Ergänzend und fortführend zu meinem oben verlinkten Beitrag in einem anderen Thema, wo ich bereits ausschweifend gemutmaßt habe, wie man das Ende von Mass Effect 3 eventuell verstehen könnte, möchte ich hier noch einmal separat zusammen fassen, wie ich das Ende dieser epischen Saga sehe. Dazu möchte ich mich an eine Art "Erzählstil" halten und versuchen, dem Zeitablauf der letzten Geschehnisse folgen.
Shepard und sein Team stürmen in der letzten Szene (auf der Erde) auf den Teleportationsstrahl zu, während sie vom Vorboten unter starken Beschuss genommen werden. Der Vorbote landet einen Volltreffer und sorgt zumindest dafür, dass alle getroffenen stark verwundet bzw. ausgenockt werden. Ob die beiden Teammitglieder sterben, darüber möchte ich an dieser Stelle nicht mutmaßen. Sie könnten ebenfalls noch am Leben sein, könnten aber auch getötet worden sein. Wäre beides denkbar.
Shepard verliert jedenfalls das Bewusstsein. Die Szene im Anschluss, wo er wieder erwacht, ist keine Realität mehr - bis auf den allerletzten Funkspruch von Hackett, der da den Truppen mitteilt, es habe niemand bis in den Strahl zur Citadel geschafft, die Mission sei gescheitert.
Ab diesem Zeitpunkt spielt sich alles im Unterbewusstsein von Shepard ab. Durch die Implantate, die er durch Cerberus bei seiner Wiederherstellung erhielt, war er über die gesamte vergangene Zeit hinweg anfällig für Anzeichen von Indoktrination geworden. Zwar wurde sein starker Wille nie gebrochen, aber die Reaper-Stimmen "flüsterten" wohl schon seit einer ganzen Weile zu ihm.
Siehe dazu die Alpträume, in denen Shepard von dem kleinen Jungen verfolgt wird, der eigentlich an sich nur ein Sinnbild ist. Unterbewusstsein lässt sich durch vertraute und liebevolle Dinge einfacher berühren.
In mindestens einer dieser Traumsequenzen hört man irgend eine tiefere, männliche Stimme zu Shepard flüstern. Leider fällt mir gerade nicht mehr ein, wie der genaue Wortlaut war... aber es war irgendwas im Sinne von: "dann wirst DU mich wohl töten müssen, Shepard... tu es..." - ein Indiz dafür, dass dort eventuell ein Reaper (der Vorbote?) zu ihm sprach.
Der Tiegel ist in der Tat Reaper-Technologie. Irgend ein Konstrukt, welches für extreme Notfälle zwar entworfen, aber niemals gebaut wurde, da die Reaper ja wussten, dass damit all ihre Technologie, einschließlich ihrer selbst, damit vernichtet werden könnte.
Um die Citadel hat sich schon seit jeher quasi ALLES gedreht. Sie war in ME1 die "Röhre", also das Universal-Portal für die Reaper, um in der Milchstraße einzufallen... und jetzt der "Katalysator". Vermutlich auch nur eine weitere Bezeichnung, um der Sache irgend einen Namen zu geben. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Citadel entweder der "Prototyp" aller Massenportale ist - also das erste je von den Reapern erbaute, und somit der Knotenpunkt - oder aber, die Citadel ist eine Kombination aus beidem. Halb Portal-Technologie, halb Reaper (quasi ein "schlafender", dauerhaft inaktiver Reaper).
Letzteres wäre eine gute Erklärung für den Umstand, dass die Citadel bzw. die Projektion des kleinen Jungen direkt zu Shepard spricht und ihm erklärt, die Citadel sei ein "Teil von ihm". Denkbar wäre hier trotzdem, dass der Junge eine Projektion des Vorboten ist, der versucht, Shepards Verstand im Unterbewusstsein zu manipulieren.
Warum auf diesem Weg?
Schauen wir uns dazu das Ende von Mass Effect 1 an, wobei einige erstaunliche Parallelen zu erkennen sind. Zum einen mal die Citadel, welche wie schon erläutert wieder einmal im Mittelpunkt steht. Zum anderen die Eigenart eines Reapers, den Kampf lieber durch Indoktrination, durch Übernahme eines Wirtskörpers zu bestreiten.
