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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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#2401
Kaysallie

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Ein gewisses Funkeln hatte sich in die Augen der jungen Elfe gelegt, und ihr Gesichtsausdruck schien nicht mehr so ängstlich, wie noch gerade eben, sondern furchtbar erleichtert und undendlich dankbar. Hätte sie diese gesamte Situation nicht so sehr verschreckt, wäre sie Vernita bestimmt dankbar um den Hals gefallen.

„D-D-Danke“, stammelte das Mädchen daher nur, während sich weitere Tränen in seinen Augen gebildet hatten. Doch auch die Warnung hatte ihre spitzen Ohren erreicht und daher rappelte sie sich sogleich wieder auf die Beine. Deutlich konnte man noch sehen, wie weich ihre Knie noch waren. „I-I-Ich muss noch zurück in meine Kammer und den anderen davon berichten. D-D-Dort hinten führt ein Weg nach draußen“, sagte sie noch mit heiserer und zittriger Stimme, und deutete dabei in besagte Richtung. Schließlich schenkte sie Vernita noch ein zaghaftes, jedoch überglückliches Lächeln, ehe sie sich abwandte und davoneilte.

Miandra blickte der jungen Elfe ebenso schweigend nach, wie sie gerade das Geschehnis beobachtet hatte. Gab es überhaupt noch Mädchen oder Frauen die dieses Schicksal, von einem derartigen Schwein missbraucht zu werden, nicht durchleiden mussten? Unmerklich stieg ihr Hass auf all diese Männer noch mehr an. Aber der Gedanke daran, dass einer, oder vielleicht sogar der größte dieser Mistkerle gerade vorhin das Zeitliche gesegnet hatte, bereitete ihr keine Genugtuung. Es gab keine Garantie darauf, dass so etwas nie wieder passieren würde. Es würde immer wieder passieren... irgendwo. Vielleicht sogar gerade eben in diesem Augenblick. Diese Welt war nicht verflucht von der Brut, sondern von diesem konträren Geschlecht.

„Lass uns gehen“, sagte Miandra nur knapp, nachdem sie einen bedrückten Seufzer ausgestoßen hatte. Sie hatten keine Zeit, um hier herumzutrödeln. Die Wachen würden sich nicht ewig von einer geschlossenen Türe beirren lassen. Und sie wollte nicht ewig darauf warten, sich die Informationen anzusehen, die Vernita in ihrer Tasche hatte.

Modifié par Kaysallie, 11 février 2012 - 04:09 .


#2402
Bellandyrs

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Tjark hatte während der Standpauke einen roten Kopf bekommen und blickte nach wie vor verlegen zu Boden. Was sollte er dagegen noch sagen können? Sein damaliger Vorgesetzter hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.
„Dennoch habe ich den Tod nicht verdient. Ich habe auch Gutes gewirkt in meinem Leben“, versuchte er sich noch einmal zu verteidigen, wenngleich um einiges leiser als zuvor.

Leanora hatte den Ausführungen gespannt zugehört. Als der alte Arl den Helm abnahm, erkannte sie diesen auch gleich wieder, obwohl sie ihn zu Lebzeiten viele Jahre nicht mehr gesehen hatte. Aber sie hatte Recht behalten, als sie damals Vernita erzählte, dass der Arl gütig war. Ihre Achtung vor dem Freund des Vaters stieg abermals, dafür sank diese gegenüber Tjark umso mehr. Sie hatte ihn nicht für dumm gehalten. Anscheinend hatte er tatsächlich versucht, ganz nach oben zu kommen, egal, was es ihn dabei kostete. Und er hatte ja auch in seinem Tagebuch erwähnt, dass er Leute verraten hatte, und wahrscheinlich sogar sich selber. Sie war maßlos enttäuscht über den Oberst, in dem sie einst den Ritter ohne Furcht und Tadel sah. Wenn sie dagegen an Sengaal dachte, versetzte es ihrem Herzen einen Stich. Sollte sie ihn tatsächlich nie wieder sehen? Denjenigen, der es mit seiner Liebe geschafft hatte, sie aus dem Nichts zurück zu holen? Denjenigen, den sie bedingungslos liebte?

„… entscheide ich, dass die anwesende Leanora zurück auf die Erde geschickt wird. Sie soll ihre Gefährten weiter unterstützen, die Kinder zu finden und dem Unrecht ein Ende zu setzen. Zudem soll sie wirklich die Möglichkeit erhalten, mit ihrer großen Liebe glücklich zu werden.“ Andraste blickte Leanora gütig an. „Wenn Ihr bereit seid, zurückzukehren, meldet Euch vorne am Tor. Natürlich könnt Ihr noch bleiben solange es Euch beliebt.“

Langsam sickerten die Worte Andrastes in Leas Bewusstsein. Sie war frei! Ihr Mund verzog sich zu einem ungläubigen Lächeln, und Sekunden später wurde sie von Lucia stürmisch umarmt.
„Siehst Du, ich hab Dir doch gesagt, das wird schon!“ rief der rote Wirbelwind ihr zu.

Erst dieser Ausruf brachte Leanora endgültig dazu, über das ganze Gesicht zu strahlen. Sie drückte Lucia, bahnte sich danach einen Weg zu ihrem Vater und dem Arl, um diesen und all den anderen zu danken.

„Nein!“ ertönte da ein lauter Schrei. Lea wandte sich um und sah Tjark auf sich zustürmen, sein Schwert gezückt. „Du gehörst zu mir! Ich lasse Dich nicht gehen!“

Instinktiv trat sie einige Schritte zurück, aber auch die anderen Anwesenden wichen dem wütenden Oberst aus. Außer dem alten Arl, der Lea mit den Worten „Nun könnt Ihr Euer Können unter Beweis stellen“ sein Schwert in die Hand drückte, bevor auch dieser im Kreis der Zuschauer verschwand.

Lea blickte ihm kurz nach, dann auf das Schwert und anschließend Tjark ins Gesicht.
„Was soll das jetzt, Tjark? Willst Du um mein Leben kämpfen? Oder geht es einfach nur darum, dass Du Deinen Willen nicht erhältst?“

„Ich lasse es nicht zu, dass Dich ein anderer kriegt! Du gehörst zu mir, seit dem Moment an, wo Du mich in Deine Arme genommen hast und ich Dir geschworen habe, im Nichts auf Dich zu warten. Also kämpfe, wenn Dir dieser Templer wichtiger ist als ich, und als all diese Menschen hier. Auf Thedas erwartet Dich ohnehin nur Tod und Verderben, und ich werde Dir das ersparen, indem ich Dich hier besiege.“ Seiner Stimme war die Wut anzuhören, seine Wangen waren noch immer von einem fleckigen Rot überzogen.

„Haltet ein Oberst von Talisker!“ befahl die Heilige Andraste scharf.

Leanora wandte sich an sie. „Ich nehme die Herausforderung an und werde um mein Leben und um mein Glück kämpfen.“
Sie hörte, wie einige wenige in der Menge entsetzt aufstöhnten.

#2403
Bellandyrs

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Richard mischte sich ein: "Wenn Ihr ehrenhaft kämpfen wollt, dann entledigt Euch Eurer Rüstung, Oberst! Meine Schwester hat nur eine weiche Stoffhose an. Und der nackte Oberkörper eines Mannes wird hier hoffentlich keinen brüskieren!"

Tjarks Gesicht verzog sich zu einem ironischen Schmunzeln. "Ihr habt Recht, aber wer weiß, vielleicht lenkt der Anblick Eure Schwester ja so ab, dass sie nicht mehr kämpfen kann?" grinste er jovial. "Leanora, wärst Du so lieb und hilfst mir hier raus?" Er schenkte ihr ein charmantes Lächeln, welches seine Augen jedoch nicht erreichte.
Leanora bewahrte die Etikette, nickte ihm zu und lächelte zurück, aber auch ihres war nicht so herzlich, wie er es von ihr kannte. Sie war viel zu enttäuscht von Tjark. Dennoch half sie ihm beim Öffnen der Rückenschnallen, und kurz darauf stand er mit entblößtem Oberkörper vor ihr. Sie musterte ihn aus halb geschlossenen Augen und bemerkte, dass auch seine Wirkung auf sie nicht mehr die gleiche war. Wenn ihr noch vor kurzem bei diesem Anblick das Blut in die Wangen geschossen wäre und sich ihr Herzschlag erhöht hätte, stellte sie jetzt nur noch neidlos fest, dass der Mann eine tadellose, nein, eine hervorragende Figur hatte.

Die Menge stellte sich im Kreis auf, der groß genug war, dass die Duellanten für ihren Kampf Platz hatten. Leas Konzentration richtete sich auf Tjarks Bewegungen. Die beiden gingen in leicht gebückter Haltung im Uhrzeigersinn, den anderen dabei fixierend und abwartend, wer den ersten Streich machen würde. Man konnte die Spannung bei den Zuschauern fast greifen. Davon ließ sich Leanora jedoch nicht irritieren. Worauf wartete Tjark? Er wollte sie doch besiegen? Sie hatte eigentlich mit einem sofortigen Angriff des Obersts gerechnet, aber entweder hatte er Skrupel, sie zu verletzen, oder er war doch kein so guter Kämpfer, wie Leanora annahm. Sie wollte jedoch nicht den Fehler machen, ihn zu unterschätzen, vielleicht versuchte er ja auch nur, herauszufinden, wie gut sie im Umgang mit der Waffe war.

Sie hatten sicherlich schon zwei oder drei Runden gedreht, bevor es ihr zu dumm wurde. Sie wirbelte mit einer viertel Drehung in seine Richtung und täuschte einen Angriff auf seine linke Seite an, die Klinge bewusst weit genug an ihm vorbeiziehend, dass sie ihm nicht schaden konnte, aber nahe genug, dass er aus seiner Lethargie gerissen werden musste. Anscheinend hatte der Hüne tatsächlich nur darauf gewartet, denn sofort wich er dem Hieb aus und griff sie im selben Augenblick an. In seinem Schlag steckte aber nicht die ganze Kraft dahinter, das merkte Leanora, als sie diesen geschickt parierte. Jetzt war der Damm der Zurückhaltung gebrochen, Angriff, Parade und Gegenangriff folgten nun Schlag auf Schlag, aber immer noch nicht in der Härte, die sie eigentlich erwartet hatte.

"Meine Hochachtung, Countess, Dein Stil ist sehr gut", sagte Tjark. "Dann wollen wir mal sehen, ob Du auch wirklich kämpfen kannst. Denn was Du hier bietest ist zwar nett anzusehen, aber nichts auf Leben und Tod."
"Dann kämpf endlich Tjark, denn was Du hier bietest, erschreckt nicht einmal eine Stubenfliege!" konterte Lea giftig.
"Na gut, mein Täubchen, wenn Du es nicht anders verstehen willst...", entgegnete Tjark, seine Stimme war voll unterdrücktem Zorn. Mit ihrer Aussage hatte sie seinen Stolz und sein Ego gekränkt. Er hatte sie schonen wollen, aber anscheinend war sie lebensmüde genug, um sich ihm tatsächlich zu stellen. Seine Gesichtszüge wurden hart. Und dann holte er zum nächsten Schlag aus.

