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Die freie Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


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#2426
Aliens Crew

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„Ich verstehe schon“, meinte Vernita mit einem zaghaften Lächeln, während sie die Hand hob, um damit Miandras Wange zu streicheln. Als ihr jedoch auffiel, dass sie noch ihre Panzerhandschuhe trug, ließ sie den Arm wieder sinken. Stattdessen trat sie einen Schritt auf die Frau zu und gab dieser einen flüchtigen, wenn auch sanften Kuss.
 
„Und du hast Recht“, sagte sie, nachdem sie sich wieder von ihr gelöst hatte. „Verschwinden wir von hier! Geht voran, ich habe noch etwas zu erledigen. Wir treffen uns oben in dem alten Laden.“
 
Bei ihren Worten warf sie Miandra einen entschlossenen Blick zu, der jeden Widerspruch beziehungsweise Frage im Keim ersticken ließ. Daher nickte sie der Elfe nur schweigend zu, bevor sie sich umdrehte und in den Tunnel ging, durch welchen sie gekommen waren. Leanora, Lydia und Sha’ira folgten ihr umgehend.
 
Nachdem die vier den Geheimgang betreten hatten, griff sich Vernita eine der Fackeln und schloss sich ihnen an, blieb aber dicht hinter dem Eingang schon wieder stehen. Sie drehte sich um und ging in die Hocke, wo sie nach dem Hebel suchte, mit welchem sie die schwere Steintür wieder schließen konnte. Als sie diesen gefunden hatte, legte sie ihn auch gleich um, wodurch sich der Durchgang langsam wieder schloss.
 
Gedankenverloren blickte die Elfe in die Wachstube hinein, wobei das Gesicht des Arls vor ihrem geistigen Auge erschien. Es sah so aus, als würde er sie angrinsen, doch schüttelte sie diese Vorstellung gleich wieder ab. Sie hatte gewonnen, er hatte verloren. Und dank Miandra hatte er es auch nicht geschafft, dass sie so wurde, wie er selbst es gewesen war. Auch wenn nicht viel dazu gefehlt hatte. Aber das würde sich bald alles ändern. Sobald sie Elana befreit hatten, würde sie ihr Leben als Auftragsmörderin und Schurkin aufgeben und mit den beiden irgendwo in Frieden leben…zumindest wünschte sie sich in diesem Moment nichts sehnlicher als das. Nur der Gedanke an Eshtá und ihre Vision, welche sie diesbezüglich im Nichts gehabt hatte, machten ihr noch Sorgen. Sie mussten diese Frau finden und unschädlich machen. Erst dann würde es für sie ein normales Leben geben können.
 
Die Tür rastete mit einem Poltern ein und riss Vernita aus ihren Gedanken. Sie war fast augenblicklich wieder klar und beleuchtete mit ihrer Fackel den Öffnungsmechanismus. Mit einem Grinsen sah sie das Loch in der Wand, wo der Hebel sich hoch und runter bewegte, wenn die Tür geöffnet beziehungsweise geschlossen wurde. Mit einem kräftigen Stoß rammte sie den Dolch in ihrer rechten Hand in den Öffnungsmechanismus und trieb dessen Klinge tief in diesen hinein. Sie hörte es knirschen und kratzen, bis die Waffe schließlich feststeckte, sie bewegte sich weder vor noch zurück. Mit einem größeren Kraftaufwand bog sie den Griff des Dolches zur Seite, bis er schließlich mit einem lauten „Pling“ abbrach. Zufrieden grinsend ließ sie das Heft der Waffe fallen.
 
‚Nun wird uns keiner mehr so leicht folgen können‘, dachte die Elfe, bevor sie aufstand und sich daran machte, die anderen einzuholen. Sie eilte durch den Tunnel, bis sie schließlich die zweite Wachstube erreichte, wo die anderen bereits auf sie warteten und sie fragend anblickten.
 
„Ich habe nur dafür gesorgt, dass uns niemand folgt“, meinte sie nur knapp. „Und nun bringe ich euch dorthin, wo ich aufgewachsen bin. Das Haus dürfte leer stehen, da niemand jemals auch nur im Traum daran dachte, dort einzuziehen…da meine Eltern mehr als nur unbeliebt bei meinen Leuten waren und das Haus selbst in der ärmsten Gegend des Gesindeviertels steht. Und der einzige unserer Feinde, der wusste, wo das ist, liegt tot in seiner Stube und blutet vor sich hin.“
 
Sie bemerkte die skeptischen Blicke der anderen. „Auf Dauer können wir dort nicht bleiben, doch für den Moment dürfte es dort sicher sein. Zumindest, bis wir wissen, wie es weitergehen soll. Kommt mit.“
 
Vernita übernahm wieder die Führung und machte sich auf den Weg nach draußen. Die Sonne neigte sich dort auch schon langsam zum Abend hin. In ein paar Stunden würde es dunkel sein. Das kam ihnen sehr zugute.
 
Die Elfe schlug einen neuen Weg ein und führte die Gruppe über verschlungene Seitengassen durch die Stadt. Trotzdem dauerte es nicht allzu lang, bis sie das Gesindeviertel erreicht hatten und zwar einen Bereich davon, welcher noch armseliger wirkte als der, in dem Fineon sein Heim hatte. Viele der Gebäude waren eingestürzt oder abgebrannt und fast alle der anderen Häuser waren verlassen. Während der Verderbnis waren viele Elfen ums Leben gekommen. Die übrigen waren in die nun freien Häuser in den „besseren“ Vierteln umgezogen. Die wenigen, die geblieben waren, lebten ein Leben am Rande des Todes.
 
Die Gruppe erreichte ein kleines, teilweise eingestürztes Gebäude, dessen Fenster vernagelt waren. Die Tür hing quietschend in den Angeln und ebenso wie die Nachbarhäuser war es verlassen. Langsam trat Vernita näher heran und öffnete ganz sachte den Eingang. Die Einrichtung war noch genau dieselbe wie sie es aus ihrer Kindheit kannte. Ein einfacher Tisch, ein paar Schemel, eine Feuerstelle und zwei Schränke an den Wänden. Über all dem lag eine dicke Staubschicht, und es gab an jeder Ecke lange Spinnenweben. Die Elfe blieb stocksteif im Eingang des Hauses stehen, als eine Flut von Erinnerungen aus ihrer Jugend über sie hereinbrach wie ein Orkan. Einen Augenblick glaubte sie, ihr Atem würde aussetzen. Sie hätte nie gedacht, dass diese alte Ruine eine solche Wirkung auf sie haben würde.
 
„Vielleicht hätten wir doch nicht hierher kommen sollen…“, murmelte sie mit gedämpfter Stimme.
 
 

Modifié par Aliens Crew, 05 mars 2012 - 09:26 .


#2427
Kisu

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Es dauerte eine Weile, bis sie die Festung verlassen hatetn, aber wie es aussah, hatte sie niemand bemerkt. Doch dann ging es von den "besseren" ( Besser hieß in den Augen einer Nevaranerin nicht unbedingt gut) Vierteln wieder in die Elfenstadtteile.
Wenn Dennerim schon keine wirklisch schöne Stadt war, die Gesindeviertel waren der Vorhof zur Hölle. Das, was nach dem großen Feuer übrig geblieben war, war nicht mehr als morsches Holz, Staub und Generationen von Leid, Blut und Angst.

" Dashier ist also deine Kindheit Vernita ? " Sprach Sha´ira zu der mürrischen Elfe. " Wie kann man so etwas freiwillig ertragen ? Soetwas habt ihr nicht verdient. "

Das Haus war so einfach eingerichtet, das eine nevarranische Bauernkate schon ein wahres Prachtschloss gegen diese Hütte darstellte. Hier schienen kaum Wachleute vorbeizukommen, nichts neues von draußen herein und das Elend drinnen zu bleiben. Sie setzte sich auf einen Schemel und blickte in die Runde und schüttelte den Kopf.

" Ich ... werde es nicht verstehen. Aber nun lasst uns sehen, was ihr beide da drinnen gefunden habt ! "

#2428
Kaysallie

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Miandra konnte es kaum glauben. Erst nach ein paar Schritten, die sie durch die dunklen und sandigen Tunnel gegangen war, realisierte sie es wirklich. Gerade eben hatte sie sich nichts sehnlicher gewünscht, als nicht ohne Vernita vor sich sehen zu können, durch diesen engen Gang zu marschieren. Aber nun sah sie wieder nichts vor sich, außer endloser Dunkelheit. Kurz stockte sie in der Bewegung, als ihr das auffiel, aber das bekamen die anderen hinter ihr bestimmt nicht mit. Und selbst wenn… sie würden es ohnehin nicht verstehen. Ihnen machte die Finsternis nur aus dem einen Grund Angst, dass sie nichts sehen konnten, nicht wussten was vor ihnen lag und sie von der Kälte erfasst wurden, die sie an den Tod erinnerte. Oder sahen auch sie Bilder vor sich, wenn sie sich blind durch sie tasteten, erinnert an Geschehnisse, die ebenso düster waren, wie diese Umgebung? Miandra bezweifelte es.

Jeder weitere Schritt, den sie jedoch durch die engen schwarzen Tunnel wagte, fühlte sich leichter an, als der vorherige. Nur sehr langsam, dennoch ansteigend, gewöhnte sie sich an das immer gleich bleibende schwarze Bild vor sich, sowie an die dumpfen Geräusche der einzelnen Schritte ihrer selbst und der anderen hinter sich, die sich immer im selben Takt in ihren Ohren abspielten, wie eine beruhigende Musik, wodurch ihre Gedanken abschweiften.

