Zum Inhalt wechseln

Foto

Die Wildnis von Ferelden (Dragon Age RP)


  • Bitte melde dich an um zu Antworten
2893 Antworten in diesem Thema

#2876
viento2

viento2
  • Members
  • 701 Beiträge
Noah blieb noch eine Weile in der dunklen Taverne sitzen, nachdem auch Avalos sich verabschiedet hatte. Er hatte keine Besorgungen zu tun, alles was er brauchte trug er bei sich und da der Schatten neue Rüstungen erwähnt hatte, würde er sich auch darum nicht kümmern müssen.

Für einen Moment kam ihm in den Sinn, zu dem Alten zurück zu gehen, bei dem sie ihre Pferde untergestellt hatten. Er hätte die Zeit nutzen können, um alte Rechnungen zu begleichen, doch diese Vergangenheit ruhte schon lange und er sah keinen Sinn mehr darin, sie erneut aufzuwühlen. Noah ging nicht davon aus, dass er dieses Abendteuer überleben würde.

Stattdessen schlenderte Noah einige Zeit ziellos in den Straßen Denerims umher. Seine Schritte führten ihn zur Westmauer. An einer Stelle zwischen zwei herunter gekommenen Häusern fand er einen Aufgang, den er leicht erklettern konnte. Er zog sich auf hinauf auf die Rückseite des einen Hauses, von dem aus er durch einen Spalt in der Mauer hinaus aufs Land schauen konnte. Dort blieb er sitzen, bis sich die Sonne gen Horizont neigte und ihn blinzeln ließ. Dann war es Zeit zum Aufbruch.

Der hitzige Ritt, den Avalos anführte, reichte bis in das Dunkel der Nacht hinein. Die Schnelligkeit verhinderte jegliche Kommunikation unter den Gefährten und ließ Noah allein mit seinen düsteren Gedanken.
Was beim Erbauer würde sie wohl erwarten, wenn sie dem verfluchten Weib schließlich gegenüber standen?

Bearbeitet von viento2, 08 März 2012 - 04:55 .


#2877
Kaysallie

Kaysallie
  • Members
  • 1.082 Beiträge
Allie teilte die Meinung dieses Schmieds in Gedanken. Als ob sich Andraste und der Erbauer für ein Kirchendach interessieren würden. Ob die Sterblichen, die auf Thedas wandelten, an sie glaubten, für sie beteten oder sie verachteten. Es war den Göttern doch ohnehin gleich, sie waren nur wie Puppenspieler in dieser Welt. Jeder von ihnen bekam eine Aufgabe, ein Schicksal zugeteilt, wie in einem komplexen Schachspiel, das die Göttlichen zu ihrem Zeitvertreib betrieben. Und je nachdem, wie gut man diesem Weg folgte, so würde einen auch das Nichts erwarten. Mit traurigem Gesichtsausdruck dachte Allie daran zurück, wie Andraste sie ohne zu fragen zurückgeschickt hatte. Oder war es doch alles nur ein Traum gewesen, der nur dank ihres verdorbenen Blutes so real gewesen zu sein schien? Und wem würde sie begegnen, wenn sie diesen Ort ein weiteres Mal betreten würde...? Ob Jannis dort sein würde? Oder war auch das nur ein Wunschgedanke, den sie vom Jenseits hatte?

Plötzlich wurde sie aus diesen trüben Gedanken gerissen, als Bella sie an der Hand fasste und ein Stück nach vorne zog, was sie daher auch einfach mit sich geschehen ließ. Erst nach zwei Sekunden fiel ihr wieder ein, wieso sie eigentlich hier waren.

„Bevor Ihr mit Eurem Übereifer falsche Angaben macht, solltet Ihr wissen, dass meine Rüstung aus keinem üblichen Material gefertigt wurde“, sagte sie während sie sich von den Kleidungsstücken befreite, die sie von Noahs Familie bekommen und einfach drüber gezogen hatte. Nach und nach kam die Rüstung zum Vorschein und die Augen des Schmieds wurden eine Spur größer, als sie die Drachenschuppen erfassten. Allie entgingen der Gesichtsausdruck und das plötzlich hibbelige Herumgehopse des Mannes nicht, weswegen sie sich weitere Kommentare bezüglich des Materials sparte. Sie legte die Rüstung Stück für Stück ab und platzierte jedes Teil auf dem Tresen, wo es der Schmied gleich voller Erstaunen unter die Lupe nahm.

„Und bitte geht vorsichtig damit um. Es haften einige Erinnerungen daran…“, sagte sie noch ein wenig nachdenklich, während sie sich die Kleidungsstücke wieder anzog.

„Zwei Stunden…“ murmelte er nervös, während er die Teile mit leuchtenden Augen betrachtete, wobei ihm eine Schweißperle an den Schläfen herunterlief. Für einen kurzen Augenblick, schien es so, als hätte er alles um sich herum vergessen und würde seinen eigenen Augen nicht mehr trauen. „Maximilian, mach die Esse heiß! Wir haben endlich wieder etwas zu tun!“

Der junge Mann nickte und verschwand in Windeseile in die Werkstatt. William hob seinen Blick schließlich wieder und betrachtete Allie und Bella, wobei seine Augen glasig waren und die Lippen zitterten. Es sah wirklich so aus, als würde er jeden Moment losflennen. „Dass ich so etwas noch einmal erleben darf! Vielen Dank, ich werde Euch nicht enttäuschen“, sagte er mit seiner viel zu hohen Stimme, bevor er die Rüstungsteile mit Leichtigkeit auf seine breiten Arme legte und damit ebenfalls in der Werkstatt verschwand.

„Hoffen wir, dass er rechtzeitig fertig wird. Wobei er wohl nicht der Einzige ist, der unter Zeitdruck steht“, meinte Allie zu Bella, nachdem sie den Hünen ein wenig erstaunt beobachtet hatte. Anschließend begab sie sich zur Türe. Draußen blickte sie zum Himmel, um den Stand der Sonne zu überprüfen.

„Ich muss mich noch wegen eines Zauberstabes umsehen, solange ich noch die Gelegenheit dazu habe. Ich denke, es wird Zeit, dass ich mich ihr stelle“, sie wandte sich direkt an die Zwergin. „Wisst Ihr zufällig, wo sich der Laden namens ‚Wunder von Thedas‘ befindet? Ich habe einst viel über dieses Geschäft gehört und glaube auch nicht, dass es durch die Verderbnis zerstört wurde. Magier wissen ihre Schätze recht gut zu verteidigen, zumindest meistens.“
Ihr Blick wurde nachdenklicher. „Und danach… mal sehen, wie viel Zeit uns noch bleibt.“

#2878
Bellandyrs

Bellandyrs
  • Members
  • 1.091 Beiträge
„Seid beruhigt, Allie, Master William ist einer der besten Schmiede, die mir je untergekommen sind – die Zwerge natürlich ausgenommen“, lächelte Bella die Freundin an.
Sie selber hatte ihre Rüstung zuvor auf den Tresen gelegt. Diese war nicht ganz so hochwertig verarbeitet, aber auch hier waren Reparaturen notwendig. Vor allem die Kettenglieder waren sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Ledereinsätze waren lediglich ein wenig schmutzig, aber mit ein wenig Fett waren die durchaus noch akzeptabel.

„Lasst mich überlegen... Wunder von Thedas?“ fragte sie nach, als sie die Schmiede verließen. „Kommt mir bekannt vor, ich bin mir beinahe sicher, dass ich dort schon einmal vorbei gegangen bin. Wo war das nur nochmal“, grübelte sie vor sich hin und blieb mitten auf dem Platz stehen. Sie versuchte, sich zu orientieren. War dieser Laden nicht fast am Ende irgendeiner Seitengasse?
Ungeduldig wippte sie mit ihrer Zehenspitze. Sie hatten einfach keine Zeit, eine halbe Ewigkeit zu suchen. Als sie schließlich begann, nervös auf ihrer Unterlippe zu nagen, fiel es ihr wieder ein.

„Natürlich! Ich habs! Kommt mit, der Laden sollte eigentlich gleich in der übernächsten Gasse sein! Seht Ihr? Da vorne geht es rechts hinein, und irgendwo da war dieser Magie-Laden. Ich hoffe, das ist er auch, nicht dass ich ihn am Ende noch verwechsle.“

Sie nahm Allie an der Hand und zog sie flotten Schrittes hinter sich her. Keine fünf Minuten später standen sie vor dem Haus. Auch hier hatte der Kampf gegen den Erzdämon seine Spuren hinterlassen, lediglich das Ladenschild baumelte über der Eingangstüre, lesen konnte man jedoch kaum noch, was darauf stand.
Als sie die Tür öffnete, schlug ihnen der Geruch von Weihrauch und Sandelholz entgegen.

Bella hustete leicht und blinzelte, um sich an das schummerige Licht zu gewöhnen. Als sie alles klar erkennen konnte, wusste sie auch, dass sie hier schon einmal war. Sie hatte damals einen wunderbaren Ring gefunden, den sie bei der Schlacht getragen hatte. Und der nun in ihrer Schmuck-Schatulle in Orzammar versteckt war. Im Nachhinein konnte sie sich dafür ohrfeigen, dass sie diesen zu Hause gelassen hatte. Er war mit einigen Stärkungszaubern belegt, und die hätte sie wahrlich gut gebrauchen können.

„Wem wollt Ihr Euch stellen?“ fragte Bella das zuvor gehörte nach. „Forscht Ihr, ob Ihr Eure Zauberkraft auch so wieder erlangen könnt?“
Sie kannte sich mit Magie nun mal nicht aus, und so hoffte sie, dass die Frage in Allies Ohren nicht zu dumm klang.
Aber noch bevor ihre Freundin antworten konnte, schlug ihnen die säuselnde und beinahe singende Stimme des Besänftigten entgegen, der hinter dem Verkaufstresen stand.

„Sucht Ihr etwas bestimmtes?“ fragte dieser. Der Blick des Sprechers ging zwar in ihre Richtung, aber Bella hatte das Gefühl, als ginge er eher durch sie hindurch. Diese Leute waren ihr seit ihrem ersten Zusammentreffen suspekt. Ihrer Magie beraubt, hatte Bella das Gefühl, eher mit lebenden Toten zu reden als mit echten Menschen, die noch dazu die Stimme von Eunuchen hatten. Wobei sie, wenn sie es sich recht überlegte, die lebenden Toten sogar noch vorzog. Denen konnte man wenigstens beibringen, was richtig tot sein hieß.

#2879
Kaysallie

Kaysallie
  • Members
  • 1.082 Beiträge
Allies Augen weiteten sich ein wenig erschrocken, als die Zwergin vom Wiedererlangen ihrer Zauberkraft sprach, kurz nachdem sie den Laden betreten hatten. Sofort packte sie Bella am Oberarm, drehte sie in eine andere Richtung und zog sie mit sich.

„Wir würden uns erstmals gerne ein wenig hier umsehen“, rief sie dem Besänftigten zu, der sie eben begrüßt hatte und hinter einer Theke weiter im Inneren des Ladens stand. Dieser nickte nur ohne sonstige Regungen.

In einer Ecke an einem Bücherregal angekommen, ließ Allie die Zwergin wieder los und steckte ihr gleich darauf eines der Bücher in die Hände, welches sie kurzerhand aus dem Regal gezogen hatte. Auch sie selbst hatte eines in den Händen und blätterte darin, doch ihre Augen schielten zu dem Besänftigten hinüber.

„Tut mir leid, dass ich Euch hier her schleifen musste“, flüsterte sie der Zwergin zu, ohne den Blick von dem Besänftigten abzuwenden. „Ich denke, er hat Eure Frage nicht mitbekommen.“

Sie stellte das Buch zurück ins Regal und zog ein neues heraus, in welches sie nun desinteressiert blickte. „Ich hätte Euch das schon vorhin sagen sollen, aber im Staunen über diese Stadt habe ich es wohl vergessen. Erwähnt bitte niemals in der Nähe eines Besänftigten, Templers oder sonstigen Magiers etwas über mein... Problem.“

Allie schielte wieder zu dem Besänftigten hinüber, der einfach nur da stand und ins Leere zu starren schien. So wie es alle ihrer ‚Art‘ und immer taten.

„Der Turm ist eigentlich auch nichts weiter als ein Kult, der überall seine Spitzel hat. Dem Einzelnen mag es vielleicht egal sein, doch wenn die Templer davon Wind kriegen, was mit mir passiert ist, dann sehen sie mich nur noch als einen gefährlichen Abtrünnigen an. In den Marschen war es vielleicht nicht weiter wichtig, doch hier in Ferelden, wo der Zirkel zu Hause ist, sind die Gesetze ein wenig anders. Und auf eine Verfolgungsjagd kann ich gut und gerne verzichten, denn ob sie dann noch darüber hinwegsehen, dass ich ein Grauer Wächter bin... ich weiß es nicht, und ich will es auch nicht herausfordern.“

Sie hielt einen Augenblick inne und starrte auf das offene Buch in ihren Händen. Das Pergament war von einer wunderschönen Handschrift geziert, die von heldenhaften Abenteuern eines jungen Magiers erzählten.

„Und diesen Besänftigen kann man am allerwenigsten trauen. Sie schreiben alles auf, was ihnen zu Ohren kommt. Es hat fast so den Anschein, als würden sie, die auf ewige Stille verbannt wurden, nur mit Feder und Tinte in ihren Händen haltend richtig leben können. Sie archivieren alles, Ihr braucht nur einen Blick auf diesen Laden hier werfen. Er geht schon fast über mit Dokumenten. Und der Mann da drüben wird genau wissen, wo sich was befindet, selbst das verstaubteste Werk wird er Euch bringen können. Denn das ist das einzige, das sie haben und womit sie glauben sich doch noch beweisen zu können, wo sich doch kläglich gescheitert sind an der Läuterung. Was glaubt Ihr, welch gefundenes Fressen es für sie wäre herauszufinden, dass hier eine Magierin herumstolziert, die der Läuterung nicht mehr würdig ist.“

Allie ließ das Buch zuklappen, wodurch sogar etwas Staub aufgewirbelt wurde, und stellte es zurück an seinen Platz. „Eure Frage beantworte ich später, wir haben eigentlich nicht die Zeit für solche Erklärungen. Sagt einfach nichts mehr, solange wir uns hier befinden.“

Mit diesen Worten drehte sie sich wieder um und durchschritt den Laden. Dabei tat sie so, als würde sie einige Gegenstände interessiert betrachten, obwohl sie eigentlich genau wusste, was sie hier wollte. Schließlich kam sie beim Tresen an, um eben dies bei dem Besänftigen zu äußern.

„Seid gegrüßt. Ihr verwahrt durchaus einige Kostbarkeiten, ganz so, wie es mir bisher zu Ohren gekommen war. Die Erzählungen über Euer Geschäft, die sich sicher weiter als nur bis zum Turm des Zirkels ihren Weg bahnen, versprechen nicht zu viel“, begrüßte sie den Mann schelmisch mit einer freundlichen Verbeugung.

„Vielen Dank“, erwiderte der Besänftigte, doch wirkliche Freude über das Lob konnte man ihm nicht ansehen. „Mein Name ist Onurn, doch auch Euer Name schleicht sich mir auf die Zunge, nun da ich Euch aus der Nähe sehe. Verzeiht, wenn es beleidigend klingt, doch die Kleider und Waffen, die Ihr tragt, sehen nicht eines Magiers würdig aus, was mein Auge wohl getrübt hat. Doch nun bin ich mir sicher, dass Ihr die Graue Wächterin Allie sein müsst. Wie kann ich Euch dienen?“

Allie sah den Besänftigten für einen kurzen Augenblick verwundert an und sie musterte das Gesicht des Mannes noch einmal genauer, doch sie war sich sicher ihm noch niemals in ihrem Leben begegnet zu sein. „Ich bin nicht beleidigt, nur frage ich mich, woher Ihr mein Gesicht und meinen Namen kennt.“

Onurn sah sie zwei Herzschläge lang nur aus seinen leeren Augen an und für einen Moment glaubte Allie sogar ein sehr schwaches Grinsen in seinem Gesicht zu erkennen, was natürlich vollkommen unmöglich war. Kurz darauf öffnete er eine Schublade und holte einige Pergamentseiten heraus, die mit Lederschüren zusammengefasst waren. Er senkte den Blick, öffnete das Band und zog eine der Seiten hervor.

