Er stand in der undurchdringlichen Finsternis und sah keinen Meter weit. Eine Zeit lang irrte er planlos durch die Dunkelheit. Wo bin ich? Was mach ich hier? Dann hörte er ein leises Flüstern. Eine Stimme, die ihm bekannt vorkam, flüsterte seinen Namen. Von weit weg. Neugierig folgter er der Stimme. Woher kam sie ihm bloß bekannt vor? Dann sah er sie: eine junge Frau, mit langen Beinen, perfekten Brüsten und einer schlanken Gestalt. Ihr schwarzes Haar fiel ihr locker auf die Schultern. Ihm stockte der Atem. Konnte es wirklich sie sein? "Ja", flüsterte die Frau, als würde sie seine Gedanken lesen können, "ich bin es. Ich bin zu Euch zurückgekehrt. Ich konnte ohne Euch nicht mehr weiterleben, mein Geliebter."
Ihm ging das Herz auf. Seine einzige, große Liebe war wieder hier. Sie noch genauso wunderschöne aus wie damals. Nun stand sie also nackt vor ihm. Mit einem leichtem Lächeln umrundete sie ihn. Da sie ein wenig größer war als ihr Geliebter, küsste sie ihm gerne die spitzen Ohren. Auch dieses Mal legte sie ihre Lippen auf seine Ohrspitzen. Ein leichtes Kribbeln durchfuhr ihn. Die alten Zeiten waren also zurück. Die beiden Liebenden küssten sich innig. Doch dann passierte etwas, dass für ihn der blanke Horror war: aus ihren Augen lief auf einmal Blut. "Schatz?", fragte er besorgt. Ihr Gesicht verzog sich zu einer hässlichen Fratze und sie schrie aus tiefster Seele. Er wollte ihr helfen, konnte sich aber keinen Zentimeter bewegen. Sie dagegen fiel auf den finsteren Boden und brüllte noch lauter. Dann geschah es: etwas brach aus ihrem Brustkorb hervor. Eine wiederliche, schleimmige Larve kroch aus dem geschundenen Körper seiner Liebsten. Ihm wurde totschlecht. Die Larve wandte sich und blickte ihm dann direkt in die Augen. Voller Grauen stellte er fest, dass er in sein eigenens Gesicht blickte. Dann hörte er eine weiter Stimme flüstern. Sie war kälter und tiefer als die erste. "Euer Kind....Euer Kind...Es ist...es ist....verdorben! Es wird der Brut gehören! Es wird die nächste Verderbnis anführen...Sie Seele...MEINE Seele...ist in ihm enthalten! Ihr könnt nichts tun! Nichts! Wahahahaha!"
------------------
Prolog
Ein Schrei hallte durch die Gänge von Vigils Wacht. Ein markerschütternder Schrei. Dunkle Brut, dachte Velanna, die wunderschöne Dalish-Hüterin, die sich den Grauen Wächtern angeschlossen hatte, um ihre Schwester vor dem Architekten zu retten und die Mutter zu vernichten. Letzteres war den Wächtern auch gelungen, ihre Schwester hatte Velanna aber bisher noch nicht gefunden. Der Kommandant hatte ihr aber versprochen, dass er alles in seiner Macht stehende tuen würde, um die beiden wieder zu vereinen. In dieser Nacht brauchte Andras Tabris aber die Hilfe der Hüterin. Velanna sprang aus ihrem Bett und wickelte sich ein Tuch um ihren nackten Körper. Mit einem Dolch in ihrer Hand sprinntete die Elfin zum Schlafgemach des Kommandanten.
Als sie rannte, blickten nun auch Nathaniel und Anders aus ihren Zimmer. "Was ist hier los?", fragte der Magier mit seinem Kater Ser Naseweiß ihm arm. "Keine Ahnung", keuchte Velanna, "aber irgendetwas scheint mit Kommandant Tabris nicht zu stimmen! Ich seh nach!" Bevor die beiden Männer etwas einwenden konnten, war sie schon um die Ecke verschwunden. Was mache ich nur? Wenn die Dunkle Brut wirklich den Kommandanten angreift, kann sie alleine nichts ausrichten! Was hatte ihr Andras einst gesagt? Velanna, hat er ihr mit finsterem Gesicht eingeschärft, sollte ich je fallen oder in eine Gefahr geraten, aus der es keine Rettung mehr gibt, müsst Ihr mich aufgeben. Die Wächter haben die Aufgabe, Thedas vor der Brut zu verteidigen. Bis zum Tod. Aber sie sollen sich nicht unnötig in das Schwert eines Feindes stürzen, schon gar nicht um einen anderen Wächter vor dem sicheren Tod zu retten. Sie hatte ihm damals zugestimmt, und doch rannte sie nun dem gellenden Schrei hinterher.
Velanna konnte nicht mehr umkehren. Sie atmete tief ein, dann stieß sie die Tür zum Zimmer auf. "Sterbt, Dunkle Brut!" Doch weit und breit war kein einziger Hurlock. Wie so hatte der Kommandant dann so schrecklich geschrien. Die Dalish-Elfin blickten den verschwitzten Andras Tabris an. Er sah aus, als hätte er einen Dämon aus dem Nichts gesehen. "Kommandant! Was ist passiert? Wir haben Euch schreien gehört und ich...ich..." Sie erwartete eine Standpauke von ihrem Gefährten, dass sie nicht ihr Leben für seines riskieren sollte. Aber er war anscheinend in einer Art Schockstarre gefangen, denn er blickte nur in die Leere und flüsterte immer wieder den selben Namen, wie ein Mantra: "Morrigan. Morrigan. Morrigan." Der Elf war völlig durch den Wind. Velanna wusste, dass sie die einzige war, die ihn aus diesem Zustand befreien konnte. Man nannte dieses Phänomen "Nachtraum": Eine Person, die einen verstörrenden Traum hatte, wacht auf, ist aber noch nicht komplett in die reale Welt zurückgekehrt, sondern befindet sich noch mit einem Teil ihres Geistes ihm Nichts. Nur ein Zauber, den die Hüter der Dalish beherrschten, kann diesen Zustand beheben. Wenn sie ihn so lassen würde, würde Andras Tabris seinen Verstand verlieren und zu einem sabbernden Haufen Elend werden.
Langsam näherte sich Velanna dem brabbelnden Andras und legte ihm sanft ihre Hände auf die Stirn. Er zuckte kurz zusammen, setze sein Flüstern aber fort. "Ich werde Euch retten, Kommandant!" Leise sprach sie die Worte, die schon die Vorfahren der Dalish sprachen. Ihr zierlichen Hände begannen zu leuchten. Es dauerte ein paar Minuten, aber dann schüttelte es den gesamten Körper von Andras Tabris. "W...Was?", stotterte er. Erleichtert seufzte Velanna. "Ihr habt geträumt. Dann wart Ihr in einem Nachtraum gefangen. Aber ich könnte Euch zurück holen. Was ist passiert?" Der Kommandant der Grauen Wächter in Ferelden, ein Elf aus dem Gesindeviertel von Denerim, schüttelte seinen Kopf: "Ich habe von ihr geträumt. Von Morrigan, meiner einzigen Liebe. Es war schrecklich. Aus ihrem Körper ist...eine Larve hervor gebrochen. Sie hatte mein Gesicht. Und...ich habe ihn gehört." "Ihn?", fragte Velanna verwundert. "Ja, den Erzdämon. Seine Seele...sie...sie ist..." Und dann erzählte Andras der Hüterin die ganze Geschichte: von Morrigan, dem Ritual, dem Erzdämon, seinem Kind und dem Traum. Velanna verstand nun, wieso der Kommandant meist so verbittert war. Er liebte Morrigan, sie hatte ihn aber mit dem Kind verlassen. Die Dalish schwor sich, sie würde dem Grauen Wächter helfen, seine Liebe zurück zu holen.
Dragon Age - A Dark Love (Eine DA-Geschichte)
Débuté par
Andras Tabris
, janv. 10 2011 08:19
#1
Posté 10 janvier 2011 - 08:19
#2
Posté 13 janvier 2011 - 05:35
„So, so, was haben wir denn hier? Einen Aasgeier? Einen Plünderer, der an den abgenagten Knochen eines Leichnams herumpickt? Oder einen Eindringling in meiner, von der Dunklen Brut verseuchten Wildnis, auf der Suche nach leichter Beute?“ -
„Wir sind Graue Wächter und wir sind wegen der Verträge hier!“
(Morrigan und Andras Tabris, erste Begegnung am Außenposten der Wächter in der Korcari-Wildnis)
Buch 1: Die Suche
Kapitel 1: Leben in der Wacht
Der Tag war über Ferelden hereingebrochen und so begann auch die stolze Festung Vigils Wacht südlich von Amaranthine zum Leben zu erwachen. Im Hof der Wacht bauten die Händler ihre Stände auf, verschiedensten Waren aus ganz Thedas wurden herein gekarrt. Trotz der frühen Stunde gab es schon den ersten Streit in der Feste: Der Schmiedemeister Wade hatte eine äußerst kontroverse Diskussion mit seinem Partner Herren. Es ging einmal mehr ums Geschäft. "Ihr lasst mich nie etwas Kunstvolles produzieren, Herren!", jammerte Wade, "mein einziges Meisterwerk trägt der Kommandant! Und sonst lasst Ihr mich nur einfach Rüstungen und Waffen machen! Ihr seid gemein!" Genervt von der Einstellung seines Chefes seufzte der Händler Herren tief. "Ihr führt Euch auf wie ein kleines Kind. Aber wenn es Euch tröstet, werden wir den Kommandanten fragen, ob er eine Spezialanfertigung benötigt." Ein freudiges Lächeln legte sich auf des Gesicht von Wade: "Danke! Danke, danke, danke!"
