Also...es wurde zwar schon eintausendmal geschrieben, aber mir ist momentan mal wieder danach...und irgendwie habe ich schon gemerkt, dass es hilft, seine Gedanken einfach mal niederzuschreiben, und wo wäre ein besserer Ort als hier?
Es ist schon seltsam, wie sehr mich die letzten 4 Wochen bewegt haben. Noch nie zuvor war ich so mitgerissen von einer Entwicklung ein Spiel betreffend. Ich liebe Computerspiele, ich liebe es, mich beim spielen in den eigenen Gedanken ein wenig zu verlieren, vor mich hinzuträumen, mir auszumalen, wie es weitergeht, oder wie ich selbst bzw. eine Wunschvorstellung meiner selbst an der Seite der Helden (ich bin seltsamerweise ungern selbst eine Heldenfigur in diesen Fantasien) sich so durch SCi-Fi oder Fantasy-Szenarien schlagen...
Und ja, ich werde gerne emotional mitgerissen, sowohl im guten als auch im schlechten...
In Baldurs Gate 2 war ich schon am Anfang sauer und ein wenig traurig, das Jaheira ihren Khalid verloren hatte...
In Dragon Age bin ich fast ausgeflippt als Alistair im ersten Durchgang trotz allem, was sie getan hatte, meiner Rhynn den Laufpass gab anstatt zu ihrer Liebe zu stehen...erst intensives Nachforschen und nachladen erlaubte es mir dann, ein Happy-End zu bekommen...aber die Geschcihte mit Morrigan war immer noch hart und beschäftigte mich ein Weilchen...aber auch die Tatsache, dass meine Grey Warden und ihr alistair wohl auch nie Kinder bekommen würden. Seltsam? Naja...
Auch das oft geschmähte DA2 hatte solche Momente für mich. Allein schon die immer so traurig-naiv klingene englische Stimme der armen Merril...oder die ganze Sache mit Hawkes Mutter...
Und für jeden dieser traurigen Momente gab es genug tolle Augenblicke, wie das Wiedersehen mit Imoen, das wudnervolle Lied von Lelianna am Lagerfeuer, oder der wirklich komische Augenblick wenn Varric das Haus seines Bruders stürmt...und am Ende gab es, zumindest fast immer, den Moment wo man sich zurücklehnt und sich freut, dass alles mehr oder weniger gut ausging...und das es weitergehen kann!
Aber so sehr wie das Schicksal von Shepard hat mich komischerweise noch nichts bewegt. Dabei war Mass Effect keine Liebe auf den ersten Blick. Aber mit der Zeit war ich begeistert, bin es immer noch. Shepard und ihre Crew sind einfach mehr als bloße Textaufsager geworden. Sie haben, wie jede gute fiktionale Figur, ein eigenes Leben entwickelt. Das ist Kunst. Mit bloßen Worten und Bildern Leben, ja ganze Welten in den Köpfen anderer Menschen zu erschaffen. Ich wünschte, ich hätte solches Talent...
Umso mehr schmerzte mich alles am Ende von ME3. Ich habe es schon zugegeben in diesem Thread: Mir war richtig körperlich schlecht. Und bis heute will ich es nicht wirklich wahrhaben, dass Shepard ein solches Ende nehmen soll. Ich gebe es auch zu, ich will grundsätzlich die Möglichkeit in meinen Spielen, ein "richtiges" Happyend zu bekommen, gerne auch mit ein paar bitteren Momenten, aber nicht so ungemein trostlos wie momentan. Denn Shepard ist einfach mehr geworden als ein paar Bits und Bytes oder ein namenloser Space Marine oder ein stummer 08/15-Held ohne Gedächtnis, und es tut einfach weh, es so enden zu sehen. Im wahren Leben gibt es schon genug Schmerz und Verluste...wieso sollen wir auch noch Geld dafür bezahlen, mit solcher Traurigkeit konfrontiert zu werden?
Im Moment rede ich mir ein, dass alles ja nicht so schlimm ist. In meiner Fantasie kann ich alles möglich machen. Da kann alles den Ausgang nehmen, den ich und viele andere sich wohl gewünscht haben. Aber dennoch, allein der Gedanke momentan, irgendeinen ME-Teil anzugehen, lässt nur kurz meinen Magen zusammenziehen, und dann ist da nur eine Leere.
Schon seltsam, mit welchen Problemen sich Menschen so rumschlagen können. Und natürlich gibt es Wichtigeres im Leben, und natürlich wird bei mir in ein paar Wochen das alles kaum noch eine Rolle spielen. Und das ist gut so.
Aber wenn ich etwas Positives aus der ganzen Sache für mich persönlich gelernt habe, dann dass man nicht alleine ist mit diesen Gefühlen, die auf die meisten "normalen" Menschen vermutlich ein Grund wären, den Psychater zu empfehlen.
So, ist leider länger geworden, als ich wollte. Und wer das jetzt tatsächlich gelesen haben sollte...sorry *lacht*, aber mir war mal nach dieser "Eigentherapie"