Schneller als Miandra es daher erwartete hatte, erreichten sie die Wachstube auf der anderen Seite, und nur wenige Zeit später schloss auch Vernita wieder zu ihnen auf und verkündete ihre Neuigkeiten und weiteren Pläne.

Als diese schließlich erwähnte, wo sich ihr nächstes Versteck befinden würde, weiteten sich Miandras Augen vor Überraschung. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Im ersten Moment verschlug es ihr die Sprache, wodurch sie auch gar nicht in der Lage war, dem Vorschlag zu widersprechen.

Etwas automatisch und abwesend steckte sie daher auch die Fackel zurück in eine der Halterungen, und folgte den anderen nach draußen. Ein für Miandra sehr seltenes Gefühl, machte sich nach und nach in ihr breit, als sie nach einigen Abzweigungen schließlich durch den wohl ärmsten und abgelegensten Teil des Gesindeviertels streiften. Es war eine Art von Aufregung, die sie nicht wirklich definieren konnte.

Und schließlich waren sie da, an einem Ort, der der Vergangenheit angehörte. Trotzdem kam es Miandra so vor, als wäre hier alles unverändert und mitten im Geschehen stehen geblieben. Nur die Spuren der letzten Jahre überdeckten dieses Bild. Aber Miandra konnte es deutlich sehen. Oder lag es nur daran, dass sie genau wusste, wie die Geschichte der ehemaligen Bewohner dieses kleinen Hauses geendet hatte? Woran es auch lag, es fühlte sich zumindest wie der Grund dafür an, dass sie sich eigenartigerweise … wohl fühlte?

Vernitas gedämpfte Aussage ließ sie zur Seite blicken und deren Gesichtsausdruck erkennen. Sie wusste, was die Elfe meinte. Manche Staubschichten sollte man besser liegen lassen, anstatt sie aufzuwühlen, so dass sie einem die Sicht vernebelten.

„Jetzt sind wir aber schon hier, also lasst uns das Beste daraus machen“, sagte sie in die Runde, nachdem Sha´ira ihren Kommentar dazu abgegeben hatte. Kurz darauf trat sie knapp neben Vernita heran. „Ich finde es schön hier sein zu dürfen“, flüsterte sie der Elfe leise ins Ohr. Ohne den Satz weiter zu begründen, wandte sie sich wieder um, und schloss die quietschende Türe hinter ihnen, als auch Lydia und Leanora an ihr vorbeigegangen und die kleine Bruchbude betreten hatten.

Die Abendsonne erhellte den Raum nur sehr schwach durch einige eingebrochene Stellen an der Decke, sowie durch ein paar Schlitze zwischen den Brettern, welche die Fenster verriegeln sollten. Wenn sie sich die Dokumente also ansehen wollten, ohne ein Feuer machen zu müssen, sollten sie dies wohl sofort tun. Ein weiterer Blick zu Vernita, ließ Miandra jedoch gerade ein wenig daran zweifeln, dass sich diese hier auch nur einen Millimeter bewegen würde. Stocksteif wie eine Statue stand sie da, und starrte in den staubgefluteten Raum hinein. Daher griff Miandra nach der Hand der Elfe, und zog diese mit sich – was diese in Miandras Augen fast schon zu einfach mit sich geschehen ließ – bis hinüber zu dem verstaubten Tisch. Dort angekommen ließ sie Vernita wieder los, befreite sich mit einem erleichterten Seufzen von der schweren Tasche – dank der ihr nun auch ihre gesunde Schulter ziemlich weh tat – und stellte diese vorsichtig auf den Boden neben einer der Schemel ab.

Kurz überflog ihr Blick noch einmal den Raum, ehe sie sich ebenfalls hinsetzte, wobei ihr der erwartungsvolle Blick von Sha´ira, die am anderen Ende des Tisches saß, nicht entging. Eigenartigerweise fühlte Miandra gerade nichts dergleichen und sie konnte sich absolut nicht erklären, wieso. Müsste sie Vernita die Tasche, in der die Zettel verstaut waren, nicht sofort aus den Händen reißen, um zu erfahren, was darauf geschrieben stand? War sie gerade eben eine schlechte Mutter, weil sie das nicht tat? Aber wahrscheinlich war es wieder einmal nur der Pessimismus, der ihre Neugierde begrub.

Ein weiteres, jedoch bedrücktes Seufzen entrann ihrer Kehle, wodurch etwas Staub, der auf dem Tisch lag, aufgewirbelt wurde und sie kurz darauf in der Nase kitzelte. Dabei sah sie unsicher zu Vernita hinüber. Sie hoffte, dass der kurze Anstoß gereicht hatte, um sie aus ihren Erinnerungen zu reißen…

Modifié par Kaysallie, 07 mars 2012 - 11:38 .


#2429
Bellandyrs

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Leanora musste sich zusammen reißen um sich ihr Entsetzen über dieses Elendsviertel nicht all zu sehr anmerken zu lassen. Dennoch war sie schockiert. Gab es wirklich Menschen, die hier freiwillig wohnten? Innerlich verbesserte sie sich jedoch sofort: es hausten hier keine Menschen, sondern Elfen, aber nachdem sie noch nie einen Unterschied zwischen den einzelnen Rassen der Bevölkerung gemacht hatte, waren es für sie trotzdem Menschen. Selbst ihr Hund wäre hier wohl mit gerümpfter Nase herumgestrolcht.

Als sie Vernitas Elternhaus betraten konnte sie ihre Erschütterung dennoch nicht mehr verbergen. Sie klappte den Mund auf um etwas zu sagen, atmete die aufgewirbelte Staubwolke Miandras ein und wurde somit verschont, etwas zu formulieren, wo ihr ohnehin die Worte fehlten. Dafür nieste sie ein paar mal hintereinander und warf einen entschuldigenden Blick auf ihre Gefährtinnen.

Sie setzte sich auf den zweiten Schemel und ließ ihren Blick im Raum herum schweifen. Hier war Vernita also groß geworden, hatte ihre Kindheit verbracht und war den Anfeindungen ihres eigenen Volkes ausgesetzt gewesen. Sie schämte sich beinahe dafür, dass sie hingegen ein so gutes Elternhaus gehabt hatte. Wäre sie auch so hart geworden wie die Elfe, hätte sie ein ähnliches Schicksal erfahren? Oder wäre sie an der Last zerbrochen? Leanora war sich beinahe sicher, dass sie weder den Mut noch die Kraft gehabt hätte, dieses Leben zu meistern.

„Es tut mir leid“, sagte sie leise. Wobei sie nicht genau wusste, was ihr eigentlich leid tat: dass Vernita so aufwachsen musste, dass es Leute gab, die hier ihr Dasein fristen mussten, oder einfach, dass sie das alles nicht ändern konnte. Dabei fielen ihr die Worte des alten Arls ein, als er Tjark zurecht wies. Seine Schuld war dies nicht, soviel war sicher. Er hatte versucht, bessere Verhältnisse für die Armen zu schaffen und hatte auch keinen Unterschied zwischen den Rassen gemacht.
Ihr Herz zog sich vor Mitleid und Schmerz zusammen. Am liebsten hätte sie geholfen, aber sie wusste nicht, wie sie das bewerkstelligen sollte. Zudem hatte sie durch Fineon erfahren, dass die Elfen ein stolzes Volk waren, die einen Laib Brot eher als Beleidigung empfanden denn als Hilfe.

„Dann lasst uns die Dokumente ansehen, ich hoffe, wir finden einen Hinweis auf Eure Tochter, Miandra. Und somit auch die nächste Etappe unserer Reise.“

Modifié par Bellandyrs, 09 mars 2012 - 03:45 .


#2430
Aliens Crew

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Vernita bekam nur am Rande mit, dass Miandra ihr etwas ins Ohr flüsterte. Sie war mit ihren Gedanken ganz weit weg. So ließ sie sich auch widerstandlos zu dem Tisch führen und sich die Tasche abnehmen. Ganz automatisch setzte sie sich auf den Schemel, während sie mit abwesendem Blick auf die Tischplatte starrte. Ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig, wobei sie sich nach wie vor nicht regte.
 
Erst als die schwarzhaarige Frau einen Seufzer ausstieß und damit den Staub auf der Tischplatte aufwirbelte, der für einen Moment vor den Augen der Elfe durch die Luft tanzte, wurde sie aus ihrer Lethargie herausgerissen. Die Elfe blinzelte zweimal, bevor sie etwas verwirrt den Kopf hob und die anderen ansah, welche um sie herum an diesem Tisch saßen.
 
„Was ist…oh, ja. Sicher. Entschuldigt. Ich war…gedanklich woanders“, meinte sie etwas verlegen und mit einem erzwungenen Lächeln. Vernita schüttelte kurz den Kopf, bevor sie sich ihre Tasche griff und diese auf den Tisch stellte. Dabei wirbelte der Staub in einer großen Wolke empor, um dann ganz sachte wieder zu Boden zu rieseln. „Dann wollen wir doch einmal sehen, was wir hier haben.“
 
Die Elfe zog an Papieren und Dokumenten heraus, was sie finden konnte und breitete alles vor sich aus. Es war eine ganze Menge, und so hoffte sie, auch etwas Brauchbares darunter zu finden. Andernfalls wäre alles umsonst gewesen. So stellte sie ihre Tasche zurück auf den Boden, zog ihre Handschuhe aus und griff sich das erste Dokument.
 
