Die Männer bildeten ein Spalier, eine freie Gasse. Geleit für die Delinquienten.
Der König, Avalos zur Rechten und ein untergeordneter Feldherr zur Linken.
Die grob behauenen, feldmäßigen Bänke waren in einem großen, zu einer Seite hin offenem Rechteck aufgestellt. Die Stirnseite besetzt von der Richterschar, zur Rechten ein schmuddelig wirkender Hauptmann, der immer wieder wild gestikulierend in die Richtung des gefesselten Elfs deutete und ziemlich unzweideutig über seine Kehle fuhr.
Ein Gerichtstag war schon lange überfällig gewesen, obwohl sie erst seit ein paar Tagen marschierten. Es waren Kleinigkeiten. Ein gestohlener Apfel, ein Laib Brot unterschlagen, Schlägereien.
Aber ausgerechnet seine Gefährten mordeten sich munter durchs Feldlager. Was für eine Farce....
Aber sein Dilemma blieb. Ließ er sie hinrichten, zeigte er den Männern, dass es keinerlei Ausnahmen gab, das jeder vor dem Recht derselbe war.
Aber wer wußte schon, was sie finden würden, nach der Schlacht? Er hatte eine Vermutung, und die gefiel ihm garnicht. Sollte sie sich bewahrheiteten, würde er sie alle brauchen.
Sein Blick zuckte kurz zu Lyna, die mit versteinertem Gesicht und tränennassen Augen am Rand der Menge stand. Er musste sich zusammenreißen. Die Schlacht rückte immer näher. Und die Verwirklichung seines Plans auch. Noch einmal würde sich nicht seine Geschichte wiederholen.
"Mannen des Königs! Schweigt, und lauscht dem Urteil eures gerechten und gütigen Königs!"
Die Menge verstummte nach und nach.
"Soldaten! Selbst im Krieg gibt es Gesetze, auch wenn die meisten unter Waffen zu schweigen haben. Die Wenigen, die bleiben, werden mit aller Härter verfolgt!"
Amofillias schwieg einen Augenblick, dann brandete Jubel auf.
"Und jetzt lasst beginnen, Gerechtigkeit zu walten. Sie soll allen widerfahren, Geschädigten und Täter, Opfer und Schuldigem."
Auf ein Handzeichen des Generals brachte ein Waräger zwei Soldaten in das Rechteck.
Die Wache rollte ein Pergament auseinander und begann zu lesen.
"Es begab sich, dass Brogi Elaffson, hier zu Linken, seinem Kameraden und Mitkämpfer Feinster Ulahad einen Teil seiner täglichen Ration stahl. Fernerhin behauptet er, dass er sich ebenso vor den täglichen Pflichten des Lagerbaus zu drücken pflegt.
Auf Verlangen Elaffson, durchsuchte die diensthabende Wache im Beisein Feinster Ulahad dessen Gepäck, und fand Teile von Elaffson´s Essgeschirr."
Die Wache trat zurück.
Der Köig strich sich durch den Bart.
"Was hat der Angeklagte dazu zu sagen?
Der etwas klein geratene Mann blickte auf, fing an, stotternd Antwort zu geben.
Aus seinem Gefasel entnahm Avalos, dass er bestenfalls log und weitaus mehr Dreck an den Hacken hatte, als die Anklage hier wußte. Seine Angst konnte er bis hierhin fühlen.
Er flüsterte dem König seine Beobachtung leise ins Ohr.
Amofillias erschauerte unmerklich, und fragte sich, mit welchen Mächten dieser Mann tatsächlich beseelt war.
Die Antwort der Richter fiel einstimmig aus.
Für Diebstahl wurden seine Rationen gekürzt. Für die Befehlsverweigerung jedoch wurde der Delienqient ausgepeitscht.
"Dreißig Schläge auf den Rücken. Wenn ihr wollt, dürft ihr euer Hemd anbehalten, Ulahad."
Der dicke Soldat wurde blaß, fügte sich aber seinem Schicksal.