Lea wusste, dass sie ihn gereizt hatte, aber genau das war auch ihre Absicht gewesen. Seine Technik war tadellos, so hätten sie wohl die nächsten Stunden miteinander gefochten, ohne dass es einen Gewinner oder Verlierer gegeben hätte. Und sie hoffte darauf, dass Tjark, wenn er wütend war, eher instinktiv kämpfte als technisch. Wenngleich wütende Stiere schwerer einzuschätzen waren, waren sie letztlich doch einfacher zu bekämpfen, da einfach der Verstand aussetzte und lediglich das Ziel, nämlich den anderen am Boden zu sehen, vorrangig wurde.
Die Klinge schnitt durch die Luft, sie hörte, wie kraftvoll dieser Angriff im Gegensatz zu den anderen geführt wurde. Es war dennoch ein Einfaches für sie, unter dem Schwert wegzutauchen, mit einer kleinen Drehung seitlich hinter ihn zu kommen und ihm aus der Drehung heraus ihr Schwert seitlich, knapp oberhalb seines Beckenknochens, entlang zu streifen. Die Klinge des Arls war sehr scharf, die Haut wurde leicht aufgeritzt und erste Blutstropfen bildeten sich am Schnitt. Tjark sog die Luft scharf ein, überrascht von Leanoras Reaktion, noch überraschter davon, dass sie ihn tatsächlich getroffen hatte. Er drehte sich zu ihr und seine Augen sprühten vor Zorn.
"Na warte, meine Schöne, das wirst Du mir büßen!" rief er erbost.

Den nächsten Angriff parierte sie, konterte und setzte einen weiteren Hieb sofort nach. Die Klingen schlugen nun mit einer Heftigkeit aufeinander, der man den Ernst der Lage entnehmen konnte. Metallisches Klirren überlagerte alle anderen Geräusche. Die folgenden Hiebe wurden nun weitaus kräftiger und verbissener geführt als noch zu Beginn dieses Duells. Die Schonzeit war beendet, aus Spaß war tödlicher Ernst geworden.

Und bei den folgenden Attacken und Paraden machten sich bei Leanora auch langsam die Anstrengung und ein gewisses Maß an Erschöpfung breit. Ihre Arme fingen an zu schmerzen und Schweiß bildete sich auf ihrem Körper. Auch ihr Puls und ihre Atmung beschleunigten sich. Und etwas erschrocken musste sie feststellen, dass sie an ihrem Kontrahenten noch keinerlei Anzeichen von Ermüdung erkennen konnte. Im Gegenteil. Er grinste sie nur schadenfroh an, als ihm auffiel, dass Leanora erste Konditionsprobleme bekam.

Hatte er diese etwa nicht? Konnte er vielleicht gar nicht mehr müde werden? Immerhin war er ja schon tot und in dem Sinne kein richtiger Mensch mehr. War er dann vielleicht gar nicht mehr zu besiegen und wollte deshalb diesen Kampf? Lea wurde für einen Augenblick Angst und Bange bei diesen Gedanken. Doch wollte sie auf gar keinen Fall aufgeben. Sie biss die Zähne zusammen und kämpfte unverdrossen weiter.

„Vielleicht solltest Du besser jetzt schon aufgeben, bevor Du noch einen Kreislaufkollaps erleiden musst“, spottete der Oberst hämisch.

„Eher setze ich mich in ein Hornissennest, als mich dir freiwillig hinzugeben, du elender Verräter!“ keuchte die Angesprochene giftig zurück.

Der Oberst fauchte wütend, während er seinen nächsten Angriff führte. Diesen blockte Leanora erfolgreich ab, machte anschließend eine Drehung und stach dabei in Tjarks Richtung. Doch auch dieser drehte sich weg und vollführte dabei einen Streich mit seinem Schwert. Seine Klinge durchschnitt ihre Tunika sowie das Fleisch ihrer linken Schulter, woraufhin sie erstickt aufstöhnte.

Leanoras Mutter, welche sich schon die ganze Zeit über am Arm ihres Mannes festgekrallt hatte, stieß einen spitzen Schrei aus, als sie mit ansehen musste, wie ihr eigen Fleisch und Blut verletzt wurde. Sofort warf sie sich herum und ließ ihren Kopf auf die Schulter ihres Mannes fallen, wo sie verzweifelt zu weinen begann. Der Count nahm seine Frau in den Arm und klopfte ihr beruhigend auf den Rücken, während er selbst wie gebannt auf die beiden Kontrahenten blickte. Er war zusehend stolz auf seine Tochter, der Unterricht hatte Früchte getragen.

Leanora torkelte zur Seite, während Tjark inne hielt und hämisch lachte. Der Ausdruck in seinen Augen drückte seine ganze Zufriedenheit aus. „Hast Du jetzt genug, mein Täubchen, oder sollen wir dieses Spiel bis zum Ende spielen?“

Die Angesprochene stützte sich mit den Armen auf ihren Kien ab, während sie keuchend nach Luft schnappte und zwischendurch hustete. Tränen der Anstrengung und des Schmerzes liefen ihr dabei über das Gesicht. Als sie allerdings die Worte des Obersts vernahm, ruckte ihr Kopf herum in seine Richtung, und sie funkelte ihn böse an. In ihren Augen blitzte der Hass auf. Der Schmerz war vergessen! Jetzt hatte er ihren Stolz endgültig verletzt. Langsam rappelte sie sich auf, bevor sie sich wieder zu ihrem Gegner wandte. Anschließend hob Leanora das Schwert an und wies damit auf ihren Kontrahenten. „Greif mich an!“ forderte sie diesen mit fester Stimme auf. „Mit allem, was Du hast!“

Das ließ sich der Oberst nicht zweimal sagen. Mit einem Kampfschrei auf den Lippen stürzte er auf Lea zu und deckte sie mit vielen schnellen Hieben und Stichen ein. Doch die Frau konterte geschickt oder wich den Attacken einfach aus. Ihr Gesicht strahlte dabei zum ersten Mal so etwas wie die stoische Ruhe eines geübten Kriegers aus. Ihre Paraden waren schnell und präzise, während sie vor Tjarks Angriffen immer weiter zurückwich. Sie hatte die Menschenmenge hinter sich schon fast erreicht, als sie plötzlich zur Seite auswich und ihren Gegner ins Leere laufen ließ. Gleichzeitig zog sie die scharfe Klinge des Arls über die ungeschützte Seite des Obersts und hinterließ dort eine lange, blutende Wunde. Wutentbrannt heulte der Mann, während Lea zurückwich, um wieder etwas Abstand zwischen sich und ihren Gegner zu bringen.

„Vielleicht bist du es ja, der besser aufgeben sollte?“ bemerkte die Frau mit spitzer Zunge.

Richard lachte und klatschte seiner Schwester begeistert zu. Ja, sie war wirklich eine richtige Wildkatze geworden, von dem schüchternen Mädchen konnte er jedenfalls nichts mehr entdecken. Leanora war eine hübsche selbstbewusste Frau geworden.

Tjark hingegen überkam der Zorn. Ein Knurren entwich seiner Kehle, kurz bevor er wie von Sinnen auf Leanora zustürzte. Diese konnte gar nicht so schnell ihr Schwert heben, da war der Mann auch schon heran und die beiden prallten gegeneinander. Gemeinsam torkelten sie zurück, direkt in die Menschenmenge hinein, welche sogleich auseinander preschte. Kurz darauf krachten die beiden auf eine der Sitzbänke, wobei Leas Kopf hart auf die Lehne aufschlug, was sie für einen Moment ziemlich benommen machte. Und obwohl sie nach wie vor ihr Schwert festhielt, war Tjark viel zu nah, als dass sie dies hätte effizient einsetzen können.

„Du gehörst mir!“ tobte der Oberst böse. „Mir! Mir ganz allein! Wann geht das endlich in Deinen Schädel, verdammt noch mal?!?“

Ehe die Frau darauf hätte antworten können, küsste Tjark sie auch schon hart und fordernd auf den Mund. Hatten seine Lippen sie sonst immer erregt, so verspürte Leanora in diesem Augenblick nur Ekel und Abscheu vor diesem Mann. Sie versuchte ihn von sich wegzuschieben, doch war dieser viel zu schwer und auch zu stark für sie. Dann fühlte sie, wie seine Zunge in ihren Mund eindrang...und ihr war plötzlich alles egal.

So fest wie sie nur konnte biss sie zu. Seine Zungenspitze geriet zwischen ihre Zähne, welche die Frau so kräftig aufeinander presste, wie es ihr möglich war. Tjarks Augen weiteten sich, und er schrie auf vor Schmerz. Er wollte zurückweichen, doch Leas Biss war so stark, dass ihm das nicht gelang. Und so kreischte er einfach weiter vor Schmerz...und auch vor Panik. Lea riss ihren Kopf zurück und spürte, wie Fleisch durchtrennt wurde und wie Blut floss. Der Oberst kam frei, verlor dabei aber die Spitze seiner Zunge, welche Lea angewidert zusammen mit einem Haufen Blut ausspuckte.

„Bravo, Töchterchen!“ jubelte ihr Vater begeistert. „Zeig es diesem Bastard!“

Die Angesprochene huste und spuckte weiter Blut, während sie Tjark beobachtete, welcher kreischend zurück wankte und dabei eine Hand auf seinen Mund presste. „Du Schlampe!“ brüllte er zwischen unverständlichen Lauten. „Dafür wirst Du bezahlen!“

Er packte sein Schwert wieder und stürzte erneut auf Leanora zu. Sein Gesicht war dabei eine Maske aus Blut und Hass. In seinen Augen lag keine Gnade mehr. Jetzt würde er dem Ganzen ein Ende setzen, ein für alle mal!

Doch auch Leanora hatte sich wieder in der Gewalt und sprang auf, die Waffe des Arls nach wie vor in ihrer Hand. Der wütende Angriff des Obersts kam schnell, aber sehr unpräzise. Die Professionalität war blankem Zorn gewichen. So fiel es Lea nicht schwer, auszuweichen. Gleichzeitig schlug sie mit ihrem Schwert ein Bein Tjarks weg.

Der Oberst geriet ins Stolpern, wankte zwei Schritte nach vorne und fiel dann bäuchlings auf den Boden. Keuchend landete er hart auf dem Marmor, schüttelte einmal den Kopf und drehte sich sofort auf den Rücken, um nach seinem Schwert zu greifen, welches er bei dem Sturz verloren hatte. Doch kaum hatte er den Griff seiner Waffe in der Hand, war Leanora auch schon über ihm, stellte einen Fuß auf seinen Oberkörper und setzte ihm die Spitze ihres Schwertes auf die Kehle. Und in ihren Augen lag der blanke Hass auf diesen Mann und auf das, was er eben getan hatte.

„Du bist tot, Tjark“, sagte sie jedoch tonlos. „Es wäre doch einmal angebracht, ein nein zu akzeptieren, oder meinst Du nicht? Du bist wie ein kleiner verzogener Bengel, dem man sein Spielzeug wegnimmt. Deine Absichten mögen gut und ehrlich sein, aber so ein egoistisches Schwein wie Du es bist, könnte ich niemals lieben. Nachdem ich Dich auf Thedas bereits getötet habe, verschone ich Dich hier. Zumindest kann mir nun keiner mehr vorsätzlichen Mord in die Schuhe schieben, denn das hier war ein Duell.“
Sie nahm ihren Fuß vom Oberst und hob die Schwertspitze ein wenig an.
„Geh mir aus den Augen und belästige mich nie mehr wieder. Ich hab wirklich keine Ahnung, wie ich jemals etwas für Dich empfinden konnte. Dennoch wünsche ich Dir viel Glück Tjark, und ich verzeihe Dir das hier alles. Gehe in Frieden, und lass mir eben diesen. Lebe wohl.“

Sie drehte sich um, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, und drängte sich durch die Menge zu ihrer Familie.