Am anderen Ende des Hofes trat Velanna aus dem Tor ins Tageslicht. Ihr ansonsten makelloses Gesicht wies heute dunkle Augenringe auf. Nach den Ereignissen der letzten Nacht hatte sie wenig geschlafen. Sie musste die ganze Zeit über die Geschichte von Andras nachdenken. Es war einfach schrecklich. Die Frau, die er liebte, hatte ihn mit dem gemeinsamen Kind verlassen und wollte nicht, dass er sie findet. Was dachte sich Morrigan bloß dabei? Andras meinte, sie hielt Liebe für eine Schwäche und wollte dieser Schwäche entfliehen. Er sagte auch, vielleicht war es besser so. Denn ohne die Hexe und das Kind konnte er sich voll und ganz auf die Aufgabe als Graue Wächter konzentrieren und einen ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld finden, bevor er sich durch die Verderbnis in seinem Körper in einen Ghul verwandelt. Velanna war entsetzt über die Einstellung ihres Kommandanten, doch dann erkannte sie, dass er mit seiner Härte nur seinen Schmerz verstecken wollte. Einen Schmerz, den er ihr in der gestrigen Nacht offenbart hatte. Doch sobald er mit seiner Geschichte geendet hatte, sagte Andras ihr mit ernstem Gesicht, sie solle niemanden über das Erlebte erzählen. Velanna verstand das. Der Kommandant der Grauen Wächter konnte es sich nicht leisten, Schwächen zu zeigen.
"Whoa! Ihr seht aber alt aus, Velanna. Ihr solltet es mal mit Schminke versuchen." Verärgert blickte die Elfin nach rechts. Dort, an eine Hauswand gelehnt, stand der Magier Anders. Er schlenderte mit seiner Katze im Arm zu der Dalish-Hüterin herüber. "Ihr solltet Eure Zunge hüten, Mensch", fauchte sie, "sonst schneide ich sie Euch heraus." Nun lächelte Anders noch breiter. Er liebte es, seine elfische Gefährtin zu necken. "Tut mir leid, Velanna. Ich wollte Euch nicht verärgern. Ihr seht aber aus, als hättet Ihr die ganze Nacht kein Auge zu getan." "Hab ich auch nicht", seufzte sie. Jetzt war Anders neugierig geworden. Er holte schon Luft, um einen schmutzigen Witz über sie und den Kommandanten zu machen, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. "Ihr solltet die Herrin Velanna nicht verärgern, Anders. Sie könnte sonst ihre Drohung mit Eurer Zunge wahrmachen." Nathaniel Howe trat hinter dem überraschten Zauberer hervor und schenkte Velanna ein leichtes Lächeln. Sie musste über das Gesicht von Anders lachen, der schon befürchtet hatte, dass der Kommandant hinter ihm stand. "Nate", sagte er überrascht, "ich dachte schon, Andras steht hinter mir. Wie geht es Euch?" "Gut." Die beiden Männer starteten ein Gespräch, dem Velanna schon bald leid war.
Sie schlenderte über den Hof der Wacht und erfreute sich über den Himmel und die Sonne des heutigen Tages. Sie war es leid, in der Festung zu schlafen. Als Dalish war Velanna eine Nacht unter freiem Himmel gewöhnt. Die Decke aus Steinen über ihrem Kopf machte sie nervös. „Guten Morgen, Velanna“, tönte es ihr von jedem Stand entgegen. Sie grüßte höflich zurück, obwohl der heutige Morgen alles andere als schön war. Doch dann hörte die Elfin eine Melodie aus einem der Fenster dringen, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Velanna kannte das Lied. Es wurde in den Dalish-Gemeinden zu den Totenfeiern gesungen. Als sie dann auch noch die Stimme des Kommandanten Tabris vernahm, wusste sie, dass der „Graue Henker“, wie er im Volksmund des Arltums hieß, ein weiteres Opfer gefunden hatte. Jedes Mal, wenn Andras einen Bauern hinrichten ließ oder einen Feind eliminiert hatte, spielte er auf seiner Laute dieses Lied und praktizierte ein makaberes Ritual.
Konzentriert zupfte Andras Tabris die schwarzen Saiten seiner Laute, die er selbst angefertigt hatte. Die Laute selbst bestand aus dem Holz der lebenden Bäume des Brecilianwaldes. Die Saiten waren aus den geflochtenen Haaren einer Brutmutter gefertigt. Es war eine Heidenarbeit, dieses Meisterwerk aus den ungewöhnlichen Materialien herzustellen. Aber mit der Hilfe des Wissens, das sich Andras von seiner guten Freundin Lelianna angeeignet hatte, konnte er ein Instrument nach orlaisianischer Bauweise bauen. Und nun spielte er es so, wie es ihm die Bardin gelehrt hatte. Es war eine Kunst, der Laute die Töne für das alte elfische Totenlied zu entlocken, doch der Kommandant beherrschte es nahezu perfekt. Nachdem er geendet hatte, stand er aus dem Stuhl auf und näherte sich dem großen Topf, der über dem Kaminfeuer hing. Das Wasser kochte bis zum Siedepunkt. „Perfekt“, hauchte Andras ehrfürchtig. Der Elf nahm eine Zange von der nahen Werkbank und tauchte sie in die heiße Flüssigkeit. Es dauerte einige Sekunden, aber dann konnte er den gesuchten Gegenstand greifen.
Aus dem Wasser tauchte ein weißer Totenschädel auf. Der Kiefer war fast vollständig zerstört, doch sonst befand er sich in einem makellosem Zustand. Routiniert zupfte Andras die restlichen Fleischreste vom Schädel. Er war ein weiterer Beweis für die Triumphe und zahllosen erledigten Feinde des Grauen Wächters. Einst gehörte dieser Schädel der „Mutter“, einer intelligenten und mächtigen Brutmutter der Dunklen Brut. Andras tötete das Ungetüm und nahm ihr Haupt an sich. Das tat er so gut wie bei jeder Begegnung mit dem Feind. Nur Valenna wusste von seinem makaberen Todesritual. Anfangs war sie noch geschockt über die Grausamkeit ihres Kommandanten, doch mit der Zeit verstand sie die Bedeutung hinter dem Sammeln von Schädeln.
Vorsichtig legte Andras Tabris den Totenkopf in das prunkvolle Holzregal des Kerkers. Gut 100 Überreste der Toten befanden sich schon darin, es sollten aber noch viel mehr werden. Jetzt wollte der Stadtelf aber seiner Dalish-Gefährtin eine Überraschung machen. Schnellen Schrittes eilte Andras in sein Arbeitszimmer. Auf seinem Schreibtisch lag das Objekt seiner Begierde. Es hatte ihn ein Vermögen gekostet und ganz ungefährlich war die Beschaffung auch nicht gewesen. Fast fünf Monate hatte es gedauert, bis ein Späher damit zurück kam. Stolz nahm der Kommandant das Buch in die Hand. Es stammt aus der Zeit, als die Elfen Thedas dominierten und befand sich der Imperialen Bibliothek von Tevinter. Jetzt sollte es in die Hände von Velanna übergehen, damit das Erbe der Elfen nicht völlig verblasste. Freudig erregt trat der Kommandant der Grauen Wächter ans Tageslicht.
„Wir sind Graue Wächter und wir sind wegen der Verträge hier!“
(Morrigan und Andras Tabris, erste Begegnung am Außenposten der Wächter in der Korcari-Wildnis)
Buch 1: Die Suche
Kapitel 1: Leben in der Wacht
Der Tag war über Ferelden hereingebrochen und so begann auch die stolze Festung Vigils Wacht südlich von Amaranthine zum Leben zu erwachen. Im Hof der Wacht bauten die Händler ihre Stände auf, verschiedensten Waren aus ganz Thedas wurden herein gekarrt. Trotz der frühen Stunde gab es schon den ersten Streit in der Feste: Der Schmiedemeister Wade hatte eine äußerst kontroverse Diskussion mit seinem Partner Herren. Es ging einmal mehr ums Geschäft. "Ihr lasst mich nie etwas Kunstvolles produzieren, Herren!", jammerte Wade, "mein einziges Meisterwerk trägt der Kommandant! Und sonst lasst Ihr mich nur einfach Rüstungen und Waffen machen! Ihr seid gemein!" Genervt von der Einstellung seines Chefes seufzte der Händler Herren tief. "Ihr führt Euch auf wie ein kleines Kind. Aber wenn es Euch tröstet, werden wir den Kommandanten fragen, ob er eine Spezialanfertigung benötigt." Ein freudiges Lächeln legte sich auf des Gesicht von Wade: "Danke! Danke, danke, danke!"
Am anderen Ende des Hofes trat Velanna aus dem Tor ins Tageslicht. Ihr ansonsten makelloses Gesicht wies heute dunkle Augenringe auf. Nach den Ereignissen der letzten Nacht hatte sie wenig geschlafen. Sie musste die ganze Zeit über die Geschichte von Andras nachdenken. Es war einfach schrecklich. Die Frau, die er liebte, hatte ihn mit dem gemeinsamen Kind verlassen und wollte nicht, dass er sie findet. Was dachte sich Morrigan bloß dabei? Andras meinte, sie hielt Liebe für eine Schwäche und wollte dieser Schwäche entfliehen. Er sagte auch, vielleicht war es besser so. Denn ohne die Hexe und das Kind konnte er sich voll und ganz auf die Aufgabe als Graue Wächter konzentrieren und einen ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld finden, bevor er sich durch die Verderbnis in seinem Körper in einen Ghul verwandelt. Velanna war entsetzt über die Einstellung ihres Kommandanten, doch dann erkannte sie, dass er mit seiner Härte nur seinen Schmerz verstecken wollte. Einen Schmerz, den er ihr in der gestrigen Nacht offenbart hatte. Doch sobald er mit seiner Geschichte geendet hatte, sagte Andras ihr mit ernstem Gesicht, sie solle niemanden über das Erlebte erzählen. Velanna verstand das. Der Kommandant der Grauen Wächter konnte es sich nicht leisten, Schwächen zu zeigen.
