Sicher, auch die Indoktrinationstheorie hat ihre Lücken. Warum zum Beispiel wäre es nötig gewesen die Szene mit der Normandy darzustellen und warum sieht man am Ende den Stargazer mit einem Kind reden. Um ehrlich zu sein finde ich die Indoktrinationstheorie aber um einiges schlüssiger, als das eigentliche Ende. Was ja noch nicht bedeutet, dass sich die Macher das auch so gedacht haben, daran glaube ich nämlich nicht.
Zu der Frage wie Harbinger Shepard denn indoktrinieren kann. Nunja, Shepard und Harbinger waren sich noch nie so nahe wie zu dem Zeitpunkt als Harbinger Shepard niedermäht. Außerdem wissen wir ja durch Cerberus' perverse Experimente, dass Adrenalin sehr gut geeignet ist die Indoktrination zu beschleunigen und den Willen zu brechen. Adrenalin dürfte unser guter Shepard sicher in Massen ausgeschüttet haben als er auf das personifizierte Übel - nämlich Harbinger - zugestürmt ist. Außerdem wäre durchaus denkbar, dass körperliche Schwäche die Indoktrination ebenfalls beschleunigen. Das ist ja so ziemlich der Ansatz jeder Foltermethode, breche den Körper, dann brichst du den Geist. Also wäre durchaus denkbar dass Harbinger Shepard indoktrinieren konnte, weil er zum einen nah an Shepards Körper war, Shepard schwer verletzt und mit Adrenalin vollgepumpt war.
Was sich dadurch nicht erklärt warum Harbinger Shepard nicht einfach den Rest gibt. Was würde er vom indoktrinierten Shepard wollen, warum ihm die Chance geben die Reaper zu Vernichten oder die Indoktrination zu brechen. Warum nicht einfach nochmal volle Kanne draufhalten bis Shepard nur noch Asche ist? Das wird nicht erklärt. Ebensowenig wird aber erklärt warum Harbinger Shepard am Leben lässt. Harbinger, der Shepard verhöhnt und gedroht hat fliegt einfach weg und lässt Shepard, der noch am Leben ist liegen? Kein "smack talk"? Selbst der Reaper auf Rannoch hat seine letzten Augenblicke genutzt Shepard auf das unvermeidliche hinzuweisen.
Und nochmal zu der Sache mit dem Mastermind. Ein Mastermind ist erzähltechnisch eine sehr mächtige Methode, aber eben auch eine verdammt schwierige. Wenn man eine graue Eminenz einführen will, welche alles plant und alle Fäden in der Hand hält, so muss diese über lange Zeit und sehr detailliert eingeführt werden. Man kann nicht einfach am Ende den bösen Superschurken hinsetzen der dem Protagonisten bzw. dem Leser erklärt, er wäre die ganze Zeit lang die treibende Kraft gewesen.
Was mich eben wundert ist, dass Bioware zwei der größten Fehler gemacht hat, die man beim Storytelling machen kann:
- plumpe Einführung einer Deus-Ex-Machina-Waffe, dem Tiegel. Sowas ist
immer ganz schlechter Stil und wird von Spielern bzw. Lesern schnell als
plump und einfallslos wahrgenommen. Und genau das ist es auch. Wenn man
eine mächtige Waffe gegen einen mächtigen Feind einführen will ist das
in Ordnung, dann doch aber mit mehr Hintergrund und Rechtfertigung. - Einführung eines Masterminds, dem Starchild. Hier wurde alles falsch
gemacht, was man falsch machen konnte. Das Starchild wurde nicht
erklärt, brachte eine metaphysische Ebene ins Spiel, warf die komplette
Motivation der Reaper über den Haufen und erlaubte dem Spieler kein
Hinterfragen der Motivation und Begründung des Starchilds.





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