Modifié par Bellandyrs, 19 février 2012 - 01:19 .


#2404
Aliens Crew

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„Ja, du hast Recht, Miandra“, meinte Vernita, nachdem die Elfe verschwunden war. „Gehen wir zu den anderen zurück und sehen dann zu, dass wir hier rauskommen, bevor die restlichen Wachen uns noch aufspüren. Vorwärts!“
 
Vernita setzte sich in Bewegung. Schnellen Schrittes eilte sie geradeaus, immer an der hohen Mauer entlang. Der Weg war recht schmal, so dass die beiden Frauen hintereinander herlaufen mussten. Doch das spielte keine Rolle, da ihnen niemand entgegen kam. Schließlich erreichten sie das Ende der Hauswand, und sie mussten rechts abbiegen. An der Ecke hielt die Elfe inne. Sie presste sich an den Stein der Wand und lugte vorsichtig um diese herum. Wieder konnte sie niemanden sehen. So wandte sie den Kopf in Miandras Richtung.
 
„Die Luft ist rein. Und wir sind auch bald da. Lass uns gehen“, meinte sie noch mit einem kleinen Lächeln, bevor sie sich wieder umwandte und um die Ecke verschwand. Die beiden Frauen liefen nun zwischen zwei Häuserfronten entlang, dem Dienstbotentrakt wie sich die Elfe erinnerte. In einiger Entfernung konnten sie auch schon den Hof erkennen, auf dem der große Kampf stattgefunden hatte. Und als die beiden diesen kurz darauf erreichten, blieb Vernita wie angewurzelt stehen.
 
Mitten auf dem Platz lag Leanora scheinbar regungslos auf dem Boden, Sha’ira und Lydia hockten direkt neben ihr. Was war hier geschehen? War die Adelige etwa gefallen? Vernita setzte sich sofort wieder in Bewegung und rannte so schnell wie sie konnte zu den dreien hinüber. Geschickt und in Windeseile überquerte sie den Hof, auf dem nach wie vor die ganzen Leichen der Soldaten lagen und langsam schon zu stinken begannen. Fliegen schwirrten bereits um die teilweise übel zugerichteten Kadaver, während das Blut allmählich in den sandigen Boden hinein versickerte.
 
Innerhalb weniger Augenblicke hatte Vernita Leanora und die beiden Elfen erreicht, und ließ sich sogleich neben der blondhaarigen Frau zu Boden fallen. „Was ist geschehen?“ fragte sie sofort, doch anstatt auf eine Antwort zu warten, streifte sie sich auch schon die Handschuhe ab, welche sie neben sich auf den Boden legte. Anschließend prüfte sie Atmung und Puls der bewusstlosen Frau. Beides war sehr schwach und kaum noch zu spüren.
 
„Die Atmung setzt aus!“ sagte Vernita in einem hektischen Tonfall. „Verdammt! Sie stirbt uns weg! Schnell, helft mir, sie zu beatmen, während ich ihr Herz wieder in Gang bringe!“
 
Die Elfe hockte sich rasch auf den Bauch Leanoras, bevor sie deren Kleidung zerriss, bis diese mit freiem Oberkörper unter ihr lag. Anschließend legte sie ihre Hände auf den Brustkorb der Frau und begann mit der Herzmassage, um eben dieses wieder zum Schlagen zu bringen.
 
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Lucia stürmte auf Leanora zu und warf diese fast um, als sie der Frau mehr als nur stürmisch in die Arme fiel. Dabei lachte sie lauthals und voller Freude und Erleichterung. Und ihre Augen leuchteten dabei voller Glück auf, während ihr einige Tränen über das Gesicht liefen.
 
„Du hast es geschafft! Ich bin so stolz auf dich!“ prustete sie zwischen ihrem Lachen los. „Du bist wirklich etwas ganz besonderes!“
 
Nur schwerlich beruhigte sich die rothaarige Frau wieder und ließ dann auch schon von Leanora ab. „Und ich bewundere deine Zurückhaltung, Liebes. Ich hätte diesem Schwein wahrscheinlich alles abgeschnitten, was es abzuschneiden gibt.“
 
Lucia zwinkerte Leanora bei ihren Worten schelmisch zu. Nun trat auch der Arl dazu und reichte der Countess die Hand. „Ihr habt ehrenhaft gekämpft und einem großen Unrecht Einhalt geboten, welches dieser Verräter Euch aufbürden wollte. Zum Dank dürft Ihr mein Schwert behalten, welches mir viele Jahre lang treue Dienste geleistet hat. Es wir Euch in Euren kommenden Kämpfen sicher ebenso gut dienen, wie es das bei mir getan hat. Und Andraste sicherte mir zu, dass sie diese Waffe zusammen mit Eurer Wenigkeit nach Thedas zurückschicken wird.“
 
„Wohl gesprochen, werter Arl“, sagte nun auch die Allerheiligste und ging nun ebenfalls auf Leanora zu, woraufhin der Angesprochene wie auch Lucia dieser Platz machten. „Ihr habt mir heute gezeigt, dass Ihr nicht nur Ehre und Entschlossenheit, sondern auch Barmherzigkeit und Güte Euer Eigen nennt. Eure Familie kann wirklich stolz auf Euch sein. So werde ich Euch nach Thedas zurückschicken, wo Ihr Euren Gefährtinnen gegen das große Unheil unterstützen könnt, welches noch vor Euch liegt und denen Ihr mehr bedeutet, als Euch vielleicht bewusst ist. Seht nur…“
 
Andraste wandte sich zur Seite hin um und vollführte mit ihrem Finger eine kreisrunde Bewegung durch die Luft. Im Innern dieses Kreises formte sich ein Bild. Das Bild von einem Schlachtfeld, auf dem Leanoras Körper zu sehen war, auf welchem sich eine Elfe gehockt hatte, die verzweifelt versuchte, die Frau unter sich ins Leben zurückzuholen.
 
„Sie kämpfen um Euer Leben, als wäre es ihr eigenes. Sie wollen Euch nicht einfach aufgeben. Und nachdem, was Ihr hier heute vollbracht habt, werde ich das, ebenso wie die Sorge Eurer Freunde, nicht unbeachtet lassen. So nehmt dieses Geschenk von mir an.“
 
Die Allerheiligste berührte für einen Moment Leanoras verletzte Schulter, welche für diesen kurzen Augenblick in ein strahlendes Licht getaucht wurde, das dem Licht der Sonne gleichkam, ohne die Augen allerdings zu blenden. Als Andraste ihr Hand wieder zurückzog, verschwand dieses Leuchten gleich wieder, ebenso wie die Wunde selbst, so als hätte es sie niemals gegeben.
 
„Ihr besitzt nun die Gabe der Heilung, werte Leanora. Ihr seid nun in der Lage, die Wunden und Krankheiten anderer Lebewesen zu kurieren“, verkündete Andraste mit einem gütigen Lächeln. „Doch setzt diese Gabe mit großer Sorgfalt ein, denn jedes Mal, wenn Ihr diese Fähigkeit nutzt, kostet sie Euch einen Teil Eures eigenen Lebens. Nun geht und verabschiedet Euch von Euren Freunden und Verwandten, die Ihr hier zurücklassen müsst. Ich schicke Euch zurück in die reale Welt, wenn Ihr soweit seid, damit Ihr vollenden könnt, was Ihr begonnen habt. Ich sehe, dass Ihr in Eurem Leben noch viel Gutes tun werdet. Und Thedas braucht solche Menschen wie Euch im Moment mehr als alles andere…doch nun geht zu Euren Eltern. Sie warten schon voller Sehnsucht auf Euch.“
 

Modifié par Aliens Crew, 21 février 2012 - 07:32 .


#2405
Bellandyrs

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Leanora wusste beinahe nicht, wie ihr geschah. Die stürmische Umarmung der Freundin erwiderte sie erfreut und drückte sie ebenfalls fest an sich, bevor der Wirbelwind schon wieder etwas plapperte. Gleich darauf verkündete der Arl, dass sie das Schwert behalten dürfe.
„Ich danke Euch sehr, es wird mir sicherlich gute Dienste leisten“, erwiderte sie voller Dankbarkeit. „Es war sehr schön, Euch einmal wieder zu sehen“, fügte sie hinzu und lächelte ihm zu.

Sie freute sich, dass sie die Heiligkeit selber doch noch überzeugen konnte, dass sie noch nicht für das Leben im Nichts geschaffen war. Als diese ihr jedoch das Bild zeigte, wo Vernita über ihrem leblosen Körper war und versuchte, sie ins Leben zurück zu holen, füllten sich ihre Augen mit Tränen. Nie im Leben hätte sie geglaubt, dass die Elfe das tun würde. Sie hätte Vernita eher so eingeschätzt, dass sie Tote einfach liegen ließ, Verluste waren schließlich möglich. Zudem war die Gruppe sicher in höchster Eile; ein Versteck zu suchen oder zu fliehen war vorrangig, dabei war eigentlich keine Zeit, schwer Verwundete zu verarzten oder in ihrem Fall, sie zurück ins Leben zu holen.
Das Bild verschwand vor ihren Augen wieder, dafür spürte sie die Kraft und die Wärme der Heilung durch Andrastes Hand. Als diese geendet hatte, nickte Leanora ihr lächelnd zu.

„Ich weiß gar nicht, wie ich Euch danken soll. Ich werde diese Gabe sicherlich sinnvoll einsetzen und dabei aber Eure Warnung nicht vergessen. Wie ich sehe, drängt die Zeit in Ferelden, was meine Rückkehr betrifft. Deswegen werde ich mich sofort verabschieden, in wenigen Minuten bin ich bereit.“

Zuallererst drückte sie Lucia noch einmal. „Bis irgendwann, meine liebe Freundin. Ich bin froh, dass Du mir nichts nachträgst und Deinen Optimismus behalten hast. Drück mir die Daumen da unten, ja?“ flüsterte sie dem rothaarigen Wirbelwind ins Ohr, um sich dann sofort umzudrehen und sich beim Arl nochmals zu bedanken.

„Es war mir eine Freude, Leanora, und ich muss sagen, Ihr seid eine beeindruckende Frau geworden. Ich wünsche Euch alles Glück“, erwiderte der Arl und verabschiedete sich mit einem galanten Handkuss.

