich vom Arl persönlich zusammen gestaucht, was ich mir einbilde. Nicht ich bin der Bösewicht, sondern der Arl!“

Das entsprach dem, was Leanora aus seinem Tagebuch wusste. Dennoch war sie hin und her gerissen. Wie weit konnte sie ihm glauben? Er war raffiniert, und in einem hatte der Unbekannte Recht: was sich Tjark erst mal in den Kopf gesetzt hatte zog er durch, ohne Rücksicht auf Verluste. Das musste sie ja im Moment am eigenen Leib erfahren, da er sie für sich haben wollte, wie er ihr zuvor noch sagte. War er nun ein ehrlicher Halunke? Oder ein rücksichtsloser Egoist? Sie wusste kaum noch, was sie glauben sollte.

Modifié par Bellandyrs, 07 février 2012 - 07:58 .


#2398
Kaysallie

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Hart landete Miandra auf dem gepflasterten Boden. Ein leichtes Stöhnen entglitt ihrer Kehle, als sie ihren Sturz automatisch mit beiden Armen gebremst hatte, da sich sofort ihre verletzte Schulter mit einem schmerzhaften Ziehen meldete. Doch sie biss die Zähne zusammen und rappelte sich schnell wieder auf die Beine. Hastig blickte sie in alle Richtungen, um sich ein wenig zu orientieren. Der Weg auf dem sie sich befand führte in zwei Richtungen, denn nur ein paar Meter vor ihr türmte sich eine doch recht hohe und ansehnliche Steinmauer, die wohl das gesamte Anwesen umrundete, damit auch niemand Unbefugtes das Grundstück dieses adligen Schweins betreten konnte. Nun ergab es für Miandra auch endlich einen Sinn, wieso eine Geheimtür in das Schlachthaus geführt hatte. Doch diese brachte ihr jetzt nichts mehr. Sie versuchte sich an den Dächern außerhalb zu orientieren, und entschied sich daher für den rechten Weg, da sie glaubte, dass dies jene Richtung war, die sie zu dem Hof zurückführen würde.

Es dauerte nicht sehr lange, da erreichte Miandra die erste Ecke des Hauses, wo sie kurz abbremste und auf die andere Seite spähte, wobei sie ihren Rücken an das Mauerwerk hinter sich drückte. Sie sah eine kleine Grünfläche, in dessen Mitte eine Statue stand, die einen edlen Mann darstellte, den sie jedoch nicht zu kennen glaubte. Einige Büsche waren um das Kunstwerk gepflanzt und zwei Bänke luden dazu ein sich hier an frischer Luft zu entspannen, während man die Wolken bei ihrer Wanderschaft beobachten konnte. Aber zum Entspannen war Miandra nicht hier. Zu ihrer Erleichterung konnte sie keine Wachen sehen, da sich diese wohl alle noch in dem Gebäude vor der Tür des Arbeitszimmers befanden.

Bei diesem Gedanken lenkte sie ihren Blick zurück in die andere Richtung, aus welcher sie gekommen war. Erst jetzt fiel ihr auf, dass ihr Vernita gar nicht gefolgt war. Aber ehe sie sich weitere Fragen deswegen stellte, sah sie die Elfe auch schon aus dem Fenster springen und auf dem Boden landen.

Nur einen Herzschlag lang wartete Miandra noch, ehe sie sich dazu entschloss um die Ecke zu schleichen, um dort einen Fluchtweg zu suchen. Je früher sie einen fand, umso besser. Doch kaum hatte sie die Ecke mit einer schnellen Drehung überwunden, lief irgendetwas in sie hinein – oder sie in irgendetwas – wodurch sie perplex nach hinten taumelte und dabei fast rücklings zu Boden gefallen wäre. Doch sie schaffte es ihr Gleichgewicht zu halten. Sogleich erfasste ihr Blick das Etwas, das für diesen Beinahe-Sturz verantwortlich war.

