Sugandhalaya wrote...
Ich mag die Enden...bzw. die
Entscheidungsmöglichkeiten, da sie in meinen Augen die einzig logische
Konsequenz sind, auf einen gemeinsamen nenner zu kommen.
Was hättet ihr denn gern für Enden? Shepard vernichtet alle Reaper, alles Friede, Freude, Eierkuchen?
Vor
allem das Ende mit der Verschmelzung passt hervorragend, auch wenn die
Auflösung dann etwas mau ist...man hüpft rein, alles geht kaputt und
Joker & Edi sind glücklich...aber der Abspann nach dem Abspann
entschädigt dann doch wieder.
Ja, ich mag die Enden und hätte alle anderen "heile Welt"-Enden sehr aufgesetzt gefunden.
So, ich erzähle dir jetzt mal, warum ich so unglücklich mit dem Ende der Reihe bin.
Erstens wird das Spiel wirklich mit einem Deus Ex Machina gelöst, der "PLOPP !" einfach mal aus dem Nichts auftaucht, guten Tag, ich bin ihre freundliche Killer-KI von nebenan und ich mach das jetzt halt schon immer so, weil... naja, weil halt.
Zumal es natürlich sein kann, dass sich eine größenwahnsinnige KI den Murks mit den Zyklen ausdenkt, aber sinnvoll ist das nicht. Genauso kann ich sagen, ich töte alle Menschen, wenn sie 18 werden, denn ab da baut der Durchschnittsmensch ohnehin nur noch Mist. Gleichzeitig poche ich aber darauf, wie viel Raum zum Entfaltung und Entwicklung ich den Menschen doch dadurch gebe, dass ich für Frieden sorge. Okay, damit sorge ich auch dafür, dass jegliche Entwicklung stagnierrt, aber das wird schon keiner merken.
Und dann auf einmal "PENG !", kommt ein Crucible geflogen und mir eröffnen sich auf einmal all die wundervollen neuen Möglichkeiten? Und ich bin auf einmal Gott und weiss, dass die wundersame Installation von Leuchtstreifen und Neonaugen nicht nur funktionieren wird, sondern auch den Gipfel der Evolution darstellt?
Also DAS ist wirklich ein aus dem Hut gezogenes Deus Ex Machina-Ende!
Und welche Entscheidungsmöglichkeiten? Ja, man hatte vor allem in Teil I und II welche, aber so wirklich eine Rolle gespielt hat davon ja keine. Ich habe, wie bereits gesagt, eher den Eindruck, dass die letzten Minuten mehr entscheiden als alle drei Spiele zusammen. Der gleich Spielstand von vor der letzten Mission, dreimal probiert, drei verschiedene Ende. Muss ich das kapieren?
Das Ende mit der Verschmelzung macht für mich auch keinen Sinn. Ich bin ja durchaus phantasiebegabt und bei Filmen und Spielen grundsätzlich willens und auch in der Lage, die Verletzung der logik oder das Ignorieren gewisser Realitäten fröhlich grinsend zu ignorieren. Bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls, der zumindest für mich hier überschritten ist.
Eine Energiewelle und auf einmal leuchten alle organischen im Dunkeln? Wie soll das funktionieren? Klingt für mich eher wie "Friss oder stirb!", wirklich SINN macht das jedenfalls nicht.
Besonders nicht, weil man auf jegliche Erläuterungen und auf einen Blick auf die Galaxis nach dem Krieg komplett verzichtet hat. Letzteres hat man sich wahrscheinlich schon deshalb gespart, weil ja alle Portale zerstört sind und es für die nächsten 10.000 Jahre, bis irgendeine Spezies eigene Portale erfindet und verbreitet, gar keine intergalaktische Zukunft mehr gibt, sondern nur noch einzelne Planeten, auf denen jede Spezies für sich alleine herumdümpelt.
Dabei war es genau das, was ich (und viele andere sicher auch) eigentlich sehen wollten.
Meinetwegen hätte man ja das Synthese-Ende einbauen, aber zumindest die Portale behalten können. Da wäre schon Einiges mehr gegangen. Man hätte Shepard, da er ja quasi in der DNA oder Lebensenergie oder was auch immer aller Lebewesen aufgegangen ist (auch das ist etwas, was ich null kapiere. Warum musste er gleich nochmal sterben?) sogar wieder auftauchen lassen können.
So in der Art, dass Tali auf ihrer wiedergewonnenen Heimatwelt steht und Geth und Quarianern (alle mit leuchtenden Ralley-Streifen und echten Gesichtern) bei Bau einer Siedlung zuschaut und plötzlich eine der Gethplatformen auf sie zumarschiert und irgendetwas sagt wie "Und das Wohnzimmerfenster kommt genau HIER hin!". Dann schaut Tali den Geth entgeistert an und sagt "Shepard?!"
Und auch ohne den Murks von wegen Shepard tot und eigentlich kapiert keiner, was hier eigentlich gerade passiert ist, wäre es keinesfalls ein Happy End gewesen.
Das es die Hälfte meiner Freunde sinnlos dahingerafft hat ist schonmal ein Grund, alles andere als fröhlich zu sein. Und sonst? Die Erde und die Heimatwelten der Menschen, Turianer, Asari, Batarianer und wer weiss, wie vieler Spezies noch, sind rauchende Trümmerfelder, Milliarden von Lebewesen wurden abgeschlachtet (wahrscheinlich wird es kaum eine Person geben, die nicht jemanden verloren hat.), weitere Milliarden vertrieben und entwurzelt, ganze Ökonomien sind faktisch nicht mehr existent - wenn du dass ein Happy End nennst höffe ich, dass du niemals anfängst, Skripte für Filme oder Spiele zu schreiben.
