Hallo Nightwish,
danke für deine ausführliche Antwort. Ja, es ist dir gelungen, sachlich und verständlich zu formulieren. Danke auch dafür.
Mir ist natürlich bewusst, dass mein Eingangspost polarisiert hat. Kurz nachdem ich ihn geschrieben hatte – habe ich überlegt, ihn zu editieren, doch da war die Diskussion schon im Gange und ich hielt es für feige, den Wortlaut nachträglich zu ändern. Deswegen habe ich es vorgezogen, mich für diese Formulierung zu entschuldigen, anstatt so zu tun, als hätte ich sie nie gemacht. Ich weiß auch, dass ich deswegen in diesem Thread einen schwierigeren Stand habe und umso mehr aufpassen muss, was ich schreibe. Dass ich dennoch in darauffolgenden Posts wieder einen leicht als provokant aufzufassenden Vergleich angestellt habe, hat einen bestimmten Grund, auf den ich später zurückkomme. Ich gebe dir also insofern Recht, dass es nachzuvollziehen ist, woher der Gegenwind kam. Ich wünsche mir trotzdem, dass in der daran anschließenden Diskussion, die neuen Argumente für sich betrachtet werden und davon nicht nur diejenigen Sätze und Worte selektiv aufgegriffen werden, die der eigenen Argumentation zuspielen, während alle anderen unbeachtet bleiben oder als weniger bedeutend abgetan werden, auch wenn es menschlich ist, nur nach dem Ausschau zu halten, was die eigene Theorie bestätigt.
Bevor ich auf einige deiner Aussagen im Speziellen eingehe, möchte ich noch etwas vorweg schicken. Da findet sich mehrfach die Aufforderung andere nicht nach ihren Vorlieben zu bewerten. Dieses Anliegen kann ich nur unterstützen und ich hoffe, du kannst mir glauben, wenn ich dir sage, dass ich das nicht tue. Nirgends habe ich doch zum Beispiel gesagt, dass Kaidan (um mal wieder einen Bezug zu Mass Effect herzustellen) in meinen Augen jetzt weniger wert oder ein schlechterer Mensch ist als zuvor. Im Gegenteil zum Beispiel hier:
[quote]Lemonie wrote…
Ich nehm es jetzt von der sportlichen Seite und freue mich mit allen Spielern, die - wenn man mal auf youtube schaut - sich wirklich gerade tierisch über die Beziehung zwischen MShep und Kaidan freuen. Kann's
verstehen, er ist ja auch toll.
[/quote]
Es ist doch ein Unterschied, ob ich sage, ich möchte mich auf niemanden mit einer bisexuellen Vorliebe einlassen, weil er irgendwie weniger wert ist oder deswegen einen blöden Charakter hat oder ob ich feststelle, dass diese sexuelle Vorliebe einfach gefühlsmäßig nicht mit meiner vereinbar ist, oder etwa nicht?
Du sagtest:
[quote]Letztlich geht mich das nichts an, aber da du es selbst erzählst: Ich finde schade, dass du jemanden nicht daran beurteilst, wie wertvoll er ist, was für einen Charakter er hat, Persönlichkeit, Aussehen, all das. Vielmehr ist vollzogener Geschlechtsverkehr aus der Vergangenheit ein solcher Makel für dich, dass das alles überdeckt und wird zum K.O.-Kriterium.
Hast du dir schon mal Gedanken gemacht, dass es auch unter heterosexuellen Menschen Exemplare gibt, die sehr schräge Vorlieben haben, die vielleicht sogar schräger sind als gleichgeschlechtlicher Sex? Hast du dafür auch einen Radar und merkst das jedem an und beurteilst ihn danach?
