Surenas wrote...
Nicht Shepard folgt dem Kind (auch wenn es die Traumsequenz so erscheinen lässt, dies ist Teil der aktiven angebotenen Hilfe, die in der Realität nie stattgefunden hat und genau darum das Trauma verursacht), vielmehr verfolgt das Kind Shepard als Alp. Es ist dies ein wiedergekehrtes Trauma, lange verdrängt und offensichtlich nie bewältigt und nun wiederholt es sich, erneut muss Shepard zuschauen ohne helfen zu können. Dies verursacht bei Erwachsenen Schuldgefühle, die sich bei Kindern noch weitaus gravierender manifestieren können, da ihr Denken noch wenig differenziert ist, sie nicht relativieren, Schuld einfacher bewerten und sie die Grenzen der eigenen Möglichkeiten erst noch erfahren müssen. Für Shepard kommt erschwerend hinzu, das, als die Chance noch gegeben war zu helfen, die Erinnerung noch nicht da war. Sie kommt erst beim, Heranzoomen der Kamera an den Kleinen vor dem Reaper - d.h. Shepard fokussiert ihn, erinnert sich wohl und ist dann wie vom Donner gerührt, als das Shuttle abgeschossen wird. Derartig starke emotionale Erschütterungen, die zu Alpträumen führen, gibt es nur bei nicht-verarbeiteten Analogien, bereits erlebten ähnlichen Ereignissen, längst vergessen, da lange genug verdrängt. Und da Shepard nur sehr bruchstückhaft und höchst ungern über seinen Träume reden kann sind die Sicherung zumindest teilweise noch aktiv. Ein Umfunktionieren von Erinnerungsfragmente eines Menschen, der sich gar nicht erinnern will, und wenn, dann nur zeichenhaft, ist aber nicht gerade der ideale Nährboden für erfolgreiche Indoktrination - es fehlt der Ansatz für den Hebel. Shepard ist nicht zu beeindrucken von einem Kind als solchem, sondern von einem, das ihm sagt, woran er gescheitert ist und erneut scheitert: "Du kannst mir nicht helfen!" D.h. 'ich werde verbrennen, und du darfst weiterleben'. Das ist ein knallharter Vorwurf - und darum schwenkt Shepard auch auf das seltsame Mitverbrennen ein - "Schau, wir verbrennen jetzt zusammen, ich lasse dich nicht mehr im Stich." Das ist die good news. Die bad news ist, das Shepards Unterbewusstsein jetzt weiß, das der Protagonist sterben wird. Es ist eine Vorahnung, vielleicht sogar mehr. Das ist etwas völlig anderes als das Wissen eines Soldaten, das er sterben könnte. Das Moment der Hoffnung ist weg. Das eigene Überleben steht eigentlich gar nicht mehr zur Disposition. Das Überleben von Freunden wird dadurch umso bedeutsamer.
Starke emotionale Erschütterungen, das Verdrängen von Schuld und nicht zuletzt der Vorwurf den sich Shepard selbst macht, sind der perfekte Nährboden für langsame, geduldige und subtile Indoktrination. Es schwächt den sonst so willensstarken Shepard, sonst Quasi-Manifestation von "Niemals aufgeben und niemals kapitulieren".
Das Unterbewusstsein mag wissen, dass Shepard auf die Katastrophe zurennt, auch mag Shepard es so sehen, dass sein eigenes Überleben nicht mehr zur Debatte steht. Das heißt aber nicht, dass das Unterbewusstsein zustimmen muss. Überleben ist einer der stärksten menschlichen Instinkte.
Also ich finde meine Halluzinations-Lösung immer noch am überzeugendsten
für mich, sie befreit mich völlig von der allgemein akzeptierten
Notwendigkeit, wie ein Lemming in eine Schmierenkomödie einzutreten, nur
um dann faule Kompromisse mit dem eigenen Verstand schließen zu müssen
Mein Shepard bleibt am Boden liegen, schwer verletzt. Und wenn nicht
alsbald ein Sanitätstrupp vorbeikommt, beißt sie mir ins Gras wegen
unterlassener Hilfeleistung. Kann doch nicht so schwer sein, Leute –
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True, es ist eine tolle Lösung. Allerdings hinterlässt auch deine Lösung, genau wie die IT, den faden Beigeschmack, dass das alles noch gar nicht vorbei ist. Der Unterschied ist, dass bei dir, sollte die Geschichte fortgesetzt werden, ein anderer Protagonist Shepard ersetzten müsste.
Modifié par Ahnkahar, 01 mai 2012 - 07:20 .