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Eine mörderische Kindheit + Antiva-Episoden - Fan-Fiction - Zevran


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134 respuestas en este tema

#26
maradeux

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Hallo Goli! :)

Nein, in dieser Geschichte geht es nur um Zevrans Kindheit. Und sie spielt komplett vor den Ereignissen von DA:O.

Liebe Grüße! :)

Editado por maradeux, 03 septiembre 2010 - 07:25 .


#27
Goli71

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Editado por Goli71, 21 septiembre 2010 - 01:12 .


#28
maradeux

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Hm... wer weiß? Versprechen kann ich aber nichts. ;) Eine Weile lang wird mich Zevran sicherlich noch beschäftigen. Und er ist mein Lieblingschar. Aber Sten wäre sicherlich auch interessant (nur als Beispiel).

#29
Goli71

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Editado por Goli71, 21 septiembre 2010 - 01:12 .


#30
maradeux

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Ein Dalishes Intermezzo

4. Kapitel: Vir Tanadahl*


Zevran gähnte ausgiebig. Nicht aus Schlafmangel. Schlaf bekam er genug, mehr als genug. Sobald es dunkel wurde, zogen die meisten Dalish sich in ihre Aravels zurück. Und das Dorf erwachte erst wieder bei Tagesanbruch. Das waren - da die Tag-Nacht-Gleiche nun schon fast eine Woche zurück lag - mehr als zwölf Stunden, die er hätte pro Nacht schlafen können, wenn er es wollte. Es sei denn, er war zum Wachdienst eingeteilt.

Das Dorf wurde bewacht, rund um die Uhr in je zwei Tag- und Nachtschichten und nach allen Himmelsrichtungen. Jede Frau, jeder Mann ab einem Alter von sechszehn konnte eine Wache übernehmen. Da Zevran bereits Tiere erlegt hatte - nicht wenige - galt er als sechszehn. Er wurde nie gefragt. Und ihm war es ganz recht als "Erwachsener" behandelt zu werden. Allerdings war so ein Wachdienst schrecklich langweilig. Das waren sechs Stunden, in denen in aller Regel rein gar nichts passierte. Aber man musste auf seinem Posten bleiben. Genügend Zeit zum Grübeln - und zum Gähnen...

Drei Wochen war Zevran nun bei den Dalish. Das Leben war angenehm. Und es war öde. Man behandelte ihn zurückhaltend, aber freundlich. Er hatte immer gutes Essen und viel Ruhe. Zu viel Ruhe für seinen Geschmack. Er konnte sich weder für Fischfang noch das Schnitzen von Pfeilen begeistern. Den Ledergerbern schaute er lieber zu, als die harte Arbeit selbst zu verrichten, und auch Kräuter verarbeiten wurde auf Dauer langweilig. Immer wieder musste er sich eingestehen, dass er die Krähen, vor allem den Nervenkitzel während eines gefährlichen Auftrags, vermisste.

Man hatte ihn zu Brethil, dem Geschichtenerzähler, geschickt. Dieser war ein noch junger Mann, etwa dreißig, mit einer hohen Stirn und einem ernsten, freundlichen Gesicht. Ihm fehlte der linke Arm - er hatte ihn als Kind verloren, als der Clan während einer Reise von Berglöwen angegriffen worden war. Brethil erzählte Zevran vom Leben der Dalish, von ihrer Geschichte, ihren Göttern und ihrem Kodex Vir Tanadahl - dem Weg der drei Bäume. Zevran hörte nicht wirklich aufmerksam zu. Ihm war das alles viel zu ernst und feierlich. Dafür fühlte er sich nicht geschaffen.

Vhenan, Sûls Schwester, verhielt sich weiterhin abweisend ihm gegenüber. Andere Mädchen im Dorf interessierten sich durchaus für den jungen Elfen. Shannon, die Enkelin der Hüterin machte ihm ebenso schöne Augen wie Hilija, die Tochter des Bogenbauers Anugwaith. Beide waren hübsch, aber mehr als ein neckisches Gespräch war nicht möglich, denn sie hielten sich streng an die Tradition - vor der Ehe gab es nicht einmal einen Kuss, geschweige denn etwas anderes... Zum Heiraten verspürte Zevran allerdings gar keine Lust. Außerdem fehlte ihm noch ein Vallaslin, und das war - soviel er wusste - an ein geheimnisvolles Ritual gebunden. Er war froh, äußerst froh, dass sich Sûl - wohl aufgrund seiner Ausnahmesituation - an keine dieser Traditionen gebunden fühlte. Die Schwimmstunden fanden regelmäßig statt und ja, er lernte auch schwimmen dabei.

Neben der Zeit, die er mit Sûl verbringen konnte, war es die Jagd, die Zevran das größte Vergnügen bereitete. Einem Wild nachzustellen, es aufzuspüren, aber vor allem, es zu töten: Der präzise Schuss ins Herz und - lieber noch - der gut platzierte Stich in den Hals - Auge in Auge mit der Bestie - das war seine Leidenschaft, das brachte sein Blut zum Kochen, wie er es gern sagte. Sein Kampf gegen das Wolfsrudel, von dem Vhenan berichtet hatte, hatte schon bei seiner Ankunft für Erstaunen und Anerkennung gesorgt. Auch in den folgenden Wochen konnte Zevran immer wieder sein Talent als Jäger unter Beweis stellen.

Ein großgewachsener Elf erschien neben ihm - seine Ablösung war da. Zevran, der die Nachmittagsschicht übernommen hatte, war nun befreit und konnte ins Dorf zurück kehren. Die Sonne ging gerade unter. Die Ältesten des Clans begaben sich in das große Beratungszelt in der Mitte des Lagers. Einmal in der Woche gab es dort eine Versammlung, so auch heute.

***
"Er ist ein guter Jäger", sagte Brethil, der Geschichtenerzähler. "Er sollte sein Vallaslin erhalten und sich eine Frau wählen dürfen."

"Aber", wandte Anugwaith, der Bogenbauer, ein "Er ist gerade erst ein paar Wochen bei uns. Ist das nicht zu früh?"

"Er ist ein Sohn unseres Volkes." sagte Morneryn ruhig. "Seine Mutter war eine Dalish. Und er hat meinen Sohn aus der Sklaverei befreit. Für mich gehört er zur Familie."

Einige der Dalish nickten.

"Er ist unter Menschen aufgewachsen, ein Flachohr! Wir wissen nicht, ob wir ihm trauen können." wandte Nomovil ein. Sie gehörte zu den besten Jägerinnen des Clans.

Hüterin Einiora hatte der Diskussion schweigend zugehört. Nun stampfte sie mit ihrem Stab auf den Boden, um anzukündigen, dass sie sprechen würde. Die Diskussion verstummte. Alle Augen richteten sich ehrfurchtsvoll auf die alte Frau "Lassen wir die Götter entscheiden." sagte sie bestimmt. "Er soll das Ritual durchführen, so wie es alle unsere jungen Jäger tun."

Die Dalish nickten zustimmend, die Versammlung löste sich auf. Nur Tathar, Sûls Vater blieb sitzen. Er wartete, bis die anderen das Zelt der Beratung verlassen hatten. Dann wandte er sich an die Hüterin: "Sind die Nächte für das Ritual nicht schon zu kühl? Wir werden bald in unser Winterquartier aufbrechen. Das Ritual führen wir sonst nur im Sommer durch."

Die Hüterin stand auf, ging zu dem Mann hinüber und legte ihm eine Hand auf die Schulter: "Du hast ein zu weiches Herz für diesen Jungen, Tathar. Und du müsstest es besser wissen - die Probe ist in der Hitze des Hochsommers sehr viel schwerer zu bestehen als bei milderem Wetter. Sowohl deine Tochter als auch dein Sohn haben ihr Ritual erfolgreich beendet. Auch Zevran wird bestehen, wenn er bereit ist Und du weißt, dass er das Ritual jederzeit abbrechen kann, wenn es ihm zu schwer ist. Die Götter werden ihn beschützen. Und - falls notwendig - auch die Pfeile unserer Jäger."
_______________________________
*Vir Tanadahl - der Weg der drei Bäume - Ehrenkodex der Dalish-Elfen. Er besteht aus drei Teilen:
- Vir Assan - der Weg des Pfeils - fliege direkt und wanke nicht
- Vir Bor'Assan - der Weg des Bogens - lass dich biegen, aber breche nicht
- Vir Adahlen - der Weg des Waldes - zusammen sind wir stärker als allein

Editado por maradeux, 08 septiembre 2010 - 07:58 .


#31
Raredith

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Daumen hoch auch fuer diese Fortsetzung, wirklich spannend. Wie es wohl weitergeht? Hoffentlich kommt da noch ganz viel ^^

#32
maradeux

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Ein Dalishes Intermezzo

5. Kapitel: Das Ritual

"Du bist ein guter Jäger, Zevran.“ Der Angesprochene grinste mit einem Anflug von Spott. Diesen Satz hatte er in den vergangenen Wochen oft gehört. Jäger klingt besser als Mörder, dachte er. Einiora schien von dem zynisch verschobenen Mundwinkel des Jungen keine Notiz zu nehmen:  „Aber eines fehlt noch." Sagte die Greisin und stand auf, sich dabei auf ihren Stab stützend. Sie trat nahe an Zevran heran und zeigte ihm die Schnitzerei am Kopf des Stabs: "Erkennst du das? Das ist die Eule, mein Seelenwesen.“ Die Hüterin richtete ihre Augen auf die Schnitzerei und fuhr einmal mit ihrer runzligen Hand darüber. „Sie ist ein Symbol für den Gott Dirthamen, den Bewahrer der Geheimnisse.“ Die Alte ging langsam zurück zu ihrem Platz und setzte sich wieder hin. „Jeder hat ein Seelenwesen, du musst herausfinden, welches deines ist. Es weist dir den Weg zu deinem Gott."

Zevran schaute skeptisch "Was muss ich tun?"

***
Sie hatten einen Steinkreis für ihn gelegt, an einer traditionell für dieses Ritual genutzten Stelle: Ein Abhang über einer weiten Ebene, ungeschützt vor Sonne, Wind und Regen. Der Ort lag etwa zwei Stunden vom Dorf entfernt. Der Kreis war groß genug, um bequem darin zu sitzen, aber zu klein, um sich darin auszustrecken und zu liegen. Drei Tage und Nächte sollte Zevran hier verbringen, ohne Essen und Trinken, ohne Waffen und auch ohne Kleidung, außer einem Lendenschurz - einem für Zevran ungewohnten Kleidungsstück, welches die Dalish als Unterwäsche zu tragen pflegten, und das er als überaus erotisch empfand. Allein mit seinen Gedanken sollte er darauf warten, dass die Götter zu ihm sprachen und ihm sein Seelenwesen offenbaren würden.

Man hatte ihm ausdrücklich erklärt, dass er das Ritual jederzeit abbrechen könnte, wenn es ihm zu schwer wäre. Und dass das nicht schlimm wäre, weil er es dann im nächsten Jahr, oder wann immer er sich bereit dafür fühlte, wiederholen könnte. Er bräuchte nur den Kreis verlassen und gehen oder warten, bis er von einer Wache abgeholt würde. Zevran glaubte nicht an die Götter der Dalish oder irgendwelche Seelenwesen. Aber er war fest entschlossen zu beweisen, dass er eine solche Probe bestehen konnte.

Der erste Tag war einfach, ein heiterer Herbsttag, lauwarm, die Sonne von leichten Wolken umspielt. Zevrans Blick schweifte über die Ebene, er beobachtete den Zug der Vögel und Tiere, die auf den fernen Wiesen grasten. Die Nacht war schwieriger. Der Wind strich kühl über Zevrans nackte Haut und ließ ihn schauern. Irgendwann schlief er im Sitzen ein. Sorgen musste er sich nicht machen. Er wusste, dass es einen Wachposten in der Nähe gab. Die Dalish beschützten ihre jungen Jäger. Das würden sie auch für ihn tun.

Hunger war Zevran gewohnt, das machte ihm wenig aus. Aber ab dem zweiten Tag machte sich der Durst verstärkt bemerkbar. Die Zunge klebte ihm am Gaumen und sein Kopf schmerzte. Zevran konzentrierte sich, er dachte an seine Nächte im Keller und andere Proben, die er schon als Kind bei den Krähen zu bestehen hatte: Er würde durchhalten.

Gegen Abend begann die Umgebung vor seinen Augen zu flimmern. Halluzinationen und Traumschatten erschienen, aber undeutlich, verschwommen, so dass nichts in ihnen auszumachen war. In der Nacht begann es, stark zu regnen. Der Regen ließ auch am folgenden Tag nicht nach. Zevrans dehydrierter Körper gierte nach dem Wasser, aber sein Mund bleib verschlossen. Es wäre für ihn undenkbar gewesen, die Regeln des Rituals zu brechen.

Als die Abenddämmerung des dritten Tages einsetzte, bemerkte Zevran einen dunklen Punkt am verregneten Himmel, fernab zwischen den Wolken, der langsam auf ihn zu kam. Irgendwann erkannte er, dass es ein schwarzer Vogel war. Er begann es zu ahnen, und er behielt Recht - es war eine Krähe. Sie ließ sich auf einem Baum neben ihm nieder, auf einem kahlen Ast, krächzte und schaute ihm in die Augen. Zevran hielt den Blick. Schließlich schwang sich die Krähe wieder auf, flog auf ihn zu. Zevran wich nicht aus. Die Krähe flog in ihn hinein. Er spürte wie er leichter wurde, spürte seine Flügel, den Luftzug darunter. Er erhob sich und flog... zu dem Baum, über die Ebene. Er spürte den Wind im Gefieder, den Regen auf den Flügeln, er hörte das Rauschen der Bäume, sah die Steppe unter sich, Wälder und Seen. Weit fort flog er. Immer weiter in die Richtung, aus der der Vogel auf ihn zugeflogen war.