"Whoa! Ihr seht aber alt aus, Velanna. Ihr solltet es mal mit Schminke versuchen." Verärgert blickte die Elfin nach rechts. Dort, an eine Hauswand gelehnt, stand der Magier Anders. Er schlenderte mit seiner Katze im Arm zu der Dalish-Hüterin herüber. "Ihr solltet Eure Zunge hüten, Mensch", fauchte sie, "sonst schneide ich sie Euch heraus." Nun lächelte Anders noch breiter. Er liebte es, seine elfische Gefährtin zu necken. "Tut mir leid, Velanna. Ich wollte Euch nicht verärgern. Ihr seht aber aus, als hättet Ihr die ganze Nacht kein Auge zu getan." "Hab ich auch nicht", seufzte sie. Jetzt war Anders neugierig geworden. Er holte schon Luft, um einen schmutzigen Witz über sie und den Kommandanten zu machen, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. "Ihr solltet die Herrin Velanna nicht verärgern, Anders. Sie könnte sonst ihre Drohung mit Eurer Zunge wahrmachen." Nathaniel Howe trat hinter dem überraschten Zauberer hervor und schenkte Velanna ein leichtes Lächeln. Sie musste über das Gesicht von Anders lachen, der schon befürchtet hatte, dass der Kommandant hinter ihm stand. "Nate", sagte er überrascht, "ich dachte schon, Andras steht hinter mir. Wie geht es Euch?" "Gut." Die beiden Männer starteten ein Gespräch, dem Velanna schon bald leid war.
Sie schlenderte über den Hof der Wacht und erfreute sich über den Himmel und die Sonne des heutigen Tages. Sie war es leid, in der Festung zu schlafen. Als Dalish war Velanna eine Nacht unter freiem Himmel gewöhnt. Die Decke aus Steinen über ihrem Kopf machte sie nervös. „Guten Morgen, Velanna“, tönte es ihr von jedem Stand entgegen. Sie grüßte höflich zurück, obwohl der heutige Morgen alles andere als schön war. Doch dann hörte die Elfin eine Melodie aus einem der Fenster dringen, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Velanna kannte das Lied. Es wurde in den Dalish-Gemeinden zu den Totenfeiern gesungen. Als sie dann auch noch die Stimme des Kommandanten Tabris vernahm, wusste sie, dass der „Graue Henker“, wie er im Volksmund des Arltums hieß, ein weiteres Opfer gefunden hatte. Jedes Mal, wenn Andras einen Bauern hinrichten ließ oder einen Feind eliminiert hatte, spielte er auf seiner Laute dieses Lied und praktizierte ein makaberes Ritual.
Konzentriert zupfte Andras Tabris die schwarzen Saiten seiner Laute, die er selbst angefertigt hatte. Die Laute selbst bestand aus dem Holz der lebenden Bäume des Brecilianwaldes. Die Saiten waren aus den geflochtenen Haaren einer Brutmutter gefertigt. Es war eine Heidenarbeit, dieses Meisterwerk aus den ungewöhnlichen Materialien herzustellen. Aber mit der Hilfe des Wissens, das sich Andras von seiner guten Freundin Lelianna angeeignet hatte, konnte er ein Instrument nach orlaisianischer Bauweise bauen. Und nun spielte er es so, wie es ihm die Bardin gelehrt hatte. Es war eine Kunst, der Laute die Töne für das alte elfische Totenlied zu entlocken, doch der Kommandant beherrschte es nahezu perfekt. Nachdem er geendet hatte, stand er aus dem Stuhl auf und näherte sich dem großen Topf, der über dem Kaminfeuer hing. Das Wasser kochte bis zum Siedepunkt. „Perfekt“, hauchte Andras ehrfürchtig. Der Elf nahm eine Zange von der nahen Werkbank und tauchte sie in die heiße Flüssigkeit. Es dauerte einige Sekunden, aber dann konnte er den gesuchten Gegenstand greifen.
Aus dem Wasser tauchte ein weißer Totenschädel auf. Der Kiefer war fast vollständig zerstört, doch sonst befand er sich in einem makellosem Zustand. Routiniert zupfte Andras die restlichen Fleischreste vom Schädel. Er war ein weiterer Beweis für die Triumphe und zahllosen erledigten Feinde des Grauen Wächters. Einst gehörte dieser Schädel der „Mutter“, einer intelligenten und mächtigen Brutmutter der Dunklen Brut. Andras tötete das Ungetüm und nahm ihr Haupt an sich. Das tat er so gut wie bei jeder Begegnung mit dem Feind. Nur Valenna wusste von seinem makaberen Todesritual. Anfangs war sie noch geschockt über die Grausamkeit ihres Kommandanten, doch mit der Zeit verstand sie die Bedeutung hinter dem Sammeln von Schädeln.
Vorsichtig legte Andras Tabris den Totenkopf in das prunkvolle Holzregal des Kerkers. Gut 100 Überreste der Toten befanden sich schon darin, es sollten aber noch viel mehr werden. Jetzt wollte der Stadtelf aber seiner Dalish-Gefährtin eine Überraschung machen. Schnellen Schrittes eilte Andras in sein Arbeitszimmer. Auf seinem Schreibtisch lag das Objekt seiner Begierde. Es hatte ihn ein Vermögen gekostet und ganz ungefährlich war die Beschaffung auch nicht gewesen. Fast fünf Monate hatte es gedauert, bis ein Späher damit zurück kam. Stolz nahm der Kommandant das Buch in die Hand. Es stammt aus der Zeit, als die Elfen Thedas dominierten und befand sich der Imperialen Bibliothek von Tevinter. Jetzt sollte es in die Hände von Velanna übergehen, damit das Erbe der Elfen nicht völlig verblasste. Freudig erregt trat der Kommandant der Grauen Wächter ans Tageslicht.
Modifié par Andras Tabris, 13 janvier 2011 - 05:36 .
#3
Posté 15 janvier 2011 - 10:57
„Vielen Dank für Eure Hilfe, Morrigan.“ -
„Ich...gern geschehen. Aber das meiste hat Mutter gemacht.“
(Morrigan und Andras Tabris, zweite Begegnung nach der Rettung aus Ostagar)
Buch 1: Die Suche
Kapitel 2: Das Kind
„Uähhh!!!“ Ein Schreien hallte in der bescheidenen Hütte wieder, die sich in den ehemaligen Dales von Orlais befand. Instinktiv fuhr Morrigan nach oben, einen Dolch in ihrer rechten Hand. Dunkle Brut? Wer greift mich an? Als sich das Brüllen aber weiter fortsetze, musste die Hexe erleichtert seufzten. Sie wurde nicht attackiert. Lediglich das knapp 3 Monate alte Kind schrie sich die Seele aus den Leib. Es hatte anscheinend Hunger. Genervte setzte sich Morrigan in ihrem Bett auf und rieb sich die Schläfen. Das verdammte Balg brachte sie um den Verstand. Seit zwei Tagen schrie es mitten in der Nacht. Einmal wollte es Milch, dann waren die Windeln voll und eine anderes Mal schrie es möglicherweise wegen den Träumen, die die Verderbnis mit sich brachte. Was es auch diesmal war, als Mutter musste Morrigan nachsehen. Ächtzend erhob sie sich, band sich die Decke um ihren nackten, wohlgeformten Leib und schlurfte schlaftrunken in das Zimmer von Arawn.
Der Junge sah seinem Vater fast gar nicht ähnlich. Wenn ein Mensch und ein Elf sich paarten, war das Kind, das daraus entstand, immer menschlich. Nur die Augen hatte Arawn von Andras. Diese schwarzen, herzlosen Augen. Jedes Mal, wenn Morrigan ihren Sohn in die Augen sah, musste sie an ihren Geliebten denk, der ihr dieses Kind geschenkt hatte. Und jedes Mal empfand sie so etwas ähnliches wie Bedauern. Sie war nach der finalen Schlacht gegen den Erzdämon ohne einen Abschiedesgruß von der Bildfläche verschwunden und gen Orlais geflüchtet. Sie wollte das Kind alleine erziehen, Andras sollte sich nicht einmischen. Es war zu gefährlich. Die Dunkle Brut konnte durch die Verderbnis sowohl den Vater, als auch den Sohn spüren. Wären sie zusammen an einem Ort, würde die Horde sie finden. Morrigan hatte gehofft, sie könnte nach dem Kampft noch einmal mit ihrem Geliebten sprechen, doch sie traute sich damals nicht. Und das bedauerte heute zutiefst.
Sie hätte ihm erklären, dass es für Mutter und Kind das Beste wäre, so weit wie möglich vom Vater entfernt zu sein. Vielleicht hätte er es verstanden und sie ohne Zögern ziehen lassen. Oder er hätte sie gezwungen, zu bleiben. Das konnte und wollte Morrigan zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Die Pflege des Kindes stand im Vordergrund. „Also“, flüsterte sie, als sie das Zimmer ihres Sohnes betrat, „was hat den der Hochwohlgeborene diesmal für ein Problem?“ Trotz seiner Jugend erkannte er seine Mutter sofort. Ihr Anblick beruhigte Arawn aber nicht, im Gegenteil: Er begann noch lauter zu brüllen. Die Hexe seufzte und entzündete zunächst eine Kerze, bevor sie sich ihrem Kind näherte. Als sie in die Krippe blickte, hätte sie vor Schreck beinahe ihre Lichtquelle fallen lassen. Die Pupillen von Arawn waren verschwunden, mit weißen Augen blickte er in die Leere. Schwarze Linien bildeten sich um seine Augen. „Was zum...?“, fluchte Morrigan leise. Was geschah hier? Waren das die Wirkungen der Verderbnis, die sich durch Andras Samen auch auf das Kind übertragen hatte? Oder war es die Essenz des Alten Gottes, die der Erzdämon nach seinem Tod freisetzte und die ebenfalls auf Arawn überging? Hatte das Kind etwa eine Vision von der Dunklen Brut?
Morrigans Frage sollte rasch beantwortet werden. Aus der Nacht der Arbor-Wildnis drang ein bekannter Ruf. Nein!, dachte Morrigan verzweifelt, Die Dunkle Brut hat mich gefunden? So schnell? Jetzt erschloss sich ihr die ganze Sache: egal was gerade mit Arawn geschah, sein Zustand lockte die Horde der Brut an. Sie kamen, um das Kind zu rauben, den es enthielt die Seele ihres letzten Anführers. Und diese Seele rief ihre Knechte zusammen, um erneut gegen die Menschheit zu ziehen. Wie konnte ich nur so eine Närrin sein? Ich dachte, ich wäre ohne Andras sicherer, aber ich habe mich geirrt. Er hätte uns beschützen können. Doch für Selbstzweifel war jetzt keine Zeit: Geschwind bekleidete sich Morrigan mit der selben Robe, die sie auch schon bei ihren Reisen zur Zeit der Fünften Verderbnis trug. Dann band sie sich noch ihren Stab um, steckte etwas Proviant in eine Tasche, wickelte Arawn in eine Decke und trat hinaus in die dunkle Nacht.