„Schwesterherz!“ rief da Richard dazwischen und lief bereits auf sie zu. „Respekt, Amber, Du bist heute in meiner Achtung einige Stufen nach oben geklettert. Von dem jungen Mädchen ist nicht mehr viel übrig. Und das ist eigentlich ganz gut, wenn Du es auf Thedas doch noch zu etwas bringen willst. Aber daran zweifel ich ohnehin nicht. Mach's gut, Kleines. Wir warten hier auf Dich. Aber lass Dir Zeit mit dem Wiedersehen hier, ja?“ fügte er dann ernster dazu. Auch er nahm seine Schwester in die Arme und klopfte ihr auf den Rücken. „Aber hallo, wirst Du wohl zu weinen aufhören?“ fragte er dann zärtlich nach. „Es gibt keinen Grund, uns geht es gut hier, und Du wirst bald wieder glücklich sein. Schau, auch wenn wir nicht mehr auf Erden sind, gibt es uns trotzdem noch, und das sollte Dir Trost sein.“

Ein zögerliches Lächeln stahl sich auf Leas tränennasses Gesicht. Der Abschied von ihrem Bruder traf sie härter, als sie gedacht hätte. „In Ordnung, Richard, ich will es versuchen. Ich weiß ja nun, dass ihr hier seid und ein Auge auf mich habt. Ich werde euch nicht enttäuschen.“
Lea trat zu ihrer Schwägerin, Janica, und umarmte auch diese herzlich. „Verzeih, wir hatten hier noch keine Zeit gehabt miteinander zu sprechen, aber Du weißt, dass Du in meinem Herzen bist“, entließ sie diese aber auch sofort wieder. Wichtiger war ihr, noch mit ihrem Vater einige Worte wechseln zu können.

Dieser sah sie an, sein ganzer väterlicher Stolz war ihm im Gesicht geschrieben.
„Da ist ja mein Töchterchen. Ich bin stolz auf Dich, aber das habe ich Dir heute schon öfter gesagt. Du hast Dich gut gemausert, bist endlich erwachsen geworden. Und Du wirst auch das Zeug dazu haben, unseren Hof wieder aufzubauen und ihn florierend zu bewirtschaften. Davon bin ich fest überzeugt. Bleib wie Du bist, meine Kleine. Vergiss nie, was wir versucht haben, Dir mit auf Deinen Weg zu geben und dass wir Dich lieben.“

„Oh Vater“, schluchzte Lea auf und kuschelte ihr Gesicht an seine Schulter. Wie gut tat es, die starken Arme des Vaters zu spüren, sich beschützt zu fühlen, fern aller künftigen Probleme. Er streichelte beruhigend über ihren Rücken, und das wirkte, wie früher schon, wahre Wunder. Leanora schniefte noch einmal kurz, wischte sich mit ihrem Ärmel über das Gesicht und lächelte ihren Vater dann an. „Ich hätte Dir viel öfter zuhören sollen, Dich viel öfter bei deinen schriftlichen Tätigkeiten unterstützen sollen. Aber es gibt nichts, was sich nicht lernen ließe, nicht wahr? Ich werde mein Möglichstes tun, Vater, das schwöre ich bei allem, was mir heilig ist.“

Sie seufzte schwer. Leicht war es nicht, ihre Familie wieder zu verlassen. Sie hatte sich bewusst den Abschied von der Mutter bis zuletzt aufgehoben. Dort würde sie die Stärkere sein können, diejenige, die der Mutter Trost spenden konnte, und das brauchte sie nun um so mehr.

Als sie zu Helene trat, biss ihre Mutter bereits auf ihre Unterlippe, um nicht laut aufzuschreien. „Jetzt verliere ich Dich schon wieder, mein Mädchen“ wimmerte sie stattdessen leise.
„Keine Sorge Mutter, es wird mir gut gehen. Das verspreche ich Dir. Und ich werde euch Enkel schenken, wenn die Zeit reif ist – aber das wird wohl noch ein wenig dauern“, meinte sie leicht schelmisch grinsend. „Und schau, Du hast hier Vater und Richard. Und ich habe unten meine Gefährtinnen und meinen Liebsten. Gräme Dich also nicht.“
Leanora küsste ihre Mutter auf die Wangen, winkte noch einmal allen zu und begab sich dann auf dem schnellsten Weg zurück zu Andraste.

Mit jedem Schritt, den sie sich von ihren Geliebten entfernte, spürte sie, wie ihre Verbundenheit mit den irdenen Sorgen und Problemen wieder größer wurde. Sie wusste nicht, wie lange sie im Nichts gewesen war, aber sie wusste ganz sicher, dass sie nicht mehr länger hier verweilen durfte.

Modifié par Bellandyrs, 21 février 2012 - 10:54 .


#2406
Kaysallie

Kaysallie
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Miandra folgte Vernita bis sie schließlich den Hof erreichten. Sie zog ihre Nase ungewollt angewidert nach oben, als der Geruch der vielen Leichen ihr Gesicht erreichte. Dennoch setzte sie ihren Gang fort, und kniete sich mit bedachtem Abstand neben den anderen auf den Boden nieder, ohne ein Wort zu sagen.

Mit ruhigem Blick musterte Miandra die bleiche Adlige und beobachtete Vernita bei ihren Anstrengungen, so als würde sie nicht wirklich verstehen, warum sich diese so abmühte. Die Haut der Frau war blass, die Lippen schienen ausgetrocknet. Auch wenn keine offensichtlichen Verletzungen zu sehen waren, so konnte man den Schleier des Todes, welcher sich über die Frau gelegt hatte, bereits riechen. Die Reise in dieses angebliche Nichts, von dem die Geistlichen in ihren Kirchen immer predigten, schien bereits begonnen zu haben. Es erinnerte sie an jenen Moment zurück, in dem auch sie bereits auf dieser Reise gewesen war. Alles war still geworden, dunkel, jegliche Schmerzen und Sorgen waren verschwunden. Sie selbst hatte es akzeptiert, dass es so gekommen war. Und dennoch war sie noch hier. Einer der Gründe, wieso es ihr schwer fiel Dankbarkeit für diese Rettung zu empfinden, selbst wenn sie dadurch ein weiteres Mal die Möglichkeit hatte ihre Tochter zu suchen. Der Geschmack des Todes war auf ihrer Zunge gelegen, und er überdeckte noch immer manch andere Würze.

Ob es die blonde Frau auch bereits akzeptiert hatte?

Vor dem leblosen Qunari blieb Miandra schließlich stehen und ging in die Hocke. Ihr Dolch steckte noch immer in seinem Unterleib unterhalb der Rüstungskante, was die Suche nach der Waffe vereinfachte. Selbst wenn sie der Zwillingsschwester die beiden Dolche abgenommen hatte, so wäre es wohl eine Schande gewesen, diese ausgezeichnete Waffe einfach hier zurück zu lassen. Kräftig zog sie den Dolch aus dem toten Fleisch heraus, ehe sie das Blut vorsichtig von der Klinge streifte und diese anschließend nachdenklich betrachtete. Das Sonnenlicht spiegelte sich darin, weswegen sie ihre Augen kurz zusammenkneifen musste.

Anschließend stand sie wieder auf und steckte die Waffe dabei seitlich in die Tasche. Ihr Blick glitt zurück in die Richtung, aus welcher sie gerade vorhin mit Vernita gekommen war. Sie hoffte, dass die Wachen zuerst an einem anderen Ort nach ihnen suchen würden. Wobei es ohnehin ein Wunder war, dass noch niemand dieses Schlachtfeld hier entdeckt hatte. Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, dass Vernitas Bemühungen bislang erfolglos geblieben waren. Noch waren sie alleine auf dem Hof, doch dies könnte sich schon bald ändern. Miandra beschloss das Adelshaus im Auge zu behalten, auch wenn sie viel lieber sofort von hier verschwunden wäre. Aber auf ein paar Minuten mehr oder weniger kam es ja auch nicht mehr an…

Modifié par Kaysallie, 22 février 2012 - 01:53 .


#2407
SickOfItAll

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Endlich tauchten Vernita und Miandra wieder auf. Irgendwie kam es ihr wie eine Ewigkeit vor, die sie auf dem Hof gesessen und gewartet hatten.

" Na endlich, wir dachten schon, ihr seid da drin eingeschlafen. Wo art ihr so lang ? " fragte sie, aber eine Antwort bekam sie nicht. Statdessen stürzte sich Vernita ziemlich grob auf Lea und versuchte sie nach eigenen Angaben wiederzubeleben.

" Wir haben getan, was wir konnten. Ich weis nicht, ob sie es überleben wird. " sagte sie zu Vernita gewandt und betrachtete Leas friedliches Gesicht.

#2408
Aliens Crew

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„Wohlan, macht Euch bereit für Eure Rückkehr“, verkündete Andraste mit einem fürsorglichen Lächeln zu Leanora, nachdem diese vor sie getreten war. „Es wird nicht wehtun, doch werdet Ihr wohl für einen Moment verwirrt und orientierungslos sein. Ihr braucht also keine Angst zu haben.“
 
Die Allerheiligste hob ihre rechte Hand und führte diese zu ihrem Mund. Sie hauchte sich selbst einen sanften Kuss auf ihre Handinnenfläche. Danach drehte sie diese, bevor Andraste sie Leanora ganz behutsam auf die Stirn legte.
 
„Kehrt nun in die Welt der Sterblichen zurück, Leanora Bardigiano“, sagte sie dabei mit erhobener Stimme. „Wir werden uns wiedersehen, wenn Eure Zeit gekommen ist. Möge der Erbauer über Euch wachen.“
 
Im selben Augenblick erstrahlte ein helles Licht. Es schien überall um die blondhaarige Frau herum zu sein und leuchtete so stark wie zehn Sonnen. Alle Laute um sie herum verstummten mit einem Mal. Sie schloss die Augen, obwohl sie nicht geblendet wurde. Gleichzeitig umfing sie wohlige Wärme und sie lächelte zufrieden. Sie verspürte eine innere Ruhe wie schon lange nicht mehr. Und dann war alles vorbei.
 
Es wurde kälter, und sie spürte einen seltsamen Druck auf ihrer Brust. Zudem drangen allmählich Geräusche an ihr Ohr, welche nach und nach lauter wurden. Zuerst war es nur ein Keuchen und ein leises Scheppern. Dazwischen vernahm sie die Worte einer kräftigen Stimme: „Atme! Atme, verdammt noch mal!“
 
Schlagartig öffnete Leanora die Augen und sah sogleich Vernitas Gesicht dicht vor sich, welche gerade ihre Lippen auf die ihren pressen wollte. Zumindest sah es für einen Moment so aus. Doch als die Elfe bemerkte, dass die Frau erwacht war, zog sie auch sofort den Kopf zurück.
 
„Im Namen aller Erzdämonen...du lebst!“ brachte Vernita etwas außer Atem hervor. „Ich dachte schon, wir hätten dich verloren! Wie geht es dir? Kannst du aufstehen? Wir müssen zusehen, dass wir von hier verschwinden, bevor noch mehr Wachen hier aufkreuzen.“
 
Die Elfe richtete sich auf und griff sich dabei ihre Handschuhe, welche sie gleich wieder überzog. Dabei fiel ihr Blick auf das Schwert, welches sich in Leanoras rechter Hand befand. Vernita war gar nicht aufgefallen, dass sie diese Waffe schon hatte, als sie sich vorhin auf ihren Brustkorb gesetzt hatte.
 
Auf den ersten Blick sah diese Waffe schon sehr beeindruckend aus. Der Griff war reich verziert und die Klinge schien aus Vulkangold zu bestehen. Ein wirklich königliches Schwert. Nie und immer hatte das einem der Wachen gehört. Wo also konnte diese prachtvolle Waffe nur so plötzlich herkommen? Und warum lag es direkt in Leanoras Hand?
 
„Ein wirklich schönes Schwert hast du da. Wenn wir hier weg sind, musst du mir unbedingt erzählen, wo du das her hast. Doch nun, komm auf die Füße. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, meinte die Elfe noch und hielt Leanora eine Hand hin. Dabei wandte sie den Kopf in Miandras Richtung. „Miandra! Komm her! Leanora ist wieder bei Bewusstsein!“
 
 
 

Modifié par Aliens Crew, 22 février 2012 - 08:43 .


