@lustigtv
Kritisiert wird aber, dass der Titel des Exportweltmeisters nur bedingt aussagekräftig sei, weil die zugrundeliegenden Statistiken verschleiern, dass viel Wertschöpfung beispielsweise Deutschland zugeschrieben wird, ohne dass sie tatsächlich hier stattfand. Konzernintern erbrachte Vorprodukte bzw. dessen Wertschöpfung wird dem Land zugeschrieben, in welchem der Konzern dann seinen Sitz hat. Tatsächlich ist beispielsweise die bloße Endmontage in Deutschland von Vorprodukten wenig wertschöpfend.
Bei der Zielformulierung muss man sich zudem darauf verständigen, welchen Bezugsrahmen oder Perspektive man wählt. Das Ziel der Exportweltmeisterschaft mag aus propagandistischen Zwecken eine übergeordnete Rolle für Politiker spielen, doch die Motivation vieler Politiker ist derweil sehr viel trivialer, sie wollen schlicht wiedergewählt werden, zeichnen sich aber nicht zwangsläufig durch eine hohe Lösungskompetenz oder spezifischen Sachverstand in all den relevanten Themenbereichen aus, so dass sie auf Informationen der oftmals korporalen Experten vertrauen oder den noch einfacheren Weg der Wählertäuschung über haltlose Versprechen gehen.
Politiker sind demnach sicher nicht zwangläufig inkompetent, aber das Themenfeld eines Abgeordneten ist derart breit, aber in den einzelnen Ressorts derart spezifisch, dass eine Arbeitsteilung bei der Beschaffung der zur Entscheidung notwendigen Informationen unvermeintlich scheint. Aus diesem Grund gibt es Ministerien, aber auch gibt es in den entsprechenden Ressorts die Delegation an einzelne Abgeordnete.
Diese Delegation aber ist es, die einzelnen Politikern eine übermäßige Macht trotz der theoretischen Freiheit des einzelnen Abgeordneten verleiht und das Prinzip der Demokratie weiter aufweicht, weil die bereits ohnehin indirekte Berücksichtigung des Volkes unterminiert wird . Durch diese Delegation wird die Zahl der Entscheider drastisch reduziert und der faktische Fraktionszwang in einer repräsentativen Parteiendemokratie macht es Abweichlern schwer, wirklich frei zu entscheiden, wenn dies mit der Schlechterstellung auf Landeswahllisten in zukünftigen Bundestagswahlen führen könnte und somit Abschreckungspotenzial besitzt.
Die Reduktion der Entscheider wie auch die Ruhigstellung möglicher Kritiker führt aber zu einer Verzerrung der Diskussion, nicht allein schon deshalb, weil es mit der Monopolisierung von Entscheidungen im Parlament einfacher für Lobbyisten wird, Ansätze für ihr Wirken zu finden.
Die Verantwortlichkeiten sind dann klar und der Einfluss gesichert. Dass die nicht Produkt der Fantasie ist erkennt man leicht an den freiwilligen Ausscheiden vieler (parlamentarischer) Staatssekretäre, die in gut dotierte Positionen der Privatwirtschaft wechseln, ohne dass sie abseits ihres Titels als Staatssekretär dafür über einen entsprechenden Berufshintergrund verfügen würden. Politiker haben in diesem Fall eine weitere Absicht verfolgt, die Nutzung der Politik als Abkürzung auf der privatwirtschaftlichen Karriereleiter und demnach vorallem für jene interessant, die sehr wahrscheinlich andernfalls (also ohne die Politikkarriere) nie in entsprechende Positionen gelangt wären.
Modifié par berserkerblob, 27 août 2011 - 07:54 .