Sofort sah Morrigan, wie die Lage stand. Die Hütte war von Hurlocks umzingelt. Die Bestien stießen vereinzelt Laute aus, so, als wollten sie einen Angriff koordinieren. Sie musste ganz schnell hier weg. Die Hexe der Wildnis musste eben jene verlassen und nach Norden ziehen, in die Städte des Kaiserreichs. Spontan fiel Morrigan nur Val Royeaux ein. Lelianna hatte die Stadt damals erwähnt. Glücklicherweise kannte die Hexe den Weg. Sie sprach einen Zauber, der ein gutes Dutzend Hurlocks in eine eisige Starre fallen ließ. Ein weitere Spruch ließ die Bestien dann schmelzen. Es war in Sekundenschnelle eine Bresche entstanden. Die Gestaltwandlerin nahm die Form eines Wolfs an und trug das Kind in ihrem Maul in den Wald hinein. Sie wusste, dass die Hurlocks ihr folgen würden, aber in den Wäldern hatte sie viele Vorteile und würde die Brut leicht abhängen können. Nun musste sie es nur noch sicher in die Stadt schaffen.
Ein schmerzhaftes Ziehen durchfuhr die Brust von Andras Tabris. Er fühlte Angst und Verzweiflung. Und er wusste, was dieses Gefühl zu bedeuten hatte: Seine große Liebe Morrigan war in Gefahr. Doch sie war unerreichbar für ihn, er konnte nichts tun. Diese Hilflosigkeit nagte an Andras' Stolz. „Seid Ihr in Ordnung?“, hörte er eine Stimme von der Seite. Überrascht blickte er Velanna in die Augen. „Oh“, stammelte der Kommandant, „ja. Ja, mir geht es gut. Ich...ich habe etwas für Euch. Bitte.“ Er überreichte der Hüterin das Buch, dass seine Spione aus Tevinter entwendet hatten. „Was ist das? Ein Buch über die Elfen?“ Neugierig blätterte Velanna die alten Seiten durch und las einige Passagen. „Das ist...unglaublich“, hauchte sie begeistert, „es ist in der Alten Sprache geschrieben, doch ich kann einiges entziffern. Es beschreibt die Lebensweise und Kultur unserer Vorfahren. Es könnte uns helfen, die Überlieferungen unserer Ahnen wiederzuerlangen. Ich danke Euch Kommandant!“ Mit einem dankbaren Lächeln fiel sie Andras um den Hals.
Dieser war von dieser Geste mehr als überrascht. „Ich...ich“, stammelte der Elf verlegen. Velanna blickte ihn verwundert an: „Ihr seid ja rot geworden, Kommandant! Habe ich Euch überrascht?“ Zufrieden kicherte die Dalish. Nun geriet Andras vollkommen aus der Fassung: „Ich...Ihr...Ich...Vergesst es!“ Zornig drehte er sich um und kehrte in die Festung zurück. Velanna musste lachen. Sie hatte es geschafft, den unerschüttlichen Kommandanten zum erröten gebracht. Ein Sieg für die Elfin, die heimlich selbst in den Grauen Wächter verliebt war. Sie wollte ihn weiter zappeln lassen. Natürlich wusste sie, dass sie seiner Liebe Morrigan nicht das Wasser reichen konnte. Aber Velanna wollte trotzdem die Geliebte des Kommandanten werden.
„Ich...gern geschehen. Aber das meiste hat Mutter gemacht.“
(Morrigan und Andras Tabris, zweite Begegnung nach der Rettung aus Ostagar)
Buch 1: Die Suche
Kapitel 2: Das Kind
„Uähhh!!!“ Ein Schreien hallte in der bescheidenen Hütte wieder, die sich in den ehemaligen Dales von Orlais befand. Instinktiv fuhr Morrigan nach oben, einen Dolch in ihrer rechten Hand. Dunkle Brut? Wer greift mich an? Als sich das Brüllen aber weiter fortsetze, musste die Hexe erleichtert seufzten. Sie wurde nicht attackiert. Lediglich das knapp 3 Monate alte Kind schrie sich die Seele aus den Leib. Es hatte anscheinend Hunger. Genervte setzte sich Morrigan in ihrem Bett auf und rieb sich die Schläfen. Das verdammte Balg brachte sie um den Verstand. Seit zwei Tagen schrie es mitten in der Nacht. Einmal wollte es Milch, dann waren die Windeln voll und eine anderes Mal schrie es möglicherweise wegen den Träumen, die die Verderbnis mit sich brachte. Was es auch diesmal war, als Mutter musste Morrigan nachsehen. Ächtzend erhob sie sich, band sich die Decke um ihren nackten, wohlgeformten Leib und schlurfte schlaftrunken in das Zimmer von Arawn.
Der Junge sah seinem Vater fast gar nicht ähnlich. Wenn ein Mensch und ein Elf sich paarten, war das Kind, das daraus entstand, immer menschlich. Nur die Augen hatte Arawn von Andras. Diese schwarzen, herzlosen Augen. Jedes Mal, wenn Morrigan ihren Sohn in die Augen sah, musste sie an ihren Geliebten denk, der ihr dieses Kind geschenkt hatte. Und jedes Mal empfand sie so etwas ähnliches wie Bedauern. Sie war nach der finalen Schlacht gegen den Erzdämon ohne einen Abschiedesgruß von der Bildfläche verschwunden und gen Orlais geflüchtet. Sie wollte das Kind alleine erziehen, Andras sollte sich nicht einmischen. Es war zu gefährlich. Die Dunkle Brut konnte durch die Verderbnis sowohl den Vater, als auch den Sohn spüren. Wären sie zusammen an einem Ort, würde die Horde sie finden. Morrigan hatte gehofft, sie könnte nach dem Kampft noch einmal mit ihrem Geliebten sprechen, doch sie traute sich damals nicht. Und das bedauerte heute zutiefst.
Sie hätte ihm erklären, dass es für Mutter und Kind das Beste wäre, so weit wie möglich vom Vater entfernt zu sein. Vielleicht hätte er es verstanden und sie ohne Zögern ziehen lassen. Oder er hätte sie gezwungen, zu bleiben. Das konnte und wollte Morrigan zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Die Pflege des Kindes stand im Vordergrund. „Also“, flüsterte sie, als sie das Zimmer ihres Sohnes betrat, „was hat den der Hochwohlgeborene diesmal für ein Problem?“ Trotz seiner Jugend erkannte er seine Mutter sofort. Ihr Anblick beruhigte Arawn aber nicht, im Gegenteil: Er begann noch lauter zu brüllen. Die Hexe seufzte und entzündete zunächst eine Kerze, bevor sie sich ihrem Kind näherte. Als sie in die Krippe blickte, hätte sie vor Schreck beinahe ihre Lichtquelle fallen lassen. Die Pupillen von Arawn waren verschwunden, mit weißen Augen blickte er in die Leere. Schwarze Linien bildeten sich um seine Augen. „Was zum...?“, fluchte Morrigan leise. Was geschah hier? Waren das die Wirkungen der Verderbnis, die sich durch Andras Samen auch auf das Kind übertragen hatte? Oder war es die Essenz des Alten Gottes, die der Erzdämon nach seinem Tod freisetzte und die ebenfalls auf Arawn überging? Hatte das Kind etwa eine Vision von der Dunklen Brut?
Morrigans Frage sollte rasch beantwortet werden. Aus der Nacht der Arbor-Wildnis drang ein bekannter Ruf. Nein!, dachte Morrigan verzweifelt, Die Dunkle Brut hat mich gefunden? So schnell? Jetzt erschloss sich ihr die ganze Sache: egal was gerade mit Arawn geschah, sein Zustand lockte die Horde der Brut an. Sie kamen, um das Kind zu rauben, den es enthielt die Seele ihres letzten Anführers. Und diese Seele rief ihre Knechte zusammen, um erneut gegen die Menschheit zu ziehen. Wie konnte ich nur so eine Närrin sein? Ich dachte, ich wäre ohne Andras sicherer, aber ich habe mich geirrt. Er hätte uns beschützen können. Doch für Selbstzweifel war jetzt keine Zeit: Geschwind bekleidete sich Morrigan mit der selben Robe, die sie auch schon bei ihren Reisen zur Zeit der Fünften Verderbnis trug. Dann band sie sich noch ihren Stab um, steckte etwas Proviant in eine Tasche, wickelte Arawn in eine Decke und trat hinaus in die dunkle Nacht.
Sofort sah Morrigan, wie die Lage stand. Die Hütte war von Hurlocks umzingelt. Die Bestien stießen vereinzelt Laute aus, so, als wollten sie einen Angriff koordinieren. Sie musste ganz schnell hier weg. Die Hexe der Wildnis musste eben jene verlassen und nach Norden ziehen, in die Städte des Kaiserreichs. Spontan fiel Morrigan nur Val Royeaux ein. Lelianna hatte die Stadt damals erwähnt. Glücklicherweise kannte die Hexe den Weg. Sie sprach einen Zauber, der ein gutes Dutzend Hurlocks in eine eisige Starre fallen ließ. Ein weitere Spruch ließ die Bestien dann schmelzen. Es war in Sekundenschnelle eine Bresche entstanden. Die Gestaltwandlerin nahm die Form eines Wolfs an und trug das Kind in ihrem Maul in den Wald hinein. Sie wusste, dass die Hurlocks ihr folgen würden, aber in den Wäldern hatte sie viele Vorteile und würde die Brut leicht abhängen können. Nun musste sie es nur noch sicher in die Stadt schaffen.