Nur einen Schritt weiter entfernt saß eine junge blasse Elfe auf dem Boden, die sie aus geschockten und ängstlich wirkenden grünen Augen anstarrte. Ob das an ihrer Rüstung lag, die fast vollkommen in Blut getränkt war? Oder vielmehr an ihrem Blick, der gerade ziemlich wütend wirkte? Oder an der Tatsache, dass diese Elfe offensichtlich eine Sklavin dieses Hauses war, die ohnehin bei dem Anblick eines Menschen erstarrte? Zumindest die eher schäbige Kleidung und die ungewaschenen hellbraunen Haare ließen Miandra dieses Urteil so schnell fällen. Und auch der Stiel des Holzbesens, den sie mit ihren dürren Fingern krampfhaft umklammerte, machte das Bild nahezu perfekt.

Doch in dieses Mädchen hineinzulaufen war gerade alles andere als perfekt, da sich deren Mund bereits zu einem Schrei formte. Doch ehe irgendein Laut über die Kehle der jungen Elfe geraten konnte, hatte Miandra sie bereits an dem Kragen ihrer Kleidung hochgezogen und unsanft gegen die Mauer des Hauses gedrückt. Dabei hatte die Elfe den Besen aus den Händen gleiten lassen, welcher mit einem klappernden Laut auf dem Boden gelandet war.

„Nur ein Mucks, und dein Leben ist hier und jetzt zu Ende, verstanden?“ sagte sie zu der Sklavin in einem gedämpften und ernsten Tonfall, während sie ihr eine Hand auf den Mund presste. Hätte ihr anderer Arm nicht so geschmerzt, hätte sie der Göre auch noch einen Dolch an die Kehle gedrückt, doch dies war scheinbar nicht einmal notwendig, denn sie konnte deutlich spüren, dass die Elfe auch so vor Angst zitterte. Doch schließlich schien das Mädchen den Schock überwunden zu haben und nickte zwei Mal leicht mit dem Kopf.

Miandra zögerte einen Moment. Am einfachsten wäre es gewesen diese Elfe einfach umzubringen. Mit einem Schrei würde sie die Wachen nur in die richtige Richtung lenken. Andererseits…

„Glaubst du die Kleine hier könnte hilfreich sein? Immerhin müsste sie sich hier ja gut auskennen“, sagte Miandra plötzlich ein wenig lauter, da sie hören konnte, dass Vernita die Ecke nun ebenfalls erreicht hatte. Die junge Elfe schielte aus ihren geweiteten Augen kurz zur Seite und musterte den Neuankömmling, ohne sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Angst und Entsetzen standen ihr ins blasse Gesicht geschrieben und ihre Augen glänzten flehend, jedoch mit wenig Hoffnung, in Vernitas Richtung.

Modifié par Kaysallie, 07 février 2012 - 10:59 .


#2399
SickOfItAll

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So saßen sie nun eine gefühlte kleine Ewigkeit zusammengekauert auf dem Hof und warteten. Aber auf was warteten sie eigentlich ? Darauf, das Leanora hier verstab ? Darauf, das Miandra und Vernita nie zurückkehren würden ? Auf ihren eigenen Tot ?

Sie wusste es nicht, und wenn sie ehrlich war, war das auch besser so.

Sie schwiegen. Aber sie brauchten keine Worte um sich zu verständigen. Das bloße "Da-sein" war genug, war mehr als alle Worte hätten fassen können. Und das war genau das, wonach sie gesucht hatte. Und sie war so glücklich, das sie es endlich gefunden hatte. Das Ding, das sich Liebe nannte. Sie hatte es bisher nur einmal verspürt, aber das war nicht mit ihrem Zustand zu vergleichen. Hunger, Strapazen, Schmerzen waren vergessen, was blieb war ein zeitloses Gefühl, als würde sie auf einer Wolke sitzen und die Welt unter sich beobachten, wie die Ameisenmenschen, Elfen, Zwerge ihrer Geschäfte nachgingen, wie Zeitalter um Zeitalter verstrich.

Sie wollte nur noch schlafen . Schlafen .

Schlafen. Aber nicht allein. Sie wusste sich in bester Gesellschaft.