„Als vor einigen Monaten mehrere Templer und Magier aus dem Turm rekrutiert wurden, um dem Orden der Wächter beizutreten, so blieb dies kein Geheimnis. Es war unklar, ob der Zirkel es als gut oder schlecht empfinden sollte, doch nichts desto trotz wurden von jedem dieser Männer und Frauen Steckbriefe erstellt und an Gemeinden, oder eben mein Geschäft verschickt. Doch Ihr seid die erste dieser Wächter, die über meine Schwelle getreten ist, seitdem die Verderbnis ihr Ende gefunden hat“, erklärte der Mann, ehe er das Blatt umdrehte und hochhob, sodass Allie einen Blick darauf werfen konnte. Das gezeichnete Bild ähnelte ihr erschreckend genau und daneben stand eine Art Lebenslauf von ihr geschrieben.

„Darüber hat man mich nie in Kenntnis gesetzt“, sagte sie etwas heiser, während sie den Zettel anstarrte.

„Keiner der Wächter wurde das, doch dank des Todes des Erzdämonen und dem erfolgreichen Sieg über die Schlacht sind diese Dokumente eigentlich nicht mehr von Wert für den Zirkel“, erwiderte Onurn während er das Pergament wieder zu den anderen zurücklegte.

Allies Blick blieb ein wenig nachdenklich auf vielen Seiten hängen, die der Besänftigte gerade sortierte. Scheinbar wussten noch nicht alle in Ferelden, dass sich die Brut noch nicht vollkommen zurückgezogen hatte. Doch da war noch etwas anderes, das sich ihr in den Kopf gedrängt hatte.

„Befindet sich unter diesen Briefen auch ein gewisser Templer namens Tharel Rhaokan?“ fragte sie unbewusst vorsichtig.

Der Besänftigte nickte.

„Dürfte ich ihn mir kurz ansehen?“

Onurn hob kurz den Blick und sah Allie aus seinen müden Augen an, doch er schien nachzudenken. Schließlich durchblätterte er die Pergamente ein weiteres Mal und hielt ihr keine zwei Sekunden später eine der Seiten entgegen. Mit traurigem Blick sah sie das Blatt an, bevor sie es entgegen nahm. Leicht zitterten ihre Finger als sie die Zeichnung des Mannes sah, der darauf abgebildet war. Für einen zeitlosen Moment schaute sie jedoch durch dieses Bild hindurch, geistig zurück bei vielen anderen Augenblicken. Erst als sie merkte, dass ihre Augen glasig wurden, hob sie den Blick wieder und sah den Mann hinter dem Tresen wieder etwas ernster an.

„Entschuldigt, ich wusste nicht, dass er gefallen ist. Er stand einige Zeit zusammen mit mir in Ausbildung, wie Ihr aber wahrscheinlich wisst“, erklärte sie ihren kurzen Anflug von Abwesenheit und Trauer, während sie ihm den Steckbrief zurückgab. „Doch nun zurück zu dem eigentlichen Grund, wieso ich hier her gekommen bin. Wie Ihr schon richtig erkannt habt, trage ich keinen Zauberstab bei mir. Er ging in der letzten Schlacht bedauerlicherweise zu Bruch. Daher benötige ich dringend einen neuen, da ich in wenigen Stunden aufbrechen werde. Und zudem benötige ich einige Übungsstäbe.“

Onurn verstaute die Pergamente wieder in seiner Schublade, ehe er sich umdrehte und zu den Treppen wanderte, wobei seine Bewegungen wie die eines Schlafwandelnden wirkten. „Ich verstehe. Bitte folgt mir“

Allie bedeutete Bella noch ihr zu folgen, bevor sie der Anweisung des Besänftigten nachging. Nachdem sie den kleinen Treppenanstieg überwunden hatte, offenbarte sich ihr lange Reihe von Zauberstäben, die in Waffenständern an der Wand angebracht waren. Onurn war bereits vor einem dieser Ständer stehen geblieben und griff nach einigen sehr einfachen Holzstäben, die nichts Besonderes an sich zu haben schienen.

„Übungsstäbe? Ich hätte nicht erwartet, dass eine Magierin, wie Ihr es seid, so etwas benötigt“, sagte der Besänftigte monoton als Allie neben ihn trat.

„Ich benötige sie lediglich für einen Test. Nichts weiter“, erwiderte sie lapidar.

„Ich verstehe“, meinte er und reichte ihr die Stäbe entgegen. Anschließend ging er weiter fast bis ans Ende des Raumes, ehe er wieder stehen blieb und einen weißen Stab mit funkelnden geschwungenen Verzierungen hervorzog und an dessen kopfartigem Ende etwas eingeschnitzt zu sein schien.

„Ich denke, dieser hier würde am besten für Eure Fähigkeiten geeignet sein. Er wurde aus Hainbuche, die nur in den Wäldern der Dalish-Elfen gedeiht, hergestellt und mit Vulkangold in der Fassung verfeinert. Sein letzter Besitzer, der ihn mir vor wenigen Tagen verkauft hat, meinte, dass er verflucht sei und er ihn deswegen nicht mehr sein Eigen nennen möchte, doch bisher ist mir nichts dergleichen aufgefallen. Er schien mir mehr ein alter und sehr verwirrter Mann gewesen zu sein. Doch die Kräfte die dieser Stab besitzt müssten sich perfekt mit den Euren kombinieren, denn er verstärkt besonders die Zauberkraft und Zaubergeschwindigkeit und von Heil- und Elementarzaubern um ein Vielfaches.“

Er hielt Allie den Stab entgegen und nun konnte sie wirklich erkennen, dass das Ende des Stabes nicht nur wie ein Kopf aussah, sondern auch die Schnitzereien ein Gesicht zeigten. Langes geschwungenes Haar wickelte sich um den Stab als Übergang und die vulkangoldenen Verzierungen sahen nun wie einzelne Haarsträhnen aus. Die Züge des Antlitzes ähnelten der einer jungen Frau, doch deren Ausdruck schien irgendwie traurig zu sein, wie Allie fand.

„Ein Kopfstab… Bisher habe ich nur darüber gelesen“, meinte sie gleichermaßen verblüfft wie nachdenklich. „Dürfte ich?“

Der Besänftigte reichte Allie den Stab noch ein Stück weiter entgegen. Vorsichtig näherte sie ihre Hand und umfasste den Griff zaghaft. Kurz zuckte sie leicht zusammen und weitete ihre Augen, als hätte es ihr einen leichten Stromschlag versetzt bei der Berührung.

„Interessant“, sagte sie nach einer kurzen Weile, in der sie den Stab betrachtet hatte. „Ich nehme ihn.“

Onurn nickte und führte die beiden zurück nach unten. „Benötigt Eure Begleiterin auch etwas?“ fragte er, als er wieder an seinem Platz hinter dem Tresen angekommen war, und fixierte Bella mit seinem nichtssagenden Blick.
„Ich denke nicht“, antwortete Allie gleich für die Zwergin, ehe diese etwas erwidern konnte. Anschließend begann sie in ihren Taschen zu stöbern, bis sie einen kleinen Beutel hervorzog. Diesen ließ sie schwer auf den Tresen fallen. „Der Preis sollte angemessen sein“

Der Besänftigte nahm den Beutel an sich und lugte hinein, ohne den Inhalt herauszuholen. Ohne jegliche Regungen öffnete er eine Schublade und verstaute den Beutel darin. Anschließend verbeugte er sich leicht. „Es hat mich gefreut mit Euch Geschäfte zu machen.“

Auch Allie verbeugte sich noch dankend, ehe sie sich abwandte und den Laden zusammen mit Bella wieder verließ. Onurn blickte den beiden noch nach, auch wenn es so aussah, als würde er einfach geradeaus ins Leere starren. Erst als das Schloss der Türe einen klickenden Laut von sich gab, nachdem diese zugefallen war, verengten sich seine Augen ein klein wenig. Er zog ein leeres Pergament aus einer seiner unzähligen Schubladen hinter dem Tresen hervor und griff nach Tinte und Feder.

Draußen angekommen blieb Allie stehen, dabei den Kopfstab ungläubig vor sich haltend.
„Dass ich so etwas an meinen wenigen Wächtertagen noch erleben darf“, staunte sie, während sie direkt in das Antlitz des Stabes blickte, dabei ein ungläubiges Grinsen auf dem Gesicht. Schließlich band sie den Kopfstab mit den Übungsstäben zusammen und hängte sich alle zusammen über die Schulter, wobei ein kurzes Stöhnen ihrer Kehle entwich aufgrund des Gewichtes.
„Bevor Ihr Fragen stellt“, wandte sie sich dabei an die Zwergin neben sich. „Sofern Ihr nichts Weiteres hier am Markt geplant habt, würde ich gerne ins Gesindeviertel der Elfen zurückkehren, ehe wir zu Meister William gehen wegen unseren Rüstungen. Reden können wir ja auch unterwegs.“

#2880
Bellandyrs

Bellandyrs
  • Members
  • 1.091 Beiträge
Bella ließ sich verwirrt zu den Büchern ziehen und lauschte dort Allies flüsternden Erklärungen. Ihr Kopf, den sie tief hinter dem Buch vergraben hatte, wechselte dabei die Farbe von frisch getünchtem Weiß zum Rot von überreifen Kirschen. Nervös nagte sie an ihrer Unterlippe. Sie hatte die Freundin durch ihre unbedachte Äußerung in Bedrängnis gebracht und sie schickte ein Stoßgebet zu allen Paragons, dass der Besänftigte die Frage von ihr nicht registriert hatte. Aber so recht daran glauben konnte sie nicht.


Während Allie mit Onurn sprach, ließ sie die beiden nicht aus den Augen. Ihre Hände hatte sie so abgewinkelt, dass ihre Handflächen die Griffe ihrer Dolche berührten, was ihr eine innere Sicherheit gab, denn der Geruch nach Weihrauch und Sandelholz verstärkte nur ihre Nervosität, die der Besänftigte in ihr ausgelöst hatte und durch Allies Erklärung noch zusätzlich verstärkt wurde.

Als sie schließlich wieder vor der Tür waren rann Bella beinahe der Schweiß über den Rücken und ihre Knie zitterten.
„Meine Güte Allie, bei allen Paragons, wie konntet Ihr im Zirkel nur mit solchen Menschen zusammen leben? Mir sind diese Besänftigten einfach nur unheimlich. Es tut mir leid, wenn ich Euch da in Schwierigkeiten gebracht habe, aber ich hoffe, er hat es nicht gehört. Lasst uns nur zusehen, dass wir von hier weg kommen, mir stehen die Nackenhaare noch immer zu Berge.“

Sie nickte der Freundin zu und deutete leicht nach links. „Ins Gesindeviertel geht es hier lang. Und während wir dahin gehen, könnt Ihr mir alles erklären. Eine Frage hatte ich Euch ja schon gestellt, wenngleich zum unpassendsten Zeitpunkt. Die nächste wäre: was ist an diesem Zauberstab so besonders? Außer, dass der Griff eine Kopfform aufweist?“ Misstrauisch beäugte sie den Stab, als könnte dieser sich selbständig machen und ihr eines über die Rübe ziehen. Hatte der Besänftigte nicht sogar gesagt, dass der Stab verflucht sei? „Und was wollt Ihr im Gesindeviertel?“


Eigentlich hätte es sie auch noch brennend interessiert, mehr über diesen Steckbrief zu erfahren, den Allie so lange in der Hand gehalten hatte. Aber die Freundin hatte dabei einen so abweisenden und traurigen Gesichtsausdruck gehabt, dass sie sich nicht getraute zu fragen. Sie wollte nicht noch mehr Kummer über die Gefährtin bringen. Dennoch gewann ihre Neugier.

„Und wenn es Euch nicht zuviel ausmacht … würdet Ihr mir erzählen, was es mit diesem Steckbrief auf sich hat, den Ihr so lange angesehen habt?“ Schnell schwächte sie die Frage ab. „Aber wirklich nur dann, wenn es Euch nicht zuviel ausmacht. Es geht mich ja an sich nichts an.“

Verlegen knabberte sie wieder auf ihrer Unterlippe. Sie bogen ab und hatten den Platz wieder erreicht, an dem
sie zuvor überlegt hatte, wo dieser Laden war.  „Die Strasse hier entlang, dann laufen wir direkt auf das Tor zum Gesindeviertel zu“, erklärte die Zwergin, hielt dann aber endgültig den Mund, damit Allie überhaupt die Gelegenheit bekam, antworten zu können.

Bearbeitet von Bellandyrs, 05 Juni 2012 - 06:41 .


#2881
Kaysallie

Kaysallie
  • Members
  • 1.082 Beiträge
„Eine Flut an Fragen, in der Tat“, erwiderte sie ein wenig heiser. Allie störten die Fragen nicht, sie wusste, dass all das eigenartig gewirkt haben musste. Dennoch, eine der Fragen schnürte ihr gerade kurz die Kehle zu und verursachte ihr leichte Magenschmerzen. Nach einer für sie drückend erscheinenden Schweigepause, beschloss sie, diese Frage zuerst zu beantworten, um das Thema schnell hinter sich bringen zu können.

„Hm, ich dachte ich hätte Euch von Tharel erzählt…“, sagte sie etwas bedrückt mit gesengtem Blick, wodurch einige Haarsträhnen ihre Augen verdeckten. „Ich weiß nicht, wieso ich den Steckbrief sehen wollte. Vielleicht wollte ich nur noch einmal in sein Gesicht blicken. Wie dumm von mir.“

Sie räusperte sich. „Den Besänftigten habe ich natürlich angelogen, was das Wissen über seinen Tod betrifft, sonst werde ich womöglich noch als Deserteurin eingestuft. Und darauf kann ich ebenso gut verzichten, wie auf eine Verfolgungsjagd der Templer. Wie sehr sehne ich mich nach Zeiten zurück, in denen ich mein Mundwerk nicht mit Falschaussagen beschmutzen musste.“ Sie seufzte. „Aber nun zu Euren anderen Fragen.“

Allie blieb kurz stehen, um die vielen Stäbe, die sie sich über die Schulter gehängt hatte, nach vorne zu holen. „Ihr fragtet vorhin, wem ich mich denn stellen möchte. Ich dachte, es wäre klar…“

Sie schluckte kurz, ehe sie einen der einfachen Holzstäbe aus dem Bündel hervorzog und der Zwergin zeigte. „Diese Stäbe hier werden eigentlich nur von ganz unerfahrenen Schülern verwendet, um verschiedenste Zaubersprüche einzuüben. Sie verstärken die Zauberkraft nicht, um keine ungewollten Schäden anrichten zu können, helfen dennoch bei der Konzentration. Es ist sehr lange her, dass ich so etwas in Händen hielt…“

Mit einem leichten Seufzen steckte sie den Stab wieder zu den anderen zurück. Dabei schwieg sie eine kurze Zeit etwas nachdenklich. Es war ihr irgendwie unangenehm über dieses Thema zu reden, aber sie wollte Bella auch nicht im Unwissen lassen. „Wie Ihr sicher unschwer erkennen konntet, kämpfe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr mit einem Zauberstab. Ich habe die Kontrolle darüber verloren. In der letzten Schlacht habe ich es einmal versucht, doch… der Stab ging zu Bruch, so etwas darf nicht passieren. Die Stimme in meinem Kopf… mein zweites Ich… es kann nur hassen, ist nicht im Einklang mit sich selbst, verfügt über keine Kontrolle. Ich muss versuchen, sie zu kontrollieren. Ach, was rede ich. Versucht habe ich es schon so oft und dies ist ein Weiterer.“

Allie zog den Kopfstab aus dem Bündel und hängte sich die Übungsstäbe wieder um eine Schulter, während sie ihren Weg fortsetzte. Sie hatten das Tor zum Gesindeviertel bald passiert.

