Bella blickte Allie verwundert nach, als diese wieder verschwand. Sie war sich noch immer nicht sicher, ob es richtig war, das alles ausgerechnet Allie zu erzählen, aber nun war es zu spät. Zumindest hatte diese ihr einige Worte gesagt, über die sie nachdenken konnte.
Sie hörte den Gong zum Abendessen und machte sich langsam auf den Weg in den Saal. Hoffentlich konnte sie heute neben Theoderich sitzen, noch einen Abend mit dem netten Herrn Christophor van Lissenhein würde sie wohl Amok laufen lassen.
Sie bemerkte, dass heute keine Tischkarten verteilt waren, was sie froh stimmte. So konnte sie sich ihren Platz aussuchen, und blickte sich nach Theoderich um.
"Bellandrys! Pfff" rief van Lissenhein dröhnend durch den Saal, und winkte ihr eifrig.
Sie hob grüßend die Hand, lächelte unverbindlich und nickte ihm zu. Genausoschnell wandte sie sich um, und schlug die entgegengesetzte Richtung ein. Sie wollte diesem nicht unbedingt zu nahe kommen, er würde es wohl schaffen sie über drei Tische hinweg zu unterhalten.
Allerdings hatte sie die Rechnung ohne dem Herrn gemacht. Dieser stürmte mit weitausholenden Gesten auf sie zu.
Als er sie erreichte, landete seine Hand vertrauensvoll wie unter Sauf-Kumpanen auf ihrer Schulter, und Bella blieb stocksteif stehen. Sie atmete tief ein, zählte leise bis zehn, sonst wäre sie wohl explodiert. Dann wandte sie sich ihm zu, mit einem höflichen Lächeln auf dem Gesicht.
"Guten Abend Ser van Lissenhein."
"Bellandrys, schön Euch hier anzutreffen" lachte dieser, als ob er nicht damit gerechnet hätte, die Zwergin nochmals zu sehen.
"Pfff. Ich habe über Eure Worte nachgedacht und wollte Euch nur informieren, dass alles nötige in die Wege geleitet ist. Pfff. Meine Soldaten sind informiert, dass sie sich bereit zu halten haben. Pfff. Und Ihr könnt Euch verlassen, dass ich jedem von der drohenden Gefahr berichten werde. Pffff. Möchtet Ihr mir beim Essen Gesellschaft leisten? Pfff?"
Du lieber Himmel, dachte Bella bei sich, alles, aber das mit Sicherheit nicht. Nur, wo bekam sie eine schnelle Ausrede her? Theoderich fiel ihr ein, der mußte einfach irgendwo hier im Saal sein.
"Bedaure, Ser van Lissenhein, aber ich bin mit einem Bekannten verabredet. Dieser wartet sicher schon auf mich. Freut mich, dass Ihr den Regenten so tatkräftig unterstützt. Guten Appetit". Sie nickte ihm nochmal abschließend zu und machte sich auf den Weg, Theoderich zu suchen.
Das dauerte jedoch nicht lange. Theoderich hatte die dröhnende Stimme sofort gehört und war aufgestanden. Er winkte Bella freudestrahlend zu, und eilte ihr entgegen.
"Liebe Freundin! Wie schön, dass Ihr heute bei mir sein könnt! Ihr seht umwerfend aus, das Kleid ist zauberhaft!" Er nahm ihre behandschuhte Linke zwischen seine Hände und führte sie an seinen Tisch, wo er ihr sofort den Stuhl zurecht rückte.
Als sie in Theoderichs strahlende Augen blickte, entspannte sich Bella etwas. Endlich konnte sie wieder sie selber sein, keine geheuchelte Freundlichkeit war von nöten.
Sie bestellte etwas Wein, und freute sich auf das Essen.
Theoderich erzählte von seinem Geschäft, über seinen Cousin, und dass er als reisender Händler angefangen hatte, aber derzeit eine feste Bleibe in FallRemnon hatte. Dann erzählte er von seiner Jugend, und Bella genoß seine Ausführungen. In dem Moment war sie wieder ganz die alte, ein warmes Strahlen erhellte ihre Augen, und ein Grübchen ließ sich auf der Wange erkennen, wenn sie lachte. Teilweise verschluckte sie sich sogar an der Suppe, weil sie auflachte, und Theoderich war glücklich.
Nach dem die Nachspeise aufgegessen war, fragte er, ob sie mit ihm noch eine Runde draussen spazieren gehen würde. Die Nacht lud dazu ein, es war relativ mild.
Bella überlegte kurz, aber sie war noch so aufgedreht, dass sie ihm gerne zustimmte. Er reichte ihr die Hand, und gemeinsam verließen sie den Saal. Einige Blicke folgten ihnen, sie waren hübsch zusammen anzusehen.
Schweigend und die Nacht geniesend liefen sie durch den Park, es herrschte eine harmonische Stille zwischen ihnen. Mittendrin blieb Theoderich stehen, drehte Bella kurz zu sich und meinte:
"Ich danke Euch sehr für diesen wunderbaren Abend. Ihr wißt nicht, wie glücklich mich dieser gemacht hat. Und vor allem ist wieder etwas von der Bella zum Vorschein gekommen, die ich kennenlernte. Darüber bin ich sehr froh, und ich werde alles daran setzen, dass Ihr wieder zu Eurer Herzlichkeit zurückfinden werdet."
Ganz vorsichtig drückte er sie kurz an sich, aber ließ sie sofort wieder aus, um sie nicht zu verschrecken.
Als sie wieder am Schloßportal ankamen, verabschiedete sich Bella.
"Vielen Dank für diesen lustigen Abend, Theoderich. Auch ich muß mich bedanken, ich habe mich schon länger nicht mehr so gut unterhalten wie heute. Ich wünsche Euch eine gute Nacht und schöne Träume."
Sie gab ihm zum Abschied einen angedeuteten Kuss auf die Backe, dann ging sie auf ihr Zimmer, zog sich aus und ging ins Bett, wo sie gleich danach einschlief.
Modifié par Bellandyrs, 16 avril 2010 - 06:20 .