#2409
Kaysallie

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„Das wurde aber auch Zeit…“, murmelte Miandra, als sie mitbekam, dass Leanora offenbar wieder bei Bewusstsein war. Sofort drehte sie sich wieder zur Seite und kehrte zu den anderen zurück. Tatsächlich wollte sie das gerade schon als gut abstempeln, da sie nun endlich von hier verschwinden konnten, noch bevor die Wachen sie entdeckt hatten. Doch als sie schließlich bei der Frau ankam und auf diese aus ihren kühlen blauen Augen herabblickte, verflog ihre kurze Freude darüber auch schon wieder. Die Adlige sah nicht so aus, als wäre sie dazu bereit von hier abzuhauen. Noch immer war sie bleich und lag auf dem Boden. Nur ihre Augen blinzelten, geblendet von der Sonne, und hin und wieder hustete sie stark.

Aber das bekam Miandra nicht mehr wirklich mit, denn auch ihr stach das glänzende Metallstück ins Auge, und ein wenig überrascht kniff sie die Lider zusammen, um die Klinge besser sehen zu können. Sie war sich ziemlich sicher, dass dieses prunkvolle Schwert vorhin noch nicht dagelegen hatte. Wo kam die Waffe nur her? Etwa direkt aus dem Nichts? Bei diesem lächerlichen Gedanken konnte sie sich ein Grinsen kaum verkneifen. Wobei es wohl denkbar war. Dass der Erbauer auf seine adligen Schützlinge Acht gab, das war doch schließlich schon immer so. Wie könnte es auch anders sein?

„Na ja, wenigstens können wir das Ding gegen ein paar Pferde und was zu essen eintauschen. Denn wenn wir nicht bald von hier verschwinden, dann können wir das alles gut gebrauchen“, grummelte sie etwas abwertend, als sie sah, dass die Frau noch immer nicht auf den Beinen stand, dennoch schien sie sich auch ein wenig darüber zu amüsieren.

Modifié par Kaysallie, 23 février 2012 - 04:45 .


#2410
Bellandyrs

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Leanora blinzelte, die Sonne blendete sie, und irgendwie drehte sich alles. Sie wollte etwas sagen, aber allein der Versuch endete in einem Hustenanfall. Sie schnappte nach Luft.

„Wo bin ich?“ fragte sie verwirrt zwischen einer Pause, wo sie kein Hustenreiz plagte.

Vorsichtig rappelte sie sich auf und blickte um sich. Sie sah dabei direkt in die kalten Augen Miandras, und ein fröstelnder Schauer überlief ihren Rücken. Aber dafür kam die Erinnerung langsam wieder in ihr hoch.

„Beim Erbauer“, stöhnte sie. „Und ich dachte, ich hätte geschlafen... aber ich glaube, es ist tatsächlich wahr.“ Der beste Beweis, dass sie wirklich einige Zeit im Nichts verbracht hatte, lag schließlich in ihrer rechten Hand.

Dankbar ergriff sie Vernitas dargebotene Hand und zog sich an ihr hoch. Als sie stand tanzten einige schwarze Punkte um ihre Augen, und sie hielt sich unbewusst an Vernita fest. Lea atmete ein paar mal tief ein, wodurch der Schwindelanfall verschwand.

Diese wenigen Sekunden hatten jedoch gereicht, dass sie sich nun wieder völlig in der Beherrschung hatte, ihr Körper war, soweit sie es beurteilen konnte, unversehrt aus dem Nichts zurück gekehrt, und ihr Geist hatte alle Erinnerungen gespeichert.

„... gegen ein paar Pferde und was zu essen eintauschen..“ hörte sie die Wortfetzen Miandras.

Wütend wandte sie sich an die Dunkelhaarige.
„Das werden wir ganz sicher nicht, diese Klinge hat mir sozusagen das Leben gerettet. Auch wenn Euch das vielleicht nicht interessiert, aber sie stammt vom alten Arl Denerims. Wie ich zu ihr kam kann ich ja im Laufe unserer weiteren gemeinsamen Zeit erzählen, zumindest Vernita zeigt dafür Interesse. Und es ist mir herzlich egal, was Ihr davon haltet. In meinem Rucksack befindet sich noch etwas Geld, welches reichen dürfte, um zu flüchten.“ Ihre Augen hatten sich verdunkelt, so wie immer, wenn sie zornig war.

Sie drehte sich wieder zu Vernita und drückte ihr die Hand, welche sie noch immer hielt.
„Ich danke Euch, Vernita, dass Ihr mich nicht aufgegeben habt. Ich weiß nicht, wie lange ich weg war. Im Nichts hat es sich jedenfalls wie Stunden angefühlt, und ich hätte mich nicht gewundert, wenn Ihr mich einfach liegen gelassen hättet.“ Sie lächelte die Elfe dankbar an. „Ich bitte Euch um Entschuldigung, dass ich Euch so eingeschätzt hatte. Aber nun lasst uns wirklich hier verschwinden, es wird tatsächlich höchste Zeit.“

Ihr Blick wanderte ehrfürchtig über das kunstvolle Schwert in ihrer Hand. Sie hatte im Nichts nicht so sonderlich darauf geachtet, da war sie nur froh, eine Waffe zu haben. In der Klinge spiegelte sich das Sonnenlicht. Wahrlich, ein prachtvolles Stück hatte ihr der Arl vermacht, wofür sie ihm innerlich noch einmal dankte. Sie schloss ihre Augen und dankte voller Inbrunst auch Andraste und all ihren Lieben, die sie im Nichts getroffen hatte. Dann öffnete sie die Augen wieder, straffte die Schultern und verkündete: „Von mir aus kann es losgehen. Ich bin bereit, und wir werden unsere Aufgabe zu Ende bringen. Das schwöre ich bei allem, was mir heilig ist.“

Modifié par Bellandyrs, 26 février 2012 - 08:51 .


#2411
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„Ich gebe niemals auf“, erwiderte Vernita mit einem leichten Lächeln zu Leanora gewandt. „Aber bis vor kurzem hättest du mit deiner Einschätzung über meine Person Recht behalten. Doch haben sich seitdem Dinge ergeben, die mich dazu bewegt haben, über mein bisheriges Verhalten gründlich nachzudenken. Aber dazu später mehr...falls dich das interessiert. Doch nun sollten wir uns auf den Weg machen.“
 
Die Elfe sah an der blondhaarigen Frau herunter und ihr Blick blieb für einen Moment auf deren wohlgeformtem Busen haften, der sich langsam und gleichmäßig hob und senkte. Fast der gesamte Oberkörper der Adeligen lag frei und offenbarte deren helle, zarte Haut. Und diese zeigte nicht die Spur einer Verletzung. Erstaunlich nach diesem Gemetzel hier.
 
Vernita löste sich von dem Anblick und schaute Leanora wieder direkt in die Augen, während ein schelmisches Grinsen auf ihren Lippen lag. „Zuvor solltest du dir aber was überziehen, sonst kommen wir wohl nicht allzu weit. Dir ist es vielleicht noch nicht aufgefallen, aber ich musste deine Kleidung zerreißen, um dir dein Leben zu retten. Und falls du nichts zum Anziehen hast, dann kann ich dir gerne eines meiner Hemden borgen.“
 
Ohne auf eine Antwort zu warten, kramte die Elfe auch schon in ihrer Tasche herum, bis sie ihr einfaches grünes Leinenhemd gefunden hatte, welches sie Leanora in die freie Hand drückte. „Hier, nimm das. Wir kümmern uns in der Zeit darum, die Tür aufzubekommen, durch die wir hierher gekommen sind. Das ist der beste Weg, um von hier zu verschwinden. Und verzeihe mir bitte, dass ich eine deiner Rippen brechen musste, als ich...“
 
Bei ihren Worten fasste sie die Angesprochene noch einmal unterhalb ihres Busens an, musste dort aber feststellen, dass anscheinend alles in Ordnung war. Etwas hastig tastete sie Leanoras Brustkasten ab, während ihr Gesicht einen überraschten Ausdruck annahm. Verwirrt blickte sie die Frau wieder an, konnte aber erst nach einem kurzen Moment des Erstaunens wieder normal reden. „Seltsam, ich hätte darauf gewettet, dass ich mindestens einer deiner Rippen brechen gehört habe, doch nun scheint alles wieder in Ordnung zu sein. So etwas habe ich noch nie erlebt. Irgendetwas muss mit dir geschehen sein, doch haben wir nun leider keine Zeit, darüber zu reden. Also, verschwinden wir von hier.“
 
Vernita grinste Leanora noch einmal etwas unsicher an, bevor sie kurz den Kopf in die Richtung der schwarzhaarigen Frau drehte. „Miandra, hilf mir etwas zu finden, womit wir diese Tür aufbekommen.“
 
Anschließend wandte sie sich Lydia und Sha’ira zu, welche noch immer auf dem Boden saßen. Breitbeinig stellte sich die Elfe vor den beiden hin und stemmte dabei ihre Hände in die Hüften. Dabei musterte sie die beiden aus zusammengekniffenen Augen. „Und was ist mit euch beiden? Seid ihr einsatzbereit? Dann helft uns dabei, etwas zu finden, mit dem wir die Tür aufbrechen können. Wir haben nicht viel Zeit, bevor hier weitere Wachen aufkreuzen. Also, vorwärts!“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 26 février 2012 - 07:53 .


#2412
Kisu

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Sha´ira stand auf und half auch Lydia wieder auf die Beine.

" Bereit genug um noch ein paar Schädel zu sammeln. Aber diehier ", sagte sie und hilt die Kette mit den abgeschlagenen Köpfen in die Luft, " die lass ich hier. Damit die Hunde wissen, was ihnen blüht."

Sie sammelte ihre Waffen auf, befestigte sie wieder auf ihrem Rücken und sah sich um. Wenn wir nicht bald verschwinden, landen wir in Löchern, in die wir nie hineinsehen wollen. Türen aufbrechen ist da wohl das leichteste. Geh mir mal aus dem Weg, das haben wir gleich. "

Sie zog ihren langen Dolch aus der Scheide und schob ihn zwischen die Spalten der Doppeltür. Es klickte und knackte, als würde etwas zerbrechen, aber der Dolch kam ganz zum Vorschein und die Tür lies sich nicht öffnen. Also zog sie eine ihrer Gleven und trat ein Stück zurück.

Es krachte, als die Klinge das Holz um das Schloss zerschlug. Beim nächsten Schlag wackelte die Tür schon bedrohlich, bevor sie rumpelnd aufsprang. Das Schloss war indes sauber herausgeschlagen.

" War doch kein Problem. Jetzt aber Beine in die Hand nehmen und verschwinden. Und noch ein paar Köpfe mitnehmen. Und sei es nur der Mordlust willen."