Als Zevran aus seiner Vision erwachte, dämmerte der Morgen. Es regnete immer noch. Zevran fror und hatte Halsschmerzen. Er bemerkte einen Schatten neben sich: Sûl war da. Der Freund hatte die letzte Nachtwache bei ihm übernommen. Sûl reichte ihm einen Krug Wasser:

"Hier, du hast es überstanden." lächelte der Junge "Du darfst jetzt trinken."

Zevran hob entschuldigend eine Hand und wandte sich ab. Seine Nase kribbelte und er musste mehrmals niesen. Dann wandte er sich Sûl zu, krächzte ein "Danke!" nahm den Krug und begann begierig zu trinken.

Sûl lachte: "Du hast dich erkältet!"

Zevran setzte den Krug ab und grinste Sûl an: "Und das ist so lustig?"

"Es ist lustig, weil das allen Flachohren passiert, die uns besuchen. Sie sind unser Leben nicht gewohnt, sie sind verweichlicht."

Zevran lachte heiser: "Verweichlicht? So hat mich noch niemand genannt. Macht dich das an?" Er warf Sûl einen hungrigen Blick zu.

"Komm" lächelte Sûl, "gehen wir ins Dorf. Dort bekommst du Essen und Decken. Du musst dich jetzt ausruhen." Er zog sein Lederwams aus und reichte es dem Freund: „Ich glaube, das brauchst du nötiger als ich“ zwinkerte er.

Zevran dankte und stand auf. Im ersten Moment war ihm schwindlig. Sûl war vorbereitet und hielt ihn fest. Dann machten sie sich auf den Weg. Sûl hatte einige Beeren dabei und Stücke von getrocknetem Fleisch. Zevran kaute langsam, vorsichtig. Er wusste, wie sein Körper reagierte, wenn er einige Zeit nichts gegessen hatte. Die beiden Freunde gingen eine Weile wortlos nebeneinander her. Unterbrochen nur von Zevrans gelegentlichem Husten und Schniefen.

"Was ist eigentlich dein Seelenwesen?" fragte Zevran schließlich.

"Der Wolf. Er gehört zu den Symboltieren von Andruil, der Göttin der Jagd." Sûl wies auf die Tätowierung an seiner Stirn: "Das Zeichen von Andruil. Welches Wesen hast du gesehen?"

"Eine Krähe..."

Sûl schaute Zevran forschend an: "Die Krähe steht für Falon'Din, den Gott des Todes und des Schicksals."

Irgendetwas schien Sûl an Zevrans Vision zu beunruhigen, aber er konnte nicht sagen, was es war.

Editado por maradeux, 13 septiembre 2010 - 07:33 .


#33
maradeux

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Ein Dalishes Intermezzo

6. Kapitel: Regenzeit


Nach seiner Rückkehr ins Dorf aß Zevran etwas Fleichbrühe und fiel danach in einen unruhigen, häufig unterbrochenen Schlaf. Am nächsten Morgen kam die Hüterin und fragte nach seinen Visionen. Neben ihm sitzend, ihren Stab zwischen den Knien erzählte die Greisin ihm von Falon'Din, dem Freund der Toten, dass er der Zwillingsbruder von Dirthamen sei, und beide die ältesten Kinder von Elgar'nan, dem All-Vater und Mythal, der großen Beschützerin. Sie erklärte ihm das Vallaslin, das er erhalten würde. Da der Clan in den nächsten Tagen in sein Winterquartier aufbrechen würde, wurde beschlossen, die Tätowierung erst dort vorzunehmen.

Einiora zeigte sich besorgt, dass die Vision dem jungen Elfen eine Krankheit gebracht hatte, und dass gleichzeitig die Regenzeit begonnen hatte - früher als erwartet. Das käme selten vor, sagte sie. Sie wollte die Götter danach befragen. Zevran verstand nicht, warum sich jemand Gedanken um einen einfachen Schnupfen machen sollte. Obwohl es ihm selten passierte - es war keinesfalls so, dass er zum ersten mal in seinem Leben erkältet war. 

Am Abend des zweiten Tages fragte Tathar seinen jungen Gast, ob er sich in der Lage fühle, eine Nachtwache zu übernehmen. Die eigentlich zuständige Jägerin war mit Verletzungen von einem Erkundungsgang zurückgekehrt. Zevran willigte ein. Es war die zweite Schicht, nach Mitternacht bis zum Morgengrauen. Der Posten lag ein Stück vom Dorf entfernt, auf einem Hügel in der Nähe der Wasserstelle. Der Regen, der seit Tagen unaufhörlich fiel, ließ auch jetzt nicht nach. Es war nicht kalt, durch seine Erkältung fror Zevran dennoch. Einem Niesanfall folgte Reizhusten. "Brasca!" fluchte Zevran heiser.

"Du solltest wirklich leiser sein, du scheuchst ja den ganzen Wald auf." Sûl lachte leise. Der junge Dalish hatte selbst den ersten Teil der Nacht bei den Halla gewacht. Er hatte eine aufgerollte Decke unter seinem Arm und einen Becher in der Hand.

Zevran schaute dem Ankommenden amüsiert entgegen: "Ich wollte nur sicher sein, dass du mich auch findest." zwinkerte er "Aber was führt dich her? Kannst du nicht schlafen? Ist das Jucken so stark?" Er schaute anzüglich und zwickte keck in Sûls rechte Ohrenspitze.

Der Dalish-Elf grinste verlegen. "Das auch, ja. Aber ich habe mir Sorgen gemacht. Es regnet so stark und du bist immer noch krank. Hier..." Er gab seinem Freund den Becher mit heißem, stark duftendem Kräutertee. "Das wird dir helfen."
"Danke." Zevran setzte sich auf einen Baumstumpf und begann, den Tee in kleinen Schlucken zu trinken. Er tat gut, beruhigte den wunden Hals, verbreitete eine angenehme Wärme im Körper. Kleine Schweißperlen traten auf seine Stirn.

Sûl hatte die Decke ausgerollt und dem Gefährten um die Schultern gelegt. Er berührte Zevrans feuchtwarme Stirn. "Zevan..." seine Stimme klang besorgt "Du hättest sagen sollen, dass du Fieber hast, dann hätten wir dich nicht zum Wachdienst eingeteilt. Ich könnte deine Schicht übernehmen," schlug er vor "Du solltest lieber zurück ins Zelt gehen."

"Ach was, Fieber...." Zevran verzog spöttisch den Mund und winkte ab "Das ist nur ein wenig erhöhte Temperatur. Nicht der Rede wert." Er trank noch einen Schluck Tee, schaute dem Gefährten in die Augen "Trotzdem weiß ich es zu schätzen, dass du für mich sorgst. Wirklich. Das hat noch nie jemand getan." Er musste an Sergio denken und spürte ein bedrohliches Brennen in der Nasenwurzel. Er biss sich auf die Unterlippe, um den Gedanken zu verscheuchen.

Sûl hockte sich zu ihm und legte einen Arm um die Schultern seines Gefährten. "Aber das ist doch selbstverständlich. So etwas tun... Freunde... füreinander."

Zevran grinste den Dalish schelmisch an: "Wenn das so ist, meinst du nicht, dass du mich noch auf andere Weise wärmen könntest? Der Tee ist fast leer und mir ist so kalt." 

Sûl lachte und küsste Zevran...

***

Später war Sûl eingeschlafen und Zevran hatte die Decke über ihn gelegt. Endlich zog die Morgendämmerung herauf; der Regen ließ nach. Der junge Elf ging an seinem Posten auf und ab. Er fror in seinen durchnässten Sachen. Durch sein Husten wurde der Dalish geweckt. Sûl setzte sich auf und runzelte die Stirn."Komm, lass uns ins Dorf gehen, ich gebe dir meine Winterrüstung und mehr Tee."

"Ich muss noch auf meine Ablösung warten." Leise zitternd verschränkte Zevran die Arme vor der Brust und rieb sich mit den Händen die Oberarme. "Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe." Seine Stimme klang noch heiserer als in der Nacht und er sah im Morgenlicht blass und müde aus. Sûl spürte Stiche der Besorgnis in seinem Herzen. Eilig bemühte er sich, die Decke wieder um die Schultern seines Gefährten zu legen. Er umarmte ihn, um ihn zu wärmen. 

Zevran lachte leise. "Du bist goldig. Es ist nur ein bisschen Husten, ich sterbe nicht daran." Er zwinkerte. 
Sûl aber schaute ihn sehr ernst an. Mit seiner linken Hand hielt er die Enden der Decke vor Zevrans Brust zusammen, mit der rechten streichelte er das etwas zu warme Gesicht seines Gefährten. Er wirkte nervös: "Zevran..." sprach er zögernd, "Ich denke, ich muss dir etwas gestehen..."

"So, was denn?" Der junge Elf drehte den Kopf weg, um seinem Freund nicht ins Gesicht zu niesen.

Sûl wartete, bis sein Gefährte ihn wieder anschaute. Seine Stimme wirkte unsicher: "Zevran, ich... habe mich in dich verliebt."

Die Worte trafen Zevran wie eisige Messer. Erschrocken trat er einen Schritt zurück. Seine Lippen zitterten und seine eigene Stimme klang ihm fremd: "Ist das dein Ernst?"  

Der Dalish nickte stumm, er blickte fragend, hoffend, wie am Tag ihres ersten Kusses. 

Zevrans Herz begann beängstigend schnell zu schlagen. Was wollte dieses Kind von ihm? Halt dich fern von mir, ich bin Gift für dich, wollte er sagen. Doch er wusste, spürte, Sûl würde nicht auf ihn hören. Keine Warnung wäre stark genug, seine albernen Gefühle zu töten.

Niemand hielt mehr die Decke fest, sie rutschte dem Stadtelfen von den Schultern. Ein kühler Windstoß erfasste ihn. Sein Körper schauderte. Und plötzlich, als hätte jemand sein Herz angehalten, sah Zevran ganz klar. Er wusste, was er tun würde. Tun musste.

Unvermittelt fing er an zu lachen. Es war ein kaltes, heiseres Lachen, schneidend wie splitterndes Glas: "Verliebt? Das glaub ich ja nicht. Bei Andraste... Er ist verliebt!" Der blonde Elf schüttelte den Kopf, sein Lachen endete in Husten.

"Du... also nicht?" Sûls Augen waren voller Angst. 

Der Blick der ehemaligen Krähe wurde eiskalt und zynisch."Versteh mich nicht falsch, Sûl, du bist ein süßer Kerl, echt hübsch. Wenn ich dich sehe, möchte ich dich im Bett. Dasselbe empfinde ich, wenn ich deine Schwester sehe. Oder Shannon. Oder jede andere Frau und jeden anderen Mann mit einem hübschen Arsch." Seine Heiserheit gab dem Hohn in seiner Stimme eine grausame Schärfe.

Der Dalish ging langsam rückwärts. Fassungslos schüttelte er den Kopf. Seine braunen Augen hatten sich mit Tränen gefüllt, seine Lippen zitterten. Noch nie in seinem ganzen Leben hatte ihn jemand so tief verletzt. "Hau ab!" zischte er und seine Augen wurden eng vor Hass. "Geh mir aus den Augen! Ich will dich nie mehr sehen, Nie mehr." Er drehte sich um und lief davon.

Zevran schaute dem Dalish mit halbgesenktem Blick hinterher. Der Regen wurde wieder stärker. Irgendwann hob der Elf die Decke vom Boden auf. Sie war schwer vor Nässe und wärmte nicht mehr. Dennoch zog er sie sich eng um seine Schultern. Alles Zynische war aus seinem Gesicht verschwunden, er sah traurig aus.

***

Der angebrochene Tag war der letzte vor dem Aufbruch. Als Zevran im Dorf ankam, wurde gerade das Schlafzelt der Familien verpackt, die Planen auf den Aravels verstaut. Er würde keine Möglichkeit mehr haben, sich auszuruhen. Zevran suchte seine Sachen zusammen und zog sich um. Er wählte die Rüstung, in der er gekommen war - die Lederrüstung der Krähen. Sie saß knapp, er war gewachsen.

Sûl ging Zevran aus dem Weg. Seine Eltern bemerkten die plötzliche Distanz. Und auch wenn der junge Dalish ihnen mit keinem Wort verriet, was vorgefallen war, wurde ihr Verhalten gegenüber ihrem Gast-Sohn merklich kühler. Zevran bezweifelte, dass er im Aravel dieser Familie noch willkommen sein würde. Eine Nacht im selben Zelt wie Sûl zu verbringen, war auf einmal schwer vorstellbar.  

Der Regen schien nicht mehr enden zu wollen. Zevran dachte mit Sorge an die bevorstehenden Tage und Nächte: Die Schlaflager in den Zelten waren weniger bequem als die Betten in der Stadt, aber in der nächsten Zeit würde er noch weit weniger Komfort zur Verfügung haben - Sûl hatte ihm erzählt, dass die Dalish, solange sie unterwegs waren,  einfach eng an eng auf ihren Aravels schliefen. War das wirklich das Leben, das er gewollt hatte?

Die Dalish waren ein stolzes Volk, ernsthaft und ehrlich. Die meisten von ihnen betrachteten ihn als Fremden, voller Misstrauen. Aber er hatte auch Zuneigung, Fürsorge und Vertrauen erlebt - von Sûl, dessen Eltern, von der Hüterin und Brethil. Und es war falsch. Es war falsch, dass sie ihm trauten. 

Einiora sah in seine Krankheit, seiner albernen Erkältung, irgend eine Bedeutung. Womöglich hatte sie Recht: Zevran hatte die Kultur der Dalish nicht ernst genommen, er hatte ihre Geschichten und ihren Glauben insgeheim verspottet. Und er hatte sie angelogen - vom ersten Tag an. Er hatte nicht darüber nachgedacht, warum er das tat. Flunkereien waren für ihn nur ein Spiel, das er gut zu beherrschen glaubte. Vielleicht war es aus Mitleid, weil er verschweigen wollte, was mit der Tochter ihres Volkes und dem Sohn, den sie in der fernen Stadt geboren hatte, wirklich passiert ist. Vielleicht war es aus Scham über das eigene Leben, das er hinter sich lassen wollte. Vielleicht auch aus Ehrfurcht vor den Krähen und ihren Geheimnissen. 