Sofort wurde er zu zwei senkrechten Bohlen gezerrt, mit gespreizten Armen festgebunden und dort...
Der König hob die Hand.
"Er soll dort nicht länger verweilen als notwendig. Vollstreckt die Strafe sofort, und lasst ihn danach gehen. Außerdem verbiete ich ihm, die Wunden mit Magie heilen zu lassen. Vor der Schlacht darf er sie magisch behandeln lassen. Aber nicht jetzt, denn der Schmerz soll ihm Begleiter und Manhmal sein."
Der Waräger, der die Anklage verlesen hatte, knallte die Hacken zusammen und salutierte.
Anschließend ging er langsam zu dem Verurteilten, zog langsam eine ziemlich roh gearbeitete Bullenpeitsche aus dem Gürtel.
Er beugte sich zu dem Gefesselten vor und flüsterte ihm leise etwas ins Ohr. Der Gefangene nickte, und ließ sich bereitwillig ein mit Leder umwickeltes Holzstück zwischen die Zähne schieben.
Der Waräger trat zurück, nahm Maß und holte mit der Peitsche aus. Das aufgedröselte Ende hinterließ lange, blutige Striemen auf seinem Rücken. Noch schrie er nicht. Ab dem zehnten wimmerte er. Ab dem 15 schrie er wie am Spieß. Als sie ihn losbanden und davonschleiften, war er vor Schmerz und Blutverlust ohnmächtig geworden.
Avalos Blick zuckte in Richtung Theron und Jule. Beide verfolgten das Schauspiel mit stoischer Miene. Theron hatte sich relativ gut im Griff. Aber Jule stand die Angst in den Augen.
"Nächster Fall." Avalos hatte leise gesprochen, aber deutlich. Die Menge verstummte abrupt, die den Delinquienten verhöhnt und verspottet hatte.
Der Wachsoldat rollte wieder sein Pergament aus, und verlas den nächsten Fall. Wieder Kleinigkeiten, die aber drakonisch bestraft wurden. Nur einmal ließ der König Gnade vor Recht ergehen, als sich herausstellte, dass einer der Angeklagten noch ein halbes Kind war, der sich, ohne es zu wissen, an einem falschen Waffenständer bedient hatte und prompt sich eine fein gearbeitete Klinge eines hohen Offizieres geommen hatte.
Es dämmerte inzwischen, und die Menge wartete gespannt auf den Prozess gegen Theron und Jule.
"Es werden vorgeführt, Theron, Dalish, und Jule, grauer Wächter."
die kleine Prozession setzte sich in Gang. Vier gerüstete und and die Zähne bewaffnete Soldaten, die die beiden gefesselten Elfen in ihrer Mitte vor den Richtertisch bugsierten.
"Verlest die Anklage." Avalos Stimme war bar jedweder Emotion, knochentrocken und eiskalt.
Wieder zückte der Waräger die Pergamentrolle.
"Vor wenigen Stunden griffen die Beklagten drei nichtsahnende Männer an, und ermordeten diese. Die tödlichen Hiebe wurden hauptsächlich durch den Elf geführt, während die graue Wächterin der Beihilfe zum Mord angeklagt ist.
Die Tat wurde von einem halben Dutzend ehrbarer Männer bezeugt, die den Tatablauf allesamt gleich schilderten.
Die Beklagten griffen ohne jedwede Vorwarnung ihre Opfer an und erstachen diese, scheinbar ohne jeden Grund.
Aufgrund der schwere der Tat, lautet die Empfehlung der Zeugen auf eine sofortige Hinrichtung."
Wieder knallte der Gerichtsdiener die Hacken zusammen, salutierte, und trat einen Schritt zurück.
Der König strich sich über den gestutzten Bart.
Ein kurzer Blick zu Avalos, der ziemliches Unbehagen ausdrückte.
"Lasst die Angeklagten sprechen. Sie sollen aber wissen, dass das Gesetz de Marschen auch für Wächter gilt, und ebenso ihre Urteile."
Modifié par MagicBullet, 03 juillet 2010 - 12:09 .