Ein schmerzhaftes Ziehen durchfuhr die Brust von Andras Tabris. Er fühlte Angst und Verzweiflung. Und er wusste, was dieses Gefühl zu bedeuten hatte: Seine große Liebe Morrigan war in Gefahr. Doch sie war unerreichbar für ihn, er konnte nichts tun. Diese Hilflosigkeit nagte an Andras' Stolz. „Seid Ihr in Ordnung?“, hörte er eine Stimme von der Seite. Überrascht blickte er Velanna in die Augen. „Oh“, stammelte der Kommandant, „ja. Ja, mir geht es gut. Ich...ich habe etwas für Euch. Bitte.“ Er überreichte der Hüterin das Buch, dass seine Spione aus Tevinter entwendet hatten. „Was ist das? Ein Buch über die Elfen?“ Neugierig blätterte Velanna die alten Seiten durch und las einige Passagen. „Das ist...unglaublich“, hauchte sie begeistert, „es ist in der Alten Sprache geschrieben, doch ich kann einiges entziffern. Es beschreibt die Lebensweise und Kultur unserer Vorfahren. Es könnte uns helfen, die Überlieferungen unserer Ahnen wiederzuerlangen. Ich danke Euch Kommandant!“ Mit einem dankbaren Lächeln fiel sie Andras um den Hals.
Dieser war von dieser Geste mehr als überrascht. „Ich...ich“, stammelte der Elf verlegen. Velanna blickte ihn verwundert an: „Ihr seid ja rot geworden, Kommandant! Habe ich Euch überrascht?“ Zufrieden kicherte die Dalish. Nun geriet Andras vollkommen aus der Fassung: „Ich...Ihr...Ich...Vergesst es!“ Zornig drehte er sich um und kehrte in die Festung zurück. Velanna musste lachen. Sie hatte es geschafft, den unerschüttlichen Kommandanten zum erröten gebracht. Ein Sieg für die Elfin, die heimlich selbst in den Grauen Wächter verliebt war. Sie wollte ihn weiter zappeln lassen. Natürlich wusste sie, dass sie seiner Liebe Morrigan nicht das Wasser reichen konnte. Aber Velanna wollte trotzdem die Geliebte des Kommandanten werden.
Modifié par Andras Tabris, 15 janvier 2011 - 10:58 .
#4
Posté 20 janvier 2011 - 10:07
Modifié par Andras Tabris, 20 janvier 2011 - 10:08 .
#5
Posté 20 janvier 2011 - 10:08
„Könnt Ihr kochen?“ -
„Ja...ich kann kochen.“-
„Hört nicht auf Alistair. Ihr müsst nicht kochen!“
(Alistair, Morrigan und Andras Tabris vor dem Aufbruch Richtung Lothering)
Buch 1: Die Suche
Kapitel 3: Die Kinder Arlathans
Immer noch beunruhigt, von dem Anfall, den er gerade erlebt hatte, schritt Andras Tabris durch die hohen Gänge von Vigils Wacht. Heute stand ein besonderer Termin auf seiner Agenda. Er würde sich mit den zwei Hohen Vertretern der Kinder Arlathans treffen. Diese Wohlfahrtsorganisation hatte er selbst gegründet. Sie sollte den Elfen helfen, ein selbstbestimmtes und freies Leben führen, gleichberechtigt mit den Menschen und Zwergen. Es war ein äußerst nobles Unterfangen. Die Elfen, ob sie nun in den Gesindevierteln oder als Nomaden lebten, waren stolzen auf den bekanntesten und mächtigsten Vertreter ihrer Rasse. Für viele von ihnen war Andras und die Kinder Arlathans ein Schimmer der Hoffnung in diesen dunklen Zeiten. Aber nicht alle blickten so erfreut auf diesen Elfen-Verein. Den meisten Adeligen war er ein Dorn im Auge. Sie sahen in Andras einen Emporkömmling, einen Opportunisten mit dem Hang zum Sadismus. Außerdem glaubten sie, er wolle mit den Kinder Arlathans eine Revolution der Klingenohren auslösen, um selbst die Macht in Ferelden zu übernehmen.
Aus diesen Gründen beantragten einige Banns die sofortige Auflösung des Wohlfahrtverbandes und die Zwangsbeschlagnahmung sämtlichen Vermögens, das, wie die Adeligen behaupteten, aus unrechtmäßigen Geschäften und Verbrechen stammte. Ihr Anliegen wurde aber von König Alistair abgeschmettert. Dieser Entschluss brachte das Fass zum überlaufen: Die verärgerten Banns sahen darin einen weiteren Schachzug von Andras Tabris, der nicht nur Kommandant der Grauen Wächter war, sondern auch als Kanzler als oberster Berater des Königshauses fungierte. Sie warfen dem König Beeinflussbarkeit vor und verlangten seine Abdankung. Alistair dachte gar nicht daran, seine Krone weg zuwerfen, sondern ließ die Banns wegen Hochverrates einkerkern. In Folge dessen kam es zu vereinzelten Scharmützeln zwischen den königlichen Truppen und aufständischen Anhängern der inhaftierten Banns. Erst das Einschreiten der Grauen Wächter unter Kommandant Tabris konnte die Gemüter beruhigen. Die Banns wurden wieder freigelassen, mussten aber hohe Bußgelder in Kauf nehmen.
Diese Ereignisse hatten für die Adeligen den ärgerlichen Nebeneffekt, dass das Vertrauen und die Bewunderung der Elfen in Andras nur noch verstärkte. Er galt als großer Diplomat und Friedensbringer. Der Kanzler selbst zeigte sich gelassen und bescheiden über die Ehrungen, die ihm zuteil wurden. Aber er war nicht überrascht. Alles, was geschehen war, war seiner Feder entsprungen. Die geplante Verschwörung, der Aufstand der Banns, das ungewöhnlich harte Durchgreifen des Königs und sein glorreich herbeigeführter Kompromiss. All das diente nur einem Ziel: Fereleden und seinem Volk zu zeigen, dass er für den Erhalt des Friedens unentbehrlich war. Was niemand wusste war, dass die Banns mit ihren Anschuldigungen zu einhundert Prozent recht hatte. Es lag im Bestreben von Andras und den Kindern Arlathans, eine Rebellion der Elfen auszulösen und den alten Elfenstaat Elvhenan neu zu errichten. Für dieses Endziel lebte und atmete Andras. Er wollte, wenn es soweit wäre, als unsterblicher König über ganz Ferelden herrschen, mit Morrigan an seiner Seite.
Unsterblichkeit. Das war das zweite Bemühen der Organisation: Sie wollten einen Weg finden, die alte Unsterblichkeit der Ahnen wiederzuerlangen. Aus diesem Grund wurden die Kindern nicht nur von Andras Tabris, sondern von zwei weiteren Elfen geführt. Zum einen war da die abtrünnige Blutmagierin Tesya Surana, zum anderen der Dalish-Jäger Rathiel Mahariel. Rathiel hatte Zugang zu dem alten Wissen der Elfen, das von den Dalish gehütet wurde. Tesya war in allen Richtungen der Magie begabt, auch in denen, die von der Kirche geächtet wurden. Mit diesen beiden Personen sollte es Andras möglich sein, die Unsterblichkeit zurückzuerlangen. Er musste nur lang und intensiv genug suchen. Heute stand jedenfalls ein Treffen mit den beiden an, um den bisherigen Fortschritt der Suche zu besprechen.
„Guten Morgen.“ Andras trat noch leicht betrübt in das Kaminzimmer der Wacht. Rathiel und Tesya hatten sich bereits um den kleinen Tisch gesetzt. „Ah“, seufzte die Magierin verführerisch, „da seid Ihr ja, mein Liebster. Mein Herz verzehrte sich bereits nach Euch, Andras.“ Sie musste kichern. Über Andras Gesicht huschte ein leichtes Lächeln. Als er damals den Zirkel der Magi von den Abscheulichkeiten reinigte, hatte er einiges über die Elfin erfahren. Ihre Magier-Kollegen und auch Wynne und Irving sagten übereinstimmend aus, dass sie ein verführerisches, wunderschönes und skrupelloses Miststück war. Nach ihrer ersten Begegnung konnte der Kommandant dies bereits bestätigen. Ihr war es sogar gelungen, dass Andras mit ihr das Lager teilte. Erheitert wanderte sein Blick von der Magierin zu dem Jäger. Rathiel lächelte ebenfalls. Auf seinem Kragen entdeckte Andras einige Spritzer Blut. Und schon war seine gute Laune verflogen. Er wusste, dass der Dalish wieder Ärger unter den Menschen veranstaltet hatte. Das war ihrer Sache mitnichten förderlich.
Andras Tabris setzte sein freundlichstes Lächeln auf und begann zuckersüß zu säuseln: „Lieber, lieber Rathiel. Hattet Ihr eine angenehme Reise hierher?“ „Ja“, lachte der Jäger lauthals, „ich...“ Weiter kam er nicht: der Anführer der Kinder Arlathans hatte sich hinter Rathiel gestellt und rammte ihm den Kopf mit brutaler Gewalt auf den Holztisch. Ein Knacken war zu hören. Sofort lief Blut aus der gebrochenen Nase. Rathiel heulte auf und hielt die Hände vor seine zerschmetterte Nase. „Was habe ich Euch gesagt?!!“, brüllte Andras ihn von hinten an. „Ihr sollt Euch von den Menschen fernhalten!! Ich habe Euch gesagt, Ihr sollt keine Shemlen mehr töten!!!! Aber habt Ihr auf mich gehört??!! Nein!!! Ihr veranstaltet jedes Mal ein Massaker, sobald Ihr Euren Wald verlasst!!! DENKT IHR AUCH EIN MAL???!!!!“ Der Elf hatte sich nun in Rage geredet. Sein schwarzes Haar stand ihm wild zu Berge, sein schmales Gesicht hatte sich zu einer finsteren Grimasse verzogen und sein Kopf war rot wie eine Tomate. Die einzige, die das Schauspiel genoss, war Tesya.