#2413
Kaysallie

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Schließlich schaffte es die Adlige doch noch auf die Beine, und Miandra beobachtete diese bei jeder ihrer Bewegungen, ohne sich selbst wirklich zu regen, während sie mit verschränkten Armen dastand. Nur ihre Pupillen bewegten sich etwas unruhig. Auch Leanoras kleiner Wutausbruch brachte sie nicht aus ihrer vorgespielten Gelassenheit. Nur ein Grinsen legte sich auf ihr Gesicht, als sie sah, wie sehr sie das arme Blondchen wohl beleidigt hatte, mit einer nur scherzhaften Aussage. Wie wütend sie wohl erst werden würde, wenn sie mal etwas im Ernst zu ihr sagen würde? Es war schwer sich dieses Grinsen zu verkneifen, bei einer solchen Vorstellung. Scheinbar war es das Prinzesschen nicht gewohnt, mal ein wenig auf die Schaufel genommen zu werden.

Kaum hörbar kicherte sie.

„Oh ja, es muss Euch wahrlich egal sein. Entzückend wie Ihr Euch aufregt, aber wenigstens habt Ihr jetzt wieder etwas Farbe ins Gesicht bekommen“, erwiderte sie, noch immer grinsend, doch ihr Blick schien durch die Frau hindurch zu gehen.

Miandra dachte über das nach, was zwischen den wütenden Zeilen aus dem Mund der Frau gekommen war. Sie behauptete also das Nichts betreten und diese Waffe von dort mitgenommen zu haben. Zwiespältig haderte es in ihr. Das Ganze klang so lächerlich in ihren Ohren, und dennoch war ihr Interesse dafür geweckt worden. Aber das hätte sie sich niemals anmerken lassen – zumindest nicht von der Adligen. Heute hatte sie sich vor der Frau schon schwach genug gezeigt. Das reichte für einen Tag.

Etwas hohl klang das Gespräch zwischen Leanora und Vernita in ihren Ohren, während ihr Blick auf der Elfe haften blieb. Sie sah zwar, wie sich deren Mund bewegte, aber die Worte rauschten an ihrem Kopf vorbei. Aber sie brauchte nicht hören, was sie sagte, Miandra wusste es auch so. Sie hatten sich verändert, alle beide. Vor allem Vernita kam ihr inzwischen wie eine vollkommen andere Person vor, als jene, die sie damals kennengelernt hatte. Aber vielleicht lag es nur an dem Unterschied, dass sie inzwischen jedes Wort und jede Tat der Elfe nachvollziehen konnte. Sie hatte sie erst im Laufe der Zeit kennengelernt, so wie es doch eigentlich immer war. Man lernte nie jemanden an nur einem bestimmten Tag kennen. Wenn man jemanden traf, so lernte man nur diese Person einzuschätzen. Man leitete gewisse Dinge von deren Handlungen ab. Und das war’s.

Ihre Pupillen wanderten auf die so vollkommen konträr aussehende Leanora über. Miandra sah jedoch die Äußerlichkeiten nur zu einem bedingten Teil. Eigentlich sah die Frau für sie noch immer so aus, wie am ersten Tag, als sie ihr auf deren Hof begegnet war. Eine hübsche junge Frau, der die Welt, und nun auch das Nichts, zu Füßen lag. Die zuvor nie etwas Schlechtes durchlebt hatte und immer höflich, freundlich, glücklich sowie etwas ängstlich auftrat. Rein gar nichts hatte sich an diesem Eindruck geändert.

Sie und auch die anderen beiden waren Miandras gewöhntes Terrain. Unbekannt, also nichts, um das man sich kümmern, oder wofür man sich interessieren musste. Ja, es war bei ihnen so, wie es immer war. Unberührt und dennoch vertraut.

Ob sie daran etwas ändern sollte?

Miandra vernahm plötzlich ihren Namen, der sie aus diesem gedanklichen Wirrwarr riss. Dabei schreckten jedoch wieder nur ihre Augen auf. Kurz verfolgte ihr Blick noch Vernita, bis diese sich an die beiden Mädchen wandte, bevor sie wieder zu Leanora hinübersah. Sie musterte die Frau noch einmal auffällig von oben bis unten und warf dieser anschließend ein belustigtes Grinsen zu. Als hätte das schon alles gesagt, drehte sie sich einfach wortlos um und schlenderte über den Hof, wobei sie erneut flüchtig die Toten betrachtete.

Nach kurzer Zeit hob sie nachdenklich ein Langschwert hoch, auf dem eingetrocknetes Blut klebte. Aber da fiel ihr Blick schon auf Sha´ira, die an der Tür stand und auf diese mutwillig mit ihren Gleven einschlug. So ließ sie die Waffe mit einem leichten Seufzen wieder auf den Boden fallen und ging kopfschüttelnd in die Richtung der jungen Nevarerin.

#2414
SickOfItAll

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" Na wird auch Zeit, das wir von hier loskommen. Wurzeln schlagen wär hier ungut. " sagte sie und spähte durch die Tür. Drinnen war es duster und man konnte nicht viel sehen.

" Nach euch. Aber macht langsam da drin, ich will sehen, was da drinnen noch mitzunehmen ist. Vielleicht finden wir ja noch was schönes. Haltet die Augen offen. "

Mit diesen Worten trat sie dann doch als erste durch die Tür in die Dunkelheit. Es dauerte kurz, bis sie sich an das Licht gewöhnt hatte, aber dann konnte sie erkennen, das sie offenbar nahe der Rüstkammern waren. Drinnen lagen Waffen, Schilde, Rüstungen und noch mehr.

" Na, da haben wir doch was feines gefunden. Lasst uns mal ein wenig plündern. Soviel Zeit muss sein. "

#2415
Bellandyrs

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Dankbar nahm Leanora das Hemd von Vernita an. Leichte Röte überzog ihre Wangen, als sie darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sie mit nacktem Oberkörper hier stand. Dennoch war sie gedanklich so beschäftigt mit dem was sie in der kurzen Zeit gehört hatte, dass sie nicht einmal zusammen zuckte, als Vernita ihren Brustkasten abtastete.
„Schon in Ordnung“, erwiderte sie statt dessen leicht zerstreut. Ihr Blick wanderte zu Miandra.

Aus ihr wurde sie einfach nicht schlau. So kalt und abweisend wie die dunkelhaarige Frau war, war ihr noch nie ein menschliches Wesen begegnet. Was, im Namen des Erbauers, hatte sie nur verbrochen, dass sie von ihr so von oben herab behandelt wurde? Denn als Scherz hatte Lea das gesagte nicht aufgefasst. Sie wollte schon beinahe zu einer Antwort ansetzen, dass sich Miandras Tonfall nicht danach angehört hatte, als sie merkte, dass ihr diese schon gar nicht mehr ihre Aufmerksamkeit schenkte sondern bereits Richtung aufgebrochener Tür unterwegs war.
Resignierend zuckte sie die Schultern. Sie hatte sich ursprünglich diesem Trupp angeschlossen um heil nach Denerim zu kommen und um ihren Namen rein zu waschen. Aber mittlerweile schien es, als würde auch die Kindesentführung irgendwie mit ihrem Schicksal zusammen hängen. Zudem wollte sie Miandras Tochter finden. Es musste schrecklich sein, sein eigen Fleisch und Blut zu verlieren, nicht zu wissen, was mit dem Kind geschah. Auch das war ein Grund, warum sie mithelfen wollte.

Zu Vernita gewandt sagte sie: „Natürlich würde ich mir gerne anhören, was Euch verändert hat. Wir haben dazu sicher noch genug Zeit.“

Während ihrer Überlegungen hatte sie das Hemd angezogen und ihren Rucksack geholt. Darin befand sich noch immer die blutbesudelte Robe aus dem Kloster, und sie hatte immer noch keine Ahnung, wo sie diese am besten entsorgen konnte. Hier würde sie diese auf keinen Fall lassen, das würde die Spur sofort auf sie lenken.

Leanora folgte den Mädchen durch die Tür und war um das dämmerige Licht heilfroh. Draußen am Hof war ihr die Sonne noch ein wenig zu grell, ihre Augen hatten sich noch nicht wieder richtig an diese Welt gewohnt. Schilde und Waffen interessierten sie nicht sonderlich, aber die Rüstungen weckten ihre Neugierde. Allerdings konnte sie keine Plattenrüstung gebrauchen, sie wollte ein Oberteil aus Leder oder mit feinen Kettengliedern durchsetzt, sowie einen Schwertgurt. Einen solchen fand sie nach kurzem suchen, welchen sie sich sofort um ihre Hüfte band. Erstaunlich, auch die Pfeilwunde war verschwunden, Andraste hatte sie tatsächlich völlig heil zurück geschickt.

Die Suche nach einem Oberteil gestaltete sich etwas schwerer, aber letztlich fand sie doch innerhalb kurzer Zeit eine Art Mieder, welches unterhalb ihres Busens aufhörte und aus gestärktem braunen Rindsleder war. Somit war wenigstens die Taille fürs erste geschützt.

Dann stellte sie sich an die Wand und sah den Mädchen zu, die sich vor Neugierde kaum halten konnten. Sie schmunzelte leicht. Vernita würde den beiden wohl schnell Feuer unter dem Hintern machen.

Modifié par Bellandyrs, 28 février 2012 - 07:02 .


#2416
SickOfItAll

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Die Tür die sich da aufgetan hatte führte wahrlich ins Schlaraffenland. Der Raum war ziemlich groß und bis unter die Decke vollgepackt mit Waffen und Rüstungen. Von Ledernen Armschienen bis zu Plattenbrustpanzern die eines Königs würdig gewesen wären war alles zu finden. Aber sie interessierte sich mehr für die Waffen. Feine Dolche gab es da, und -...

" Das sind gebogene Schwerter. Gebogene. Schwerter ! " sagte sie und hielt einen monströsen Säbel in die Luft. Aber der war zu groß für sie. Sie begnügte sich mit zwei kunstvollen Langdolchen und einem kleinen dicken Messer, das aussah, als wäre es für die fürstliche Jagdgeselschaft gemacht worden.

Aber der wahre Schatz verbarg sich im angrenzenden Raum. Unter einem Gewölbebogen hindurch, dem auf dem Boden ausgelegten Teppich folgend fand sie die richtige Rüstungskammer. Hier befand sich nur schweres Rüstzeug, Plattenpanzer, riesige Schilde, Flügelhelme und vieles mehr. Sie sah sich ein wenig um und entdeckte eine kunstvoll verzierte Dunkle Holzkiste, allen Anschein nach nicht Fereldischen Ursprungs. Die Schnitzereien waren ihr nicht bekannt, vielleicht war es Qunari- oder Zwergenwerk, wobei sie sich mit Zwergen nich unbedingt schlecht auskannte.

Sie war unverschlossen und öffnete sich fast widerstands- und lautlos. Als sie das weiße Tuch darin zurückschlug, stockte ihr der Atem.

" Das ... ist ein Witz ... oder ? Seht euch... das an ! " sprach sie fassungslos und zog die Kiste in die Mitte des Raumes. Darin befand sich eine schwarze Rüstung, verziert mit feinen goldenen und Silbernen Ornamenten. Und sie schien ungewöhnlich leicht, jedenfalls hätte man beim bewegen der Kiste keine solch massive Platenrüstung darin vermutet. Sie zog einen Handschuh daraus hervor und begutachtete ihn. Die goldenen Verzierungen waren sehr dünn und unauffällig, aber äußerst präzise eingeschlagen. Die ganze Rüstung sah aus, als käme sie von weither. Weder die Zwerge ferdigten in diesem Stil, noch die Menschen, die Elfen selbst stellten keine solchen Rüstungen her.