„Es gibt viele verschiedene Geschichten, die um diese einzigartigen Kopfstäbe handeln, doch ich denke viele davon sind reine Gerüchte“, widmete sie sich einer weiteren Frage der Zwergin, dieses Mal jedoch mit weitaus mehr Begeisterung. „Wie ich zuvor bereits zu Onurn sagte, habe ich bisher nur davon gelesen, daher kann ich auch nicht sagen, welchen dieser Geschichten ich Glauben schenken kann. Da wir bald da sind, werde ich Euch diese derweil vorenthalten. Aber eines kann ich Euch darüber gewiss sagen: sie alle haben eins gemein – Macht, entstanden durch mindestens eine Seele, die darin gefangen ist, aus verschiedensten Gründen.“

Genau in diesem Moment erreichten sie das große Tor, das in das Gesindeviertel führte. Eine sanfte Brise blies etwas Staub auf und leise konnte sie zwei Elfenfrauen miteinander reden hören, doch Allies Blick blieb noch kurz auf dem Antlitz des Stabes haften.

„Und, um ehrlich zu sein, hoffe ich auf etwas…“, fügte sie noch leise hinzu und klammerte ihre Hand unbewusst fester um den Griff. Anschließend hob sie den Blick und erfasste ein wenig traurig die Umgebung. Angelehnt an einer morschen Häuserwand saßen die beiden Frauen, die sie gehört hatte, und versuchten mit ihren schmutzigen Fingern das Loch eines alten Rockes zu flicken.

„Was ich hier suche? Das weiß ich selbst nicht so recht…“, sagte sie ein wenig unentschlossen und verstaute auch den Kopfstab wieder zusammen mit den anderen auf ihrem Rücken. „Zuerst einmal den Hüter wohl. Ihr wisst nicht zufällig, wo er sich aufhält? Ansonsten müssen wir wohl die beiden Frauen dort vorne fragen.“

Bearbeitet von Kaysallie, 11 Juli 2012 - 08:27 .


#2882
Bellandyrs

Bellandyrs
  • Members
  • 1.091 Beiträge
Bella legte zaghaft ihre Hand auf Allies Unterarm, als diese von Tharel erzählte. Natürlich! Wie dumm von ihr, das zu vergessen. Verlegene Röte überzog ihr Gesicht, als sie daran dachte, dass sie ja den Trank in Jannis' und Allies Gläser geschüttet hatte und somit deren Schicksal besiegelt hatte. Aber noch bevor sie entschuldigende und auch tröstende Worte finden konnte, hatte ihre Freundin das Thema bereits gewechselt und einen Stab aus ihrer Tasche gezogen, wodurch ihre Hand auch wiederum von deren Unterarm fiel.

Gespannt hörte sie zu, als die Elfe von ihrem Kampf mit ihrem zweiten Ich sprach. Es war ihr natürlich aufgefallen, dass sich die immer nette, hilfsbereite und manchmal ein wenig schusselige Magierin im Kampf in eine tobende Furie wandelte. Und dass dies nicht nur dem Blutrausch zuzuschreiben war, in welchen manche Soldaten verfielen und wie Berserker den Feinden den Tod brachten, war der Zwergin auch klar. Aber sie hatte dennoch gehofft, dass der schwere Schicksalsschlag, Jannis' Tod, vielleicht so ein Schock für die Freundin war, dass dieses Trauma das andere erlebte übertünchte. Leise seufzte sie, was sollte sie ihr darauf auch antworten. Bella glaubte fest daran, dass Allie diese innere Stimme über kurz oder lang zum Schweigen bringen würde. Sie konnte sich noch gut erinnern, welch wahnsinniges Wesen sie in FallRemnon zu Gesicht gekriegt hatten, und daran, dass Allie diejenige war, der Bella ihr Herz ausgeschüttet hatte. Ausgerechnet Allie, zum damaligen Zeitpunkt eigentlich die letzte Person, der sie sich anvertraut hätte. Und doch sah sie die Szene noch vor sich, als sie am See auf der Bank saß und Allie versteckt neben dem Baum am Boden hockte und sie ansprach. Sie blinzelte kurz, um diese Gedanken zu verdrängen und sich wieder auf die Gegenwart zu konzentrieren.

„Na, Ihr seid lustig, wollt unbedingt ins Gesindeviertel und wisst noch nicht mal was Ihr sucht“, schüttelte Bella lächelnd den Kopf. „Es ist nicht gerade die vornehmste Gegend Denerims, aber was soll's. Des Hüters Hütte war früher da hinten, links hinter dem großen Baum. Aber ob das noch so ist, das wissen allein die Götter“, antwortete sie. „Es wäre sicher besser, die beiden Frauen dort zu fragen.“

Sie sah kurz zu den mageren Frauen, bevor sie den Blick wieder auf den mächtigen Baum lenkte. Es war erstaunlich, dass dieser die Verderbnis überstanden hatte. Soweit sie sich noch erinnern konnte, war gerade im Gesindeviertel ein heftiger Kampf gegen die Brut entfacht gewesen, derweil sie sich mit einigen anderen den Weg durch Fort Drakon gebahnt hatte. Bei dem Gedanken an den Kampf stellten sich ihre Nackenhaare zu Berge. Dass sie diese Schlacht überlebt hatte … grenzte wirklich an ein Wunder, aber mit den neuen Abenteuern die sie seither zu bestehen hatte, hatte sie ganz vergessen, sich regelmäßig bei den Paragons zu bedanken. Innerlich schickte sie eine Entschuldigung dafür gedanklich los.

„Das mit dem Kopfstab ist mir unheimlich, das erinnert mich fast ein wenig an den beseelten Dolch von Avalos“, murmelte sie. Etwas lauter fügte sie hinzu: „Ihr werdet es schaffen, Ihr dürft nur nicht den Mut verlieren und Euch von Rückschlägen unterkriegen lassen. Und egal was Ihr hier sucht, wir werden es finden. Aber ich hoffe, die Zeit reicht uns dafür. Und die Geschichten an sich möchte ich später noch hören, wir haben ja noch ein wenig Zeit zusammen, bis wir an unserem Ziel sind. Also los!“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und marschierte auf die Elfen zu.

Bearbeitet von Bellandyrs, 12 Juli 2012 - 05:57 .


#2883
Kaysallie

Kaysallie
  • Members
  • 1.082 Beiträge
„Ich werde nicht lange brauchen, keine Sorge. Aber fragen wir sicherheitshalber die beiden Damen dort drüben“, meinte Allie zu der Zwergin, während sie zusammen mit dieser in die Richtung der beiden Elfenfrauen ging. „Und macht Euch keine Gedanken wegen des Stabes. Dass es so viele verschiedene Geschichten darüber gibt, zeugt doch nur davon, dass das meiste davon bei den Haaren herbeigezogen ist. Vor Euch war der Stab bestimmt schon anderen unheimlich. Und über unheimliche Dinge redet und schreibt es sich nun mal gerne.“

Nur kurz, nachdem sie ihren Satz beendet hatte, blieben sie vor den beiden Elfen stehen. Diese hatten bereits ihre Blicke gehoben, als sie bemerkt hatten, dass jemand auf sie zukam.

„Seid gegrüßt. Ich störe euch ungerne bei eurer Arbeit, aber könntet ihr uns weiterhelfen, und uns verraten, wo der Hüter momentan zu finden ist?“ begrüßte Allie die beiden freundlich und verbeugte sich dabei auch leicht.

Die Ältere der beiden, der ihre blitzenden grünen Augen und ungekämmten feuerroten Haare ein arrogantes und temperamentvolles Aussehen verliehen, musterte Allie sowie auch Bella abschätzig. Die Brünette neben ihr wirkte wie eine unscheinbare Maus und sah auch ziemlich eingeschüchtert aus. Nach einer kurzen Denkpause ergriff die Rothaarige das Wort. „Können wir schon, aber wir wollen nicht“, sagte sie gehässig und sprach natürlich gleich für ihre schüchterne Freundin mit.

„Ich verstehe schon…“ Allie seufzte und begann in ihrer Tasche zu wühlen. Kurz darauf zog sie einen kleinen Beutel hervor und schnippte eine Silbermünze in die Richtung der rothaarigen Elfe. Gekonnt fing diese das Münzstück mit einer Hand auf. Die Brünette bekam bei dem Anblick große Augen, griff nach der Hand ihrer Freundin und starre gebannt auf das Silberstück, als hätte sie so etwas noch nie in ihrem Leben gesehen.

„Schön, wir sagen es dir… Aber erst musst du mir noch eine Frage beantworten“, meinte die Rothaarige zögernd. Sie schien von dem Geld jedoch weniger beeindruckt. „Wieso schnüffelt eine Magierin des Zirkels lieber in dem Dreck unserer Gassen herum, anstatt das Leben im Turm zu genießen? Ja, du trägst zwar die einfache Kleidung eines Shems, aber dein Auftreten und deine andere Ausrüstung, die du bei dir trägst, verraten dich.“

Allie sah die Elfe müde aus ihren grauen Augen an. Sie schien nicht verärgert, aber dennoch ein wenig überrascht über die Frage. Und sie wusste, dass es egal war, was sie sagen würde. Diese Frau war von Anfang an auf Streit aus, das hätte wohl auch ein Blinder erkannt. „Das würdet Ihr nicht verstehen…“ seufzte sie daher schließlich mit gesenktem Blick.

„Würde ich nicht!? Haltest du mich etwa dumm, nur weil ich keine besonderen Fähigkeiten habe, die mich aus diesem Drecksloch einfach herausschaffen und mir die Möglichkeit geben, lesen und schreiben zu lernen? Oh nein, ich habe mich geirrt. Du trägst nicht nur die Kleidung eines Shems, sondern bist auch noch genauso selbstgefällig wie die! Und weißt du was, dein blödes Geld brauche ich nicht!“ Sie war aufgestanden und hatte die Münze voller Zorn auf den trockenen, erdigen Boden geworfen. Danach hatte sie sich einfach abgewandt und war mit großen zornigen Schritten davongestapft. Die brünette Elfe war erschrocken aufgesprungen, um sich anschließend sofort auf den Boden fallen zu lassen, wo sie panisch im Staub wühlte, um das Silberstück wieder zu finden.

„Entschuldigt sie bitte!!“ überkam die junge Elfe dabei nun ein angstvoller Redeschwall. „Wir haben nur schon länger nichts gegessen. Der Hunger schlägt ihr aufs Gemüt. Der Hüter nennt die schöne Hütte beim großen Baum dort hinten sein Heim! Und Ihr könnt auch Euer Geld wieder haben. Hier! Da! Ich hab es gefunden! Aber bitte verwandelt mich nicht in einen Frosch!!“

Sie war vor Allie und Bella zitternd auf die Knie gefallen und verbeugte sich vor deren Füße so weit, dass ihr Kinn bereits den Boden berührte. Nur ihr rechter Arm war nach oben gestreckt, in welchem sie das Silberstück zittrig hielt, um es wieder zurückgeben zu können.

„Schon gut, ich nehme es ihr nicht übel“, sagte Allie ruhig und freundlich zu dem Mädchen. „Das Geld brauchst du mir nicht zurückzugeben, und auch wenn sie es gerade nicht wollte, so wird sie es mit anderen Augen sehen, wenn du darum etwas zu essen für euch kaufst und das dann vor ihr steht. Also los, steh schon vom Boden auf und geh.“

Vorsichtig hob die brünette Elfe den Blick, das Schlimmste erwartend. Als sie aber erkannte, dass ihr Allie und Bella wirklich nichts Böses wollten, setzte sie ein leichtes Lächeln auf und erhob sich überschnell vom Boden. „Danke Herrin!“ sagte sie dabei noch und rannte mit freudenstrahlendem Gesicht davon, das Silberstück dabei wie ein Heiligtum mit beiden Händen an die Brust gedrückt.

„Ich danke dir…“ erwiderte Allie noch leise, doch da war das Mädchen schon verschwunden. Zu Bella sagte sie nichts mehr, sondern setze sich gleich in Bewegung. Als ob man zu dieser Szene noch etwas hinzufügen müsse…

Sie marschierten an einigen eingefallenen Hütten vorbei, hin und wieder sah man einen oder mehrere Elfen direkt am Boden im Dreck sitzen und sie erstaunt anstarren. Allie versuchte die Blicke zu ignorieren, was ihr sichtlich schwer fiel, auch wenn sie bereits vorhin mit dem Anblick dieses Ortes konfrontiert wurde. Doch sie wusste, dass es unmöglich war, hier jedem ein Geldstück in die Hand zu drücken. Es dauerte nicht lange, da konnte man die Äste des großen Baumes bereits über die kleinen Dächer ragen sehen. Kurz blieben die beiden vor dem mächtigen Stamm dieser Pflanze stehen, welcher mit verschiedenen Schriftzügen und Handabdrücken versehen war. Doch auch der Baum schien schon bessere Tage gesehen zu haben. Die Blätter hingen schlaff herunter, der Boden war trocken und staubig.

Allies Blick ging zur Seite. „Ist das das Haus, von dem sie sprach?“ Die Elfe sagte vorhin etwas von ‚schön‘, weswegen Allie die Hütte etwas länger betrachtete, um erkennen zu können, was genau daran schön sein sollte. Für sie sah diese nicht wirklich anders aus, als alle anderen Bauten hier im Viertel. Sie trat zur Türe und klopfe kräftig an diese. Murmelnd hörte man so etwas wie ein ‚Ich komme gleich‘ durch das dünne Holz, ehe diese geöffnet wurde.

„Was kann ich für euch beide tun?“ fragte ein grauhaariger Mann, der nun im Türrahmen stand. Tiefe Falten unter seinen Augen verrieten sein hohes Alter, auch wenn er sonst noch recht jung erhalten schien. Seine Kleidung war zwar ebenso schmutzig, wie alles andere an diesem Ort, dennoch schien sie hochwertiger zu sein, als jene, in welche all die anderen Elfen hier gehüllt waren. Als sein Blick jedoch Allie erfasste, starrte er diese für einen zeitlosen Moment aus geweiteten Augen an, als würde ein Geist vor ihm stehen.

„Seid gegrüßt, ehrenwerter Hüter. Mein Name ist Kaysallie, Magierin des Zirkels und Mitglied des Ordens der Grauen Wächter. Das hier ist Bellandrys, ebenfalls Graue Wächterin. Wir sind momentan auf der Durchreise und haben daher bedauerlicherweise wenig Zeit zur Verfügung. Würdet Ihr uns gestatten, Euer Haus zu betreten. Ich würde Euch gerne ein paar Fragen stellen…“

„Magier… Wächter…“, murmelte der Mann mit großen Augen und wechselte, nachdem er einige Male geblinzelt hatte, den Blick mehrmals zwischen Allie und Bella. „Fragen… Haus… oh! Ja, natürlich!“

Er trat zur Seite und machte eine einladende Geste, woraufhin die beiden die Hütte betraten. Ein paar Kerzen sorgten neben dem Tageslicht, das durch einige kleine Fenster hereinströmte, für Helligkeit. In der Mitte des Raumes stand ein sehr niedriger Tisch, bei dem es nur einige plattgedrückte Kissen, die am Boden ausgebreitet waren, als Sitzmöglichkeit gab. Nur vier kleine Holzregale mit Geschirr zierten die brüchigen Wände und ein Eimer mit Wasser stand in einer Ecke, direkt neben einer großen schmutzigen Decke, die wohl als Bett diente.

„Bitte, setzt euch doch!“ lud der Älteste sie nun doch von sich aus zu etwas ein, schloss die Türe hinter sich und ging zu dem Wassereimer hinüber. Er holte drei Holzbecher aus dem Regal, füllte sie mit Wasser und stellte sie auf dem Tisch ab.
Allie musterte den Raum aus traurigen Augen, ehe sie seiner Einladung nachging und sich auf eines der Kissen am Boden setze. Es war alles andere als bequem, doch sie wollte nicht unhöflich erscheinen.