#2400
Aliens Crew

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„Der Arl war es also, welcher mich verhaften, foltern und ermorden ließ? Habe ich Euch in diesem Punkt richtig verstanden?“ meinte Darius mit einem sarkastischen Unterton und fixierte Tjark dabei mit einem argwöhnischen Blick. „Nun, dann solltet Ihr Eurem Herren Eure Sicht der Dinge am besten persönlich vortragen, denn immerhin steht dieser direkt vor Euch.“
 
Der Elf deute mit einer überschwänglichen Handbewegung auf den Mann in der Ritterrüstung, welcher sich nun ganz langsam in Tjarks Richtung umwandte und dabei in derselben Geschwindigkeit seine Arme hob und zu seinem Helm griff. Diesen zog er sich anschließend wie in Zeitlupe vom Kopf, bevor er die Kopfbedeckung zu Boden fallen ließ, wo sie scheppernd landete.
 
Zum Vorschein kam ein recht blasses Gesicht, welches von schulterlangen, blonden Haaren eingerahmt wurde. Über seinen wulstigen Lippen verzierte ein fein gezwirbelter Schnauzbart sein Antlitz. Die grünen Augen des Mannes starrten den Oberst regungslos an.
 
„Ja, das würde mich wirklich sehr interessieren“, bestätigte der blondhaarige Mann mit harter Stimme. „Wann habe ich Euch diesen Befehl gegeben? War das bevor oder nachdem ich von Esthá Gianauro im Auftrag ihres Protegés vergiftet worden bin? Dieser war schon immer scharf auf meine Position gewesen, vor allem nachdem ich seinem Gesuchen um eine härtere Vorgehensweise gegen die Armen der Stadt und auch gegen einige adelige Mitbürger Fereldens, die, wie ich, einen gemäßigteren Ton gegenüber ihren Untergebenen anstrebten, nicht entsprach. Einer dieser Adeligen war der hier anwesende Count Leonard Bardigiano, welcher zudem ein langjähriger Freund meiner Familie war.“
 
Der Mann in der Rüstung trat neben Leanoras Vater, lächelte diesen an, während er seinen Arm um dessen Schulter legte, bevor er wieder ernst wurde und sein Blick zwischen Andraste und dem Oberst hin- und herwanderte. „Und für seine Güte und Integrität zahlte er, wie auch ich selbst, den ultimativen Preis…den des Verrats! Aber dazu kann uns Oberst Emilian von Trutzburg, der zu meiner Zeit Kommandant von Fort Drakon gewesen ist und den ich mit einer Untersuchung beauftragt hatte, sicher mehr erzählen. Oberst…“
 
Nun zog auch der zweite Verhüllte seine Kapuze zurück und entblößte damit sein hageres Gesicht, welches über und über mit Sommersprossen bedeckt war. Seine roten Haare waren kurz und zackig geschnitten, wie es bei vielen Militärangehörigen so üblich war.
 
„Danke, Herr“, meinte er knapp, bevor er sich mit seiner nasal klingenden Stimme an die Versammelten richtete. „Wie der Arl schon korrekter Weise gesagt hatte, war ich der Kommandant von Fort Drakon und erhielt von ihm den Auftrag, einer gewissen Eshtá Gianauro und ihrem Gönner auf die Finger zu sehen, nachdem die beiden meinem Herren unangenehm aufgefallen waren. Bei dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass die beiden ganz offensichtlich mit kriminellen Elementen zusammenarbeiteten, welche auch vor Mord und Kindesentführungen nicht halt zu machen schienen. So verfasste ich einen Bericht, welchen ich durch meinen Adjutanten dem Arl zugänglich machen wollte. Doch leider erreichte dieser Bericht nie sein Ziel, wie ich später feststellen musste. Stattdessen wurde der Arl selbst zwei Tage später tot in seinem Anwesen aufgefunden. Todesursache: Herzstillstand. Ein Giftmord konnte weder bewiesen noch ausgeschlossen werden.“
 