Es handelte sich dabei lediglich um einen Bericht, in dem stand, wie der Fluchttunnel des alten Arls zu einem Gefängnis samt Folterkammer ausgeweitet worden war. Nichts Neues also. Enttäuscht knüllte Vernita das Papier zusammen und warf es auf den Boden. Das nächste Schreiben war da schon wesentlich interessanter. Und so fasste sie dessen Inhalt für die anderen zusammen.
 
„Hört euch das an!“ verkündete sie laut. „Dies ist eine Nachricht von Eshtá, die sie an den Arl geschickt hat. Hier steht, dass ein gewisser „Er“ sehr unzufrieden mit den Fortschritten der beiden sei und dass er Nachschub für seine Experimente benötigt. Als Demonstration seiner Enttäuschung hat er wohl einen von Eshtás Soldaten vor deren Augen in Flammen aufgehen lassen. Und es sieht so aus, als hätte sie eine Riesenangst vor diesem „Er“. Ich frage mich, wer oder was das sein könnte. Offenbar jemand oder etwas, was wir noch nicht kennen.“
 

Modifié par Aliens Crew, 09 mars 2012 - 06:24 .


#2431
Kaysallie

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Miandra warf Leanora nur einen nichtssagenden Blick zu, als diese sie bezüglich ihrer Tochter ansprach. Die Frau hoffte für etwas, das sie nicht kannte und für jemanden, der sie missachtete. Miandra wusste nicht, ob sie das verstehen konnte. War es nicht gerade das Positive daran, jemanden nicht zu kennen? Dass man sich um diesen jemanden nicht sorgen musste, und nicht mit der Angst leben musste, dass diesem jemand etwas Schlimmes widerfahren könnte? Dass es einem einfach egal sein konnte? Die junge Frau kannte sie nicht. Sie wusste rein gar nichts über sie, und dennoch saß sie hier, und zerbrach sich den Kopf über dieses Thema. Oder spielte sie das brave Adelsmädchen auch nur? Miandra schüttelte gedanklich den Kopf. Das bezweifelte sie nun doch sehr. Aber es gab gerade eben sowieso Wichtigeres, über das es sich zum Nachdenken lohnte.

„Ein weiterer Maleficar, so wie dieser irre Bruder…?“ dachte Miandra laut, als Vernita zusammenfasste, was in dem Schreiben stand und dadurch den kurzen, leicht drückenden Moment, in dem man nur hören konnte, wie verschiedene Papiere aneinander streiften, wieder unterbrach. Ihr Blick wechselte nachdenklich, nach ihren eher gemurmelten Worten, auf die vielen Dokumente, die nun auf dem Tisch ausgebreitet lagen.

„Das hilft uns gerade eben aber nicht wirklich weiter“, seufzte sie und lehnte sich zurück an die leicht im Schatten liegende Wand, vor welcher sie saß, wobei sie etwas nervös mit den Fingern auf die Tischplatte tippte.

#2432
Bellandyrs

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„Und ich dachte, dass der Arl der Bösewicht war, schließlich hatten er und Eshtá zusammen den alten Arl ausgeschaltet“, seufzte Leanora auf. „Das hört sich jedoch nach einem weiterem Geisteskranken an, noch dazu einem Magie-Begabten. Castillá kann es nicht gewesen sein, er sagte uns ja selber, dass er nur wenige Kinder gebraucht hatte.“ Sie verschluckte sich beinahe an dem Satz. Kinder zu brauchen für das, was der Kirchenvorsteher getan hatte, verursachte ihr nicht nur Gänsehaut sondern entsetzliches Grauen. Was ging in solchen Leuten nur vor? War es rein der Wunsch nach Macht? Waren diese Subjekte – ein anderes Wort wollte Lea gerade nicht dafür einfallen – überhaupt noch in der Lage, Gefühle zu zeigen? Wieder überzog eine Gänsehaut ihren gesamten Körper.

„Ich glaube, wir sollten Eshtá finden. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Weib uns ein paar Antworten liefern kann. Aber lasst uns die restlichen Dokumente durchsehen, vielleicht finden wir ja noch einen Hinweis.“

#2433
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„Irgendwie glaube ich das nicht“, erwiderte Vernita grübelnd auf Miandras und Leanoras Einwurf hin. „Wäre dieser „Er“ bloß ein weiterer Maleficar, dann wäre es ihm sicher egal, wen er da auf seinem Opferaltar für seine Blutmagie hinrichtet. Nein, es muss eine andere Erklärung dafür geben, warum es diese Bande ausschließlich auf Kinder abgesehen hat. Dann schauen wir mal weiter. Vielleicht finden wir dann die Antwort.“
 
Die Elfe griff sich den nächsten Bericht. Dort ging es um einige Operationen in und um Lothering. Unter anderem ging es dabei auch um den Überfall auf ein kleines Dorf, welcher teilweise sehr explizit beschrieben wurde. Die Elfe fand zwar keinen klaren Beweis, aber irgendwie hatte sie das Gefühl, dass es sich dabei um das Dorf handelte, in dem Miandra gelebt hatte. Bilanz: Zwanzig lebend gefangene Kinder. Schnell zerknüllte sie auch diesen Schrieb und warf ihn auf den Boden, bevor die schwarzhaarige Frau noch einen Blick darauf werfen konnte.
 
Weitere Berichte, Dokumente und Nachrichten enthielten zumeist für Vernita uninteressante Informationen über die Versorgungslage in Lothering oder einem nicht näher benannten Ort. Doch dann stieß die Elfe schließlich auf ein zusammengefaltetes Stück Papier auf dem in einer krakeligen Schrift „Routenplanung“ vermerkt war. Mit vor Aufregung leicht zitternden Fingern griff sie nach diesem Dokument und faltete es so schnell wie möglich auf. Zum Vorschein kam eine recht große Karte, die sie auf dem Tisch ausbreitete.
 
„Seht euch das an!“ jubelte sie mit einem breiten Grinsen. „Mir scheint, wir haben hier einen Volltreffer gelandet!“
 
Auf der Karte war eine Bergkette zu sehen, welche sich an einer Küste entlang schlängelte. Inmitten dieser Hügel ragte so etwas wie eine Festung heraus, die allem Anschein nach direkt in den Fels hineingebaut worden war, vermutlich ein altes Relikt aus dem Krieg zwischen dem Reich von Tevinter und den Alamarri. Auf der Karte war zudem eine Route verzeichnet, wie man diese Festung von Denerim aus erreichen konnte. Sie führte über mehrere Handelsstraßen und verschlungene Waldwege quer durch das ganze Land, bis an dessen nördliche Küste. Ein ganz schönes Stück Weg.
 
„Ich denke, dass dies das Ziel unserer Reise ist. Und ich verwette meine Arsch darauf, dass wir Elana dort finden werden!“ meinte Vernita, wobei sie Miandra mit einem hoffnungsvollen Blick ansah. „Jetzt müssen wir nur noch dorthin kommen.“
 
 

#2434
Kaysallie

Kaysallie
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Ungläubig starrte Miandra auf die Karte, welche nun auf dem Tisch ausgebreitet lag. Urplötzlich kam ihr alles so einfach vor. Nur dieses eine Stück Papier hatte ihnen die gesamte Zeit über gefehlt, und sie hätten sich so vieles ersparen können. Wobei sie in diesem Fall gar nicht an sich selbst und die Gruppe, sondern an die Kinder dachte.

Sie mussten nur noch dorthin gehen… War es denn tatsächlich so einfach?

„Aus deinem Mund klingt das so einfach“, meinte Miandra in einem fast schon angsterregend ruhigen Tonfall zu der Elfe. Ihr Blick fixierte noch immer das eingezeichnete Bild von der Festung. Bis zu diesem bestimmt kalten Steingemäuer hatte man ihr kleines Mädchen also verschleppt… Miandra fröstelte es bei dem Gedanken. Und gleichzeitig mit ihm, kamen auch Schlag für Schlag andere hoch. Eine Festung war wahrlich kein kleines Haus. Es bedeutete, dass sich dort bestimmt unzählige Wachen herumtrieben, die die Kinder in Gewahrsam hielten. Zusätzlich gab es dann noch diesen Mann, oder dieses Etwas, das in dem vorherigen Schreiben erwähnt wurde. Vielleicht ein Dämon? Oder eine neue Art von Magie? Raubten sie den Kindern ihre Unschuld? Denn dies war doch das Einzige, das sie zu Kindern machte… oder? Aber was sollte ihnen das bringen? Was auch immer es war, es bedeutete nichts Gutes und es schien ebenfalls zwischen ihr und ihrer kleinen Tochter zu stehen. Wenn es so mächtig war, würde es sie bestimmt nicht einfach dort hereinspazieren und ein paar der Kinder mitnehmen lassen. Und wie sollte man etwas bekämpfen, bei dem man noch nicht einmal wusste, was es überhaupt war?

Und das war noch nicht einmal alles.

Miandras Pupillen entfernten sich schließlich von der Festung, gingen über die vielen eingezeichneten Wege, bis sie schließlich bei Denerim ankamen.

Wie lange würden sie für diese lange Strecke wohl brauchen? Sie erinnerte sich an die beiden Pferde zurück, die noch irgendwo außerhalb der Stadt untergebracht waren. Aber zwei, waren zwei zu wenig. Und sie würden für eine solche Reise Proviant brauchen. Also am besten noch ein Packpferd. Zudem saßen ihnen noch immer die Wachen im Nacken, was es verkomplizierte die normalen Handelsrouten zu nehmen. Und Wege abseits der Straßen waren unsicher, anfällig für Verbrecher, Wegelagerer, Banditen… die Böden waren weicher und bewaldet; voller Hindernisse. Vor allem würde es schwer werden aus der Stadt herauszukommen, wo noch immer jede Hauswand Denerims von ihren Portraits verziert war. Und dann gab es auch immer noch diese elende Eshtá, deren Aufenthaltsort ebenfalls ein Rätsel war.