„Also, womit kann ich Euch behilflich sein?“ wandte sich der Hüter an die Magierin, als auch er es sich ‚bequem gemacht‘ hatte.

„Vielen Dank, dass Ihr uns empfangt. Ihr werdet Euch nicht an mich erinnern und es erscheint mir gerade irgendwie naiv, dass ich überhaupt hergekommen bin. Dennoch… ich wollte fragen, ob Euch der Name ‚Tahira‘‚ etwas sagt? Sie war …“

Der alte Mann verschluckte sich an dem Wasser, welches er gerade aus dem Becher trinken wollte, und musste kurz husten, weswegen Allie nicht weiter ausführte. Er klopfte sich ein paar Mal gegen die Brust und danach setzte er ein ziemlich schlechtes Lächeln auf.

„Wie? Tahira? Nein, den Namen habe ich noch nie gehört. Wieso kommt Ihr darauf, dass ich diese Person kennen sollte?“ Er schüttelte übertrieben den Kopf, als wäre diese Frage tatsächlich lächerlich, während er sich noch einmal räusperte und wieder aufstand. Er ging erneut zu den Regalen und schob einen Stapel voller Teller zur Seite, hinter welchem sich eine kleine Schnapsflasche befand. Diese zog er hervor und ging damit ein paar Schritte im Raum herum, während er versuchte diese zu öffnen. Der Korken steckte fest im Hals, weswegen er einige Male leise fluchte. Dabei mied er es seine Gäste anzusehen.

Mit misstrauischem Blick beobachtete Allie den alten Mann. Es war zu offensichtlich, dass er etwas zu verheimlichen hatte. Sie beschloss es noch einmal auf die nette Art zu versuchen, auch wenn sie bereits spürte, dass das Verhalten des Hüters leichten Zorn in ihr aufflackern ließ. „Sie war eine Elfe, die hier im Gesindeviertel gelebt hat. Und so weit ich unterrichtet bin, vertretet Ihr das Amt des Ältesten hier schon sehr lange… Ich hatte gehofft, dass Ihr sie vielleicht gekannt habt, oder wisst, wo ich sie finden kann…“

Der Hüter schien von den Worten unberührt, schaffte es schließlich die Flasche zu öffnen und machte einen kräftigen Schluck daraus. Danach holte er einmal tief Luft und setze sich wieder an den Tisch, sein Blick ging jedoch zur Seite und starrte aus einem der kleinen Fenster.

„Ich habe vor ein paar Jahren Briefe an Euch gesandt - da es mir als Magierin schließlich nicht gestattet war, den Turm zu verlassen - in denen ich dieser Frage bereits nachgehen wollte, doch jeder meiner Briefe blieb unbeantwortet…“, versuchte es Allie währenddessen weiter.

„Ich bekomme viele Briefe, mit irgendwelchen Namen, keine Ahnung, worauf Ihr hinauswollt“, erwiderte der Mann schließlich, machte noch einen Schluck aus der Flasche. Er vermied es weiterhin Allie anzusehen. „Und Ihr erwartet nicht ernsthaft, dass ich jeden Elfen hier beim Namen kenne? Ich bin zwar ihr Hüter, aber das Gesindeviertel ist größer als so mancher Dalish-Klan. Tagtäglich spazieren hier neue Elfen ein und aus, oder kommen angekrochen, weil sie Hilfe von mir benötigen, die ich ihnen, wie Ihr seht, nicht mit materiellen Dingen geben kann, sondern nur mit leeren Worten…“

„Ihr schweift ab…“ unterbrach Allie den Mann mit gedämpfter Stimme.

„Tu ich das? Wie dem auch sei, wenn Ihr sonst nichts mehr wissen wollt…“ Er deutete mit den Augen in Richtung Tür und machte nebenbei einen weiteren Schluck aus der Flasche, wobei es ihm leicht das Gesicht verzog. Es schien, als würde er nicht sehr oft trinken.

Allie starrte den Elfen am anderen Ende des Tisches finster an. Sie würde garantiert nicht aufstehen und diesen Raum verlassen, ehe sie nicht eine ehrliche Antwort von diesem Mann erhalten hatte, das konnte man aus ihren funkelnden Augen lesen. Unruhig klopfte bereits einer ihrer Finger auf der Tischoberfläche, um sich selbst zu beruhigen, und es schien, als würden sich die Flammen der Kerzen dem gleichmäßigen Takt anschließen und jedes Mal leicht aufflackern, wenn ihr Finger das Holz berührte.

Bearbeitet von Kaysallie, 17 September 2012 - 12:01 .


#2884
Bellandyrs

Bellandyrs
  • Members
  • 1.091 Beiträge
Bella musste sich ein helles Auflachen verkneifen, als die Elfe Allie anflehte, sie nicht in einen Frosch zu verwandeln. Wüsste sie es nicht besser, hätte sie wohl auch ähnliche Ängste gegenüber Magiern. Aber sie hatte die Erfahrung gemacht, dass die Zauberkundigen entweder ihre Kräfte nicht für solchen Firlefanz vergeuden wollten, oder aber, dass es einen solchen Zauber gar nicht gab. Sie hatte eine Formwandlerin gekannt, und diese hatte sich wenn dann in etwas mächtigere Tiere, als ein Frosch es war, verwandelt.
Aber das Verhalten der rothaarigen Elfe hatte sie doch erstaunt. Die Elfen waren eher bekannt dafür, dass sie zwar ein stolzes, aber eher scheues und wenn dann hilfsbereites Volk waren.
Als die Zwergin zu Zeiten der Verderbnis in Denerim war, hatte sie allerdings nicht viel im Gesindeviertel zu schaffen, geschweige denn, mit dem Volk zu tun. Aber der Anblick der mageren Männer und Frauen, die auf den verdreckten Wegen saßen, war ihr noch gegenwärtig.

„Nun, es ist zumindest die Hütte, die ich gemeint hatte“, antwortete Bella ihrer Freundin. Kurz darauf betraten sie das Heim, wobei sich Bella zum Gruß nur leicht verneigte und ansonsten im Hintergrund hielt. Es war ihr nicht entgangen, wie der alte Mann sie beide angestarrt hatte. Kannte er Bella etwa? Hatte sie damals mit ihm zu tun? Grübelnd zog sie die Augenbrauen zusammen, denn das Gesicht des Hüters kam ihr durchaus bekannt vor. Nur in welchen Zusammenhang sie das alles bringen sollte, war ihr unklar.

Sie setzte sich schweigend neben Allie auf eines der Kissen und betrachtete den Ältesten genauer, achtete auf seine Augen, seine Gestik und seine Worte. Sie sah Allies misstrauischen Blick und stimmte ihr zu, indem sie ihren Kopf nur ein klein wenig nach unten senkte, um zu nicken, als der Hüter ihnen den Rücken kehrte und sich aus dem Regal etwas holte. Bella hatte ihre Hand inzwischen an den Dolchgriff gelegt, man konnte nie wissen, was der alte Mann zwischen den Brettern hervorzog. Vorsicht war die Mutter der Porzellankiste, dachte sie bei sich.

Am liebsten wäre sie aufgesprungen und hätte den Ältesten am Kragen geschüttelt, um die Informationen, die Allie haben wollte, aus ihm heraus zu holen. Wovor hatte er Angst? Sein ganzes Verhalten irritierte nicht nur ihre Begleiterin. Sie räusperte sich leise.

„Ich hatte Euren Namen zuvor nicht verstanden, entschuldigt bitte, Hüter. Ich bin Bellandrys, Grauer Wächter, habe in Denerim gegen den Erzdämon gekämpft, und gesiegt. Soweit ich mich erinnern kann, tobte genau im Gesindeviertel ein heftiger Kampf gegen die Generäle der Brut, die erst da geschlagen war, als der Dämon seine Seele aushauchte. Gut, dass das Viertel nicht ganz zerstört wurde, nicht wahr?“ Sie machte eine kleine Pause, um die Schrecken nicht zu sehr in Erinnerung zu rufen. „Und ich meine mich zu erinnern, dass der Hüter sehr wohl die Leute seines Viertels gekannt hatte. Es wäre wirklich sehr nett, wenn Ihr meiner Begleiterin ihre Fragen beantworten würdet. Immerhin gebt Ihr mit leeren Worten Hilfestellung, wie Ihr soeben betont habt, und nicht mit materiellen Werten. Würde denn etwas dieser materiellen Art Eure Zunge lösen?“

Sie musste an sich halten, dass sie halbwegs höflich blieb. Die Zeit drängte schließlich. Als sie daran dachte, fiel ihr Jule ein. Ihr konnte zu Lebzeiten auch nie alles schnell genug gehen. Ein wehmütiges Lächeln umspielte dabei ihre Lippen.

#2885
Kaysallie

Kaysallie
  • Members
  • 1.082 Beiträge
„Mein Name? Oh verzeiht, ich bin heute wohl etwas durch den Wind“, meinte der Hüter zu der Zwergin. Dass er hier die Wahrheit sprach, erkannte man deutlich an dem verwirrten Funkeln in seinen Augen. „Mein Name ist Valendrian und an die Schlacht, die hier tobte, werde ich jede Nacht in meinen Träumen erinnert und bei Tage, wenn ich auf die Straßen unseres Viertels blicke. Ihr müsst verstehen, dass sich hier seitdem einiges geändert hat. Viele meiner Brüder und Schwestern haben an diesem Tag ihr Leben gelassen und aufgrund der hohen Zahl an Verlusten, die diese Stadt erlitten hat, konnten wir sie nicht einmal ehrenvoll bestatten, so wie es die Ahnen gewollt hätten…“

Er nippte ein weiteres Mal an der Schnapsflasche, sein Gesicht verzog sich nicht mehr zu einer solch hässlichen Fratze, wie noch zuvor. Er schien sich langsam an den bitteren Geschmack gewöhnt zu haben. „Entschuldigt, ich schweife wieder einmal ab. Graue Wächter… das erwähntet Ihr vorhin bereits, doch wollten meine Sinne es nicht wahrhaben. Ich zähle die Wächter schon seit geraumer Zeit zu unseren Verbündeten… Es ist immer wieder bedauerlich, dass mein guter Freund Duncan sein Leben lassen musste. Er war immer davon überzeugt gewesen, dass die größten Talente oftmals auf den abscheulichsten Orten von Thedas das Licht der Welt erblicken.“

Ein schmales, schwer zu deutendes Lächeln legte sich nun auf seine Lippen und er musterte erst Bella kurz, ehe sein Blick zu Allie wanderte und auf der Elfe haften blieb. Der Alkohol schien seine Nerven etwas beruhigt zu haben – oder ihn dies zumindest glauben zu lassen.

„Ja, ich kannte Eure... Mutter…“, wechselte er mit rauer Stimme urplötzlich das Thema. Allies Augen weiteten sich ein wenig. Sie hätte nicht mehr mit einem solch schnellen Sinneswandel des Hüters gerechnet. Für einen kurzen Moment schien jegliches Leben aus dem kleinen Raum gewichen zu sein, wohl, da das Herz der Magierin für diesem Zeitraum aufhörte zu schlagen und das Kerzenlicht wie verzaubert sein natürliches Flackern einstellte, als hätte es ein Frosthauch erstarren lassen, ohne ihm dabei das Licht zu stehlen.

„Sie war eine bezaubernde Frau, die mit ihrem Lächeln sogar in unsere trostlosen Gassen Freude brachte“, fuhr der Hüter mit wehmütiger Stimme fort, das Lächeln wich nach und nach wieder aus seinem Antlitz. „Doch sie hat das Viertel bereits vor einigen Jahren verlassen. Einer dieser Shems hat sie sich zur Frau genommen und mit auf sein Land genommen. Wie absurd, nicht wahr?“

Er führte die Schnapsflasche ein weiteres Mal zu seinem Mund. Dieses Mal jedoch nahm er einen sehr kräftigen Schluck, der ihm wieder einmal das Gesicht verziehen ließ vor Ekel. Anschließend holte er einmal tief Luft, fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht und wischte sich damit den Schweißfilm von der alten und schmutzigen Haut. „Ich hätte wissen müssen, dass dieser Tag einmal kommen wird. Wo sind nur all die Jahre hin verschwunden? Nun gut, ich werde Euch erzählen, was vorgefallen ist…“
__

Laut polterte es gegen die Tür, doch der starke Regen, der stürmisch auf das Dach prasselte, ließ das heftige Klopfen nur wie ein Flüstern erscheinen. „Mach die Tür auf Vale, ich weiß, dass du zu Hause bist!“ ertönte dumpf eine aufgebrachte Frauenstimme am anderen Ende der Holzplatte. Doch nichts regte sich. Immer heftiger schlug sie mit der Faust gegen das Holz, sodass ihr Handrücken bereits wund geworden war, und als sie schließlich kurz davor stand die Hoffnung aufzugeben, hörte sie leise Schritte und wie kurz darauf mit klackendem Laut das Schloss geöffnet wurde. Knarrend schwebte die Tür zeitlupenartig nach innen auf und die Finsternis im Inneren des Raumes verschluckte das Gesicht der Gestalt, welche sie geöffnet hatte.

„Was willst du?“ fragte eine Männerstimme emotionslos.

„Darf ich reinkommen?“ flehend fixierten die Augen der Frau die Stelle, an welcher sie ein Gesicht erahnte. „Ich möchte mit dir darüber reden!“

Der Mann zögerte, zuckte schließlich leicht mit den Schultern und machte ohne weitere Bemerkungen wieder kehrt. Die Frau ergriff die Gelegenheit und huschte fast schon panikartig, wenn auch mit einem Seufzen der Erleichterung verbunden, in das kleine Haus. Mit einer Hand schloss sie die Türe hinter sich. Ihr Atem ging stoßweise und das Regenwasser floss in Rinnsalen über ihr blasses Gesicht, tropfte von ihren durchnässten Kleidern und langen brünetten Haaren auf den Holzboden. Ihre Augen formten sich zu dünnen Schlitzen, als sie versuchte etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Nur schemenhaft konnte sie die Einrichtung erahnen, aber eigentlich wusste sie genau, wo sich diese befand. Schließlich hatte sie dieses Haus schon sehr oft betreten.

Genau in diesem Moment flackerte eine kleine Flamme auf, die das Gesicht ihres Gegenübers für einen zeitlosen Moment erhellte, sodass sie deutlich dessen Ausdruck erkennen konnte, der ihr einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagte und ihr den Magen beinahe umdrehte. Doch nur einen Herzschlag später verschwand das Antlitz des Elfs wieder in der Finsternis, und die kleine Kerze erleuchtete lediglich den niederen Tisch, auf welchem sie abgestellt wurde und zog hässliche Schatten an die Innenwände des Hauses, die ihr eine weitere Gänsehaut bereiteten.

„Also, was willst du mir sagen, Tahira?“ brach tonlos die Stimme des Mannes das Schweigen.

„Ich will, dass du es verstehst!“ meinte die Elfe in einem harscheren Ton, als sie eigentlich gewollt hatte. Ein leises Quengeln ertönte daraufhin. Sie senkte ihren Blick leicht verwirrt. Für einen kurzen Augenblick hatte sie vergessen, dass sie ihr gerade mal ein paar Wochen altes Kind im Arme trug. Vorsichtig, mit zitternden Händen, streifte sie dem Säugling die durchnässte Decke aus dem Gesicht und begann das Kind tröstend im Arme zu wiegen.

„Was soll ich daran noch verstehen? Du hast mich belogen, all die Monate! Nein, vielleicht hast du mich sogar davor schon belogen…“, ergriff die Männerstimme erregt das Wort.

„Das ist nicht wahr!“ Tränen bildeten sich in ihren Augen. „Du weißt, dass das, was ich für dich empfunden habe, keine Lüge war! Wie kannst du so etwas nur behaupten...“

„Du hast mich glauben lassen, dass ich der Vater von diesem Gör bin, obwohl du genau wusstest…“

„Ich wusste es nicht!“ unterbrach sie ihn. „Wie hätte ich es denn wissen sollen!? Jeder hätte der Vater sein können, doch mit keinem anderen Elf habe ich so viel Zeit verbracht, wie mit dir…“

„Ich habe dir oft genug Unterstützung angeboten, damit du dich nicht mehr diesen Shems hingeben musst, und das weißt du ganz genau!“ protestierte er.

