So Moinsen an alle…
Was ich hier aufschreibe, habe ich irgendwie nicht erwartet jemals in dieser Form zu tun. Möglicherweise, weil ich lange Zeit gekonnt den Drang widerstanden habe über Mass Effect 3 nachzudenken. Ich weiß nicht einmal wie mir das gelungen ist. Vielleicht weil ich Hoffnung vor dem Release des EC-DLC hatte. Vielleicht weil ich zunächst verzweifelt war und später krampfhaft versucht habe dieses Thema zu meiden, nachdem ich den EC-DLC gesehen habe. Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht warum ich ganz plötzlich wieder über Mass Effect 3 nachdenke. Vielleicht liegt es an diesem Song
End of my Journey . Aber es kann auch was anderes sein. Jedenfalls habe ich wieder darüber nachgedacht. Und ich muss was loswerden…
Es geht um das Mass Effect 3 Ende, wie sich möglicherweise einige schon gedacht haben. Die die keine Lust mehr haben das zu hören oder zu lesen, können es getrost überspringen. Es stört mich nicht. Es geht hier mehr um mich.
Ja es ist irgendwie traurig, dass ein Spiel – ein Spiel! – mich so gefangen nehmen kann, dass ich bis heute einen leichten stechenden Schmerz verspüre, wenn ich darüber nachdenke. Über das Ende speziell. Aber es ist auch ein Zeichen dafür, wie sehr mich diese Welt, die ich in den letzten Jahren lieben gelernt habe, gefangen hatte, so dass ich sogar früher nahezu jeden Tag hier in diesem Forum aufgetaucht war und sogar mich mit einigen Leuten hier angefreundet habe.
Aber lasst uns zum dem kommen, was ich niederschreiben wollte. Es geht mir speziell darum, warum ich mit dem ME3-Ende nicht klarkomme.
Zunächst ein Rückblick auf die anderen Spiele. Was machte Mass Effect so besonders? Mass Effect war deswegen besonders, weil man sich als Spieler so füllte, tatsächlich das Ganze zu erleben. Das Abenteuer. Und zwar mehr als bei jedem anderen Spiel, das ich bisher spielen durfte. Daran beteiligt war auch maßgeblich die Tatsache, dass man als Spieler mitentscheiden konnte, wie der Weg von Shepard verlaufen würde. In Mass Effect war das noch vor allem auf den Weg bis zum Ende fokussiert, während das Ende kaum Wahlmöglichkeiten bot. Ja es gab die Virmire-Entscheidung, aber die kam vor dem Ende. Und ja es gab die Sache mit dem Rat, aber das hatte im Nachhinein keinen direkten Einfluss. Das Ende verlief für alle Spieler gleich: Sie gewannen. Aber aufgrund der vielen wunderschönen Details und Kleinigkeiten, die man mitentscheiden konnte, wie auch das Paragorn/Renegade-System, fiel das überhaupt nicht ins Gewicht. In ME2 blieb man diesem Erfolgskonzept treu. Man verbesserte es sogar, vor allem bezogen auf das Paragorn/Renegade-System. Und am Ende des Spiels bekam man allerhand Entscheidungen aufgebrummt, wo man sich richtig wie Shepard füllte. Die wichtigste war natürlich die Sache mit der Kollektorenbasis. Wenn man sich das genauer anschaut, sah sie dem Ende von ME3 doch recht ähnlich, nur gab es hier nicht Tor1, Tor 2 oder Tor 3, sondern Kopf oder Zahl. Warum war das aber besser als ME3? Rein rechnerisch müsste ja ME3 besser sein. Der Grund liegt mal wieder in den Details. Zunächst waren beide Enden wieder dem Paragorn/Renegade-System treu und auf diese Weise mit dem gesamten Spiel verbunden, ja sogar mit Mass Effect 1 und 2, da es eine Konstante in allen drei Spielen war und immer von den Spielern entschieden wurde. Auf der anderen Seite ist da noch die Art und Weise, wie diese Wahlmöglichkeiten vorgestellt worden: Zwei Charaktere präsentierten sie. Und zwar nicht irgendwelche Niemande sondern Shepard und der Unbekannte. Shepard war der Held, mit dem sich alle Spieler personifizierten und der Unbekannte war ein Charakter, den man im Verlauf von ME2 kennenlernen durfte. Er war zwar mysteriös, aber trotzdem hatte der Spieler Zeit ihn bis zum Ende des Spiels einzuschätzen. Man wusste, worauf der Unbekannte aus war: Das Überleben der Menschen und zusätzlich Dominanz der Menschen über die Galaxis. Er vertrat damit auch Ansichten, die dem Renegade-Shepards ein Begriff sein müsste. Und in gewisser Weise verstand man diese und arrangierte sich mit ihnen, selbst wenn man Paragorn war. Man verstand den Charakter des Unbekannten und konnte ihn daher gut einschätzen. Im Gewissen Sinne sympathisierte man mit ihm sogar (auch als Paragorn). Und aus diesem Grund war die Wahl die man traf hart, aber passend zum gesamten Spiel.