Nein, es war nicht einfach. Miandra kam es von Herzschlag zu Herzschlag immer komplizierter vor.

Ruckartig stand sie von dem Schemel auf, entfernte sich zwei, drei Schritte von dem Tisch und begann sich schon in der Bewegung ihre Rüstung aufzuschnüren.

„Ist es möglich hier ein Feuer zu machen, das nicht die ganze Stadtwache anlockt, wie einen hungrigen Mabari ein Tropfen Blut?“ fragte sie monoton, und legte dabei auch schon die Handschuhe und Armschienen ab. Sie musste sich waschen und vor allem ihre Schulter neu verbinden – mit einem nicht vorhandenen Verband. Auch die Rüstung musste von dem vielen Blut und Dreck befreit werden, wenn sie damit unbemerkt durch diese Stadt und das Land ziehen wollte. Und zudem musste sie diese auch noch einfetten und flicken. Aber wozu eigentlich? Sie war doch ohnehin kaum kampffähig. Wie lange es wohl dauern würde, bis diese Verletzung abheilte? Vielleicht genauso lange, wie die Reise bis zu der Festung?

„Dort drüben in der Tasche befindet sich ein schönes Stück rohes Rinderfleisch – fragt lieber nicht, woher ich das habe. Wenn ich daran zurückdenke, wie wenig wir alle in letzter Zeit gegessen haben, sollte es das Risiko doch wert sein, oder?“ fuhr sie einfach gedankenverloren fort, als sie nicht sofort eine Antwort auf ihre Frage bekam. Dass sie dabei tatsächlich an die gesamte Gruppe gedacht hatte, bekam sie nicht wirklich mit. Zu sehr war sie damit beschäftigt sich den Harnisch abzulegen. Da ihr Körper jedoch gerade bis in die Fingerspitzen von Panik ergriffen war, schien dies gerade nicht so zu funktionieren, wie sie es wollte. Zudem kam noch das ständige Ziehen ihres linken Armes hinzu, wegen der Verletzung des Schlüsselbeins, und unzählige Pläne rasten durch ihren Kopf, weswegen sie deutlich zu zittern begann, da sie diese kaum noch ordnen konnte. Und immer wieder drängte sich das Bild von Elana dazwischen, wie sie dort vollkommen alleine und verängstigt in diesem kalten Steingefängnis saß... und auf Rettung wartete.

Modifié par Kaysallie, 11 mars 2012 - 11:50 .


#2435
SickOfItAll

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Lydia stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch und begutachtete die Karte.

" Das ist Wahnsinn. Was wir in der Feste gerade gemacht haben war schon wider jeden Verstand, aber jetzt wollt ihr durchs halbe Land reisen ? Und das möglicherweise noch auf den offenen Wegen ? Das ist Selbstmord ! Dafür brauchen wir Proviant, Pferde, wenn wir nicht laufen wollen, einen haufen Zeit zum Vorbereiten und noch einiges, damit wir euch da draußen versorgen können, wenn der Proviant mal aufgebraucht ist. Ich will nichts sagen, aber mit euch durch unbewohntes Terrain zu ziehen kann schwer werden. Aus Nahrungsmittelsicht. Oder wisst ihr euch aus der Natur zu versorgen ? "

Erwartungsvoll sah sie Miandra, Lea und Vernita an.

" Vorschläge ? Wenn nicht wüsste ich was. Wir gehen zur Herberge vor der Stadt. Dort stehen noch zwei unserer Pferde und wenn wir mehr brauchen, können wir die dort kaufen. Unterkunft für ein- zwei Nächte werden wir dort auch bekommen und Proviant sicherlich ebenfalls. Zur Not machen wir uns nochmal zum Markt auf und kaufen ein, wir fallen nicht so auf und sind nicht so bekannt wie ihr. "

#2436
Bellandyrs

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Leanoras Magen knurrte noch einmal, als Miandra das Stück Fleisch erwähnte.

„Ich glaube, mir ist es im Moment herzlich egal, woher Ihr es habt, solange es noch nicht vergammelt ist“, antwortete Lea der dunkelhaarigen Frau. „Kann ich Euch bei der Zubereitung helfen? Auch wenn ich in diesen Dingen eher wenig Erfahrung habe?“

Gleichzeitig brachte Lydia ihre Überlegungen ein, wodurch Lea hellhörig wurde.
„Ach, Donas steht also dort? Welch ein Glück! Sagt, ist der Hund auch dort? Wenn wir in dieser Herberge noch Pferde kaufen können, am Geld soll es nicht scheitern, ein wenig hab ich noch. Wir können unsere Verpflegung und die Tiere also durchaus bezahlen.“

Dann studierte sie die Karte. Es war wirklich ein weiter Weg, aber die Mühen würden von Erfolg gekrönt sein, so zuversichtlich war sie. Andraste würde sie nicht umsonst zurück geschickt haben, wenn ihre Aufgabe dort ohnehin zum Scheitern verurteilt wäre. „Wie wir da rein kommen? Ich denke, wir haben während unserer Reise noch genug Zeit, uns darüber den Kopf zu zerbrechen. Tatsache ist, dass wir dort hin müssen. Und ich für meinen Teil werde nicht aufgeben und mich vor einer Festung schrecken lassen. Wir sind auch nach Fort Drakon hineingekommen.“

Kaum hatte sie geendet, wurde sie vor Verlegenheit rot. Woher hatte sie plötzlich diesen Mut? „Entschuldigung, ich wollte nicht vorlaut sein“, versuchte sie ihr Vorpreschen abzumildern. Unsicher wechselte ihr Blick zwischen ihren Gefährten hin und her und sie spürte, wie ihre verängstigte und verschreckte Seite in ihr wieder in den Vordergrund trat.

#2437
Aliens Crew

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„Es gibt immer einen Weg, Miandra. Vertrau mir einfach. Das schaffen wir schon“, lächelte Vernita der Frau zu und sah ihr dabei direkt in die Augen. „Und was zu essen wäre toll. Ich könnte einen ganzen Bären verschlingen. Ich denke, dass du ruhig ein Feuer anmachen kannst. Verlassene Häuser wie dieses hier werden oft von Bettlern bezogen, welche sich kein besseres Quartier leisten können. Draußen im Hof gibt es außerdem noch einen Brunnen, der uns mit Wasser versorgen kann, falls dieser nicht inzwischen ausgetrocknet sein sollte.“
 
Die Elfe stand auf und ging zu Miandra hinüber, welche gerade sichtliche Schwierigkeiten damit hatte, ihren Harnisch abzulegen. Sie trat vor die Frau und legte ihre Hände um die Miandras und streichelte sanft deren Finger. „Schht. Beruhige dich. Mir ist klar, dass diese Nachricht dich ziemlich aufgewühlt haben muss. Immerhin stehen wir kurz davor, Elana zu finden. Und gerade deshalb bitte ich dich, jetzt nicht die Nerven zu verlieren. Nicht, wo wir uns so kurz vor dem Ziel befinden. Warte, ich helfe dir mit der Rüstung.“
 
Langsam und sehr behutsam begann Vernita damit, die Schnallen von Miandras Rüstung zu öffnen, während sie die Frau unentwegt anlächelte. Selbst Lydias etwas stürmischer Einwand konnte die Elfe im Moment nicht aus ihrer ungewohnten Ruhe herausbringen. „Ja, ich weiß. Rowan erzählte davon, dass dieses Mädchen die Pferde mitgenommen hat. War das nicht eine Freundin von dir? Wie hieß sie noch? Mako? Milka? Ach nein. Mika! Richtig?“
 
Vernita warf einen kurzen Blick in Lydias Richtung, bevor sie sich wieder Miandras Rüstung zuwandte. „Wenn ich mich recht entsinne, meintest du doch eh, dass die Kleine uns helfen könnte, nicht wahr? Nun, geben wir ihr die Gelegenheit dazu. Allerdings sollten wir bis zum Einbruch der Nacht warten, ehe wir diese Stadt verlassen. Und dann schauen wir mal, ob wir in dieser Herberge all das bekommen, was wir für diese Reise benötigen werden.“
 
Vernitas Lächeln verbreiterte sich zu einem Grinsen, als Leanora entschlossen von der Erstürmung dieser alten Festung redete. „Du sagst es!“ meinte sie deshalb neckend. „Nichts und niemand wird uns davon abhalten, Elana aus den Klauen dieser Hurensöhne zu befreien! Es sieht so aus, als wärst nun doch endlich erwachsen geworden, Leanora. Das gefällt mir.“
 
Die Elfe öffnete die letzte Schnalle von Miandras Rüstung und half dieser dabei, den Harnisch abzulegen. „Aber jetzt sollten wir erst einmal nach deiner Schulter sehen, Miandra.“
 
 
 

Modifié par Aliens Crew, 14 mars 2012 - 06:32 .


#2438
SickOfItAll

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Lydia umrundete den Tisch und setzte sich auf Sha´iras Schoß. Es tat gut, wieder zu sitzen, sie hatte das Gefühl als wäre sie wärend des Tages geschrumpft.