„Ich will aber nicht auf dein Geld angewiesen sein!“

„Aber vor dem Geld von irgendwelchen Shems schreckst du nicht zurück?“

„Es sind nicht mehr irgendwelche Shems… Auch sie sind nicht alle gleich.“

Eine drückende Stille lastete nach diesem Satz in dem kahlen Raum, welche eine Ewigkeit anzudauern schien. Tahira wusste nur, dass noch Leben in ihren Gliedern war, da sie den stechenden und gebrochenen Blick des Elfs wie Nadelstiche in ihrem Herzen spüren konnte, obwohl sie sein Gesicht nach wie vor von der Finsternis verschluckt war.

„Was soll das heißen?“ wagte Valendrian mit zittriger Stimme zu fragen, auch wenn er die Antwort eigentlich bereits kannte. Vielleicht wollte er aber auch nur wieder Schall in den kahlen Raum bringen, oder einfach nur wissen, dass sein Geist dessen fleischliches Gefängnis eines verletzbaren Körpers noch nicht verlassen hatte.

„Ich denke, ich weiß, wer ihr Vater ist…“, versuchte Tahira der Frage ein wenig auszuweichen - was ihr nur ansatzweise gelang. „Sie hat dieselben Augen und Gesichtszüge wie er... Und ich werde dafür sorgen, dass er es erfährt und…“

Valendrian brach in schallendes Gelächter aus und sie stockte, wobei ihr ein weiteres Mal der Herzschlag versagte. Dieses Mal jedoch vor purer Scham. „Und du glaubst, dass irgendein Shemlen ein Bastardkind untergejubelt haben möchte, von irgendeiner Hure aus dem Gesindeviertel?“

Die Worte trafen wie hartes und kaltes Blei an die spitzen Ohren der Elfe und wie ein spitzer Pfeil durchbohrten sie ihre zarte Haut und verätzen ihren Körper mit einem Anflug von Wut – vor allem auf sich selbst. Sofort wandte sie sich um, währenddessen ihr Kind im Arme wiegend, mehr wie eine Maschine, als wie ein lebendiges Wesen, ohne jegliches Gefühl von Zuwendung oder Wärme.

„Kaum zu glauben, dass ich etwas wie dich einmal geliebt habe!“ waren die einzigen Worte, die der Zorn noch über ihre trockenen Lippen gelangen ließ, als sie ihre dürren Finger nach dem Türgriff ausstreckte.

„Oh ja, geh nur, aus unserem Gespräch bin ich um so vieles schlauer geworden!“ prustete Valendrian noch außer sich und schüttelte fassungslos den Kopf. Seine Meinung war gespalten. Sollte er sie nun so einfach gehen lassen? Oder sollte er sie aufhalten und nach weiteren Antworten suchen? Oder hatte er diese nicht eigentlich bereits erhalten? Dennoch... es könnte so einfach sein. Er müsste nur durch den Raum gehen, seine Hand ausstrecken und sie aufhalten... sie zu sich drehen und festhalten. Er wusste, dass sie nicht lügen konnte, wenn er ihr direkt in die Augen sah. Aber wahrscheinlich war dies genau das, was er nicht konnte...

„Ich… ich bekomme die Türe nicht auf!“ riss ihn Tahiras süße und gleichzeitig schrille Stimme aus seinen abwegigen Gedanken, noch ehe er eine Entscheidung treffen konnte. Verwirrt blinzelte er, um zurück in die Realität zu finden. Die Tür war doch nicht abgeschlossen?

Valendrian zögerte einen Moment, ehe er mit einem sichtlich genervten Stöhnen zu der Elfe hinüber ging, wobei er sie keines Blickes würdigte. Fest umschloss er mit seiner Hand den Türgriff, drückte diesen nach unten und zog daran, fester als es eigentlich hätte nötig sein sollen. Aber nichts regte sich und verärgerte Falten legten sich auf seine Stirn. Er rüttelte weitere Male daran, drehte sogar an dem Schlüssel, aber die Tür war, wie er angenommen hatte, nicht abgesperrt, und dennoch tat sich nichts. Klemmte sie? Wie konnte das sein? Spielte ihm Tahira einen Streich? Wollte sie ihn noch mehr veralbern, als sie es nicht ohnehin schon getan hatte!?

„Was… Was geschieht hier!?“ ertönte plötzlich die Stimme der Elfe zittrig und erschrocken neben ihm, was ihn nun dazu zwang, zu ihr hinüber zu blicken. Und was er da sah, ließ seinen Zorn vergessen und seine Glieder für einen kurzen Moment zu Eis gefrieren.

Tahiras kalkweise Haut bebte, ihre Lippen vibrierten vor Schreck und ihre Augen schienen zu brennen, als würde darin ein Fegefeuer lodern. Doch spiegelten sie nur etwas wider, etwas, worauf ihre Pupillen gerichtet waren, ohne dabei auch nur ein einziges Mal den Anblick durch ein Blinzeln zu stören... Valendrian war ihrem Blick gefolgt. Dem Blick auf die qualmenden, heißen Flammen, die sich in dem kleinen Raum ausbreiteten wie die Pest. Doch war dies nicht das Erschreckende, nicht das, was seine Glieder zu kaltem Stein werden ließ...

„Schnell, wir müssen hier raus!“ schrie Valendrian außer sich, als die näher kommende Hitze und der Qualm den Schock zu Rauch auflöste und einen eigenartigen Rausch durch seine Adern jagte. Hastig griff er nach einem kleinen Schemel und schlug damit die Glasscheibe eines Fenster ein. Klirrend wirbelten tausende Splitter durch die Luft, wobei sie das Licht des Feuers widerspiegelten wie ein Feuerwerk. Unmittelbar danach packte er Tahira am Arm und drängte sie zu dem zerbrochenen Fenster. Er spürte die Gegenwehr der Elfe, doch sie ließ es mit sich geschehen und kletterte durch die kleine Öffnung. Valendiran folgte ihr und eilte der Elfe nach.

Erst als sie einige Meter von dem Haus entfernt waren, wandten sie sich völlig außer Atem um und betrachteten die qualmende, brennende Hütte, die wenige Augenblicke später in sich zusammenbrach. Der starke Regen war inzwischen nur noch zu einem Nieseln geworden.

Hastig ging der Brustkorb der beiden auf und ab und für einige zeitlose Lidschläge starrten sie gebannt an die Stelle, an welcher sich eben noch Valendrians Haus befunden hatte. Der Blick des Elfs ging schließlich zur Seite und er fixierte das Mädchen, das Tahira im Arme trug. Es weinte nicht, kreischte nicht, hustete nicht. Es lächelte, voller Zufriedenheit. Doch war dies das Geringere, das ihn in Unruhe wägte.

„Sie… sie ist…“ der Elf brachte die Worte nicht über die Lippen.

„Wehe du erzählt jemanden davon!“ fauchte die Mutter ihn an, noch ehe er die Möglichkeit bekam zu Ende zu sprechen.

„Tahira, das Kind ist gefährlich, du solltest…“, versuchte er es behutsam aber auch eindringlich.

„Schweig still!!“ unterbrach sie ihn harsch. „Ich werde mein Kind nicht weggeben! Wie kannst du so etwas von mir nur verlangen!“

„Sie hätte uns beinahe umgebracht! Verstehst du das denn nicht!?“ raunte er ihr ein weiteres Mal zu. Doch die Elfe antworte nicht mehr darauf, sondern wandte sich einfach von Valendrian ab und verschwand in der Dunkelheit, irgendwo in den Gassen des Gesindeviertels von Denerim. Valendiran blickte ihr noch eine Weile verständnislos und zornig nach, ehe sein Blick zurück zu der Stelle ging, an welcher seine Hütte gestanden hatte, und Verzweiflung und Hass machten sich in ihm breit. Doch die Flammen, die eben noch loderten, waren wie von Zauberhand verschwunden, und nur ein Trümmerhaufen erinnerte daran, dass diese überhaupt existiert hatten.

__

Der Hüter leerte die Flasche mit einem letzten Zug, als er seine Erzählungen beendete.

„Was ist dann geschehen?“ Allie sprang vom Kissen auf, ihre Handflächen dabei auf den Tisch pressend. „Was habt Ihr getan?“

Der Hüter antwortete nicht, sein Blick alleine genügte, um der Elfe die Antwort zu liefern. „Ihr… Ihr wart es!? Ihr habt den Templern geschrieben, ist es nicht so?“

„Ich habe getan, was ich tun musste“, erwiderte er erstaunlich kühl, doch seine glasigen Augen zeigten, dass dies nur eine Fassade war. Eine Fassade, welche die Magierin gerade nicht durchblicken konnte.

„Oh nein, das habt Ihr nicht! Ich habt es nur getan, weil sie sich in einen Menschen verliebt hatte, anstatt bei Euch zu bleiben. Es war ein reiner Akt der Rache und Eifersucht. Nur deswegen kam ich so früh in den Turm… früher als jedes andere Kind…“, sie hielt einen Augenblick inne, ehe sie den Mann mit hasserfüllter Miene fixierte. „Und nur deswegen bleiben alle meine Briefe unbeantwortet…“

„Ich bin nicht stolz auf das, was ich getan habe!“ nun war auch Valendrian aufgestanden – wobei er aufgrund des Alkohols kurz schwankte.

Allie atmete lange und tief ein uns aus, um sich selbst zu beruhigen. Sie wusste, dass sie nicht die Kontrolle über sich selbst verlieren durfte. Der Zorn kitzelte bereits in ihren Fingern. Weiter durfte er sich nicht ausbreiten.

„Ich hätte nicht hier her kommen sollen...“, meinte sie sichtlich gefasster. „Sagt mir jedoch noch eines...“ Sie atmete erneut tief durch und begann in dem Raum auf und ab zu gehen – soweit dies eben möglich war – und wischte sich etwas Schweiß von der Stirn. Schließlich blieb sie wieder stehen und starrte durch ein kleines Fenster nach draußen. „Was habt Ihr in den Flammen gesehen?“

Der Hüter schwieg. Bewusst hatte er diese Stelle nicht erzählt. Er hatte gehofft, sie würde nicht nachfragen.

„Los, sagt schon!“ fuhr sie ihn harsch an und er zuckte innerlich zusammen.

„Ein... einen Dämon“, brachte der alte Mann schließlich über die Lippen. Und er bereute im selben Augenblick, es gesagt zu haben. Doch die Elfe schwieg und ihr Blick verriet nicht, was nun durch ihren Kopf ging. Schließlich wandte sie sich einfach um und ging zur Türe. Dort angekommen drehte sie sich noch einmal in seine Richtung.

„Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft“, meinte sie mit einem ironischen Unterton, der kaum überhört werden konnte, wobei sie sich leicht verbeugte. Eine höfliche Gestik, die ihr gelehrt wurde, die sie selbst jetzt nicht ablegen konnte. Ihr Blick ging zu Bellla hinüber. „Lasst uns zurück zum Schmied gehen, wir haben lange genug hier verweilt.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, griff sie nach dem Türgriff und verließ das schäbige Haus.

„Wartet!“ rief der Hüter zu Bella, die der Elfe nacheilen wollte. Er huschte etwas benommen zu einer kleinen Kiste, die in der Ecke neben dem Eimer stand und begann darin wie ein Wahnsinniger zu wühlen. Schließlich zog er einige Pergamentrollen und diverse andere Zettel hervor. „Hier… gebt ihr die Dokumente, wenn sie sich wieder beruhigt hat. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber … dies ist alles, was ich tun kann.“

#2886
Bellandyrs

Bellandyrs
  • Members
  • 1.091 Beiträge
Bellas Haltung entspannte sich ein wenig, als der Hüter dann doch mit normaler Stimme weiter sprach, sich vorstellte und von den Erinnerungen an die Schlacht erzählte.
Sie lehnte mit dem Rücken gegen eine Wand, das rechte Bein angewinkelt, so dass sie sich mit der Fußsohle auch an der Wand abstützte und lauschte dem, was der Elf zu erzählen hatte.
Beinah hätte sie das Gleichgewicht verloren, als er Allie verkündete, dass diese Person, nach der ihre Freundin gefragt hatte, ihre Mutter war. Aber sie fing sich schnell wieder. Es war nur natürlich, dass die Wächterin Nachforschungen anstellen wollte, wenn sie schon mal in Denerim war. Ob sie wohl auch Jules Verwandte ausfindig machen konnten? Diesen Gedanken verwarf die Zwergin jedoch sofort wieder, sie hatten schließlich nicht viel Zeit. Zudem war sie sicherlich nicht die richtige Person dafür, schlechte Neuigkeiten zu übermitteln. Was sollte sie auch sagen? „Guten Tag, mein Name ist Bellandrys, Grauer Wächter, Gefährtin von Jule und ich muss Euch leider mitteilen, dass diese nicht mehr unter uns weilt?“ Sie schüttelte den Kopf. Ausgeschlossen.

Mit wachsender Spannung verfolgte sie die Geschichte, die der Hüter zu erzählen hatte. Ihr Herz zog sich zusammen vor Mitleid. Wie sehr hatte diese Frau wohl Valendrian enttäuscht? Aber auch umgekehrt? Wieso musste nur jedes halbwegs intelligente Lebewesen mit zwei Beinen auf seinen Stolz beharren? Wie wäre das Leben der beiden verlaufen, wenn sie einander verziehen hätten? Aber sich über die Vergangenheit Gedanken zu machen, hatte keinen Zweck, diese ließ sich schließlich nicht mehr ändern. Man konnte nur daraus lernen und für die Zukunft besser machen. Dennoch musste Bella leicht schmunzeln, als sie den Urheber des Feuers als Allie erkannte. Ihre Freundin konnte ihr beherrschendes Element nicht verleugnen.

Dennoch ging sie einen Schritt auf Allie zu, als diese zornig aufsprang. Sie durfte nicht zulassen, dass sich ihre Gefährtin im Eifer des Gefechts zu etwas hinreißen ließ, was sie anschließend bereute. Allerdings hatte sie keinerlei Möglichkeit, irgendwelche beruhigenden Worte oder Gesten zu finden, da die Elfe wie von der Tarantel gestochen im Raum auf und ab wanderte.

Schließlich verabschiedete sich Allie vom Hüter, und Bella suchte gerade Worte, um sich ein wenig für Allies Ausbruch zu entschuldigen, als Valendrian ihr zurief, sie möchte warten und ihr kurz darauf einen Stapel Pergamente in die Hand drückte.

Die Zwergin nickte ihm zu, verstaute die Dokumente sorgfältig in ihrer Hüfttasche und blickte ihm in die Augen. Was sie darin sehen konnte, war Trauer und Reue.
„Das werde ich tun. Habt Dank, Hüter. Mögen die Götter noch lange mit Euch sein und Euch Gesundheit schenken.“
Mit diesen Worten verließ auch sie die ärmliche Hütte und eilte Allie nach, welche schon ungeduldig auf sie wartete.
„Es tut mir leid, Allie“, war alles, was sie zu ihrer Freundin sagen konnte. „Wie geht es Euch nun, wo Ihr etwas über Eure Vergangenheit herausgefunden habt?“ wollte die Zwergin dann dennoch wissen. Vielleicht würde Allie alles unter einem anderen Standpunkt betrachten, wenn sie über ihre Gedanken und Gefühle sprechen konnte. „Konntet Ihr etwas mit der Aussage anfangen, dass er einen Dämon im Feuer sah?“

#2887
Bellandyrs

Bellandyrs
  • Members
  • 1.091 Beiträge
Am selben Tag - Vormittag in FallRemnon:
--------------------------------------------------------------

„Theoderich!“ rief Thjaldor lauthals und schwenkte ein Pergament in der Hand, während er mit schnellen Schritten zu der kleinen Kammer lief, in der sein Cousin normalerweise seine Entwürfe skizzierte. Seit dem Aufbruch der Armeen aus FallRemnon hatte er diesen in der Werkstatt kaum noch gesehen. Theoderich hatte sich in diesem Raum eingegraben, skizzierte und zeichnete wie ein Wahnsinniger ohne dass etwas brauchbares dabei war, aß kaum etwas, trank dafür ein wenig mehr. Kurzum, Theoderich hatte seine ganze Lebenslust verloren. Wie sollte es auch anders sein, wo seine ganze Sorge in erster Linie Bella galt, und gleich darauf ihren Gefährten. Thjaldor überlegte, wann er seinen Vetter das letzte Mal hatte lachen sehen, aber es wollte ihm kein Moment einfallen. Es musste vor Äonen gewesen sein.

