Vielen Dank für eure freundlichen Worte!
Ich entschuldige mich für die lange Pause. Es lag nicht nur an meiner Arbeit - DA II kam dazwischen mit dem für mich persönlich sehr enttäuschenden Zevran cameo. Meiner Meinung nach ein Schlag ins Gesicht für jeden, der eine Zevran-Romanze gespielt hat - ganz abgesehen von seinem grusligen Alien-Antlitz. ![]()
Wie auch immer - es sind weitere Kapitel in Planung. R. wird bald eingeführt. Zevrans Reise nach Ferelden wird das Ende meiner Geschichte sein - spielbegleitende Fanfiction gibt es schon genug, wie ich finde. ![]()
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Antiva-Episoden Teil II
Kapitel 3: Vertraulichkeiten
Taliesen…
Zevran atmete tief die satte Frühlingsluft ein, die sich nun, da er sich dem Distrikt der Ledermacher näherte, mit anderen, ihm seit jeher vertrauten Gerüchen mischte. Mit ihnen kamen Erinnerungen auf – an die ersten schweren Jahre, die Handschuhe seiner Mutter, an Goisar, Sergio, Taliesen…
Dieser war für ihn zunächst nicht mehr als ein anderer Capo neben Sergio. Dann hasste er ihn – für das Verschweigen von Sergios Tod und weil er Zevran foltern ließ. Als Taliesen anfing, für ihn zu sorgen und ihn zu beschützen, stellte das seine Welt auf den Kopf.
Mit den ersten gemeinsamen Erfolgen verflog sein Hass unmerklich. Danach war der dunkelhaarige Assassine für ihn lange Zeit eine Herausforderung, eine scheinbar uneinnehmbare Festung für den – trotz seiner Jugend – schon so ausgezeichnet geschulten Verführer. Er genoss den Triumph, als diese Mauer endlich einbrach, in vollen Zügen.
Doch nun… auf einmal ertappte er sich dabei, seinerseits in Sorge um den anderen Mann zu sein. Er empfand keine Angst vor diesem Gefühl, lediglich eine gewisse Verwunderung, da es anders war als alles, was er bisher von sich zu wissen glaubte. Es war nicht die Sorge eines Capos um die Einsatzfähigkeit eines seiner Leute – es war… wie die Sorge um einen Freund.
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Als Zevran Taliesens Zimmer betrat, war der andere Mann gerade mit ein paar Papieren auf seinem Schreibtisch beschäftigt. Die rechte Schulter war verbunden, sein Gesicht einen Ton blasser als gewöhnlich. Doch nun stand er auf und trat dem Eintretenden freudig entgegen. „Zevran!“
„Wie geht es meinem mutigen Beschützer?“ Schmunzelnd deutete der Elf mit seinem Arm einen jovialen Schlag auf die verletzte Schulter an. Taliesen zuckte nicht. Nur ganz kurz blinzelte er und seine Kiefernmuskeln spannten sich. Zevran brach seine Bewegung kurz vor der Berührung ab und fing an zu lachen. "Ich hatte dich. Gib es zu!"
Der andere seufzte und schüttelte den Kopf. "Du bist so ein Kindskopf, Zev."
Aber neben aller verschmitzten Frechheit war im Gesicht des blonden Elfen auch Erleichterung zu erkennen: "Gut, dich in einem Stück zu sehen, Tal."
"Dasselbe könnte ich von dir sagen“, antwortete der Ältere. Er ging zu seinem Bett, um sich darauf auszustrecken, und zog den Jüngeren zu sich. "Erzählst du mir, was passiert ist?"
"Du meinst zwischen mir und dem gut aussehenden Magier? Eifersüchtig?" Augenzwinkernd setzte sich der Elf auf Taliesens Bettkante. Der angeschlagene Assassine zuckte seine gesunde Schulter: "Ich bin es gewohnt, dich mit ganz Antiva zu teilen. Also - du antwortest mir nicht?“
„Das kommt drauf an –verrätst du mir, was du gerade am Schreibtisch gemacht hast?“ Aus den Augenwinkeln versuchte der junge Elf einen Blick auf die Papiere zu erhaschen. Hatte Taliesen in seiner Abwesenheit etwa die Aufgaben des Capo übernommen? Der Schreibkram gehörte nicht unbedingt zu Zevrans Lieblingsbeschäftigungen. Trotzdem hinterließ ihm dieser Gedanke ein flaues Gefühl im Magen.
Taliesens Augenbrauen zuckten ebenso überrascht wie amüsiert. „Nun gut… abgemacht. Aber du fängst an.“
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Zevran lächelte verschmitzt. ‚Sollte irgendetwas von dem, was ihr hier hört oder seht nach außen dringen... ‘ – Todesdrohungen hatten doch immer wieder etwas Erfrischendes… „Arainai wollte mich sprechen. Es ging darum, wer neuer Meister unserer Zelle wird."
Taliesen stutzte und schaute den anderen forschend an. „Warum sollte Arainai mit dir darüber reden wollen, Zevran?"