" Ich weis nicht, welche Pferde dort sind. Hunde sind dort einige und ich weis nicht wie "der Hund" aussieht. Aber ja, Pferde und Proviant werden wir dort bekommen. Wir haben trotzdem vor, morgen oder übermorgen noch einmal den Markt zu besuchen. Dort finden wir alles, was wir brauchen. Und wie gesagt, uns kennt niemand. Wo wir grade beim essen sind ... Was haltet ihr denn davon, wenn wir morgen früh auf den Markt gehen, einige Besorgungen erledigen und dann bekoch ich euch. Keine Bange, kochen kann ich , daran solls nicht scheitern. Also, wie ist eure Meinung ?" Sagte sie und blickte wieder in die Runde.

#2439
Kaysallie

Kaysallie
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Aus der Euphorie des Mädchens hörte Miandra heraus, dass es all das wieder einmal nur als ein reines Abenteuer ansah. Miandra wollte nicht durch das halbe Land reisen, ihr blieb einfach keine andere Wahl. Sie musste das tun. Das hier war kein Vergnügen, sondern der reinste Horror. Aber sie hatte gerade keine Nerven dafür, sich mit dem Kind auseinanderzusetzen. Heute gab es noch genug anderes zu tun.

Immerhin half ihr Vernita beim Ablegen der Rüstung, denn ihre eigenen Finger fühlten sich gerade irgendwie unbeweglich und steif an. Miandras erster Impuls war zwar, die Hilfe abzuwehren, aber sie wusste auch, dass es so schneller gehen würde. Und Geschwindigkeit war für sie gerade das einzig relevante. Doch wirklich beruhigen konnte sie sich nicht, denn in ihren Augen befanden sie sich alles andere als kurz vor dem Ziel. Das Ziel hatte gerademal vor zwei Minuten seinen Aufenthaltsort bekannt gegeben und lag am anderen Ende der Welt! Aber sie sagte nichts dazu, sondern nickte nur etwas missmutig.

Indes sich die Elfe um den Harnisch kümmerte, sah sie zu Leanora hinüber. Wer war noch gleich Donas? Kaum hatte sich Miandra diese Frage gestellt, fiel es ihr auch schon wieder ein. Die Adlige gab ihren Tieren ja Namen, wie süß. Und in Fort Drakon hineinzukommen, war tatsächlich nicht schwer gewesen… zumindest für sie selbst nicht. Aber daran wollte sie nun nicht auch noch zurückdenken. In einem hatte die Adlige wohl recht: Wie sie wegen der Festung vorgehen würden, war nicht das momentane Problem.

Als Lydia noch etwas von morgen und übermorgen redete wurde es Miandra eindeutig zu bunt in diesen vier Wänden. Glaubte das Mädchen tatsächlich, sie würden noch länger in dieser verfluchten Stadt bleiben, jetzt wo es nicht mehr zwingend erforderlich war?

„Ich werde mich erst nach dem Wasser umsehen, bevor wir uns um die Verletzungen kümmern. Das werden wir dafür sowieso brauchen. Vielleicht solltest du denen lieber erstmals nochmal erklären, wie wir vorgehen werden“, meinte sie nur zu der Elfe, während sie den Harnisch zu den anderen Sachen auf den Boden legte. Darunter trug sie nichts weiter, außer dem Verband, welchen sie sich selbst um die Schulter und Brust gewickelt hatte. Ihre restliche sichtbare Haut wurde hingegen fast völlig von eingetrocknetem Blut und Dreck befleckt. Selbst ihre Haare waren an den Spitzen richtig verklebt, wie sie gerade eben feststellte. Als sie noch in dem Schlachthaus gesessen war, hatte es sich nicht nach so viel Blut angefühlt… Wie viel davon wohl von der Zwillingsschwester herrührte?

Miandra schob den Gedanken zur Seite. Die Lederhose und Stiefeln, sowie ihren Waffengurt beschloss sie derweil noch anzubehalten, da sie nicht wirklich Lust darauf hatte, hier halbnackt herumzulaufen, und Ersatzkleidung besaß sie schon lange keine mehr. Aber wenigstens war ihre Schulter erstmals ein wenig von der drückenden Rüstung entlastet.

„Kommt mit Prinzesschen“, sagte sie noch knapp, als sie zielstrebig zu der Türe ging, ohne Leanora überhaupt anzusehen. Bei der Frau machte es wenigstens den Anschein, als ob sie verstanden hätte, worum es hier eigentlich ging. Und alleine hätte Vernita sie wahrscheinlich eh nicht über diese Schwelle treten lassen… also blieb ihr wohl keine andere Wahl, als die angebotene Hilfe von der Frau anzunehmen. Hin und wieder musste man wohl doch ein paar Kompromisse mit sich selbst eingehen, um zu bekommen, was man wollte.

Modifié par Kaysallie, 15 mars 2012 - 11:35 .


#2440
Aliens Crew

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„Ja, gut. Macht das“, meinte Vernita noch mit einem Lächeln und beobachtete die beiden Frauen, welche durch den Seitenausgang das Haus verließen. Anschließend setzte sich die Elfe wieder auf ihren Schemel, wobei sie einen langgezogenen Seufzer ausstieß und zugleich damit begann, ihre Waffen und die Plattenrüstung abzuschnallen. Dabei fiel ihr Blick auf Lydia und Sha’ira, die ihr gegenüber zusammenhockten.
 
„Irgendwie scheinst du Probleme mit dem Zuhören zu haben, Kleine. Und dabei haben Elfen doch eigentlich ein gutes Gehör“, bemerkte sie etwas genervt, während sie den ersten Teil ihrer Rüstung zu Boden gleiten ließ. „Wie ich schon sagte, habe ich vor, diese Stadt heute Nacht zu verlassen. Und ich habe sicher nicht vor, sie danach noch einmal zu betreten. Zumindest nicht, bis diese Sache ausgestanden ist. Was wir brauchen, dürften wir in dieser Herberge bekommen und dann geht es auch gleich morgen früh weiter. Wir haben keine Zeit, uns hier noch wer weiß wie lange aufzuhalten.“
 
Inzwischen lag auch der Rest ihrer Rüstung auf dem Boden. Vernita setzte nun auch ihren Helm ab, welchen sie auf dem Tisch ablegte, bevor sie sich das Unterhemd über den Kopf zog. Auch dieses landete auf der Tischplatte. Anschließend untersuchte sie ihren Verband, welcher sich schon mit Blut vollgesaugt hatte.
 
„Mist!“ fluchte die Elfe. „Ich brauche einen neuen Verband und habe keinen mehr. Mal sehen, ob ich in meinem alten Zimmer noch was auftreiben kann.“
 
Sie stand auf und schlenderte langsam durch den Raum und verließ diesen durch die Hintertür. Sie betrat einen kleinen Korridor, welcher zum Zimmer ihrer Eltern und zu ihrem eigenen führte. Etwas unsicher ging sie zu dem Raum, in dem sie einen Großteil ihrer Kindheit verbracht hatte. Und wieder überkam sie dieses mulmige Gefühl. In der Tür blieb sie schließlich stehen und starrte wie gebannt auf ihr altes Bett, in welches sie ihren ganzen Schmerz hineingeweint hatte, der ihr in ihrer Jugend zugefügt worden war. Und sofort stockte ihr wieder der Atem, und sie hatte mehr und mehr das Gefühl, dass sie gleich losschluchzen musste. Sie bereute nun ein weiteres Mal, dieses Haus noch einmal betreten zu haben.
 
 
 

#2441
Kisu

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Sha´ira sah die klotzköpfige Elfe ihr gegenüber scheel an.
" Willst du ohne ausreichende Vorbereitung bei Tag losziehen ? Viel Spaß, aber deine Überreste werd ich nicht verscharren. Es ist am Besten wir sammeln morgen Kraft in der Herberge und tätigen alle nötigen Besorgungen. "

Sie legte die Tasche mit ihren restlichen Gegenständen auf den Tisch und sprach weiter

" Und nebenbei ... wenn wir da draußen unterwegs sind, sollten wir auf Lydia hören. Sie weis mehr über dieses Land als wir alle zusammen. Wenn wir reisen , dann sollten wir es nach ihrem Wissen tun. Unsere Vorräte halten nicht ewig und unsere Spuren sind nicht ganz unsichtbar. Gerade nicht eure. Und wenn sich jemand mit Wildnissleben auskennt, dann sie. "
Dabei legte sie ihren Kopf auf Lydias Schulter und beäugte Vernita kritisch.

" Aber mal was anderes. Wie hälst du das mit der Schwarzhaarigen aus ? Das sie noch nicht von einer Klippe gesprungen ist, ist fast schon ein Wunder. Genauso wie das noch jemand mit ihr spricht. Solche Unfreundlichkeit bin ich nur aus eurem Land gewohnt. Sind alle Fereldener solche Idioten ? "

#2442
Bellandyrs

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Leanora wurde wieder etwas sicherer, als sie Vernitas Worte vernahm, dafür blickte sie Lydia an wie ein Schwein, wenn es donnert. Morgen? Übermorgen? Da waren sie hoffentlich längst auf dem Rücken der Pferde, unterwegs in unbekanntes Terrain. Und die Vorräte konnten sie auch in dieser Herberge aufstocken. Miandra kam ihr jedoch
zuvor, indem sie der Elfe sagte, sie sollte es den Mädchen noch einmal erklären.

„Es ist ein Schäferhund“, beantwortete sie dennoch die Frage, welcher Hund es denn sei, folgte dann aber Miandra nach draußen.

