Theoderich hörte die Alarmglocken der Stadt und wurde bleich. Beim Stein, es waren wohl doch ein paar wenige mehr Gegner aufgekreuzt. Er konnte nun wirklich keinen klaren Gedanken mehr fassen, schloß das Geschäft, kaufte sich eine Flasche mit Wacholderbrand und ging nach Hause. Dort schenkte er sich das erste Gläschen ein, hob es an, schloß kurz die Augen und sagte leise:
"Auf Dich, meine süsse Bellandrys, möge der Stein mit Dir sein." Dann trank er das Glas in einem Zug aus, legte seinen Lederwams ab und setzte sich, nur noch mit seinem Hemd und Hosen bekleidet, an den Tisch. Dort mußte er das Glas immer schneller auffüllen, da er jedem in Gedanken Glück wünschte, und bei jedem der Gefährten eins davon leerte. Er wollte nicht daran denken, was alles passieren konnte. Daraufhin nahm er gleich noch ein Glas.
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"FEUER!"
Bella schoß den ersten Pfeil ab, und sah aus den Augenwinkeln ihre beiden Waräger Richtung Jule und Jannis rennen, aber daran vorbei und an den nächsten Ausgang postierend, mit Blickrichtung zu ihr hin.
Um so besser, sie würden auf ihren Befehl warten.
Oger. In ihrem Gehirn arbeitete es fieberhaft. Und was sie von dem Kultisten zu halten hatte wußte sie erst recht nicht, sie war bisher noch nie auf einen getroffen.
Die ersten Reihen lichteten sich, dank der zielsicheren Bogenschützen, die teilweise sogar brennende Pfeile abschossen. Lyna konzentrierte sich auf den linken Oger, der wütend brüllte aber kein Ziel fand, an dem er seinen Zorn auslassen konnte.
"JULE!!" schrie Bella aus Leibeskräften. "Da ist ein Oger, wartet bis der schwer verletzt ist, aber geht ja nicht an ihn ran, Euer Brustkorb hält das noch nicht aus!"
Jule setzte zwar eine grimmige Miene auf, als würde ihr das überhaupt nicht passen, aber sie nickte.
Bella entkorkte eines der Fläschchen und schmiß es zielsicher in die Mitte der Brut. Säure spritzte auf und ließ die Hurlocks noch hässlicher werden, ihre Rüstungen zersetzten sich und das Gebrüll vor den Toren nahm zu.
Der Offizier ließ die ersten Soldaten hinaus, die an der rechten Front kämpfen sollten, wo die Reichweite der Bogenschützen versagte.
Bella blickte die beiden Waräger an, die nur auf ihr Zeichen gewartet hatten. Sie streckte ihren rechten Arm aus, zeigte Richtung Schlachtfeld und nickte. Die Waräger rissen ihre Zweihänder in die Höhe und stürmten aus dem Tor, gefolgt von zwanzig weiteren Söldnern des Königs, und griffen von hinten an. Langsam wurde das Chaos perfekt, die Brut verteidigte sich nach vorne, nach hinten, der linke Oger brüllte wie am Spieß. So sah er auch aus, in der harten Schale steckten unzählige Pfeile. Bella mußte trotz dem Ernst der Lage lachen.
"JULEEEE!!!! JETZT!!!" brüllte sie, und die Freundin nebst Jannis rannten durch den Eingang.
Zeit für die nächste Phiole, die Bella zielsicher neben dem Oger platzierte, so dass nicht nur er, sondern auch die nächsten Genlocks sich kaum noch bewegen konnten. Verlangsamungsgift - immer wieder effektiv, dachte Bella bei sich.
Es war jedenfalls die Chance für Jule und Jannis, diesem den endgültigen Garaus zu machen.
Bella bedeutete Lyna, dass sie nun aufpassen mußte, nicht dass sie versehentlich auf die beiden schoß. Gleich danach schalt sie sich einen Narren, Lyna war zielsicher genug, dass sowas nicht passieren würde.
Bella nahm den nächsten Pfeil aus ihrem Köcher und schoß diesen in die Menge. Wums, wieder einer weniger. "Mist, jetzt habe ich nicht mitgezählt" kicherte sie Lyna an. Langsam wurde es Zeit für sie, sich auch ins Getümmel unten zu mischen. Vor allem der Oger an der rechten Flanke machte ihr noch Sorgen. Sie blickte in die aufgeschreckte Horde, und sah den Oger. Dieser fuchtelte wild mit den Armen, die Augen entsetzt aufgerissen und laut brüllend. Bella blinzelte.
Das konnte doch nicht sein, oder narrten sie die dunklen Wolken? Sie hätte schwören können dass in der Stirn des Ogers ein Dolch steckte.
"Lyna? Seht Ihr das auch? Oder machen mir meine Augen einen Streich? Der Oger rechts?"
Diese unterbrach ihre Konzentration und blickte mit zusammengekniffen Augen zu besagtem Feind. Dann nickte sie, nahm den nächsten Pfeil und schoß weiter.
"Ich gehe nun auch nach unten. Viel Glück, Lyna!"
Bella ließ ihren Bogen auf den Boden fallen, warf den Köcher hinterher, trug in aller Eile ein höchstwirksames Unterbrechungsgift auf ihre Dolche und griff nach ihrem Langschwert. Dann rannte sie zum Tor hinaus und sprang schon bald über die ersten Leichen, die ihren Weg säumten. Die Soldaten hatten bereits gute Arbeit geleistet.
Mit einem Kampfschrei erreichte sie den ersten Hurlock, und mit einem weitausholendem Schwung trennte sie diesem den Kopf ab. Sie lief weiter, mit ihrem Schwert Halbkreise ziehend, dabei manche der Gegner verletzend, manchmal tödlich treffend.
Beinahe mechanisch, aber mit einem fast glücklichen Funkeln in ihren Augen, schnetzelte sie sich durch die Horde. Aus den Augenwinkeln sah sie den linken Oger zu Boden gehen, Jule war also auch erfolgreich.
Bella war mitten unter den Söldnern und verrichtete auch ganze Arbeit. Ihr Blick wanderte zu dem anderen Oger, der tot am Boden lag, man sah nur die Einstichwunde auf der Stirn. Der Dolch war weg. Und zwischen all der dunklen Brut meinte sie, einen Schatten zu sehen, einen schwarzen Kapuzenumhang.
Modifié par Bellandyrs, 19 avril 2010 - 09:20 .