Aber die Dalish waren nicht seine Opfer, denen er nach ein paar charmanten Schmeicheleien die Kehle durchschnitt. Man konnte ein neues Leben nicht auf Lügen aufbauen. Die Vision - ob göttliche Eingebung oder eigenes schlechtes Gewissen - hatte seinen Betrug enttarnt, sein wahres Wesen offenbart: Er war kein Dalish und würde nie einer sein. Mach dir nichts vor, Zevran. Alles, was du weißt, alles, was du kannst, und alles, was du jemals sein wirst, ist eine verdammte Krähe.

Stilles Mondlicht lag über dem Lager. Aus dem milchig bewölkten Himmel fiel zarter Nieselregen. Ein einziges Zelt stand noch in der Mitte des Dorfes: das große Beratungszelt, in dem heute Nacht das gesamte Dorf auf einfachen Decken schlief. Im Morgengrauen würden sie es gemeinsam abbauen und sich auf den Weg Richtung Trockenlande begeben. Zevran kannte die Wachposten und wusste, wie er sich vor ihnen verbergen konnte. Wieder einmal war es eine Nacht, deren Schatten er so gern suchte, um unsichtbar, unhörbar zu verschwinden.

== Ende ==

Editado por maradeux, 07 junio 2013 - 11:26 .


#34
maradeux

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Von Schicksal und Tod


Prolog: Stadtgeflüster

In den vier Wochen, die Zevran bei den Dalish verbracht hatte, war in Antiva City viel passiert: Eine Woche nach seinem Verschwinden sind Bürgermeister Di Manico und Senator Lorenzo auf tragische Weise ums Leben gekommen: Man fand sie im Arbeitszimmer des Bürgermeisters, nackt auf dem Boden. Jeder hatte eine Phiole in der Hand, aus der eine ätzende Flüssigkeit tropfte, die Löcher im Teppich und sogar noch im Holzfußboden darunter hinterließ.

Natürlich gab es Gerüchte, dass die Krähen dahinter steckten, aber man fand in der Korrespondenz genügend Beweise für die Korruption und ein heimliches intimes Verhältnis der beiden Männer, so dass ein Doppelselbstmord als wahrscheinlichste Erklärung erschien.

Über Signora di Manico erzählte man, sie hätte wochenlang in sämtliche Waisenhäusern der Stadt erfolglos nach einem blonden Elfenjungen gesucht. Die Tochter Martha sollte sich mit dem Sohn des Senators zusammen getan haben. Die beiden wären entschlossen, die geheimnisvollen Umstände, die zum Tod ihrer Väter führten, aufzuklären. Aber man hielt das für einen Spleen gelangweilter Adelskinder und traute ihnen nicht viel Erfolg zu.

Neuer Bürgermeister von Antiva City wurde Fernando Curantigno, Neffe und Schachfigur des Hauses Arainai, einer Handelsdynastie, der zwei komplette Krähenzellen gehörten.



1. Kapitel: Was bist du?


Es war eine mühsame Rückreise im Dauerregen. Die angeschwollene Furt hatte Zevran diesmal durchschwimmen müssen. Alle seine Sachen, auch sein gesamtes Gepäck, waren dabei nass geworden. Er fluchte, als er das Wasser aus seinen guten Stiefeln schüttete. Er konnte sich noch genau an den Tag erinnern, als er sie gekauft hatte - das war kurz vor seiner Manico-Mission, und er hatte das Geld für die Schuhe mehrere Monate lang zusammen gespart. Nun waren sie völlig ruiniert. Das ärgerte ihn mehr, als die Tatsache, dass er gezwungen war, in nassen Sachen weiterzugehen. Seiner Erkältung tat das nicht gut. Vor allem der Husten hielt sich hartnäckig.

Der Elf war überrascht, sein Zimmer unangetastet vorzufinden. Sein Gepäck stellte er ab, kramte in seiner Kommode nach trockener Kleidung und zog sich um. Erschöpft legte er sich auf sein Bett. Es ging ihm überhaupt nicht gut, und er hätte gern geschlafen, aber der Gedanke an das, was ihn erwarten würde, machte es ihm unmöglich zur Ruhe zu kommen. Er verzog spöttisch den Mund über sich selbst, als er darüber nachdachte, wovor er geflohen war und wohin... Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder sie töteten ihn sofort, oder sie bestarften ihn. Und die Strafe war mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls tödlich. Die Möglichkeit, dass er überleben, und sie ihn wieder bei den Krähen akzeptieren würden, war so gering... Aaah, der vertraute Nervenkitzel... Er war vorbereitet. Und er war sich sicher, dass er nicht lange würde warten müssen...

Als sie zu viert hereinstürmten, um ihn zu holen, leistete er keinerlei Widerstand. Er stand einfach auf und ließ sich ziehen. Sie brachten ihn in den Keller, sperrten ihn über Nacht in die Wasserzelle. Zevran verfluchte seine Erkältung. Er hatte gelernt, Schmerzenslaute zu vermeiden. Aber so sehr er sich bemühte, es gelang ihm nicht immer, seinen Hustenreiz zu unterdrücken. Das war so demütigend und ärgerlich. Seine Peiniger nutzten die Schwäche aus: Jedes mal, wenn der Elf husten musste, kam ein weiterer Wasserstrahl.

Am nächsten Morgen zerrten sie ihn aus der Zelle und fesselten sie ihn auf die Streckbank. So höhnisch es anmutete - er war froh, im Trockenen liegen zu können. Er war nass, durchgefroren und fühlte Stiche in der Brust. Zevran schaute sich seine Folterer genau an. Es waren zwei Elfen, noch jung. Der eine hatte lange, rotbraune Haare und stechend orange Augen, der andere dunkle Haare, seine Augen waren klein und grau. Sie trugen das Arainai-Zeichen an ihren linken Schläfen. Das war allerdings kaum zu erkennen, da ihre Gesichter mit sehr vielen zusätzlichen Tätowierungen überdeckt waren, die Dalish anmuteten. Nicht wirklich Dalish, dachte Zevran, kein Vallaslin, nur nachgemacht.

"Da, siehst du, jetzt hat er gezuckt!" sagte der Rothaarige schadenfroh.

"Ganz schön hartnäckig dieser Verräter. Aber wir werden dich schon noch zum Schreien bringen, Schüler!" sagte der zweite.

Zevran kannte diesen Typ von Folterern sehr genau. Es waren die Verlierer unter den Krähen, die, die keiner echten Gruppe angehören, die es weder zum Spion, noch zum Assassin geschafft haben. Er bemühte sich um ein zynisches Lächeln:  "Nur zu! Haltet euch nicht zurück. Ich wäre sonst echt enttäuscht."

"Oh, er hat Kampfgeist." bemerkte der Rothaarige sarkastisch. "Wie schade, dass wir ihn brechen müssen." Er zog das Rad ruckartig stärker an. Ein heftiger Schmerz durchzog Zevrans gesamten Körper. Er verzog sein Gesicht, aber schrie nicht.

"Aufpassen!" sagte der andere leise.

Der erste nickte und hielt ein. Stattdessen holte er eine Peitsche und schlug auf Zevrans bloßen Bauch. Es bildete sich augenblicklich ein dicker, roter Streifen.

"Was bist du?" schrie er dazu. Er fragte "was", nicht "wer"

Zevran biss den Schmerz weg, lachte leise: "Was wollt ihr hören?

Der Elf schlug erneut zu, ein zweiter Streifen erschien "Was bist du?"

"Eine Krähe."

Der Elf schlug zum dritten mal zu. "Was bist du?"

Zevran musste husten.

Der Elf kam seinem Gesicht ganz nahe. Er sagte leise: "Du bist nichts, gar nichts. Du bist ein Verräter und ein Flüchtling. Du bist eine Schande und ich habe keine Ahnung, warum ich dich am Leben lassen soll." Er spuckte ihm ins Gesicht.

Die nächste Nacht verbrachte Zevran wieder in der Wasserzelle. Und eine weitere. Der Husten ließ nicht nach, er wurde schlimmer. Tagsüber fesselten sie ihn auf die Streckbank, auf das Rad oder peitschten ihn aus. Die Folterer wechselten, ihre Methoden blieben gleich. Wenn Zevran das Bewusstsein verlor oder einschlief, weckten sie ihn mit Wasser und Schlägen. Es ging ihnen nicht um Antworten. Es ging darum, ihn zu quälen, ihn zu brechen.

Editado por maradeux, 18 septiembre 2010 - 10:39 .


#35
maradeux

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Von Schicksal und Tod

2. Kapitel: Ein Grund zu leben


Es war die sechste Nacht. Zevran war sich sicher, dass es seine letzte sein würde, dass er sie nicht mehr lebend überstehen würde. Er hatte längst alle Versuche aufgegeben, den Husten zu unterdrücken. Die Anfälle waren heftig, sein ganzer Brustraum schmerzte und er bekam kaum Luft. Schüttelfrost quälte ihn, seine Zähne klapperten. Aber seine Peiniger ließen ihn nicht in Ruhe. Immer wieder wurde ein Schwall Wasser über seinen zitternden Körper geschüttet. Dann hörte er Stimmen im Gang.

"Sofort aufhören, Ihr Idioten!" Das war Taliesen. Der Wasserstrahl verstummte. "Was seid Ihr nur für Schwachköpfe! Ich sagte foltern, nicht töten!" Zevran vernahm das Raunen kleinmütiger Entschuldigungen "Aber das sieht man doch, wenn einer krank ist!" Das war wieder Taliesens aufgebrachte Stimme.

Die Zellentür öffnete sich. Bis eben hatte Zevran noch zitternd in der Ecke gehockt. Jetzt stand er aufrecht, versuchte, jedes Zittern zu vermeiden, schaute Taliesen mit offenem Hass ins Gesicht.

Der schaute den Elfen forschend an: "Wie lange hast du diesen Husten schon."

Zevran verzog zynisch den Mund, seine Stimme war sehr schwach. "Es ist nur eine Erkältung."

Taliesen lachte schallend "Vielleicht war es mal eine." Er reichte Zevran ein großes Handtuch: "Trockne dich ab und zieh dich an, ich bring dich in dein Zimmer!"

Die Krähen-Folterer hatten gute Arbeit geleistet: Zevrans Körper war mit Abschürfungen und Prellungen übersäht. Alle Knochen und Gelenke schmerzten. Aber es gab keine Brüche, nichts war ausgekugelt und es gab keine großen Schnitt- oder Stichwunden. Er sollte einsatzfähig bleiben, irgendjemand brauchte ihn. Nur eine Krankheit hatte man nicht bedacht. Zevran überlegte, ob er jetzt verschwinden würde, wie die kranken Kinder. Und es war ihm gleichgültig.

In der Kleiderkammer bekam Zevran eine graue Leinenhose und ein einfaches, weißes Hemd. Beide waren ihm zu groß. In seinem Zimmer setzte er sich auf das Bett. Er zitterte, musste immer wieder husten.

Taliesen bleib an der Tür, wirkte in Eile: "Du bleibst, wo du bist, ich bin gleich wieder da!" Zevran zuckte die Achseln. Wo sollte er auch hin?

Als der Arzt kam, lag Zevran wieder auf seinem Bett, wie an dem Tag, als er in den Keller gebracht wurde. Nur blasser, magerer, mit Fieberflecken auf den hohlen Wangen. Der Arzt horchte mit einem Rohr an seiner Brust und seinem Rücken, untersuchte seine Augen, fühlte seinen Puls.

"Ich glaube nicht, dass es Tuberkulose ist." Sagte er schließlich, als würde er damit eine ihm vorher gestellte Frage beantworten. "Auch wenn ich es nicht definitiv ausschließen kann. Er hat hohes Fieber. Auf jeden Fall eine Lugenentzündung und Rippenfellentzündung. Er wird nicht mehr lange leben, vielleicht noch eine Woche."

Taliesen fluchte leise "Keine Chance?"

Der Arzt zuckte die Achseln "Nun, wenn er stark ist und viel Glück hat... Bettruhe, gutes Essen, stärkende Kräuter, Heilmagie?"

Zevran bekam von all dem kaum etwas mit. Einen einzigen Satz hatte er verstanden: Er würde sterben. Es erleichterte ihn, das zu hören, er sehnte den Tod herbei. In seinen Adern kochte das Blut, der gesamte Körper schmerzte, jeder Atmenzug war unendlich mühsam und verbunden mit der Angst vor einem neuen, qualvollen Hustenanfall. Sein Bewusstsein schwand. Es war eine Gnade.

***

Der junge Dalish kniete neben dem Schlaflager seines Freundes. Mit tief besorgter Miene streichelte er dessen heißes Gesicht: "Du glühst ja vor Fieber, Lethallin, was ist passiert?"

"Ich bin krank Sûl. Ich fühle mich sehr schwach."

"Keine Sorge, Lethallin, ich bleibe bei dir, ich kümmere mich um dich..."

Ganz langsam kam Zevran zu sich. Er versuchte, sich zu erinnern, was passiert war. Aber seine vom Fieber vernebelten Sinne verstanden nichts. Das Atmen tat ihm weh. Er spürte eine Decke über sich und jemand legte ihm ein feuchtes Tuch auf die Stirn. "Sûl?" fragte er irritiert.

"Falsch geraten!" antwortete eine weibliche Stimme.

Zevran öffnete mühsam die Augen. Es dauerte eine Weile, bis er verstand, wo er war, und die Elfin neben sich erkannte. "Ginera? Was machst du denn hier?" Ihm fiel alles wieder ein. Er muss bewusstlos gewesen sein. Aber wie lange? Und warum war er überhaupt noch am Leben?