" Was ein Prachtexemplar. Die sollten wir mitnehmen. Ich finde die sieht gut aus. "

#2417
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Auch Vernita betrat den dunklen Raum, doch hatte sie keinen Blick für die Waffen und Rüstungen, welche sich darin befanden. Ihr Blick fiel stattdessen auf die Wände und den Boden, auf der Suche nach Fallen, welche ihnen den Rest geben könnten, wenn sie nicht vorsichtig waren.
 
„Wir haben keine Zeit, uns hier großartig umzusehen“, meinte sie sichtlich genervt. „Jeden Moment kann dieser Hof wieder vor Wachen überlaufen und keiner von uns ist mehr in der Verfassung, sich groß auf einen Kampf einzulassen. Außerdem sollten wir diesen Raum möglichst schnell verlassen, falls dieser ebenso mit Fallen gesichert ist, wie der, durch den wir auf dieses Anwesen vorgedrungen sind. Also, vorwärts!“
 
Schnellen Schrittes durchquerte sie die Rüstungskammer und steuerte dabei die Tür auf dessen anderen Seite zu. Dabei zog sie ihre beiden Schwerter, um im Falle eines plötzlichen Auftauchens einer Wache vorbereitet zu sein. Nachdem sie den Ausgang einige Augenblicke später erreicht hatte, postierte sie sich neben diesen, bevor sie die Tür vorsichtig öffnete.
 
Dahinter verbarg sich ein schmaler Korridor, welcher nach links abzweigte und von einigen Fackeln erhellt wurde. Dieser Gang war nur aus grobem Stein beschaffen und sah nicht sehr einladend aus. Dennoch hatte die Elfe das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, als sie am Ende dieses Flures eine eisenbeschlagene Holztür erspähen konnte. So nickte sie den anderen kurz zu, bevor sie sich selbst in Bewegung setzte.
 
Hastig lief sie durch den Korridor, ihre beiden Schwerter nach wie vor schlagbereit in den Händen haltend. Doch war hier kein Feind auszumachen, so dass sie die Tür schon kurz darauf erreichte. Wieder blieb sie stehen und lauschte am Holz des Durchganges, aber außer unheilvoller Stille konnte sie nichts vernehmen. So trat sie einen Schritt zurück, nahm etwas Schwung, bevor sie die Tür mit einem kräftigen Tritt öffnete. Das Schloss brach aus dem Rahmen, bevor die Tür weit aufschwang und gegen die Wand donnerte.
 
Vernita erblickte eine kleine Kammer, die wie eine Wachstube eingerichtet war. Ein Tisch, zwei Stühle, ein Waffenschrank und ein Wasserfass. An der gegenüberliegenden Wand konnte sie zudem einen schmalen Sehschlitz, sowie daneben einen eisernen Hebel erkennen. Etwas weiter links befand sich zudem so etwas wie ein Durchgang, der aber kaum auszumachen war, da er fast vollständig mit der Wand verschmolz. Nur ein Griff in dem kahlen Stein verriet eindeutig, dass dort so etwas wie ein Geheimgang sein musste. Der Elfe kam dabei ein Gedanke.
 
Sie steckte die Schwerter weg, während sie die Stube durchquerte und dabei den Sehschlitz ansteuerte. Als sie diesen erreicht hatte, bückte sie sich leicht und sah hindurch. Dort konnte sie eine dunkle Kammer erkennen, in die nur von der linken Seite her etwas Licht einfiel, dort wo es durch die aufgebrochene Tür hineinfiel. Dies war offenbar der Weg, den sie gekommen waren.
 
„Wie es aussieht, haben wir einen Weg nach draußen gefunden“, meinte die Elfe zu den anderen gewandt. „Dieser Geheimgang hier neben mir dürfte zu der Treppe führen, die wir emporgestiegen sind, als wir dieses Anwesen betraten. Der Zwilling, welcher uns erwartet hatte, muss hier auf uns gelauert haben, um uns mit den Bolzenfallen unschädlich zu machen. Also kommen wir so auf demselben Weg wieder hier raus, auf dem wir gekommen sind. Lasst uns gehen!“
 
 

#2418
Kisu

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Sha´ira ging neben der Kiste in die Hocke und begutachtete die Rüstung. So etwas hatte sie noch nie gesehen, aber sie hatte schon davon gehört.

" Wo ich herkomme, erzählen sich die Krieger von nahezu unzerstörbaren Rüstungen. Schwarz wie die Nacht sollen sie sein, gemacht aus Ebenerz und Mithral. Lass mich sehen... vielleicht ... "

Mit diesen Worten griff sie sich einen Panzerhandschuh, zog ihren eigenen aus und schlüpfte hinein. Und sieheda, er passte. Erschreckend gut sogar. Sie schloss die Schnallen und Riemen und ballte die Hand zur Faust. Wie für sie gemacht.

Sie sah Lydia ins Gesicht und wusste, das sie beide das selbe dachten.

Keine viertelstunde später trat Sha´ira aus dem Raum zu den Andern. Die Rüstung war wie maßgeschneidert für sie. Es gab ihr ein herrschaftliches, fast schon Feldherrnhaftes Aussehen, so ganz anders als die Kleidung die sie vorher trug. Die war in einem Rucksack verstaut, den sie über der Schulter trug.

Vernita schien es eilig zu haben, aber sie hatten auch allen Grund dazu.

" Lasst uns verschwinden, wir haben was wir brauchen. Lydia hat sich Pfeile und eine Bogensehne mitgenommen, ich habe mir auch ein paar Dinge eingepackt. Aber nun nichts wie weg ! "

#2419
Aliens Crew

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Als sich Vernita von dem Sehschlitz abwandte, fiel ihr Blick auch auf Sha’ira, welche sich ziemlich verändert hatte. Statt wie sonst fast nichts am Leib zu tragen, hatte sie sich nun in eine schwere Plattenrüstung gehüllt, die sie anscheinend in der Rüstungskammer gefunden hatte, auch wenn dies der Elfe zuvor nicht aufgefallen war. Doch dort hatte sie eh nur einen Blick für den schnellsten Weg nach draußen gehabt. Und auch jetzt hatte sie ihre Bedenken, als sie die junge Kriegerin in dieser Tracht sah.
 
„Wo hast du das denn her, Kleine?“ fragte sie und zog die Augenbrauen zusammen. „Bist du an das Tragen einer solchen Rüstung überhaupt gewöhnt? Ich weiß noch, als ich zum ersten Mal eine Plattenrüstung mein Eigen nannte. Nach einem kurzen Marsch in dem Ding, dachte ich, ich müsste unter dem Gewicht zusammenbrechen. Und dabei hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Erfahrung mit Kettenrüstungen gesammelt. Das ist sicher keine Rüstung für jedermann, und ich habe sicher keine Lust, dich nach ein paar Metern Fußmarsch tragen zu müssen.“
 
 

Modifié par Aliens Crew, 01 mars 2012 - 09:02 .


#2420
Kisu

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Sha´ira hob eine Augenbraue. " Machst du Witze ? Dieses Ding ist leicht wie eine Feder und härter als Mithralstahl. Ich bin schlimmeres gewöhnt. Allein das was ich vorher trug ist schwerer als diese Rüstung."

Sie klimperte mit dem Rucksack.

" Aber willst du hier ewig stehen, Kinder kriegen und Wurzeln schlagen ? Aufgehts, ich will etwas essen und mich waschen. Machen wir, das wir verschwinden. "

#2421
Kaysallie

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Miandra folgte den anderen in die Waffenkammer. Dabei ließ sie ihren Blick eher oberflächlich über all die Rüstungen und Waffen gleiten, welche in dem Raum untergebracht waren – nicht so, wie es zwei ihrer Begleiterinnen taten. Nur kurz musterte sie im Vorbeigehen was Lydia und Sha´ira da aus einer Kiste gekramt hatten, doch wirkliches Interesse daran hatte sie nicht. Vielleicht wäre es vor nicht einmal einer Stunde anders gewesen, doch nun, wo sie die Wachen wie ein Geschwür in ihrem Nacken spüren konnte, sie ihre Rüstung – wenn auch blutverschmiert und durchlöchert – wieder an ihrem Leib trug und mit exzellent gearbeiteten Dolchen ausgestattet war, brauchte sie hier keine weitere Zeit vertrödeln. Außerdem kam langsam Ungeduld in ihr hoch, bezüglich der Dokumente, die Vernita vorhin eingesteckt hatte. Normalerweise war sie nicht sehr neugierig, doch allmählich nagte es auch an ihr. Ob darin wirklich nützliche Informationen standen?

Ein wenig gedankenverloren war ihr Blick daher auf der Tasche der Elfe hängen geblieben, als sie dieser gefolgt war, ohne wirklich zu registrieren wohin. Wie praktisch es doch wäre, wenn man einfach durch manche Dinge hindurchsehen könnte.

Mit einem Seufzen hob sie den Blick, als Vernita etwas von einem Weg nach draußen sagte, und sie sah sich müde in der Wachstube um, in welcher sie standen. Aber viel schlimmer war der Gedanke, erneut durch diese pechschwarzen Tunnel laufen zu müssen. Ein Gefühl der Kälte beschlich ihre Haut, als sie kurz durch den Sehschlitz lugte. Es war, abgesehen von den Lauten, welche die anderen von sich gaben, so vollkommen still in dieser Kammer.

Und dennoch glaubte Miandra, wenn sie in diese tiefe Dunkelheit blickte, gequälte Schreie in ihren Ohren hallen zu hören. Und schließlich stockte ihr kurz der Atem, und eine Gänsehaut legte sich auf ihre Haut, als Vernita den Zwilling erwähnte. Das hellhäutige Mädchen, welches sie getötet hatte, formte sich plötzlich nackt und mit Blut besudelt vor ihrem geistigen Auge, und schien sie aus der tiefen Finsternis anzugrinsen und mit funkelnden Augen anzustarren. Aus den vielen Wunden an seinem blassen Körper spritzte Blut, während es seinen Kopf schief legte und ein schrilles, aber gleichzeitig dumpfes Gekicher ertönte.

Miandra schreckte hoch. Schweiß stand ihr an der Stirn und ihre Hände zitterten leicht. Sie sah zu Sha´ira hinüber, die sich gerade mit Vernita unterhielt, über ihre offenbar neue Rüstung, die sie sich aus der Waffenkammer gestohlen hatte. Welch eigenartiger Zufall, dass diese Rüstung dem Mädchen wie angegossen passte. Aber sie hatte weder die Zeit noch den Kopf um sich mit sowas gerade zu beschäftigen.

Zielstrebig ging sie zu einer der Fackeln, die an den Wänden angebracht war, und nahm diese aus deren Halterung. Je früher sie aus diesem Grab herauskam, umso besser. Denn dieser Ort schlug ihr wieder einmal aufs Gemüt. Oder drehte sie langsam tatsächlich durch?

Kurz betrachtete sie das flackernde Licht der Fackel, wie es unruhig vor ihr tanzte und dabei Schatten an die Wand warf, vor welcher sie stand. Etwas essen, sich waschen und ausruhen... Ja, vielleicht würde das helfen.