Der Elf überlegte. Er hatte Taliesen nie von seiner Meisterweihe erzählt. Und nun wäre es sinnlos gewesen, es noch zu erwähnen. Also zog er mit einem breiten Grinsen die Schultern hoch. "Ich nehme an, sie wollten endlich den besten Liebhaber und Assassinen Antivas kennen lernen. Nicht? Ehrlich gesagt, ich hab keine Ahnung. Vielleicht, weil ich der letzte war, der Antonio lebend gesehen hat. Oder weil ich seinen Mörder getötet habe."
"Seinen Mörder?" Taliesen hob verblüfft seine Augenbrauen. "Ich dachte, es war ein Lungenleiden..."
Zevran schüttelte den Kopf, sein Blick traurig im Moment der Erinnerung: "Er wurde vergiftet, Taliesen."
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Der junge Mann schaute dem Elf in die Augen, dann zur Seite, nickte langsam. Zevran hatte wenig über seine Treffen mit dem Meister, seine Gespräche mit ihm erzählt. Doch Taliesen wusste, dass der junge Capo Sympathie und Achtung für seinen Meister empfunden hatte - auf eine Weise, die ihn zuweilen fast eifersüchtig werden ließ. "Und – wer wird es nun?", sprach Taliesen den weiteren Fluss seiner Gedanken laut aus.
"Arainai hielt Javiero nicht für geeignet. Neuer Meister soll darum ein Capo aus der anderen Arainai-Zelle werden. Ein Zweikampf wäre möglich. Aber ehrlich gesagt - ich denke, Javiero wird kneifen."
Taliesen lachte laut auf. Das machte Sinn. Aufgrund der Verluste in den vergangenen Jahren war ihre Zelle eine recht junge. Javiero war der einzige Capo über dreißig; und für eine Krähe war er ein ziemlicher Feigling. Der nächste in der Rangfolge wäre Sergio gewesen. Die anderen Capos waren Mitte zwanzig, aber recht blasse Gestalten. Zevran war noch zu jung. Und er selbst... Taliesen schluckte. Alle Entscheidungen, die man trifft, haben Konsequenzen. Manche davon werden einem erst Jahre später bewusst...
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„ Ich habe alles gesagt, nun bist du dran“, bemerkte Zevran zwinkernd und schielte wieder zu den Papieren hinüber.
„Nun gut, mein neugieriger kleiner Freund…“ Taliesen ging schmunzelnd an seinen Schreibtisch zurück. Er nahm die Schriftrolle in seine gesunde Hand und wedelte sie durch die Luft. „Das ist ein Vertrag. Ich wurde damit beauftragt… ihn zu übersetzen.“
Nun war es an Zevran, verwundert zu schauen. „Übersetzen? Ist dir schon so langweilig, dass du einen mickrigen Schreibjob annimmst. Und warum kommt damit überhaupt jemand zu dir. Wir haben mehr als zwei Duzend Schriftgelehrte in den Krähen-Archiven.“
Dem Dunkelhaarigen war eine diebische Freude darüber, die Neugier des Elfen angestachelt zu haben, deutlich anzusehen. Gleichzeitig schien er einen Augenblick mit sich zu hadern. Zevran ahnte, dass der andere womöglich ein ähnliches Versprechen geben musste wie er der Padrona gegenüber. Erhielt er nun Vertrauen für Vertrauen?
„Sicher, die gibt es. Aber Claudio kommt immer noch zu mir, wenn ihm etwas sehr wichtig ist.“
Zevran horchte auf. Er erinnerte sich, dass Taliesen einmal erwähnte hatte, der junge Prinz Claudio wäre einer seiner Tutoren gewesen. Dass er aber immer noch in Verbindung zu dem inzwischen schon sehr hochrangigen Krähenmeister stand, war ihm neu. Er kam näher heran, um das Schriftstück selbst in Augenschein zu nehmen. Es war in Ferelden verfasst, der ‚Zunge der Könige‘. Alle Krähen lernten die Grundlagen dieser in ganz Thedas als Lingua franca gebräuchlichen Sprache, aber…
„Soweit ich weiß, spricht Claudio sehr gut Ferelden. Wozu braucht er ausgerechnet dich als Übersetzer?“
Taliesen zog eine Augenbraue hoch. „Nun, dieses Schriftstück enthält einige komplizierte Formulierungen und ich… bin Muttersprachler.“
Überrascht blickte Zevran auf. „Aha! Ich dachte mir doch, dass ‚Taliesen‘ kein typisch antivischer Name ist. Allerdings habe ich nie einen Akzent bei dir bemerkt.“
„Das mag daran liegen, dass ich mein Heimatland mit sechs Jahren verlassen und seitdem nie wieder betreten habe. Offenbar war es Claudio aber wichtig, dass ich meine Muttersprache nicht verlerne. Deshalb stellte er mir einen Lehrer zur Seite, der mich in allen Eigenheiten des amtlichen Ferelden unterrichtete. Und nun… profitiert der Prinz davon. Ich übrigens auch – er zahlt ganz hervorragend.“