Für mich ist der sexuelle Bereich etwas, der privat ist und theoretisch erstmal keinen was angeht. Und ich bewerte auch niemanden vom Charakter oder seiner Persönlichkeit her danach. Der Mensch bleibt nämlich genau derselbe und genauso wertvoll, ob er nun auf sexuelle Präferenz A oder B oder C steht. [/quote]
Es ist nicht so, dass es in dieser Anekdote von mir einen Gedankenfindungsprozess gab à la: „Hmm, er sieht so gut aus, wir haben zusammen viel Spaß und ich fühle mich wirklich zu ihm hingezogen. Wenn da nur nicht diese eine Sache wäre. Was würde man von mir denken? Wie konnte er DAS nur tun? Kann ich damit leben, dass man dann mit dem Finger auf mich zeigen wird..? Nein, das geht wirklich auf keinen Fall!“
Es war eher so: „Oh, er will was von mir? Hmm…lustig ist er ja schon. Sieht auch ganz gut aus. Er steht auch auf Männer. (Unwillkürlich Gedanken daran, was sich da wohl alles abgespielt hat. Wieder – nicht- wertend, eher neugierig. Fühlte sich nicht gut an, also Gedanke abgestellt. Gedanke daran, wie er und ich… fühlte sich immer noch nicht gut an, überlagert von dem Gefühl, was ich hatte, als ich mir ihn und seinen Ex vorgestellt habe). Hmm, passt nicht.“
Es war kein „Makel“ oder in meinen Augen eine Charakterverfehlung von ihm. Aber eben auch nicht von mir. Es fühlte sich nicht richtig an. Und, ja, das könnte durchaus auch passieren, wenn es nicht Bisexualität, sondern andere bestimmte Dinge, die ich an dieser Stelle nicht weiter ausführe, wären. Vorgekommen ist das schon. Solche speziellen Dinge (und bitte bleiben wir gedanklich im „normalen“ Bereich) erfährt man aber, wie du schon sagtest meist recht spät – im Gegensatz zu Homosexualität oder Bisexualität, weil letztere eben auch sozialen Charakter besitzen. Da geht es ja nicht nur um Sex, auch wenn die Bezeichnungen das nahelegen, sondern es geht vor allem auch um Liebe und daraus ergeben sich in einem weiteren Schritt dann mal mehr, mal weniger besondere Lebensweisen – nicht selten, weil eine intensive gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Umfeld durchgemacht werden muss. Homosexualität ist in meinen Augen nichts, was man geheim halten sollte, sondern sollte ebenso selbstverständlich offen gelebt werden wie Heterosexualität. Wenn es dann wirklich um Intimitäten geht, sehe ich das in beiden Fällen (heterosex. + homosex.) anders. Es gibt für mich Grenzen – egal welcher sexuellen Orientierung – und was darüber geht, gehört für mich nicht in die Öffentlichkeit. Da mag es Unterschiede in der Wahrnehmung geben, doch sicher kommt man mit den meisten Leuten auf einen gemeinsamen Nenner, was in unserer heutigen Zeit so im Rahmen des Erträglichen liegt und
was nicht. Doch ich schweife ab.
Ich sehe meinen Partner als gesamte Person. Mit allen Vorzügen und allen Macken. Mit seinen Vorlieben und Abneigungen. Mit Stärken und Schwächen. Ich bastle mir keine Collage von ihm mit nur den Dingen, die mir an ihm gefallen. Ich halte mir auch nicht ein Auge zu, um nur das zu sehen, was ich sehen will oder höre nur auf das, was ich hören will. Das führt dazu, dass es Situationen gibt, in denen er etwas sagt oder tut/getan hat/tun wird, das ich nicht direkt verstehe oder das mir nicht gefällt. Die Frage ist doch dann nur: Kann ich damit leben? Welche Rolle spielt sein Verhalten? Groß oder doch nur eher Statistenrolle? Solche Fragen beschäftigen sicherlich nicht nur mich und jeder muss sich in einer Beziehung früher oder später mit solchen beschäftigen. Ich wünsche mir auch von meinem Partner, dass er mich genauso betrachtet.
Unaufrichtig wäre aber so zu tun, als störe einen ein ganz zentraler Aspekt in einer Beziehung nicht und das ist für mich, neben anderem, die Sexualität. Dass mich etwas so stört, dass ich mich also nicht darauf einlassen mag, heißt aber noch nicht, dass ich jemanden deswegen dafür verurteile oder als „schlecht“ bewerte. Es heißt nur, dass es nicht passt.
Dieser Satz von mir:
[quote]Wenn ich mir Persönlichkeiten ansehe, die bisexuell sind... Sie sind einfach ein klein wenig anders als die anderen.[/quote]…bedeutet: „Sie sind ein klein wenig anders hinsichtlich ihrer sexuellen Vorlieben,“ und nicht: „Die sind einfach nicht wie wir“, wie du das interpretiert hast.
