Sie alle wirkten reichlich nervös.
Sogar diese merkwürdige Töle knurrte unentwegt. Dabei konnten sie noch so sehr zittern und und vor Angst mit den Zähnen klappern, bis sie ausfallen würden.
Bis zur Hauptkreuzung waren es noch gut und gerne fünf Meilen, und erst vor einigen Stunden war hier mindestens eine Kompanie der Legion der Toten hier vorbeimarschiert.
Zum Einen, weil er die Marschpläne kannte, zum Anderen weil man die Spuren im Staub sah.
"..Um auf eure Frage zurückzukommen, Bellandrys.
Mit Durchbruch meinte ich, dass die Höhlen bereits mit den Straßen verbunden sein müssen, sonst, hätte die Brut uns damals in Amú´Shar uns niemals in den Rücken fallen können.
Natürlich, die Durchbrüche können längst wieder eingestürzt sein. Aber das glaube ich nicht.
Beide Wege - der nach Amú´Shar und auch zu den freien Marschen - ist für die Brut so gut wie nutzlos. Bis jetzt zumindest. Wenn sie sich wirklich den Marschen zusammenrottet, dann wird ausgerechnet diese Straße ziemlich hoch frequentiert sein.
Und nein, Schwefelhölzer haben wir in der Tat nicht dabei. Stattdessen könntet ihr auch mit einer Hofkapelle hier herunterkommen, um die Brut auf uns aufmerksam zu machen."
Er tadelte sie wie ein kleines Kind, so hatte man den Eindruck. Dass es ihm diebischen Spaß machte, war ein ganz anderer Beweggrund.
"Ich habe - falls wir lagern - Schwefelkohlebriketts dabei. Sie erzeugen nur kurz eine Stichflamme, und glühen dann einfach nur. Die rote Glut ruiniert nicht die Nachtsicht, wie weißes- oder Tageslicht.
Sollte es wirklich hart auf hart kommen, dann wird Allie für Licht sorgen. Alternativ habe ich auch noch etwas in Reserve. Bedeutungsschwanger klopfte er kurz auf seine Gürteltasche.
Und Oger sind nicht halb so gefährlich wie man gerne glaubt - selbst im Allleingang kann man sie besiegen."
Bellandrys hing an seinen Lippen, und auch die Anderen waren verstummt und hörten zu.
"Oger werdern landläufig zwischen zwei-einhalb und dreieinhalb Meter groß, und sind ungeheuer kräftig. Ihr Händedruck zerquetscht einen Mann mit Rüstung wie eine dünne Zunderbüchse in meiner Faust verschwindet.
Ihr Hornkranz ist wie ein Rammbock, ein Rammbock mit angespitzten Holzpflöcken. Erwischt er einen, ist man so gut wie tot. Egal wie groß oder behäbig ein Oger auch erscheinen mag, unterschätzt seine Reflexe nicht.
Generell sollte man so ein Wesen nur dreifacher Übermacht und Langwaffen wie Hellebarden oder Speeren angreifen. Bogenschützen müssen wissen, wo sie hinzielen sollten.
Brust und Rücken, sind für Pfeile verlorenes Gebiet. Konzentriert euch auf den Kopf beziehungsweise den Hals.
Gegen einen so..massigen Gegner hilft ansich nur Schnelligkeit. Tanzt ihn aus, seid hinter ihm bevor er sich umdrehen kann.
Vorallem müsst ihr euren Kampfstil ändern. Vergesst schnelle Streiche, die Schnittwunden zufügen. Das macht einen Oger höchstens noch wütender.
Wenn ihr die Gelegenheit habt, dann stecht zu, treibt eure Waffe bis zum Heft hinein. Mit ein wenig Glück trefft ihr wichtige Organe oder durchtrennt Sehnen und Arterien.
Selbst ein verwundeter Oger ist gefährlich, vielleicht sogar noch gefährlicher als ein normaler.
Solltet ihr eine Zweitwaffe dabei haben, lasst sie in der Wunde stecken. Das fügt dem Oger bei jeder Bewegung noch mehr Verletzungen zu, as er eh schon erlitten hat. Wenn man ihn dann noch hinhalten, schwächt ihn der Blutverlust so sehr, dass er zusammenbricht. Dann kann man ihn einfach töten.
