Der englische thread ist auch wieder sehr erquickend.
Mit am lustigsten aus der
Pro-Fraktion:
- 80-90% der Posts schreiben, dass sie keinen MP haben wollen, ein user hingegen meint diese Tatsache so zu deuten:
" I am glad Bioware considers them the vocal minority and doesn't always take them seriously. 90% of the time people around here respond with some stupid knee-jerk reaction at ANYTHING being changed or added, with absolutely no knowledge as to what they are talking about, how it could be implemented, etc. etc."
Gut dass dieser user so wunderbar argumentiert hat, warum DA3 einen MP braucht!
- Vorwürfe, dass die Con-Fraktion nicht einmal den Unterschied zwischen einem Multiplayerspiel und einem Spiel mit MP wüssten. Dieser Vorwurf ist deshalb so glaubwürdig, weil der Verfasser nicht einmal nachvollziehen kann, was die MP-kostet-Ressourcen-Argumentation bedeutet.
- Der
Klassiker unter den Argumenten , der auch gerne in anderen Foren (nicht Bioware) benutzt wird, besagt, dass Spiele wie RDR, GTA4, AC:B und Uncharted 2 einen MP bekommen hätten, ohne dass dies zu Qualitätseinbüßen beim SP geführt hätten.
Nun was kann man dazu eingentlich sagen. Nun, beim Vergleich Apfel mit Birnen mag man nämlich noch zu einem gemeinsamen Nenner kommen können (beides Obst mit so und so viel Vitamin C/ mg ), aber ein Vergleich zwischen den RPG-Vertretern mit 3rd-Person-Shooter/Action-Adventure-Titeln ist meiner Meinung nach absoluter Non-sense.
Was ist das denn für ein Argument?
Entwickler: Wie sollten wir das kommende RPG entwickeln, damit es Euren Ansprüchen genügen kann?
Pro-Fraktion: Mach ein 3rd-Person-Shooter!
Wenn jemand einen 3rd-Person-Shooter spielt, damit er nicht mit irgendwelchen scheinbar verwirrenden Zahlen in Kontakt kommen kann, warum spielt er dann überhaupt ein RPG und nicht etwa einen der von ihm selbst angeführten 3rd-Person-Shooter? Einem RPG vorzuwerfen, dass es möglicherweise RPG-Elemente enthalten könnte ist doch sehr eigenartig.
Man könnte ja meinen, die Pro-Fraktion meint das aber gar nicht so wie ich das schilderte, sondern sagt nur, dass ein SP und ein MP gut neben einander bestehen können.
Das stimmt aber nur bedingt, denn das 3rd-Person-Shooter-Genre ist kommerziell sehr viel erfolgreicher und hat daher viel mehr Entwicklungsressourcen.
Zweitens, der SP in einem 3rd-PS ist extrem linear. Selbst in Open-World-Umgebungen wie RDR sind die Handlungsstränge stark linear, weil einem der Einfluss auf den weiteren Handlungsverlauf verwehrt wird. In Open-World-Spielen ist das eher eine Frage von parallel vorgehaltenen linearen Episoden, die abgearbeitet werden bis weitere Episoden freigeschaltet bzw. getriggert (ausgelöst) werden.
In einem guten RPG darf man selber die Geschichte seines Chars schreiben, so dass in einem Spieldurchgang normalerweise nicht alle möglichen Szenarien vom Spieler erlebt werden können, d.h. es gibt alternierende Handlungsbäume, die extrem aufwändig zu implementieren sind und die aber dennoch die Geschichte konsistent weitererzählen.
Dies bedeutet aber letztendlich, dass die Ansprüche eines SP bei einem 3ps ganz andere sind, vorrangig Grafik und Spielmechanik.
Spielmechanik und Grafik sind aber sehr stark engine-abhängig, so dass der damit verbundene Aufwand hauptsächlich bei der Entwicklung der Engine entsteht.
Diese tollen Beispiele (RDR,AC:B usw.) bauen meistens auf bestehende Engines auf und haben deshalb als Quasi-Sequels auch Ressourcen für den MP übrig.
Ein guter Sp im RPG-Genre ist dagegen sehr viel komplexer zu realisieren und kann weniger von Synergieeffekte durch engines profitieren, weil (wie ich bereits beschrieben habe) 3rd-PS übertrieben ausgedrückt nichts anderes als engine sind
- letztes Argument der Pro-Fraktion: Quasi nicht Gönnen können auf Seite der Cons
Das letzte Argument beklagt, dass die Con-Fraktion zu ignorant sei, um zu akzeptieren, dass es Menschen geben könnte, die in einem MP gerne mit Freunden spielen würden. Bereichert wird dieser Vorwurf mit der Behauptung, dass man nur deswegen keinen MP haben wolle, weil niemand mit einem spielen würde und dies deshalb eine Art von Misgunst bei den Cons hervorrufe.