Warum ist es in ME3 anders? Zunächst einmal will ich sagen, dass ME3 spitze ist. Es übertrifft den Vorgänger in mehr als einem Gebiet und ist mehr als sehenswert. Wäre das Ende nicht, hätte ich dem Spiel mindestens eine 1 gegeben. Es hatte zwar seine Schwächen, aber die Stärken überwogen doch merklich, weswegen man die Schwächen getrost ignorieren konnte. Bis auf das Ende.
Warum ist das Ende von ME3 nun so anders? Zunächst einmal wegen dem Katalysator (ich werde ihn von hier ab SC nennen). Er ist ein Unbekannter nahezu das gesamte Spiel. Okay, so ein Konzept gab es schon oft und ist an sich nichts Schlechtes. Es führt nur dazu, dass man nur ein Gespräch hat um ihn einzuschätzen. Und das Ergebnis davon: Ein Monster. SC stellt sich uns als Anführer der Reaper vor, als die Person oder KI von mir aus, die die Entscheidung getroffen hat, seit Jahrmillionen einen Genozid an allen höher entwickelten Spezies zu betreiben. Und das aus Argumenten, die zwar logisch klingen, aber fadenscheinig sind. Es gibt zu viele Wenns und abers und im Grunde hat jeder Paragorn-Shepard sie auch widerlegt.
Und diese eigentlich unsympathische KI soll jetzt entscheiden, wie das Spiel zu Ende geht? Bull****! Ich verstehe auch nicht, wie man dem SC soweit vertrauen kann, dass man ohne Widerspruch einfach tut, was es will. Es zwingt im Grunde dem Spieler eine Entscheidung auf zwischen für ihn akzeptablen Lösungen (selbst das Zerstörungsende, weil es davon ausgeht, dass es Shepard eh nichts bringen wird) Warum sollte man das tun, was das SC will? Es widerspricht allen bisherigen Enden. Immer war Shepard der Entscheidungsträger und nicht ein SC! Es waren Entscheidungen, die mit dem restlichen Spiel immer direkter verbunden. Diese Enden sind viel zu sehr losgelöst auch wegen der Figur des SC.
Und natürlich komme ich auch zum sogenannten vierten Ende. Es ist das, was mich am meisten aufregt. Es ist ja nicht nur die Tatsache, dass es sich hier um einen Freifahrtschein zum Game Over handelt, sondern auch, weil es genau das Ende wäre, was mein Shepard gewählt hätte. Nur hier lässt sich Shepard nichts vom SC einreden und bleibt seinen Prinzipien treu, so wie immer. Das wahre Paragorn-Ende. Und wie wird man damit belohnt, wenn man als Spieler spielt wie immer: Man verliert. Und zwar immer. WTH! Ich habe echt das Gefühl bekommen, als hätte man mir einen Arschtritt verpasst. Man ist zu sehr damit beschäftigt das Gefühl zu bekämpfen, dass man versagt hat, das Billiarden Leben ausgelöscht worden sind (auch wenn nur virtuell), um nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass der nächste Zyklus scheinbar in der Lage gewesen war die Reaper aufzuhalten.
So nachdem das gesagt ist, will ich noch eine kleine Anmerkung loswerden: Ich verstehe nicht, wie man dieses Ende gut finden kann. Immer wenn ich lese, wie mir die Leute, denen das Ende gefallen hat, erklären warum, kommt es mir so vor, als müssten sie die Argumente irgendwo raus pressen. Als wäre das nicht ihre wahre Meinung, sondern nur eine gestellte. Aber das kommt nur mir so vor – zumindest glaube ich das. Und jeder hat ein Anrecht auf seine oder ihre eigene Meinung. Dafür sind ja genügend Leute schon gestorben und sterben immer noch. Also, falls sich jemand beleidigt füllt, entschuldige. War nicht meine Absicht.
….Okay das wars. Das musste ich einfach mal sagen. Als eine Form des Abschließens für mich. Es ist mir egal, was ihr davon haltet. Das ist für mich….
Modifié par Not_Zero, 20 août 2012 - 09:29 .