Ein Spieleentwickler hat jedes Recht, sein hart erarbeitetes geistiges Eigentum zu schützen, keine Frage. Und er soll auch gutes Geld daran verdienen dürfen. Aber es sollte sich inzwischen doch rumgesprochen haben, dass ein Kopierschutz nicht vor Raubkopierern schützt.
Die einzigen Maßnahmen, die so etwas schaffen, sind gute Spiele, guter Support, Innovation und ein anständiger und respektvoller Umgang mit dem Kunden. Also alles, woran es EA im Moment so oft mangelt.
Und obschon ich sicher bin, dass Raubkopien ein Problem darstellen und ich auch die "Ich will Alles und das kostenlos" Mentalität einiger Menschen weder verstehen noch gutheissen kann glaube ich einfach nicht, dass sich dieses leidige Thema so einfach berechnen lässt.
Es ist ja schon falsch, automatisch davon auszugehen, dass jede Raubkopie = ein nicht gekauftes Spiel bedeutet. Viele Spieler würden sich so manches Spiel, welches sie nicht downloaden, nicht auch automatisch kaufen. Tatsächlich sind die Angaben der Publisher nicht selten schlichtweg lächerlich - wenn von einem Spiel, sagen wir mal, 2 Millionen Einheiten verkauft werden und die geschätzte Zahl der Raubkopien anderthalb mal so hoch ist glaubt doch kein Mensch, dass sich alle 3 Millionen Downloader das Spiel auch gekauft hätten, wenn es kein Internet gäbe.
Hinzu kommt noch ein interessanter Aspekt... tatsächlich belegen Studien, dass viele Raubkopierer MEHR Geld für Spiele ausgeben als der nicht kopierende Normalbürger. Nicht wenige sehen sich als Hardcore-Gamer und geben gerne Geld für Spiele aus, dann übrigens auch überdurchschnittlich häufig die teureren Sammlereditionen.
So wie eine Studie der Gesellschaft der Konsumforschung feststellen musste, dass Nutzer von Kino.to überdurchschnittlich häufig ins Kino gehen. Komisch, dass diese Studie nie offiziell veröffentlicht wurde. Ein Schelm, der Arges dabei denkt...
Und nicht selten wird nicht nur aus reiner Gier kopiert. Wie viele Leute ziehen sich ein Spiel, weil ihnen einfach die Kohle fehlt, sich das Geld zu kaufen? Man möge mich mit dem "Wer das Geld nicht hat muss eben drauf verzichten!"-Sermon verschonen, Fakt ist, dass einem Publisher auch durch diese Leute kein wirklicher Schaden entsteht, weil diese Leute das Spiel ohnehin nie gekauft hätten. Und von diesen Spielern wird wiederum zumindest ein gewisser Teil seine Spiele dann doch kaufen, wenn sie erst einmal in Lohn und Brot stehen.
Zu realisieren, dass solche Raubkopierer im Grunde nicht der Feind, sondern im Gegenteil potentielle zahlende Kundschaft sind, würde schonmal helfen. Hier könnten vernünftige Spiele und eine anständige Firmenpolitk wahre Wunder bei der Kundenbindung bewirken.
MM08 wrote...
Ich kann mir aber nicht vorstellen das es deswegen mehr Raubkopien geben wird
Oh ich denke schon, dass dies der Fall sein wird. Alleine in meinem persönlichen Umfeld sind nicht wenige Menschen, die schon seit 20 Jahren und länger zocken und auch gern und viel Geld für Hardware und Spiele ausgeben. Und hier übrigens auch oft im oberen Preissegment. Klar, mit 14 haben wir alle wie bekloppt Spiele auf dem C64 kopiert bis das externe Laufwerk qualmte, aber irgendwann haben dann wir alle Geld verdient und wirklich JEDER meiner Freunde kauft sich seine Spiele in der Regel.
Mich eingeschlossen hatten in meinem Bekanntenkreis 11 Leute ME 3 bestellt, 9 davon in der Sammleredition. Und jetzt rate mal, wieviele davon ihre PreOrder wegen Origin gekündigt haben... rrrichtiiig, ausnahmslos ALLE! Und vielleicht, nur ganz vielleicht, wird bei dem einen oder anderen ME 3 eventuell und auf myteriösen Wegen dann doch auf der Platte landen. EA schafft sich hier aktiv seine eigenen Raubkopierer, da bin ich mir sicher.
Aber inzwischen bin ich mir genau so sicher, dass EA das auch weiss. Im Grunde ist das laute Gebrüll von den pösen pösen Raubkopierern nur ein hervorragend funktionierendes Ablenkungsmanöver um einen Grund für die Schaffung eines weiteren lukrativen Geschäftszweiges, dem Datenhandel, zu haben.
Ach übrigens sitzen wir alle bald noch viel tiefer im Dreck.
Max Schrems, der Student der Facebook erfolgreich auf Herausgabe seiner Daten verklagte musste nämlich inzwischen feststellen, das FB eben nicht alle Daten herausgegeben hat.
Es fehlen nämlich seine Gefällt-Mir-Klicks und die biometrischen Daten aus der automatischen Gesichtserkennung. Auf Anfrage verkündete FB inzwischen, dass es diese Daten als "Geschäftsgeheimnis oder Geistiges Eigentum" betrachtet.
Und die Chancen stehen gut, dass FB hier auch Recht bekommt. Die "Datenbankrichtlinie" der EU von1996 erlaubt Unternehmen nämlich die Monopolisierung von Datenbeständen und dies auch, wenn diese Daten keinen eigentlichen Autor und damit auch keine Schöpfungshöhe besitzen, also kein "geistiges Eigentum" im Sinne von "ein Werk an dessen Schaffung ein Mensch aktiv beteiligt war" darstellen.
FB und Konsorten können also selbst MEINE biometrischen Daten zu IHREM geistigen Eigentum erklären und das ganz legal. EA braucht also im Grunde all die gesammelten Daten nur zur rechtlich geschützten Datenbank erklären und muss mir noch nicht einmal mitteilen, was wann wie oft und warum gesammelt wurde.
Sollte ich also eines Tages also wirklich einmal den Verdacht haben, dass sich EA gerade die Nacktbilder meiner Freundin unter den Nagel gerissen hat, habe ich noch nicht einmal die Möglichkeit dies festzustellen.
Schöne neue Welt.
Modifié par Nameterror, 02 octobre 2011 - 01:29 .