Die Frau erhob sich: "Bilde dir bloß nicht ein, dass ich freiwillig bei dir bin, Kleiner. Es war ein Befehl von Taliesen." Sie atmete hörbar ein, ihre Stimme klang verächtlich: "Keine Ahnung, was du angestellt hast, dass er meint, dich wie ein Schoßhündchen behandeln zu müssen."

Zevran gelang trotz seines miserablen Zustands ein zynisches Grinsen. War sie eifersüchtig? "Er hat mich fast zu Tode foltern lassen, meine Liebe."

"Oh?" Ihre Ton war schnippisch. "Ok, du hast gewonnen. Das ist es nicht wert." Sie ging zur Tür. "Ich sag Bescheid, dass du wach bist."

***

"Was kümmert es dich, ob ich sterbe?" fragte Zevran kalt.

Taliesens Stimme klang nicht wärmer "Wir können jeden guten Mann gebrauchen, und du hast dich als verdammt nützlich erwiesen. Es war eine große Dummheit, dass du weggelaufen bist." Der junge Mann lehnte am Türrahmen, die Beine hatte er locker überkreuzt, die Arme vor der Brust verschränkt und schaute auf den im Bett liegenden Elfen.

Zevran zuckte die Achseln. Er versuchte, einen Hustenanfall zu unterdrücken, aber es gelang ihm nicht. Der Anfall dauerte lange und war schmerzhaft. Beschämt über die eigene Schwäche wandte er den Blick zum Fenster.

"Du hast gute Arbeit geleistet bei den Manicos," sagte Taliesen ungerührt "Aber dein Mord an Goisar war fast noch besser."

Der Elf drehte sich nicht um. Es überraschte ihn nicht, dass der Capo Bescheid wusste.

Taliesen lachte leise "Kein Blut, keine Spuren von Gewalt, es sah aus, als hätte sein Herz einfach aufgehört zu schlagen. Genial."

Nachdem Zevran keinerlei Reaktion zeigte, hob Taliesen erneut an: "Hör zu, du bist gut, und ich will dich für einen Job."

"Warum hast du mich dann foltern lassen?" fragte der junge Elf, ohne seine Blickrichtung zu ändern.

Taliesen schnaubte verächtlich "Das nimmst du doch nicht persönlich, oder? Es war klar, dass du bestraft werden musstest. Für das Weglaufen und für den Mord an Goisar. Aber die Folter hatte noch einen anderen Sinn." Er ging zum Fenster hinüber, um Zevran seinen Blick aufzuzwingen: "Wer eine Krähe sein will, muss Schmerz ertragen können. Folter gehört zum Ritual. Es sollte auch deine Weihe sein, du solltest dein Tattoo bekommen."

Zevran versuchte zu lachen, es wurde wieder nur ein Husten "Rituale..." Auch seiner schwachen Stimme hörte man den Spott noch an. "Ich bin noch nicht sechszehn. Außerdem: Wie kommst du darauf, dass ich wieder für dich arbeiten würde?" er schaute demonstrativ an dem jungen Mann vorbei durch das Fenster.

Taliesen trat näher an das Bett heran: "Du bist sechszehn, wenn der Meister sagt, dass du die Weihe durchlaufen sollst. Und..." Betont langsam zog er ein aufgerolltes Papier aus seiner Gürteltasche und wedelte es durch die Luft: "...ich dachte, du wärst vielleicht daran interessiert, den Mann zu töten, der Sergio getötet hat."

Zevran Blick wandte sich Taliesen zu. Seine vor Fieber glühenden Augen blickten entschlossen.

Editado por maradeux, 15 septiembre 2010 - 04:17 .


#36
maradeux

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3. Kapitel: Genesung

In den ersten Tagen, als sein Fieber noch sehr hoch war, die Anfälle schmerzhaft und heftig, träumte und phantasierte er immer wieder, dass Sûl bei ihm wäre, ihn umarmte und tröstete, die schmerzende Brust massierte, die heiße Stirn küsste und streichelte. In den wachen Momenten schob er diese Gedanken gewaltsam beseite. Sie waren falsch. Er hatte sich gegen das Leben bei den Dalish und gegen die Zuneigung dieses Jungen entschieden. Du hast jetzt, was du wolltest, Zevran. Du bist ihn los und seine albernen Gefühle, du bist wieder bei den Krähen.

Zuneigung musste er hier nicht fürchten. Rache war das Gefühl, das ihn stärkte. Die Hoffnung auf Genugtuung war ebenso heilsam wie das gute Essen, Heilkräuter und warme Bäder. Ein Arzt kam regelmäßig. Langsam erholte sich der Elf. Sobald es ihm etwas besser ging, begann er zu lesen. Er beschäftigte sich mit der Geschichte und Politik Antivas und seinen Beziehungen zu anderen Völkern. Er interessierte sich für Fremdsprachen, ergänzte sein Giftbuch um die Rezepte der Dalish. Außerdem dachte er viel darüber nach, warum er am Leben gelassen wurde. Er war es gewohnt, bei den Krähen als "entbehrliches Objekt" behandelt zu werden und hatte damit gerechnet, dass er getötet würde oder man ihn einfach im Verließ sterben ließ, als er krank wurde. Was hatte Taliesen vor und warum sollte ausgerechnet er, der noch keinen einzigen eigenen Mordauftrag erledigt hatte, so wichtig dafür sein?

An seinem ersten Morgen ohne Fieber und Schmerzen stand Zevran auf. Er ärgerte sich über seinen geschwächten Körper und begann mit Kraftübungen, wie er sie aus seiner Ausbildung kannte.Nach einem kurzem Klopfen betrat Taliesen sein Zimmer  und beobachtete ihn kritisch bei seinem Training. Der junge Elf trug nur eine halblange Leinenhose, sein Oberkörper war frei, auch Waden und Füße waren nackt. Sein Gesicht war immer noch blass, der Körper wirkte ausgezehrt. Zornig schloss der Capo die Tür hinter sich und ging auf den Jüngeren zu. "Warum bist du nicht im Bett? Du siehst nicht aus, als solltest du schon trainieren, Zevran. Du hattest gestern Abend noch Fieber."

Zevran unterbrach seine Übung und warf seinem Capo einen fragenden Blick zu. Es passte nicht zu den Krähen, dass sich jemand um ihn sorgte. "Mir geht es gut." sagte der Elf mit betont fester Stimme. "Ich muss wieder in Form kommen, hab kaum noch Muskeln. Allerdings..." grinste er, "würde ich es mir überlegen, zurück ins Bett zu gehen, wenn du mitkommst."

Mit zwei schnellen Schritten war der junge Mann bei Zevran, packten dessen rechten Arm und drehte ihn zur Seite, stieß mit dem Ellenbogen gegen seine Brust, und riss ihn mit einer schnellen Bewegung seines linken Fußes von den Beinen. Er kniete sich auf den am Boden liegenden Jungen und hielt ihm die Klinge seines Dolches an den Hals. "So, du Großmaul. Meinst du wirklich, du bist schon wieder bereit zu kämpfen?" Er drückte die Klinge gegen Zevrans Hals, bis es leicht zu bluten begann. "Ist dir eigentlich klar, was ich für dich getan habe? Du warst tagelang bewusstlos, fast zwei Wochen lang war dein Zustand kritisch. Ich musste Himmel und Hölle in Bewegung setzen, dass man dich nicht einfach in den Kanal geworfen hat. Ich rate dir, nimm dir die Zeit, die ich dir zu Erholung lasse, beim nächsten Mal steche ich zu!"

Er lockerte den Griff. Zevran lag betont entspannt unter ihm, lächelte spöttisch: "Irgendwie hatte ich mir deine erste Annäherung anders vorgestellt. Aber wild mag ich es auch ganz gern."

Taliesen wirkte für einen Augenblick unentschlossen, dann wich seine zornige Miene und er fing an zu lachen: "Dein Talent ist einzigartig, das muss man dir lassen." Er stand auf und half Zevran auf die Füße. Dann zog er ihn zum Bett, wies ihn an, sich zu setzen. Sich selbst zog er einen Stuhl vor das Bett, setzte sich rittlings darauf. Er legte eine Hand auf die Knie des jungen Elfen und schaute ihm in die Augen: "Hör zu, Zevran, ich halte viel von dir, sehr viel. Ich will dich für diesen Auftrag, aber das hat Zeit. Ich will, dass du vollkommen gesund und bei Kräften bist, wenn du das angehst. Tu mir den Gefallen und riskiere keinen Rückfall durch solchen Leichtsinn. Dieser Auftrag ist meine... unsere große Chance. Enttäusche mich nicht, hörst du?"

Diesen Satz kannte Zevran. Er traf ihn wie ein Messer: "Willst du mir nicht wenigstens sagen, worum es geht? Worauf ich mich vorbereiten soll?"

Der Capo lächelte: "Alles zu seiner Zeit. Kurier dich erst richtig aus. Sobald du bereit bist... Sobald der Arzt der Meinung ist, dass du bereit bist, erwartet dich der Meister. Er möchte dich persönlich sprechen."

"Welchen Monat haben wir eigentlich?"

Taliesen lachte: "Fürstenfall. Fröhliches Satinalia!" Grinsend verließ er das Zimmer. Zevran streckte sich auf seinem Bett aus und seufzte. Mehr als vier Wochen hatte er durch die Folter und seine Krankheit verpasst.
_________________
Anmerkungen:

*Fürstenfall: laut Thedas-Kalender heißt der elfte Monat "firstfall". wörtlich übersetzt würde das so etwas wie "erster Schneefall" bedeuten. Ich habe mich gegen die wörtliche Übersetzung entschieden, weil es 1. als Monatsname blöd klingen würde. ;) und 2. Schneefall zu Antiva nicht passen würde. "Fürst" bedeutet in der Wortherkunft ebenfalls "der erste", deshalb denke ich, dass meine "poetische" Übersetzung "Fürstenfall" passend sein sollte (bisher gibt es keine "offizielle" deutsche Übersetzung des Kalenders)
*Satinalia ist der Name eines großen Feiertags, der in ganz Thedas gefeiert wird, und der zeitlich in den Monat "firstfall" (bei mir: Fürstenfall) fällt.

Editado por maradeux, 17 septiembre 2010 - 07:32 .


#37
maradeux

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4. Kapitel: Symbole

Zevran hatte Meister Antonio schon früher ab und zu gesehen. Allerdings nie das Privileg gehabt, ihn persönlich zu sprechen. Sein Büro lag im obesten Stock des Hauptsitzes der Zelle und war schlicht eingerichtet. Es gab einen Schreibtisch, auf dem Papiere zu mehreren sauberen Stapeln geordnet lagen, einen Waffenschrank, eine Couch. Vor dem Fenster war ein engmaschiges Gitter, das nur spärliches Licht in den Raum ließ. Der Meister stand mit dem Rücken zum Waffenschrank. Er war ganz in schwarz gekleidet, um seine Hüften war ein raffinierter Metallgürtel geschlungen. Die Hände hatte er hinter dem Rücken verschränkt und betrachtete seinen Besucher aus halb geschlossenen Augen. "Du bist also Zevran..."

"Ihr wolltet mich sprechen?" fragte der Elf und hob eine Augenbraue in Erwartung.

Meister Antonio kam ein paar Schritte auf Zevran zu. Er war ein klein gewachsener, sehniger Elf, kaum größer sein jüngeres Gegenüber. Er mochte zwischen vierzig und fünfzig sein, die langen, blonden Haare, die er straff zurückgekämmt trug, waren von silbernen Fäden durchzogen, die mit wenigen, schlichten Tätowierungen versehene braune Haut in dem schmalen Gesicht wirkte reif ohne faltig zu sein - wie gut gegerbtes Leder, dachte Zevran. Der Meister hatte dunkelblaue, schwer deutbare Augen.

"Sergio hat viel von dir erzählt. Taliesen war begeistert von deiner Arbeit bei den Manicos. Ich werde dich nicht fragen, warum du Goisar getötet hast und abgehauen bist. Du hast deine Strafe erhalten. Und sie ertragen." Er studierte den Jüngeren mit einem undurchsichtigen Blick "Selbst als du fast tot warst, hast du nicht ein einziges mal geschrien. Es wäre eine Schande gewesen, dich sterben zu lassen."

Zevran wagte ein spöttisches Lächeln "Eine Krähe muss Schmerz ertragen können, so heißt es."

Meister Antonio zuckte nur kurz mit dem linken Mundwinkel. "Du solltest deine Weihe gleich nach dem Manico-Auftrag erhalten. Man sagte mir zwar, du wärst noch nicht sechszehn, aber wer weiß das schon so genau. Oder kannst du mir deinen Geburtstag sagen."

Der junge Assassin lachte auf und zuchte seine Schultern. Er wusste, dass er sieben war, als er an die Krähen verkauft wurde, weil ihm das so gesagt wurde. Im Bordell wurde niemals ein Geburtstag gefeiert, und bei den Krähen galt seit jeher der Jahrestag seines Ankaufs als derjenige, der sein Alter bestimmte.

"Das dachte ich mir." sagte der Krähenmeister. Sein linker Mundwinkel zuckte wieder, als wollte er lächeln. "Du kennst die Bedeutung unserer Tattoos?"

Zevran zog in betonter Gleichgültigkeit die Schultern hoch: "Das halbmondförmige Zeichen der Arainai, das die elfischen Assassine an der linken Schläfe tragen, die Menschen an der Innenseite des linken Unterarms. Das Zeichen der Krähengilde auf dem rechten Schulterblatt, das Zeichen von Antiva Stadt am rechten Oberarm."

Antonio nickte.

"Ich frage mich", wagte der junge Elf einzuwenden "Worin dieser Unterschied begründet ist. Warum tragen nur Elfen das Zeichen im Gesicht, Menschen nicht?"

