Also gut ich kann ja mal meine kleine ME3 Geschichte erzählen.
Als ME3 im März 2012 erschien, war ich so heiß darauf, dass ich mir extra Urlaub genommen hatte. Ich hatte die ersten beiden Teile davor schon x-mal durchgespielt. Was ich dann folgte waren knapp 3 Tage in denen ich das Spiel quasi aufgesaugt habe. Ich habe es geliebt bis kurz vor Schluss.
Dann lese ich auch noch kurz vorm Ende beim Überfliegen einer Gaming-Seite: "Fans wütend über Story-Ende"
Da dachte ich schon, oh je aber so schlimm kann es ja nicht werden. Pustekuchen es wurde noch viel schlimmer als schlimm. Ich weiß noch genau ich das Spiel damals irgendwann um 2 Uhr nachts beendet hatte und noch 2-3 Stunden völlig fassungslos war was Bioware da für ein Ende abgeliefert hatte.
Mal ganz abgesehen davon das ich diesen Quatsch: Organische und synthetische Wesen bekriegen sich deshalb ich schicke ich die Reaper um alles auszulöschen
und verwandle jede Spezies in einen Reaper nur damit im nächsten Zyklus genau dasselbe passiert, für so unfassbar dumm halte.
Die Idee vom ursprünglichen Lead-Writer Drew Karpyshyn mit der dunklen Energie, die zwar von ihm wohl auch nie komplett zu Ende gedacht wurde finde ich da viel intelligenter. Dabei sollte es darum gehen das sich organische Wesen immer weiter entwickeln und immer mehr Biotik und dunkle Energie verwenden, was schlussendlich quasi in einem umgekehrten Urknall enden würde und die Galaxie quasi verschlingt. Wurde ja auch mit Haestrom in ME2 schon angedeutet.
Und dann gab es 2011 auch noch einen Leak nachdem die Story wohl auch nochmal geändert wurde. Ob dadurch das Ende besser geworden wäre werden wie leider nie erfahren.
Mein größtes Problem mit dem ursprünglichen Ende war aber eigentlich nicht dieses bescheuerte Möchtergern-Gottkind etc.
Es war einfach wie ein Schlag in die Fresse, als hätte ich irgend einen x-beliebigen 3rd Person Rette-die-Welt-Shooter gespielt.
Womit die Entwickler glaube ich einfach nicht gerechnet haben war das sich viele Leute, wie ich, über die Jahre so in diese Welt rein versetzt haben und sich selbst als Commander Shepard gefühlt haben.
Für mich war die ME-Reihe immer wie ein Film bei dem ich selbst die Hauptrolle spiele,wie ich es will. Klingt bescheuert aber ist so. Und dann bekommt man 3 Zwischensequenzen serviert nach denen man vorm Monitor sitzt und denkt: "Was ist hier gerade passiert??!!"
Ich habe mich dann damals in dem alten englischen Forum der RETAKE ME3 Bewegung angeschlossen und war im Endeffekt erstaunt das Bioware tatsächlich "eingeknickt" ist. Wo wir wieder beim Thema "nicht damit gerechnet" sind. Wozu wird dann das Gameplay-Feedback hochgeladen? Warum habe ich wohl Mass Effect 2 10mal durchgespielt? Weil die Ballerei soviel Spaß macht?
Der Extended-Cut der dann erschien erklärte dann einige Sachen, z.B. warum Garrus der eben noch an meiner Seite gekämpft hat plötzlich auf der Normandy ist etc. aber von einem für mich befriedigendem Ende noch weit entfernt war.
Einige Wochen später habe ich die ersten beiden Teile wieder durchgespielt, aber ME3 jetzt bis vor ein paar Tagen anderthalb Jahre nicht angerührt.
Sie hätten das Ende einfach so aufbauen sollen wie in ME2 nur im größeren Rahmen bzw. später auf der Erde wieder im kleineren Rahmen. Und dann einfach die Entscheidungen wieder einfließen lassen, welche dann den Tod für Crew-Mitglied XY oder Planet/Rasse XY zur Folgen haben.
Ich verstehe auch nicht wo das Problem eines Happy-Ends ist. In ME2 konnte Shepard wenn man alles verbockt hat sogar sterben, und wenn man alles richtig gemacht hat, überlebte jeder. So hätte man es auch in ME3 machen sollen hohe EMS -> Happy End / niedrige EMS -> Galaxy wird abgeerntet, oder logischer für Sequels es wird fast alles zerstört aber der Zyklus wird beendet.
Und genau nach diesem Happy-End hätte der Citadel-DLC wunderbar für die ganzen "bekloppten" Fanboys wie mich reingepasst. Ich hatte vom Citadel DLC zwar schon früh erfahren habe ihn aber wie gesagt jetzt erst gespielt. Und mir scheint den Entwicklern ist im Nachhinein wohl doch noch ein Licht aufgegangen warum viele die ME-Reihe so lieben. Der DLC beinhaltet eigentlich zu 100% nur Fan-Pleasing, da ist mit Sicherheit nicht von Kunst und Mac Walters berühmter Satz "lots of speculations for everyone" die Rede.
Dieser Satz war damals sowieso die Krönung, wenn ich spekulieren will gucke ich mir einen David Lynch Film an. Aber doch nicht bei einer Spiel-Trilogie in die man
Wochen seines Lebens investiert. Aber naja die Kunst muss ja akzeptiert werden...

Ich glaube Bioware ist sogar sehr schnell klar geworden das sie Mist gebaut hatten, nur hat man das Ende wahrscheinlich nur nicht komplett umgeschrieben weil sonst nach jedem neuen Spiel mit dürftigem Ende der wütende Mob vor der Tür steht.
Ja zum Abschluss möchte ich nochmal sagen dass diese Trilogie bis zum Ende vom ME3 einfach nur genial ist und alles was ich je wollte waren kleine blaue Kinder und mir mit Garrus an der Bar die Birne zuschütten...