Der Mann machte eine kurze Pause, in der er sich räusperte. Dann fuhr er in seiner sachlichen, emotionslosen Art fort. „Kurz darauf bekam ich von seinem Nachfolger die Order, Gefangene auch für kleine Vergehen zu foltern und seiner rechten Hand, eben dieser Eshtá Gianauro, freie Hand zu lassen, ganz gleich, was diese auch verlangte. Außerdem versuchte man mich dazu zu bringen, gegen den hier anwesenden Count Bardigiano zu intrigieren. Ich weigerte mich und versuchte stattdessen, eine Audienz bei Königin Anora persönlich zu bekommen, um sie mit den Fakten, welche ich über ihren neuen Arl zusammengetragen hatte, vertraut zu machen. Doch leider wurde ich einen Tag vor eben dieser besagten Audienz selbst das Opfer eines Anschlages, den ich dummerweise nicht überlebte. Stattdessen wurde der hier anwesende Tjark von Talisker mein Nachfolger. Sicher stellen sich nun alle die Frage, was das alles mit dem heutigen Fall hier zu tun hat, nicht wahr?“
 
Emilian machte wieder eine kurze Pause, um seinen Worten die richtige Wirkung zukommen zu lassen, bevor er sich in Tjarks Richtung drehte. „Nun, mein Adjutant, welcher meinen Bericht über Esthá Gianauro eben dieser oder vielleicht auch direkt ihrem Gönner statt dem Arl zugänglich gemacht hatte, damit dieser durch eine Fälschung ersetzt werden konnte, war niemand anders als der hier anwesende Tjark von Talisker, seinerzeit Major und mein Stellvertreter. Doch statt meine Befehle auszuführen, zog er es vor, diese zu missachten und sowohl mich wie auch den Arl zu verraten, um einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen.“
 
„Jemand musste doch was tun!“ protestierte Tjark plötzlich lautstark und fiel Emilian damit ins Wort. „Die Zustände in Fort Drakon waren einfach katastrophal. Es gab Folterungen und kaum Nahrung für die Gefangenen. Und die Soldaten des Forts wurden so schlecht bezahlt, dass sie ihre Wut an den Insassen der Verliese ausließen und sie schlimmer als Tiere behandelten!“
 
„Und deshalb musstet Ihr zum Verräter werden?“ fragte Oberst von Trutzburg mit scharfer Stimme, bevor diese wieder in ihre monoton sachliche Tonlage zurückfiel. „Sicher gab es Folterungen. Gerade bei Verrätern und Feinden der Krone war sie ein notwendiges Übel um Mitverschwörer ausfindig machen zu können. Und die Diskussion über die schlechte Versorgung haben wir schon etliche Male geführt, wenn Ihr Euch erinnern könnt? Wir befanden uns nun mal in der Nachkriegszeit. Die Stadt, nein, das ganze Land lag nach der Verderbnis in Trümmern, so mussten überall Einsparungen vorgenommen werden. Unsere Vorräte an Nahrung und auch Geldmitteln waren knapp und das meiste davon wurde für den Wiederaufbau Fereldens benötigt. Aber Ihr wart ja schon immer ein Hitzkopf, der logischen Argumenten einfach nicht folgen konnte oder wollte, nicht wahr?“
 
„Der Mann, den Ihr beschuldigt habt, hat versprochen, all das zu ändern, wenn ich ihm helfe“, erwiderte Tjark deutlich leiser als zuvor.
 
„Und?“ fragte Emilian fordernd. „Hat er das getan?“
 
Der Angesprochene sah beschämt zu Boden.
 
„Natürlich hat er das nicht“, antwortete von Trutzburg für Tjark. „Stattdessen nutzte er die Gelegenheit, um selbst die Macht zu ergreifen und alles noch schlimmer zu machen, als es vorher war. Vielleicht wart Ihr ja wirklich so gutgläubig und naiv und habt diesem Menschen seine Lügen abgekauft. Vielleicht wolltet Ihr damit wirklich etwas Gutes tun und wart Euch nicht über die Konsequenzen im Klaren. Oder vielleicht wart Ihr wirklich nur auf die Macht aus, ganz gleich, was es kostet, um sie zu bekommen. Es spielt keine Rolle. Ihr machtet Euch selbst zu einem Verräter und damit beraubtet Ihr Euch damit selbst Eurer Ehre und Euer Recht auf eine führende Position. In Ferelden wird so ein Vergehen mit dem Tode bestraft, somit hat die hier anwesende Countess Leanora Bardigiano nur dem Gesetz ihres Landes gedient, als sie Euch tötete. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass sie von diesen Vorfällen nichts wusste. Und darum sollte sie nicht dafür verurteilt werden, denn sie hat mit ihren Taten den Menschen auf Thedas einen sehr großen Dienst erwiesen. Seht Ihr das nicht auch so, Major Tjark von Talisker?“
 