„Ich...ich...habe gedacht...“, stotterte Rathiel hinter den vorgehalten Händen hervor. „JA!! Ihr habt gedacht!!! Ihr sollt nicht denken! Ihr sollt BEFEHLE BEFOLGEN!!!!!“ Zerknirscht senkte der Dalish-Jäger den Kopf. Es war nicht die erste Standpauke dieser Art. Rathiel war heißblütig und übermütig, ganz anders Andras: Er war kalt und berechnend, ein Pragmatiker und Rationalist. Der Kommandant atmete tief durch und wandte sich dann an Tesya: „Liebes, was habt Ihr über die Blutmagie des Reichs von Tevinter herausgefunden?“ Die Magierin musste lächeln. „Liebes? Wollt Ihr mich verführen, Grauer Wächter? Nun, wir können diese Unterhaltung auch wo anders fortführen...“ „Bleibt bitte beim Thema, Tesya. Darüber können wir später reden.“ „Nun gut.“ Tesya legte die Hände zusammen und begann zu erklären: „Es war schwierig aber ich habe einiges herausgefunden: Die Blutmagie des Reiches ist äußerst komplex und schwer zu verstehen. Die Magister haben oft versucht, ihre Lebenszeit durch Magie zu verlängern. Die Frage ist, ob eines dieser Rituale erfolgreich war und wie es von statten geht.“ Andras nickte bedächtig. Das war die große Frage. Dies galt es zu ergründen.
„Ja...ich kann kochen.“-
„Hört nicht auf Alistair. Ihr müsst nicht kochen!“
(Alistair, Morrigan und Andras Tabris vor dem Aufbruch Richtung Lothering)
Buch 1: Die Suche
Kapitel 3: Die Kinder Arlathans
Immer noch beunruhigt, von dem Anfall, den er gerade erlebt hatte, schritt Andras Tabris durch die hohen Gänge von Vigils Wacht. Heute stand ein besonderer Termin auf seiner Agenda. Er würde sich mit den zwei Hohen Vertretern der Kinder Arlathans treffen. Diese Wohlfahrtsorganisation hatte er selbst gegründet. Sie sollte den Elfen helfen, ein selbstbestimmtes und freies Leben führen, gleichberechtigt mit den Menschen und Zwergen. Es war ein äußerst nobles Unterfangen. Die Elfen, ob sie nun in den Gesindevierteln oder als Nomaden lebten, waren stolzen auf den bekanntesten und mächtigsten Vertreter ihrer Rasse. Für viele von ihnen war Andras und die Kinder Arlathans ein Schimmer der Hoffnung in diesen dunklen Zeiten. Aber nicht alle blickten so erfreut auf diesen Elfen-Verein. Den meisten Adeligen war er ein Dorn im Auge. Sie sahen in Andras einen Emporkömmling, einen Opportunisten mit dem Hang zum Sadismus. Außerdem glaubten sie, er wolle mit den Kinder Arlathans eine Revolution der Klingenohren auslösen, um selbst die Macht in Ferelden zu übernehmen.
Aus diesen Gründen beantragten einige Banns die sofortige Auflösung des Wohlfahrtverbandes und die Zwangsbeschlagnahmung sämtlichen Vermögens, das, wie die Adeligen behaupteten, aus unrechtmäßigen Geschäften und Verbrechen stammte. Ihr Anliegen wurde aber von König Alistair abgeschmettert. Dieser Entschluss brachte das Fass zum überlaufen: Die verärgerten Banns sahen darin einen weiteren Schachzug von Andras Tabris, der nicht nur Kommandant der Grauen Wächter war, sondern auch als Kanzler als oberster Berater des Königshauses fungierte. Sie warfen dem König Beeinflussbarkeit vor und verlangten seine Abdankung. Alistair dachte gar nicht daran, seine Krone weg zuwerfen, sondern ließ die Banns wegen Hochverrates einkerkern. In Folge dessen kam es zu vereinzelten Scharmützeln zwischen den königlichen Truppen und aufständischen Anhängern der inhaftierten Banns. Erst das Einschreiten der Grauen Wächter unter Kommandant Tabris konnte die Gemüter beruhigen. Die Banns wurden wieder freigelassen, mussten aber hohe Bußgelder in Kauf nehmen.
Diese Ereignisse hatten für die Adeligen den ärgerlichen Nebeneffekt, dass das Vertrauen und die Bewunderung der Elfen in Andras nur noch verstärkte. Er galt als großer Diplomat und Friedensbringer. Der Kanzler selbst zeigte sich gelassen und bescheiden über die Ehrungen, die ihm zuteil wurden. Aber er war nicht überrascht. Alles, was geschehen war, war seiner Feder entsprungen. Die geplante Verschwörung, der Aufstand der Banns, das ungewöhnlich harte Durchgreifen des Königs und sein glorreich herbeigeführter Kompromiss. All das diente nur einem Ziel: Fereleden und seinem Volk zu zeigen, dass er für den Erhalt des Friedens unentbehrlich war. Was niemand wusste war, dass die Banns mit ihren Anschuldigungen zu einhundert Prozent recht hatte. Es lag im Bestreben von Andras und den Kindern Arlathans, eine Rebellion der Elfen auszulösen und den alten Elfenstaat Elvhenan neu zu errichten. Für dieses Endziel lebte und atmete Andras. Er wollte, wenn es soweit wäre, als unsterblicher König über ganz Ferelden herrschen, mit Morrigan an seiner Seite.
Unsterblichkeit. Das war das zweite Bemühen der Organisation: Sie wollten einen Weg finden, die alte Unsterblichkeit der Ahnen wiederzuerlangen. Aus diesem Grund wurden die Kindern nicht nur von Andras Tabris, sondern von zwei weiteren Elfen geführt. Zum einen war da die abtrünnige Blutmagierin Tesya Surana, zum anderen der Dalish-Jäger Rathiel Mahariel. Rathiel hatte Zugang zu dem alten Wissen der Elfen, das von den Dalish gehütet wurde. Tesya war in allen Richtungen der Magie begabt, auch in denen, die von der Kirche geächtet wurden. Mit diesen beiden Personen sollte es Andras möglich sein, die Unsterblichkeit zurückzuerlangen. Er musste nur lang und intensiv genug suchen. Heute stand jedenfalls ein Treffen mit den beiden an, um den bisherigen Fortschritt der Suche zu besprechen.
„Guten Morgen.“ Andras trat noch leicht betrübt in das Kaminzimmer der Wacht. Rathiel und Tesya hatten sich bereits um den kleinen Tisch gesetzt. „Ah“, seufzte die Magierin verführerisch, „da seid Ihr ja, mein Liebster. Mein Herz verzehrte sich bereits nach Euch, Andras.“ Sie musste kichern. Über Andras Gesicht huschte ein leichtes Lächeln. Als er damals den Zirkel der Magi von den Abscheulichkeiten reinigte, hatte er einiges über die Elfin erfahren. Ihre Magier-Kollegen und auch Wynne und Irving sagten übereinstimmend aus, dass sie ein verführerisches, wunderschönes und skrupelloses Miststück war. Nach ihrer ersten Begegnung konnte der Kommandant dies bereits bestätigen. Ihr war es sogar gelungen, dass Andras mit ihr das Lager teilte. Erheitert wanderte sein Blick von der Magierin zu dem Jäger. Rathiel lächelte ebenfalls. Auf seinem Kragen entdeckte Andras einige Spritzer Blut. Und schon war seine gute Laune verflogen. Er wusste, dass der Dalish wieder Ärger unter den Menschen veranstaltet hatte. Das war ihrer Sache mitnichten förderlich.
Andras Tabris setzte sein freundlichstes Lächeln auf und begann zuckersüß zu säuseln: „Lieber, lieber Rathiel. Hattet Ihr eine angenehme Reise hierher?“ „Ja“, lachte der Jäger lauthals, „ich...“ Weiter kam er nicht: der Anführer der Kinder Arlathans hatte sich hinter Rathiel gestellt und rammte ihm den Kopf mit brutaler Gewalt auf den Holztisch. Ein Knacken war zu hören. Sofort lief Blut aus der gebrochenen Nase. Rathiel heulte auf und hielt die Hände vor seine zerschmetterte Nase. „Was habe ich Euch gesagt?!!“, brüllte Andras ihn von hinten an. „Ihr sollt Euch von den Menschen fernhalten!! Ich habe Euch gesagt, Ihr sollt keine Shemlen mehr töten!!!! Aber habt Ihr auf mich gehört??!! Nein!!! Ihr veranstaltet jedes Mal ein Massaker, sobald Ihr Euren Wald verlasst!!! DENKT IHR AUCH EIN MAL???!!!!“ Der Elf hatte sich nun in Rage geredet. Sein schwarzes Haar stand ihm wild zu Berge, sein schmales Gesicht hatte sich zu einer finsteren Grimasse verzogen und sein Kopf war rot wie eine Tomate. Die einzige, die das Schauspiel genoss, war Tesya.
„Ich...ich...habe gedacht...“, stotterte Rathiel hinter den vorgehalten Händen hervor. „JA!! Ihr habt gedacht!!! Ihr sollt nicht denken! Ihr sollt BEFEHLE BEFOLGEN!!!!!“ Zerknirscht senkte der Dalish-Jäger den Kopf. Es war nicht die erste Standpauke dieser Art. Rathiel war heißblütig und übermütig, ganz anders Andras: Er war kalt und berechnend, ein Pragmatiker und Rationalist. Der Kommandant atmete tief durch und wandte sich dann an Tesya: „Liebes, was habt Ihr über die Blutmagie des Reichs von Tevinter herausgefunden?“ Die Magierin musste lächeln. „Liebes? Wollt Ihr mich verführen, Grauer Wächter? Nun, wir können diese Unterhaltung auch wo anders fortführen...“ „Bleibt bitte beim Thema, Tesya. Darüber können wir später reden.“ „Nun gut.“ Tesya legte die Hände zusammen und begann zu erklären: „Es war schwierig aber ich habe einiges herausgefunden: Die Blutmagie des Reiches ist äußerst komplex und schwer zu verstehen. Die Magister haben oft versucht, ihre Lebenszeit durch Magie zu verlängern. Die Frage ist, ob eines dieser Rituale erfolgreich war und wie es von statten geht.“ Andras nickte bedächtig. Das war die große Frage. Dies galt es zu ergründen.
Modifié par Andras Tabris, 28 janvier 2011 - 07:06 .
#6
Posté 18 mars 2011 - 03:24
„Toll.