Im Tageslicht konnte sie die verkrusteten Blutspuren auf Miandras Körper in ihrem vollen Ausmaß sehen. Eine leichte Übelkeit wollte sie beinahe überkommen. Blutspuren auf Tieren war das eine, aber auf Menschen etwas völlig anderes.

„Ihr seht schrecklich aus, Miandra“, kommentierte sie trotzdem relativ sachlich. „Könnt Ihr Eure Schulter überhaupt bewegen? Sehen wir zu, dass wir Wasser aus dem Brunnen erhalten, damit wir die Wunden auswaschen können. Dann sehen wir weiter.“
Sollte Miandras Verletzung so schwer sein, dass keine Hoffnung bestand, dass diese bis zu ihrer Ankunft am Ziel wieder verheilt wäre, würde Leanora ihr helfen. Aber sie wollte diese Gabe, die sie von Andraste erhalten hatte, nicht sinnlos verschwenden. Zudem wusste sie nicht, ob die Intensität der Heilung auch etwas damit zu tun hatte, wie viel von ihrer eigenen Lebenskraft dabei drauf gehen würde.

Sand und Staub wurde von ihren Füßen aufgewirbelt als die beiden Frauen zum Brunnen gingen. „Hoffentlich ist der noch nicht ausgetrocknet.“

Modifié par Bellandyrs, 15 mars 2012 - 07:12 .


#2443
Kaysallie

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„Unter Schmerzen, ja. Ist aber nicht so schlimm, wie es aussieht. Habe schon weitaus Schlimmeres erlebt, als das hier…“, erwiderte sie trocken, wenn auch ein wenig abwesend. Auch wenn Miandra sah, wie blass Leanora gerade geworden war, als ihr Blick auf sie gefallen war, verzichtete sie dieses Mal darauf sie aufzuziehen. Sie war gerade nicht in der Stimmung für solche Späße.

Bei dem Brunnen angekommen beugte sich Miandra vorsichtig über das Gemäuer und sah hinunter in das tiefe dunkle Loch, doch sie konnte nicht wirklich erkennen, ob dieser ausgetrocknet war, oder nicht. Daher hob sie einen kleinen Stein vom Boden auf, ließ diesen in das Loch fallen und lauschte dabei in die Tiefe. Ein leises, plätscherndes Geräusch sagte ihr, dass sich noch Wasser darin befand.

„Wenigstens einmal Glück…“, seufzte sie etwas deprimiert, da sie wusste, dass das noch nichts zu bedeuten hatte. Wenn das Wasser stark verschmutzt war, würden sie es ebenso nicht nutzen können, aber das würden sie ja gleich sehen.

Selbstverständlich griff Miandra nach dem Seil, welches an dem einfachen Flaschenzug befestigt war, um den Eimer mit dem Wasser hochzuziehen, als ihr schlagartig klar wurde, dass sie das mit nur einem Arm und einer Hand gar nicht tun konnte. Kurz erstarrte sie in ihrer Bewegung und schielte nach zwei Sekunden zu Leanora hinüber. Doch anstatt der Frau das Problem einfach zu erläutern, ließ sie das Seil wieder los und ging nur mit einem Räuspern zwei Schritte zur Seite. Es war schon schlimm genug für sie, so unfähig zu sein, aber dann auch noch ausgerechnet eine Adlige um Hilfe bitten? Wahrscheinlich hätte Miandra den Eimer lieber unter Schmerzen hochgezogen, als diese Worte auszusprechen. Aber ob diese Maßnahme erforderlich war, würde sie ja gleich feststellen.

Modifié par Kaysallie, 16 mars 2012 - 05:57 .


#2444
Bellandyrs

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Miandra hielt sich kurz am Seil des Flaschenzuges fest und blickte dem Stein hinterher. Dann trat sie zur Seite, was Lea nur Recht war. In ihrem Zustand sollte die dunkelhaarige Frau ihre Schulter nicht überstrapazieren.

"Lasst mich das machen", meinte sie und schob sie noch ein Stück zur Seite. Dann betätigte sie den Seilzug, ächzend und quietschend kam der mit Wasser gefüllte Eimer nun hoch.
Lea streckte die Hand danach aus und zog diesen zu sich, um ihn dann auf den Boden zu stellen. Misstrauisch schnupperte sie vorsichtig an dem Wasser, aber sie fand nicht, dass es verdächtig roch.

"Ich glaube, auch hier haben wir Glück, riechen tut es jedenfalls nicht danach, als wäre es schlecht."

Modifié par Bellandyrs, 16 mars 2012 - 06:53 .


#2445
Kaysallie

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Miandras Augen verengten sich und unbewusst formten sich ihre Hände zu Fäusten, als Leanora sich zu dem Flaschenzug drängte, und sie dabei zur Seite schob. Es war keine böswillige Absicht gewesen, aber Miandra sah es aus anderen Augen.

„Seid es wohl gewohnt andere herum zu schupsen“, grummelte sie dieses Mal, anstatt es sich wie sonst einfach nur zu denken. Anschließend blicke sie in den Eimer, wo sich die Abendsonne in dem Wasser spiegelte. Und von einem Augenblick auf den nächsten, war sie wieder vollkommen entspannt.

„Glück“, wiederholte sie sehr nachdenklich, wobei sie ihren Kopf ein wenig senkte und sich dabei mit der rechten Hand leicht ans Kinn fasste. „Ob es sowas wirklich gibt?“ fügte sie nach einer Pause hinzu, doch es klang sehr bitter und eine Art von Ambiguität schwang darin mit.

Einen zeitlosen Moment blieb sie regungslos stehen und starrte auf die kleine Wasseroberfläche, ehe sie leicht hochschreckte und Leanora für kurze Zeit verwirrt, aber auch leicht traurig, ansah. Anschließend nahm sie der Frau den Eimer einfach aus den Händen und stellte diesen vor sich auf den Boden, während sie sich mit dem Rücken zu dem brüchigen Gemäuer des Brunnens drehte. Gedankenversunken kniete sie sich auf den Boden und begann damit sich den groben Schmutz sowie das Blut von ihrem Körper und aus den Haaren zu waschen. Das Wasser war eiskalt, aber das störte Miandra nicht wirklich. Sie musste sich schon oft mit kaltem Wasser waschen.

Relativ schnell war das Wasser von all dem Schmutz völlig verfärbt und Miandra selbst, sowie der Rest ihrer Kleidung, ziemlich durchgenässt. Aber völlig sauber war sie noch nicht. Der Verband, den sie noch umgebunden hatte, klebte an ihrer Haut und war ebenfalls vom Blut verfärbt worden. Vor allem die Stelle an ihrer Schulter war von einem dunklen roten Fleck verdeckt. Daher begann sie etwas mühselig sich diesen abzulegen. Dabei starrte sie jedoch weiterhin etwas leer geradeaus, als ob ihr Geist eigentlich an einem ganz anderen Ort wäre und ihr Körper sich nur automatisch bewegte. Auch, dass sie nichts hatte, das sie sich nachher überziehen konnte, schien ihr vollkommen gleichgültig zu sein.

Modifié par Kaysallie, 20 mars 2012 - 10:50 .


#2446
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Lea wollte Miandra schon auf ihre Aussage antworten, dass sie es wohl gewohnt sei, Leute herumzukommandieren. Gerade als sie den Mund aufmachte um zu antworten, hatte Miandra jedoch ihren gesagten Satz anscheinend völlig vergessen und starrte eher gedankenverloren in den Eimer, bevor sie begann, sich zu waschen.
War sie der dunkelhaarigen Frau überhaupt Rechenschaft schuldig? Konnte es ihr nicht egal sein, was andere über sie dachten? Aber nein, wenn das irgendwann der Fall sein würde, wäre sie ein kaltes herzloses Miststück. Und so überwand sie sich und antwortete trotzdem.

„Nein Miandra, ich bin es nicht gewohnt andere Leute herum zu schupsen, wie Ihr das so betitelt habt. Ich glaube nur, dass es Eurer Schulter nicht gerade gut tut, wenn Ihr diese Arbeit im Moment verrichtet, und mir fehlt nichts. Wieso sollt Ihr Euch weitere Schmerzen zufügen, wenn ich die Arbeit ohne solche erledigen kann?“
Inzwischen hatte sie zwei weitere Wassereimer hochgezogen, Miandra kämpfte mit dem Verband.
„Darf ich Euch helfen?“ fragte sie, erhielt aber keine Antwort. So dreist, der Gefährtin das bereits lose Ende des Mullstoffes aus der Hand zu nehmen, war sie aber nicht.
Also setzte sie sich auf den Boden, direkt gegenüber, und sah ihr in die Augen.
„Was habt Ihr eigentlich gegen mich? Welchen Grund hab ich Euch gegeben, dass Ihr oft so abweisend zu mir seid?“
Auch wenn es Leanora am Anfang ihrer Reise eher Recht war, dass sie von den Gefährtinnen in Ruhe gelassen wurde, denn das war noch immer besser als diese Anfeindungen die sie teilweise hinnehmen musste, so hatte sich ihr Verhältnis zueinander doch etwas gebessert. Ein gewisses Maß an Vertrauen war mittlerweile vorhanden und ihre Aufgabe würde sie noch länger aneinander schweißen. Von daher war es ihr ein echtes Bedürfnis, Zugang zu Miandra zu finden. Sogar das Eis zwischen Vernita und ihr war gebrochen, und wie sie vorhin erst feststellen durfte, wurde sie von der Elfe sogar inzwischen so etwas Ähnliches wie respektiert, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Mehr wünschte sie sich ja auch gar nicht.