Der Meisterassasin lachte kehlig: "Das ist eine interessante Frage, in der Tat." Er schaute dem jungen Elfen ins Gesicht. "Die offizielle Version - Arainai ist der Meinung, dass ein Elf ohne Tätowierung im Gesicht auffälliger ist als mit. Wenn du mich fragst, liegt es daran, dass Menschen tätowierte Elfen attraktiver finden und..." er kam Zevran sehr nahe. "Weil wir so leichter identifizierbar sind. Was uns die Arbeit als Assassine schwerer macht als den Menschen, und damit auch den Aufstieg innerhalb der Gilde."

"Und doch seid Ihr als Elf Meister einer Zelle." bemerkte Zevran anerkennend. Ihm war, als würde er ein kurzes Blitzen in den Augen des Meisters erkennen. Doch äußerlich blieb Antonio bei seiner undurchsichtigen Fassade. "Bereit für dein Tattoo?"

***

Zevran saß an seinem Toilettentisch, Kohlestift und Papier in der Hand. Er dachte nach. Er hatte die Möglichkeit, sich zusätzliche Tätowierungen zu wünschen. Die meisten Elfen taten das, um die Tätowierung in ihrem Gesicht mehr als Zierde denn als Markierung aussehen zu lassen.

Manche versuchten, sich das Aussehen von Dalish zu geben. Das wollte Zevran nicht, dafür verehrte er dieses stolze Volk zu sehr, auch wenn er sich gegen ein Leben bei ihnen entschieden hatte. Die Zeit, die er bei ihnen verbracht hatte, war ihm wichtig. Er hatte Anerkennung und Zuneigung ohne Hinterlist erlebt.  Er erinnerte sich an Brethils Erzählungen über die alten Götter der Elfen, dachte an seine Vision, an Falon'Din, den Freund der Toten, den ihm zugedachten Gott. Er wusste, wie das Vallaslin von Falon'Din aussah: Es war ein Tor, gebildet aus zwei ineinander verschränkten Zwillingsbäumen - die Zwillingsbrüder Dirthamen und Falon'Din, angedeutet in verschlungenen Linien, wie krumme Zweige auf beiden Wangen, trafen sie sich auf der Stirn und gaben einen Durchgang frei.

Er wollte dieses Symbol, aber vereinfacht, gebrochen. Er zeichnete und überlegte, betrachtete sein Gesicht im Spiegel. Schließlich war er fertig mit seinem Entwurf: Zwei einfache, geschwungene Linien auf der linken Wange sollten es sein, in Schwung und Farbe angepasst an das halbmondförmige Zeichen der Arainai. Die Linien sollten die Bäume symbolisieren, der Raum zwischen ihnen wäre das Tor, der Durchgang zum Nichts, zum Tod. Außerdem - dachte er - würden diese Linien verdammt gut aussehen und die Form seiner Wangen betonen. Lächelnd machte er sich auf den Weg.

Editado por maradeux, 11 septiembre 2010 - 02:46 .


#38
maradeux

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5. Kapitel: Kurze Einblicke

Salvatore Trinibelli war ein Handelsprinz aus Rivain. Er hatte eine stattliche Residenz in Antiva City in der Nähe des königlichen Palastes. Und er war ein stadtbekannter Erzfeind des Hauses Arainai. Es hieß, er sei von der wahnwitzigen Idee besessen, dessen Krähenzellen komplett auszumerzen. Es hatte schon mehrere Mordanschläge auf ihn gegeben. Alle sind gescheitert, zuletzt der von Sergio. Als geborenem Rivaini war es Trinibelli nicht gestattet, eine eigene Krähenzelle zu besitzen, aber er wusste sich zu helfen: Sein Anwesen war mit Fallen gespickt und er hatte sich eine eigene kleine Armee zu seinem Schutz zusammengekauft: Qunari, Apostaten, ein paar ehemalige Krähen.

Diese Verräter waren es, die der Gilde am meisten zu schaffen machten. Sie kannten alle Tricks und Kniffe und waren schwer zu fassen. Das gesamte Haus Arainai war auf Trinibellis Hals angesetzt. Die Planungen liefen seit Monaten auf Hochtouren.

Einen Maulwurf in das Haus des Handelsprinzen einzuschleusen, erwies sich als äußerst schwierig. Wer einmal das Anwesen betrat, verließ es in aller Regel nur noch tot. Die einzigen, die der Kaufmann in sein Haus ließ, waren Lieferanten, die aber nur bis zum Dienstboteneingang gelangten, und junge Callboys, von denen er sich gern massieren ließ.

***

Sie spürte, wie er etwas um ihren Hals legte, dabei bedeckte er den Nacken unter ihren hochgesteckten Haaren mit zärtlichen Küssen. Sie griff nach dem Gegenstand und drehte sich um, um sich im Spiegel betrachten. "Die Kette ist wunderschön. Danke dir, Lorenzo!"

"Alles Gute zum neuen Jahr, meine Geliebte!" sagte der junge Mann liebevoll und küsste ihre lächelnden Lippen.

Sie strahlte ihn an. "Das ist lieb von dir. Ich habe auch etwas für dich." Sie zog ein kleines, vergilbtes Journal mit schwarzem Ledereinband aus dem Ausschitt ihres Kleides. "Das Tagebuch meines Vaters. Ich habe es in seinem Schreibtisch gefunden, in einem Geheimfach. Du wirst es nicht glauben - er hatte Verdindungen zum Zirkel der Magi! Ich habe einen Boten losgeschickt und hoffe, wir erfahren bald mehr."

Der junge Lorenzo di Lorenzo nahm das Journal zu Hand und begann, die enge Schrift zu entziffern: "Martha, du bist zauberhaft!"

***

Taliesen und Antonio hatten eine große Karte auf dem Tisch im Besprechungsraum ausgebreitet. Taliesens Leute hatte sich um den Tisch versammelt und schauten gespannt - es waren die Grundrisse von Trinibellis Anwesen.

"Das Problem ist, dass sich die Zielperson mit einem offenen Angriff nur schwer erreichen lässt. Es gab bereits vier Versuche, die Verluste waren jedes mal hoch. Fast zwei gesamte Teams haben wir dabei verloren." Antonio schaute mit seinen schwer deutbaren Augen in die Runde. "Die nächste Idee war, einen Maulwurf in das Haus einzuschleusen. Auch wenn das für kurze Zeit gelang, und wir diesem Auftrag den Grundriss des Außengeländes zu verdanken haben - es war mehr als schwierig, unseren Mann da wieder herauszuholen, denn die Wachen selbst werden streng kontrolliert."

"Ihr sagtet, er mag junge Callboys?" Zevran stand gelassen und grinsend an der linken Tischseite. Er sah gut aus, erholt und kräftig. Das frische Tattoo stand ihm außerordentlich gut zu Gesicht, die neue Rüstung aus Antiva-Leder schmeichelte seiner schlanken Figur. Die Stiefel hatte er mit besonderer Sorgfalt geölt und poliert.

Taliesen nickte "Wir hatten schon mehrere junge Krähen abgestellt, die versucht haben, sich auf diese Art Zugang zu verschaffen. Allerdings hat sich die Zielperson als äußerst..." Der Capo ließ den Blick betont lange auf dem hübschen Gesicht den Elfen ruhen "...wählerisch herausgestellt."

"Oh.." Zevran lachte leise "Höre ich da eine Herausforderung?"

***

Die Tür öffnete sich ohne vorheriges Anklopfen. Zevran stand augenblicklich mit dem Rücken zum Fenster, seinen Dolch in der Hand.

"Du bist gewachsen" sagte die Elfin und lächelte.

"Ginera? Was willst du?" Zevran betrachtete die junge Frau skeptisch. Ihre Haare waren offen, die sanften braunen Locken fielen auf Schultern und Rücken. Sie trug eine knappe, tief ausgeschnittene Lederweste, die kaum als Rüstung geeignet sein dürfte und eine hautenge, schwarze Samthose. Sie kam langsam auf Zevran zu, legte ihre Hand auf seine, die den Dolch trug und schob sie behutsam nach unten. Ihr Gesicht näherte sich dem seinen, bis ihre Wangen sich beinah berührten. Sie duftete nach Honig und Yasmin, ihre Lippen glänzten dunkelrot: "Hat dir schon mal jemand gesagt, dass dein neues Tattoo verdammt erotisch ist?" flüsterte sie ihm ins Ohr.

Zevran lachte leise: "Du glaubst nicht im Ernst, dass ich dich noch einmal küssen würde?"

"Lecke dir einfach nicht deine Lippen, junge Krähe."

Editado por maradeux, 13 septiembre 2010 - 06:49 .


#39
Goli71

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Editado por Goli71, 21 septiembre 2010 - 01:13 .


#40
maradeux

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Stau ist nicht gut. Ich hoffe, der Urlaub war wenigstens schön. :) Und ich freue mich, dass dir meine Geschichten weiterhin gefallen. ;)

#41
Goli71

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Editado por Goli71, 21 septiembre 2010 - 01:13 .


#42
Bellandyrs

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warte auch immer gespannt auf die fortsetzung! sehr schön geschrieben und spannend dazu!

#43
maradeux

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Das lese ich gern @Bellandyrs. ;)

#44
maradeux

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6. Kapitel: Der Blutrote Engel

"Aber das ist doch...Zevran! Schau mal Elsadora, unser Zevran ist hier" rief die ältere Frau in den düsteren Raum hinein, sogleich liefen einige Damen herbei. Die Frau mit den kunstvoll frisierten grauen Locken wandte sich erneut dem Elfen zu, nahm seine Hände in die ihren: "Meine Güte, groß bist du geworden! Und so hübsch! Komm doch herein!" Sie zog ihn tiefer in das mit einer Reihe zierlicher, roter Polstermöbel ausgestattete Foyer des Bordells. "Erzähl, was treibt dich her? Unsere Damen oder die Jungen? Wie geht es dir, erzähl schon?" Olindas Zeit als aktive Hure war seit Jahren vorbei. Von ihrem Charme hatte die etwa Sechzigjährige jedoch nichts eingebüßt und ihr Gesicht, dass einmal sehr schön gewesen sein muss, erstrahlte in einem immer noch rosigen Ton. Oder war das nur ihr Puder?

"So eine freundliche Begrüßung, Olinda? Damals konntest du mich nicht schnell genug loswerden." Der Assassin lächelte säuerlich.

Da war es also wieder, das Haus seiner Kindheit: Der Geruch nach Pomade und billigem Parfum, die rot gestrichenen Wände, das düstere Licht. Ein kleiner Elfenjunge in einem adretten dunkelblauen Anzug, mit gestriegelten Haaren, lief mit einem Tablett umher und bot dem Gast einen Drink an. Er mochte gerade mal sechs oder sieben sein. Zevran fühlte einen Stich in der Magengrube und schluckte. Er nahm sich ein Glas Branntwein vom Tablett und legte eine Silbermünze hin. Das Jungengesicht strahlte.

"Aber Zev..." Die ehemalige Hure führte den Elfen zu einem der roten Polstersessel, setzte sich auf einen zweiten ihm gegenüber, schlug die Beinen über einander und legte ihre Hände auf das obere Knie. Die Rüschen ihren langen, weiten Kleides verteilten sich auf dem Sessel und dem dunklen Holzfußboden. "Was hätten wir dir denn hier für eine Zukunft bieten können? Glaube mir, es war das beste so für dich bei deiner Begabung, deiner Intelligenz."

Zevran zog eine Augenbraue hoch. "Habe ich wenigstens einen guten Preis gebracht?"

Olinda lachte "Oh ja, allerdings, mehr als alle anderen Kinder damals. Ganze drei Souvereigns."

Der Elf lachte leise und schüttelte den Kopf. Seine neue Rüstung hatte mehr gekostet... "Um ehrlich zu sein, ich bin geschäftlich hier... Sag, Signore Trinibelli besucht Euer Haus oft?" Er reichte der ältlichen Bordellwirtin eine Schriftrolle. Diese studierte sie langsam, nickte und steckte die Rolle in ihren Ausschnitt. "Komm, ich zeig dir, wo du dich umziehen kannst."

Der junge Assassin lachte: "Als ob du mir das Haus erst noch zeigen müsstest."

Zevran richtete sich auf einen längeren Aufenthalt im "Angelo Sanguigno"* ein. Er war die Spinne, die im Netz hockte und auf ihre Beute wartete. Es fehlte ihm an nichts - er bekam ein gutes Zimmer, wurde mit allem versorgt, was er begehrte. Natürlich musste er keine Kunden bedienen, es sei denn, er wünschte es ausdrücklich. Er nutzte seine Zeit: lernte die von der Zielperson so begehrten Massagen und schloss gute Bekanntschaft mit allen Angestellten des Hauses.

***

Salvatore Trinibelli betrat das Bordell. Er war ein wohlbekannter Gast im "Angelo sanguigno". Wenigstens einmal im Monat kam er hierher. Er kam in Begleitung von zwölf stark gerüsteten und bewaffneten Männern - seiner Leibgarde, die ihn überall hin eskortierte. Er selbst trug eine teure Drachenschuppenrüstung - leicht, aber äußerst wirksam gegen Pfeile oder fliegende Dolche. Erst als seine Leute jeden Winkel des Raums überprüft hatten, nahm er seinen Helm ab. Der Handelsprinz war ein mittelgroßer, kräftig gebauter Mann. Er mochte Mitte dreißig sein, hatte eine sorgfältig frisierte dunkelblonde Halbglatze, wasserblaue Augen und trug einen Bart nach Rivainischer Mode: das akkurat geschnittene Barthaar umrandete den Mund, während die Wangen rasiert waren. Am linken Ohr trug er einen einzelnen, juwelenbesetzten Ohrring.

Olinda eilte sofort herbei, um dem Herrn zu Diensten zu sein: "Wieder die Jungen, mein Guter?" fragte die Bordellwirtin. "Wir haben ein paar Frische dabei. Ich bin sicher, Ihr werdet äußerst zufrieden sein."

