Bella durchschritt mit Allie die Straßen Denerims als wäre sie erst gestern hier gewesen. Die Stadt hatte sich verändert, sie war nicht mehr so, wie die Zwergin diese in Erinnerung hatte. Und dennoch waren ihr die Wege vertraut, lediglich Gebäude hatten sich verändert. Teilweise waren sie noch zerstört, manche am Wiederaufbau, wieder andere bereits fertig. Überall herrschte reges Treiben, es wurde gefeilscht und geschrien, um die Aufmerksamkeit der Käufer auf sich zu lenken. Hier hatte jeder das beste Fleisch, den besten Wein, die besten Werkzeuge. Bella schmunzelte. Das hatte sich jedenfalls nicht verändert, das Gewusel war noch immer so wie vor der Verderbnis.
Zuvor war ihr das alles nicht aufgefallen, da war sie nur hinter Noah hergetrottet und hatte sich voll und ganz auf ihn verlassen. Sie war viel zu müde und ausgelaugt, um dabei genauer auf die Stadt zu achten. Aber nachdem sie sich in der Taverne gestärkt hatte, ging es ihr wieder besser, ihre Lebensgeister waren geweckt.
Sie war gerade dabei, verschiedenste Fläschchen zu begutachten, als sie von Allie aus ihren Gedanken gerissen wurde.
„Einen Rüstungsschmied?“ fragte sie nach und überlegte kurz. „Nun, ich weiß, wo ein hervorragender Meister dieser Zunft zu finden war, aber ob es ihn noch gibt, weiß ich nicht. Aber lasst mich hier schnell meine Gifte kaufen, dann schauen wir, ob es Master William noch gibt.“
Schnell tätigte sie ihre Einkäufe, wartete, bis ihre Freundin auch alle Lyriumtränke zusammen hatte und verließ dann mit ihr den Laden. Zielsicher führte sie Allie durch die Gassen der Stadt.
„Seht Ihr diese Taverne dort?“ fragte sie und deutete auf ein Schild. Darauf war ein flammendes Kreuz abgebildet. „Da war ich hin und wieder. Es ist gemütlich drin, der Wirt ein wenig brummig, aber sein Weib ist dafür mit Leib und Seele Wirtin, und das merkt man an der Kochkunst. Aber ansonsten ist es eine Spelunke, wo sich eher das normale Fußvolk trifft.“
Sie bogen noch zweimal ab, bevor sie vor dem Rüstungsschmied standen. Quietschend öffnete sie die Tür und trat an den Tresen, hinter dem ein junger Bursche stand.
„Seid gegrüßt, junger Mann. Ist denn Master William zu sprechen?“ erkundigte sich Bella höflich.
Sie musste jedoch auf keine Antwort des Jungen warten, denn man hörte von der Werkstatt eine durchdringende Stimme, deren Tonlage aber recht hoch angesiedelt war.
„Ist jemand gekommen, Maximilian?“ Auch diese Antwort wurde dem Buben erspart, denn der Besitzer der Stimme trat durch den Türrahmen und zog dabei seinen Kopf leicht ein, um ihn sich nicht zu stoßen. Vor ihnen stand ein, für Bellas Verhältnisse zumindest, riesiger Mann. Auf dessen Stirn waren Schweißperlen zu sehen, die Haare waren raspelkurz und feuerrot, dafür hatte er einen gezwirbelten Schnauzbart. Die hohe Stimme paßte überhaupt nicht zu dem Hünen von Mann, der vor ihnen stand.
„Hol mich der Erzdämon, wenn das nicht meine alte Freundin Bellandrys ist“, lachte der Mann hell auf. „Was führt Euch denn in meine erbärmliche Hütte?“ Er schritt auf Bella zu und klopfte ihr mit einer Wucht auf die Schulter, dass sie in die Knie ging.
„Master William“, grüßte Bella jedoch sofort freudig zurück. „Schön, Euch unversehrt zu sehen. Wie laufen die Geschäfte? Jetzt, wo die Verderbnis vorbei ist?“
„Hach“, seufzte der Angesprochene. „Manchmal wünsche ich sie mir zurück, da gab es wenigstens noch zu tun. Heute kann ich Pferden die Hufe beschlagen, um meine Familie noch zu ernähren. Aber keine Menschenseele lässt sich noch Rüstungen anfertigen oder reparieren. Eine Schande ist das! Jene aus Vulkangold werden eingeschmolzen, um der Turmspitze der Kirche ein neues Kleid zu verpassen.“ Hastig nahm er die Hand vor den Mund. „Das dürfte ich nicht sagen, ich danke Andraste und dem Erbauer jeden Tag, dass meine Familie verschont wurde. Aber trotzdem ist es jammerschade. Den Göttern sollte es doch egal sein, ob die Gläubigen nun in einer Kirche sitzen, von der das Dach vergoldet ist. Sie sehen es ohnehin nicht, oder?“ Verlegen räusperte er sich. „Aber nun zu Euch, was verschlägt Euch hierher? Ich dachte eigentlich, dass Ihr zurück in Eure Heimat kehrt, dort dürftet Ihr als Heldin gelten.“
„Dort war ich auch, verehrter Master William. Aber das Schicksal hat mich in weitere Kämpfe verwickelt, und ich bin nur auf der Durchreise. Das hier“, sie zog Allie an der Hand nach vorne, „das ist Allie. Sie ist auch ein Grauer Wächter, genau wie ich, und wir kämpfen im Moment gemeinsam. Wir waren in den Freien Marschen, dort sammelt sich die Dunkle Brut in Massen. Ich weiß nicht, was sie aus den Tiefen Wegen verscheucht.“ Bella schüttelte den Kopf. „Aber das braucht Euch ohnehin nicht interessieren, Master William. Derzeit seid Ihr hier in Denerim auf jeden Fall sicher. Aber könntet Ihr vielleicht unsere Rüstungen innerhalb kurzer Zeit reparieren? Und mit kurzer Zeit meine ich innerhalb weniger Stunden?“
Das Gesicht des Mannes verzog sich zu einem Lachen. „Natürlich kann ich, gebt her das Teil, das ist doch kein Problem! Kommt in zwei Stunden wieder her, dann bin ich fertig. Ist das so in Ordnung?“ fragte er Allie.
Modifié par Bellandyrs, 23 mai 2012 - 05:46 .