Jetzt haben wir einen Hund und Alistair ist immer noch das dümmste
Mitglied der Gruppe!“
(Morrigan,
kurz vor Lothering)
Buch
1: Die Suche
Kapitel 4: Das Konzil
„Bewegt Euch! Beladet die Pferde! Packt den Proviant zusammen! Für was bezahlt euch der Kommandant eigentlich?!“ Der neue Truchess, Sir Alerius, hatte alle Hände voll zu tun: heute noch wollte Kommandant
Tabris Richtung Soldatengipfel aufbrechen. Dafür wollte er den halben Hausstand der Wacht mitnehmen. Der Mann hat Nerven, dachte sich Alerius genervt. Knapp zwanzig Zofen, das grenzt doch an Dekadenz. „Andraste verfluche seine Maßlosigkeit“, fluchte Alerius leise vor sich hin. Ein „Ach wirklich?“ einer bekannten Stimme hinter ihm, ließ den Truchess herumwirbeln. Zu seinem Entsetzen stand Andras Tabris hinter ihm. Mit schwarzen Augen funkelte er ihn an. „N...Nein, Kommandant! So...habe ich das nicht gemeint!“, stotterte der Ritter. Andras' Begleiterin, Tesya, schien sich köstlich über die Unzulänglichkeit des neuen Hausherren zu amüsieren. Der dritte Elf, Rathiel, hielt sich immer noch die blutende Nase.
„Ihr könnt von Glück sprechen, dass ich heute so gute Laune habe. Sonst würdet Ihr schon an den Zinnen herabbaummeln.“ Andras lächelte böse. Der Elf trug die Drago-Schuppen-Rüstung von Meister Wade, die
speziell für ihn schwarz eingefärbt wurde. Bewaffnet war der Kommandant mit zwei antivianischen Dolchen, gefertigt aus schwarzem Meteoritenstahl. Es waren einmalige Stück, nirgends sonst auf Thedas zu finden. „Ja, mein Kommandant.“ Unterwürfig verneigte sich Truchess Alerius und schickte sich schnell wieder an, die Untergebenen anzutreiben. „Schade“, seufzte Tesya, „ein wenig Blut und Tod wäre sicherlich unterhaltsam gewesen.“ „Keine Angst. Schon bald wird Euer Wunsch in Erfüllung gehen. Ich...“ An dieser Stelle brach Andras ab, denn die Hüterin Velanna näherte sich. „Kommandant“, grüßte sie ihn, bevor sie misstrauisch die anderen Elfen beäugte. Vor allem der weißhaarige Dalish, mit der zerschmetterten Nase schien sie zu interessieren.
Natürlich hatte Andras ihre Blicke bemerkt. „Darf Ich vorstellen? Das ist Tesya, eine Magierin. Und der junge Dalish ist Rathiel. Unglücklicherweise musste ich ihm die Nase brechen. Wenn es Euch beliebt, könnt Ihr ihn ja verarzten. Es ist mir gleich.“ Andras und Tesya entfernten sich von den beiden Dalish, um sich ein wenig in einer dunklen Ecke zu vergnügen. „So was...“, zischte Velanna, als sie sah, wie Andras Tesya an den Hintern langte. Und diesem Flittchen schien es auch noch zu gefallen. Die Eifersucht lenkte Velanna so sehr ab, dass sie fast den verstümmelten Rathiel vergaß. Erst sein rasselnder Atem riss sie aus ihren Gedanken. „Oh. Verzeiht mir. Ich war abgelenkt. Kommt lasst mir Euch helfen.“ Sie führte Rathiel in ein nahes Gebäude, wo sie ab und an ein paar Soldaten behandelte. Hastig kramte Velanna Wundumschläge und Salben aus den Schränken. „Lasst mal sehen.“ Professionell begutachtet die Hüterin die Verletzung. „Das kriegen wir schon wieder hin“, war ihre knappe Diagnose, „Aber sagt mir: Wieso hat Euch der Kommandant das angetan.“ Rathiel blickte verlegen zu Boden. Er schien mit sich zu ringen, ober er Velanna etwas über das Vorgefallene zu berichten sollte. Velanna bemerkte seine Unsicherheit und versicherte ihm, dem Kommandanten nicht zu erzählen. Dankbar lächelte der Dalish-Jäger sie an und begann den Vorfall zu schildern. „Hmm. Ich glaube, Ihr habt Eure Strafe verdient. Wenn Ihr damit die Ziele des Kommandant gefährdet, hat er jegliches Recht, Euch so hart ran zunehmen. Wo wir gerade vom ran nehmen sprechen...“ Verstimmt blickte Velanna zum Fenster hinaus.
„Oh, Andras!“ Verzückt stöhnte Tesya auf, als der Kommandant sie hinter einem Planwagen beglückte. Es war nicht das erste Mal, dass die beiden sich zusammen vergnügten, auch nicht das erste Mal auf dem Hof. Die Blutmagierin klammerte sich an die Kante des Wagens, während Andras hinter ihr stand und sie hart stieß. Ihr ganzer Körper zitterte, als Andras immer schneller wurde. Als sie beiden den Höhepunkt erreicht hatten, sackte Tesya zufrieden in sich zusammen. „Überwältigend!“, keuchte sie, „Die Grauen Wächter haben für so etwas wirklich Talent. Ich glaube, dass hat etwas mit der Verderbnis zu tun.“ Ja, dachte sich Andras, dass hat Morrigan auch vermutet. Wieder schweiften seine Gedanken zu der Hexe. Wo sie wohl gerade war? Was sie wohl tat? War sie zufrieden?
Zufrieden war Morrigan im Moment ganz und gar nicht. Übereilt hatte sie ihre Hütte mit dem kleine Arawn verlassen müssen, da die Dunkle Brut angriff. Jetzt befand sich Morrigan in den breiten Straßen von Val Royeaux, umgeben von tausenden Menschen. Diese Menschenmassen machten die Hexe der Wildnis ein wenig nervös. Nicht einmal in Denerim gab es so viele Leute auf einem Fleck. Die orlaisianische Hauptstadt war wirklich überwältigend. Morrigan war so von den hohen Bauten abgelenkt, dass sie in einen Einheimischen hinein lief. „Ah“, brüllte der, „passt doch auf, sonst hole ich die...“ Als er Morrigan erblickte, verschlug es ihm die Sprache. „Wen holt Ihr dann?“, fragte die Hexe herausfordernd. „Niemanden. Schon gut, holde Maid. Darf ich mich vorstellen? Ich bin Louis de Finie. Und Ihr seid wahrlich eine Schönheit, wenn ich das so sagen darf.“ Morrigan musste unwillkürlich lächeln: „Ihr dürft. Aber eines noch: Meine Augen sind hier oben.“ Louis lacht auf: „Natürlich, meine Dame. Sagt mir, was führt Euch in die große Stadt?“ „Das geht Euch nichts an“, entgegnete Morrigan kalt. „Wie Ihr wünscht. Aber erlaubt mir, Euch zum Essen einzuladen.“ Die Hexe war gewillt abzulehnen, doch dann knurrte ihr Magen unüberhörbar. „G..Gut.“
In Zwischenzeit waren Andras und die anderen auf dem Soldatengipfel angekommen. Die alte Wächter-Burg erhob sich mit unheimlicher Würde aus der verschneiten Umgebung. Einst hausten hier die alten Grauen
Wächter, dann Dämonen, doch der Kommandant hatte die Festung zurück in den Besitz des Ordens geführt. „Absitzen!“, befahl Andras seinen Begleitern. Er, Tesya, Rathiel, Velanna, Anders, Nathaniel, Sigrun und Oghren betraten die Haupthalle des Soldatengipfels. Zu seiner Freude erblickte Andras einige alte Bekannte. „Lelianna!“ Überglücklich über das Wiedersehen fiel die Bardin dem Elfen in die Arme. „Oh, Andras!“, jauchzte sie, „wie schön Euch wiederzusehen. Es ist so lange her gewesen!“ „Ja, das war es. Und da ist ja Euer Ehemann, Teyrn Gareth Cousland.“ Der Teyrn von Highever näherte sich Andras und gab ihm ernst die Hand. Nach einigen Sekunden brachen beide in schallendes Gelächter aus. „Andras, du alter Hund! Schon lange nicht mehr gesehen!“ Gareth klopfte dem Elfen lachend auf den Rücken. „Da hast du recht. Ich glaube, deine Ehefrau spannt dich zu sehr ein. Ich habe gehört, sie sei unersättlich im Bett.“ Andras schielte zu Lelianna hinüber, die vor lauter Scham ziemlich rot wurde. Auch Gareths Wangen erröteten ein klein wenig.
Da dem Ehepaar Cousland das Gespräch offensichtlich peinlich war, lenkte der Kommandant es auf das eigentliche Thema. „Sind bereits alle hier, Gareth.“ Froh, über etwas anderes sprechen zu dürfen, nickte der Teyrn eifrig: „Ja. Die Vertreter der Dalish, der Magier, der Templer und der Zwerge sind hier.“ „Das Erscheinen der Zwerge verwundert mich ein bisschen“, gestand Andras, „werden sie denn nicht verstoßen, wenn sie an die Oberfläche gehen?“ Diese Regel sollte sich selbst unter dem reformwilligen König Bhelen nicht geändert haben. „Deshalb“, erklärte Gareth, „haben sie einen Oberflächenzwerg geschickt. Sein Name ist Gorim.“ Bei dem Namen horchte Andras auf. Irgendwo hatte er ihn schon einmal gehört, allerdings konnte sich der Kommandant nicht erinnern, wo. Es war ja auch egal, ob er ihn kannte. Er war nur froh, dass sich die Zwerge entschlossen hatten, auf sein Angebot einzugehen. Es sollte auf dem Soldatengipfel ein Konzil stattfinden, dass das Antlitz Fereldens bis in alle Ewigkeit ändern würde. Andras hatte vor, einen universalen und immer währenden Frieden auszuhandeln, der alle Streitigkeiten der unterschiedlichen Gruppen, des Adels und der Rassen beilegen sollte. Der Kommandant und Kanzler Andras Tabris hat dafür sogar König Alistair ins Boot holen können. Natürlich hatte der Elf noch einige Hintergedanken, was das Konzil betraf, aber davon würden die Anwesenden hoffentlich nichts erfahren.