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[quote]… warum ist es nötig, in diesem Kontext dann den Inzest als Vergleich heranzuziehen? Ich finde das wirklich sehr unglücklich bzw. ungeschickt gewählt. Ist doch kein Wunder, dass Leute sich an sowas reiben. [/quote]
Ja, das war kritisch. Ich hab den Vergleich deswegen so gewählt, um zu verdeutlichen, woher diese Empfindungen, die Menschen haben, wenn man sie mit Vorlieben konfrontiert, die nicht ihren eigenen entsprechen, kommen. Zunächst einmal: der erste Impuls ist unwillkürlich – die Chemie im Gehirn reagiert und löst eine Empfindung aus. Der wahrnehmende Mensch verknüpft diese Empfindung mit dem, was er gesehen hat und speichert dies als Erfahrung ab. In zweiter Instanz sollte sich dann aber natürlich der Verstand einschalten und zwischen normalem und abnormalem Verhalten differenzieren (Stichwort Impulskontrolle). Alles, was nach moralischen, logischen Gesichtspunkten normal ist, ist dann zu akzeptieren, auch wenn es nicht den eigenen Vorlieben entspricht. Jedes andere Verhalten in diesem Fall ist indiskutabel. Abnormales Verhalten ist auf die geeignete Weise zu ahnden. Wie das genau erfolgt, ist im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext geregelt.
Dennoch ist der zu Grunde liegende Impuls, die erste Emotion dieselbe. Dafür kann keiner was – sie ist unwillkürlich.
Wieso aber habe ich gerade Inzest als Beispiel gewählt? Weil es eines der wahrscheinlichsten Beispiele dafür ist, dass jeder hier versteht, welche Emotion ich überhaupt meine. Hätte ich irgendeine Vorliebe genannt, die aber im normalen Rahmen liegt, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass die anderen Forenleser, aber genau diese Sache tatsächlich bevorzugen, zu groß gewesen.
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[quote]
… dass du dich halt letztendlich doch ziemlich schwer tust mit Nichtheteros. Anders kann ich mir nicht erklären, dass du keinen von denen wie sonst auch bewerten kannst (nämlich als ansprechend). [/quote]
Wenn du mit ansprechend „sympathisch“ meinst: aber natürlich finde ich meine Freunde sympathisch! Ich sehe auch, wenn jemand attraktiv ist, aber sicher. Ich fühle mich nur nicht selbst sexuell angezogen, was aber
ohnehin nicht ständig passiert. Man könnte jetzt auch argumentieren, dass es in ihrem Fall Zufall ist. Vielleicht ist es auch nur das unbestimmte Gefühl, dass solche Anziehung sowieso nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Fest steht: ich halte keinen von ihnen für irgendwie verfehlt, weniger wert oder „kaputt“, um meine Wortwahl im Fall Kaidan wieder aufzugreifen. Was an letzterem „kaputt“ ist – nach meinem Empfinden – sagen wir, nicht er ist kaputt, sondern der „Beziehungsstatus Shepard-Kaidan ist kaputt.
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[quote]Um aber jetzt von meiner ganz persönlichen Sichtweise wegzugehen: Es ist einfach unglaubwürdig, dass plötzlich so viele Charaktere bisexuell sein sollen, nur damit sie von beiden Geschlechtern her "verführt" werden können und wenn wir schon - wie oben vorgeschlagen dabei bleiben wollen, dass es ihrem Charakter noch etwas Interessantes hinzufügt, dann müssen wir auch zugeben, dass es ihren Charakter damit verändert.[/quote]
[quote]Nightwish72 wrote....
Nein, ihren Charakter ändert es eben nicht.[/quote]
Nun ja, wenn man der Logik folgt, wie von meinem Vorposter an zitierter Stelle vorgeschlagen:
Charakter + Etwas Interessantes hinzufügen = noch mehr Charakter
Damit ist er eben nicht mehr derselbe (in der Wahrnehmung derer, die etwas über ihn erfahren haben) wie zuvor. Er selbst (aus seiner Sicht) ist natürlich schon noch derselbe. Doch um Wertigkeit geht es hier wieder gar nicht.
Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass andere Menschen immer genau dieselbe Wahrnehmung haben, wie man selbst. Je mehr jemand über eine andere Person erfährt, desto größer wird das Bild. Zudem erfährt man auch Dinge über Personen, die diese nicht explizit mitteilen, sondern die sie
unbewusst über Mimik und Gestik oder Tonfall vermitteln. Das können Dinge sein, deren sich die Person gar nicht bewusst ist und es können auch Dinge sein, die einen falschen Eindruck vermitteln. In jedem Fall ist die Wahrnehmung, die wir von anderen Menschen haben, nicht statisch.
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[quote]Lemonie wrote…
Der Vorschlag, Kaidan einmal als hetero, einmal als schwul zu sehen funktioniert für mich leider auch nicht, weil sich auch daraus gewissen Unterschiede ergeben. Ich hab halt einfach noch nie jemand kennengelernt, dem man nicht früher oder später seine sexuelle Ausrichtung am ganz alltäglichen Verhalten angemerkt hätte
Man braucht jemanden nicht super gut kennen zu lernen, um es zu bemerken. Es äußert sich meist an vielen mehr oder weniger unauffälligen Dingen[/quote]
[quote]Nightwish72 wrote…
Und genau da wäre ich ganz schön vorsichtig. Und überhaupt, immer dieses Bewerten. Meinst du nicht auch, dass du dich da ganz schön aufs Glatteis bewegst? Du kannst doch nicht wirklich meinen, anderen Menschen ihre sexuelle Präferenz anmerken zu können. Ein guter Kumpel von mir z.B. hat als Kind mit Puppen gespielt und er hat so ein paar etwas weiblichen Züge, das sagt er selbst immer. Aber er hat mir in persönlichen Gesprächen schon mehrmals gesagt, dass er sich mit Homosexualität sogar eher schwer tut und damit einfach nix anzufangen weiß. Letztlich kann man sich streiten, fest steht jedoch für mich, dass ich mir einfach kein Urteil erlauben kann. Man kann einfach niemanden in Schubladen stecken. [/quote]
Da kommt wieder der Begriff „Bewerten“. Das würde bedeuten, ich ordne dem Verhalten anderer ständig Wertungen wie „gut“, „schlecht“, „krank“, „abnormal“ zu. Gerade in dem Absatz, auf den du dich aber zuletzt
beziehst, finde ich keinen solchen Ausdruck von mir.
Meinst du damit „ein Urteil fällen“? Falls ja: das ist nicht dasselbe wie „Bewerten“. Wir fällen ständig Urteile. Wenn man nur über die Straße geht, fällt man gleich mehrere Urteile, wie z. B.: „Muss ich auf eine
Ampel achten oder bin ich allein, sodass ich mich traue, sie einfach zu ignorieren.“ Oder: „Da kommt ein Auto. Fährt es langsam genug, damit ich davor noch schnell über die Straße laufen kann?“ Selbst das Erkennen „Das ist ein Auto“ gilt als Fällen eines Urteils.
Was ich nun in diesem Absatz sagen wollte: Wenn man den Leuten zuhört, was sie von sich erzählen. Wenn man beobachtet, wie sie auf andere attraktive Menschen in ihrem Umfeld reagieren. Wie sie diese anschauen
oder anlächeln, wenn sie mit ihnen sprechen. Wie sie vielleicht ins Schwärmen geraten, wenn es um die Brangelinas dieser Welt geht. Dann kann man schon auch so schon was bemerken, ohne dass gesagt werden muss: „Übrigens Schätzchen, ich bin stockschwul.“ *kicher* (Ja, so hat einer meiner Freunde sich bei mir „geoutet“, als wir uns noch nicht lange kannten.)
Dass man sich dabei auch irren kann, ist klar. Es sind halt nur Indizien, keine Beweise. Ich wollte auch noch nie jemanden wegen sowas in eine Schublade stecken. Wobei es schon so ist, dass Menschen in Kategorien denken. Einige sind nur so verbissen, dass sie wütend werden, wenn sie neue Kategorien erlernen sollen. Sie möchten nicht für jeden Menschen ein neues Schema anlegen, sondern wollen alle mit grünen Augen
hierhin schieben, alle mit braunen Augen dorthin usw.
Ich distanziere mich jedenfalls ausdrücklich von Stereotypen. Ich stülpe niemandem eine Clownsmütze über, nur weil er gerne lacht. Dennoch bin ich der Meinung, dass wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, man Vieles über seine Mitmenschen erfahren kann, auch ohne, dass sie es einem bis ins kleinste Detail erzählen. Und manchmal kommt es auch vor, dass ein Mann ganz ohne Aufsehen in einem kurzen Satz die Tatsache erwähnt, dass er jetzt nach Hause zu seinem Mann geht.