Dieses Argument stützt sich wieder auf die altbekannte These, dass ein MP als Extra-Goodie on Top keinerlei negative externe Effekte für die SP-Anhänger auslösen würde. Da Entwicklungsressourcen insbesondere in einem relativ kleinerem Marktsegment wie dem RPG-Genre begrenzt sind und Publisher über die Jahre die Marketingausgaben hoch gefahren haben, entsteht ein Abwegungsbedarf wie die vorhanden Mittel zwischen den enzelnen Entwicklungsabteilungen aufzuteilen sind. Und weil die Integration eines MP eine neue Entwicklungsabteilung mit sich bringt, verbleibt bei den ursprünglichen Kernteams nunmal weniger von den Ressourcen übrig. Zudem kann man fragen, wer eigentlich eigensinnig handeln. Ich glaube nämlich, dass der Anspruch von Anhängern einer SP-only-Serie sehr viel gerechtfertigter ist, als der von potenziellen MP-Anhängern zumal wenn der Markt ihre Bedürfnisse im ausreichenden Maße bereits mit Alternativen versorgt.
Ergänzung oder EDIT: Ja, es war 3 Uhr in der Früh, so dass ich einige Details leider vergaß zu erläutern.
Nun, ich erläutere nochmals kurz, warum der Inhalt des direkten Zitats des englischen users derart daneben ist.
Übersetzen könnte man seine Aussage sinngemäß in etwa so (die folgenden Apostrophe sollen im Gegensatz zu Gänsefüsschen kein direktes Zitat markieren & eckige Klammern kennzeichnen Anmerkungen von mir):
' Ich bin froh, dass Bioware sie [,die Con-Fraktion,] als vokale Minderheit [als Gegensatz zur stillen Mehrheit] ansieht und sie deshalb auch nicht immer ernst nimmt. In 90% der Fälle antworten diese Leute hier mit idiotischen Reaktionen auf jegliche Änderungen und Erweiterungen [des Gameplays oder so]; mit keinerlei Wissen über das, worüber sie sprechen oder wie es [MP] implementiert werden könnte'. (Sinngemäße Übersetzung Ende).
Wenn man absolut gar kein Argument im Petto hat, muss man dann noch mit dem vocal-minority-Sch**ß kommen?
Das Anführen der vocal minority ist schlicht eine infame Behauptung, um all die vorgebrachten Argumente seines Gegenübers als Außenseiterposition zu diskreditieren.
Mit ein wenig Verstand merkt man aber schnell, dass vocal minority kein Argument ist, sondern im Gegensatz jegliche Argumentation im Keim zu ersticken versucht.
Stichwort vocal minority: keine Definition oder ähnliches, nur ein Versuch der Erläuterung
Die vocal minority bezeichnet eben eine sich lautstark zu Wort meldende Minderheit. Im Zusamenwirken mit der stummen/stillen Mehrheit führt sie zu dem Effekt, dass die publizierte Meinung nicht repräsentativ die Meinungen der Grundgesamtheit der Menschen abbildet oder widergibt, so dass ein verzerrtes Meinungsbild suggeriert wird.
Zwar ist der Begriff der stummen Mehrheit und der vocal minority sehr viel älter als das Internet, doch wurde dieser Begriff mit der Verbreitung des Internet zu einem gern benutzten Pseudo-Argument.
Es ist wohl denkbar, dass das Internet im unterschiedlichen Maße von von Kunden in Abhängigkeit ihrer persönlichen Motive und Commitments (mir fällt gerade die Übersetzung nicht ein) für ihre Meinungsäußerung genutzt werden.
Es mag demnach auch nicht falsch sein, anzunehmen, dass unzufriedene Kunden eher ihre Meinung äußern als das zufriedene Kunden tun würden, weil die unzufriedenen Kunden stärker mit ihrer Meinung über ein Produkt emotional committed (verbunden fühlen) sind.
Das Problem ist aber das der Verweis auf eine hypothetisch mögliche Verzerrung keinerlei Aussagekraft über ein Argument hat, denn ein Argument ist im Verstand des einzelnen verwurzelt und bedarf daher keinerlei demokratischer Legitimtation durch die Mehrheit einer Grundgesamtheit.
Im Kern enthält der Vorweis auf eine vermeintliche vocal minority nichts anderes als die Aufforderung an den einzelnen, sich stumm in einer amorphen Masse einzugliedern und totalen Verzicht auf das grundgesetzlich verankerte Recht auf Meinungsfreiheit zu üben.
Worin besteht denn dann noch die Sinnhaftigkeit eines Forums als Feedbackplatform? Ein Forum, in dem Kritiken keinen Raum bekommen, kann kein Impulsgeber für Verbesserungen sein. Weiterentwicklungen sind oftmals eine Folge von Mängelbeseitigung. Ohne Kenntnis dieser Mängel kann es folglich kaum Fortschritte geben.
Das möchte ich denen zu denken geben, die hier oder im englischen Forum gerne als Bioware-Defense-Force auftreten und nichts anderes tun, als unzufriedene User zu beschimpfen. Woraus ziehen diese Leute eigentlich die Legitimation, andere Leute bei ihrer Meinungsäußerung einschränken zu wollen und als Zensur-Polizei zum verbalen Schlagstock greifen zu wollen.
Das ist auch ein Makel an der vocal-minority-These, denn die unzufriedenen Kommentatoren suchen sich ihre Unzufriedenheit nicht bewusst aus, die sie demnach dazu bewegt, negativ über bestimmte Dinge berichten zu wollen, sondern sie sind durch eine negative Erfahrung betroffen und möchten mit ihrem Handeln dazu beitragen, dass anderen Leuten diese negative Erfahrung erspart bleibt; und das ist ,denke ich, keine verwerfliche Absicht.
Edited by berserkerblob, 13 April 2011 - 10:19 AM.