Wie jeder von uns bin ich ein Mensch mit einem Leben abseits virtueller Realitäten. Und dass das Leben ein ziemliches Miststück sein kann, weiss wohl auch jeder von uns.
Und deshalb liebe ich Bücher Filme und Spiele so sehr. Für ein paar Stunden kann ich mehr oder weniger komplett abtauchen, bin Held Liebhaber Rächer oder Schurke. Ich vergesse die Sorgen im Job, ich vergesse, dass ich im Sommer kaum aus dem Haus kann, weil ich mich dann die Allergie fast ersticken lässt, ich vergesse, dass jederzeit die halbe Welt in Brand steht.
Und Mass Effekt war in der Hinsicht großartig, grandios, einzigartig. Ich war Shepard, ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet (ja, das ist geklaut!). Ich habe Geth und Quarianern gleichermaßen Frieden geschenkt, ich habe dafür gesorgt, dass die Kroganer wieder Kinder bekommen. Ich nannte Menschen Kroganer und sogar einen Geth "Freund". Ich habe mit Turianern getrunken, mit Asari geflirtet und habe einen Salarianer irdische Musicals singen hören. Ich bin, einer Sternschnuppe gleich, mit den brennenden Trümmern meines geliebten Schiffes durch die Tiefen des Weltalls gefallen um hernach wieder unter den Lebenden zu wandeln.
Ich habe mit den staunenden Augen eines Kindes auf die Wunder der Zitadelle geschaut und habe ergriffen in der Stille des kalten Vakuums zwischen den Trümmern meiner geliebten Normandie gestanden.
Ich habe um Leben geretten und Leben genommen, habe Kameraden und Freunde gerettet und um andere trauern müssen. Ich wandelte auf dem schmalen Grad zwischen Frieden und Krieg ohne zu straucheln und die Galaxis ins Chaos zu stürzen. Ich habe getan, was keine Spezies, kein Individuum, kein falscher Gott und keine Technologie in den Aeonen vor uns je zu tun in der Lage war - ich habe die Galaxie vereint und ihr Leben und Hoffnung geschenkt!
Will sagen, Bioware hat es geschafft, etwas wirklich Seltenes abzuliefern. Eine Spielereihe in der es nicht nur krachbumm macht und eine geskriptete Explosion nach der anderen folgt (ein wenig Modern Warfare gefällig?). In der atmosphärisch dicht eine Geschichte erzählt wurde, die bei mir trotz der vorgegebenen Bilder jedes verdammte Mal das wunderbarste Kopfkino in Gang setzte. Die mich fühlen liess, dass meine Entscheidungen Konsequenzen haben werden, die es schaffte, dass mich die negativen Folgen meiner Handlungen wirklich berührten.
Mass Effekt hat mich emotional und intellektuell berührt, etwas in mir zum Klingen gebracht. So manches Mal saß ich morgens in der Bahn und war in Gedanken bei Mass Effekt. Und ich habe in Mass Effekt investiert, Geld Zeit und jede Menge Emotionen. Ich habe Biowares Versprechen geglaubt, dass mein Engagement und meine emotionale Teilhabe dabei helfen würden MEINE Version der Geschichte zu erzählen, MEINEN Abschluss zu finden. Ich habe wahrlich keine Wunderdinge erwartet, aber doch mehr erhofft als "Gratulation, Krieg vorbei, du bist tot, alle Spezies sind wieder einsam und allein, aber dafür haben sie ja jetzt Neonaugen und Ralley-Streifen!"
All die endlosen Stunden des wiederholten Spielens, des Optimierens und sogar der Verzicht auf jegliche Romanze in Teil 2 in der Hoffnung, dass in meiner Version der Geschichte Shepard endlich mit Ashley zusammenfinden würde waren null und nichtig. Es ist, als ob Bioware rufen würde "Ätsch, reingelegt! (Und kauft mehr DLC!)".
Und schlimmer als das - man hat eine ganze Welt, eine Mythologie geschaffen, mit unheimlich viel Liebe zum Detail, nur um sie in der letzten halben Stunde komplett zu zerlegen. Man lässt eine komplette Galaxie ohne auch nur ein ganz klitzekleines Happy End, ohne ein wenig Hoffnung enden.
Shepard ist tot, ganze Welten in Flammen und der einzige, der meines Wissens überlebt hat ist Joker. Alle anderen sind ja beim Sturmangriff hopps gegangen, was übrigens auch für EDI gilt. Wenn Ralleystreifen-Joker also dann mit EDI aus den Trümmern der Normandie steigt kann EDI also nur ein Produkt seiner Einbildung sein, er hat also nicht nur Leuchtstreifen, die Transformation hat ihn ganz klar wahnsinnig werden lassen, oder?
Das Ende der Mass Effekt-Reihe gibt mir NICHTS. Keine Auflösung, kein Abschluss, keine Erklärungen. Das hat mich schon bei "Lost" so angefressen, aber das war nur eine Serie, die ich hin und wieder mal geschaut habe - bei Mass Effekt habe ich wesentlich mehr investiert und fühle mich jetzt irgendwie... betrogen.
Nein, das Ende ist weder konsequent noch stimmig, das ist einfach nur... Mist der, mit sentimentaler Musik unterlegt, auch nicht besser wird.
Modifié par Nameterror, 11 mars 2012 - 09:32 .





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