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[quote]Nightwish72 wrote…
Und ich gebe zu, dass ich bei dem Thema sehr sensibel bin. Ein sehr netter Freund aus meiner Vergangenheit hatte sich als schwul geoutet und ist in unserem Umfeld total fertig gemacht worden. Er hat sich daraufhin das Leben genommen. Das hat mich sehr getroffen und natürlich auch geprägt. Und das ist jetzt wirklich nur eine Erklärung, warum mir das Thema überhaupt erstens ein Anliegen ist und warum ich da empfindlich bin. [/quote]
Das gehört zu den schlimmsten Dingen, die leider immer noch passieren können. Und weil das so ist,
stelle ich mich hier auch der Diskussion.
Im Umgang mit meinen Freunden, die schwul oder lesbisch sind habe ich aber auch gelernt, dass sie nicht mit besonderer Vorsicht, sondern normal behandelt werden wollen, denn sonst fühlen sie sich wirklich krank oder irgendwie gehandicapt. Wir bewitzeln uns hin und wieder gegenseitig – das funktioniert aber natürlich nur, wenn man sich gut kennt und vertrauen kann. Vielleicht hat aber auch das dazu beigetragen, dass ich anfangs so gedankenlos gepostet habe.
Was mich dazu bringt, weshalb ich es überhaupt getan habe. Du meintest ja, der erste Impuls sei immer der Richtige. Es war Verärgerung darüber, dass mal wieder ein Spielinhalt so gedreht wurde, dass die schreiende
Community ihren Frieden hat. Es gibt Dinge, wo ich das begrüße und froh bin, dass Bioware zuhört – wie sie es selbst gerne formulieren. Bei nachträglichen Änderungen an Charakteren finde ich das persönlich halt nicht so gelungen. Und ja, es stört mich nach wie vor, dass für mich diese Romanze jetzt nicht mehr passt. Das einzige, was mich darüber „hinwegtröstet“ ist, dass jetzt noch mehr Leute was davon haben. Trotzdem bin ich der Meinung, in einem nächsten Spiel sollte man das anders handhaben. Ich halte nichts von „ständig überall verfügbar sein“ und ich halte auch nichts von „wir machen einen coolen Charakter, der für alle verfügbar ist –
egal, ob das realistisch ist oder nicht“. Bioware erzählt tolle Geschichten. Und ja, es könnte natürlich durchaus sein, dass Kaidan bi ist. Aber schauen wir doch nur mal, in wie vielen Spielen von Bioware plötzlich wie viele Charaktere bi sind. Ich denke da an Dragon Age oder auch an swtor, da dort ja auch angekündigt wurde, dass die Begleiter der einzelnen Klassen für beide Geschlechter verfügbar werden sollen. Verständlich einerseits, weil es
einfacher zu handhaben ist. Konsistent dagegen sicherlich nicht. Mir gefällt’s jedenfalls nicht – es wäre mir lieber wenn einige dieser Charaktere für meine weiblichen Helden dann eben nicht für eine Romanze verfügbar sind. Wie ja auch z. B. Cortez in ME3.
Es war also reiner Frust über eine Vorgehensweise, die mir persönlich nicht gefällt.
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[quote]Kappa Neko wrote...Ich denke sogar, dass es völlig normal ist als heterosexueller Mensch den Gedanken an Sex mit dem gleichen Geschlecht als äußerst unansprechend zu finden. So lange man homosexuelle orientierte Personen deswegen nicht ekelhaft findet, sehe ich daran auchnichts schlimmes. [/quote]
Kappa hat Recht. Es ging einzig und allein um die sexuelle Orientierung, nie um Kaidan als Charakter. Nochmal:
[quote] Lemonie wrote…
Ich nehm es jetzt von der sportlichen Seite und freue mich mit allen Spielern, die - wenn man mal auf youtube schaut - sich wirklich gerade tierisch über die Beziehung zwischen MShep und Kaidan freuen. Kann's verstehen, er ist ja auch toll.
[/quote]
[quote]Nightwish72 wrote...
