Der Angriff auf die Schlacht hatte Spuren hinterlassen.
Der König war fuchsteufelswild, und die Adeligen bestenfalls kleinlaut.
Als Avalos auch noch die verhinderte Invasion durch Orlais offenlegte, brach auch der letzte Widerstand gegen einen großangelegten Feldzug zusammen.
Trotzdem hatte er tagelang keine Zeit gefunden - politische Querschläger, Aufmarschpläne, Ausrüstung, Ausbildung neuer Rekruten.
Schatten hatten sich in sein Gesicht gegraben. Er sehnte sich nach Lyna...und ein kleines bisschen nach dem Rest seiner Gruppe.
Gelegentlich hatte er sich des Nachts rausgeschlichen und hatte Lyna´s leisen Atemzügen gelauscht, und sich gewünscht, dass er sie in besseren, in ruhigeren Zeiten getroffen hatte.
Doch die Zeit schritt unerbittlich fort.
Inzwischen schien es sogar so, als die bescheidene Runde, mit der sie aus Orzammar aufgebrochen waren, sich inzwischen beträchtlich vergrößert hatte. Das Hauspersonal ließ ihm gelegentlich Informationen zukommen´, über poltische Querulanten, aber auch über "seine" Gefährten.
"Herr."
Ein blasser Page stand auf einmal in seinem Gemach.
"Sprich."
Er hatte schärfer geklungen, als er beabsichtigte.
"Die...Die Rüstung, die euch angefertigt wurde, ist jetzt fertig. Wollt ihr sie anprobieren?"
Wortlor drehte er sich um, während der Page auf mehrere eingepackte Kisten wies, die andere Diener soeben hereinbrachten.
Der Schatten schlug das Wachstuch zurück und fuhr mit dem Finger über das Metall.
Vollendung.
Eine mattschwarze Rüstung. Und auf dem Brustpanzer das vertraute Symbol der schwarzen Sonne.
Sie flüsterte ihm zu, ein leeres Hallen in seinen Gedanken. Und auf einmal wußte er, wohin er die Gewalt zu lenken hatte, die er entfesselt hatte.
Der massive Stahl war zugleich leicht und beweglich. Trotzdem würde er selbst schwerste Schläge einstecken.
Insgesamt war sie eine Mischung zwischen seiner alten und einer Plattenrüstung; Er würde mit ihr kaum langsamer sein, dafür allerdings deutlich besser geschützt.
"Ihr dürft wegtreten. Ich bedanke mich für die Rüstung."
Mit einem Wink bedeutete er den Dienstboten, ihn allein zu lassen.
MIt geübten Handgriffen legte er sich die Rüstung an.
Jede Bewegung, tadellos.
Die Dehnungsfugen ließen selbst für kompliziertere Ausweichbewegungen genügend Spielraum, ohne ihn zu behindern.
Seinen Kapuzenmantel konnte zwar nicht vollkommen die kantigen Formen des Harnisches verdecken, aber für einen flüchtigen Beobachter war er einfach nur ein vermummter Reisender.
Im Gehen schnappte er sich seinen Waffengürtel, schloss die Koppel und begab sich federnden Schrittes in den Schlossgarten.
Er ließ seinen Blick schweifen. Unbewußt ballte er den mit scharf geschliffenen Stahlgeflecht gepanzerten Handschuh; Das Leder knirschte leise. Die Kettenglieder rieben leise aneinander. Das Geräusch ließ nur erahnen, wie oft er schon in Schlachten stand, noch bevor an die Marschen auch nur zu denken war.
Wie lange schon wandelte er auf dieser Welt, wie lange schon war er Richter und Henker, Soldat und Schlachtenlenker der schwarzen Sonne?
Unwillkürlich umschloss er den Knauf und Heft seines Schwertes. In Gedanken hörte er seine Klinge singen, durch Fleisch und Knochen, Sehnen und Blut, Stahl und Rüstung, ob Mensch oder Brut...
Er lächelte, im Dunkel seiner Kapuze. Kein warmes Lächeln, sondern eins, das die meisten Menschen als entsetzliche Verheißung, auf Blut und Kampf interpretiert hätten.
Aber noch war die Zeit der Schlachten nicht gekommen. Die Heere waren aufgestellt, die Würfel gefallen.
Jetzt würde er agieren. Und die Sümpfe, die Rückzugsgebiete der Brut, warteten schon.
Sollte sich der König und sein Landthing darum kümmern. Sobald er wußte, nach was die Brut dort suchte, würde er Antworten haben.
Je nach dem, wie diese Antwort ausfiel würde er seine nächsten Schritte abwägen; Um seine Gefährten machte er sich keine Sorgen, sie würden folgen. Ob sie wollten oder nicht, denn sie waren in größerem gefangen, als sie auch nur erahnten... Würden sie sich denn Gedanken machen. Aber Sterbliche machten sich darüber keine Gedanken; Dafür waren ihre Leben wohl zu kurz.
Ein paar der Anwesenden in dem Garten lieferten sich Übungskämpfe. Ein paar vertraute Gesichter, ein paar ihm unbekannt.
Er trat zu ihnen.
Verbeugte sich leicht, vor den beiden Kämpfern und lachte leise.
"Wie ich sehe, Jannis, lebt ihr noch? Man glaubt es kaum, aber jou... tot seid ihr nicht. Ob es eure Künste oder reines Glück war, dass die Brut euch nicht gehäutet hat, kann ich nicht entscheiden. Aber es wird bestimmt beides gewesen sein.
Und ihr? Mit wem habe ich das Vergnügen?
Seine malachitenen Augen fixierten den Unbekannten. Unter seinem Blick schienen sich Schatten auf den Jüngling zu legen.
"Nein, sagt nichts. Namen sind nichts, Schall und Rauch; Sie vergehen wie Asche im Wind. Lasst eure Fähigkeiten sprechen. Ihr beide gegen mich."
Mit einer geübten Bewegung entledigte er sich seinem Mantel und zog mit einer tänzerisch anmutenden Bewegung sein nachtschwarzes Schwert und seinen Dolch.
Keine von beiden Klingen reflektierte das Sonnenlicht; Es schien einfach so zu verschwinden, als die Sonnenstrahlen auf den matten Stahl trafen.
"Zu langsam," dachte er sich. Ihre irritierenden und defokussierten Blicke verrieten sie.
Nun denn, Gentleman; Lasst unsere Klingen tanzen!"