Lautstark klopfte er gegen die Tür, welche verriegelt war. Thjaldor machte sich ohnehin schon genug Sorgen, aber eine versperrte Tür war bisher noch nicht vorgekommen.
„Theoderich!“ rief er abermals, eine Spur lauter und wütender. „Mach sofort diese verdammte Tür auf, bei allen Paragons!“

„Lass mich in Ruhe“, brummelte unfreundlich eine Stimme aus dem Inneren der Kammer.

Thjaldor seufzte innerlich auf. Er war völlig ratlos, wie er Theoderich aus seiner Lethargie reißen konnte, aber er war zuversichtlich, dass dieses Stück Pergament, welchem die Spuren seiner Reise anzumerken war, vielleicht wieder etwas Lebensmut einflössen würde.
„Mach endlich auf, oder ich trete das vermaledeite Ding ein“, drohte er. „Ich habe hier etwas für Dich“, versuchte er, den Zwerg neugierig zu machen.

Er hörte, wie der Stuhl über die Holzdielen schabte und kurz darauf etwas polterte, begleitet von einem leisen Fluch. Dann vernahm er schlurfende Schritte, und letztendlich das Geräusch, wie die Tür entriegelt wurde. Erleichtert sah er, wie diese einen Spalt breit geöffnet wurde, erschrak aber sogleich, als er Theoderich erblickte. Der Zwerg war aschfahl im Gesicht, hatte dunkle Ringe unter den Augen, das Weiße in den Augen war eher rot, der sonst so gepflegte Bart stand in alle Himmelsrichtungen davon und seine Haare waren völlig zerzaust.

„Wenn es nur ein Auftrag von so einer reichen Adelstante ist, kannst Du Dich sofort wieder schleichen“, knurrte Theoderich seinen Cousin an. „Ich leide unter einer kreativen Blockade.“

„Ja, welche Du mit genug Bier versuchst, wieder auf die Beine zu bringen“, antwortete Thjaldor tadelnd. „Hier, ein Brief für Dich, der Inhalt dürfte Dich interessieren.“

Wortlos nahm der Zwerg das Pergament entgegen, öffnete die Tür noch einen weiteren Spalt und zeigte mit einer eher abwertenden Geste an, dass sein Cousin eintreten durfte. Dieser nahm die Einladung an und blickte auf einen Haufen zerknüllter Pergamentbögen auf den Boden. Unschlüssig blieb er einfach vor dem Schreibtisch stehen.
Bevor Theoderich einen Blick auf den Inhalt warf, schlurfte er müden Schrittes zurück zu seinem Stuhl, schenkte sich einen neuen Humpen Bier ein und setzte sich letztlich hin, wobei er einen großen Schluck von dem Gebräu nahm. Es interessierte ihn herzlich wenig, wer oder was da geschrieben hatte, und das einzige, wovor er Angst hatte, war, dass ihm mitgeteilt wurde, dass Bella gefallen war. Theoderich hatte sehr wohl bemerkt, dass bereits einige Soldaten zurück gekehrt waren, darunter Wagenladungen mit Verletzten und schwer Verwundeten, aber er hatte nie den Mut, jeweils danach in die Lazarette zu gehen, um seine Bekannten zu suchen.

Er rülpste laut, legte seine Füße auf den Schreibtisch und lehnte sich zurück. Dann entrollte er umständlich das Schreiben, aber noch bevor er die erste Zeile gelesen hatte, schwang er seine Beine vom Tisch und setzte sich aufrecht hin, alle Fasern seines Körpers vibrierten vor Aufregung. Theoderich hatte Bellas Handschrift erkannt.

„Das … das ist von Bella“, stotterte er, trank noch einen Schluck zur Beruhigung seiner Nerven, aber das Zittern seiner Hände, dank der Aufregung, konnte er dennoch nicht unterdrücken.

"Mein lieber Freund“, begann er zu lesen. „Du wirst Dich wundern, wieso ich nicht mit dem Heer zurückkehre. Unsere Mission führt uns zurück nach Ferelden, und Eile ist geboten. Es gibt einige Verluste in unserer Gruppe zu vermelden: Jannis und Theron sind gefallen. Jule hat eine Auspeitschung nicht überlebt. Lyna ist schwer verletzt und wird wohl in den besten Händen sein. Dafür sind zwei neue dazu gestoßen.
Ich melde mich, wenn dies alles vorüber ist - sofern ich das ganze überlebe. Dann werde ich vorerst zurück nach Orzammar gehen, und von dort aus wirst Du Nachricht erhalten. Ich hoffe, bei Dir ist alles in Ordnung, und Deine Geschäfte laufen.
Behalte mich in Erinnerung. Deine Freundin - Bellandrys".

Alles Blut war ihm aus dem Gesicht gewichen, sein Herzschlag hatte einige Takte ausgesetzt. „Sie lebt“, flüsterte er, mit Tränen der Dankbarkeit in den Augen. Wie musste es ihr gehen, ihr Liebster war gefallen, ihre Freundin war tot, überall Verluste… Zärtlich drückte er das Schreiben gegen seine Brust, als würde er Bella selber in die Arme nehmen. Kurz schloss er die Augen, sah sie vor sich, mit funkelnden lachenden Augen, all die kleinen Momente des Glücks fühlte er deutlicher als je zuvor.

Er öffnete die Augen wieder und ein breites Lächeln machte der verbitterten, traurigen Miene von zuvor Platz. Theoderich rannte beinahe auf Thjaldor zu, umarmte auch diesen und drückte ihm voller Übermut einen Schmatz auf die Backe.
„Was stehst Du hier rum?“ fragte er im scherzenden Ton. „Los, an die Arbeit, wir fertigen alle Aufträge so schnell wie möglich und liefern aus. Dann packen wir unser Hab und Gut und verlassen diese Stadt. In spätestens drei Wochen brechen wir auf.“

Thjaldor war froh, seinen Cousin wieder guter Dinge zu sehen, aber mit solch einer Euphorie hatte er nicht gerechnet, geschweige denn mit soviel Tatendrang. „Aha“, meinte er deswegen nur lapidar. „Und wohin führt uns unser Weg?“

„Nach Orzammar“, grinste Theoderich. „Zurück in die Stadt unserer Vorväter.“

Der andere Zwerg schüttelte lediglich den Kopf und zuckte die Schultern. Erschüttern konnte ihn diese Aussage kaum, dennoch konnte er sich einen Einwand nicht verkneifen. „Und Du glaubst, die lassen uns so einfach in ihre Stadt? Wir sind als Oberflächen-Zwerge geboren, schon vergessen?“

„Nein, das habe ich nicht vergessen“, entgegnete Theo. „Aber wir haben Bellas Sachen. Sie werden uns hineinlassen. Und jetzt komm, bevor wir arbeiten, sollten wir etwas vernünftiges Essen.“

So kam es, dass sich die beiden Goldschmiede kurz darauf in einer Taverne wieder fanden, vor sich jeweils einen dampfenden Teller mit knusprigem Wildschweinbraten, feiner würziger Sauce aus Wacholderbeeren und Lorbeerblättern, und dazu eine riesige Portion geröstete Kartoffeln.

#2888
Kaysallie

Kaysallie
  • Members
  • 1.082 Beiträge
Allie war einige wütende und schnelle Schritte von dem Haus weggestapft, nachdem sie es verlassen hatte. Schließlich blieb sie jedoch stehen, als ihre Gedanken zu kreisen begannen. Vorerst um eine einzige Sache, später um eine andere, die weitaus prekärer war.

Sie erinnerte sich zurück an jenen Moment, der die Frage, die sie hier her geführt, erst wieder hatte aufkeimen lassen. Geboren im Chaos, das die Pferde in Unruhe ausarten ließ, als sie sich auf der Reise in die Schlacht und dem möglichen Ende ihres Schicksalsfadens befunden hatten. Konnte dies wirklich sein? War dieser Mann etwa…?

Allie fuhr unmerkbar zusammen, als Bellas Stimme sie aus den Gedanken riss.

„Wie würde es Euch denn ergehen, wenn Ihr erfahren würdet, dass Eurer Leben zumindest zu einem geringen aber umso wertvolleren Teil, anders hätte verlaufen können?“ erwiderte sie Bellas Frage mit einem leicht genervten Unterton, der jedoch nicht gewollt war. Allie seufzte. „Aber eigentlich ist all dies ohnehin wertlos. Ich bin eine Graue Wächterin. In dem Moment, als ich das Blut getrunken habe, hat mein altes Leben geendet. Der Orden ist nun meine Familie und die Vergangenheit sollte doch eigentlich nicht mehr von Wert sein. Und dennoch… dennoch habe ich diesen ewigen Drang danach, alles erfahren und wissen zu wollen... Wie Ihr seht, ist dies nicht immer angenehm…“

Sie setzte sich in Bewegung und auch wenn es nicht so schien, so war ihr Ziel klar definiert. Einige Zeit schwieg Allie und es machte auch nicht den Anschein, als wolle sie eine Antwort auf das haben, was sie eben gesagt hatte. Dann jedoch, als es eigentlich nicht mehr zu erwarten war, sprach sie weiter. „Damit meine ich nicht die Tatsache, dass ich möglicherweise ein Bastardkind sowie die Mischung aus einem Menschen und einer Elfe bin, so etwas habe ich schon länger vermutet… Ja, der Dämon ist es, der mich beunruhigt. Vielleicht hat der Hüter doch das Richtige getan, als er die Templer so früh gerufen hat. Ich hätte nicht so wütend werden dürfen gerade eben, nicht wahr?“

Ihr Blick streifte den der Zwergin, die grauen Augen glasig. Erneut atmete sie einmal tief ein und schaute wieder etwas entschlossener nach vorne. „Es mag vielleicht dämlich klingen… nein, nicht dämlich, eher völlig naiv. Mein gesamtes Leben über wusste ich nicht von wem ich abstamme. Ich war immer alleine gewesen, aber mit der Zeit hat mir dies nichts mehr ausgemacht. Daher fiel mir wohl auch die Wahl sehr leicht, als ich die Möglichkeit dazu hatte, eine Wächterin zu werden. Aber seitdem nun auch Jannis … Ihr wisst schon. Vielleicht wollte ich das nur noch herausfinden, ehe es zu spät sein könnte. Oder vielleicht wollte ich mich einfach nur mal so fühlen, als würde ich wo dazugehören… und dies nicht nur, weil es meine Pflicht ist.“

Genau in jenem Moment fanden sich die beiden vor der Schmiede wieder, an welcher sie zuvor die Rüstungsteile abgegeben hatten. All das als rein rhetorisches Gespräch betrachtend, öffnete Allie die Türe. Wie beim letzten Mal auch stand der junge Bursche hinter dem Tresen und als dieser die Elfe erblickte, zauberte sich ein herzhaftes Lächeln auf seine Lippen.

„Willkommen zurück werte Damen“, begrüßte Maximilian die beiden freundlich. „Meister William arbeitet ohne Unterbrechung an Eurer Rüstung und er dürfte in wenigen…“

„Geschafft! Ich habe es vollbracht!“ unterbrach die hohe Stimme des Meisters den Jungen in jenem Augenblick. Stolz trat der Mann aus der Werkstatt, die Rüstung dabei auf den Armen tragend als würde es sich dabei um eine verletzliche junge Frau handeln.
„Und das unter der vorgegebenen Zeit Maxi… oh, Ihr seid schon zurück. Genau im rechten Moment! Los, los, werft einen Blick darauf!“ drängte der Schmiedemeister die Magierin sofort, als er diese erblickt hatte, und hielt ihr den Harnisch gleich darauf unter die Nase.

„Seid gegrüßt Meister William“, begrüßte sie den Mann etwas zurückhaltend, ihr Blick glitt dabei bereits über das Leder ihrer Rüstung. Diese schillerte im Licht wie sie es am ersten Tage getan hatte und die Spuren vom Kampf waren kaum noch erkennbar.

„Ich bin begeistert. Ihr tragt Euren Titel zu Recht, Meister“, lobte sie die Arbeit des Mannes, während einer ihrer schmalen Finger über das Leder glitt.

„Habt Ihr etwa an mir gezweifelt?“ grinste der Angesprochene, ehe sein Blick zu Bella wanderte. „Ich muss Euch danken dafür, dass Ihr diese junge Elfendame in meine Schmiede geführt habt. Endlich konnte ich wieder mein geliebtes Handwerk ausüben… und deswegen.“

Sein Blick schwankte einige Male verheißungsvoll zwischen Allie und Bella hin und her. „Deswegen war diese Reparatur auch kostenfrei!“

„Aber…“, wollten Allie sowie auch Maximilian, der mit entsetztem Blick hinter dem Tresen stand, gleichzeitig protestieren.

„Kein Aber!“ war des Rüstungsschmiedes letztes Wort und Allie wurde die Rüstung einfach in die Hände gedrückt, ehe er kehrt machte, um auch jene der Zwergin zu holen.

Allies Blick verfolgte den Mann kurz dankbar und erleichtert, ehe sie erneut die glänzenden Schuppen ihrer Rüstung melancholisch ansah. Irgendetwas sagte ihr, dass dies das letzte Mal gewesen war, dass sie diese Rüstung zu einem Schmied getragen hatte.

Im Hintergrund hörte sie noch, wie William mit Bella über den neusten Tratsch Denerims quasselte –oder eher: wie der Meister die Zwergin kaum zu Wort kommen ließ –, doch der Inhalt dieses belanglosen Zeuges erreichte ihre spitzen Ohren nur mit einem dumpfen Klang. So zog sie sich kurz zurück, um sich ihre Rüstung wieder anzulegen. Aber wie zuvor verdeckte sie diese unter den ärmlichen Kleidungsstücken, die sie von Noahs Verwandten bekommen hatte. Welch eigenartiges Gefühl dies doch war: gerüstet für den Kampf und dennoch versteckt wie eine Larve in ihrem Kokon, deren wahre Gestalt jeder nur erahnen konnte.

Nachdem sie es schließlich geschafft hatten die einseitige Unterhaltung zu einem Ende zu führen, verabschiedeten sie sich von dem Rüstungsschmied und kehrten zurück zu der Taverne, die dem Beginn ihres weiteren Weges als Treffpunkt diente. Allies Blick blieb die gesamte Zeit gen Boden gerichtet, ihre Stirn war in Falten gelegt, denn es gab vieles, das ihre Gedanken kreisen ließ. Nur einmal hob sie den Blick zum Himmel, als ein kalter Windhauch durch ihr goldenes Haar streifte. Die Sonne hatte sich bereits zurückgezogen um der Dunkelheit Platz zu machen, und ihr Ort des Verschwindens ließ sich bald nur noch erahnen. Und als dieser Moment gekommen war, folgte auch jener, der ihre Reise verschleiert von den Schatten der Nacht weiterführte.

Bearbeitet von Kaysallie, 06 März 2013 - 12:21 .