#2447
Kaysallie

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Im ersten Moment wusste Miandra nicht wirklich, was sie auf diese Frage antworten sollte, da sie absolut nicht mit einer solchen gerechnet hatte. Mehrmals kreisten die Worte Leanoras noch durch ihren Kopf, als ihr klar wurde, dass die Antwort darauf eigentlich gar nicht so einfach war, wie sich stattdessen ihre Reaktionen diesbezüglich immer vollzogen. Aber sie würde ihre Meinung dazu nicht für sich behalten, wenn die Frau schon darauf bestand.

„Vielleicht liegt es an der Farbe Eures Blutes“, sagte sie mit einem leichten Anflug von Wut, während sie sich von dem Boden aufrappelte, um sich einen der anderen Wassereimer zu holen. Der Verband klebte noch immer an ihrer Wunde fest und sie hoffte ihn mit frischem Wasser lösen zu können. „Adlige... sie sind doch alle gleich, halten sich für etwas Besseres und lassen andere ihre Arbeiten verrichten, da sie ja zu fein dafür sind sich schmutzig zu machen. Sie werden ihr gesamtes Leben nur von anderen bedient und verwöhnt und stehen immer im Mittelpunkt der Gesellschaft. Und wenn sie dann mal Leute wie mich sehen, dann starren sie diese an, als wären sie von einer anderen Welt und machen sich darüber lustig. Sie wissen doch gar nicht, was es heißt abgewiesen, oder gedemütigt zu werden und glauben, sie können sich immer einfach alles nehmen, was ihnen gefällt…“

Sie hatte den Wassereimer bereits an dessen Henkel hochgehoben, als sie einen kurzen Augenblick inne hielt, da sie gerade unweigerlich an das zurückdenken musste, was ihr Vernita vorhin erzählt hatte. Der Arl… dieses adlige Dreckschwein.

„Ihr seid nicht wie ich, vielleicht seid Ihr sogar das Gegenteil von mir… Eine junge unerfahrene Frau, die keinerlei Ahnung von den Schattenseiten des Lebens hat, da ihr das Glück in die Wiege gelegt wurde…“ Kaum hatte sie diese Worte gesagt, rutschte ihr der Eimer mit dem Wasser aus den Händen und fiel auf den trockenen Boden, in welchem sich die verschüttete Flüssigkeit sofort hinein saugte, nachdem sie wie ein kleiner Bach eine schnelle Linie gezogen hatte. Miandra starrte etwas geschockt nach unten, aber nicht wegen des Missgeschicks.

War sie etwa eifersüchtig auf das vorherige Leben dieser Frau? Etwa darauf, dass sie unberührt war und so naiv, wie es eigentlich nur Kinder waren? Auf ihre bereits langanhaltende Reinheit, die sie selbst so früh verloren hatte, dass sie sich kaum noch daran erinnern konnte, wie sich so etwas anfühlte…? Auf das Gefühl, nicht in jedem Menschen nur noch etwas Negatives zu sehen, sondern sich von den guten Dingen beeindrucken lassen zu können? Und auf Eltern, die einem zeigten, was Liebe, Glück, Freude und andere Gefühle bedeuteten, um damit umgehen zu können?

Und hatte sie nicht vorhin zu Vernita gesagt, dass es vollkommen egal sei, von wem man abstammte, sondern es nur darauf ankam, wie man selbst handelte? War sie etwa deswegen so zu der Frau und auch zu anderen? Nur aus Eifersucht und weil sie keine Ahnung hatte, was das eigentlich bedeutete? Fühlte sich Neid so an? Dass man anderen etwas Schlechtes wünschte, um selbst besser dazustehen? Dass man sie abwehrte und missachtete, um sich neben ihnen stärker zu fühlen, obwohl man das eigentlich gar nicht war?

Ohne sich weiter um das Wasser zu scheren, machte Miandra wieder kehrt und kniete sich mit einem bedrückten Seufzen zurück an dieselbe Stelle wie zuvor, sodass sie Leanora wieder genau gegenüber saß. Dabei konnte man ihr deutlich ansehen, dass sie gerade nicht wirklich zu wissen schien, was sie gerade tun sollte, und dass sie ihr auch keine wirkliche Antwort auf die Frage geben konnte, da sie es selbst nicht einmal verstand. Aber war nicht schon der gesamte Tag so eigenartig verlaufen?

„Dieser… dieser Kommandant“, wechselte sie unvermittelt das Thema, wobei sie zu Beginn sehr unsicher klang, dann aber sehr eindringlich wurde. „Wenn er jemals etwas tun sollte, das Ihr nicht ebenso möchtet, dann wehrt Euch dagegen, und lasst es niemals einfach so über Euch ergehen.“
Sie legte der Frau ihre rechte Hand auf deren Schulter und sah sie dabei flehend an. „Versprecht Ihr mir das?“

#2448
Bellandyrs

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Leanora hörte Miandras Ausführungen über ihre Meinung, die sie über den Adelsstand hatte, aufmerksam zu. Anfangs wollte sie schon vehement protestieren, aber es meldete sich eine andere Stimme in ihr, die der dunkelhaarigen Schönheit durchaus zustimmen musste. Es gab genug Adelige, die ihren Titel als Schutzschild vor sich her hielten, aber charakterlich der letzte Abschaum waren. Nur wenige ihres Standes waren so wie ihre Familie oder der alte Arl. Dass sie selber jedoch keinerlei Standesdünkel hatte, musste Miandra normalerweise ja bereits selber bemerkt haben? Trotzdem wusste sie von genug Häusern, in denen Intrigen gesponnen wurden, des Geldes wegen die Kinder verheiratet wurden, egal ob sich die künftigen Eheleute liebten oder nicht, innerhalb der Familien gemordet, und die Knechte und Mägde wie Sklaven behandelt wurden. Wieder verspürte sie Dankbarkeit gegenüber ihren Eltern, die ihr stets ihren Willen gelassen hatten. Nur der Erbauer allein wusste, ob sie sonst noch so unschuldig und naiv – und vor allem zufrieden – wäre. Allein die Vorstellung, mit so einem Dreckschwein verheiratet zu sein, verursachte ihr Übelkeit.

Sie war noch immer in den Überlegungen gefangen, als ihr Gegenüber plötzlich das Thema wechselte und sie eindringlich darum bat, sich nichts von Sengaal gefallen zu lassen, was sie nicht selber wollte. Noch mehr irritierte sie jedoch der plötzliche Anflug von körperlicher Nähe, indem sie die Hand auf ihrer Schulter spürte.

Ernst blickte sie Miandra an und antwortete: „Das kann ich Euch mit gutem Gewissen versprechen, Miandra. Ich wurde so erzogen, dass ich mir meinen Gemahl selber wählen und aus Liebe heiraten darf, wenn es je soweit kommt. Auch wenn mein Gefühl mich einmal kurzzeitig irre gelenkt hatte, bin ich mir beim Kommandanten der Templer sehr sicher, dass er ein guter Mensch ist. Immerhin hat er es geschafft, mich aus dem Nichts zurück zu holen. Und derjenige, wo ich dachte, es sei Liebe, hat sich genau an diesem Ort als egoistisches Miststück offenbart. Er wollte mich im Nichts um seiner selbst Willen festhalten, obwohl ich sehr viele Fürsprecher hatte, dass ich doch zu Euch und Vernita zurückkehren darf. Und wenn wir diese vor uns liegende Aufgabe erfüllt haben, ist es vielleicht möglich, mit Sengaal glücklich zu werden. Aber bis dahin wird noch viel Wasser den Drakon River hinunter fließen. Ich danke Euch für die Warnung, denn ich weiß, dass ich in diesen Dingen sehr unbedarft bin.“

Sie holte tief Luft, dieser Moment der Vertrautheit war beinahe irreal. Dennoch war da noch immer die Hand auf ihrer Schulter. „Beim Kampf gegen den Oger... ich war schon tot, Miandra. Ich war im Nichts, und auch wenn ich immer an den Erbauer und seine Braut geglaubt habe, ist es ein Unterschied wenn man Andraste plötzlich persönlich gegenüber steht. Und es war alles völlig anders als das erste Mal, wo uns Castillá dorthin katapultiert hatte. Meine Familie war dort, Freunde und Verwandte, und es gab eine Art Gerichtsverhandlung. Eben in jener wollte mich Tjark von Talisker festhalten. Naja, es ist alles zu verworren um alle Einzelheiten zu erzählen, aber das Schwert, welches ich nun habe, verdanke ich dem alten Arl von Denerim. Ich habe Tjark im Duell besiegt, ihm jedoch Gnade gewährt. Und das war dann wohl der ausschlaggebende Punkt, wieso ich doch hierher zurück kehren durfte.“ Sie bemerkte den gerunzelten Gesichtsausdruck Miandras. „Und nein, ich hab keinen Dachschaden, es war wirklich so. Dort wurden auch meine Wunden geheilt, oder glaubt Ihr, dass diese allein durch die beiden Mädchen so rückstandslos innerhalb kürzester Zeit verschwunden sind?“

Leanora rappelte sich auf und holte den nächsten Eimer, den sie Miandra direkt vor ihre Nase stellte. „Lasst mich Euch helfen“, bat sie die Frau, und streckte die Hand nach dem Stück des Verbandes aus, welches so halb an der Wunde klebte.

Modifié par Bellandyrs, 25 mars 2012 - 05:02 .


