Eigentlich wollte ich auf dem englischen Forum posten, aber irgendwie geht das nicht, daher nun hier die deutsche Version.
Auf die oben gestellte Frage hab ich eine etwas unkonventionelle Antwort: Das Spiel gehört sich selbst.
Klingt komisch? Macht aber Sinn, wenn man sich mal anschaut, wie gute Fiktion (insbesondere, wenn sie, bis auf das Ende, so gut ist wie bei der ME-Serie) auf uns wirkt. Ich hoffe mal, damit auch erklären zu können, warum wir alle von dem Ende so schockiert und in manchen Fällen auch deprimiert waren.
Der Witz an der ganzen Sache ist der: was unseren emotionalen Zustand betrifft, war das, was im Spiel geschehen ist, bis zu einem gewissen Punkt "real". Unser Gehirn hat nämlich keine wirkliche Möglichkeit, zwischen realen und fiktionalen Stimuli zu unterscheiden, das ist neurologisch untersucht worden. Die körperlichen und neurologischen Reaktionen auf bestimmte Ereignisse sind identisch, auch wenn sie in einem offensichtlich fitkionalen Kontext präsentiert werden.
Wir sollten auch froh sein, dass dem so ist, denn sonst wären Tagträumen, Heulen bei ergreifenden Szenen oder gewisse solitäre nächtliche Beschäftigungen unmöglich.
Wenn wir dann auch noch einen nennenswerten Einfluss auf das Geschehen haben, ist der Effekt noch um ein Vielfaches stärker.
Was heißt das im Bezug auf ME3? Ganz einfach: Für das Publikum war das Geschehene real. Emotional gibt es da keine Unterschiede zu echten Ereignissen. Deswegen ist die typische Reaktion " ist doch nur ein Spiel" Blödsinn.
Das ist aber leider etwas, dass die Entwickler nicht wirklich nachvollziehen können. Das ist kein Bashing, sondern basiert auf folgendem kleinen Faktum: Bei der Entwicklung einer Geschichte ist sehr viel Planung vonnöten. Das bedeutet, der Mensch benutzt dabei sehr oft den rationalen Teil seines Gehirns anstatt des emotionalen/irrationalen Teils. Das macht es aber unmöglich, dieses " das ist real"-Gefühl zu erleben, weil das Gehirn ständig zwei Dinge weiß: "Das hab ich erschaffen", ist also mein Werk, auf das ich stolz sein kann/muss/darf und "das hab ich erschaffen", es ist also definitiv nicht real.
Die Autoren sind immer noch dafür verantwortlich, dieses miese Ende geplant zu haben, aber legt es ihnen nicht gleich als Arroganz aus, wenn sie so überrascht sind. Unsere Erfahrungswelt ist da zu unterschiedlich. Die verheerende Wirkung auf uns ist aber trotzdem nicht einfach so zu ignorieren, schon allein aus Höflichkeit nicht.
Und jetzt kommen wir zum zweiten Punkt: Mustererkennung.
Ein weiterer kleiner Trick unseres Gehirns. Wir neigen dazu, Muster, Intentionen und Regeln in Dingen zu sehen, auch wenn dort keine bestehen. Das hat uns früher sehr beim Überleben geholfen und es hat uns auch weiterhin geprägt.
Was hat das mit ME3 zu tun?
Jeder, der professionell oder zumindest regelmäßig schreibt, kennt diesen Moment, wenn die Charaktere plötzlich ein Eigenleben zu führen scheinen und den kreativen Prozess "übernehmen". Das kann man als Autor ignorieren, dann kommt aber oft Murks raus. Denn ab einem gewissen Detailreichtum hat eine Welt eine gewisse Eigendynamik. Wir erkennen ein Muster, eine Erwartung basierend auf Charaktereigenschaften. Manche Dinge lassen die Charaktere mit sich machen, andere nicht oder nur schwerlich.
Und die Mustererkennung ist auch dafür verantwortlich, dass wir bei allen Geschichten nach einer Conclusio, einem Abschluss, suchen.
Ok, aber was hat das mit ME3 zu tun?
Ein gutes fiktionales Universum beginnt, irgendwann, basierend auf diesen beiden Eigenheiten unseres neurologischen Aufbaus, eine gewisse "Realität" zu bekommen. Wenn das Universum in sich geschlossen ist und funktioniert, nehmen wir es als etwas wahr, das bestimmte Regeln zu befolgen hat - und als enorm verstörend, wenn diese Regeln nicht beachtet werden. Das könnte das Gefühl der "inneren Leere" erklären, von dem zumindest im englischen Forum viele berichten.
Denn die Entwickler haben die Regeln ihres eigenen Universums gebrochen. Joker und Shepard benehmen sich plötzlich wir vollkommen andere Charaktere und bestimmte Fakten werden komplett ignoriert - wenn die Masseportale hochgehen, z.B., müsste das alle anderen Planeten im System auslöschen. Abgesehen davon, dass Sovereigns Aussagen im ersten Teil nun überhaupt keinen Sinn mehr machen. Und die Idee "wir vernichten hochentwickelte Zivilisationen mit synthetischen Wesen, damit sie nicht irgendwann synthetische Wesen erschaffen können, die dann alles Leben auslöschen" ist doch wirklich ein bißchen sehr bemüht.
Aber kommen wir doch endlich mal zum Punkt: Wir fühlen uns mies, weil die Entwickler die "Realität" ihres eigenen Universums zerstört haben, sie haben im Grunde ihre eigene Schöpfung verraten. Und uns eine Lösung vorenthalten. Und nun heißt es "aber das ist unser Spiel, ihr habt da gar nichts zu melden."
Ihr habt es erschaffen, richtig. Aber ihr schuldet es eurer eigenen Schöpfung, das Ende zu verändern. Nicht nur uns.
Sondern den Asari, Kroganern, Batarianern, Salarianern, Volus....
Sondern Shepard, Anderson, Thane, Liara, der Rose von illium und tausenden anderen.
Eure Schöpfung.
Eure Verantwortung.
In diesem Sinne, peace out.
Modifié par GorrilaKing, 14 mars 2012 - 09:52 .





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