Miandra durchquerte den Raum wieder, bis sie vor dem Geheimgang ankam, von dem die Elfe gesprochen hatte. Zumindest vermutete sie den Durchgang in der dunklen linken Ecke, wo die Mauer etwas anders aussah. Dank des nun nahen Fackelscheins konnte man den Griff noch eindeutiger erkennen. Mit der rechten und derselben Hand mit welcher sie die Fackel hielt, drückte sie den Griff nach unten, und öffnete so die geheime Tür. Anschließend spähte Miandra in das dunkle Loch vor sich, doch abgesehen von endlos erscheinender Finsternis, war nichts und niemand zu erkennen. Nur ihr eigener Schatten schien sich zu bewegen, aufgrund des unruhigen Flammenscheins in ihrer rechten Hand.

Aber dieser Geheimgang sah ein wenig anders aus, als die Tunnel, die sich tief unter der Erde befanden. Die Wände sowie der Boden waren sogar mit Steinen bepflastert, und insgesamt war er so breit, dass man fast nebeneinander gehen konnte. Dennoch wirkte er kalt und unbenutzt. Vorsichtig, und dennoch mit einem schnellen Schritt, durchquerte Miandra den dunklen Geheimgang, in dem sie sich selbst immer mehr als einzige Lichtquelle fühlte, je weiter sie sich vorwagte und sich von der Wachstube entfernte. Doch es war nicht der Zweifel, dass sich hier auf einem geheimen Weg keine Fallen befinden konnten, sondern der Drang danach von hier so schnell wie möglich verschwinden zu wollen, der sie gerade missachtend vorantrieb.

Recht zügig erreichte sie so das Ende des recht kurzen Gangs, wo sie auch sofort den Hebel fand, mit welchem sich die nächste Türe öffnen ließ. Dieser ließ sich jedoch etwas schwieriger betätigen, und nur mit etwas mehr Kraftaufwand rastete er schließlich ein. Die geheime Schiebetür vor ihr hatte sich währenddessen nach und nach geöffnet, und gab den Weg zu der Kellertreppe nun vollständig frei.
Bereits als sie von oben hinuntersah, konnte sie im Schatten des flackernden Lichtes den Schrank erkennen, welchen Sha´ira dort zerdeppert hatte. Nichts hatte sich verändert. Selbst das Kichern schien noch immer da zu sein…

Miandra schüttelte kurz den Kopf, und bewegte sich weiter. Stufe für Stufe stieg sie die knarrende Treppe langsam hinab und passierte das Hindernis, sowie den Korridor, dessen sandigen Boden sie durch die Sohlen ihrer Stiefel spüren konnte. Wie Mahnmahle steckten auch noch die Speere in der Steinplatte direkt vor der Tür, welche in die Wachstube führte, in die nur die flackernden Lichter an der Wand ein Zeichen von Leben einflößten.

Vorsichtig umrundete sie die Speere, und musterte die Stube nur flüchtig. Auch sonst hatte sich hier nichts weiter getan, abgesehen davon, dass das Wasser des umgekippten Fasses vollständig in den Boden gesickert oder verdunstet war. Vor der noch offenen Geheimtür, die zurück in den dunklen und sandigen Tunnel führte, blieb Miandra schließlich wie automatisch stehen.

Erst jetzt registrierte sie, dass sich ihr Atem ein wenig beschleunigt hatte, während sie ein wenig abwesend in das dunkle Loch vor sich starrte.

„Wohin gehen wir, wenn wir hier raus sind?“ fragte sie die Elfe, als sie diese neben sich vermutete, ohne den Blick zu heben, wobei ihre Worte ziemlich ruhig klangen. Doch die zittrige Fackel in ihrer Hand verriet trotzdem, dass sie gerade alles andere als entspannt war.

Modifié par Kaysallie, 02 mars 2012 - 11:22 .


#2422
Bellandyrs

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Auch Leanora war Vernita in die Wachstube gefolgt und zog eine Augenbraue hoch, als sie Sha 'ira in der Rüstung sah. Wenn die in der Kammer gelegen hatte... für wen war diese wohl gefertigt worden? Wer war so zierlich, dass diese getragen werden konnte, außer ein junges Mädchen oder ein Knabe, der noch lange Zeit brauchte, bis er sich einen Mann nennen durfte?
Nun, es durfte Lea nicht interessieren. Schließlich war auch sie unter die Diebe gegangen. Und verfolgt würden sie ohnehin werden, ob sie nun noch eine Rüstung mehr oder weniger auf dem Gewissen hatten, war in diesem Fall sicherlich egal.

Dieses mal hatte sie mehr Sicherheit, als sie die geheimen Gänge durchquerten und auch das mulmige Gefühl war weg, welches sie beim Hermarsch vor einigen Stunden hatte. Jetzt hatte sie eher Angst davor, was sie draussen erwarten würde. Wohin sollten sie flüchten? Wo würden sie die Zeit haben, weitere Planungen zu machen, wo und vor allem wie man Miandras Tochter finden würde?
Sie dachte an den Knaben zurück, den sie bei Vernitas Jugendfreund lassen mussten. Sie hatte ihm versprochen, ihn wieder abzuholen, und ihr Herz und ihr Verstand kämpften verbissen gegeneinander. Innerlich wusste sie, dass das Kind bei dem Elfen wohl besser aufgehoben war. Andererseits wollte sie ein gegebenes Versprechen nicht brechen, schon gar nicht einem Kind gegenüber, welches die Hölle durchlebt hatte.

Es blieb nicht aus, dass sie bei diesen Gedanken an Sengaal denken musste. War er mittlerweile aus der Hölle der Lähmung erlöst? Hatte sich Gromschlag befreien können? Würde Sengaal es schaffen, die Wahrheit ans Licht zu bringen, oder würde auch er für seine Liebe leiden müssen? Für das, dass er hinter ihr stand? Sie schüttelte kaum merklich den Kopf. War sie denn dazu verflucht, dass sie alle, an denen ihr etwas lag, ins Verderben zog? Aber nein, das konnte nicht sein, sonst hätte sie Andraste nicht zurück geschickt. Und zumindest in Leanoras Ohren hatte sich ihr letzter Satz nicht danach angehört, als würden sie sich so schnell wieder sehen. Eigentlich rechnete Lea damit, doch noch ein langes und erfülltes Leben geniesen zu dürfen, wenn sie dieses Abenteuer hier erst einmal unbeschadet überstanden hatte.

"Das ist eine gute Frage, Miandra", erwiderte sie. "Ich muss gerade auch an den Knaben denken, dem ich versprochen habe, ihn wieder abzuholen. Vernita, können wir ihn denn einfach so bei Eurem Bekannten lassen? Ich bin mir noch nicht sicher, ob sein Weib das Kind liebevoll behandeln wird. Und es sah auch nicht gerade danach aus, als würde das Geld reichen, noch ein Mündchen zu stopfen." Sie seufzte leise. "Aber ich weiß auch, dass wir ihn erstmal nicht auf dieser Reise mitnehmen können."

Sie wischte sich mit dem Hemdsärmel über die Stirn. Durst machte sich bemerkbar, und ihr Magen knurrte hörbar.

#2423
Aliens Crew

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„Wenn du das sagst...auch wenn ich mir das nur schwerlich vorstellen kann“, meinte Vernita recht skeptisch auf Sha’iras Kommentar hin, bevor sie selbst abwinkte. „Aber das ist nun auch egal. Gehen wir!“
 
Die Elfe wandte sich um und folgte Miandra, welche bereits den Geheimgang geöffnet hatte und hindurchgeschritten war. Sie beeilte sich, um die Frau einzuholen, welche sich recht zügig bewegte. Der Weg führte sie zur Treppe in den Keller und somit zurück in die Wachstube, durch welche sie dieses Anwesen betreten hatten. So hatte sich Vernita das vorgestellt. In der Wachstube selbst kam Miandra schließlich zum Stehen und gab so den anderen die Gelegenheit, zu ihr aufzuschließen.
 
„Dem Jungen wird es sicher gut gehen, Leanora. Besser zumindest als wenn er mit uns käme oder wir ihn nun besuchen und damit die ganze Stadtwache auf ihn aufmerksam machen würden. Mit anderen Worten, ich habe nicht vor, ihn im Moment aufzusuchen. Wir haben eh Wichtigeres zu tun.“, bemerkte die Elfe auf die Frage der blondhaarigen Frau hin, während sie zu dem Waffenstand hinüberging und diesen durchsuchte. Neben einigen Schwertern und Streitkolben fand sie dort auch einen relativ gut gefertigten Dolch, welcher ein Grinsen auf ihr Gesicht zauberte.
 
„Ich habe in der Stube des Arls einige Dokumente gefunden, die wir uns unbedingt ansehen sollten, doch dazu brauchen wir ein ruhiges Plätzchen. Und mir schwebt da schon etwas vor, auch wenn wir uns dort maximal nur für ein paar Stunden aufhalten können, aber mehr werden wir auch nicht brauchen“, meinte Vernita noch, während sie mit dem Dolch in der Hand zu Miandra trat, welche immer noch vor dem Geheimgang stand und in die Dunkelheit hineinstarrte, was der Elfe ein besorgtes Gesicht machen ließ.
 
„Geht es dir gut?“ fragte sie die Frau deshalb, als sie hinter dieser zum Stillstand kam, wobei sie Miandra eine Hand auf die Schulter legte.
 
 
 

#2424
SickOfItAll

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Es wurde Zeit, das sie verschwanden. Zu lange waren sie schon hier unterwegs, langsam wurde selbst ihr das Pflaster zu heiß. Aber wieder und wieder hielten sie an, warteten.

Sie trat zu Vernita und tippte dieser auf die Schulter.
" Wenn wir jetzt nicht die Beine in die Hand nehmen und verschwinden, dann jönnen wir uns auf einen unschönen Tod einstellen. Nur, wo wollen wir hin ? Zur Taverne ? Sonst gibt es keinen sicheren Ort. Wir könnten im Hafen nach einem Schiff suchen. Damit wären wir dann im Notfall schnell von hier verschwunden. Aber lass uns das woanders klären und beweg eindlich deinen Hintern, sonst haben wir ein echtes Problem !"

#2425
Kaysallie

Kaysallie
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Auch Miandra hatte bereits an den Jungen gedacht, als sie Vernita die Frage gestellt hatte. Ihr persönlich wäre es lieber gewesen, wenn sie nicht noch einmal in dieses Gesindeviertel gehen würden. Aber sie wusste auch, dass das Kind dort vollkommen fehl am Platz war. Ob der kleine Junge jemals wieder zu seiner richtigen Familie zurückkehren würde? Ob seine Eltern überhaupt noch am Leben waren? Ob sie ihn überhaupt vermissten? Und was würde aus dem Kleinen wohl mal werden, wenn er zu einem richtigen Mann herangewachsen war? So klein, und schon so viel Leid erfahren…

„Es geht mir nie gut, und schon gar nicht an Orten wie diesen hier“, erwiderte sie auf Vernitas Frage in einem melancholischen Tonfall. Erst nach diesen Worten drehte sie sich zu der Elfe um. Ihr Blick streifte den Dolch, welchen diese in der Hand hielt, und sie fragte sich, was das zu bedeuten hatte. Aber sie behielt die Frage für sich. Früher oder später würde sie die Antwort darauf schon bekommen. Und wie Lydia gerade einwarf, hatte auch sie gerade weitaus andere Sorgen.

Ein ruhiges Plätzchen für ein paar Stunden… Eine schöne Antwort auf ihre Frage.

„Ich würde gerne weitergehen“, fügte sie hinzu, wobei der leicht flehende Blick, mit welchem sie die Elfe ansah, den Satz vervollständigte.