Sovereign erkannte damals offenbar, dass Shepard zu gefährlich werden kann, und wollte sich nicht darauf verlassen, dass er im Kampf gegen Geth oder dergleichen fallen könne. Er wollte ihn eigens töten, von Angesicht zu Angesicht. Dazu "übernahm" Sovereign letztlich den bereits leblosen Körper von Saren - ermöglicht durch Implantate!! - und begab sich in direkten Zweikampf.
Wir springen kurz zu der Mission, in welcher man (in ME3) das Cerberus Hauptquartier überfällt. Dort wird einem spätestens klar, dass Cerberus damit experimentiert hat, Reaper-Tech zu verarbeiten und in Menschen zu implantieren, um Kontrolle zu schaffen. Der Unbekannte sagte in einer Videoaufzeichnung auf einem Terminal auch, dass er schon sein "ganzes Leben lang" die Reaper studiere.
Dieser Fakt legt nahe, dass bereits die Implantate, welche bei Shepards Projekt "Lazarus" verwendet wurden, erste Gehversuche mit derartiger Technologie waren. Vor diesem Hintergrund also nicht verwunderlich, warum durch "böses" Verhalten (Renegade) auch bleibende Narben entstehen - schließlich verhielt Saren sich ebenfalls böse, genau wie der Unbekannte... und beide trugen sie äußerlich dadurch starke Veränderungen davon.
Wieder zurück auf dem gegenwärtigen Schlachtfeld.
Der Vorbote schleicht sich nun also in den geschwächten Geist von Shepard ein, denn er will nun alles auf eine Karte legen. Er will nicht riskieren, dass Shepard eventuell doch noch wieder irgendwie davon kommen kann, weil er unter dem Schutt nicht ganz begraben wurde oder irgendwann wieder mal zusammen geflickt wird.
Deshalb übernimmt er die Kontrolle über Shepards Verstand.
Sehr gut sieht man das an der Tatsache, dass Shepard - in der "Vision" - keine Kontrolle mehr über den EIGENEN Körper hat... es soll der Eindruck vermittelt werden, dass der Unbekannte daran Schuld ist, was aber nicht sein kann. Der Unbekannte ist indoktriniert, nichts weiter. Er ist auch kein Biotiker oder dergleichen. Es handelt sich in Wahrheit wie gesagt eben einfach nur um eine "Vision", die Shepard endgültig im Geiste brechen soll.
Als der Vorbote erkennt, dass dies durch Gewalt nicht richtig funktioniert, versucht er es mit der Projektion des Jungen. Er verdreht die Realität um 180 Grad und stellt Shepards Wahrnehmung von "Gut" und "Böse" absichtlich auf den Kopf.
Der Unbekannte wird in der Endszene blau, also als "Paragon", dargestellt - obwohl er versuchte, die Reaper zu kontrollieren. Der Reaper will damit an Shepards Gewissen appellieren und ihn dazu bewegen, denn ein Versuch, die Reaper zu kontrollieren, würde monumental scheitern (siehe der Unbekannte) - und die Reaper hätten gewonnen.
Die "mittlere" Lösung - also das Vermischen der DNA - sollte Shepard lediglich den Anschein geben, Alternativen zu haben. In der Realität hätte Shepard damit einfach nur "Selbstmord" in seinem eigenen Verstand begangen, und die Reaper hätten ebenfalls gewonnen.
Die einzig "gute" Wahl, die er treffen könnte, wurde ihm als rot, also "Renegade" dargestellt. Anderson wurde dabei gezeigt, was völlig paradox ist, da Anderson eigentlich ja ein richtiger Kriegsheld war. Der Vorbote wollte damit die eigenen Freunde gegen Shepard umdrehen und ihn in Zweifel stürzen.
Warum nun die Reaper tatsächlich vernichtet werden, wenn man die "rote" Option (Vernichtung) wählt?
Schauen wir dazu wieder auf ME1, wo die Sovereign den Körper von Saren übernahm. So eine Übernahme kostet einen Reaper anscheinend erhebliche Rechenleistung bzw. Energie. Als Sarens Avatar besiegt war, brachen sämtliche Barrieren der Sovereign zusammen.
Durch die mentale Verbindung, direkt mit dem Zentrum des Reaper-Verstandes des Vorboten (der ja auch von Hackett schon als "Anführer" aller Reaper gemutmaßt wurde), bestand die Verbindung in beide Richtungen. Das heißt, nicht nur der Vorbote befand sich im Verstand Shepards... nein, auch Shepard befand sich sozusagen im Verstand des Vorboten.