Und darum geht es ja. Nämlich nicht darum, dass sie selbst gleichgeschlechtlichen Sex für sich selbst anstößig findet, sondern dass sie andere Personen (in diesem Fall Kaidan als Beispiel) ekelhaft findet, weil er unter Umständen mal Sex haben könnte mit einem Kerl. Das sind schon zwei Paar Schuhe. Deine Aussage als solche ist ja okay, aber es geht eben nicht um das selbst, sondern um einen anderen Menschen, an dem man einen Makel sieht, der "kaputt" ist (Zitat) oder "ekelhaft" (Zitat), eben weil er in seiner Privatsache u.U. gleichgeschlechtlichen Sex hat. [/quote]
Eben nicht Kaidan ansich ist ekelhaft – im Gegenteil. Das ist auch, was ich in vorherigen Posts mehrfach betont habe, aber ich tu es hier gerne nochmal. Seine neu eingeführten sexuellen Vorlieben gefallen mir in dem Maße
nicht, dass ich ihn für eine Romanze eben nicht mehr uneingeschränkt für geeignet halte. Das ist auch das einzige, was kaputt ist. Vielleicht, wie oben schon erklärt, aber eher eine interpersonelle Sache und weniger eine
intrapersonelle. Letzteres habe ich wohl deswegen erst geschrieben, weil ER es ja ist, der nun einen anderen Hintergrund hat und nicht Shepard.
Wie dem auch sei – du meinst, mal bezogen aufs RL – ich sollte eine Beziehung mit einem bisexuellen Mann nicht ausschließen, nur weil er irgendwann mal Sex mit einem anderen Mann gehabt hat, habe ich das richtig verstanden?
Falls ja: Für mich würde das bedeuten, dass ich einen zentralen sexuellen Aspekt an meinem Partner irgendwie ausblenden soll (ihn nicht mehr als ganze Person sehen). Das würde ich nicht wollen. Eine interessante Frage an dieser Stelle wäre sicherlich, wie ich reagieren würde, wenn ich dieses Detail erst spät in einer bereits gefestigten Beziehung erfahren würde. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich es nicht weiß. Ich bin eine treue und anhängliche Person, die jetzt gerne sagen möchte, dass sie damit kein Problem hätte, weil dann ja schon
eine tiefe der Gefühle erreicht ist, die über alles hinausgeht. (Also eben anders als die Reaktion auf eine Romanze in einem Spiel). Andererseits bin ich jedoch der Meinung, dass man es erst wirklich wissen kann, wenn man tatsächlich in der Situation ist. Ich kann die Frage also nicht beantworten.
Ich hoffe, jetzt vielleicht etwas mehr Licht ins Dunkel meiner Gefühlswelt gebracht zu haben. Ich bin jedenfalls der Meinung, mir recht viel Mühe gemacht zu haben, die Annahmen bei denen ich mich absolut falsch verstanden gefühlt habe, zurecht zu rücken. Manches davon habe ich wiederholt ausformuliert, einiges vielleicht nochmal etwas anders formuliert, damit man es besser verstehen kann. Das habe ich gemacht, weil mir die Unterscheidung zwischen echter Homophobie/Intoleranz und einem ehrlichen und nicht wertend gemeinten Statement à la „für mich persönlich isses nix“, wichtig ist und weil ich wusste, dass meine Äußerung einen ganz falschen Eindruck hinterlassen hat.
Bin auch weiterhin der Meinung, Bioware (und andere Spieleschmieden) sollten nicht über allen Charakteren die Gleichmachsense schwingen. Dann ist eben nicht jeder tolle Charakter für jeden Spieler „verfügbar“. Gibt dem Ganzen auch einen gewissen Reiz, nochmal zu spielen.
Rollenspiele versuchen doch meist, menschliche Denk- und Fühlwelten (denn man soll sich ja identifizieren können oder angesprochen fühlen) in ein ungewöhnliches/fantastisches Umfeld zu bringen (damit man etwas erleben kann, dass man in der echten Welt nicht kann). Man kann nicht verhindern, dass dann eben auch menschliche Maßstäbe zur Beurteilung angelegt werden, wie gut das gelungen ist. Anscheinend ist bei dieser ganzen Gleichmacherei und für alle Verfügbarsein bei mir eine Grenze erreicht, wo es mir persönlich nicht mehr gefällt.
Modifié par Lemonie, 27 avril 2012 - 10:03 .