#2889
MagicBullet

MagicBullet
  • Members
  • 326 Beiträge
Es dämmerte. Avalos zog an seiner langstieligen Pfeife. Der Tabak glimmte in der dunklen Ecke der Taverne. Die Tür knarzte, als sie in ihren seit Jahren nicht mehr geölten Angeln aufschwang. Ally und Bellandrys stolperten durch die Tür. Avalos erkannte, dass sie unter ihren Lumpen neue Rüstungen trugen. Immerhin. Sie hatten die Zeit genutzt. Jetzt fehlte noch der irre Apothekarius und Noah. Wobei, Noah war bestimmt schon an den Ställen. Er hob träge eine Hand, und bedeutete den Beiden sich zu ihm zu setzen. Bellandrys Gesicht erhellte sich kurz, als sie den Schatten entdeckte. Es schien beinah so, als ob sie sich ernsthaft freuen würde. 
Aber noch bevor sie sich zu ihm setzen konnten, stolperte der alte Mann herein. Mit deutlich zuviel Schwung und Elan. Avalos grinste schief, bevor er sich erhob und ihnen bedeutete, ihm zu den Ställen zu folgen. Die Gaststätte lag strategisch günstig an der immer noch stark ramponierten Stadtmauer. Nur ein kurzer Spaziergang, und dank ihrer Verkleidung würde man sie für verarmte Bauern halten, die nur die Stadt verließen um auf ihre Höfe zurückzukehren. Tatsächlich hatte Noah schon das Zaumzeug ihrer Pferde aufgelegt und wartete schon ungeduldig auf das Quartett, das sich langsam den Weg durch diverses Marktvolk, Bettler, Karren und Stadtwachen bahnte. 
 
                     - 2 Stunden später - 

 Sie ritten wie der Teufel. Bellandrys hatte sich vorsorglich an ihrem Pferd mit Seilen festgebunden, um nicht aus dem Sattel geworfen zu werden. Allie schien davon besessen zu sein, ihr Pferd zu Tode schinden zu wollen. Der Apotheker war inzwischen verstummt; Anfangs versuchte er noch, Gespräche in Gang zu bringen, aber die Antworten auf seine Anekdoten und Fragen fielen meist sehr einsilbig aus; Irgendwann fuhr Noah ihm unwirsch über den Mund. Avalos war in sich gekehrt. Allein, in seiner Gedankenwelt; In längst vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten. 
Die Meilen flogen. Als der Mond bereits verblasste, hob er eine Faust und zügelte seinen schwarzen Rappen. In der Ferne war ein dünner Rauchfaden auszumachen, ein Gehöft, mitten im Nirgendwo. Poststation für Meldereiter. "Dort wechseln wir die Pferde. Es ist bereits alles arrangiert." Was alles "arrangiert" sein würde, verriet er wohlweislich nicht; Aus den Augenwinkeln sah er aber, wie sich Drakenoth hektisch im Sattel aufrichtete und sich umsah. Der Schatten schnalzte mit der Zunge, und sein Pferd setzte sich widerstrebend in Bewegung. Seine Gefährten taten es ihm gleich. 

In strömendem Regen erreichten sie die kleine Ansiedlung. Ein ehemaliges Bauernhaus, ein Stall, eine großzüge Hufeisenschmiede, ein Brunnen. Halbherzig mit Palisaden eingezäunt.  Er saß ab und schmiss dem herbeieilendem Stallburschen die Zügel fast ins Gesicht. "Kümmer dich gut um die Pferde,und du verdienst dir einen Sovereign; Vernachlässigst du sie, setzt es Prügel." Ohne auf seine Mitstreiter zu warten, wandte er sich dem großen, ausladendem Gästehaus zu. Mit einem Fuß stieß er die Türe auf, die bedenklich in den Angeln quietschte. Der Raum war warm, verräuchert, und gut besucht. Nur einem geschultem Blick fiel auf, dass es sich bei den "Gästen" um mehr handelte. Niemand saß mit dem Gesicht zur Tür; Alle waren verhältnissmäßig groß; Und sie verbargen kantige Panzerungen unter ihren Bauernlumpen, die zu groß und zu weit geschnitten waren. Sie waren da. Alle. Ein bösartiges Grinsen zuckte um Avalos Mundwinkel, das sogleich wieder verschwand. Mit seiner massigen Erscheinung, der er Plattenpanzerrüstung verdankte, schirmte er den Schankraum so gut es ging vor den neugierigen Blicken seiner Gefährten ab.

Vorallem Bellandrys mühte sich vortrefflich, aber letztendlich erfolglos, durch massives Herumzappeln einen Blick zu erhaschen. Trotzdem entging ihnen allen völlig, dass er ihnen mit Absicht den Blick versperrte. "Die Stiege rauf, dritte Tür links. Gemeinschaftsraum. Ruht euch aus, ich lasse euch wecken. Dann reiten wir weiter. Wie im Drachen bereits angesprochen liegt Ausrüstung bereit. Umhänge, Tränke, Gift, Stiefeldolche, Wurfmesser. Bedient euch, steckt euch ein was ihr für nützlich erachtet. Jeder nimmt sich einer der Glasphiolen. Steckt sie an eure Umhänge. Manchmal kann Licht aus Sternen wahre Wunder bewirken." Er wies auf die aus durch Jahrzehntealtem Rauch gebeizten Treppenbohlen. "Ruht euch aus Geht." Tatschälich hörten sie auf ihn. Vorallem die Zwergin, die beständig, lautstark und vulgär über ihr wund gerittenes Hinterteil fluchte. 


Er wandte sich von Ihnen ab und stiefelte an die Theke, den Postmeister mit einer ziemlich eindeutigen Geste heran zitierend. "Pferde. Wie vereinbart?" "Wie vereinbart... aber... über den Preis verhandeln wir noch mal, hehe," griente der Vorsteher und rieb sich die Hände. Kalte Wut kochte in Avalos hoch. Was dachte sich diese fette, schmierige Ratte dabei, ihn über den Tisch ziehen zu wollen?! Der Schatten wußte, dass die königliche Post bestenfalls korrupt war, aber bei ihm und seinen Boten hatten sie sich stets zurückgehalten; Offenbar war es wieder an der Zeit ein Exempel zu statuieren. Mit der behandschuhten Faust langte er über die Theke, packte den fetten Postmeister am Kragen und donnerte seinen Schädel mit enormer Wucht auf die blankgescheuerten Bohlen. Mit einem leisen Zischen, jenseits von dieser Welt, antwortete er ihm. "Zusatzverdienst? Ich hätte da einen Dolch, der eurem fetten Wanst gut zu Gesicht stehen würde.... In zwei Stunden. Vereinbarte Pferde. Ansonsten trenne ich euch Kopf vom Hals und... eure Familie... ergeht es ähnlich." Blut sickerte ihm aus dem fettigen Haaransatz auf das karierte, grob gewebte Hemd, während ihm langsam gewahr wurde, einen eklatanten Fehler begangen zu haben. "Die Schatten sind nicht zu betrügen, ansonsten verwirkt ihr eure kümmerliche Existenz," hauchte Avalos ihm fast liebevoll ins Ohr und ließ ihn los. Der Stationsverwalter rutschte einfach vom Tresen, und offenbarte zersplitterte Holzbohlen, die dunkel gefärbt waren von seinem Blut.

Ohne eines weiteren Blickes, wandte sich Avalos in Richtung Schankraum, suchte, und wurde fündig. Er fixierte eine dunkle Gestalt, in einen viel  zu großen Kapuzenumhang gehüllt, der pfeife rauchend in einer Ecke saß. Er nickte kurz, zuckte mit seinem Kinn in Richtung einer Tür und wandte sich zum Gehen. 
Avalos trat die Tür auf, ging zum Fenster und sah hinaus in die Dunkelheit Regen klatschte gegen die milchig gewordenen Fensterscheiben. Dicke, pechschwarze Strähnen. Als ob der Himmel weinen würde... 

Die Tür quietschte leise. 

"Milleos... Lang ists her.Die Kapuze lachte leise. "oh ja... lange. Aber zur Sache. Die Welt brennt, nicht wahr? Im Osten regt sich etwas in der Dunkelheit... "Avalos wurde ernst. "Der Osten regt sich, ja.... Und die Schattenklingen sind das Ass, der Dolch in der Dunkelheit.... Wir wagen uns auf Nebelpfade, ohne Gnade..." Der Schatten riss sich los vom pechschwarzen Regen und blickte seinen Gegenüber an. Er umriss die Reise, die Ereignisse, das unverhoffte Auftreten des Apothekers und seine Sorgen diesbezüglich. Milleos zog gedankenverloren an seiner erloschenen Langstielpfeife. 

"So... soso. Sollen wir aus dem Weg schaffen? Leise, in der Dunkelheit? Ein Pfeil, ein Messer in der Nacht, mondlos... Gift... Du kennst die Möglichkeiten. Was können wir tun? Er ist eine Bedrohung. Vorallem in Betracht auf die Elfe. Wir haben schon früher Jagd auf die Scoriandron gemacht, zumindest auf das, was wir dafür gehalten haben... Meistens dümmliche Narren, die nirgends einen blassen Schimmer irgendeiner Ahnung erkennen ließen... Aber du kennst es ja; Kein Risiko. Hat dich mein Sendschreiben erreicht? Wegen des Jungen letztes Jahr im Herbst?" 

Avalos blickte auf. "Sendschreiben? Nein, keines erhalten. Aber von dem Jungen weiß ich. Eine alte... Freundin erzählte mir davon." Milleos wirkte besorgt. "Dann muss der Brief abgefangen worden sein. Das ist nicht gut. Vorallem, da unsere Existenz unbekannt sein sollte."
Er wirkte alarmiert. 
Avalos hob beruhigend eine Hand. "Vergessen im Wind. Wir sind aus dem Schatten gezerrt worden. Zumindest ich." Seinem Gesprächspartner klappte die Kinnlade herunter. 
Der Schatten lachte kurz und umriss die Ereignisse auf See mit den gedungenen Freibeutern, den Feldzug, seinen Verdacht; "Alles in allem ist die Lage noch nicht aussichtslos. Noch nicht. In Ostagar fällt und steht das Zeitalter des Drachen, und wir werden Hammer und Amboß sein. Dieses unsterbliche Elfenpack wird bluten und verrotten.... Und dafür brauche ich euch, und die Schattenklingen. Wer weiß, ob sie allein ist. Wer weiß, ob sie eine Armee aufbietet. Wer weiß, ob wir nicht in Blut, Tod und Verderben reiten. Und bezüglich Drakenot.... Unternehmt nichts. Seine Loyalität wird sich zeigen. Sollte es sich herausstellen dass er... Dann richte ich ihn höchstpersönlich hin. Auf die unschöne Art und Weise."

Sein Blick wanderte wieder in die Dunkelheit, in den Regen hinaus. Das Leder knarzte leise, als die Hand zur Faust ballte. Langsam drehte er sich um. "Mileos. nehmt euch drei Männer. Wir werden belauscht. Kommt von links. ich komme von der rechten Seite. Jemand... oder etwas... lauert unter dem Fenster."

Bearbeitet von MagicBullet, 09 März 2013 - 10:05 .


#2890
Bellandyrs

Bellandyrs
  • Members
  • 1.091 Beiträge
Bella hatte keine Möglichkeit, auf Allies Ausführungen zu antworten, da sie gleich darauf bei der Schmiede angelangt waren, und Master William sie sofort mit dem Klatsch aus der Stadt versorgte, der wohl bei dem Zeitpunkt nach dem Tod des Erzdämons begann. Die Zwergin lächelte höflich, ließ das alles mehr oder weniger an sich vorbeiziehen. Ein Nicken hin und wieder langte hier völlig. Dennoch schaffte sie es irgendwann doch, sich von dem Meisterschmied zu verabschieden, nicht ohne sich nochmal herzlich für die Rüstung bedankt zu haben.

„Uff“, entfuhr es ihr lediglich, nachdem sie die Werkstatt verlassen hatten. „Jetzt eilt es aber. Wir reden später weiter.“

Gerade noch rechtzeitig erreichten sie die Taverne, in der Avalos bereits auf sie wartete und die reparierten Rüstungen wohlwollend zur Kenntnis nahm, zumindest meinte Bella, ein positives Aufleuchten seiner Augen gesehen zu haben. Darüber freute sie sich so sehr, dass sie ihn anlächelte. Gleich darauf begaben sie sich zu ihren Pferden. Und nachdem der Schatten ihnen einen Höllenritt prophezeit hatte, band sich die Zwergin sicherheitshalber noch am Sattel mit Hilfe von Seilen fest. Sie hatte keine Lust, auf dem Rücken des Tieres einzuschlafen und dann abgeworfen zu werden. Der Barde grinste amüsiert darüber, enthielt sich aber glücklicherweise eines bissigen Kommentars, mit dem Bella eigentlich gerechnet hatte.

Je weiter sie ritten, um so schlechter wurde das Wetter. Zuerst zogen Wolken auf, danach begann es leicht zu nieseln, und als sie endlich ihr Ziel erreichten, schüttete es wie aus Kübeln. Die Seile waren rutschig durch den Regen, und die Zwergin hatte ihre Probleme damit, die Knoten wieder zu lösen, mit denen sie sich auf ihrem Reittier festgebunden hatte. Aber schließlich hatte sie auch das geschafft, und erleichtert ließ sie sich vom Rücken des Pferdes gleiten, wo sie relativ unsanft auf ihren Beinen landete und sich sogleich ihren Hintern rieb. Jeder Knochen tat ihr weh, und lauthals verkündete sie auch dementsprechend undamenhaft ihre Meinung über diese Art der Fortbewegung.

Endlich im Trockenen angelangt wollte Bella direkt in den Raum, vor dem Avalos stand. Aber dieser befahl ihnen, sich auszuruhen und schickte sie die Stufen hoch. Neugierig, wie die Zwergin war, versuchte sie, einen Blick in das Innere des Raumes zu erhaschen, aber entweder trug Avalos eine schwerere Rüstung als sonst, oder die Tür war schmaler als die normalen, jedenfalls hatte sie keine Möglichkeit, etwas zu sehen, so sehr sie auch hopste und rechts und links versuchte, vorbei zu sehen. Andererseits war es ihr aber auch egal, ihr wund gerittener Hintern sehnte sich einfach nur danach, etwas ausruhen zu können, und so watschelte sie Allie hinterher, die bereits den ersten Treppenabsatz hinter sich hatte, später jedoch netterweise auf sie vor der Tür wartete.

„Nun, dann lasst uns mal stöbern in den Sachen, die hier für uns hergerichtet wurden“, sagte sie zu ihrer Freundin gewandt und drückte die Tür auf.

Das Zimmer war verhältnismäßig groß. Einige grob gezimmerte Holzbetten standen herum, jeweils zwei mit kleinem Abstand, daneben ein kleiner Kasten, der wiederum an einer Zwischenmauer stand, so dass es kleine, gemauerte Nischen gab, die man vorne mit einem schwerzen Vorhang zuziehen konnte, um vor Blicken ungestört zu sein. Zudem diente das ganze auch ein wenig als Lärmschutz. Bella schmunzelte, es war sicherlich von Vorteil, nicht alle nächtlichen Geräusche in voller Lautstärke mit zu hören.
Ohne zu Zögern steuerte sie auf die linke diagonale Ecke zu, wo zwei Betten nebeneinander standen, und warf ihren Rucksack auf die Stroh-Matratze. Dann wandte sie sich wieder zum Eingang, wo gleich rechts davon ein Tisch mit wenigen Stühlen stand, dahinter befanden sich Rüstungs- und Waffenständer, und allesamt waren mit den zugehörigen Teilen gut bestückt.

Bella inspizierte die Rüstungen, fand neue Armschienen und Beinschoner, die sie sich nahm, ließ einen Blick über die Gifte schweifen, überlegte, welche sie davon noch brauchen könnte, und raffte auch hier einen guten Vorrat an sich, sowie diese Glasphiole, von der Avalos sprach.