Durch den richtigen "Impuls", also die Wahl des "Vernichtungs"-Endes, könnte man nun sagen, dass der Vorbote dadurch geschädigt wurde... oder um es anders auszudrücken: Shepard hat im Geiste den Reaper "gehackt" - man erinnere sich an die zuvor gespielte Mission, wo er sich auch schon durch einen Geth-Server bewegte - und durch die Ausschaltung des Anführers der Reaper brach das kollektive Bewusstsein aller anderen automatisch auch zusammen.
Dies löste eine Kettenreaktion aus, welche auch die Massenportale überlastete (nicht "sprengte" in dem Sinne)... damit wäre klar, dass die Sternensysteme NICHT zerstört worden wären durch irgend eine Portal-Explosion so wie im DLC "Die Ankunft" geschehen.
Die Schockwelle, vor der die Normandy davon flog, könnte dabei der Überlastungsimpuls eines Reapers gewesen sein (oder der des Sol-Portals)... womit sich erklären lässt, dass die Normandy lediglich abstürzt, aber nicht gänzlich vernichtet wird... denn eine einfache, durch Überlastung ausgelöste Schockwelle klingt früher oder später auch ab, augenscheinlich im selbigen Sonnensystem (denn die Normandy konnte sich in der kurzen Zeit ja noch nicht allzu weit von der Erde entfernt haben).
Dies würde folgendes am Ende im Raum stehen lassen:
Ende Nr. 1 "Kontrolle":
Die Reaper gaukeln Shepard vor, er habe - genau wie der Unbekannte - die Kontrolle, was nicht stimmt. Die Szenen, in denen die Reaper abziehen, sind nur Illusion. In Wirklichkeit setzen sie ihren Vernichtungsfeldzug fort, und nichts ist gerettet.
Ende Nr. 2 "Synthese":
Wird Shepard nur vorgegaukelt, um ihm Optionen zu geben. Entscheidet er sich dafür, tötet er sich einfach selbst und lässt den Reapern somit völlig freie Hand. Es wird ihm absichtlich als die "nächste Stufe der Evolution" und somit als die scheinbar "beste" Lösung dargestellt. "Beste" - natürlich... ganz im Sinne der Reaper... die ja ohnehin schon seit jeher die Auslöschung aller organischen Spezies als deren "Aufstieg" bezeichnet haben, was durch diese Umschreibung sehr gut zum Ausdruck gebracht wird.
Ende Nr. 3 "Vernichtung":
Der kleine Junge rät davon ab, denn in Wirklichkeit weiß er (der Vorbote), dass es sein Ende wäre. Er kann nichts dagegen tun... es ist wie ein Roboter, bei dem ein Stecker vorhanden ist, den man einfach nur ziehen muss. Der Roboter kann leider nichts dagegen tun, dass der Stecker nunmal da ist. Sprich: der Vorbote kann nunmal leider nichts dagegen tun, dass Shepard sich auch in seinem Geist befindet und theoretisch die Möglichkeit HÄTTE, ihn zu "hacken"... aber um das zu verhindern, bleibt ihm lediglich, diese Option so unattraktiv wie möglich erscheinen zu lassen.
Die Reaper werden zerstört, und mit ihr alle Reaper-Technologie bzw. alles was darauf je basiert hat wird überlastet. Shepard hat über die Indoktrination gesiegt, kommt langsam wieder zu Bewusstsein und wacht zwischen den Trümmern auf.
Ende.
Als zukünftiges DLC könnte ich mir, rein theoretisch, vorstellen, dass genau dieser Zweig weiter ausgebaut und dem Spieler endlich klar gemacht wird (wobei in dem Fall natürlich all jene Spieler angeschissen wären, die die Reaper nicht vernichtet haben).
Man könnte sich dann wieder gesund pflegen lassen und zum Beispiel solche offenen Stränge behandeln wie: die Kroganer merken, dass sie mit der vorgetäuschten Heilung der Genophage nur angeschmiert wurden... die Rachni werden wieder feindlich... man säubert die Galaxie von den letzten Resten von Cerberus... bzw. eventuell konnte in diesem Zeitfenster auch der Unbekannte noch von der Citadel entkommen (oder er befand sich niemals auf der Citadel? Auch möglich)..... um letzten Satz zu unterstützen, möchte ich abschließend Martin Sheen, die englische Stimme des Unbekannten, zitieren:
"Stay tuned... I'm not done yet."
Użytkownik Shep edytował ten post 12 marzec 2012 - 08:30





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