Hallo,
das Thema finde ich sehr interessant, gerade, da dieses Jahr ja einige (hoffentlich gute) Rollenspiele auf den Markt kommen. Ich habe mich auch schon selbst gefragt, was mir wohl wichtig wäre, wenn ich ein eigenes Rollenspiel entwickeln würde (nicht, dass ich es könnte, aber nur mal angenommen …)
Um die Ausgangsfrage richtig zu beantworten, würde ich zwei Sachen unterscheiden: Was für mich ein Rollenspiel per Definition ausmacht und was ich mir persönlich in einem guten Rollenspiel wünsche.
Ein Rollenspiel definiere ich wie folgt:
Es ist ein Spiel, bei dem ich einen oder mehrere Helden zu Beginn selbst erschaffen kann. Ich bestimme, welche Eigenschaften des Helden wie gut sind, indem ich Attributen oder Fähigkeiten Werte zuweise. So kann ich durch diese Werte z. B. festlegen, wie klug oder stark ein Charakter ist oder wie gut er sich verstecken kann. Ferner lassen sich die Werte im Verlauf des Spiels steigern und zwar jedes Mal, wenn der Charakter genügend Erfahrungspunkte gesammelt hat, um ein Level aufzusteigen.
Wie Rearan bei Punkt 1 geschrieben hat, gibt es Erfahrungspunkte durch absolvierte Quests, für das Erschlagen von Gegnern oder auch das Knacken von Schlössern. Das sehe ich genau so.
Mit den Quests sind wir bei einem weiteren Element, das für ein Rollenspiel wichtig ist: die Aufträge. Der Held wird von anderen, meistens vom Computer gesteuerten Figuren, angeworben, um bestimmte Dinge zu erledigen. Diese können breit gefächert sein und von „finde meine verschwundene Katze“ bis „brich ins Gemach des Prinzen ein und stehle dort den goldenen Dolch“ gehen.
Des weiteren spielen Rollenspiele oft in einer fantastischen Welt, sei es nun eine mittelalterliche oder eine futuristische Welt.
So weit, so gut. Das macht für mich per Definition ein Rollenspiel aus.
Persönlich wünsche ich mir in einem guten Rollenspiel viele der Punkte, die bereits angesprochen wurden:
1) Eine gute Story. Aber was ist eine gute Story? Obwohl ich viel über DAO gelesen habe, dass die Geschichte so gut sein soll, fand ich sie jetzt nicht soooo toll. Im Grunde genommen ging es doch darum, dass die böse dunkle Brut die Oberfläche überrennen will und der Held das verhindern muss. Gute Geschichten haben für mich unerwartete, aber dennoch glaubwürdige, Wendungen. Der Hauptcharakter sollte in irgendeiner Form durch die Story betroffen und berührt werden. Im besten Fall ist es eine Achterbahnfahrt, auf die auch der Spieler mitgenommen wird, und die so etwas wie einen roten Faden besitzt. Habe ich in der Form in noch keinem Rollenspiel gesehen, aber vielleicht sind meine Ansprüche da zu hoch.
2) Entscheidungsfreiheit, die zu einem unterschiedlichen Verlauf der Story führt.
3) Die Optik. Damit meine ich nicht, dass es die supertolle Grafik sein muss, aber wenn das Spiel z. B. in einer mittelalterlichen Welt spielt, möchte ich Fachwerkhäuser, die so aussehen, als gehören sie auch da hin. Des weiteren sollte die Welt bevölkert sein. Bei DAO ist Orzammar die größte der Zwergenstädte – dafür war dann aber doch wenig los. Ich möchte was zu gucken haben.
4) Wahlmöglichkeiten in bestimmten Situation, so dass man z. B. gegen jemanden kämpfen kann oder ihn alternativ überreden kann.
5) Und wie Rearan bei Punkt 7 anmerkte, finde ich es auch gut, wenn Leute auf mich reagieren. Bei DAO hat es viele gar nicht gestört, dass ich einfach so in ihr Haus bin. Bei Baldur’s Gate war das z. B. anders.
6)
Was mich bei DA:O etwas störte ist das die einzelnen Origins nicht mehr ineinander verzahnt waren. Was wäre denn gewesen wenn man z.B. dem adligen verbannten Zwerg in den Tiefen Wegen begegnet wäre, also als bürgerlicher Zwerg oder Elf/Mensch.
Ja, das habe ich mir auch gewünscht. Und es ist ein weiterer Punkt auf meiner Wunsch-Liste: das man vielleicht in solchen Fällen die unterschiedlichen Handlungsstränge etwas übergreifend macht, sofern möglich.
7) Die Gefährten spielen für mich auch eine große Rolle. Ich finde das Geplänkel zwischen ihnen gut und hätte mir bei DAO eigentlich noch mehr davon gewünscht. Auch die Möglichkeit, Romanzen mit einigen Gefährten einzugehen, gefällt mir sehr (und man muss es ja nicht, für die, denen es nicht gefällt). Nur so richtig glaubhaft und rund sind die Romanzen bei DAO immer noch nicht gewesen. Da stimme ich Sheppard_Commander zu. Die liefen eher unter: „Ja, gar nicht mal schlecht“. Wie soll ich sagen? Noch mehr Tiefe bei den Figuren wäre schön, mehr Charakterentwicklung.
Ui, ist länger geworden, als ich dachte …