#2449
Kaysallie

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Miandra hielt eigentlich nichts von Versprechungen, da sie eigentlich fast immer nur aus leeren Worten bestanden. Aber sie wusste auch, dass andere irgendwie anders darüber dachten, als sie selbst. Vielleicht würde es zumindest den Zweck erfüllen, dass Leanora sich an ihre Worte zurückerinnern würde, wenn sie in eine solche Situation gelangen sollte. Wie gerne hätte sie jemanden gehabt, der ihr so etwas einmal gesagt hätte…

Etwas überrascht hörte sie der Frau weiterhin zu. Miandra hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass die Adlige gleich so viel reden würde. Es fühlte sich für sie fast so an, als hätte Leanora nur darauf gewartet, dass irgendjemand kam, dem sie all das erzählen konnte, da es sich bereits so in ihr aufgestaut hatte. Kurz betrachtete sie vieles davon mit Skepsis, aber als das Gesagte dann noch einmal durch ihren Kopf zog, wurde ihr Gesichtsausdruck nachdenklich und ein wenig geschockt.

„Man sieht seine Familie wieder…“, flüsterte sie leise, offenbar laut gedacht, während sie leer nach unten blickte. Ob man sie auch wiedersah, wenn man das nicht wollte? Und es gab Andraste und den Erbauer also wirklich? Sie spürte, wie sich jede Faser ihres Körpers gegen diese Aussage sträubte. Hätte Leanora das Schwert nicht tatsächlich bei sich gehabt, als sie erwacht war, und würde nicht auch das mit den Wunden stimmen, so hätte sie es sofort als schlechten Scherz oder Einbildung der Frau abgestempelt. Aber wieso hatten die Götter ihre Gebete immer unerhört gelassen, solange, dass sie ihren Glauben daran völlig aufgegeben hatte? Waren sie nicht dazu fähig, den Lebenden zu helfen, wenn diese sie anflehten? Urteilten sie nur über das Dasein nach dem Tod, welches es wohl ebenfalls tatsächlich gab…? Miandra fröstelte es, was einerseits an der Brise lag, die über ihre nasse Haut und Haare zog, und andererseits aufgrund all dieser Tatsachen. All das zu wissen enttäuschte sie und bereitete ihr zugleich eine ungewohnte und plötzliche Angst vor dem Tod. Wie Andraste wohl über ihre Handlungen urteilen würde? Und würde sie dort ihren Vater und ihre Mutter wiedersehen…?

Miandras Gesicht wurde ein wenig blasser, als sie daran dachte, und sie war froh, dass Leanora sie mit ihrer letzten Aussage aus diesen Überlegungen riss. Ein wenig verwirrt sah sie erst die blonde Frau und dann den Verband an, so als hätte sie das alles gerade völlig vergessen gehabt. Nach einem längeren Zögern nickte sie schließlich schwach. Ihr fehlte nach dem, was da auf sie hereingerieselt war, nun doch der Wille zur Sturheit. Und immerhin würde es so vielleicht schneller gehen…

Ausdruckslos beobachtete sie Leanora dabei, wie sie – in Miandras Augen – fast schon angsthaft vorsichtig nach dem Verband griff und diesen versuchte von der Wunde zu lösen. Aber ihre Gedanken kreisten noch um andere Worte, die aus dem Mund der Frau entsprungen waren, weswegen sie diesbezüglich auch nichts sagte.

„Liebe“, sagte sie schließlich in einem ungewollt traurigen Ton. „Ich weiß nicht, wie sich so etwas anfühlt. Ich weiß nur, dass sie am Ende immer weh tut, die Menschen davon blind werden und damit aufhören an sich selbst zu denken. Sie lächeln immer... wohl da sie nicht mehr sehen können, dass sie irgendwann ohnehin enttäuscht werden.“

Miandra hielt kurz inne. Es war irgendwie eigenartig für sie mit der Frau zu reden. Aber irgendetwas in ihr wollte deren Meinung zu diesem ihr fremden Thema einholen, wohl da es ihrem Gegenüber hingegen weitaus vertrauter zu sein schien.

„Zumindest habe ich das so beobachtet, aber irgendwie bin ich mir nicht mehr so sicher…“ fuhr sie schließlich etwas unsicher fort, wobei sie sich unbewusst mit ihrer rechten Hand an ihrer Lederhose festklammerte. „Warum wisst Ihr, dass Ihr diesen Templer liebt? Weil er ein gutaussehender Mann ist? Weil er Euch geholfen hat, aus dem Nichts herauszufinden und Ihr das als gute Tat anseht? Was sind Gründe dafür? Ich…Ich verstehe das nicht...“

Bedrückt sah sie auf den staubigen Boden und beobachtete, wie er sich an einigen Stellen durch das darauf tropfende Wasser und Blut dunkel färbte. Sie fühlte sich neben der Frau gerade irgendwie klein und schwach. Genauso, wie sie sich eigentlich nie neben ihr, oder sonst wem, fühlen wollte.

Modifié par Kaysallie, 26 mars 2012 - 01:45 .


#2450
Bellandyrs

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Leanora kämpfte mit dem festgeklebten Verband. Sie getraute sich nicht, das Stück einfach mit einem heftigen Ruck loszureißen, da sie Angst hatte, die Wunde damit wieder zum Bluten zu bringen. Also tunkte sie den Anfang des Stoffes in Wasser und presste diesen dann auf den hartnäckig sitzenden Teil, um die Kruste etwas aufzuweichen und so dann den Verband lösen zu können.

„Ich weiß nicht, ob jeder seine Familie wieder sieht“, antwortete sie ohne ihre Tätigkeit zu unterbrechen. „Den einzigen Ekelbatzen, den ich nicht sehen wollte, erschien erst bei der Verhandlung. Bruder Renaldo. Jenen, den wir in seinem Gemach ermordet aufgefunden haben, wenn Ihr Euch erinnert.“ Endlich gab die Wunde ein Stück des Mullstoffes frei, und sie wiederholte die Prozedur mit dem Einweichen. „Ihr solltet Euch darüber noch keine Gedanken machen. Aber eines weiß ich, Andraste ist sehr gerecht und sieht sehr wohl auch die Beweggründe hinter den vermeintlich schlechten Taten. Renaldo wollte mir die Schuld an seinem Tod in die Schuhe schieben, und der Oberst ohnehin, aber den hatte ich ja tatsächlich ermordet.“ Sie zuckte mit den Schultern, es war nun nicht mehr von Belang. „Macht Euch also keine Gedanken deswegen. Es ist friedlich,  und es ist nichts dort, was einen ängstigen müsste.“

Endlich hatte sich der Rest auch von der Wunde gelöst, und nun wickelte die Adlige das letzte Stück von Miandras Körper.

„Das hätten wir, meine Güte, das sieht wirklich nicht gut aus. Wir sollten schnell zurück in die Kate gehen, dort ist es wenigstens windgeschützt.“ Sie nickte Miandra zu, holte noch zwei weitere Eimer Wasser aus dem Brunnen empor und half ihrer Gefährtin auf.

„Liebe? Ich muss gestehen, auch ich weiß nicht, was Liebe wirklich ist, wie man sie definieren kann. Aber ich kann Euch beschreiben, wieso ich sage, ich liebe ihn. Es liegt nicht allein an seinem Aussehen oder seinem Titel. Es liegt daran, dass wir uns sehr gut verstehen, gemeinsame Interessen haben. Er hat Humor, Charisma, wundervolle Augen, die mich stets voller Zärtlichkeit und Liebe angeblickt haben. Wenn ich an ihn denke, klopft mein Herz schneller, wenn er mich berührt, denke ich, meine Haut steht in Flammen und jede Faser meines Körpers und meines Herzens will ihm nahe sein. Ich fühle mich bei ihm beschützt und geborgen, so als ob mir bei ihm einfach nie etwas Böses passieren kann. Ich kann mir vorstellen, mit ihm alt zu werden, ihm Kinder zu schenken. Wenn ich ihn sehe, geht für mich die Sonne auf, alle anderen Sorgen und Gedanken sind plötzlich weiter weg, teilweise sogar klein und unbedeutend. Und ich sehe dies alles nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Geschenk, welches man in Ehren hält und pflegt. Es ist nicht nur das, was er gibt. Es löst in mir einfach ein Glücksgefühl aus, wenn ich sehe, wie seine Augen strahlen wenn er mich erblickt, wie sein Blick entrückt, wenn ich ihm etwas vorsinge, oder wenn ich spüre, wie sein Herz klopft, wenn ich ihn berühre. Es macht mich glücklich, wenn er glücklich ist.“ Erschrocken sah sie Miandra an. „Das hört sich wahrscheinlich alles furchtbar kitschig und rosarot an. Aber anders kann ich es nicht beschreiben. Jeder Mensch liebt anders, und jeder Mensch empfindet die Liebe anders. Und selbst da gibt es noch Unterschiede, denn meine Familie habe ich auch geliebt, aber eben anders. Aber ich gebe gerne zu, dass es sicher genügend Beziehungen gibt, wo es einfach nur noch eine Selbstverständlichkeit ist, dass es den anderen gibt. Ich denke, das ist dann so ziemlich das Ende einer Liebe. Das wichtigste daran ist, den anderen zu achten und zu respektieren. Ich denke, dann hat jeder eine Möglichkeit zu lieben und geliebt zu werden.“

Diesesmal blickte sie Miandra eher fragend an. Hoffentlich hatte sie die dunkelhaarige Frau mit ihrem Redeschwall nicht genervt.

Modifié par Bellandyrs, 27 mars 2012 - 06:56 .