Die andere Methode ist bestenfalls...dumm.
Mann nimmt Anlauf, springt, stößt sich von Oger ab und treibt ihm sein Schwert durch den Schädel. Das ist natürlich die elegantere Version, aber es gibt nicht viele, dass überlebt haben."
Er verbeugte sich dabei theatralisch und klopfte kurz auf seinen Dolch.
"Ein anspruchsvoller Gegner, aber durchaus zu schaffen."
Mit einem kurzen Seitenblick auf den Mabari vedürsterten sich seine Züge.
"ich wußte schon, warum ich die Töle nicht mitnehmen wollte. Ihr tragt ihn bei eventuellen Kletterpassagen. Wie ihr das macht, ist mir gleich. Und bringt ihn endlich zum Schweigen, dies verdammte Geknurre löst entweder Felsstürze aus oder lockt die Brut an."
Inzwischen hatten sie die Kreuzung erreicht. Spuren eines Kampfes waren weit sichbar verteilt. Eingedellte Rüstungsteile, zerborstene Klingen, Barrikaden aus Holz und Resten aus den Thaigs.
Nur hinter einem der abzweigenden Wege zog sich keine Spur aus verrottenden Hinterlassenschaften des Krieges. Nur eine dicke, unberührte Staubschicht.
Er hieß seinen Kameraden, stehen zu bleiben. Die Kreuzung war hell erleuchtet, jemand hatte die steinernen Fackelschalen entzündet.
Avalos kniete sich neben einen toten Zwerg n massiver Rüstung. Sein Panzer war zerkratzt, voller Dellen und mit schwarzen Sprenkeln übersät. Ansich unbeschadet. Aber der der dich schließende Topfhelm war bis zum Nasenschutz gespalten.
Die Blutlache um ihn herum war noch nicht ganz trocken.
Zwei Schritt weiter lag ein Hurlock, bespickt mit Armbrustbolzen und einer abgebrochenen Saufeder in der Brust. Der Speer war bis zum steinernen Boden durchgedrungen.
"Ah." Jetzt verstand er.
Jetzt wußte er auch, was da brannte und diesen Ort erhellte. In der einen Fackelschale die ehrenvoll gefallenen und mit Ruhmesabzeichen geschmückten Krieger der Legion..und der gegenüber die wahllos und zerhackstückten Leiber der Brut.
Welch makaberer Sinn für Ironie, dachte er sich.
Leise Gespräche seiner Gefährten drangen an sein Ohr.
So? Lyna wollte also wissen, wie die Brut aussah? Und ob nur Wächter sie töten können?
Er musste sich ein Grinsen verkneifen...die Fragerei würde ihr gleich schon vergehen.
Avalos zückte seinen Dolch und trennte dem toten Hurlock den häßlichen Schädel vom Rumpf. Die Klinge schnitt ohne wirklichen Unterschied durch verderbtes Fleisch und Knochen.
Ohne sich umzudrehen, fragte er Lyna: "Sagt, ihr wolltet sehen wie die Brut ausseht? Dann fangt!"
Mit einer schnellen Drehung wandte er sich um und schleuderte ihr den Kopf entgegen, den sie mit einem überraschten Laut reflexartig auffing.
Der Hurlock starrte sie an.
Lyna starrte den Hurlock an.
Und dann quiekte sie wie von der Tarantel gestochen los und schmiss den Schädel auf den Boden.
Avalos konnte nicht mehr an sich halten und lachte laut los.
"Das ist die tote Version, die lebende macht noch anzügliche Anmerkungen und hat euch zum Fressen gern!"
"Falls er noch mit euch reden sollte, gebt ihn Jule, damit der Graue Wächter ihn doch bitte erschlagen möge!"
Er lachte erneut schallend los und schlug sich auf den Oberschenkel. "Euer Gesichtsausdruck ist wirklich Gold wert. Und da wirft man ausgerechnet mir vor, dass ich keinen Humor besitzen würde?"
Er grinste noch immer. "So die Damen, Der Weg zur Linken führt uns gerade wegs nach Amú´Shar.
10 bis 15 Meilen für heute, dann sollten wir die erste Kaverne erreicht haben."
Er setzte sich wieder an die Spitze seiner kleiner Expedition, noch immer leise lachend.
Modifié par MagicBullet, 24 février 2010 - 07:50 .