Der neue Junge fiel ihm sofort ins Auge - ein ausgesprochen hübscher Elf mit halblangen blonden Haaren, honigfarbenen Augen und einem wunderbar schlanken, wohldefiniertem Körper. "Beherrschst du Massagen?" fragte er. Zevran lächelte verführerisch und hauchte: "Aber selbstverständlich, der Herr. Alle zwölf." Trinibelli gab das Signal, dass er gewählt hatte.

Der Handelsprinz hatte sich auf dem Bauch ausgestreckt mit freiem Oberkörper. Hose und Schuhe ließ er an. Zevran begann mit einer sanften Massage von Schultern und Nacken. Er wählte ein Öl mit zartem Mandelduft. Trinibelli streckte sich und stöhnte vor Vergnügen: "Wo hast du nur bisher gesteckt, mein Goldjunge?" fragte er.

"Ich bin neu im Geschäft. Früher war ich als Küchenjunge tätig." Das war nicht gelogen.

"Was für eine Verschwendung bei deinem Talent!" stöhnte Trinibelli.

Die Hände des Assassins wanderten den Rücken hinunter. Jeden Muskel, jeden verspannten Punkt fand er und wusste die Spannung zu lösen. Trinibellis genussvolles Stöhnen wurde mehr und mehr zu einem Schnurren. Zevran näherte sich dem Ohr des Mannes und mit dem Blick auf die zwei stark bewaffneten Männer, die an der Tür standen, fragte er leise: "Müssen die eigentlich dabei sein? Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns ohne die beiden viel besser entspannen könnten."

Trinibelli seufzte bedauernd: "Die sind zu meinem Schutz hier. Es geht nicht anders, es gab zu viele Attentatsversuche auf meine Person." Er setzte sich auf, nahm eine Hand des Elfen, schaute sie genau an und begann sie seinerseits zu massieren. "Allerdings sind so begabte Hände in meinem Haus herzlich willkommen. Komm doch morgen vorbei." Er drückte ihm eine Karte in die Hand, stand auf, winkte seinen Wachen zu und zog sich an. Bevor er das Zimmer ganz verlassen hatte, drehte er sich noch mal um und warf dem Elfen eine Kusshand zu. Der junge Assassin antwortete mit einem anzüglichen Blick.

***

Zevran breitete die Karte auf dem Tisch im Zimmer seines Capo aus - eine Skizze des Eingangsbereichs und des ersten Stockwerks der Trinibelli-Residenz, alle Räume, die er auf dem Weg in das Schlafgemach des Handelsprinzen gesehen hatte mit genauen Beschreibungen der Einrichtung, der Fenster und Türen, wo Wachposten waren und wo er Fallen vermutete.

"Hervorragende Arbeit" lobte Taliesen. "Und er war tatsächlich allein?"

"Ja, er war allein in seinem Schlafgemach, die Wachen warteten vor der Tür. Allerdings - musste ich mich nackt ausziehen, ehe ich zu ihm gelassen wurde."

Taliesen schaute bestürzt und amüsiert zugleich: "Komplett nackt?"

"Ganz und gar," lachte Zevran. "Ich hatte Mühe, meine in der Kleidung versteckten Waffen vor den Wachen zu verbergen. Aber etwas mit hinein nehmen - unmöglich."

"Und der Prinz selbst?"

Zevran zog eine Augenbraue hoch. "Ebenfalls nackt."

Taliesen lachte leise "Hat es wenigstens Spaß gemacht?"

"Du kennst mich doch," antwortete der Elf zynisch grinsend, während er seine zur hohlen Faust geballte rechte Hand auf und ab bewegte "Ich nutze jede Gelegenheit, die mir das Leben bietet, um Spaß zu haben. Allerdings hätte es mir weit mehr Vergnügen bereitet, ihm einen Dolch zwischen die Rippen zu rammen."

"Aber du hast eine Idee, wie du ihn töten willst?"

Das zynische Lächeln im Gesicht des jungen Assassins verwandelte sich in ein listiges: "In der Tat, die habe ich..."
_____________________
*Il Angelo Sanguigno = der blutrote Engel

Editado por maradeux, 18 septiembre 2010 - 11:11 .


#45
maradeux

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7. Kapitel: Glück im Unglück


(Teil 1)

Eine rasiermesserscharfe Haarnadel mit einem sofort tödlichen Gift im Haar zu tragen, war äußerst riskant, aber in diesem Fall notwendig. Und es würde nicht auffällig sein, wenn sich der junge Elf in einem Moment höchster Extase ins eigene Haar griff. Dann kam es nur noch darauf an, die Nadel so schnell und geschickt an der richtigen Stelle im Hals zu versenken, dass dem Opfer für einen Schmerzensschrei keine Gelegenheit mehr blieb...

Trinibelli streichelte das Gesicht des hübschen Elfen. Plötzlich wurden unter dem Make Up dunkle Linien sichtbar. Der Handelsprinz stutzte und hob den Kopf vom Kissen: "Moment mal, du bist tätowiert?"

Zevran blieb äußerlich völlig gelassen. Aber da er nackt auf dem Bauch seines Opfers lag, war es schwer möglich, sein schnell pochendes Herz zu verbergen: "In der Tat, ich habe mir das Gesicht verschönern lassen. Olinda war sich nicht sicher, ob es den Kunden gefällt, darum sollte ich es verdecken. Mögt Ihr es? Ich könnte mich abschminken, wenn Euch das lieber ist."

Doch Trinibelli ließ sich durch die hübsch vorgebrachte Lüge nicht beruhigen, er wirkte äußerst skeptisch. Würde er die Wache rufen? Zevran blieb keine Zeit, lange zu überlegen. Er griff sich ins Haar, doch die Geste wirkte in diesem Moment alles andere als "natürlich". Der Kaufmann versuchte aufzustehen, seine Lippen öffneten sich zum Schrei. Blitzschnell verschloss Zevran den Mund mit der linken Hand. Der Kaufmann wehrte sich mit Händen und Füßen. Er war kein geübter Kämpfer, aber er war stark! Keine Chance für Zevran, mit seiner Nadel den Hals zu erreichen. Im Gegenteil, er musste aufpassen, sich nicht selbst zu berühren. Er schaffte es, die Nadel in den linken Arm des Kaufmanns zu stechen, der seine Hand behindert hatte. Trinibelli zog erschrocken den Arm weg, was dem Assassin die Gelegenheit bot, in dessen Hals zu stechen. Doch er traf nicht den richtigen Punkt, der Kaufmann war deutlich geschwächt, aber er wehrte sich immer noch, versuchte, die Hand auf dem Mund loszuwerden, biss hinein. (Gut, dass die Krähe gelernt hatte, Schmerz stumm zu ertragen.) Der Assassin zog die Nadel aus dem Hals und versenkte sie noch einmal direkt im Herz des Handelsprinzen. Endlich ließ der Mann von ihm ab. Das Zucken ließ nach, er war tot.

Zevran schwitzte und war völlig außer Atem. Er schüttelte die schmerzende linke Hand, sie blutete sogar von Trinibellis Bissen. Und er hatte Angst - hatte man vor der Tür etwas mitbekommen? Würde jeden Moment eine Wache hereinstürmen? Er schloss die Augen, konzentrierte sich, zwang sich zur Ruhe. Im Vorraum blieb es still, aber viel Zeit würde ihm nicht bleiben. Es war ausgemacht, dass die Wachen nach spätestens einer halben Stunde anklopften und nachfragten, ob alles in Ordnung sei. Wie viele Minuten waren vergangen, seit er das Zimmer betreten hatte?
 
Der Assassin entfernte die Haarnadel aus der Brust seines Opfers und steckte sie vorsichtig in die eigenen Haare zurück. Sein Blick fiel auf den Ohrring, den der Kaufmann trug. Eine kleine goldene Kreole mit einem winzigen Saphir. Sicherlich nicht teuer, aber raffiniert, ein Liebhaberstück. Zevran nahm ihn an sich. Er hatte keine Erinnerung an Sergio, so würde er wenigstens eine an dessen Mörder haben.

Der Fluchtweg war sorgfältig geplant, aber äußerst gefährlich: So lautlos wie möglich musste das Fenster geöffnet werden. Der nackte Elf musste der einzelnen Wache unter dem Fenster so auf den Kopf springen, dass dieser möglichst sofort tot, oder wenigstens ohnmächtig zusammenbrach. Er hätte nicht gedacht, dass es so weh tun würde, mit nackten Füßen auf einem Stahlhelm zu landen. Aber der Sprung schien gelungen, der Wächter kippte stumm vorwärts. Zevran fiel im selben Moment nach hinten mit dem Rücken gegen die Hauswand. Das gab ein paar fiese, blutige Schleifspuren, und wieder galt es, den Schmerz wegzubeißen. Nun musste der nackte Assassin über den Hof schleichen bis zu dem Strauch an der Mauer, in dem ein Paket für ihn versteckt war mit Kleidung, Schuhen und zwei Dolchen. Am Hinterausgang griffen ihn vier Wachen an. Sie hatten gegen die Krähenscharfschützen, die auf den Dächern und im gegenüber liegenden Gebäude postiert waren, keine Chance. Zevran konnte entkommen.

***

Der Arzt, der ihn schon während seiner Krankheit betreut hatte, versorgte seine Hand, seinen Rücken und ein paar Stichwunden, die Zevran beim Kampf gegen die Wachen hatte einstecken müssen. Der junge Elf nutzte die Gelegenheit, um sich von fachkundiger Hand ein hübsches Ohrloch stechen zu lassen, und legte seine neue Eroberung gleich an.

Taliesen, Antonio und - so hieß es - auch Arainai selbst waren mit dem Ausgang von Zevrans erster eigener Mission mehr als zufrieden. Nachdem der junge Elf die Hauptperson erledigt hatte, griffen mehrere Krähengruppen Trinibellis Anwesen an. Nach dem Tod ihres Dienstherrn flohen viele seiner Wachen, nur seine ergebensten Diener verschanzten sich im Haus und boten sich mit den angreifenden Krähen einen erbitterten Kampf. Es soll ein großes Gemetzel gegeben haben, doch die Verluste waren vergleichsweise gering. Die meisten der geflohenen Wachen wurden von weiteren Krähen-Gruppen in den Straßen und am Hafen abgefangen. Sonderprämien gab es für jeden erledigten Verräter.

Zevran wurde aus dem großen Kampf herausgehalten, er sollte sich ausruhen - es gab einen neuen Fall, um den er sich baldmöglichst kümmern sollte. Für  Taliesen bedeutete der von seiner Gruppe arragierte Erfolg einen bedeutenden Aufstieg innerhalb der Zelle.


(Teil 2)

"Neuer Auftrag..." sagte Antonio im neutralen Ton eines Geschäftsabschlusses. "Ein Magier, dass sich für Arainais Geschmack zu sehr in die Stadtpolitik eingemischt hat. Für morgen ist seine Rückkehr in den Zirkel angekündigt. Er wird in der Kutsche nur von einer einzelnen Wache begleitet. Das sollte kein Problem für dich sein." Er reichte dem jungen Assassin eine Schriftrolle mit den Informationen zum Fall.

"Ein Magier?" fragte der Assassin skeptisch. Einiora und Shannon waren die einzigen Magier, die Zevran bisher erlebt hatte. Sie beherrschten Naturzauber wie das Herbeizaubern von Glühwürmchen und Stechfliegen; sie konnten sich die natürliche Umgebung zu Diensten machen, um ihre Feinde vorübergehend zu wurzeln oder zu lähmen. Aber den legendären Magiern, von denen Zevran gehört hatte, schossen Blitze und Feuer aus den Händen.

Antonio zog seinen Mundwinkel nach unten: "Stich einfach schneller zu, als er die Hände bewegen kann" war sein abschließender Rat.

***

Der Assassin war verkleidet als Botschafter des Bürgermeisters mit dem Auftrag, eine Nachricht zum Zirkel der Magi zu bringen, und es wurde arrangiert, dass er in der Kutsche des Magiers mit reisen durfte. Zu seiner Überraschung war der "Magier" eine zauberhafte junge Dame mit rotblonden Locken und fantastischen langen Beinen. Sie trug eine reichlich bestickte Robe aus elfenbeinfarbener und goldener Seide. Er unterhielt sich mit ihr und ihrem Wächter, sie scherzten viel und tranken Wein. Als die Magierin schlief, erlitt ihr Wächter einen plötzlichen Herzstillstand. Dummerweise fiel der tote Wächter auf die Magierin, die davon erwachte. Erschrocken schrie die junge Frau auf, als sie bemerkte, dass der Wächter nicht eingeschlafen, sondern tot war! Zevran hielt ihr den Mund zu. "Ruhig, mein Kind, ganz ruhig."

"Du tötest mich doch nicht, oder? Bitte nicht.." flehte sie ihn an.

Der junge Assassin stutzte. Dass ihn jemand um sein Leben anflehte, war neu für ihn. Seine bisherigen Opfer fanden ihren Tod im Kampf. Oder der Mord geschah so unvermittelt, dass sie sich nicht mehr hatten wehren können. Und dann eine Frau wie diese... sie mochte höchstens zwanzig sein, hatte ein wunderschönes Gesicht, ihre Haut war zart wie Seide, ihre Augen wie tiefe grüne Seen der Unschuld, sie duftete wie eine Rose im Mai. Könnte es nicht irgend eine Möglichkeit geben, sie zu verschonen? "Keine Angst, Süße. Ich töte dich nicht."

"Aber du wolltest, nicht wahr? Das war doch dein Auftrag."

Nun war Zevran verwirrt "Wie kommst du denn darauf, mein schönes Kind?"

"Ich bin nicht dumm," sagte die junge Magierin bestimmt. "Ich habe keinen Augenblick geglaubt, dass du ein Botschafter bist."

"Warum..." Der Assassine geriet nun wirklich ins Grübeln "...hast du dann zugelassen, dass ich mit euch komme in der Kutsche? Warum hast du die Wache nicht gewarnt, warum hast du geschlafen."