___________________________________________________________________________
 
„Ich brauche keine Hilfe, um mich hier zurecht zu finden“, meinte Vernita auf Miandras Frage hin. „Ich kenne dieses Anwesen noch sehr gut von meinem letzten Besuch her. Und was dieses Mädchen angeht…“
 
Vernita musterte die braunhaarige Elfe eingehend. Dabei hob sie eine Augenbraue, als ihr an dem Mädchen etwas auffiel, weshalb sie sich an Miandra wandte. „Lass sie los. Ich übernehme das jetzt.“
 
Ohne etwas zu erwidern tat die schwarzhaarige Frau wie ihr geheißen wurde und ließ die junge Elfe wieder zu Boden. Diese zitterte wie Espenlaub, während ihr ängstlicher Blick zwischen den beiden Frauen hin- und herwanderte. Dabei bebten ihre dünnen Lippen leicht, und Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn. Als Vernita die rechte Hand hob und diese in ihre Richtung bewegte, schloss das Elfenmädchen die Augen und erwartete schlotternd ihr Ende.
 
Doch statt ihre Kehle zu umfassen und sie zu Tode zu würgen, schob Vernita nur das braune Haar zur Seite, welches das halbe Gesicht der Kleinen verdeckte. War das nun irgendein grausames Spiel, welches diese beiden Fremden mit ihr spielen wollten, bevor diese sie töteten?
 
„Zeig mir, was du da hast“, meinte Vernita noch, während sie den Hals der Elfe freilegte. Dieser liefen bereits die Tränen aus den geschlossenen Augen, und sie fing leise an zu schluchzen.
 
Was Vernita dort sah, verschlug ihr selbst für einen Moment den Atem, denn es erinnerte sie an ihren eigenen, ganz persönlichen Schmerz. Unterhalb des Ohres dieses Mädchens konnte sie ein lange Narbe an deren Hals erkennen, die von der Spitze eines Dolches herrühren musste. Vernita zog bei diesem Anblick scharf die Luft ein, während sie die Hand wieder sinken ließ.
 
„Ich werde dir nichts tun, Kleine“, sagte sie nach einem kurzen Moment des Schweigens, den sie brauchte, um sich wieder zu fassen. Bei diesen Worten lag ein seltsam abwesender Ausdruck in ihren Augen. „Denn wir sind uns ähnlicher, als du vielleicht denkst. Sieh her.“
 
Vernita zog sich den Helm über den Kopf und drehte das Gesicht zur Seite, damit die Elfe ihr linkes Ohr sehen konnte. Doch hatte diese ihre Augen immer noch geschlossen.
 
„Na los, mach‘ die Augen wieder auf. Ich verspreche, dass dir nichts geschehen wird.“
 
Langsam tat die Elfe, wie ihr geheißen wurde. Und als sie Vernitas Narbe erblickte, weiteten sich deren Augen merklich und auch sie atmete scharf ein.
 
„Wie du siehst, bist du nicht die Einzige, welchen unseren werten Arl von seiner ganzen besonderen Seite kennen lernen durfte und die das erleiden musste, was keine Frau jemals erleiden sollte“, bemerkte Vernita, während sie ihren Kopf wieder drehte, damit sie das Mädchen direkt ansehen konnte, wobei sie sich zeitgleich erneut den Helm aufsetzte. „Doch kann ich dir versichern, dass dies nie wieder geschehen wird. Ich habe dafür gesorgt, dass dieser Abschaum von einem Mann sich niemals wieder an einer Frau vergreifen wird. Du kannst also beruhigt nach Hause gehen. Hier wird sich sicher einiges ändern, du wirst sehen. Und jetzt verschwinde, bevor uns die Wachen zusammen sehen und dir einen Haufen Ärger einbringen. Na, geh schon!“
 
Vernita lächelte dem Mädchen zum Abschied noch einmal aufmunternd zu.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 19 février 2012 - 01:49 .