Zevran nahm das Schriftstück in die eigenen Hände, um es noch genauer untersuchen zu können. Taliesen ließ es amüsiert zu. Der Elf versuchte mit seinen bruchstückhaften Kenntnissen der fremden Sprache zu erfassen, was diesen Vertrag so besonders machte, dass nicht einmal die Schriftgelehrten im Krähenarchiv davon wissen durften. Ihm fielen zwei Siegel auf – hohe Beamte sowohl der Templer als auch der Kirche hatten den Vertrag unterzeichnet. Endlich glaubte er zu erkennen, worum es ging. „Die Überstellung von Magiern aus dem Fereldener Zirkel an unseren hier in Antiva?“
„Exakt“, lächelte Taliesen, „und frage mich bitte nicht, was Claudio damit zu tun hat, ich bin nur der Übersetzer.“
Zevran zuckte die Schultern. „Es ist Claudio, was kann es da schon sein – Macht, Geld, Mord… Vermutlich alle drei.“ Er schob die Schriftrolle auf den Schreibtisch zurück, stellte sich hinter den älteren Assassinen und begann, sanft dessen Nacken zu massieren. „Und, mein ausländischer Freund, wirst du mir verraten, wie du aus dem fernen Ferelden zu den Krähen gekommen bist.“
„Gern Zev, aber hör bitte nicht auf damit, du machst das perfekt.“ Taliesen gab sich den geschickten Händen des Elfen hin. Er legte seinen gesunden linken Arm angewinkelt auf den Schreibtisch, ließ sich nach vorn fallen und lehnte sich mit der Stirn auf seinen Unterarm. Er ließ es zu, dass der jüngere sich im Stuhl direkt hinter ihn setzte, spürte dessen Geschlecht fest und heiß an seinen Lenden. Es war schwer, sich so zu konzentrieren.
Und doch begann er zu erzählen. Von seinen Eltern, die einfache Bauern waren; von einem Hagelsturm, der ihre Ernte zerstörte; von ihrem Plan, in den Freien Marschen ein neues Leben zu beginnen. Wie ihr Schiff während der Überfahrt von Sklavenhändlern gekapert, er von seiner Familie getrennt und schließlich an die Krähen verkauft wurde.
„Ich weiß nicht einmal, ob meine Eltern noch leben“, schloss er seine Erzählung ab.
„Hast du jemals nach ihnen gesucht?“ Zevran massierte die starke Verspannung unter dem Schulterblatt der verletzten Seite. Taliesen stöhnte wohlig, bevor er fortfuhr. „Eigentlich nicht, nein. Ich hatte damals lange gewartet und gehofft, dass meine Eltern mich suchen und finden würden. Irgendwann habe ich das aber aufgegeben.“ Er drehte sich zu dem Elfen um und Zevran sah eine unglaubliche Traurigkeit in seinen braunen Augen, eine Wärme und Tiefe, die er dort niemals erwartet hätte. Ihm wurde klar, dass der andere sich ihm in diesem Moment geöffnet hatte – er hatte ihm einen Blick in seine Seele erlaubt. Doch dann drehte der Assassine sich wieder weg, schüttelte den Kopf und fing an, lautlos in sich hineinzulachen.
„Kannst du dir das vorstellen, Zev – wenn meine Eltern mich gefunden und von den Krähen ‚befreit‘ hätten? Ich – als Bauer? Den ganzen Tag harte Arbeit und abends ein Stück Brot und einen Teller Suppe. An meiner Seite eine unscheinbare Bauersfrau, deren größtes Talent das Stopfen alter Socken ist. Dann vielleicht noch drei, vier Blagen im Haus, die ich alle mit durchfüttern müsste. Nein, es ist schon alles gut, wie es gekommen ist. Hier hab ich Geld, Brandy, schöne Frauen, ein großes, weiches Bett. Mein junger Capo ist der bestaussehende Assassine in Antiva und ganz nebenbei noch ein hervorragender Liebhaber. Gut, ich muss ab und zu ein paar Leute töten, aber alles hat seinen Preis.“
Zevran schmunzelte. "Ah, lass uns das ermüdende Gespräch beenden und diesen unbequemen Stuhl gegen dein Bett tauschen. Ich hab dich vermisst.“ Er begann, sein heißes Geschlecht nun sehr deutlich gegen die Hüften des anderen Mannes zu reiben. Der stöhnte genießerisch, zog den Elfen mit seinem gesunden Arm zu sich heran und biss ihm begierig in eins seiner spitzen Ohren.
Dieses Kapitel habe ich komplett neu umgeschrieben, da ich der Unterhaltung der beiden Protagonisten etwas mehr Tiefe verleihen wollte als in der ursprünglichen Fassung. Zu Taliesens Hintergrundgeschichte... Taliesen ist ein britischer - genauer ein walisischer Name. Er geht auf das "Buch Taliesins" zurück, eine bekannte Gedichtsammlung in walisischer Sprache aus dem 14. Jahrhundert. Dieser Name und der Fakt, dass Taliesen im Spiel im Gegensatz zu Zevran tatsächlich völlig akzentfrei spricht, brachten mich auf diesen "Kopfkanon".
Modifié par maradeux, 05 novembre 2014 - 05:12 .





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