Sie schnaubte leise: "Ich habe nicht geschlafen. Ich habe gewartet, was passiert. Und als du meinen Wächter getötet hast, war mir klar, dass ich micht nicht geirrt hatte - sie haben mir die Krähen auf den Hals gehetzt!"

"Woher weißt du so viel? Für wen arbeitest du?" fragte der Assassin.

Sie nahm sanft seinen Kopf und zog ein Ohr an ihre Lippen: "Lorenzo ist interessiert, eine eigene Krähenzelle zu erwerben. Er plant den offenen Krieg gegen Arainai. Du steckst da mitten drin, nicht wahr? Vielleicht könnten wir ja zu einer Einigung kommen, von der wir alle profitieren können?"

Plötzlich ruckelte der Wagen, die Pferde scheuten, die Kutsche bewegte sich sprunghaft vorwärts und kippte schließlich um. Die Magierin, die beinah auf Zevrans Schoß gehockt hatte, wurde rückwärts mit dem Genick gegen die Rückbank geschleudert. Zevran hörte ein deutliches Knacken. Er flog selbst durch die Gegend, konnte den Fall aber mit Armen und Beinen abfangen. Einen Moment lang war alles ruhig. Dann hörte der Assassin Schritte. Jemand klopfte gegen die Kutsche "Oh beim Erbauer, alles in Ordnung da drinnen?" fragte der Kutscher in seinem breiten Provinz-Dialekt "Ist jemand verletzt?"

Der junge Assassin schaute sich um und fand die Magierin eingeklemmt zwischen den Sitzbänken. Ihr Kopf lag in einem sehr ungesunden Winkel zum Körper. Er krabbelte aus einem der zerschlagenen Fenster, rieb sich die Prellungen an Armen und Beinen, er hatte auch zahlreiche kleine Schnittwunden: "Mir geht es gut. Aber ich befürchte, die beiden anderen sind tot." sagte er mit einem Gesichtsausdruck tiefsten Bedauerns.

"Oh, bei Andraste, was mach ich nur, was mach ich nur?" Der Kutscher stand neben seinem Wagen und schüttelte den Kopf in Verzweiflung.

"Wo sind wir denn, guter Mann, und was ist überhaupt passiert?" fragte Zevran und legte dem Kutscher tröstend eine Hand auf die Schulter.

"Eine Schlange, eine Schlange war auf dem Weg. Die Pferde haben verrückt gespielt, sie sind mir durchgegangen... Wir sind kurz vor Genellan," sagte der Kutscher.

"Genellan? Ich dachte, wir wären auf dem Weg nach Treviso?" fragte der Assassin mit ungetäuschter Überraschung.

Der Kutscher zuckte die Schultern: "Es war eine Anweisung der jungen Dame."

Zevran musste aufpassen, dass er nicht laut zu lachen begann. Was immer die Magierin in Genallan vorhatte - eines war klar, sie hatte ihn angelogen. Was für ein hinterhältiges kleines Miststück, dachte er, das Schicksal ist schon eine gerissene Schlampe...

"Ich nehme mir eins deiner Pferde, guter Mann, ich muss meinen Auftrag erfüllen." Seine Reitausbildung bei den Krähen lag schon eine Weile zurück. Es waren wenige Monate im letzten Ausbildungsjahr. Es hatte ihm sehr viel Spaß gemacht, und er konnte sich noch gut an alles erinnern. Allerdings hatte er sich bis zum heutigen Tag gefragt, wofür er sie überhaupt brauchen würde. Er löste eines der Pferde von der Kutsche, schwang sich auf das sattellose Tier und testete, ob es auf den Druck seiner Beine reagierte. Es tat - es war einen Reiter gewohnt.

Der Kutscher blieb hinter ihm zurück und winkte ratlos ab. Was für ein schönes Schlamassel...

________________________

Ein paar Anmerkungen zu diesem Kapitel: Wer Zevrans Dialoge gut kennt, wird erkannt haben, dass ich hier seine ersten zwei Missionen schildere: den Handelsprinzen aus Rivain, vom dem Zevran sagt, er sei seine allererste Mission gewesen, und als er ihn tötete, trug er einen einzelnen, juwelenbesetzten Ohrring, und sonst nichts. Und die Magierin in der Kutsche, von der Zevran sagte, sie sei sein zweiter Auftrag gewesen.

Die Story des Handelsprinzen habe ich ausführlicher gestaltet und besonders wichtig erscheinen lassen, weil ich einen logischen Grund brauchte, warum die Krähen Zevran überhaupt wieder in ihren Reihen akzeptiert haben, nachdem er zu den Dalish geflohen war. Im Grunde gibt es in Zevrans Erzählungen einige Ungereimtheiten, dies ist eine davon: Er sagt immer wieder, die Krähen würden jedes ihrer Mitglieder als "entbehrliches Objekt" behandeln, man wäre im Grunde nichts wert - wenn man eine Mission nicht erfüllt, ist man "vogelfrei", wenn man versucht zu flüchten, ebenso. Wenn er also nach seinem Ausflug zu den Dalish wieder aufgenommen wurde, musste es einen besonderen Grund dafür geben, und zumindest einige höher gestellte Krähen müssten für ihn eine Ausnahme durchgesetzt haben.

Zweite Mission - auch hier gab es einige Widersprüche in Zevrans Erzählung:
1. Wie soll es nach einem Unfall ausgesehen haben, wenn Zevran zuerst den Wächter getötet hat? - Der Tod des Wächters musste also geklärt werden.
2. Wie soll der Kutscher über die Änderung des Reiseziels informiert werden (und dann noch über zwei verschiedene Reiseziele), wenn die beiden die ganze Zeit zusammen in der Kutsche sitzen? Ich habe die Erzählung dahingehend verändert, dass Zevran davon ausging, die Reise würde nach Treviso gehen (ich habe nirgends eine Angabe dazu gefunden, wo sich der Turm der Magi in Antiva genau befindet, ich habe ihn jetzt in Treviso angesiedelt. Kann ich ändern, falls es irgendwann notwendig sein sollte ;)); während die Magierin von Anfang an den Kutscher instruiert hatte, einen anderen Weg zu fahren.
3. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Zevran noch auf ein Gespräch mit der Magierin eingelassen hätte, wenn diese wirklich zweimal versucht hätte, ihn zu töten - einer von beiden wäre bereits nach dem ersten Versuch tot gewesen. Ich halte das also für eine "dramatische Ausschmückung". ;)
Aus dem Rest der Erzählung habe ich versucht, ein einigermaßen logisches, nachvollziehbares Konstrukt zu machen. (Natürlich hätte ich eine Liebesszene einbauen können - möglich wäre sie gewesen - aber ich denke, genau das würde Zevran als erstes erfinden.) Vom Schluss her gesehen sollte die Szene nun funktionieren: Zevran war überrascht, dass die Kutsche ein anderes Fahrziel hatte als angenommen; er hat die Magierin nicht wirklich umgebracht; der Turm der Magi dürfte keinerlei Verdacht geschöpft haben, da das Ganze nun in der Tat "wie ein Unfall" aussah (glaubhaft nun auch für den Wächter); und der Meister dürfte begeistert gewesen sein.

Editado por maradeux, 18 septiembre 2010 - 11:16 .


#46
maradeux

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Von Schicksal und Tod

8. Kapitel: Die Zeichen von Falon'Din

Taliesen hatte Lachtränen in den Augen. "Das war genial, Zevran, so genial! Erzähl die Geschichte noch mal..."

"Also, die hübsche Magierin und ich waren gerade in einem engen Kuss umschlungen, als sie plötzlich den Halt verlor und vom Trittbrett fiel..."

"Ist sie nicht eben noch gegen die Sitzbank gefallen?" wandte Taliesen ein.

"Und sagtest du nicht, du warst gerade dabei, ihren Busen zu befummeln?" fragte Ginera.

"Wie auch immer." zwinkerte der junge Assassin. "Auf jeden Fall brach sie sich das Genick, und dann kam der Kutscher an und sagte...

Bis in die späte Nacht hinein feierte Zevran den Erfolg seiner zweiten Mission zusammen mit Taliesen und Ginera. Sie hatten im "Silbernen Anker" eine große Flasche Branntwein bestellt und ordentlich getrunken. Ginera und Taliesen hatten sich schließlich ein Zimmer genommen. Zevran verließ das Lokal, die angebrochene Flasche nahm er mit. Er plante am Meer entlang aus der Stadt zu gehen, bis er den offenen Strand erreichte. Er wollte sich in den Sand setzen, die warme Frühlingsnacht genießen und noch ein wenig für sich allein feiern.

Der junge Elf schaute in den Himmel. Die Nacht war sternenklar. Wie damals, als er den Weg zu den Dalish suchte, wie damals am See. Später waren viele Nächte bedeckt - bei seiner Rückkehr in die Stadt oder als er Trinibelli tötete. Die Nacht, in der er mit dem Pferd des Kutscher in die Stadt zurück geritten war, war eine milchige Mondnacht. Sterne waren kaum zu sehen, aber die Scheibe des Mondes erschien übergroß, verlief in den zarten Wolken.

Der Assassin dachte daran, wie es gewesen war, Trinibelli zu töten. Er hatte diesen Mann so sehr gehasst. Diesen Hass zu verbergen, gar zärtlich zu ihm sein zu müssen, war ihm unendlich schwer gefallen. Er hatte es nur ertragen, weil er das Ziel vor sich sah. Als der Handelsprinz endlich tot unter ihm lag - dieses Gefühl von Macht und Genugtuung, neben all der Angst, die er in dem Moment empfand, er wird es nie vergessen. Es war noch stärker als damals bei Goisar.
 
Die Magierin - das war anders. Genau umgekehrt: Zärtlichkeiten wären ihm leicht gefallen. Aber sie zu töten... Es gab einen kurzen Moment des Zweifelns - an seiner Aufgabe, seiner Berufung. Der Unfall, ihr Tod und die Erkenntnis, dass sie ihn hatte hintergehen wollen, hatten ihm zweierlei gezeigt: Es gab wohl kaum jemanden, der so unschuldig war, dass er den Tod nicht verdient hätte. Und er als Assassin war nichts weiter als ein Instrument für ein Schicksal, dass ohnehin eintreffen würde. Jeder würde eines Tages sterben. Er war nur ein Wegbereiter, einer unter vielen.

An die Wächter, die bei seinen Missionen ums Leben gekommen waren, dachte er kaum. Sie waren ähnlich wie er - sie hatten einen lebensgefährlichen Beruf. Und sie waren gestorben, weil sie in ihrem Beruf schlechter waren als er. Eines Tages würde es umgekehrt sein. Er hat schon viele sterben sehen bei den Krähen. Und er kannte kaum jemanden, der - wie Meister Antonio - über vierzig war. Irgendwann ließen Agilität und Kraft nach. Und wenn es das nicht war, dann starb man an seiner eigenen Arroganz, der Illusion der Unverletzbarkeit, die einen leichtsinnig werden lässt.

Zevran hatte den Stadtrand beinah erreicht, als er ein Heulen vernahm. Verwundert schaute der Assassin sich um und sah einen Wolf, ein ganzes Stück von ihm entfernt an der Hafenmauer. Das Tier saß auf seinen Hinterpfoten und schaute direkt in die Richtung des jungen Elfen. Die Fellzeichnung und die Form des Kopfes glich denen der Rotwölfe, aber dieser hier war größer und er war... durchscheinend.

Skeptisch schaute Zevran auf die Flasche Antiva-Branntwein in seiner Hand: Das waren wohl ein paar Schluck zu viel, dachte er. Und doch zog das geheimnisvolle Tier ihn in seinen Bann, er näherte sich ihm. Das Tier stand auf und ging los, von ihm weg.  Aber das war keine Flucht, es blieb immer wieder stehen, als würde es schauen, ob er ihm folgte, als wollte es ihm einen Weg weisen. Beunruhigt, aber überaus gespannt folgte Zevran dem geheimnisvollen Wesen durch die Dunkelheit - der Geisterwolf führte ihn durch die Gassen des Hafenviertels him  zum Flussufer.

Der Fluss führte Hochwasser nach dem Ende der Regenzeit, mehrere Terrassen der Uferpromenaden waren überschwemmt, nur die oberste war noch zugänglich. Der Wolf war bis zu dieser Terrasse gelaufen, blieb stehen und schaute nach dem Assassin, der ihm gefolgt war.  Gleich neben dem Tier schwamm etwas im Wasser - es war ein Körper - die Leiche eines jungen Elfen mit brauner Haut und schwarzen Haaren. Sie schwamm mit dem Rücken nach oben und die Haare waren kurz, auf eine Art, als hätte sich jemand gerade erst die Zöpfe abgeschnitten.

Zevran ahnte, wer es war. Er hockte sich hin und drehte die Leiche um. Trotz der Treibspuren an Stirn und Nase waren das Zeichen von Andruil und die feinen, ernsten Züge selbst in dem aufgeschwemmten Gesicht noch gut zu erkennen. Die Haut den jungen Dalish-Elfen war über und über mit tiefen Einschnitten versehen. Das waren keine beliebigen Schnitte, es waren Zeichen, elfische Zeichen - Symbole von Falon'Din. Die steifen Hände umklammerten einen Messergriff, die Klinge steckte im Herz. Vorsichtig löste Zevran die Hände vom Messer und zog es heraus. Es war eines jener Messer, wie die Dalish es zum Schnitzen verwendeten. Er steckte es ein.

Einen Moment lang hockte er einfach nur neben der Leiche, unsicher, was er tun sollte. Der Wolf saß neben ihm und schaute ihn an, aus traurigen, braunen Augen. Schließlich stand der Assassin auf und lief in Richtung Fischerhafen. Er nahm eines der Boote, das erste am Steg und zog es am Seil den Fluss entlang, bis er bei Sûls Leiche ankam. Mit beinah zärtlicher Vorsicht hob er die Leiche hoch und legte sie in das Boot. Er zog das Boot zurück zum Hafen und weiter, an den Stegen vorbei bis zum offenen Meer.