Jetzt haben wir einen Hund und Alistair ist immer noch das dümmste
Mitglied der Gruppe!“
(Morrigan,
kurz vor Lothering)
Buch
1: Die Suche
Kapitel 4: Das Konzil
„Bewegt Euch! Beladet die Pferde! Packt den Proviant zusammen! Für was bezahlt euch der Kommandant eigentlich?!“ Der neue Truchess, Sir Alerius, hatte alle Hände voll zu tun: heute noch wollte Kommandant
Tabris Richtung Soldatengipfel aufbrechen. Dafür wollte er den halben Hausstand der Wacht mitnehmen. Der Mann hat Nerven, dachte sich Alerius genervt. Knapp zwanzig Zofen, das grenzt doch an Dekadenz. „Andraste verfluche seine Maßlosigkeit“, fluchte Alerius leise vor sich hin. Ein „Ach wirklich?“ einer bekannten Stimme hinter ihm, ließ den Truchess herumwirbeln. Zu seinem Entsetzen stand Andras Tabris hinter ihm. Mit schwarzen Augen funkelte er ihn an. „N...Nein, Kommandant! So...habe ich das nicht gemeint!“, stotterte der Ritter. Andras' Begleiterin, Tesya, schien sich köstlich über die Unzulänglichkeit des neuen Hausherren zu amüsieren. Der dritte Elf, Rathiel, hielt sich immer noch die blutende Nase.
„Ihr könnt von Glück sprechen, dass ich heute so gute Laune habe. Sonst würdet Ihr schon an den Zinnen herabbaummeln.“ Andras lächelte böse. Der Elf trug die Drago-Schuppen-Rüstung von Meister Wade, die
speziell für ihn schwarz eingefärbt wurde. Bewaffnet war der Kommandant mit zwei antivianischen Dolchen, gefertigt aus schwarzem Meteoritenstahl. Es waren einmalige Stück, nirgends sonst auf Thedas zu finden. „Ja, mein Kommandant.“ Unterwürfig verneigte sich Truchess Alerius und schickte sich schnell wieder an, die Untergebenen anzutreiben. „Schade“, seufzte Tesya, „ein wenig Blut und Tod wäre sicherlich unterhaltsam gewesen.“ „Keine Angst. Schon bald wird Euer Wunsch in Erfüllung gehen. Ich...“ An dieser Stelle brach Andras ab, denn die Hüterin Velanna näherte sich. „Kommandant“, grüßte sie ihn, bevor sie misstrauisch die anderen Elfen beäugte. Vor allem der weißhaarige Dalish, mit der zerschmetterten Nase schien sie zu interessieren.
Natürlich hatte Andras ihre Blicke bemerkt. „Darf Ich vorstellen? Das ist Tesya, eine Magierin. Und der junge Dalish ist Rathiel. Unglücklicherweise musste ich ihm die Nase brechen. Wenn es Euch beliebt, könnt Ihr ihn ja verarzten. Es ist mir gleich.“ Andras und Tesya entfernten sich von den beiden Dalish, um sich ein wenig in einer dunklen Ecke zu vergnügen. „So was...“, zischte Velanna, als sie sah, wie Andras Tesya an den Hintern langte. Und diesem Flittchen schien es auch noch zu gefallen. Die Eifersucht lenkte Velanna so sehr ab, dass sie fast den verstümmelten Rathiel vergaß. Erst sein rasselnder Atem riss sie aus ihren Gedanken. „Oh. Verzeiht mir. Ich war abgelenkt. Kommt lasst mir Euch helfen.“ Sie führte Rathiel in ein nahes Gebäude, wo sie ab und an ein paar Soldaten behandelte. Hastig kramte Velanna Wundumschläge und Salben aus den Schränken. „Lasst mal sehen.“ Professionell begutachtet die Hüterin die Verletzung. „Das kriegen wir schon wieder hin“, war ihre knappe Diagnose, „Aber sagt mir: Wieso hat Euch der Kommandant das angetan.“ Rathiel blickte verlegen zu Boden. Er schien mit sich zu ringen, ober er Velanna etwas über das Vorgefallene zu berichten sollte. Velanna bemerkte seine Unsicherheit und versicherte ihm, dem Kommandanten nicht zu erzählen. Dankbar lächelte der Dalish-Jäger sie an und begann den Vorfall zu schildern. „Hmm. Ich glaube, Ihr habt Eure Strafe verdient. Wenn Ihr damit die Ziele des Kommandant gefährdet, hat er jegliches Recht, Euch so hart ran zunehmen. Wo wir gerade vom ran nehmen sprechen...“ Verstimmt blickte Velanna zum Fenster hinaus.
„Oh, Andras!“ Verzückt stöhnte Tesya auf, als der Kommandant sie hinter einem Planwagen beglückte. Es war nicht das erste Mal, dass die beiden sich zusammen vergnügten, auch nicht das erste Mal auf dem Hof. Die Blutmagierin klammerte sich an die Kante des Wagens, während Andras hinter ihr stand und sie hart stieß. Ihr ganzer Körper zitterte, als Andras immer schneller wurde. Als sie beiden den Höhepunkt erreicht hatten, sackte Tesya zufrieden in sich zusammen. „Überwältigend!“, keuchte sie, „Die Grauen Wächter haben für so etwas wirklich Talent. Ich glaube, dass hat etwas mit der Verderbnis zu tun.“ Ja, dachte sich Andras, dass hat Morrigan auch vermutet. Wieder schweiften seine Gedanken zu der Hexe. Wo sie wohl gerade war? Was sie wohl tat? War sie zufrieden?
Zufrieden war Morrigan im Moment ganz und gar nicht. Übereilt hatte sie ihre Hütte mit dem kleine Arawn verlassen müssen, da die Dunkle Brut angriff. Jetzt befand sich Morrigan in den breiten Straßen von Val Royeaux, umgeben von tausenden Menschen. Diese Menschenmassen machten die Hexe der Wildnis ein wenig nervös. Nicht einmal in Denerim gab es so viele Leute auf einem Fleck. Die orlaisianische Hauptstadt war wirklich überwältigend. Morrigan war so von den hohen Bauten abgelenkt, dass sie in einen Einheimischen hinein lief. „Ah“, brüllte der, „passt doch auf, sonst hole ich die...“ Als er Morrigan erblickte, verschlug es ihm die Sprache. „Wen holt Ihr dann?“, fragte die Hexe herausfordernd. „Niemanden. Schon gut, holde Maid. Darf ich mich vorstellen? Ich bin Louis de Finie. Und Ihr seid wahrlich eine Schönheit, wenn ich das so sagen darf.“ Morrigan musste unwillkürlich lächeln: „Ihr dürft. Aber eines noch: Meine Augen sind hier oben.“ Louis lacht auf: „Natürlich, meine Dame. Sagt mir, was führt Euch in die große Stadt?“ „Das geht Euch nichts an“, entgegnete Morrigan kalt. „Wie Ihr wünscht. Aber erlaubt mir, Euch zum Essen einzuladen.“ Die Hexe war gewillt abzulehnen, doch dann knurrte ihr Magen unüberhörbar. „G..Gut.“
In Zwischenzeit waren Andras und die anderen auf dem Soldatengipfel angekommen. Die alte Wächter-Burg erhob sich mit unheimlicher Würde aus der verschneiten Umgebung. Einst hausten hier die alten Grauen
Wächter, dann Dämonen, doch der Kommandant hatte die Festung zurück in den Besitz des Ordens geführt. „Absitzen!“, befahl Andras seinen Begleitern. Er, Tesya, Rathiel, Velanna, Anders, Nathaniel, Sigrun und Oghren betraten die Haupthalle des Soldatengipfels. Zu seiner Freude erblickte Andras einige alte Bekannte. „Lelianna!“ Überglücklich über das Wiedersehen fiel die Bardin dem Elfen in die Arme. „Oh, Andras!“, jauchzte sie, „wie schön Euch wiederzusehen. Es ist so lange her gewesen!“ „Ja, das war es. Und da ist ja Euer Ehemann, Teyrn Gareth Cousland.“ Der Teyrn von Highever näherte sich Andras und gab ihm ernst die Hand. Nach einigen Sekunden brachen beide in schallendes Gelächter aus. „Andras, du alter Hund! Schon lange nicht mehr gesehen!“ Gareth klopfte dem Elfen lachend auf den Rücken. „Da hast du recht. Ich glaube, deine Ehefrau spannt dich zu sehr ein. Ich habe gehört, sie sei unersättlich im Bett.“ Andras schielte zu Lelianna hinüber, die vor lauter Scham ziemlich rot wurde. Auch Gareths Wangen erröteten ein klein wenig.
Da dem Ehepaar Cousland das Gespräch offensichtlich peinlich war, lenkte der Kommandant es auf das eigentliche Thema. „Sind bereits alle hier, Gareth.“ Froh, über etwas anderes sprechen zu dürfen, nickte der Teyrn eifrig: „Ja. Die Vertreter der Dalish, der Magier, der Templer und der Zwerge sind hier.“ „Das Erscheinen der Zwerge verwundert mich ein bisschen“, gestand Andras, „werden sie denn nicht verstoßen, wenn sie an die Oberfläche gehen?“ Diese Regel sollte sich selbst unter dem reformwilligen König Bhelen nicht geändert haben. „Deshalb“, erklärte Gareth, „haben sie einen Oberflächenzwerg geschickt. Sein Name ist Gorim.“ Bei dem Namen horchte Andras auf. Irgendwo hatte er ihn schon einmal gehört, allerdings konnte sich der Kommandant nicht erinnern, wo. Es war ja auch egal, ob er ihn kannte. Er war nur froh, dass sich die Zwerge entschlossen hatten, auf sein Angebot einzugehen. Es sollte auf dem Soldatengipfel ein Konzil stattfinden, dass das Antlitz Fereldens bis in alle Ewigkeit ändern würde. Andras hatte vor, einen universalen und immer währenden Frieden auszuhandeln, der alle Streitigkeiten der unterschiedlichen Gruppen, des Adels und der Rassen beilegen sollte. Der Kommandant und Kanzler Andras Tabris hat dafür sogar König Alistair ins Boot holen können. Natürlich hatte der Elf noch einige Hintergedanken, was das Konzil betraf, aber davon würden die Anwesenden hoffentlich nichts erfahren.
Modifié par Andras Tabris, 18 mars 2011 - 03:37 .





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