Dann ging sie zurück zu ihrem Bett, verstaute die Teile in Hüfttasche und Rucksack, und bedeutete Allie mit einer Handbewegung, sich die andere Seite der Bettstatt zu nehmen. Schlafen konnte sie nicht, dafür war sie viel zu aufgewühlt – also konnten sie genauso gut ihr Gespräch zu Ende führen, welches in Denerim so abrupt geendet hatte. Zum Glück lag da auch ein frisches Handtuch für die Gefährten bereit, und so schlüpfte Bella aus den nassen Sachen, die Noah ihnen gegeben hatte. Ihre Rüstung war vom Regen halbwegs verschont worden, zumindest war nichts nach innen gedrungen, und so trocknete sie die Oberfläche lediglich ab und rubbelte ihre Haare trocken, die danach in alle Himmelsrichtungen abstanden.

#2891
viento2

viento2
  • Members
  • 701 Beiträge
Der Ritt war hart und ungemütlich und sein Ende grausam fern. Mürrisch und durchnässt sprang Noah nach der Ankunft endlich von seinem Braunen, den er nur zu gerne dem Stallburschen überließ. Auch die Tiere hatten sich nach der Anstrengung eine Pause im Trockenen redlich verdient.
Noah quetschte sich als letzter durch die Tür ihrer Raststätte und wunderte sich nur kurz darüber, dass sie im Vorraum stehen blieben um dann direkt in den obersten Stock gelotst zu werden. Sein Blick fiel auf Avalos Rücken, der offensichtlich etwas vor ihren Blicken abschirmen wollte. Noah hatte schon lange aufgehört, sich über das seltsame Benehmen ihres Gefährten zu wundern. Stattdessen stellte er sich lieber vor, dass der Schatten eine Überraschung für sie vorbereitet hatte, die er ihnen später präsentieren wollte. Das war vielleicht etwas weit her geholt, aber durchaus im Rahmen des Möglichen. Immerhin musste ein Heerführer seine Leute bei der Stange halten. Nach allem was sie durchgemacht hatten, nach all den Entbehrungen und den Freunden, die sie beerdigt hatten, verdienten sie eine Aufmunterung. Vor Noahs innerem Auge wurden sie von dem Wirt später am Abend in den Schankraum zitiert, wo unter großem Applaus eine riesige Sahnecremetorte für sie herein gefahren wurde. Auf der Torte waren ein Dutzend leuchtende Kerzen angezündet worden und die Sahne glänzte verführerisch in deren Lichtschein. Kleine Früchte steckten in der Creme und ließen allen das Wasser im Mund zusammen laufen. Zu guter Letzt gab es einen Tusch und plötzlich hob sich die Spitze der Torte an und die fettige und klebrige Masse wurde in alle Richtungen verteilt. Noah musste sich die Augen von dem Zeug frei wischen, um Avalos zu sehen, der in mitten der glitzernden Tortenpracht mit einem „Tataa!“ erschienen war, die Arme in die Luft gestreckt und ein breites Grinsen im Gesicht. Allerdings hatte Noah den Schatten noch niemals herzhaft Grinsen sehen, zumindest nicht freundlich. Außerdem konnte er ihn sich in nichts anderem als seiner nachtschwarzen Rüstung vorstellen, die in einer rosa Tortencreme dann doch etwas fehl platziert wirkte.
Mit einem halben Glucksen in der Kehle, schob er die Bilder wieder zur Seite und trat hinter den anderen die Stufen hinauf.
Bella und Allie verschwanden in ihrem Zimmer und Noah seufzte erschöpft nachdem ihm bewusst wurde, dass er sich ein Zimmer mit dem Apotheker teilen sollte. Der Alte saß bereits auf seinem Bett und kramte in seinem Beutel während er etwas grummelte, was Noah als eine Art Melodie identifizierte.
In einer Bewegung schob er sich die nassen Sachen vom Körper und ließ sich mit einem lauten Rumms auf das zweite Bett im Raum fallen. Dann streckte er die Füße aus und schloss die Augen.

#2892
Aliens Crew

Aliens Crew
  • Members
  • 5.176 Beiträge
Drakenot folgte Avalos zu dem Gästehaus des Anwesens. Demonstrativ baute sich der Schatten im Eingang des Schankraumes auf und wies sie an nach oben zu gehen, um sich auszuruhen. Für einen Moment zog der Alte die Augenbrauen zusammen, angesichts dieses merkwürdigen Benehmens. Und ihm war sogleich klar, dass Avalos wohl etwas vor ihnen zu verbergen suchte…doch er würde schon herausfinden, was das war.
 
Doch für den Augenblick ließ Drakenot es darauf beruhen. Gemeinsam mit den anderen stapfte er die Treppe nach oben hinauf, bis sie den Gemeinschaftsraum erreicht hatten. Allie und Bellandrys verschwanden sogleich in einen der abgeteilten Nischen, in denen sich zwei Schlafstätten befanden. So steuerte der Alte eine der anderen Kammern an und setzte sich dort auf die Kante eines der Betten, wo er anfing in seiner Tasche herumzukramen. Dabei beobachtete er Noah aus den Augenwinkeln, welcher sich schweigend auf die andere Liege fallen ließ und sogleich auch die Augen schloss.
 
Drakenot wartete noch einen Moment, bis er sich sicher war, dass der Mann neben ihm eingeschlafen war, bevor er seine Tasche zur Seite stellte, sich seinen Kampfstab griff und anschließend zu dem kleinen Fenster herüberging, welches sich an der Rückwand des Raumes befand. Ein Blick durch die schmutzige Scheibe zeigte ihm, dass es nach wie vor in Strömen regnete. In einiger Entfernung erkannte er die dunklen Umrisse der kleinen Schmiede, die über einen einfachen Holzweg erreicht werden konnte. Und direkt unterhalb des Fensters sah er ein stabil aussehendes Vordach, was sich quasi direkt unter ihm befand. Ein breites Grinsen legte sich auf sein Gesicht.
 
Ohne noch länger darüber nachzudenken, öffnete er das Fenster und steckte den Kopf hinaus. Sofort blies der Wind ihm den kalten Regen ins Gesicht und zerzauste seine Haare. Der Alte atmete einmal tief durch und machte sich anschließend auf den Weg. Er kletterte aus der Öffnung und sprang auf das Vordach. Es war etwas rutschig, so dass Drakenot ein wenig Mühe hatte, das Gleichgewicht zu halten. Um ein Haar wäre er gestürzt, konnte sich aber mithilfe seines Stabes noch abfangen.
 
„Hui, das hätte ja fast was gegeben“, murmelte er leicht belustigt in seinen Bart hinein, während er sich vorsichtig der Dachkante näherte. Als er diese erreichte, ging er in die Hocke und sprang einen Moment später in die Tiefe…und landete mit beiden Füßen im Matsch. Die schlammige, aufgeweichte Erde spritzte hoch, direkt auf den grünen Mantel, den der Alte trug.
 
„Na großartig! Da ist wohl eine Wäsche fällig!“ grummelte er daraufhin. „Zum Glück ist das nicht mein Mantel…“
 
Doch ließ Drakenot sich nicht weiter davon beirren. Er drehte sich sogleich zum Haus um. Dort sah er, dass unter dem Vordach Brennholz sowie Kisten und Fässer eingelagert worden waren. Außerdem erkannte er die vereinzelten Fenster, welche wohl zum Schankraum führten. Wieder grinste der Alte vor sich hin.
 
Leise schlich er zu einem dieser Fenster und lugte kurz hinein. Im Innern erblickte er einige verdächtig aussehende Gestalten an den Tischen und der Theke des Raumes sitzen. Sie trugen zwar einfach Kleidung, waren aber eindeutig keine Bauern…das erkannte Drakenot mit einem Blick. Schienen eher Meuchelmörder zu sein. Avalos Verdündeten waren also schon da. Den Schatten selbst sah der Alte auch. Dieser unterhielt sich mit einem anderen Mann, keine zwei Meter von ihm entfernt. Drakenot legte sein Ohr auf das Holz der Wand und lauschte.
 
Sie sprachen über Ostagar und das Schicksal irgendeines Jungen, sowie über ein Gruppe, die sich Scoriandron nannte. Ein Name, der ihm bekannt vorkam, auch wenn er diesem im Moment nicht so recht zuordnen konnte. Und dann unterhielten sie sich noch darüber, dass diese Wichte es in Erwägung zogen, ihn auszuschalten. Bei dem Gedanken zog ein breites Grinsen über Drakenots Züge. ‚Versucht es doch nur einmal‘, dachte er bei sich. ‚Ihr wärt nicht die ersten, denen dieses Vorhaben teuer zu stehen kommen würde.‘
 
Da bemerkte der Alte eine Bewegung neben sich. Eine Katze schlich hinter einem Holzscheit hervor und fauchte Drakenot an, als diese ihn bemerkte, bevor sie wie in Windeseile kehrt machte und in ihr Versteck zurück flüchtete. Der Alte erschrak dabei so sehr, dass er sich den Kopf an der Fensterbank stieß.
 
‚Verdammtes Vieh!‘ dachte er fluchend bei sich, während er sich den Kopf rieb und weiterlauschte. Das Gespräch wurde leiser, war kaum noch zu verstehen. ‚Sie haben mich entdeckt!‘
 
Gehetzt blickte sich Drakenot um. Sein Blick fiel sofort wieder auf die kleine Schmiede in seiner Nähe…und zu dem Holzweg, der dorthin führte. Schnell huschte er vom Fenster weg und lief schnellen Schrittes über den Holzweg zu dem kleinen Gebäude herüber. Er vermied es über das lose Erdreich zu rennen, um keine Spuren zu hinterlassen. Innerhalb weniger Augenblicke erreichte er die Schmiede, riss die Tür auf, stürmte hinein und schlug sie anschließend hinter sich zu.
 
Sofort drehte er sich um und lugte durch einen kleinen Spalt nach draußen, während er langsam wieder zu Atem kam. In der Dunkelheit sah er fünf Männer, einer davon war Avalos, die vor dem Fenster standen, unter dem er sich vorhin noch versteckt hatte. Sie schienen sich aufgeregt zu unterhalten und ihre Köpfe wandten sich auch in seine Richtung. Er musste sich was einfallen lassen.
 
Er trat von der Tür weg und durchstöberte im Dunklen die kleine Schmiede. Auf dem Amboss fand er schließlich das, was er suchte…einen kleinen Schleifstein. Wieder grinste er, als er sich diesen griff. Langsam schlenderte er zu einer einfachen Holzbank, welche an der Wand stand, setzte sich darauf und begann damit in aller Ruhe die Klingen seiner Waffe zu schärfen, während er auf die Ankunft der Männer wartete, die wohl schon bald drauf kommen würden, wohin er sich verkrochen hatte.
 
 

#2893
Kaysallie

Kaysallie
  • Members
  • 1.082 Beiträge
Allie folgte den anderen in die erste Etage, ihre Gedanken kreisten noch immer in alle erdenklichen Richtungen. Aber nun wollte ihr die Müdigkeit bereits klare Blicke verwehren, denn die Wärme dieser Räumlichkeit erfreute jedes ihrer durchnässten Glieder, traf sie aber zugleich wie ein heftiger Schlag.

Fast wie in Trance ging sie auf eines der Betten zu, legte ihre nasse Kleidung ab, nachdem sie den dunklen Vorhang zugezogen hatte. Auf dem Nachtisch lag frische Wäsche für die Nacht, welche sie sich mit einem erleichterten Seufzen überzog. Mit müden Augen zog sie den Vorhang wieder zur Seite und hängte all ihre durchnässten Sachen an der Vorhangstange zum Trocknen auf. Schließlich wurde ihr Blick wieder etwas klarer und schwenkte sogleich mit leichter Neugierde in die Richtung der Sachen, die sonst noch für sie bereit gelegt worden waren. Doch eine Euphorie, wie jene der Zwergin, blieb aus. Dennoch: die funkelnden Glasphiolen hatten es ihr irgendwie angetan, und nur wenig später hielt sie eine der filigranen Gefäße in ihren zarten Händen.

‚Manchmal kann Licht aus Sternen wahre Wunder bewirken.‘ Mit diesen Worten im Kopf musterte sie das Fläschchen rätselnd. Allie gefiel es nicht sonderlich diese mysteriöse Phiole mitzunehmen. Ein Blick zu der vernarbten Stelle, an jener ihr der Ring den Finger wortwörtlich abgebrannt hatte, jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken. Der Ring, den sie ebenfalls von Avalos bekommen hatte…

Ihr linkes Auge begann zu zucken.

Aber Allie versuchte nicht weiter daran zu denken, um sich nicht unnötig zu ärgern, und begutachtete flüchtig die restlichen Gegenstände. Doch außer der Tränke und des Umhangs war für sie nichts Sinnvolles dabei. Sie legte die Sachen vorerst auf dem Bett ab und bemerkte dabei aus den Augenwinkeln Bellas Handbewegung. Es war nicht schwer zu erraten, was die Zwergin von ihr wollen würde.

Allie nickte nur, schnappte ihren weißen Kopfstab und ging mit diesem zum Fenster, welches sie sogleich öffnete. Auch wenn sie gerade eben noch völlig durchnässt gewesen war, so war ihr nun eigenartigerweise ungeheuer heiß geworden, und der Raum wirkte trotz seiner Größe erdrückend. Dass dies aber nicht der Auslöser war, dessen war sie sich bewusst.

Tief atmete sie die kühle Luft ein und lauschte dem Prasseln des Regens, während sie auf die Zwergin wartete – den Stab umklammerte sie unbewusst fester als eigentlich nötig. Kurz schloss sie die brennenden Augen, um dieses Naturschauspiel mit ihren restlichen Sinnen besser aufnehmen zu können, vielleicht auch instinktiv – dem elfischen Blut verdankend. Es zischte der Wind, es dampfte die Luft vor ihrem Gesicht, es rauschte der Regen … es rauschte … rauschte, rauschte… pochte. Alles. Nein, nicht alles, sie selbst … rauschte? Es war das Blut, dieses elfische Blut rauschte in ihrem Kopf, dröhnte in ihren Ohren. Schien zu flüstern…

Sie hörte eine Stimme! Allie riss die Augen auf. Ihr Blick ging zur Seite und mit blassem Gesicht starrte sie die Zwergin für einen zeitlosen Moment an. Hatte Bella gerade etwas gesagt?

„Ihr wolltet reden?“ fragte sie eher rhetorisch, um diesen eigenartigen Moment zu überspielen.

#2894
Bellandyrs

Bellandyrs
  • Members
  • 1.091 Beiträge

Bella erschauerte leicht, als ihre Freundin das Fenster aufriss.

 

„Könntet Ihr so nett sein, und das Fenster wieder zu machen?“ fragte sie Allie. „Es ist nicht gerade warm hier drin, und Ihr habt Eure nassen Sachen noch an.“ Dabei warf sie der Elfe das unbenutzte Handtuch zu.

 

„Reden?“ fragte sie. „Wenn Ihr nicht zu müde von dem Ritt seid, gerne. Ich selber bin zwar restlos erledigt was meine Knochen betrifft, aber innerlich aufgekratzt, an Schlaf ist im Moment nicht zu denken.“

Die Zwergin bückte sich zu ihrem Rucksack, zog den Umschlag des Hüters hervor und blickte Allie, die sich inzwischen zu ihr gewandt hatte, in die Augen.

„Ihr erwähntet vor unserem Ritt, Ihr würdet gerne wissen, zu wem Ihr gehört. Aus dem jetzigen Stand der Dinge würde ich sagen, Ihr gehört zu unserer Gruppe hier, sowie zu den Wächtern. Ihr habt also so etwas ähnliches wie eine Familie. Ihr seid jedenfalls nicht allein auf dieser Welt. Außerdem habt Ihr eine Freundin“, grinste sie und zeigte mit dem Daumen dabei auf sich selber. „Aber vielleicht geben Euch diese Dokumente ja Aufschluss über Eure Fragen. Der Hüter vertraute sie mir an, ich sollte sie Euch geben, sobald Ihr wieder in ruhigerer Verfassung seid.“

Unsicher schaute die Zwergin Allie dabei an, sie konnte nur hoffen, dass sich die Elfe tatsächlich in so einem Gemütszustand befand.

„Aber vielleicht solltet Ihr Euch tatsächlich vorher trockene Klamotten anziehen“, schloss sie ihre Ausführungen.