Der Morgen brach an, die Rialtobucht färbte sich rot zu einem prachtvollen Sonnenaufgang. Es war Frühling in Antiva, das Juwel im Sand erstrahlte. Zevran schüttete die Reste aus der Flasche Antiva-Branntwein über Sûls Leiche aus. Er zündete das Boot mit einem Schwefelholz an und schob es kraftvoll ins Meer hinaus, bis es von der Strömung erfasst und fortgetragen wurde. Er blieb eine Weile stehen und schaute dem brennenden Boot hinterher. Seine guten Stiefel waren vom Salzwasser völlig durchnässt. Schließlich schaute er sich nach dem Wolf um. Das Tier saß am Strand. Es schaute ihn noch einmal an, dann drehte es sich um und lief davon. Mit jedem Schritt wurde es durchscheinender, bis es vollständig aufgelöst und verschwunden war.
==Ende ==
__________________________________________

Mit diesem Kapitel endet meine Erzählung von Zevrans Kindheit bei den Krähen. Ich plane zur Zeit einige Episoden über die sich anschließeden Jahre. Einige Ideen gehen auch weiter - in die Zeit von DA:O. Aber ich bin noch nicht sicher, ob ich wirklich über diese Zeit schreiben möchte, da für meinen Geschmack einfach zu viel vorbestimmt ist: Die Charaktere, die Handlungen, die Dialoge. Überspringen kann ich sie aber auch schlecht. Hm... mal schauen, ich weiß noch nicht, wie ich das handhabe. ;)

Editado por maradeux, 21 septiembre 2010 - 10:30 .


#47
maradeux

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Manchmal ändern sich Pläne. ;) Die folgende Geschichte war eigentlich gar nicht beabsichtigt, aber sie "wollte" unbedingt geschrieben werden - ließ mir Tag und Nacht keine Ruhe, bis sie zu Papier bzw. notepad gebracht worden war. Es ist eine Episode aus Sûl's Perspektive. Und es ist vielleicht ganz interessant zu wissen, dass die Motive hinter Sûls Selbsttötung anders waren, als Zevran es vermutet.
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Sûls letzer Winter

Er konnte nicht schlafen. Mit offenen Augen lag er in dem großen Zelt, zwischen all den anderen. Natürlich hatte er bemerkt, dass er nicht dabei war. Er hatte Zevran den ganzen Tag nicht ein Wort reden hören. Still, verschlossen und abwesend hatte der bonde Elf gewirkt, ganz anders, als er ihn sonst gekannt hatte. Aber wen hatte er auch gekannt? Den Jungen, der ihm diese verletztenden Worte zugeworfen hatte, sicherlich nicht. Und wenn das wirklich ein Teil von Zevran war, dann wollte er ihn auch gar nicht kennen. Zumindest sagte er sich das so. Aber sein Herz... das war ganz anderer Meinung. Es stach immer noch vor Sorge, wo er sein mochte, was er da draußen wohl tat im Regen, sicherlich immer noch fiebrig, krank...

Sûl stand leise auf und schlich aus dem Zelt. Die Nacht war trübe und regnerisch. Er konnte kaum den nächsten Aravel erkennen. Er ging zum Aravel seiner Familie in der Hoffnung, Zevran dort schlafend zu finden. Aber der Wagen war leer. Er schaute sich im gesamten Lager um und konnte ihn nirgendwo finden. Seufzend kehrte der Dalish an seinen Schlafplatz zurück. Seine Müdigkeit riss ihn schließlich in einen unruhigen Schlaf.

Dann graute der Morgen. Sie bauten das Zelt ab und wollten losziehen. Nicht nur Sûl, auch Morneryn, Tathar, die Mädchen Shannon und Hilija suchten nach Zevran, fragten die Wachposten, ob sie etwas bemerkt hätten. "Genug jetzt," sagte schließlich die alte Hüterin. "Er ist fort, ich denke nicht, dass er noch einmal zurück kehrt." Einiora wirkte traurig, aber bestimmt. "Wir müssen uns auf den Weg machen." Sûl wusste, dass sie Recht hatte. Niemand würde einen Jungen wie Zevran finden, wenn er nicht gefunden werden wollte.

Die südlichen Trockenlande waren ein idealer Lagerort während der Regenzeit. Während des Sommers war das Land karg und verwüstet, die Wasserlöcher ausgetrocknet. Nun war es angenehm warm, es regnete ab und zu, aber weniger als im Süden, und es gab ausreichend essbare Pflanzen, jagbares Wild.

Sûl hatte die Wintermonate immer gemocht. Er genoss das besondere Klima, die Atmosphäre am Rande der großen Wüste. Aber in diesem Winter fand er nicht zu seiner gewohnten Unbeschwertheit zurück. Die Wut auf Zevran war bald verflogen. Stattdessen fühlte er täglich, wie sehr er den anderen Elf vermisste. Und es begannen die Selbstvorwürfe... Immer wieder dachte er an ihr letztes Gespräch. Der Dalish war sich sicher, dass er etwas verkehrt gemacht hatte. Dass es seine Worte gewesen waren, die den Freund vertrieben hatten. Er wäre immer noch hier, er wäre bei uns geblieben, bei mir, wenn ich nur nicht so dumm gewesen wäre...

Dumm? Aber wie hätte er denn ahnen sollen... Woher sollte er wissen, dass Zevran auf eine so schreckliche Weise auf das Wort "Liebe" reagieren würde? Was wusste er denn über den anderen Jungen? Es war einfach passiert, ohne Ziel und Absicht, dass er ihn bewunderte, vergötterte, sich in ihn verliebte. Aber er wusste nichts über seine Vergangenheit. Er hatte immer das Gefühl gehabt, dass da mehr war, dass Vhenan möglicherweise Recht hatte mit ihrer Skepsis. Aber er hatte nie gewagt, Fragen zu stellen, verfolgt von einer dummen Angst, er würde dadurch etwas zerstören - die Freundschaft oder seine eigene Illusion.

Trauer und Schmerz ließen die Wintertage lang und trübe erscheinen. Hinzu kamen Albträume, in denen er Zevran in Lebensgefahr sah - leidend, schwer krank oder verletzt, und er selbst war am Boden angewurzelt und konnte nicht zu seinem Freund eilen, um ihm zu helfen. Seine Eltern merkten, dass etwas nicht mit ihm stimmte. Sie versuchten immer wieder, ein Gespräch mit ihm zu beginnen, er wehrte alles ab. Seine Mutter lud regelmäßig Mädchen aus dem Dorf zum Abendessen ein. Sie würde es nie verstehen, selbst wenn er je versuchen sollte, es zu erklären...

Vhenan kam eines Morgens zu ihm, als er vor dem Zelt saß, lustlos mit einer Schnitzerei beschäftigt. Sein Frühstück war, wie in den ganzen vergangenen Wochen, kärglich ausgefallen. Nur wenige Bissen hatte er heruntergewürgt. Nur aus Höflichkeit, damit seine Eltern sich nicht zu sehr um ihn sorgten. Seine Schwester setzte sich neben ihn. Sie nahm seine Hand, die das Schnitzmesser hielt, und drückte sie sanft. "Du vermisst ihn, nicht wahr?"

Sûl konnte nicht antworten. Diese Berührung, der verständnisvolle Ton hatten eine Schleuse geöffnet. Er spürte einen heftigen Stich im Herzen, sein Hals schnürte sich zusammen, seine Augen füllten sich mit Tränen, vielen Tränen, die die Wangen herunterliefen, die den Jungen schüttelten. Vhenan nahm ihrem Bruder Schnitzerei und Messer aus den Händen, kniete sich vor ihn und umarmte ihn stumm, bis er zu Ende geweint hatte. Danach strich sie eine der Tränen mit dem Daumen von seinen Wangen. Sie öffnete den Mund, als ob sie noch etwas hatte sagen wollen. Aber es kam nichts mehr, und es war auch nichts mehr nötig. Die Geschwister verstanden sich in ihrer Trauer.

Und sie verstanden sich nicht. Denn es war etwas anderes, den geliebten Mann bei einem Unfall zu verlieren, oder der Überzeugung zu sein, ihn selbst weggejagt zu haben, durch die eigene Dummheit. Er konnte sich das nicht vergeben. Und was schlimmer war - er fühlte, dass er damit nicht nur sich selbst, sondern auch den anderen ins Verderben geführt hatte. Denn das Leben für einen Elfen in der Stadt konnte niemals ein gutes sein, davon war er nach seinen eigenen Erfahrungen umso mehr überzeugt. Und hatte Zevran ihn nicht deswegen befreit und war zu ihnen geflohen? Vielleicht war der andere längst tot... Er hätte sich mehr für ihn interessieren, hätte sensibler sein müssen, vorsichtiger mit seinen Worten und Gefühlen. Aber was nützten solche Gedanken? Es war zu spät.

Der Winter ging vorbei. Die Schmerzen, die Trauer hatten über all die Monate nicht nachgelassen. Er sprach mit niemandem, ging einfach nur stur jeder Arbeit nach, die ihm aufgetragen wurde. Er konnte keine Freude empfinden, das Sonnenlicht schmerzte seinen Augen. Als der Clan in das Sommerlager zurückgekehrt war, wurde es unerträglich. Alles erinnerte an ihn. Er sah ihn auf den Wachposten, an der Wasserstelle, im Lager zwischen den Zelten. Es nahm ihm die Luft.

Was für eine Zukunft hatte er vor sich? Eines Tages würde er sich eine Frau nehmen müssen, die er nicht lieben konnte. Und dieser Gedanke schien ihm nicht nur für sich selbst grausam, sondern auch für die Frau. Oder noch einmal in die Stadt fliehen? Nach ihm suchen? Selbst wenn er ihn finden würde, Zevran würde ihn nicht mehr haben wollen, da war er sicher. Er würde ihn zurückweisen... Noch größer war die Wahrscheinlichkeit, dass er gar nicht so weit kam, sondern wieder von Sklavenhändlern aufgegriffen würde.

Nein, keine dieser Vorstellungen erschien dem jungen Dalish lebenswert. Und da er den Schmerz nicht mehr ertrug, gab es bald nur noch einen Gedanken, nur noch einen Weg, den er vor sich sah. Und nur eine einzige Frage war es noch, die ihm Sorgen bereitete - Geschichten, die ihm als Kind erzählt wurden. Vielleicht sollten sie nur Angst machen, vielleicht waren sie nichts weiter als Aberglaube, aber wenn sie stimmten... Wenn es wirklich so war, dass Falon'Din wegschaute von jenen, die den Tod freiwillig wählten. Dass diese dann im Jenseits den Dämonen hilslos ausgeliefert wären...

Sûl gab vor, nach Holz suchen zu wollen und nahm sein Schnitzmesser mit. Sein Ziel war der Fluss, der nach dem Ende der Regenzeit zu einem breiten, reißenden Strom geworden war. Zuerst schnitt er sich seine dicken schwarzen Zöpfe ab und warf sie ins Wasser. Dann legte er seine Rüstung ab. Sie war wertvoll, vielleicht konnte sie noch jemand verwenden... "Falon'Din, leite mich. Freund der Toten, erlöse mich," flüsterte er. Tränen liefen ihm über die Wangen, während er sich die Zeichen in den Körper stach...

Editado por maradeux, 25 septiembre 2010 - 01:16 .


#48
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Editado por Goli71, 21 septiembre 2010 - 01:13 .


#49
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NEU

Antiva-Episoden

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Die Kindheitsgeschichte von Zevran ist nun abgeschlossen. Die "Antiva-Episoden" werden von seiner Zeit als junger Assassin erzählen. Manche werden nur kurze Augenblicke beschreiben -  Bilder der Erinnerung, die kurz aufflackern. Andere werden etwas länger angelegt sein. Sie werden an dem Tag enden, an dem Zevran seine Reise nach Ferelden antritt...
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


Teil 1 - FEUER

~~ Funken ~~


(1) Erinnerungen

Erinnerungen sind Inseln im Meer des Vergessens. Es sind Augenblicke, Situationen; traurig, faszinierend oder glücklich. Manchmal ist ein ganzes Jahr so intensiv, dass man sich noch an jeden Augenblick erinnert. Dann mag es Monate und Jahre geben, die verblassen. Für Alltag gibt es keinen Raum im Gedächtnis.

Der Alltag eines Assassinen besteht aus Mordaufträgen. Sie werden zur Routine. Doch mahnt er sich selbst zur Erinnerung an die Leben, die er genommen hat, indem er Trophäen nimmt. Sie liegen in seiner Kommode, in der obersten Schublade, ganz links in einer Schachtel. Die Schnalle vom Schuh der Magierin, der Manschettenknopf eines Kaufmanns aus Seleny, die Haarnadel einer adligen Dame, die ihren Mann betrogen hatte. Von wem war noch diese Gürtelschnalle? Ach ja, das war dieser Fürstensohn, der seinem Bruder im Wege war.

Auch das Messer aus Sûls Händen lag dabei. Denn er betrachtete auch ihn als sein Opfer, getötet durch seine Worte und sein Fortgehen. Der Dalish hatte ihm seine Leiche geschickt, als stumme Anklage. Dieses Messer... Zevran war sich sicher, dass es sein eigenes Schnitzmesser gewesen war, als er bei dem Clan gelebt hatte. Er hatte damals den Griff verändert, ihn bauchiger gemacht und Rillen hinein geschnitzt, damit es besser in der Hand lag. Dass Sûl dieses Messer benutzt hatte, um sich zu töten, konnte nur eines bedeuten: Er wollte dem anderen Elfen zeigen, wer der wahre Mörder war.

Zevran bekannte sich zu seiner Schuld. Er war ein Assassine, wer ihm zu nahe kam, bezahlte mit seinem Leben. Der Elf schloss die Schublade und machte sich auf den Weg. Es war Zeit für seinen nächsten Auftrag.

Editado por maradeux, 19 febrero 2011 - 11:27 .


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Editado por Goli71, 21 septiembre 2010 - 01:13 .