Es wurden hier mehrere Beiträge eröffnet, die Kritik an DA2 äußern, und viele Kritikpunkte sind
berechtigt und nachvollziehbar. Ich will mich aber nicht in das Geflame einreihen, das mancherorts angestimmt wurde, sondern einen Aspekt kritisch beleuchten, der mir persönlich wichtig ist.
Wenn ich Dragon Age 2 nicht nach rein spieltechnischen Gesichtspunkten spielen will, also hinsichtlich
dessen, was mir zur Erreichung eines Spielendes mit möglichst vielen Eps nützlich sein kann, sondern nach moralischen oder auch logischen Gesichtspunkten, die dem Stoff, der Geschichte angemessen sind, dann
erscheinen mir die Möglichkeiten dieses Spiels bescheiden. Das liegt an der völligen Inflexibilität der Mitspieler von Hawke. Gehen wir deshalb die Rollen unter diesem Gesichtspunkt einmal durch:
1.
Anders. Er ist fanatisch, deshalb missbraucht er sein zweites Ich „Gerechtigkeit‟ für seinen
Fanatismus, weil er Rache will und seinen Zorn nicht zügeln kann. Dass er die Kirche in die Luft sprengt und damit den Tod der Figur in Kauf nimmt, die nachhaltigen Einfluss auf den Konflikt zwischen
Templern und Magiern gehabt hätte, macht ihn unglaubwürdig. Seine Rechtfertigung, so eine Einigung unmöglich zu machen, weil sie den Magiern keine Freiheit bringe, ist lahm. Er schadet den Magiern.
Deshalb habe ich Anders ab meinem zweiten Durchgang mit dieser Begründung weggejagt. Sollte ich noch einmal spielen, werde ich ihn anschließend töten lassen oder es selbst tun.
2.
Fenris. Er ist das Gegenstück zu Anders, ein fanatischer Magierhasser. Als solcher ist er genauso
unbrauchbar, will ich die Magier unterstützen (welchen vernünftigen Grund gibt es, die Templer mit ihrer verrückten Kommandantin zu unterstützen. Ich unterstütze doch keine Militärdiktatur!!).
Fenris lässt sich im Nichts von einem Dämonen verführen und wendet sich gegen mich. Bei seiner anschließenden Entschuldigung gibt er mir die Schuld, weil ich ihn der Magie ausgesetzt habe, und ich ernte
Feindschaftspunkte.
3.
Merril. Sie ist starrköpfig, unbelehrbar naiv und weltfremd. Sie ruiniert ihren Clan oder führt den Tod der Hüterin herbei und lernt nichts daraus. Egal wie hilfreich man bei ihrem Ansinnen ist, den Spiegel zu reparieren, er führt ins Chaos, und man erntet ihre Feindschaft. In einem meiner Durchgänge war sie hinsichtlich Feinschaft auf dem Tiefpunkt. Das hinderte sie aber nicht daran, gegen die Templer im Endkampf an meinen Erfolg zu glauben. Völlig inkonsequent.
4.
Isabelle. Ich weiß nicht, woher sie ihre große Fangemeinde nimmt, wahrscheinlich, weil sie als leibhaftiges Sexsymbol erscheint, handelt und redet. Isabelle hat einen richtig miesen Charakter. Was
sie ehrt, wenn man das so sagen will, ist, dass sie keinen Hehl daraus macht. In der Regel verliert man sie ohnehin, wenn sie das Relikt hat – einmal gelang es mir, sie dazu zu bewegen, es dem
Arishok zurückzubringen.
5.
Aveline. Sie ist eine feste Größe, weil sie wegen ihrer Rechtschaffenheit einigermaßen auszurechnen ist. Sie ist die, auf die man sich wirklich verlassen kann, auch wenn sie nicht alles gutheißt, was man unternimmt.
6.
Varric, die Erzählfigur, ist der einzige wirkliche Lichtblick. Man weiß, woran man mit ihm ist, und so macht er es nahezu unmöglich, aus Überzeugung gegen ihn zu handeln.
7.
Sebastian. Wer will denn wirklich mit diesem blauäugigen Schönling zusammenarbeiten, dessen Lebensinhalt von der Kirche bzw. vom Erbauer bestimmt wird. Das muss doch zwangsläufig zu Konflikten führen. Ich
habe deshalb ab dem zweiten Durchgang die Geschichte dieses ebenso engstirnigen wie fanatischen Klerikers gar nicht mehr gespielt.
Ich fasse zusammen: Nach dem Kampf gegen den Arishok bleiben mir neben Anders (den ich später fallen lassen muss) Varric, Aveline und Merril. Isabelle ist weg und Fenris wie Sebastian sind im Kampf für die Magier indiskutabel. Spiele ich einen Schurken oder einen Krieger, dann bekomme ich am Ende Bethany, wenn sie zu den Grauen Wächtern gekommen ist, da muss ich aber Anders mit in die Tiefen Wege genommen haben.
Ein Rollenspiel? Dem Namen nach, vielleicht. Die Rollen sind so gut wie nicht beeinflussbar bzw. entwicklungsfähig. Ein derartiger Plot für ein Buch oder für einen Film wäre völlig indiskutabel, eine
billige Seifenoper. Viele Spieler scheint das nicht so zu stören, Hauptsache, es ist etwas los auf dem Monitor.
Modifié par GueGu, 06 avril 2011 - 11:38 .





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