Bella wollte es eigentlich übernehmen, das Tier auszuweiden. Es wäre sicherlich nicht fachmännisch abgelaufen, und sie war froh, dass sie ihre Kleidung nicht mit Blut und Innereien besudeln mußte.
Da Lyna aber Jule direkt ansprach und nicht Bella mit dazu, ging die Zwergin davon aus, dass Lyna mit Jule wohl etwas bereden wollte. Sie hoffte nur, dass nicht sie selber das Ziel des Gesprächs war.
Sie zuckte die Schultern. Wenn, dann konnte sie es auch nicht ändern. Dass sie einfach zuviel für Avalos empfand als es gut war, nun, das hatte Lyna ja mit Sicherheit auch schon mitbekommen. Solange die Freundin nicht ähnliche Gefühle hegte war das alles kein Problem. Bella schmunzelte. Es läge dann allein an Avalos sich zu entscheiden. Sie selber würde Lyna das Glück gönnen, auch wenn es schmerzte. Außerdem konnte sie sich nicht vorstellen, dass die zarte Dalish etwas für den hartherzigen Mann empfinden würde.
Bella blickte zum Mabari, der sich wieder hingelegt hatte. Rippers Hund also... Wie kam er nur nach Orzammar? Ohne sein Herrchen? Sie konnte Jule verstehen, dass sie sich Sorgen um diesen komischen Kauz machte. Ihr selber war Ripper um einiges unheimlicher als Avalos, und sie war sich nicht so sicher, ob er noch allen Verstand in seinem Oberstübchen hatte. Ihr tat nur der Hund furchtbar leid, alleine deswegen würde sie wohl Jule helfen, Ripper zu finden - nach dem sie diese Mission hier erfolgreich zu Ende gebracht hätten.
Ihr fiel die Blutmagierin ein. Valkia. Ob Irvin wohl helfen konnte? Ob sie sich überhaupt helfen ließ? Eine von der Kirche gesuchte Malificar würde sie jedenfalls kein Versteck gewähren. Sie hatte nichts gegen Blutmagier, für sie waren Magier alle mehr oder weniger gleich, aber wenn diese von Templern gejagt wurden stand das auf einem anderen Blatt.
Magier... sie dachte an Allie zurück, und ihr Blick wurde traurig. Sie hatten sich nicht lange gekannt, und die Heilerin hatte ihnen allen das Leben gerettet - sie war einen heldenhaften Tod gestorben. Bella würde die herzliche Elfin sicher nicht vergessen. Wie schwer mußte der Verlust wohl Jule getroffen haben, die mit ganzem Herzen an Allie hing? Bella kam sich richtig kaltherzig vor, dass sie nicht so trauern konnte wie Jule. Aber es lag wohl wirklich daran, dass sie Allie noch nicht so gut kannte.
Ihre Gedanken wanderten zu Lyna. Sie mochte diese Dalish, ihre ruhige besonnene Art, ihre Freundlichkeit. Ein wenig erinnerte sie Bella an ein scheues Reh. Vorsichtig in die Welt blickend, aber Mut zu haben wenn es darauf ankam - das gefiel Bella an Lyna. Dass die Dalish nichts von der Verderbtheit kannte als sie zu ihnen stieß machte sie für Bella noch symphatischer. Das Leben, diese Erfahrungen im Kampf ... damit wurde ein Charakter immer abgehärtet. Bella selber hatte diese Wandlung schon durchgemacht, allerdings besaß sie von Haus aus eine größere Kämpfernatur. In der Stadt des Staubs wurde man schon so erzogen. Entweder man behauptete sich, oder man ging unter. Allerdings waren das teilweise Kindereien im Gegensatz zu dem Krieg, den Bella draussen an der Oberfläche mit ausgefochten hatte.
Auch Jule merkte man ihre Kampferfahrung an, wenngleich diese ihre stürmische Natur nicht zu zügeln vermochte. Bellandrys war vorher, als sie neben der Freundin sass, ihre vernarbte Hand aufgefallen. Aber sie wollte Jule nicht darauf ansprechen, um ihr nicht noch mehr Kummer zu bereiten. Sie hoffte nur, dass Jule nicht zuviele Schmerzen ertragen mußte. Andererseits hatte sich die Eflin im Kampf bewiesen. Entweder verdrängte sie dann ihre Emotionen und ihren Schmerz ... oder sie ließ es sich einfach nicht anmerken. Aber so schätzte Bella Jule nicht ein. Wahrscheinlicher war, dass Jule dann einfach ihre ganze Konzentration auf das Kampfgeschehen lenkte, und damit eben alles andere fürs erste vergaß.
Bella blickte auf, als eine leichte Gänsehaut sie erschaudern ließ. Durch die Überlegungen hatte sie gar nicht bemerkt, dass das Feuer relativ weit heruntergebrannt war. Schnell stand sie auf und warf Äste hinein. Dann setzte sie sich wieder auf den Boden und blickte gedankenverloren in die Flammen, die sich am Holz empor züngelten.
Modifié par Bellandyrs, 12 mars 2010 - 07:25 .